Lane 8 feat. Julia Church - Oh, Miles

Lane 8 feat. Julia Church – Mit neuem Song in die Tiefe eintauchend

Es ist eine ganz eigene Generation der Musizierenden herangewachsen, die sich im elektronischen Bereich aufhält. Da sind zum Beispiel Petit Biscuit und OTR , die mit ihren Songs auch auf SOML schon mehrmals mit Songneuvorstellungen vertreten waren. Allen voran geht aber der Kalifornier Lane 8 aus San Francisco, der bereits 2015 mit seinem Debütalbum Rise und anschließend mit den Folgealben Little By Little (2018) und Brightest Lights (2020) immer wieder durch seine instinktiven Songs aus organischen Sounds und treibenden Beats begeistert. Seine Alben sind Geschichten, die man erst in voller Gänze versteht, wenn man sich seine Alben von Anfang bis Ende anhört. Vor einigen Jahren schon startete der US-Amerikaner auch mit seinem eigenen Label This Never Happened so richtig durch. Nun hat Daniel Goldstein mit seinem Projekt Lane 8 einen ersten, neuen Song – seit dem dritten Album – veröffentlicht und präsentiert sich wieder einmal in Höchstform. Zusammen mit Julia Church aus Südafrika, die 2020 mit ihrer Single don’t really care what we call it für einen kleinen Hit im südlichsten Land des afrikanischen Kontinents sorgte, veröffentlicht Lane 8 mit Oh, Miles eine starke Dancehymne, die wie für ein Augenschließen und mit den Gedanken abschweifen gemacht ist.

Lane 8 Photo by Jason Siegel
Lane 8 Photo by Jason Siegel

Hier kommen die bekannt starken Synthie-Elemente zusammen und lassen den Song zu einem Gefühl der Einkehr heranwachsen. Läuft der Song, hören wir in uns hinein und lassen Bilder vor unserem inneren Auge ablaufen – ob auf dem Boden liegend mit weit ausgebreiteten Armen und tief atmend oder an einen Moment erinnernd, in dem wir die größtmögliche Geborgenheit fühlten. Doch auch an einem heißen Tag im Frühjahr, bei dem wir alle Fenster weit aufgerissen, die Frühlingsluft unsere Wohnung fluten lassen, oder auch für den melancholischen Moment der Erhabenheit passt Oh, Miles perfekt. Denn genau darin liegt die großartige Kunst von Lane 8. Mit starken Beats und einem melancholischen Gesang veröffentlicht der Produzenten immer wieder elektronische Songs, die eine unglaubliche Tiefe besitzen. Diese Tiefe kann man besonders gut an seinen letzten Veröffentlichungen sehen, die mit der Sängerin Channy Leaneagh von Poliça auf No Captain (2017) und Brightest Lights, sowie einer Sängerin – die unbekannt bleiben möchte – auf Stir Me Up glänzt. Doch auch männliche Stimmen entwickeln einen ganz eigenen Charme im Soundkostüm von Lane 8 – wie Yard Two Stone zeigt. Mit Oh, Miles zeigt uns Lane 8, dass er mit neuer Musik auf ein viertes Album hinarbeitet. Mit dem Wissen, dass erst im vergangenen Jahr sein drittes Album rauskam, dürften wir dieses Jahr wohl nicht mit einer weiteren Albumveröffentlichung rechnen – doch kann uns die Songveröffentlichung darüber hinwegtrösten.

Poolside with DRAMA - I Feel High

Poolside with DRAMA – Im Club der unbegrenzten Möglichkeiten

Vor einem Jahr ist das aus Chicago kommende Duo DRAMA durch ihre Zusammenarbeit mit Gorgon City auf deren Track Nobody erstmals einer größeren Hörerschaft bekannt geworden. Damals wie heute zeichnen sich die beiden US-Amerikaner durch Produktionen von Songs aus, die sich zwischen R&B, Soul und Elektro bewegen und zumeist einen melancholischen Touch haben. Dabei haben DRAMA neben Gorgon City bereits mit Moglii und Pional zusammengearbeitet. Nun haben sich Via Rosa und Na’el Shehade von DRAMA abermals in eine Kollaboration begeben und mit Jeffrey Paradise und seinem Projekt Poolside den Song I Feel High veröffentlicht. Poolside ist dabei kein Unbekannter und hat bereits 2019 mit Panama zusammen den Song Can’t Stop Your Lovin‘ released. Eingeordnet wird Poolside als Daytime Disco, die sich entspannt präsentiert. Auf I Feel High haben Poolside und DRAMA nun eine Atmosphäre geschaffen, bei der man das Gefühl bekommt, so muss es sich anfühlen, die komplette Nacht in einem Club durchzufeiern und dabei, durch unterschiedlichste Hilfsmittel, unvergessliche Impressionen zu erleben.

