HÆLOS - Hold On

HÆLOS – Die Dunkelheit des Dancefloors

Es wird poppiger im Hause des britischen Trip-Hop Quartetts HÆLOS. Mit ihren ersten beiden Alben hatte die Band um Frontsängerin Lotti Benardout eine Weiterentwicklung vollzogen, die von dunklen Trip-Hip-Sounds zu einem noch dunkleren aber flirrenden Indie-Sound mutierte. Ob Singles, wie Separate Lives von ihrem Debütalbum Full Circle oder den herausragenden Singles Kyoto und End Of World Party ihres fulminanten Zweitlings Any Random Kindness – alle eint ein schneller Sound, der gleichzeitig durch Synthieelemente eine irritierende Art von Slow-Motion-Gefühl auslösten. Nun haben HÆLOS in den vergangenen drei Monaten gleich drei neue Songs veröffentlicht, die eine Entwicklung vollziehen, die sich als eine Öffnung zum Hörer erweist. Dabei sind vor allem Unknown Melody und Perfectly Broken zu nennen. Hier haben sich HÆLOS in eine Zwischenwelt aus ihrem introvertierten Elektrosound und der poppigen Welt ausserhalb ihres Kosmos gewagt und mit wunderbaren Melodien eine Heimat des sicheren Sounds gewählt. Dieser sichere Sound bedeutet nicht etwa Stillstand, sondern ist vielmehr wagemutig, frisch und bleibt dennoch immer HÆLOS-typisch.

HÆLOS (Credit: Jeff Hahn)

HÆLOS (Credit: Jeff Hahn)

Jetzt ist mit Hold On die dritte neue Single veröffentlicht worden und bildet dabei eine andere Richtung ab, als es die beiden Vorgängersingles taten. Denn hier geben sich die Briten wieder dem düster, dystopischen Soundmuster ihrer vorangegangenen Alben hin, werden sphärisch und lassen ihren Sound fliessen. Hier überlappen die Sounds von tiefen Bässen, über trompetenartigen Synthies, bis hin zu ruhigeren Momenten, die an ein Orgelspiel erinnern. Ehe man fast schon an ein Zusammenspiel aus Violinen und vertrackteten Soundelementen zum Endspurt ansetzt und dabei ein Outro erzeugt, dass sich in einer Liveperformance bis ins unendlich, ekstatische verlängern lässt. HÆLOS haben alle drei Songs über ihr selbstgegründetes Plattenlabel Æ imprint veröffentlicht und halten das extrem hohen Niveau von Kreativität, die in der Musik nochmals eine eigene Kunstform entwickelt. Bereits für 2021 angekündigt, ist das dritte – noch unbetitelte – Studioalbum der Londoner, die in den letzten Monaten so einiges an neuem Material geschrieben haben. Wir dürfen daher auf ein weiteres, herausragendes Album hoffen, das sich durch die introvertierte Art des Sounds fragil und stark zugleich präsentiert.

Paul Woolford, Diplo & Kareen Lomax - Looking for Me

Paul Woolford, Diplo & Kareen Lomax – Deep House für den Spätsommer

Erst setzen sphärische Claps und eine tiefe Stimme mit den Worten Oh Yeah ein, ehe ein starker Housesound den Song in einen pulsierenden Clubtrack verwandelt. Es ist der Song Looking For Me vom britischen Produzenten und DJ Paul Woolford. Zusammen mit dem US-Amerikanischen Produzenten Diplo und der ebenfalls aus den USA kommenden Sängerin Kareen Lomax haben sie mit Looking For Me eine hypnotische EDM-Version einer Ballade veröffentlicht, die nicht nur zusammen von den Dreien geschrieben wurde, sondern mit dem Hamburger Produzenten und Songwriter Jr Blender ein großes Potential hat, richtig durchzustarten. Dabei fällt vor allem der Gesang auf. Ist er von der – in Atlanta lebenden – Sängerin Kareen Lomax, wird er gerade durch ihre tiefe und dunkle Stimme so besonders.

