HAEVN - Throw Me A Line

HAEVN – Aufbruch in eine neue Welt

2020 war für die Niederländer von HAEVN die Eroberung des deutschen Musikmarktes vorgesehen. Doch dann kam für das Amsterdamer Duo alles anders. Denn während ihre Konzerte für den September 2020 angesetzt waren, konnte Anfang des Jahres noch keiner davon ausgehen, dass auch sie es treffen würde, wenn die Gigs abgesagt werden müssen. Zuvor haben sie bereits mit mehreren voluminösen Singleauskopplungen, wie Bright Lights, Finding Out More, Fortitude oder Back In The Water brilliert. 2018 folgte schließlich mit Eyes Closed das Debütalbum. Für ein Duo, die mittlerweile nicht mehr nur aus dem Duo Marijn van der Meer (Singer/Songwriter) und Jorrit Kleijnen (Komponist) besteht, sondern mit Bram Doreleijers an der Gitarre, Mart Jeninga am Bass und David Broeders am Schlagzeug zu einer ganzen Band herangewachsen ist, hat sich der Sound weiterhin organisch und allumspannend entwickelt. Dabei ist vor allem die Herkunft von van der Meer und Kleijnen entscheidend, zeigt sich aus ihrer Arbeit für Film und Fernsehen doch, dass sie eine ganz besondere Soundästhetik besitzen. 2019 folgte schließlich mit Symphonic Tales eine orchestrale Version einiger ihrer Songs ihres Debütalbums, welche sie zusammen mit einem 50-köpfigen Orchester neu einspielten. Nun, nach zwei Jahren des Komponierens und neuer Texte Schreibens veröffentlichen HAEVN mit Throw Me A Line einen neuen Song, der gleichzeitig ihr bisher längstes Musikstück ist, dass sie je produziert haben.

HAEVN
HAEVN

Entstanden ist einmal mehr ein Sehnsuchtssong für das, was jedem Einzelnen von uns fehlt. Mit intensiven Geigen und dem sehnsüchtigen Gesang van der Meers ist ein so universeller Song entstanden, der sich auf macht, in eine neue Welt. So baut sich Throw Me A Line langsam auf und wird im Verlaufe der etwas mehr als fünf Minuten zu einer intensiven Reise durch die eigenen Baustellen im Leben. Mit einem imposanten Aufbruch, nach einem Moment der Ruhe, bei ungefähr der Hälfte des Songs, entsteht ein so warmes überwältigendes Gefühl der Freiheit, dass wir uns förmlich auf den höchsten Bergen der Welt stehen sehen und uns mit einem Schrei von all der Last befreien, die uns begleitet. HAEVN fügen zur Veröffentlichung des Songs hinzu, dass sie Throw Me A Line zu einem Zeitpunkt geschrieben hatten, als wir fasziniert von dem Dilemma des doppelten Wunsches nach dem Unbekannten, gleichzeitig aber auch nach der Konstanz und Sicherheit im Leben waren. Manchmal muss man etwas beenden, um das Ziel zu verfolgen. Jeder Mensch kennt dieses Gefühl. ‚Das Leben beginnt dort, wo deine Komfortzone aufhört‘. Aber was ist, wenn es zu viele Dinge gibt, die man dafür aufgeben müsste? Wieder und wieder schaffen es HAEVN mit ihrer Musik, in uns ein Verlangen nach Frieden, Freiheit und Vollkommenheit zu wecken und geben uns gleichzeitig in nur 5:15 Minuten all diese Attribute gleichwohl mit ihrem neuen Song verpackt wieder mit an die Hand.