Poolside & DRAMA
Poolside & DRAMA

So sieht man sich im Refrain fast schon in Trance durch die dunklen Gänge eines Clubs ziehen und immer wieder nach links und rechts in den Durchgängen zum nächsten Raum vorbeischauend die ganze Welt der Freizügigkeit erleben. Da tanzen in einem Raum unter einer riesigen Discokugel die Menschen so ausgelassen und freudig, wie auf einer Abschlussparty, nur um im nächsten Raum den ekstatischen Tanz der nackten Körper zu beobachten. I Feel High ist eine treibende Dancenummer, die uns zum Bewegen animiert und uns mit dem Gesang Via Rosas förmlich hypnotisiert. Und so sind wir auch im dritten Raum des Clubs angekommen, in dem eine Gruppe von Menschen um einen Perkussionspieler tanzt, der von der Menge – wie ein Schlangenbeschwörer – bestaunt wird. Poolside und DRAMA haben einen extrem vielschichtigen Song veröffentlicht, der sich im Verlaufe der etwas weniger als drei Minuten zu einem wahren Kopfkino entwickelt und unseren Körper nicht stillstehen lässt.

Kings Of Leon - The Bandit

Kings Of Leon – Neue Tracks, neues Album!

Mit ihren insgesamt sieben bisherigen Alben haben die Rockkönige von den Kings Of Leon in den vergangenen zwanzig Jahren alles erreicht, was es im Rockolymp zu holen gibt. Von rotzigen Indiehits, wie Molly’s Chambers und The Bucket aus dem Debütalbum Youth and Young Manhood (2003) über die absoluten Überhymnen Sex On Fire und Use Somebody ihres weltweiten Durchbruchs Only By The Night (2008) bis hin zu einer musikalischen Veränderung auf ihrem letzten Album Walls (2016) haben sie alles durchgespielt. Hat Sex On Fire den Grammy in der Kategorie Best Rock Performance by a Duo or Group with Vocal gewonnen, wurde Use Somebody sogar gleich drei mal mit einem Grammy in den Kategorien Record Of The Year, Best Rock Song und Best Rock Performance by a Duo or Group with Vocal ausgezeichnet. Dabei hat sich das Album Only By The Night mit 7,5 Millionen Platten mit Abstand am meisten verkauft und hat die Band insgesamt über 21 Millionen Platten und 38 Millionen Singles abgesetzt. Während von vielen Fans der ersten Stunde in den letzten beiden Alben Mechanical Bull (2013) und Walls (2016) eine gewisse Müdigkeit der Band festgestellt wurde, die auch bei Auftritten, wie auf dem Berliner Lollapalooza Festival 2016 mitzubekommen war, gingen auch die Verkaufszahlen der Band aus Nashville zurück.