Paul Woolford, Diplo & Kareen Lomax

Paul Woolford, Diplo & Kareen Lomax

Dass der Song kein Glückstreffer für die Sängerin war, zeugt vor allem davon, dass Lomax ein großer Fan Diplos ist und ihn letztes Jahr ganz unkonventionell via Facebook anschrieb. Was daraus geworden ist, können wir nun alle hören und zeugt Looking For Me davon, dass man sich auch Mal etwas trauen muss, um an seinen Erfolg zu kommen. Mit einer ohrwurmverdächtigen Melodie, den immer wieder aufflirrenden Synthies und Lomax‘ hervorstechender Stimme ist Looking For Me eine melancholisch, treibende EDM-Hymne an die 90er Jahre, die Paul Woolford, Diplo und Kareen Lomax sicherlich in den kommenden Monaten viel Spaß bereiten wird. Diplo agiert dabei einmal mehr als Tausendsasser und hat – neben seinen Projekten, wie Jack Ü, Major Lazor, Silk City und Kollaborationen mit , Ellie Goulding, Dillon Francis oder Sidepiece – ein weiteres, heißes Eisen ins Feuer geworfen.

Elderbrook - Why Do We Shake In The Cold?

Elderbrook – Fünf Jahre Warten haben ein Ende

Kaum ein anderer britischer Künstler hat in den vergangenen fünf Jahren im Melancholic-Electronic-Bereich für so viel Aufmerksamkeit gesorgt, wie der Londoner Alexander Kotz. Unter seinem Künstlernamen Elderbrook hat er 2015 zusammen mit Andhim auf How Many Times zusammengearbeitet. 2017 folgte eine Kollaboration auf der Durchbruchs-Single Cola vom britischen Produzenten-Duo CamelPhat und letztes Jahr schließlich mit dem Song Something About You eine Zusammenarbeit mit Rudimental. Daneben hat Elderbrook allerdings auch immer wieder eigene Songs veröffentlicht, die sich durch tiefgründige Texte, melancholische Sounds und tiefe elektronische Beats auszeichneten. Nun hat der Brite sein Debütalbum Why Do We Shake in the Cold? fertig und veröffentlicht dieses am 18. September. Darauf enthalten sind neben der Kollaboration mit Rudimental auch die bereits veröffentlichten Songs My House und der das äußerst starke Numb. Vor wenigen Tagen hat Elderbrook mit Why Do We Shake in the Cold? eine weitere Single ausgekoppelt und überzeugt abermals mit großen elektronischen Beats.

Why Do We Shake In The Cold?

Why Do We Shake In The Cold?

Hier treffen tiefe House-Bässe auf den fragilen Gesang Elderbrooks und werden durch ein sphärisches Soundgerüst eingerahmt. Dabei passt Why Do We Shake in the Cold? so wunderbar in den Kontext eines Open Air Festivals, dass wir uns vor dem inneren Auge vor der Bühne tanzen sehen, den Sand zwischen den Zehen spüren und kurz vor dem Drop die Hände in die Höhe recken. Diese Gefühle sind ganz bewusst vom Briten gewollte. So soll sein Debütalbum die Menschen zusammenbringen und ihnen Geborgenheit vermitteln. In einem Statement von Warner Music sagt der Produzent dann auch über seine Musik, dass das gesamte Konzept von Why Wo We Shake In The Cold ist, darüber nachzudenken, wie Menschen miteinander interagieren. Rein wissenschaftlich betrachtet zittern wir in der Kälte natürlich, um durch die Reibung unseren Körper aufzuwärmen. Was ich mir jedoch vorstelle ist, dass Menschen vielleicht deshalb zittern, um anderen zu zeigen, dass sie sie brauchen. Diese mächtige Sehnsucht nach Nähe zieht sich durch das gesamte Album und zeigt die Tiefe des Künstlers und seiner Gefühle. Why Wo We Shake In The Cold kommt am Feitag in einer Woche raus und zeigt jetzt schon mit seiner Leadsingle, dass hier kaum etwas schief gehen kann.

