Nick Mulvey - Begin Again

Nick Mulvey – Die tiefe Verbindung eines Songs

Es ist eine treibende Akustikgitarre – die Nick Mulvey verwendet – um in uns allen das Gefühl von Reflexion und Besinnung aufkommen zu lassen. Dass der Brite mit seiner handgemachten Musik für ganz besondere Momente verantwortlich ist, zeigte sich bereits durch die Songs Mountain To Move und In Your Hands, auf denen er durch Perkussions und in sich verlierenden Gesangsparts zum Träumen anregte. Nun hat der 35-jährige Sänger mit Begin Again eine erste neue Single – nach seinen beiden Alben First Mind (2014) und Wake Up Now (2017) – veröffentlicht und bezieht sich dabei auf die aktuelle Situation der Pandemie. So stellt der Sänger die Frage, wie wir als Gesellschaft danach wieder beginnen können zu leben. Dabei ist ihm eines unglaublich wichtig – die Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln und die eigene Familie in diesen Zeiten. Denn wenn wir nicht wissen, was vor uns liegt, ist die Liebe und Wärme der Familie eine Stütze für uns. Ihn selbst hat auf Begin Again die Suche nach der Persönlichkeit hinter seiner Großmutter – die bereits vor Mulveys Geburt gestorben war – angetrieben. Mit Fragen, wie Wer war diese Frau, die meine Familie bis heute so geprägt hat? durchforstete er alte Schriftstücke und fragte in seiner Familie rum. Dabei bildete sich zwischen Mulvey und seiner verstorbenen Großmutter Marie eine Verbindung, die der Sänger auf Begin Again zu transportieren versucht. Die Ehrfurcht vor den aufrichtigen Lehren und Botschaften dieser Frau lässt sich auch auf unsere heutige Situation und das Chaos vor unserer Tür anwenden und uns wieder zu uns selbst finden. Mit viel Liebe in den Worten zeigt sich die aufkommende und reine Liebe zu einer Person zu erkennen, die so ergreifend, wie wunderschön ist. Mary Ethel Roderick, 1912 to ’72. Though we never met in flesh, here I remember you. Were a woman, you were gentle, you were modest, you were kind. A mother, wife and gran, you were a woman of your time. (Mary Ethel Roderick, 1912 bis ’72. Obwohl wir uns nie in echt getroffen haben, erinnere ich mich an dich. Warst eine Frau, du warst sanft, du warst bescheiden, du warst freundlich. Eine Mutter, Frau und Großmutter, du warst eine Frau deiner Zeit.). Nich Mulvey schafft es mit seiner Musik, direkt ins Herz zu treffen und die schönsten und wärmsten Emotionen auszulösen. Begin Again ist dabei der erste Vorbote der gleichnamigen EP Begin Again und wird in den kommenden Wochen noch weitere Songveröffentlichungen seiner wunderschönen Mischung aus Singer/Songwriter und Folk bereithalten, ehe sie am 5. Juni erscheint.

Backseat - Speak Loud (When You Speak Love)

Werdet laut! – Speak Loud (When You Speak Love)

