Henry Green © Hattie Ellis

Henry Green – Durch Schreibblockade zum zweiten Album

Es ist eine Reise über Felder, durch Großstädte bei Nacht oder über Straßen entlang der Küste bei einem Sonnenuntergang – den der Brite Henry Green mit seinem neuen Album präsentiert. Dabei hat ihn vor allem eine Schreibblockade zu diesem Album kommen lassen. Denn Anfang 2019 zog es den Musiker aus der 460.000 Einwohner großen Stadt Bristol in den 5.400 Seelen fassenden Ort Malmesbury – knapp 45 Kilometer vor Bristol – um dort an seiner Musik zu arbeiten. Anfangs war es genau dieser Schritt, der Green in die Schreibblockade führte – nur mit sich selbst im Zwiespalt ist es schwierig, zwei unterschiedliche Standpunkte bei der Produktion meiner Musik miteinander abzuwägen. So entstand bei mir im Kopf ein konstanter Kampf um die Musik sagt der Musiker über diesem Moment. Dabei hat er mit seinen beiden EPs Slow (2015) und Real (2017) und seinem Debütalbum Shift (2018) alle auf seiner Seite und kann auf knapp 100 Millionen Abrufe auf den Streamingplattformen verweisen. Genau diese Realität, die sich durch die Streams – von Menschen, die tatsächlich seine Musik hören – zeigte, half dem Briten dabei, sich auf seine Musik zu fokussieren und dabei mit der Überschrift Half Light ein Thema für das zweite Album zu finden. Dabei orientiert sich der Musiker, der bereits als Support von London Grammar und Nick Mulvey auftrat, an Musikern, wie Bonobo, Christian Löffler und RY X – allesamt dafür bekannt, Musik mit Elementen aus Elektro oder Singer/Songwriting zu benutzen, um eine ganz besondere Atmosphäre zu erzeugen. Mit seiner aktuellen Single All baut er einen Übergang vom Tag in die Nacht und nimmt sich der Idee an, seinen eigenen Lernprozess während dieser Albumproduktion darzustellen. Diesen Übergang kann man auf den etwas mehr als 4 minütigen Song wunderbar hören – beginnt All doch mit einem fragilen und intimen Gesang, der von warmen Synthies begleitet wird, eher sich der Beat im Verlauf des Songs immer deutlicher in Richtung eines Housetracks entwickelt, der an The XX erinnert. Henry Greens zweites Album Half Light wird am 3. Juli veröffentlicht und zeigt die verschiedenen Facetten des Zusammenspiels von elektronische Musik und intimen Singer/Songwriting.

