Clueso – Konzertkritik (Huxley’s Neue Welt 2018)

Er kam, sah, siegte! Nicht anders ist zu beschreiben, was der Thüringer Musiker Clueso am vergangenen Dienstag in Huxley’s Neue Welt ablieferte. Clueso hat Erfahrung, ist in die Popwelt hinein gewachsen und hat alle Phasen eines Musikers durchlaufen. Vom Newcomer-Dasein, über die ersten Hypes, bis zu Zweifeln und einer Neuausrichtung – die ihm abermals einen Erfolgsschub bescherte – verpackt der 38-jährige Sänger all seine Erfahrungen und Emotionen immer wieder in Songs und erreicht damit ein Publikum zwischen Jung und Alt. Mit seinem aktuellen Album Handgepäck I schaffte es Clueso zum dritten Mal hintereinander die Pole-Position der deutschen Albumcharts zu erreichen und überraschte gleichzeitig mit einem Sound, der von akustischer Musik und Zurückhaltung geprägt ist. Sind doch alle Songs auf Handgepäck I im Laufe der vergangenen sieben Jahre entstanden, als der Sänger auf Reisen war. Davon beeinflusst, klingt Handgepäck I nach Weite, vorbeiziehenden Landschaften und einer entspannten Grundhaltung, die selbst Cluesos entspannte Art nochmal steigern lässt.

An diesem kalten Novemberabend rief er nun schließlich seine Fans auf, in die Konzerthalle am Neuköllner Hermannplatz zu kommen. War die Halle zum bersten voll und ausverkauft, folgten diesem Aufruf anscheinend viele seiner Fans. Pünktlich wie ein Maurer betrat der Sänger um 20:30 Uhr – ohne Vorband – die Bühne und begann mit den ersten Songs Morgen Ist Der Winter VorbeiEs Ist Schon Spät und Neue Luft. Dabei knisterte es still in der Halle und klangen die Gitarrensaiten voluminös und warm. Hiernach begrüßte er das Berliner Publikum und ließ sympathisch von der Stange, dass er ja doch immer etwas aufgeregt sei, das Publikum hier ihn aber so herzlich empfangen habe, dass dieses Gefühl schon fast verflogen sei.

Songs seiner Idole

Mit Vier Jahreszeiten An Einem Tag kündigte Clueso im weiteren Verlauf sein erstes Cover an diesem Abend an. Hat es der – im Original von der Australischen Band Crowded House geschriebene – Song tatsächlich in übersetzter Version auf das Album und sogar zur Singleauskopplung geschafft, kommentierte der Sänger, dass Englisch nicht so sein Ding sei und er diesen Song aber so sehr mochte, dass er ihn übersetzte und neu interpretiert habe. Dabei blieb der Sänger sehr nahe am Original und erhielt die traurig, emotionale Stimmung des der englischen Version. Mit Du Und Ich folgte anschließend eine poppigere Nummer, die ebenfalls als Singleauskopplung im vergangenen Sommer durch die Radios hallte und die gedämpfte Stimmung im Publikum wieder mit Energie füllte.

Mit den folgenden Songs läutete Clueso schließlich eine Strecke von älteren Songs ein, die auf die akustische Tour angepasst wurden. Da fielen mit Keinen Zentimeter und der Udo Lindenberg Kollaborationssingle Cello spätestens hier alle Hemmungen mitzusingen und hörte man bei den einschlägigen Textzeilen das Publikum um sich herum mal ruhig, mal frenetisch mitsingen. Mit den Worten, dass das Berliner Publikum immer etwas anders sei, quittierte er die Aussage mit dem Zusatz, dass es den Sänger mit einer ruhigen und offenen Haltung aufgenommen habe und er sich pudelwohl fühlte. Nach Cello kam der Sänger allerdings nicht drumherum, vom Hamburger Panikrocker Udo Lindenberg zu reden und teilte Anekdoten wie, dass Lindenberg rauchend in der Lobby eines Hotels darauf hingewiesen wurde, dass das Rauchen hier nicht gestattet sei und es noch nicht einmal einen Aschenbecher gäbe, mit den Worten Ja… früher stand hier mal einer. Diese Erinnerungen zauberten Clueso, während er sie erzählte, eine kindliche Begeisterung ins Gesicht und man mochte fast eine Art Heimeligkeit durch das Geschichten erzählen zu vernehmen.