Die Einschränkungen, die uns die Pandemie beschert hat, hat bei uns allen einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Auch wenn wir unseren Alltag noch lange nicht wieder normal nennen können, haben sich weite Teile unseres täglichen Ablaufes zumindest wieder normalisiert. Was nicht für alle Bereiche gilt. Denn speziell in der Kulturlandschaft, den Club- und Konzerthallenbetreibern, sowie allen DJs, Music Acts und Künstler*innen. Auch ich – Marten – der hinter SOML steckt, habe in den vergangenen Wochen immer häufiger gesehen, wie sich die Betroffenen in dieser Situation zu helfen wissen und habe es genossen, Live-Konzerte aus den Wohnzimmern vieler Bands zu sehen. Auch die Clubcommission Berlin e.V. hatte schnell gehandelt und zusammen mit Reclaim Club Culture und Arte Concerts die Plattform United We Stream ins Leben gerufen. Hier streamen regelmäßig DJs aus den Berliner Clubs direkt in die Wohnzimmer der Clubgänger, die wiederum mit ihrer Spende den Clubs direkt helfen können. Mittlerweile sind auch die Radio- und TV-Stationen radioeins, Alex Berlin und Flux FM hinzugekommen und verbreiten so das Angebot immer mehr. Aber auch Konzerthallen wie das Gretchen werden durch die Spendenaufrufe von Konzertkassen wie Koka36 unterstützt – auf deren Homepage man direkt für die kleine Kreuzberger Location spenden kann. Und das ist daher so bemerkenswert, da Koka36 selbst stark von dem Konzertverbot betroffen ist und aktuell ausschließlich die Ticket-Rücknahmen bearbeitet. Auch die SOML-Freunde von der Musikagentur Backseat haben eine Aktion ins Leben gerufen, bei der sie die Aufmerksamkeit auf die positiven Aspekte in der momentanen Situation lenken wollen und den – immer prominenter auftretenden – Hassrednern damit weniger Platz geben wollen. Denn nur wenn wir laut werden, geben wir dem Hass weniger Raum und Aufmerksamkeit und zeigen damit, dass solche Ansichten nicht für den Großteil unserer Gesellschaft gelten. Unterstützt Eure Bands, kauft deren CDs oder Vinyls, downloaded die Songs, streamt die Clubnächte durch und spendet was Ihr wollt – Hier hilft wirklich jeder einzelne Euro. Übrigens ist die Backseat-Aktion offen für alle Stimmen und lädt dazu ein, Videos einzusenden, die dann zu der Youtube-Playlist hinzugefügt werden. Und wer den Song Speak Loud (When You Speak Love) von BRTHR nun nicht mehr aus dem Kopf bekommt, kann ihn sich auf Youtube auch nochmal in voller Länge anhören.

Sultans Court - Good Enough

Sultans Court – Wem werde ich eigentlich gerecht?

Mit Themen von Geschlechterrollen, der Flucht aus der Realität und nun der Selbstoptimierung haben Sultans Court sich nicht gerade die leichtesten Felder ausgesucht. Auch musikalisch haben die vier Berliner keine Lust auf einfache Melodien, denn während sie auf Haunted sehr vertracktet klangen, war auf Shutdown bereits deutlich mehr Dunkelheit zu hören. Diese Dunkelheit kommt umso mehr zur Geltung, schaut man sich unsere aktuelle Situation weltweit an, in der sich eine ganze Gesellschaft im Shutdown befindet. Mit ihrer neuen Single Good Enough greifen die Berliner nun auf, für wen wir eigentlich welche Motivation haben, uns zu verbessern. Von dem – immer größer werdenden – Druck der Gesellschaft um Selbstoptimierung und den dazugehörigen Zwängen, sich immer und bei Allen beweisen zu wollen, wird uns auch immer bewusster, einmal eine Pause einzulegen. Sich selbst zu fragen, für wen ich das mache, warum ich der Geschwindigkeit der anderen hinterherrenne und auf Augenhöhe kommen möchte. Denn genau das vermittelt uns die Gesellschaft – nicht auf Augenhöhe zu sein und deshalb ranklotzen zu müssen. Wir sehen in den sozialen Medien Freunde und Bekannte, die ein Bilderbuchleben präsentieren, werden im Job an Parameter gemessen, die – fern von jeglichem Individualismus – alles und Jeden auf einen Nenner bringen möchte und ertappen uns selbst dabei, dem gerecht werden zu wollen. Doch was ist, wenn wir einsehen, dass wir uns unser Dasein absolut ausreicht und gut genug ist? Diese Frage kann sich jeder wohl nur selbst beantworten – doch stellen Sultans Court auf Good Enough die Frage Darling, did it mess you up? Think you gotta stop. Before you start to drop. Where’s your head at? und regen damit zur Reflexion an. Mit einem gewohnt großartigen Mix aus elektronischen Beats und einem drängenden mehrstimmigen Gesang zeigen Sultans Court auf Good Enough einmal mehr, wer ihre musikalischen Vorbilder sind, ohne sich jedoch als Kopie dessen anzuhören. Denn Good Enough ist weit mehr, als nur gut genug – Sultans Court schaffen es hier einmal mehr, Musik mit Tiefgang zu produzieren.