Kings Of Leon
Kings Of Leon

Mit einem fulminanten Auftritt auf der 2019er Ausgabe des Berliner Lollapalooza Festivals fegten sie jedoch all diese Eindrücke förmlich weg und begeisterten mit einer sagenhaften, energiegeladenen Show und einer Offenheit, die man als Berliner so nicht von der Band gewohnt war. Während die US-Amerikaner im März 2020 mit Going Nowhere einen ersten neuen Song veröffentlichten, verdichten sich seit ein paar Tagen die Gerüchte um eine baldige Veröffentlichung des achten Albums der Band. Diese Gerüchte feuerte die Band selbst immer wieder an, indem sie seit dem 1. Januar insgesamt sechs Snippets zu Songs mit Titeln, wie Must Catch The Bandit, Feel The Way You Do, Dancing In Your Head, Spin It Like We Can, I’m Going Nowhere und When You See Yourself veröffentlicht hat. Diese sind zwar sehr unterschiedlich, bilden aber gleichzeitig die komplette Palette der bisherigen Diskografie der Band ab. Hier hören wir von typisch, hallenden Gesängen – die mit sphärischen Gitarren unterlegt sind – wie auf Feel The Way You Do, über treibende Rocksongs, wie Must Catch The Bandit bis hin zu den typischen Gitarrenriffs eines Dancing In Your Head – welches so sehr an Use Somebody erinnert – in jedem Ton den Atem der Band um Frontsänger Caleb Followill. Die gerade veröffentlichte Single The Bandit begeistert daher mit genau diesem Sound der Kings Of Leon. Laute Gitarren, treibende Bridges und Calebs wunderbare Stimme, sowie einmal mehr Stadionrock at it’s best. Die Kings Of Leon sind zurück und mit ihnen der ganz große Rock! Und kurzerhand ging zum gleichen Zeitpunkt der Songveröffentlichung auch die Info raus, dass das achte Kings Of Leon Album When You Se Yourself heissen wird und am 03. Mai veröffentlicht wird.

SYML - True

SYML – Wenn die Liebe auseinanderfällt

Insgesamt hat Brian Fennell in den vergangenen 24 Monaten sieben Songs veröffentlicht. Und somit eine enorme Output-Quote von drei Monaten zwischen den einzelnen Songs hervorgebracht. Mit insgesamt neun Songs, die bisher auf SOML präsentiert wurden, waren so stille, wie Where’s My Love (2017), Symmetry (2019), Flags (2019) und The Dark (2020). Aber auch rockige und poppige Songs, wie Clean Eyes (2018), The Bird, Break Free und Take Me Apart (alle 2019) beherrscht der US-Amerikanische Singer/Songwriter unglaublich gut. Ende des vergangenen Jahres hatte er schließlich mit You Knew It Was Me seine erste rein instrumentale EP veröffentlicht. Auf dieser war auch I Wanted To Leave zu finden. Dass der Musiker all diese verschiedenen Erzählweisen so spielend beherrscht, liegt daran, dass sich der in Chicago lebende Autodidakt alles selbst beibringt. So ist der ausgebildete Pianist eng verbunden mit der musikalischen Ausdrucksweise eines Klaviers. Heute kann Fennell sich, neben seiner Tätigkeit als Singer/Songwriter, auch Perkussionist, Gitarrist, Soundingenieur und Produzent nennen und vereint all dieses Wissen auf seinen Songs. Nun hat SYML – pünktlich zum neuen Jahr – am 1. Januar mit True eine neue Single veröffentlicht, auf der wir wieder in den Genuss seiner Stimme kommen.

Brian Fennell
Brian Fennell

Dabei hat sich Fennell erneut einen Weg gesucht, weiter an seiner Musik zu arbeiten und niemals damit stehenzubleiben. Mit einem modernen R&B-Beat unterlegt, ist True eine erfrischend soulige Ballade, die weiterhin mit Klavier und Fennells klarer Stimme brilliert. Dabei erinnert True an manchen Stellen an Songs, wie Teardrop von Massive Attack und behandelt eine Liebe, die auseinanderfällt. Wahre Liebe ist schmerzhaft. Wahre Liebe scheitert. Wahre Liebe ist bewegend. Wir müssen an sie glauben, damit sie echt ist, wie Gott. In diesem Song geht es darum, wie das, was wir für wahre Liebe hielten, auseinanderfällt. Es geht um Scheidung und den Fehler zu denken, dass man dagegen immun ist. Ich habe mich mit einigen Freunden zusammengetan, um diesen Song aufzunehmen, darunter ein neuer Freund, Paul Meany, der eine erstaunliche Note in den Mix gebracht hat – so Fennell. Diese Note kann man True zu jeder Zeit anhören. Selbst der große aufhellende Bruch im letzten Viertel des Songs wirkt frisch und ungewohnt – und das bei einem Künstler, der nie auf der Stelle steht und mit seiner Musik einen stetigen Wandel vollzieht. True ist dabei die erste Auskopplung aus SYMLs kommender EP, die er für den 3. März angekündigt hat.