Krezip - You Are Not Alone

Krezip – Die Geschichte schreibt sich weiter

Es war eine fulminante Rückkehr der niederländischen Erfolgsband Krezip, die sie 2019 hinlegten. Nach zehn Jahren der Trennung von 2009 bis 2019, gaben sie Anfang des Jahres 2019 bekannt, wieder zusammen aufzutreten und veröffentlichten nur wenige Tage später mit Lost Without You die erste Single. Was folgte, waren mit How Would You Feel eine weitere Single im Sommer und ein erstes neues Album, nach 12 Jahren, im Herbst 2019. Dabei nutzen sie für die Veröffentlichung des Albums Sweet High den Konzertmarathon im Amsterdamer Ziggo Dome, den sie an drei Tagen hintereinander ausverkauften und damit über 50.000 Fans wiedersahen. Am Ende des Jahres standen erfolgreich ausverkaufte Konzerte, eine Albumveröffentlichung, die Goldstatus erreichte und mit Lost Without You eine neue Platin-Single. Das 2020 anders ablief, als es sich die Band vorgestellt hatte, dürfte nicht erstaunen, doch hat die Band um Frontsängerin Jacqueline Goveart die Monate ohne Auftritte genutzt, um an neuer Musik zu schreiben. Herausgekommen ist mit You Are Not Alone ein Song, der pünktlich zum neuen Jahr gestern veröffentlicht wurde und sich als eine Heilung für das vergangene Jahr verstehen lässt.

Krezip
Krezip

Mit der Botschaft, nicht zu sehr, nach hinten zu schauen oder an alten Dingen festzuhalten, halten sie uns an, sich auf das zu besinnen, was uns ausmacht. Dabei harmoniert der Song in typischer Krezip-Manier mit Govaerts wunderbar, klarer Stimme und einem steten, leichten Gittarenspiel, bis sich in der zweiten Hälfte schließlich ein Orchester einbringt und mit Anne Govaert und Annelies Kuijsters wieder zum mehrstimmigen Refrain angesetzt wird. Für alle Fans der, 1997 in Tilburg gegründeten, Band ist You Are Not Alone ein absoluter Herzenssong, der mit all den bekannten und beliebten Elementen der Popband aufwartet. Gleichzeitig ist You Are Not Alone der Titelsong des dritten Teils der niederländischen Comedyfilmreihe Soof. Auch Krezip hatten 2020 viel Zeit, um an neuer Musik zu arbeiten. Hier hören wir nun das erste Ergebnis dieser Arbeit und hoffen, dass uns 2021 noch mehr Songs der niederländischen Erfolgsband bringen wird.

Axel Flóvent - You Stay By The Sea

Axel Flóvent – Eine Stimme, wie ein Streichen der Seele

Was tragen die Bewohner skandinarvischer Länder in sich, dass von ihnen so viel tiefgründige, berührende Musik ausgeht. Ob Ásgeir, Sigur Rós, Freyr oder Albert af Ekenstam – nur um einige zu nennen. Alle liefern uns einen Sound, der so tiefgreifend ist und uns emotional einfach enorm berührt. Hier hören wir gebrochene Seelen, wieder auferstehende Persönlichkeiten, die Weite der dünn besiedelten Länder und etwas zurückgezogenes. Auch bei dem Isländer Axel Flóvent erkennen wir all diese Attribute in seiner Musik wieder. Dabei ist der Singer/Songwriter lange gereist, um seinen Lebensmittelpunkt zu finden. Aus dem isländischen Húsavik kommend, das gerade einmal knapp 2.300 Einwohner zählt, zog es in in die Niederländische Hauptstadt Amsterdam. Hat er hier zwar einen Plattenvertrag unterzeichnen können, war ihm die Stadt zu groß. So zog er auf die andere Seite des Ärmelkanals, ins Südenglische Brighton und musste schließlich auch hier feststellen, dass es für ihn keinen emotional reicheren Ort gibt, als seine Heimatstadt. So zog es ihn also wieder nach Húsavik zurück, wo er die Ruhe, die Einsamkeit und die Melancholie wiederfand, um sich an sein Debütalbum zu setzen.

Axel Flóvent - Photo by Magnus Andersen
Axel Flóvent – Photo by Magnus Andersen

Herausgekommen ist You Stay By The Sea, das am 15. Januar 2021 erscheinen wird. Dieses ist mit zwölf eindrucksvollen Songs versehen, die alle unsere innersten Gefühle wachrütteln. Plötzlich sehen wir auf eine kalte See, stehen am Strand im Winter und fühlen den eisig, frischen Wind auf unserer Haut – der mal wie Nadeln sticht, mal erfrischen belebend wirkt. Dabei ist gar nicht wichtig, was wir sehen, wenn wir die Musik Flóvents hören. Vielmehr ist es das, was wir vor unserem inneren Auge sehen und was sich in unserem Kopf abspielt, welches die Musik des jungen Isländers ausmacht. Allesamt bedeuten die Songs einen wertvollen und emotionalen Reichtum an Wahrhaftigkeit, die wir viel zu oft in der Musik suchen. Axel Flóvent öffnet bei uns mit seinen Songs eine Tür zur Reflexion, zum Austausch zwischen unserem äußeren und inneren Ich und transportiert so wunderbar pur die Gefühle, der er gehabt haben muss, als er die Songs schrieb. Hier gibt es nicht einen der zwölf Songs, der auch nur in die Nähe eines mittelmäßigen Songs oder gar darunter kommen würde und verspricht nicht weniger, als eines der angesehensten Folk- und Singer/Songwriter-Alben zu werden, die der Winter 2020/2021 zu bieten hat.