Florence + The Machine – In Gedanken tanzend mit allen Zusammen

Es wird den Moment geben, an dem wir alle wieder zusammenkommen und zu den Songs tanzen könne, die wir alle so lieben. Dass dieser Wunsch momentan einer der größten, von so vielen Musikerinnen und Musikern ist, zeigt nicht zuletzt auch die Veröffentlichungspolitik. Während nicht wenige Musiker ihre Albumveröffentlichungen von April und Mai auf den Herbst verschieben, veröffentlichen sie und andere Künstlerinnen und Künstler Singles, die sich zunehmend mit der aktuellen Situation auseinandersetzen. Habe ich erst gestern einen Song von Angels & Airwaves vorgestellt, bei dem alle Einnahmen an die US-Amerikanische Version der Deutschen Arche gehen, folgt heute mit der neuen Single von Florence + The Machine eine weitere Veröffentlichung, die ihre gesamten Einnahmen an eine Hilfsorganisation spendet. Bei Florence + The Machine handelt es sich um den Song Light Of Love der im Zuge der Arbeiten an ihrem letzten Album High As Hope entstand, es aber nie auf das Album schaffte. Nun ist der perfekte Zeitpunkt, um ihn zu veröffentlichen, wie Florence Welch über ihre sozialen Netzwerke mitteilt und spendet die gesamten Einnahmen an die Intensive Care Society, die sich um die Unterstützung des medizinischen Personals in Großbritannien kümmert. Mit Light Of Love veröffentlichen Florence + The Machine damit eine wunderschön, reduzierte Pianoballade, die sich im Verlauf immer weiter aufbaut und zu einem regelrechten Erwachen der verschiedensten Gefühle führt. Mit einsetzen der Drums zieht schließlich auch die Geschwindigkeit des Songs an und lässt ihn an Intensität wachsen. Nur, um im zweiten Teil des Songs in eine opulente Bombastballade aufzugehen und in gewohnter Florence + The Machine Manier an die ganz großen Gefühle zu appellieren. Florence + The Machines Musik ist jedes Mal aufs Neue die Entdeckung eines kleinen Schatzes, der sich schließlich gekonnt und für Wochen bei uns festsetzt.

Angels & Airwaves - All That's Left Is Love

Angels & Airwaves – Was uns bleibt ist Liebe

Seit der Entstehung der Band im Jahr 2005 gab es Spekulationen über die Zugehörigkeit Tom DeLonges zu Blink-182, als auch zu Angels & Airwaves. War es ein Nebenprojekt während der Blink-182-Bandpause? Oder war es der Aufbau einer ganz neuen Band, die schon bald DeLonges Hauptband sein würde? 15 Jahre später wissen wir es und steht DeLonge mit bereits fünf Studioalben voll im Saft des Angels & Airwaves-Projektes. Bereits seit fünf Jahren von Blink-182 getrennt, zeigte sich, dass DeLonge eine andere Art des musikalischen Ausdrucks favorisierte. Mit introvertierten Sounds und ausufernden Arrangements sorgte DeLonge mit Angels & Airwaves schnell für ein würdiges Zurückkehren der ehemals prägnanten Blink-182-Stimme. Doch auch abseits dessen waren Angels & Airwaves von Beginn an auf etwas Größeres ausgelegt. Mit wechselnden Musikern und der Fokussierung auf andere Bereiche der Kunst – wie auf Film- und Grafikprojekte – umfasste die Band ein immer größer werdendes künstlerisches Feld. Erschien mit The Dream Walker das letzte Angels & Airwaves-Album 2014, hat die Band mittlerweile mit Rebell GirlKiss & Tell zwei Songs veröffentlicht, die nun durch All That’s Left Is Love ergänzt wird und die Vermutung über ein baldiges Erscheinen des sechsten Studioalbums vermuten lässt. Dabei klingt All That’s Left Is Love einmal mehr so mitreissend und nach Alternative Rock, dass wir uns mit der Stimme DeLonges sofort wieder wohlfühlen. Im Verlauf der vier Minuten baut sich All That’s Left Is Love zu einer großen Hymne auf, die der aktuellen Situation, in der wir alle stecken, Tribut zollt. Mit hoffnungsvollen Textzeilen, wie We have never been here before. To not love less, to love more oder We‘re locked inside our beds, but we Laugh at what is said, remember how it all begins A little smile from your friends. lassen Angels & Airwaves keinen Zweifel daran, dass diese Pandemie auch einen enormen Zuwachs an sozialem Zusammenhalt erkennen lassen hat. So kommentiert DeLonge den Song dann auch in einem Interview wie folgt: Freunde – wir alle sitzen gerade zu Hause fest und während wir die unglaublichen Ereignisse, die gerade weltweit geschehen, beobachten, konnten wir auch kleine leuchtende Sterne auf der ganzen Welt entdecken – die die positive Seite der Menschheit zeigen, die manchmal in unserem Alltag verloren gegangen sind. Darum geht es in dieser Band letztendlich seit dem ersten Tag – Hoffnung. Vor diesem Hintergrund haben wir beschlossen, unsere Gefühle in ein Lied zu lenken. Die gesamten Einnahmen von All That’s Left Is Love gehen dabei an eine Organisation, die – ähnlich wie die Archen in Deutschland – den Kindern in den USA eine warme Mahlzeit gibt, die diese durch Schulschließungen und die Armut der Eltern sonst nicht erhalten hätten. Mit Songs wie diesen haben es Angels & Airwaves geschafft, zu einer der großartigsten Alternative-Bands der letzten 15 Jahre zu werden und zeigen einmal mehr, dass die gebündelte Kreativität so Einiges erreichen kann.