Amtrac feat. Totally Enormous Extinct Dinosaurs - Radical

Amtrac feat. Totally Enormous Extinct Dinosaurs – Entspannter House-Sound für den Sommer

Seit Wochen schwirrt er durch die Clubradios und Playlists der DJs, die ihre Sets via Livestreams zu uns nach Hause bringen. Und auch wenn wir aktuell immer noch nicht mit Freunden dazu tanzen können, ist der Song Radical eine großartige Möglichkeit, uns auf einer Wiese im Park zu treffen und die warmen Strahlen der Sonne zu genießen – bis sie untergeht. Dabei kommt der Song vom 33-järigen US-Produzenten, DJ und Multiinstrumentalist Caleb Cornett alias Amtrac. Bereits 2011 – nur ein Jahr nach seinem Start im Musikbusiness – veröffentlicht der Produzent mit Came Along sein Debütalbum. Auch auf seinem neusten Album Oddyssey, das im April veröffentlicht wurde begeistert er wieder mit sphärischen Housetracks. Auf Radical holt sich der Musiker den britischen Produzenten und Sänger Totally Enormous Extinct Dinosaurs dazu, der mittlerweile in den USA lebt und von Los Angeles aber auch anderen Orten aus seine Musik veröffentlicht. Beide zusammen legen mit Radical einen wunderbar entspannten Housetrack auf, der sich für die Open Airs dieses Sommers genauso gut eignet, wie für die dunklen Ecken eines Clubs. Dabei legt sich die Stimme TEEDs – wie sich Totally Enormous Extinct Dinosaurs auch gerne selbst abkürzt – passend zum schwelgenden Sound wie ein Bettlaken über die Produktion und verbindet sich mit den Arrangements Amtracs. Gleichzeitig freut sich TEED darüber, mit Amtrac zusammengearbeitet zu haben und Teil seines neuen Albums zu sein. Radical gibt es auch in einer Radio tauglichen 4-Minuten-Version – entfaltet jedoch auf der über sieben minütigen Version erst sein volles Volumen.

Howling - Colure

Howling – Jetzt geht alles ganz schnell

Alles began mit ersten Ankündigungen zu neuen Auftritten für das Jahr 2020. So hatte das Duo Howling im Januar mit dem Sónar Festival in Barcelona und einer kleinen Headline-Tour durch Europa die ersten Auftritte seit Jahren angekündigt. Dass sich im Zuge der Pandemie allerdings alle Tourdaten und Festivalauftritte – zu dem das Paradise City und Sacred Ground Festival hinzugekommen waren – durch Absagen oder Verschiebungen drastisch auf die Promotion des Albums auswirken würden, konnte zum damaligen Zeitpunkt keiner wissen. Doch unbeirrt der fortschreitenden Ereignisse hatten Frank Wiedemann und Ry Cuming Ende April mit Bind ihren ersten neuen Track veröffentlicht. Ebenfalls zu diesem Zeitpunkt verkündete das Duo, dass Ende Juli ihr neues Album Colure erscheinen wird. Nun – vier Wochen nach der Veröffentlichung von Bind – haben Howling mit Need You Now und Healing gleich zwei neue Songs veröffentlicht und begeistern einmal mehr mit einem treibend, sphärischen Elektrosound, der sich im Hier und Jetzt verliert. Mit rauer Schönheit werfen sich frickelige Elektroarrangements zu einem Klangteppich zusammen, auf dem sich RY X‘ Gesang bewegt, als würde er auf einer großen leeren Tanzfläche eines altehrwürdigen Ballsaals tanzen. Hier und da blitzen die Reflexionen der Diskokugel an den Wänden auf und lassen den nostalgischen Charme der Umgebung durch eine moderne Soundwolke miteinander verschmelzen. Howling transportieren immer auch ein Gefühl mit ihren Songs. Oftmals durch Melancholie geprägt, läuten sie eine Art Schulterzucken ein, durch das sie den Hörenden sich völlig unbesorgt mit sich selbst auseinandersetzen lassen. Dabei bieten sie den Spiegel an, sich in der Musik des Duos wiederzufinden und somit die Musik zu einem ganz persönlichen Teil werden zu lassen. Mit Colure – das in nunmehr acht Wochen erscheinen wird – lassen Howling auf ein kräftiges und emotionales Elektroalbum hoffen, welches uns schnell begeistern wird. Folgt man der Veröffentlichungspolitik der einzelnen Songs, könnten wir mit etwas Glück ableiten, dass wir – noch bevor das Album am 24. Juli veröffentlicht wird – einen weiteren Songrelease erwarten dürfen. Mit Need You Now und Healing arbeiten wir uns allerdings erst einmal durch zwei großartige Elektrosongs, die uns die nächsten Wochen begleiten werden.