Mit Chicago folgte schließlich einer seiner stärksten Songs und erzeugte dabei mit der Tragik, die der Text ausdrückt eine Gänsehautstimmung unter dem Publikum, die eine Mischung aus Empathie und Willenskraft ausstrahlte. Im Anschlus folgte mit Es Brennt Wie Feuer eine deutsche Interpretation des Bruce Springsteen Songs I’m On Fire. Dabei outete sich Clueso als großer Springsteen Fan und sorgte zur Mitte des Songs für einen – fast schon ekstatischen – Moment als er in den Refrain des Kings Of Leon Hits Sex On Fire überging und auf der Bühne kurzzeitig durch flirrende Gitarren das Gefühl, ein Rockkonzert zu besuchen, aufflammte.

Clueso mit Baguette aber ohne Annett Louisan

Fanpost war schließlich der älteste Song seiner Diskografie an diesem Abend – wurde dieser doch auf dem 2005er Album Gute Musik veröffentlicht. Mit Freidrehen und Gewinner drehte Clueso schließlich noch einmal voll auf und animierte das Publikum mitzusingen, bevor mit Paris eine kleine Chansonnummer folgte. Hierbei erinnerte Paris an Songs aus Annett Louisans Repertoire und würde sicherlich auch eine wunderbare Kollaboration mit ihr ergeben. Mit einer kurzen Verabschiedung kam die Band und Clueso nach knapp einer Minute wieder auf die Bühne um mit dem Mash-Up Achterbahn und Zusammen – eine Zusammenarbeit mit den Fantastischen Vier – nochmal richtig durchzustarten. Im Anschluss mit einer Jam-Session über Berlin, Zugehörigkeit, Toleranz und Umwelt rappend, zeigte Clueso, dass er immer noch die Skills des Freestyles beherrscht und beendete schließlich das Konzert mit dem melancholisch, schönen Barfuß.

Nach 18 Songs, 2 Stunden und 10 Minuten voller Power, einem unglaublichen Unterhaltungswert und Musik aus den Genres Hip-Hop, Rock, Pop und Chanson, verabschiedete sich Clueso schließlich endgültig von der Bühne und bedankte sich für die Herzlichkeit und das mal totenstille Lauschen, mal begeisterte Abgehen.
Hatte Clueso in den letzten vier Jahren insgesamt sechs Konzerte in der Hauptstadt gegeben, überraschte und begeisterte die Stimmung der Fans, die keine Ermüdungserscheinungen – den Musiker zu sehen – zeigten. Ebenso legte Clueso eine Energie an den Tag, die in Anbetracht der Anzahl an Berliner Konzerten zusätzlich begeisterte. Clueso ist ein Profi durch und durch. Er weiss, worauf es ankommt und wie er ein Publikum mitziehen kann. Dies schafft er allerdings so sympathisch und unterschwellig, dass man das Gefühl bekommt, einen Freund auf der Bühne zu haben.