Dotan - Letting Go

Dotan – Neues Leben, neue Musik und neues Album?

Mit seinem zweiten Album 7 Layers (2014) schaffte der niederländische Singer/Songwriter Dotan seinen großen Durchbruch. Die darauf enthaltene Single Home wurde sogar in Deutschland zum Hit. Nach seinem 2016er Song Shadow Wind, welcher zum niederländischen Soundtrack der Olympischen Spielen wurde, folgte Anfang des Jahres mit Numb die erste neue Single des Sängers. Nun hat Dotan mit Letting Go eine weitere Single veröffentlicht, die vage eine brisante Zeit in seinem Leben thematisiert. Denn die letzten anderthalb Jahre waren – wenn auch eigenverschuldet – recht hart für den Amsterdamer Sänger. Letting Go ist musikalisch dabei eine feste Nummer und zeigt Dotan mit genau diesem Sound, den wir alle seit 7 Layers von ihm lieben. Große Gesten mit epischen Sound und choralem Gesang dominieren die balladeske Kulisse des Songs und zeigen, dass Dotan sich nicht hinter seinen dunklen Schatten der vergangenen Jahre verstecken muss.

Krezip - How Would You Feel

Krezip – Wenn sie uns rufen

Krezip sind zurück! Diese Nachricht schlug Ende Januar ein wie eine Bombe – eine der erfolgreichsten niederländischen Bands veröffentlichte, nach 10 Jahren Trennung, mit Lost Without You wieder eine Single. Hierbei galt die Single nicht nur als Comeback, sondern gleichzeitig auch als großes Dankeschön an die jahrelange Treue der Fans. Immerhin war die Band nun genauso lange getrennt, wie es sie als Band gab. Schließlich folgte Ende April die Auszeichnung mit einer Goldenen Schallplatte und bestätigte damit die Nachfrage der Fans. Nach der Ankündigung nicht nur auf dem Pinkpop Festival zu spielen, sondern am 25. Oktober 2019 gleich noch ein Konzert im Amsterdamer Ziggo Dome zu spielen, gingen die Karten innerhalb von weniger Stunden komplett weg. So, dass die Band mit dem 24. und 26. Oktober zwei Zusatzkonzerte ankündigte. Ist der 26. Oktober mittlerweile ebenfalls ausverkauft, gibt es für den 24. Oktober noch Karten zu kaufen. Doch auch diese werden in den kommenden Wochen äußerst nachgefragt sein, denn heute haben Krezip – als weitere Überraschung – eine zweite – komplett neue – Single veröffentlicht. Mit How Would You Feel haben Krezip einen Song veröffentlicht, der das Gefühl der Band nicht besser vermitteln könnte. Hier trifft Wärme auf eine euphorische Stimmung, die nach Aufbruch klingt. Dabei singt sich Jacqueline Govaert durch Textzeilen, wie Ooh ooh ooh There’s so much going on. And everything is always moving on. How would you feel. If I come home now. Cause I need you now love. Oh I need you now. And on and on I miss you. Und klingt zufriedener denn je. Die Band – selbst überwältigt von all dem Zuspruch – fügte der Veröffentlichung dann auch die Worte Liebe Leute, zwischen all den schönen neuen Abenteuern, die wir gemeinsam erleben dürfen, gab es plötzlich Inspiration für ein weiteres neues Lied! Damit zeigen sie ganz direkt, wie sehr sie mit den Fans verflochten sind und die äußeren Eindrücke auf sie wirken. Nun, nach der zweiten neuen Single, werden die Vermutungen, dass es doch in absehbarer Zeit ein neues Album geben könnte, nochmals verstärkt. Mit How Would You Feel zeigen Krezip einmal mehr, warum sie uns allen so gefehlt haben.