Petit Biscuit with Shallou - I Leave Again

Petit Biscuit feat. Shallou – Nostalgisch, romantisierende Weichzeichnung eines Beziehungsendes

Diese Kollaboration gleicht einem Traum – die zwei Dream-Dance Produzenten Petit Biscuit und Shallou veröffentlichen einen gemeinsamen Song. Dabei haben beide auf unterschiedlichen Kontinenten einen äußerst ähnlichen Werdegang zurückgelegt. Petit Biscuit, der bürgerlich Mehdi Benjelloun heißt und aus Rouen in Nordfrankreich kommt, hatte bereits im Alter von 15 Jahren mit dem Song Sunset Lover einen zeitlosen Song veröffentlicht, der sich bis heute durch alle Instagram-Stories und Momentaufnahmen von Menschen zieht, die sich für einen Augenblick, dem entspannten, sommerlichen Moment hingeben möchten. Sunset Lover konnte sich in 15 Ländern in den Charts platzieren und verkaufte sich in Frankreich über 200.000 mal. Es folgte die Debüt-EP Petit Biscuit (2016), das Debütalbum Presence (2017) und ein Coachella-Auftritt 2018. Shallou, der bürgerlich Joe Boston heißt und aus Los Angeles kommt, hatte 2014 angefangen Musik zu produzieren. Ebenso – wie Petit Biscuit – ist Shallou im sphärischen Dream-Dance beheimatet, der mit dem Genre der 90er Jahre nicht viel gemein hat. Denn der Dream-Dance, den die beiden Musiker hier machen, setzt sich aus Tropical-House, Indietronic, Alternative Dance, Future Bass und einer Note Singer/Songwriting zusammen und erzeugt durch eine unglaubliche Tiefe, die berührt und gleichzeitig zu begeistern weiß. Shallou hat bisher mit Souls (2018)eine EP und Magical Thinking (2020) sein Debütalben veröffentlicht und konnte ebenfalls 2019 einen Coachella-Auftritt zu seiner Performance-Erfahrung hinzufügen. Nun sind die beiden Bedroom-Produzenten erstmals auf dem Song I Leave Again vereint und bestechen mit einem treibenden House-Beat, der durch Pop-affine Elemente bereichert wird und mit einen wunderbar warmen Gesang besticht. I Leave Again ist Ende und Aufbruch zugleich, den hierbei geht es um das Ende einer Beziehung mit all seinen nostalgisch, romantisierenden Weichzeichnungen, sowie dem Drang, daraus einen Neustart zu initiieren. Herausgekommen ist ein wunderbarer Song, der die sommerlichen Höhepunkt mit ruhigen Abendvibes verbindet und so zu einem wunderbaren Wegbegleiter werden lässt.