HONNE - Warm On A Christmas Night

HONNE – Weihnachtliche Neuinterpretation

Vor sechs Jahren begann alles mit einem synthiegeladenen, nächtlichen Traum von einem Song. Mit der Debütsingle Warm On A Cold Night hatten die britischen Musiklehrer Andy Clutterbuck und James Hatcher einen Hybriden aus Soul, Funk, Elektro und Pop geschaffen, der sich nicht in die normalen Genremixe einreihen wollte. HONNE kreierten etwas Neues. Mit Ansätzen von Jazz funktioniert ihre Musik sowohl im gediegeneren Umfeld, als auch auf Festivals. Binnen kürzester Zeit von anderthalb Jahren veröffentlichten HONNE mit Warm On A Cold Night und All In The Value (beide 2015), Coastal Love und Over Lover (beide 2016), sowie Gone Are The Days (2016) fünf EP’s welche die Band in ein kollektives Bewusstsein hob. Mit dem 2016er Debütalbum Warm On A Cold Night folgte schließlich eine Auswahl der besten Songs der fünf EP’s, sowie neue Songs. Hierauf enthalten war der, bisher erfolgreichste, Song des Duos Someone That Loves You, den sie zusammen mit Izzy Bizu veröffentlichten. 2018 folgte mit Love Me/Love Me Not das zweite Album, ehe dieses Jahr mit No Song Without You und der gleichnamigen Single No Song Without You schließlich ihr drittes Album veröffentlicht wurde.

HONNE
HONNE

Doch ein Song zieht sich durch die Diskografie der Band, wie kein anderer. Warm On A Cold Night ist die aller erste Single des Duos gewesen, ist Titelgeber ihrer Debüt-EP und ihres Debütalbums und wurde unter anderem mit dem US-Amerikanischen Rapper Aminé 2017 neu eingespielt. Nun haben HONNE sich erneut an den Song gemacht, der so viel für die Briten bedeutet. Für ein winterlich-weihnachtliches Gefühl haben HONNE den Song Warm On A Christmas Night veröffentlicht. Dieser basiert auf der Debütsingle, hat aber eine gänzlich andere Atmosphäre zu bieten. Mit Streichern und einem ruhigen Klavierspiel erinnert der Song an die klassischen Weihnachtssongs von Dean Martin und Frank Sinatra. Leichte textliche Veränderungen heben den Song von Clutterbuck und Hatcher auf eine weihnachtliche Stimmung und sorgen so einmal mehr für wärmende Gefühle. HONNE sind musikalisch auf einem Gebiet unterwegs, das nur von sehr wenigen anderen Künstler*innen bedient wird und zeigen nun selbst bei Weihnachtssongs ein Gespür für heimelige Kamin-Stimmung.

SG Lewis feat. Lucky Daye - Feed The Fire

SG Lewis feat. Lucky Daye – Für funkige Disconächte und mit Debütalbum

Es kommt! Samuel George Lewis hat mit seiner neuen Single Feed The Fire nun endlich sein Debütalbum Times angekündigt. Dieses soll am 19. Februar 2021 erscheinen und neben dem hypnotisierend, euphorischen Chemicals auch die Dancefloorbombe Impact enthalten, die der aus Reading kommende Produzent zusammen mit Channel Tres und Robyn aufgenommen hat. Darüber hinaus hält das Album neben der neuen Single Feed The Fire noch sieben weitere Songs bereit, über die allerdings noch nicht einmal die Titel bekannt sind. Zusammen mit dem US-Amerikanischen Singer/Songwriter David Debrandon Brown – alias Lucky Daye – hat SG Lewis wieder einmal die Messlatte für funkige Discosounds höher gesetzt. Dabei ist für Lewis mit Feed The Fire gleich in mehrerlei Hinsicht ein Traum in Erfüllung gegangen, denn während er das Debütalbum Painted des New Orleaner Musikers Lucky Daye seit seiner Veröffentlichung im Frühling 2019 rauf und runter hört, wollte der britische Produzent immer auch wissen, wie sich die soulige Stimme mit Clubbeats unterlegt anhören würde.