Cosby - Spaceship

Cosby – Wenn die weite Welt das eigene Wohnzimmer ist

Dass Reisen den eigenen Horizont erweitern, die Kreativität anregen und natürlich auch eine Menge neuer Einflüsse mit sich bringt, ist unlängst bekannt. Doch vor allem in der aktuellen Situation, in der die ganze Welt zu Hause sitzt und gerade das nicht mehr kann, fühlen wir uns verbundener denn je. Wir sitzen alle im selben Boot – doch wo saßen wir vorher, wenn uns die Distanz zusammenkommen lässt?! Zugegeben – diese Einführung zu wählen, um den neuen Song der Münchener Elektropop-Band Cosby vorzustellen, hört sich abwegig an. Doch gleichzeitig ist der unglaublich quirlige Sound von Spaceship eine Rettung aus der Ödnis des momentanen Alltags. Es soll ein Appell an die Fantasie sein und im Bestfall für einen Moment lang im Kopf eine Welt erschaffen, in der wir uns frei fühlen können – so die Band. Dafür haben sich Cosby einmal mehr für einen treibenden Refrain entschieden und den Song in eine 80er Jahre Synthie-Bombe verwandelt. Mit flirrenden Beats und einem Retrosound, der sowohl für die großen Partymomente, als auch bei wehmütigen Rückblicken funktioniert, haben Cosby einmal mehr die Vorfreude auf ihr für dieses Jahr angekündigtes, drittes Studioalbum Savior steigen lassen. Darauf zu finden ist auch die – im November veröffentlichte – Single Follow The Leader, die mit ihren machvollen Bildern beeindruckt. Cosby werden immer wieder durch ihren internationalen Sound an einen baldigen – ebenso internationalen – Durchbruch gemessen. Doch liegt darin auch die unfaire Beurteilung diese, so wunderbare und emotionsgeladene Musik nicht schon jetzt in ihrer vollen Weite anzuerkennen. Cosby werden auch auf dem dritten Album mit einem großartigen Elektropop begeistern, den wir schon auf ihren ersten beiden Alben feiern dürften.