The Best Of 2020 Vol.: 08

The Best Of 2020 Vol.: 08

01. Pluko & Panama – Higher (zum Artikel)

02. Petit Biscuit feat. Shallou – I Leave Again (zum Artikel)

03. Diplo & SIDEPIECE – On My Mind (zum Artikel)

04. Klangkarussell feat. GIVVEN – Ghostkeeper (zum Artikel)

05. Surf Mesa feat. Emilee – ily (I Love You Baby) (zum Artikel)

06. Howling – Need You Now (zum Artikel)

07. Flight To Moonlight feat. Priz – Midnight (zum Artikel)

08. BRTHR – Speak Loud (When You Speak Love) (zum Artikel)

09. Flecks – Hold On (zum Artikel)

10. Asaf Avidan – Lost Horse (zum Artikel)

11. Bruckner – Für Immer Hier (zum Artikel)

12. Giant Rooks – What I Know Is All Quicksand (zum Artikel)

13. Helgen – Tschüss (zum Artikel)

14. Native – It’s Been A While (zum Artikel)

15. Nick Mulvey – Begin Again (zum Artikel)

16. Pohlmann – Glashaus (zum Artikel)

17. Schiller with Tricia McTeague – Playing With Madness 2020

18. Otha – One Of The Girls (zum Artikel)

19. Frey & Sway Gray feat. Felix Räuber – Wir Sind Nicht Allein (Allein Allein) (zum Artikel)
Nick Mulvey - Begin Again

Nick Mulvey – Die tiefe Verbindung eines Songs

Es ist eine treibende Akustikgitarre – die Nick Mulvey verwendet – um in uns allen das Gefühl von Reflexion und Besinnung aufkommen zu lassen. Dass der Brite mit seiner handgemachten Musik für ganz besondere Momente verantwortlich ist, zeigte sich bereits durch die Songs Mountain To Move und In Your Hands, auf denen er durch Perkussions und in sich verlierenden Gesangsparts zum Träumen anregte. Nun hat der 35-jährige Sänger mit Begin Again eine erste neue Single – nach seinen beiden Alben First Mind (2014) und Wake Up Now (2017) – veröffentlicht und bezieht sich dabei auf die aktuelle Situation der Pandemie. So stellt der Sänger die Frage, wie wir als Gesellschaft danach wieder beginnen können zu leben. Dabei ist ihm eines unglaublich wichtig – die Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln und die eigene Familie in diesen Zeiten. Denn wenn wir nicht wissen, was vor uns liegt, ist die Liebe und Wärme der Familie eine Stütze für uns. Ihn selbst hat auf Begin Again die Suche nach der Persönlichkeit hinter seiner Großmutter – die bereits vor Mulveys Geburt gestorben war – angetrieben. Mit Fragen, wie Wer war diese Frau, die meine Familie bis heute so geprägt hat? durchforstete er alte Schriftstücke und fragte in seiner Familie rum. Dabei bildete sich zwischen Mulvey und seiner verstorbenen Großmutter Marie eine Verbindung, die der Sänger auf Begin Again zu transportieren versucht. Die Ehrfurcht vor den aufrichtigen Lehren und Botschaften dieser Frau lässt sich auch auf unsere heutige Situation und das Chaos vor unserer Tür anwenden und uns wieder zu uns selbst finden. Mit viel Liebe in den Worten zeigt sich die aufkommende und reine Liebe zu einer Person zu erkennen, die so ergreifend, wie wunderschön ist. Mary Ethel Roderick, 1912 to ’72. Though we never met in flesh, here I remember you. Were a woman, you were gentle, you were modest, you were kind. A mother, wife and gran, you were a woman of your time. (Mary Ethel Roderick, 1912 bis ’72. Obwohl wir uns nie in echt getroffen haben, erinnere ich mich an dich. Warst eine Frau, du warst sanft, du warst bescheiden, du warst freundlich. Eine Mutter, Frau und Großmutter, du warst eine Frau deiner Zeit.). Nich Mulvey schafft es mit seiner Musik, direkt ins Herz zu treffen und die schönsten und wärmsten Emotionen auszulösen. Begin Again ist dabei der erste Vorbote der gleichnamigen EP Begin Again und wird in den kommenden Wochen noch weitere Songveröffentlichungen seiner wunderschönen Mischung aus Singer/Songwriter und Folk bereithalten, ehe sie am 5. Juni erscheint.

Nick Mulvey – Mit sanfter Hand

Mit Mountain To Move hat uns der britischer Musiker Nick Mulvey Ende 2017 so sehr verzückt, dass wir auch heute noch völlig hin und weg sind, sobald wir seinen Namen irgendwo lesen. Nun veröffentlicht Mulvey mit In Your Hands eine weitere Single aus seinem zweiten Album Wake Up Now. Dabei gibt es ein weiteres Mal den, so geschätzten, südamerikanischen Singer/Songwriter-Sound. Mit Gitarre und Hintergrundgesang fühlt sich In Your Hands an wie eine Massage für die Seele, sanft, leicht und liebevoll möchte Mulvey den Song als unaufgeregten Friedenssong verstanden sehen. Es kommt darauf an, wie wir entscheiden, die Welt wahrzunehmen. Kämpfe und Kriege werden wir erst stoppen können, wenn wir in uns selbst Frieden gefunden haben sagt Mulvey. Mit diesem Gefühl der Ausgeglichenheit und dem entspannten Sound von In Your Hands ist Mulvey wieder einen Schritt weiter und wickelt uns damit liebevoll um seinen Finger.

The Best Of 2017 Vol.: 09

01. Angus & Julia Stone – Chateau

02. Ary – Already There

03. Cosby – Get Up

04. Dagny – Wearing Nothing

05. James Hype feat. Kelli-Leigh – More Than Friends

06. Mausi – Famous

07. Nick Mulvey – Mountain To Move

08. Nilüfer Yanya – The Florist

09. Oscar And The Wolf – Breathing

10. Portugal. The Man – Feel It Still

11. Gloria – Immer Noch Da

12. RY X – Bad Love

13. SG Lewis feat. Toulouse – Times We Had

14. Shout Out Louds – Porcelain

15. Sigrid – Plot Twist

16. Sion Hill – Elephant

17. Skott – Mermaid

18. Someone – The Deep

19. SYML – Where’s My Love

20. Vance Joy – Lay It On Me

21. Woodes – Run For It

22. Thirty Seconds To Mars – Walk On Water

Nick Mulvey – Songwriting mit lateinamerikanischem Einfluss

Der 32 jährige Brite Nick Mulvey hat bereits einiges in seinem Leben erlebt. Wurde er 1984 in Großbritannien geboren, zog er mit 19 Jahren nach Kuba, um dort Musik zu studieren. Vier Jahre später, wieder zurück im Königreich, schrieb er sich an der Uni für Ethnomusikologie ein und begegnete seinen zukünftigen Bandkollegen, mit denen er 2008 die Band Portico Quartet gründete. Trotz des Erfolges und einer Mercury Music Prize Nominierung verließ Mulvey die Band bereits 2011 um solo erfolgreich zu werden. Dass dies eine gute Entscheidung war, können wir nun auf seinem zweiten Soloalbum Wake Up Now hören. Darauf enthalten ist die verträumte Indie-Folk-Ballade Mountain To Move. Mit einem Banjo, Mulveys leidender Stimme und einem stampfenden Takt vertreibt Mountain To Move den nahenden Herbst und nimmt uns noch einmal mit in den warmen Sommer – direkt nach Lateinamerika. Seine Musik wird vor allem durch das Benutzen des Stahlblechinstrumentes Hang geprägt. Mountain To Move will uns mitnehmen, auf eine Reise in die Ferne und Wärme – da steigen wir doch gerne dazu.