SG Lewis - Times
SG Lewis – Times

Während Daye mit Painted satte vier Grammy-Nominierungen für Best R&B Album, Best R&B Song, Best R&B Performance und Best Traditional R&B Performance einsacken konnte, wurde es mit der Zusammenarbeit von Lewis und Lucky Daye schließlich ernst und sie trafen sich im Studio. Gleichzeitig hat SG Lewis mit zwei seiner absoluten Favoriten zusammengearbeitet. Denn Matt Johnson und Simon Hale haben bereits an mehreren Alben Jamiroquais mitgearbeitet und dafür Klavier-Parts und Streicher-Arrangements beigesteuert. Ist Jamiroquai selbst bereits seit jeher ein großes Vorbild für SG Lewis, war diese Zusammenarbeit für den jungen Produzenten mehr als nur ein Wunsch, der in Erfüllung ging. So sieht man den Briten in einem seiner Facebook-Posts dann auch sichtlich gerührt und mit Tränen in den Augen, als er bei den Aufnahmen von Simon Hale mit im Studio sein durfte und erlebte, wie seine Musik zum Leben erweckt wird. Hier wundert es nicht, wenn eine gewisse Nähe zu eben diesem unverwechselbaren Disco-Funk-Sound Jamiroquais aufkommt, doch behalten die Songs gleichzeitig immer auch SG Lewis‘ Handschrift. Feed The Fire hat die Attitüde eines amüsant, hochnäsigen Augenblicks auf der Tanzfläche, bei der man mit seinen Freunden zusammen den Moment zelebriert und gerne auch mal nicht all zu ernst nehmend, den Augenblick genießt.

Kevin Morby - Sundowner

Kevin Morby – Auf den Spuren von Into The Wild

Es klingt alles so laid-back, was wir auf Kevin Morbys neuer Platte Sundowner zu hören bekommen. Da kommt das Gefühl auf, mit Emile Hirsch zusammen vor dem Bus aus dem Film Into The Wild zu sitzen und das ruhige Panorama der vor einem liegenden Steppe zu beobachten. Bei einem knisternden Lagerfeuer – das auch tagsüber vor sich hin brennt, um über die kühlen Tage zu kommen – gibt uns der US-Amerikanische Musiker, der in Texas geboren wurde und zwischenzeitlich in New York City lebte, ehe er sich in Los Angeles niederließ und schließlich vor drei Jahren zurück nach Kansas City zog, einen Ausschnitt aus seinem Leben. Dabei spielt der Tod auch immer eine Rolle, hat Morby doch in der Vergangenheit gleich mehrere Weggefährten und Freunde verloren. Sundowner erzeugt hierbei eine wunderbar warme und akustische Stimmung, die sich am Rock und Folk des Mittleren Westens orientiert. An den Songs für das Album arbeitet Morby bereits seit knapp drei Jahren und somit länger, als für die meisten Songs seines fünften Studioalbums Oh My God, das letztes Jahr erschien.

Kevin Morby
Kevin Morby

Nun ist am vergangenen Freitag die komplette Platte erschienen und begeistert mit einem organisch, knisternden Sound. Es ist der typische Aussteiger-Sound, dem Morby hier eine besondere Atmosphäre verleiht. Dabei sind die Songs des Singer/Songwriters nahe am Vibe von Künstlern, wie Angus & Julia Stone, lassen sich viel Zeit und geben den einzelnen Songs viel Raum, um sich zu entfalten. Oftmals erinnert Morbys Stimme an alte Bekannte, auf dessen Namen wir einfach nicht kommen wollen, bleibt sich aber immer auch treu und verfolgt die Erzähllinie seiner Geschichten, die sich um die Orte drehen, an denen er gelebt hat. Mit einer Ode an den Mittleren Westen und seine Heimatstadt Kansas City, in der er aufwuchs, hört man der gesamten Platte eine verschrobene Melancholie an, die sich zwischen den Gefühlen von Sehnsucht und Heimkehr bewegen. Sundowner ist ein Album, das für den Herbst und die Momente, wenn man sich unter einer warme Decke verkriecht, gemacht ist und mit ganz viel Wärme zu überzeugen weiß.