Klangkarussell feat. GIVVEN - Ghostkeeper

Klangkarussell feat. GIVVEN – Die Tür in unser Innerstes

Es ist schon erstaunlich, wie schnell ein moderner Song zum Klassiker werden kann. Sonnentanz wurde im Sommer 2012 von dem österreichischen Duo Klangkarussell veröffentlicht und mauserte sich binnen kürzester Zeit zu einem absoluten Clubhit. Schon Ende August 2012 erreichte Sonnentanz die deutschen Singlecharts und sollte dort für fast zwei Jahre bleiben. Mit Platz-4 als Höchstposition und einem finalen Austritt aus den Charts Anfang September 2014 gilt er als einer der erfolgreichsten Instrumentalsongs in den deutschen Singlecharts. Mit Netzwerk (Falls Like Rain) folgte ein weiterer Hit, bis es erst in den Charts und schließlich auch musikalisch immer ruhiger um das House-Duo wurde. Mit Jericho folgte schließlich 2017 eine Veröffentlichung, die sich nochmals am Popsound der erfolgreichsten Singles orientierte, ehe Tobias Rieser und Adrian Held gänzlich verstummten. Nach zweijähriger Stille sind Klangkarussell im Herbst des vergangenen Jahres zurückgekehrt und haben mit einem Sound überrascht, der sich deutlich dunkler und kraftvoller anhört, als wir es bisher vom Duo gewohnt waren. Nun haben die beiden Salzburger mit Ghostkeeper einen Song veröffentlicht, der mit einem Deep-House Sound begeistert und den smoothen, entspannten Beat auf ein neues Level hebt. Hinzu kommt die sanfte Stimme GIVVENs, die im Zusammenspielt mit den Beats nicht ganz unbegründet die Assoziation der Netzgemeinde auf Rüfüs Du Sol weckt. Auf Ghostkeeper trägt der Singer/Songwriter – von dem nicht viel mehr im Netz zu finden ist – maßgeblich dazu bei, dass der Song so sphärisch und dunkel klingt und dadurch eine enorme Faszination entwickelt. Ghostkeeper ist der Song, den wir uns anhören werden, wenn wir freudig müde mit den ersten Sonnenstrahlen in Berührung kommend einen Club verlassen oder aber völlig gegensätzlich wir uns mit unseren zerbrechlichsten Gedanken auf den Weg durch die dunklen Straßenschluchten der Großstadt machen, um uns zu sortieren und zu uns zurückzufinden.

Duke Dumont feat. RY X - Let Me Go

Duke Dumont feat. RY X – Ein Song, zwei Gesichter

Und das ist wörtlich zu nehmen. Denn während sich Duke Dumont mit RY X einen äußerst renommierten Musiker dazu geholt hat, ist erstmalig auch ein Künstler an einer Songveröffentlichung des britischen DJs und Produzenten beteiligt, der nicht aus Großbritannien oder den USA kommt. Gleichzeitig ist Ry Cuming – wie RY X bürgerlich heißt kommerziell vor allem in mitteleuropäischen Ländern wie Frankreich, Deutschland, Belgien und den Niederlanden erfolgreich, aber nicht in Großbritannien oder den USA. Damit zeigt Adam George Dyment – alias Duke Dumont – einmal mehr, wie viel ihm daran liegt, mit zumeist unbekannten Künstlern zusammenzuarbeiten. RY X lebte längere Zeit in Berlin und hatte hier zusammen mit Frank Wiedemann – vom Elektroduo Âme – das Deep House Projekt Howling ins Leben gerufen. Mit dieser Erfahrung aus dem Bereich der elektronischen Musik hat der australische Musiker einen nicht unbedeutenden Anteil am Sound des nun veröffentlichten Songs. Dabei überzeugt Let Me Go durch seine zwei Gesichter. Denn sind es nicht nur die Gesichter der beiden Musiker, die hinter dem Song stecken, hat auch Let Me Go eine klare Linie, die sich in zwei Teile trennen lässt. Besteht der vordere Teil des Songs aus einer sphärischen Pianoballade, die RY X‘ klare Stimme wunderbar hervorhebt und in einer choralen Bridge aufgehen lässt, setzen ab der Mitte die ersten vibrierenden Synthies ein die sich schließlich in einem schnellen elektronischen Beat verlieren. Spätestens jetzt wird der 6-Minütige Song plötzlich zu einer ekstatischen Clubhymne, bei der man sich sicher sein kann, dass man sich auf der Tanzfläche verlieren wird. Let Me Go ist so vielschichtig, wie treibend und hat ein enormes Suchtpotential.Mit seinen 6:06 Minuten ist Let Me Go der längste Song auf seinem Debütalbum Duality, welches der Brite am 17. April veröffentlichen wird.