The Slow Show – Ein komplettes Leben in einer Stimme

Mit den beiden Alben White Water (2015) und Dream Darling (2016) legten die Briten von The Slow Show innerhalb von wenigen Monaten zwei so atemberaubende Alben vor, wie es so nur wenige andere Bands geschafft haben. Rob Goodwins Stimme war es vor vier Jahren, die für Begeisterungsstürme sorgte – hat sie mit der Tiefe und ihrem enormen Bass eine Wirkung, wie ein alter Geschichtenerzähler. Dabei setzt Goodwin seine Stimme so passend in die Arrangements der Band ein, dass es schließlich in den meisten The Slow Show Songs – wie Ordinary Lives oder Bloodline – zu einem wahren Ausbruch kommt. Einem Ausbruch der Instrumentierung, des Arrangements, der Emotionen, Goodwins Stimme und einem Gefühl, das unendliches Leid mit Aufbruch und Mut verbindet. Nun sind The Slow Show nach drei Jahren der Stille mit einem ersten neuen Song zurück und rufen damit alte Gefühle hervor. Denn auf Sharp Scratch greifen Rob Goodwin, Fred Kindt, Joel Byrne-McCullough, James Longden und Chris Hough zu den gewohnt opulenten Arrangements und zeichnen ein warmes Bett aus Instrumenten welches in unseren Köpfen Bilder erzeugt, die getrieben von Erinnerungen sind und abermals vor Emotionen zu explodieren scheinen. Dabei klingt Goodwins Stimme anfangs noch erzählerisch zu den Instrumenten, die schließlich wie ein mahnendes Gewitter ausbrechen um kurz darauf in sich zusammenzufallen und schließlich in einem versöhnenden Traum zu münden, den Goodwin mit seiner starken Stimme auffängt. The Slow Show singen nicht einfach nur Geschichten, sie machen sie durch ihre Musik erlebbar und lassen uns mitfühlen. Auch erleben können wir die Jungs bei einem ihrer vier Konzerte in Berlin, Amsterdam, Antwerpen oder London Mitte April. Doch die Konzerthäuser sind klein, also müsst Ihr schnell sein!

Krezip – Nach zehnjähriger Pause mit neuer Single zurück

Krezip – das war die unglaublich erfolgreiche niederländische Band, die sich 1997 gründete, als die meisten Bandmitglieder gerade einmal 15 oder 16 Jahre alt waren. Mit dem Song I Would Stay stürmten sie im Sommer 2000 die Charts  und hielten sich drei Wochen auf Platz 1 der niederländischen und neu Wochen auf Platz 1 der belgischen Singlecharts. Im selben Sommer, gab es den legendären Auftritt – der gerade einmal so volljährigen Band – auf dem niederländischen Pinkpop Festival, der die Newcomer zusätzlich pushte. Was dann folgte, ließt sich als absolute Erfolgsgeschichte. Mit dem Debütalbum Nothing Less standen sie zehn Wochen auf Platz 1 der Albumcharts ihres Heimatlandes, legten mit Days Like This (2002), What Are You Waiting For (2005), Plug It In (2007), einer Best Of Krezip Platte und dem finalen Album Sweet Goodbye einen Marathon in den Charts hin. Zwischen der Veröffentlichung ihres Debüts und der Auskopplung des letzten Albums waren sie kumuliert sage und schreibe fünf der zehn Jahre dauerhaft mit einem ihrer Alben in den Charts vertreten. Doch 2009 kam es zur Auflösung und der finalen Single Sweet Goodbye, die mit so viel Gefühl von einer Band erzählt, die sich glücklich trennt um neue Wege zu beschreiten und sich bei den Fans mit den wärmsten Worten bedankt. Für Fans, die der Band weiterhin die Treue geschworen hatten, waren die letzten Tage ein regelrechtes Feuerwerk. Führte anfangs die Änderung des Profilbildes in die Farbe Pink für Vermutungen und einer ersten Verbindung zu einem möglichen Pinkpop-Revival, folgte am Montag die Mitteilung, dass die Band einmalig auf dem Pinkpop Festival 2019 und Ende Oktober im Ziggo Dome in Amsterdam spielen wird. Gestern dann – nur einen Tag, nachdem sie die Bombe platzen ließen, folgte mit der Veröffentlichung einer neuen Single die nächste Bombe. Im Musikvideo zu Lost Without You greift die Band auf emotionale Momente ihrer Karriere zurück und verbindet diese mit einer wunderbaren Gitarrenballade, die gewohnt warm und herzlich klingt. Hinzu kommt mit Annelies Kuijsters auch wieder die zweite Stimme und mit Zeilen wie I’d be lost without you. You’re someone to fight for. Someone to die for. Oh look at us now. I’d be lost without you. You’re someone to care for. Someone to be there for. Oh look at us now ein Text, der sich sowohl als Liebesbeweis an die tiefe Freundschaft der Band lesen lässt, als auch die tiefe Verbundenheit zu ihren Fans aufzeigt. Mit Jacqueline Govaert, Annelies Kuijsters, Anne Govaert, Jan-Peter Hoekstra, Joost van Haaren und Bram von den Berg stehen sie in der Besetzung ihres Trennungsjahres 2009 als Krezip wieder im Rampenlicht und lassen und hoffen, dass eine weitere Bombe – in Form eines neuen Albums – noch platzen wird. Krezip, es ist toll euch zurückzuhaben!