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Bastien – Auf dem Sprung

Rumänien ist nicht unbedingt ein Land auf der Liste, auf der man populäre Popmusik aufführen würde. Doch haben uns bereits Künstler und Bands wie O-Zone (Dragostea din tei), Edward Maya (Stereo Love) oder auch Alexandra Stan (Mr. Saxobeat) in den letzten Jahren immer wieder einmal gezeigt, dass auch große Popnummern aus Rumänien kommen können. Nun gibt es mit dem 22-jährigen Sänger Bastien den nächsten Künstler, der es auch hierzulande schaffen könnte, in die Charts zu steigen. Hat der, in Bukarest lebende, Sänger seine Flügel doch deutlich weiter ausgestreckt, als es die meisten anderen vor ihm taten. Steht er bei einem Plattenlabel in Paris unter Vertrag und nimmt seine Songs in einem Aufnahmestudio in Berlin auf, hat er nicht zuletzt auch durch das Reisen einen deutlich größeren Eindruck von Popmusik vorzuweisen. Denn Bastien hat bereits im Frühjahr 2018 auf der Single Higher des Berliner Produzenten-Duos Frank & Friedrich mitgewirkt und zeigt nun mit seiner Single Stay With Me, dass er es auch alleine kann. Mit einem Mix aus R&B, Pop und elektronischen Klängen, sowie einem souligen Gesang lässt Bastien eine Beziehungsentscheidung aus seinem Leben in den Song einfließen. Dabei klingt er vertraut, ruhig und doch irgendwie tanzbar. Stay With Me ist der Ohrwurm, den es braucht, um richtig durchstarten zu können – und das gelingt dem Newcomer ausgesprochen gut.

Mallrat – Durch den Supermarkt rauschen

Mallrat ist 19 Jahre alt und hat bereits mit den Singles Better und Uninvited für viel Furore gesorgt. Mit ihrem sonnig, leichten Elektropop begeistert die Australierin immer wieder und sorgt nun mit ihrer neuesten Single Groceries einmal mehr dafür, dass man sich wünscht, mit der Sängerin auf dem Supermarktparkplatz abzuhängen. Mit einer Gitarre beginnend, kommt auf Groceries Mallrats Gesang dazu und baut sich in den nächsten dreieinhalb Minuten zu einer positiven Indie-Pop-Hymne auf. Dabei schafft es Mallrat locker und unbeschwert zu klingen und wird in ihrem Heimatland gerade auch wegen ihres eigenwilligen Gesangsstils als rappende Sängerin gehandelt. Seit Jahren nur noch in ihre Musik vertieft, reiste sie bereits seit drei Jahren nicht mehr durch die Welt. Nun ist ihr nächster Schritt, nach Los Angeles zu ziehen, um ihre Musikkarriere voranzutreiben. Mit Uninvited, Better und Groceries im Gepäck dürfte ihr das nicht all zu schwer fallen. SOML ist bereits Fan und freut sich auf alles was kommen mag.

Das Paradies – ist Indie

Alles beginnt mit einem Klavier und der Stimme Florian Sievers‘. Dann, nach einigen Sekunden, geht der treibende Indiebeat los und wir sind verliebt. Sievers hat mit Das Paradies ein Projekt gestartet, das sich über wunderbare Texte und mit einem eingängigen Indiebeat präsentiert. Auf der Single Discoscooter klingt Sievers  unaufgeregt und satt. Der Sänger und Songwriter aus Leipzig – der auch bekannt als Teil des Duos Talking To Turtles ist – hat einen passenden Soundtrack zum Frühling produziert und lässt uns im Kopf mit dem Cabrio über Landstraßen reisen und die milde Luft zwischen den Haaren spüren. War der Entstehungsprozess der Debüt-EP Die Giraffe Streckt Sich erstmal nur als Überbrückung der Talking To Turtles-Pause gedacht, gefiel ihm das Texten deutscher Songs dann so gut, dass er gleich eine ganze Palette von Songs schrieb. Da dauerte es nicht lange, bis auch das erste Feedback kam und sich Sievers entschloss, das Material zu veröffentlichen. Nun, da die Die Giraffe Streckt Sich-EP am 21. April veröffentlicht wurde, konzentriert sich Sievers sogar auf Songs eines, für Sommer geplanten, Debütalbums. Discoscooter ist es der perfekte Song, um die Jahreszeit zu genießen und lässt uns gespannt auf das kommende Album blicken.