Frey, Sway Gray feat. Felix Räuber - Wir sind nicht Allein (Allein Allein)

Frey & Sway Gray feat. Felix Räuber – Aktueller denn je

Es ist bereits 12 Jahre her, dass die Dresdener Band Polarkreis 18 mit der Leadsingle Allein Allein ihres dritten Studioalbums The Colour Of Snow die Charts enterten. Damals bis auf Platz 1 der Deutschen Singlecharts gestürmt und in weiteren europäischen Ländern in die Charts gelangt, stellte Allein Allein einen Überraschungserfolg der sechsköpfigen Band dar. Hat sich die Band 2012 offiziell in eine Bandpause begeben und ist aus dieser bisher nicht wieder zurückgekehrt, lebt Allein Allein weiter und ist immer wieder in Remixen anderer Acts zu finden. Zu den bekanntesten Versionen kann wohl die Veröffentlichung Allein des schwedische DJ und Produzent Eric Prydz unter seinem Alias Pryda gezählt werden. Nun gibt es eine neue Version des modernen Klassikers, der jedoch dieses Mal mit dem Mitwirken des Polarkreis 18-Sängers Felix Räuber und dem Einsatz einer neuen Refrainzeile der aktuellen Situation, in der wir uns alle befinden, gewidmet ist. Denn auf dem nun veröffentlichten Song heißt es nicht mehr Wir sind Allein sondern wurde die Zeile zu Wir sind nicht allein umgetextet. Produziert wurde der Song von den deutschen DJs und Produzenten Frey und Sway Gray. Während sich hinter Sway Gray kein Geringerer als der Hamburger DJ Shog verbirgt, ist Frey seit 2015 ein wiederkehrender Gast in den Beatport Top-5 und kann durch seine Remixe und eigenen Veröffentlichungen Acts wie Rudimental, Bob Sinclar und Nora En Pure zu einen Unterstützern und Fans zählen. Mit Wir sind nicht Allein (Allein Allein) haben Fray, Sway Gray und Räuber den Song an die aktuelle Weltsituation angepasst und ein dazugehöriges Lyric-Video mit leeren Straßen, Ärzten mit Mundschutz und Rückblicken auf – das Leben genießende – Menschen veröffentlicht, das gleichzeitig auch zeigt, wie sehr wir doch alle zusammenstehen. Damals wie heute transportiert der Song eine Melancholie, die durch den enormen Einsatz von Synthies an Gewichtung gewinnt und durch Räubers unvergesslichen Refrain zum Evergreen geworden ist.

Provinz – Wenn pure Emotionen auf uns niederprasseln

Aktuell gibt es eine Reihe von jungen deutschen Bands, die außergewöhnliche und herausragende Musik machen. Diese trifft sich ob der unterschiedlichen Genres doch immer wieder durch gemeinsame Nenner. So ist es zum einen der Sound, der Bands wie RAZZ, Giant Rooks oder Lea Porcelain so anders und international klingen lassen. Zum Anderen sind es die Lyrics, die Bands wie Jeremias, AnnenMayKantereit und Provinz so deutlich hervorheben. Zählen AnnenMayKantereit hier schon fast zum alten Eisen, stehen Provinz noch komplett am Anfang. Umso erstaunlicher ist, dass die 2017 gegründete Band mit Frontsänger und Songwriter Vincent Waizenegger für Texte steht, die so durchdringend sind, dass man sich immer wieder, bis aufs Fleisch ertappt fühlt, genau diese Gefühle auch schon gehabt zu haben. Gleichzeitig ist es die rauchig, kratzige Stimme Waizeneggers, die ihm eine Reife gibt, die nach einem Mittvierzig-Jährigen klingt, der in einer Nacht im Alkoholrausch erkennt, dass es so nicht weitergehen kann. Dabei steht nicht die Unzulänglichkeit des Alkoholikers im Vordergrund, sondern ist der Wechsel von Resignation in die Motivation das Bemerkenswerte. Hierbei zieht Waizenegger musikalisch blank und stellt die eigene Zerbrechlichkeit hinter die Darstellung eines Gefühls, welches ein Jeder schon einmal gespürt hat. Provinz singen, wie auf Wenn die Party vorbei ist, von Selbstaufgabe, Unvernunft, dem Streben nach Glück und von Tiefpunkten im Leben und treffen damit mitten ins Herz. Auf ihrer nun veröffentlichten Doppelsingle Nur Freunde und Verlier Dich hat sich Waizenegger mit der Situation befasst, die ihm selbst einmal beschäftigte. Wenn aus einer langen – schon im Teenageralter zusammengewachsenen – Freundschaft auf einem Liebe wird, was ist es dann?! Kann man diesen Gefühlen trauen? Sollte man diesen Gefühlen trauen? Wenn ja, was wird dann aus der Freundschaft? Zumindest letztere Frage wird schließlich mit Verlier Dich beantwortet und zeigt, wie sich Waizenegger mit Hilfe seiner Freunde Abhilfe verschafft. Provinz bringen es auf den Punkt und singen – als Band, in der alle Mitglieder um die 20 Jahre alt sind – über Themen, die so nah an der Realität sind, dass wir und am Ende selber fragen müssen, wo wir jetzt mit unserem Gefühlswirrwarr stehen. Alle Songs werden auf ihrem, am 14. August erscheinenden, Debütalbum Wir Bauten Uns Amerika enthalten sein, welche sie uns im Mai und Juni auf Festivals und im September und Oktober bei ihren – bisher noch nicht abgesagten – Liveauftritte präsentieren werden.

