Tame Impala - Dracula

Tame Impala – Auf den Spuren Michael Jacksons

Gleich zu Beginn von Dracula legt sich ein ruhiger, fast hypnotischer Beat unter Synthesizersounds. Nichts wirkt überladen, nichts drängt nach vorne. Stattdessen entsteht eine Stimmung, die sich langsam aufbaut und einen Schritt für Schritt hineinzieht.

Je länger man zuhört, desto deutlicher wird, wie sehr dieser Song von seiner Atmosphäre lebt. Die Produktion hat etwas Düsteres, aber ohne Schwere. Eher dieses unterschwellige Gefühl, dass etwas im Raum steht, das man nicht ganz greifen kann. In der Art, wie Spannung aufgebaut wird, erinnert das entfernt an Thriller – dieser Überhit von Michael Jackson. Nicht als direkte Referenz, sondern eher als Idee: Musik, die eine Geschichte erzählt, ohne sie auszusprechen.

Inhaltlich bewegt sich Dracula dabei in diesem Zwischenraum. Es geht um Anziehung, um Distanz, um das Spiel mit Nähe, das nicht ganz aufgelöst wird. Vielmehr geht es um dieses Gefühl, sich von etwas angezogen zu fühlen, obwohl man spürt, dass es nicht einfach ist. Die Inspiration scheint genau daraus zu kommen: aus Momenten, die nicht eindeutig sind, aus Begegnungen, die uns länger beschäftigen als gedacht.

Tame Impala Pic: instagram.com/tameimpala
Tame Impala Pic: instagram.com/tameimpala

Die Bilder, die dabei entstehen, sind ruhig und klar. Eine Nacht, die nicht ganz still ist. Vielleicht ein altes Haus, irgendwo etwas abseits. Fenster, durch die gedämpftes Licht fällt. Schritte, die durch einen Raum gehen, ohne dass man genau weiß, wohin sie führen. Der Song bewegt sich durch diese Szenerie.

Und genau dieser Ansatz ist typisch für Tame Impala, das Projekt von Kevin Parker, der seit Jahren damit seine ganz eigene Klangwelt entwickelt. Aus Australien kommend, hat er sich mit Alben wie Currents oder The Slow Rush einen festen Platz in der modernen Pop- und Indie-Landschaft erarbeitet. Seine Musik lebt davon, dass sie sich Zeit nimmt. Dass sie nicht sofort alles offenlegt, sondern sich Schicht für Schicht entfaltet.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum Dracula – das als Singleauskopplung von seinem neuesten fünften Studioalbum Deadbeat stammt – in den letzten sechs Monaten so langsam, aber konstant gewachsen ist. Kein plötzlicher Hype, sondern ein Song, der sich seinen Weg sucht. Über Playlists, über Empfehlungen, über Menschen, die ihn weitergeben. Einer von denen, die man erst nebenbei hört und dann plötzlich immer wieder laufen lässt.

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