Nathan Ball – Mit Call It Love auf dem Weg zum Debütalbum?

Mittlerweile hat Nathan Ball bereits einige Songs veröffentlicht, die Ihr auch hier auf SOML finden könnt. Neben Echo und Right Place kommen noch die EP’s – wie Beispielsweise die Acoustic EP – eine Zusammenstellung aus vier Songs, die Ball in einem Akustik-Set eingespielt hat – hinzu. Auch konnte man Ball letztes Jahr auf der Flux FM Bühne zur Fête de la Musique in Neukölln live sehen. Doch fehlt immer noch ein Album mit all seinen Songs. Einem kleinen Stück näher kommt er diesem mit der neuen Single Call It Love, die er vor zwei Tagen veröffentlichte. Dabei klingt Ball gewohnt tief und dunkel, hat allerdings auch einen größeren Sound für die neue Single gewählt. Überlässt Ball seinen Fans gerne die Interpretation seiner Songs, gab er zum Entstehungsprozess bisher nur an, dass er den Song zusammen mit seinem Gitarristen und Produzenten Max in seinem Schlafzimmer geschrieben und aufgenommen habe. Er sei seinen Fans langsam allerdings ein Album schuldig fügt er nun gerne hinzu. Ball klingt auf Call It Love größer, ohne einen großen Sound zu kreieren. Mit sanften Gitarren und Balls schwebender Stimme ist Call It Love erneut ein imposantes Zeichen für Balls konsequenten Weg, das Tempo seiner Musik zu bestimmen.

Advertisements

Smith & Thell – Schwedischer Folk dreht ganz groß auf

Sie sind eines der aufstrebendsten schwedischen Acts des Jahres. Nachdem Smith & Thell 2017 mit Soulprints ihr Debütalbum veröffentlichten, erreicht nun mit Forgive Me Friend auch die Single aus ihrer, im November veröffentlichten EP Telephone Wires den Rest Europas. Dabei besingen Maria Jane Smith und Victor Thell die Veränderung einer Freundschaft durch das Erwachsenwerden und der Naivität, dass man denkt, es würde sich nie etwas ändern. Bereits im Sommer 2018 veröffentlicht, kletterte der Song in den vergangenen Monaten europaweit immer höher. Sind sie mit Forgive Me Friend in ihrer Heimat bis auf Platz 7 gekommen, nehmen nun auch Radiostationen in ganz Europa ihre Single in ihre Playlists auf. Dabei sind die in Helsingborg lebenden Musiker musikalisch weit von dem entfernt, was die meisten schwedischen Musiker als Sound veröffentlichen. Denn mit ihrem Mix aus hymnischen Folk, Pop und dem gesanglichen Duett lassen Smith & Thell keinen anderen Weg zu, als in naher Zukunft mit Forgive Me Friend die europäischen Charts zu erobern. Hier lässt Mumford & Sons Little Lion Man grüßen und klingt doch eigenständig und frisch.

Friendly Fires – In das neue Jahr voller Energie

Als erstes wünsche ich Euch allen natürlich ein frohes neues Jahr und viele großartige, musikalische Neuentdeckungen.

Seit acht Jahren hat das britische Indie-Trio Friendly Fires bereits keine neue Musik mehr veröffentlicht. Mit ihrem schnellen Gitarrenspiel und Ed Macfarlanes markanter Stimme wurden sie Ende der 2010er Jahre zu einer festen Größe am Indiehimmel. Legten sie von 2014 bis 2017 eine kreative Pause ein, hielt sich Macfarlane mit Bemerkungen wie; Egal welche Songs wir schreiben, ob psychedelisch, 8-Minuten Tracks oder total abgefahrene Tracks, werden wir sie wenn dann unter dem Namen Friendly Fires veröffentlichen immer eine Rückkehr offen. Diesem kommen sie nun nach und veröffentlichen nach Love Like Waves im April 2018 nun mit Heaven Let Me In einen weiteren Song, der sich deutlich von ihren früheren Produktionen absetzt. Spielen sie doch mit deutlich mehr elektronischen Elementen und kommen damit in die Richtung von den Bag Raiders, Shapeshifters und Dax Riders und damit der Kategorie French-House ziemlich nahe. Die Friendly Fires werden mit ihrem dritten Album eine neue Richtung einschlagen und sind damit aktuell auf dem besten Weg ihr erfolgreichstes Album zu produzieren.