OK KID - E05 Im Westen

OK KID – Absurde Männlichkeit

OK KID sind bekannt dafür, mit kritischen Texten eine Atmosphäre in ihren Songs zu schaffen, die zwischen Feierlaune und dem Realisieren der wahren Situation pendeln. Mit Songs wie Grundlos,Warten Auf den Starken Mann, Stadt Ohne Meer oder Gute Menschen thematisieren sie immer wieder die aktuelle  Lage der Gesellschaft und wird so jedes neue Album der Gießener Band zum Spiegelbild und einer Momentaufnahme. Auf ihrem neuen Song 05 Im Westen geht es dabei um die absurden Männlichkeitsbilder, die in unserer Gesellschaft immer noch dafür stehen, bloß keine Emotionen zu zeigen oder sensibel zu sein. Die Band sagt daher im Interview mit NOIZZ, dass es ihnen wichtig ist, mit E05 Im Westen vor allem darauf aufmerksam zu machen und zu sensibilisieren, dass männlich sein eben nicht auf patriarchalische Attribute beschränkt sein muss. Vor allen im Musikvideo, in dem Wilson Gonzalez Ochsenknecht den depressiver Sohn eines patriarchalen Vaters spielt, wird die Spannung visualisiert, die dabei in ihm entsteht. Mit E05 Im Westen haben OK KID damit einen weiteren Song aus ihrer Audioserie Woodkids veröffentlicht und starten heute im Österreichischen Linz eine ausgedehnte Tour.

Alex The Astronaut – Sympathisch und ernst

Mit ihrem Happy Song war Alex The Astronaut in den letzten Monaten fast überall zu hören – ob im Radio, in Fashionstores oder auf Festivals. Nun schlägt die Sängerin mit dem Song I Like To Dance eine etwas andere Richtung ein. Denn für I Like To Dance hat sich Alex einer Geschichte angenommen, die doch deutlich häufiger hinter verschlossenen Türen stattfindet, als man es auch nur ahnen kann. So beschreibt Alex mit dem Songtext die Evolution einer Liebesbeziehung, in der über die Jahre plötzlich Gewalt Einzug hält. So singt die Australierin, dass es nach fünf Jahren glücklicher Beziehung plötzlich ein Schlag auf das Handy war, welches ihr aggressiv aus der Hand geworfen wurde. Im weiteren Verlauf der Beziehung folgten Wutausbrüche, die dazu führten, dass die Frau in Alex‘ Geschichte verprügelt wurde und dennoch zu ihrem Freund hielt. Diese Situation beschreibt die Sängerin im Songtext neutral und möchte gleichzeitig wachrütteln, dass unsere Gesellschaft diese Gewalt nicht tolerieren soll. Dabei kommen, neben einer Gitarre ein spärlich eingesetztes Klavier und eine Geige vor, die I Like To Dance eher akustisch klingen lassen. Wie schon auf den anderen Songs ihrer Diskografie zeigt Alex The Astronaut mit I Like To Dance einmal mehr, wie sehr sie auf den Input der Menschen um sie herum angewiesen ist und gleichzeitig so viel Liebe und Energie an alle Menschen um sie herum zurück gibt.