SYML - I Wanted To Leave

SYML – Ganz eigene Gymnopédies

Wir haben schon viele Songs vom US-Amerikanischen Musiker SYML gehört. Mal waren es ganz leise Balladen, die durch Folk, Singer/Songwriter und Pop geprägt waren – wie seine letzte Veröffentlichung The Dark, mal waren es schnelle und laute Rockhymnen, die nach Indie und Alternative griffen. Alle gemein hatten aber immer wieder das Überraschungsmoment. So klingt kaum ein Song, wie der andere. Nun hat sich Brian Fennell – der mit seinem Output an Songs immerhin bereits auf satte acht Beiträge auf SOML gekommen ist – an eine weitere genreübergreifende Ausdrucksweise gewagt – dem Instrumentalsong. Mit nur einem Klavier spielt sich SYML auf dem Song I Wanted To Leave so frei, das wir völlig vergessen, dass dieser Song gerade erst veröffentlicht wurde. Dabei hat SYML bereits einige seiner Songs als Pianoversion veröffentlicht, doch waren diese immer nur Abwandlungen seiner früheren Songs mit Gesang. I Wanted To Leave hat SYML erstmals als reinen Pianotrack geschrieben und komponiert. Mit sanften Klavieranschlägen und markanten Highlights setzt sich I Wanted To Leave fragil zusammen und erinnert an die großartigen Kompositionen von Eric Saties Gymnopédies No. 1, Yann Tiersens Comptine d’Un Autre Été aus dem Film Die fabelhaften Welt der Amélie oder Brian Reitzells Beginners (Theme Suite) aus dem gleichnamigen Film Beginners. Alle gemein haben, dass sie es geschafft haben – ob der klassischen Instrumentierung – im Mainstream beachtet und über Jahre hinweg als zeitlos aktuell empfunden zu werden.

Brian Fennell
Brian Fennell

SYML greift dabei die Sprache der Emotionen auf und erzählt uns über die Dramaturgie des Songs eine Geschichte, die vom kalten Gefühl ferner Orte handelt. Obwohl der Musiker an so vielen großartigen Orten der Welt sein kann, stellt sich im Laufe der Zeit irgendwann das Gefühl von Kälte ein, bei der er immer deutlicher das Verlangen empfindet, nach Hause kommen zu wollen. Als Musiker ist dieses Gefühl ein stetiger Begleiter auf Tour und zeugt von dem unfassbaren Verlangen nach Heimat. Die tiefen Klaviertöne von I Wanted To Leave lassen dieses Gefühl noch stärker werden und zeigen eine Traurigkeit, die gleichzeitig durch das Spiel im Hintergrund eine Dynamik entwickelt, die vom Veränderungsdrang geprägt ist. Mit den hellen Tönen in der Mitte des Songs strahlt schließlich auch der I Wanted To Leave in einem hellen Licht, ehe er wieder in ein tiefes Gefühl der Melancholie versinkt. SYML schafft es, die Sprache seiner Emotionen so gekonnt auf die verschiedenen Musikstile aufzuteilen, dass man sich jedes Mal wieder öffnet und seinen Gefühle freie Lauf lässt. Auffällig dabei ist, dass er über die Jahre in seinen Produktionen immer ruhiger geworden ist und damit den Emotionen deutlich mehr Raum haben. Mit I Wanted To Leave kündigt SYML gleichzeitig weitere Songs dieser Art an und könnte auf eine instrumentale EP hindeuten. Solange wärmen wir uns mit den warmen Klaviertönen seiner aktuellen Veröffentlichung ein wenig.