The 1975 – Ein Liebeslied an das Böse

Es sind die Zeilen And all I do is sit and think about you
If I knew what you’d do
 die uns Glauben schenken, dass uns The 1975 eines der besten Liebeslieder der vergangenen Monate schenken. Mit einem fesselnden Synthiebeat und Matty Healys sanft, poppigem Gesang klingt It’s Not Living (If It’s Not With You) so sehr nach einem 80er-Jahre Power-Lovesong, dass wir uns schon freuen, die heimliche Liebe Healys kennenlernen zu dürfen. Doch hört man den Lyrics weiter zu, wird klar, dass Healy hier von einem deutlich ernsteren Thema singt. Denn die Zuneigung, die er hier beschreibt, galt für einige Zeit den Drogen wie Heroin. Dies behandelt Healy in It’s Not Living (If It’s Not With You) so pur in direkt, dass man ihm nur gratulieren kann, wieder clean zu sein. Das dieser Weg schwer sein musste, zeigt die Band nun auch in dem dazugehörigen Musikvideo, indem Healy mit den Nebenwirkungen der Drogen – in Form von Panikattacken und Ängsten – zu kämpfen hatte und selbst auf der Bühne nicht davon verschont blieb. The 1975 stehen mit ihrem, gerade veröffentlichten, dritten Album A Brief Inquiry into Online Relationships gerade davor, weltweit zu einer der größten Rockbands unserer Zeit aufzusteigen. Da kommt die neu entfachte, drogenfreie Energie von Frontmann Healy genau richtig. Mit rotzigen Kommentaren, großen Songs und bereits einem vierten Album für Mai 2019, das Notes on a Conditional Form heißen wird, in der Pipeline, greifen The 1975 nun frontal an und sind auf dem besten Weg ihren Platz im Olymp einzunehmen.

KLAN – Zwei Brüder, eine Entscheidung

KLAN gibt es bereits seit Ende der 80er Jahre. Und doch haben sie erst jetzt, am 12. Oktober, ihr Debütalbum Wann Hast Du Zeit veröffentlicht. Ihr fragt Euch, was eine Band bitte von 1988 bis 2018 an Zeit benötigt, um ihr Debütalbum fertigzustellen?! Das Aufwachsen! Denn KLAN besteht aus den beiden Leipziger Brüdern Michael und Stefan Heinrich. Nach Jahren des brüderlichen Zusammenlebens im Elternhaus folgte der Weg in bürgerliche Jobs. Blieb Stefan in Leipzig um Medienpädagogik zu studieren, zog es Michael nach Berlin für ein Medizinstudium. Doch damit nicht glücklich werdend, folgte Stefan seinem Bruder einige Zeit später nach Berlin und beide entschlossen, ihre Berufe vorerst ruhen zu lassen, um sich der Musik zu widmen. Denn die hatten sie bereits seit der Jugend für sich entdeckt. Somit stand im Jahr 2016 der Eintrag in das Grundbuch deutscher Bandfindungen an und KLAN kam zur Welt. Nun haben sie mit der aktuellen Single Mama das Thema der Findung und Abnabelung behandelt und, wie sie mit den Erwartungshaltungen der Familie umgegangen sind. Dabei klingen sie so angenehm ruhig besonnen und singen reflektieren die Befürchtungen der Eltern, vom Weg abzukommen, sollten sie ihre Jobs für die Musik an den Nagel hängen. KLAN klingen frisch und doch irgendwie nach einem gewohnten Begleiter. Auf alle Fälle sind sie damit eine der heißesten Anwärter auf einen nächsten, großen Hit.

Mumford & Sons – Mit If I Say gehört das Stadion ihnen

Und sie schaffen es immer und immer wieder. Mumford & Sons haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Hatte sich ihr unverkennbarer Folk Ende der 00er Jahre zu einem großen Phänomen entwickelt, ging ihr letztes Album Wilder Mind mit elektronischeren Rocksounds in eine deutlich größere Richtung. Nun haben sie nach Guiding Light mit If I Say die zweite Single ihres vierten Studioalbums Delta – das für Mitte November angekündigt ist – veröffentlicht und zeigen, dass sie diesen Weg konsequent fortführen. Hier kommt zum ersten Mal in der Geschichte der Londoner Band ein Stimmverzerrer zum Einsatz und fügt so, im Intro, Marcus Mumfords Gesang eine ganz besondere Note der Verletzbarkeit hinzu. Darauf folgend setzen immer häufiger Streicher ein und geben dem ganzen eine Opulenz, die im letzten Drittel auszubrechen scheint und doch nach tiefen Emotionen klingt. Zum Schluß fügen sich alle Elemente zusammen – und so wird If I Say zu einem Bombastsong, der zeigt, dass Stillstand ein Wort ist, welches die Band nicht zu kennen scheint. Damit begeistern Mumford & Sons abermals mit einem Song, der den epischen Moment – in einem Stadion aufgeführt zu werden – der Gesamtheit beinhaltet und damit so intim wird und jeden anspricht und doch immer auch die große Weite einfängt.