Tash Sultana – Konzertkritik

Tash Sultana ist eine absolute Überraschung – in jeglicher Hinsicht. Besteht Tashs bisherige Karriere doch aus Superlativen und Rekorden. Angefangen auf den Straßen in Australien, baute Tash sich über die letzten drei, vier Jahre eine unglaubliche Fangemeinde auf und schaffte es schließlich via YouTube auch international große Beachtung zu finden. So waren Tashs Konzerte vor zwei Jahren weltweit, ohne überhaupt einen Plattenvertrag in der Tasche zu haben, allesamt ausverkauft und mussten hier und da sogar in größere Konzerthallen verlegt werden. Nachdem Tashs Debütalbum Flow State Ende August veröffentlicht wurde, folgte nun die dazugehörige Welttournee mit Konzerten rund um den Globus und somit auch in Berlin.

Gleich für zwei Konzerte sollte Sultana am 10. und 11. September in die Berliner Columbiahalle kommen. Und so fand das Auftaktkonzert am 10. September vor einer restlos ausverkauften Halle statt.

Also Support-Act traten die Pierce Brothers auf die Bühne, bei denen es sich tatsächlich um die Zwillingsbrüder Jack und Pat Pierce handelt. Mit einer wunderbar energiereichen Folkperformance brachten die beiden Australier die Halle fast zum Beben und sorgten für eine angenehme Aufwärmphase. Dabei erinnern Songs wie AmsterdamBrother oder Ocean stark an die Anfänge von Mumford & Sons. Laut, schnell, und voller Freude spielten die beiden ihre Banjos, Gitarren und erfreuten sich einer großen Zustimmung vom Publikum, das bereitwillig dazu tanzte und die Brüder bis zum Ende ihrer Performance feierte.

Nun war es soweit und Sultana betrat die, mit Teppichen auf dem Boden für eine Wohnzimmeratmosphäre sorgende, Bühne völlig alleine. Der Abend sollte allerdings anders verlaufen, als es die meisten Fans erwartet hatten. Denn entgegen der Erwartung, Studioversionen zu spielen, konzentrierte sich Sultana darauf, freestyle zu spielen und sich in den einzelnen Songs auch immer wieder mal zu verlieren. So gingen Stücke, wie Big SmokeSynergy und Pink Moon in bis zu 7/8 minütigen Klangbergen auf und wurden bekannte Songs, wie Notion und Murder To The Mind eher samplehaft angespielt. Dass dies zu Sultana passt und der Stimmung keinen Abbruch tat, war allerdings ebenso klar – wenn man die sozialen Kanäle des Masterminds verfolgte. Denn hier wird schnell klar, dass Sultana nicht den üblichen Konventionen und Erwartungen folgt. Dieses Verhalten ist schließlich auch der Grund, warum Sultanas Debütalbum so lange auf sich warten ließ.

In der Columbiahalle spielte sich Sultana mittlerweile durch Mellow MarmaladeFree Mind und Jungle und war dabei immer derart auf die Looping-Machine und das Einspielen der jeweiligen Instrumente konzentriert, dass hier nur sehr sporadisch mit dem Publikum interagiert wurde, was den Fokus noch deutlicher auf die Kunst auf der Bühne lenkte. Somit verlor sich das Publikum immer wieder in den langen Intros und noch längeren Outros. Sultana, derweil die Mütze nach dem 15. mal richten abgesetzt, machte ein Foto von sich und dem Publikum und verschwand hinter der Bühne. Für einige Minuten im Ungewissen gelassen, applaudierte das Publikum ununterbrochen, bis Sultana für eine Zugabe mit Harvest Love und Blackbird zurück auf die Bühne trat um den Abend zu beenden.