Beck - Wow

Beck – 4-jähriger Boomerang

Da war er wieder – der Moment, in dem man einen Song zum ersten mal hört und nach Stunden des Shazamens und Googelns rausbekommt, dass es den Song bereits seit 4 Jahren gibt. Mindestens einmal hat das wohl jeder schon Mal erlebt. Auch wenn der Künstler des heutigen Songs seit über 35 Jahren Musik macht, ist er nie als der große Popstar in Erscheinung getreten. Nur, um letztendlich doch einer der größten Popstars zu sein. Mit Beck Hansen – kurz Beck – haben wir einen Künstler der genresprengend und probierfreudig ist, wie kaum ein anderer Künstler. Denn in seiner Musiklaufbahn hat der US-Amerikanische Singe/Songwriter und Produzent bereits Tracks produziert, die in die Sparten Folk, Singer/Songwriter, Alternative, Elektro, Hip-Hop, Country, Soul oder Funk fallen. Damit ist er einer der kreativsten und gleichzeitig selten greifbaren Musiker unserer Zeit. Hat Beck zuletzt Ende 2019 mit Hyperspace sein 14. Studioalbum veröffentlicht, welches er zusammen mit Pharrell Williams und Paul Epworth produzierte, sorgt gerade ein Song aus seinem 13. Album Colors für ordentlich Furore. Denn mit der zweiten Singleauskopplung Wow – die bereits ein Jahr früher als das Album Colors veröffentlicht wurde – wird gerade ordentlich die Werbetrommel für eine elektrische Zahnbürste gerührt. Dabei ist der futuristisch anmutende Song in einem guten Umfeld.

Beck - Wow (Musikvideo)
Beck – Wow (Musikvideo)

Mit der dazugehörigen TV- und Internetwerbung hat sich die Marke BRAUN einen ikonischen Werbeclip gegönnt, der fernab von einer normalen Promotion eines Hygieneartikels ist. Hier wird ein ganz neues Gefühl transportiert, dass an Werbeclips von Apple erinnert. Beck als musikalische Untermalung vervollständigt den Clip und gibt dem Song damit nochmal einen neuen Push. Mit einem ikonischen Flötenintro, pulsierenden Basslines und dem euphorischen Gesang Becks ist Wow ein wahnsinniger Ohrwurm, der nicht nur schon 2016 wirkte, sondern auch 2020 noch genauso stark klingt und einen zeitlos, frischen Sound besitzt. Die Vorzüge eines Beck-Songs liegen damit auf der Hand – seine zeitlose Arbeit mit genreübergreifenden Elementen schafft es, auch Jahre später noch top-aktuell zu klingen. Und während wir uns dessen bewusst werden, kommt Beck mit seinen euphorischen Lyrics um die Ecke und wir alle stimmen ein, zu Bored of these limits, let me get, let me get it like. Wooooow! It’s like right now. It’s like woooow!

John Summit - Deep End

John Summit – Es wäre der Ibiza Sommerhit

Wäre dieses Jahr die Partyszene wieder nach Ibiza gereist, würde sie um diese Zeit die heissesten Clubtracks mit im Gepäck haben und dafür sorgen, dass diese Songs überall in Europa in der Folge die Charts raufklettern würden. Dies ist mittlerweile seit Ende der 90er Jahre so und hat unter anderem schon Paul Johnsons Get Get Down (1999), Shapeshifers Lola’s Theme (2004), Eric Prydz Pjanoo (2009), Bakermats One Day (Vandaag) (2014) oder El Professors Bella Ciao (Hugel Remix) hervorgebracht und an die Spitzen der Charts gespült. Doch dieses Jahr fiel auch Ibiza aus und somit mussten sich die Dance-Acts ihren Weg über das Internet suchen. Wie das geht, zeigt der US-Amerikanische Produzent und DJ John Summit. Mit seinem Hit Deep End mischt der in Chicago lebende Produzent nämlich seit einigen Wochen die Dancecharts weltweit auf.

John Summit
John Summit

Mit seinem enorm treibenden Housebeat und dem wiederkehrenden Lyrics wird Deep End schnell zu einem enormen Ohrwurm, den man weder aus dem Kopf bekommt, noch aus dem Körper, schreit der doch regelrecht, dass er sich bewegen möchte. Hat Summit bereits mit den Tracks Summertime Chi und Forgotten One für Aufsehen gesorgt, ist es schließlich Deep End zu verdanken, dass er auf den Playlisten von Pete Tongs Essential New Tune und der BBC Radio1-Playlist von Annie Mac landete. Gleichzeitig wird er durch Acts, wie Fatboy Slim, Diplo oder MK gepushed und landet in deren Playlisten. So schaffte es Deep End schließlich auch in die Radioplaylisten in Deutschland und dürfte auf der ein oder anderen Party bereits angekommen sein. Mit Deep End hat John Summit ein Brett von einem Tech-House Song produziert, der noch lange nachhallen wird und die Messlatte ziemlich weit oben ansetzt.