LAIKKA - Undertow

LAIKKA – Wenn Auflösen die Freiheit bedeutet

Sie stehen gerade erst am Anfang ihrer musikalischen Laufbahn als Band und klingen dennoch bereits nach verlässlichen Garanten für emotionale Elektromusik. Guckt man sich allerdings einmal die musikalischen Aktivitäten des Frontsängers Moritz Wunderwald an, ist hier schon Einiges zu finden. Er selbst ist unter dem Namen Wunderwald als Produzent aktiv, bildet daneben beim Duo Polaroyds die zweite Hälfte und mischt nun auch mit LAIKKA mit. Bei Polaroyds mehr auf Elektropop konzentriert, steht LAIKKA für deutlich sphärischere Synthiesounds. Auf ihrer gerade neu veröffentlichten, zweiten Single Undertow verliert man sich dann auch gleich in den ersten Synthieklängen und bekommt gleichermaßen ein Gefühl von Enge und Freiheit. Steht der melancholisch, schwelgerische Gesang für die Enge, stößt man mit ausbrechenden Elektrobeats förmlich in die Freiheit auf. Dies wird nicht zuletzt von den Einflüssen der beiden Musiker geprägt – hatte Wunderwald doch in einem Interview zur Entstehung des Duos einmal gesagt, dass er bis dahin eine regelrechte Schreibblockade hatte und sehr verkopft war. Erst durch Alex gewann er neue Freiheit in der Herangehensweise neuer Songs und lösten sich die Blockaden auf. Undertow ist ein Song zum darin verlieren, der sich an die schweren Momente im Leben heftet und diese leichter erscheinen lässt – aber auch eine voluminöse Soundästhetik hat, die für kalte Abende in warmer Umgebung wie gemacht ist.

Digitalism - jpeg

Digitalism – Steigen in neue Sphären auf

Seit gut 20 Jahren begleitet uns das Hamburger Duo Digitalism bereits mit seinem Crossover aus Elektro-, Rock- und Indiesound und ist mit Songs wie Idealistic (2007), 2 Hearts und Zdarlight (2011) oder auch der Zusammenarbeit mit Youngblood Hawke auf Wolves (2014) immer wieder äussert erfolgreich gewesen. Mit ihrem – am kommenden Freitag – erscheinenden Album jpeg haben sich Jens Moelle und İsmail Tüfekçi wieder mehr zum sphärischen Housesound hinbewegt und die Gesänge etwas in den Hintergrund gesetzt. Mit der dazugehörigen Single Panavision zeigen sie nun auch, wie sich das ganze anhört und laden uns gleich zu Beginn in ein chaotisches Soundwirrwarr ein, ehe nach anderthalb Minuten der Beat einsetzt und der Clubmoment beginnen kann. Dabei setzt sich Panavision aus French-House Elementen und späteren – vor allem aus der australischen Clubszene kommenden – Housebeats zusammen und erinnert mit seiner Euphorie sogar an DJ Kozes letztes Album Knock Knock. Digitalism veröffentlichen damit ein Album, welches die Energie der Nacht in gebündelter Form wiedergibt und zum absoluten Clubsoundtrack wird.