Tash Sultana @Columbiahalle Berlin http://www.soundtrack-of-my-life.com

Sultana tickt anders und zeigt dies auch offen. Das damit verbundene Konzert hat dies eindrucksvoll gezeigt. So zeigt sich Sultana mit Herzblut und bei der Sache und vergisst selbst hier und da, dass sie gerade auf einer Bühne und vor tausenden Fans steht.

Kovacs – Mit mehr Groove durch das zweite Album

Mit ihrem Debütalbum Shades Of Black gelang es der niederländischen Sängerin Kovacs 2014 direkt auf Platz 1 der niederländischen und Platz 8 der deutschen Albumcharts einzusteigen. Ihre Mischung aus rauchig, kratziger Stimme, dem Auftreten einer zierlichen Frau und dem James Bond’schen Klang der Singles My Love und 50 Shades Of Black brachte ihr vor vier Jahren von Berlin bis Amsterdam viel Aufmerksamkeit ein. Ihr zweites Album jedoch ließ länger auf sich warten als geplant. Hatte sie das Debütalbum mit dem Produzenten Oscar Holleman realisiert – der sich für Produktionen für Within Temptation, Ayreon und Krezip verantwortlich zeichnet – zog der sich mitten im Prozess des zweiten Albums plötzlich zurück und nahm die Band, die Kovacs seit dem Debüt begleitete mit. Mit diesem Gefühl, wieder komplett alleine dazustehen und von vorne beginnen zu müssen, wandte sich Kovacs an den britischen Produzenten Liam Howe, der nicht nur bereits mit Adele, Lana Del Rey und FKA Twigs zusammengearbeitete hat, sondern Kovacs auch die Freiheit gab, sich wieder selbst zu finden, um den Sound zu realisieren, den sie nun auf ihrer neuen Single Black Spider präsentiert. Dabei ist das Gefühl, einen James Bond-Soundtrack zu hören verschwunden – hin zu einem deutlich poppigeren und groovigeren Sound, der sich unweigerlich im Körper festsetzt. Schneller und mit vielen peripheren Instrumenten, wie Saxophon, Trompeten und Geigen klingt Black Spider ungewöhnlich offen und befreiend. Kovacs scheint sich in ihrem neuen Sound wohlzufühlen und begeistert mit sehr viel Frische.

Wulf – Zwischen Pop und Folk

Aus den Niederlanden kommend, gibt der momentan in Amsterdam lebende Sänger Wulf als Einfluss ein großes Potpourri an Musikern an. So zählt er nicht nur Michael Jackson und Adele zu seinen Einflüssen, sondern auch Künstler wie Matt Corby, Phillip Glass, Beyoncé und Mozart. Dass sich diese Musikvielfalt allerdings nicht etwa negativ auf die Musik niederschlägt, können wir auf seiner aktuellen Single Mind Made Up hören. Denn hier klingt der 29-jährige Sänger alles andere als variabel. Beginnt Mind Made Up mit einer zurückhaltenden Gitarre und klingt Wulfs Stimme liebevoll und warm, entwickelt sich der Song im Laufe der zweieinhalb Minuten so einer wunderbaren Popballade, die mit folkigen Elementen, wie einem Chor und akustischen Instrumenten aufwartet. Dass Wulf dann doch nicht ganz so gradlinig ist, zeigt das Musikvideo. In dem er mal passend in einem Raum auf einem Stuhl sitzt und gefühlvoll singt, nur um im nächsten Moment auf einem Dach mit Lederjacke, rotem Stirntuch und weißen Turnschuhe den Refrain zu performen. Dies sollte allerdings die einzige Unstimmigkeit an diesem so schönen Popsong sein, der sich mit der wunderschön, warmen Stimme des Niederländers Wulf langsam zu einem veritablen Hits zu mausern scheint. Momentan arbeitet Wulf an seinem Debütalbum – somit dürfen wir auf einen interessanten Mix der Stile und Gegensätze gespannt sein.