Pierce Brothers – Zwillinge erobern die Welt im Sturm

Folk ist auch nach der X-ten Neuauflage immer noch eine Musikrichtung, die Wärme in einem erzeugt. So ist es auch immer wieder möglich, dass alle paar Jahre einmal eine Band nach ganz oben katapultiert wird. Zählen Mumford & Sons zu eine der letzten Bands, stehen nun in der Pipeline zwei Brüder aus Australien, die mit ihrem Folk die Herzen erobern. Die Pierce Brothers sind dabei nicht nur wirklich Brüder, sondern darüber hinaus auch noch Zwillinge. Mit ihrem ehrlichen und warmen Sound haben sie in den letzten Jahren stetig den Weg nach oben bestritten und stehen nun, als Support von Tash Sultana, weltweit auf den Bühnen und erfreuen sich großer Beliebtheit. Kommt am 26. Oktober ihr langerwartetes Debütalbum Atlas Shoulders auf den Markt, begeistern sie uns aktuellen mit ihrer Single Back End Roads auf eine ganz entspannte Art. Dabei fühlt sich Back End Roads nach dem nach Hause kommen an. Mit seinen treibenden Gitarren, sorgsam eingesetzten Banjo und den Stimmen von Pat und Jack Pierce, nehmen sie uns mit auf einen Roadtrip, an dessen Ende wir gerne gemeinsam mit den Jungs zu dem Ort zurückkehren, den wir zu Hause nennen.

Justice – French House S.O.S.

2016 hat das französische Duo Justice seine dritte Platte Woman veröffentlicht, da kam nun vor drei Wochen das Remix-Album Woman World Wide raus. Mit auf der Platte sind Songs wie Audio, Video, Disco, D.A.N.C.E., Safe And Sound, Stress und We Are Your Friends. Zusätzlich auf dem Remixalbum enthalten ist Love S.O.S. (WWW) in einer Version, die so typisch nach French-House und nach den jungen Justice klingt, dass man sich fast zehn Jahre zurückkatapultiert fühlt. Mit wirbelnden Beats, dem Gesang von Remuald und deutlich satterem Sound ist Love S.O.S. (WWW) nun bereit für die Tanzfläche. Im direkten Vergleich klingt die Originalversion zum nun veröffentlichten Remix schneller, voller und intensiver. Justice haben mit dem Woman World Wide Remix-Album ein Album veröffentlicht, dass für sich selbst steht und nicht den Weg eines gewohnten Remix-Albums einschlägt. Dabei zeigt Love S.O.S. alle Facetten des französischen Duos in voller Vielfalt.

William Fitzsimmons – Wenn das Gefühl die Zäsur setzt

Er ist dafür bekannt, große Balladen und zurückgezogene Songs zu produzieren. Sein neues Album Mission Bell hat für William Fitzsimmons allerdings nochmals an Bedeutung gewonnen. Denn es setzt eine Zäsur in Fitzsimmons Leben. Wobei der Anstoß für diese Zäsur aus einem ganz privaten Grund geschah. Denn 2017 ging Fitzsimmons langjährige Beziehung in die Brüche. Davon aufgewühlt, suchte Fitzsimmons, wie bereits auf The Sparrow and the Crow (2008) den Weg der Verarbeitung in seinen Texten und der Musik. Für das mittlerweile siebte Album Mission Bell hat sich der aus Pittsburgh kommende Musiker der Akustik hingegeben und das Album ohne einen großen, produktionstechnischen Apparat eingespielt. Herausgekommen sind Songs, wie Second Hand Smoke und Angela. Letzterer Song zeigt beeindruckend, wie es Fitzsimmons schafft, mit seiner sanften Stimme und der unaufgeregten Nutzung von Instrumenten, eine Wolke von gebrochener Geborgenheit zu erzeugen. Mit Blick auf das Gefühl, welches man unmittelbar nach einer Trennung spürt, hat es Fitzsimmons geschafft, das man sich als Hörer – und mit einem positiven Grundgefühl – in diesen Moment hineinfühlt und die Sehnsucht nach Liebe spürt, die Angela auslöst.

Half•Alive – Indie mit Wow-Video

Josh Taylor kommt uns ungewohnt bekannt vor. Vielleicht liegt es am Gesicht. Oder vielleicht an der Stimme. Aber vielleicht ist er auch einfach in seiner Gesamtheit diese Art von Künstler, den wir uns insgeheim vorstellen – der sympathische junge Mann von nebenan, frisch, tolle Stimme und mit einem Hit im Gepäck. Und das mit dem Hit im doppelten Sinne – denn Josh Taylor ist der Sänger des kalifornischen Elektro-Indie-Trios Half•Alice, welches gerade mit dem Song Still Feel für einen Wow-Moment sorgt. Denn nicht nur der Song ist eingängig und hat das Potential zum Hit, sondern auch das Video hat es in sich. Wurde das Video doch im sogenannten One-Take-Modus gedreht. Was bedeutet, dass der Dreh genauso lange gedauert hat, wie das Musikvideo dauert und kein Schnitt existiert. Einmal angesehen, finden wir dann allerdings doch recht schnell Schnitte – jedoch bleibt die Sprache des Videos die eines One-Take-Videos gleich und überzeugt mit einem regelrechten Augenschmaus. Dabei ist Still Feel auch musikalisch großartig und schlägt in die Kerbe von Foster The People, nur deutlich elektronischer. Half•Alive haben 2017 ihre Debüt-EP 3 veröffentlicht und gehen nun mit der Single Still Feel den nächsten Schritt auf ihrem Weg zum Debütalbum.