ionnalee & Zola Jesus - Matters

ionnalee & Zola Jesus – Dunkel, Mystisch, Nordisch

Als würde Zola Jesus nicht schon alleine für zwei dieser Merkmale stehen, gibt es nun eine Kollaboration mit dem schwedischen Ausnahmetalent ionnalee. Die skandinavische Sängerin, die bürgerlich Jonna Lee heißt, hat in den vergangenen zehn Jahren eine Kunstform um sich herum entwickelt, die von Kreativität und einem Denken ohne Mauern geprägt ist und für eine, nur schwer greifbare, künstlerische Ausdrucksform steht. Mit mystischen Sounds – die vor sich hin wabern wie Nebelbänke an einem herbstlichen Morgen, einer Stimme – die eine Schwere besitzt und gleichzeitig engelsgleich klar wirkt und mit einem körperlichen Expressionismus – der sich nur schwer in irgend eine Schublade einordnen lassen möchte – hat es Lee geschafft, ein Kunstform zu entwickeln, die so spannend, wie faszinierend ist. Ihre neueste Single Matters, bei der die Schwedin mit der amerikanischen Sängerin – und ebenfalls Koryphäe der mystischen Musik – Zola Jesus zusammengearbeitet hat, beweisen beide einmal mehr, wie ergreifend Musik klingen kann, wenn zwei Ausnahmetalente wie diese Frauen auf einem Song zu hören sind. Mit einem Beat, der einem  Herzschlag gleich kommt, hallenden Echos und partiellen Spielereien im Sound baut sich Matters zu einem wahren Traum von Song auf. Ob dieser Traum mystisch, fantastisch oder grausam und schrecklich ist, bleibt dem Hörer überlassen, der bei Matters eine ganz eigene Geschichte vor seinem inneren Auge entstehen lässt. Matters ist vielschichtig, wie eine Geschichte aufgebaut und zeigt zwei Künstlerinnen in ihrer Hochphase.

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Zala Kralj & Gašper Šantl - Sebi

Zala Kralj & Gašper Šantl – Wir hängen an ihren Lippen

Es sind diese Momente, wie bei solch großen Veranstaltungen, wie dem Eurovision Song Contest, die es immer wieder sehenswert machen, diese Shows zu verfolgen. Fernab der aufgeregten Performances der anderen Länder hat sich Slowenien für einen Song entschieden, der sich von allen anderen abhob. Mit dem Duo Zala Kralj & Gašper Šantl hatte das südosteuropäische Land am vergangenen Samstag nämlich ein junges Duo auf die Bühne Tel Avivs geschickt, welches noch nicht einmal zwei Jahre zusammen Musik macht. Hatte Šantl vorher bereits Musik produziert, suchte er für einige Songs noch eine weibliche Stimme, die er bei Kralj fand. Allerdings entwickelte sich ihre Zusammenarbeit so gut, dass sie entschieden, als Band weiterzumachen. Mitte Februar veröffentlichten sie mit Štiri ihre Debüt-EP, auf der auch der Eurovision-Song Sebi enthalten ist. Dieser zeigt mit seiner klaren Songstruktur und einem Mix aus Minimal und Indiepop, dass moderne elektronische Musik nicht immer nur aus Ländern, wie Großbritannien oder Schweden kommen muss. Zala Kralj & Gašper Šantl erinnern mit Sebi stark an die britische Band The XX und haben mit dieser den mystisch, melancholischen Sound gemein, der beide Bands dadurch unglaublich interessant werden lässt. Dass ihre Performance auf dem Eurovision so eintönig erschien, liegt wohl an dem Fakt, dass die beiden sich mit ihrer Musik zwar wohl fühlen, allerdings nie damit gerechnet hätten, einmal vor 200 Millionen Menschen zu spielen. Mit Sebi brauchen sich Kralj und Šantl überhaupt keine Gedanken machen, denn ihr Publikum haben sie damit längst gefunden.

Go Go Berlin - Love Me

Go Go Berlin – Mystisch und Groß

Mit brachialem Einfühlungsvermögen beeindruckt uns die dänische Band Go Go Berlin nun auf ihrer neuesten Single Love Me. Denn hier lassen sie nicht nur einem ganz starken Gefühl viel Raum, sondern bringen genau dieses Gefühl – nach einer gescheiterten Liebesbeziehung in einer Art Vakuum zu leben – in ein Soundgerüst unter. Dabei haben sich Go Go Berlin in den letzten Jahren eher weniger laut gezeigt, denn nach einer exzessiven Tour rund um die Welt im Jahr 2015 brach ein Gefühl in der Band aus, welches von Leere und Unsicherheit geprägt war – worauf sich die Band eine Pause verordnete. Diese währte drei Jahre und führte schließlich dazu, dass die Jungs um Frontsänger Christian Vium ihre Blockade lösten und in Spiellust umwandeln konnten. So gingen sie für das kommende, dritte Album, welches am 16. August 2019 erscheinen wird, nach Los Angeles und produzierten ein paar Songs, die von der Weite Kaliforniens geprägt sind. Auf Love Me kann man sich davon am besten überzeugen. Denn beginnt der Song mit einem hypnotisierenden Bassbeat und Viums melodischem Gesang, bricht er kurze Zeit später regelrecht auseinander und lässt den Song in eine großartige Rocknummer wechseln, dessen Sound und Gesang nun an Bands wie Muse oder den großartigen Chris Cornell erinnern. Schließlich geht Love Me nach circa drei Minuten Gitarrenfeuerwerk in eine hypnotisch, wabernde Soundwolke über, die mystisch, dunkel und schmerzerfüllt klingt. Go Go Berlin haben damit einen Song geschrieben, der schon jetzt das Zeug zum Klassiker hat.

HAELOS - End Of World Party

HÆLOS – Mystisch und nostalgisch

In einer Woche ist es soweit – dann steht mit Any Random Kindness das zweite Album der Londoner Trip-Hop Band HÆLOS in den Regalen. Bereits mit Kyoto und Boy/Girl zeigte die Band Anfang des Jahres, wo es klanglich hingehen würde. Mit einem mystischen Elektrobeat zeigten HÆLOS bereits auf ihrem Debütalbum Full Circle und der Single Separate Lives vor drei Jahren, dass verschiedene Genres und Stile zusammen ein emotionales und einfühlsames Gemisch ergeben können. Auf ihrem neuen Album probieren sie Neues aus, bleiben aber auch ihrer mystischen Grundstimmung treu. So klingt ihre neueste Single End Of World Party genau so, wie es der Titel verspricht – mit dramatischen Breakbeats und einer auffälligen Zunahme der Gesangszeit ist End Of World Party eine Reaktion auf die heutigen Anzeichen, den Fokus auf das Wichtige zu verlieren und sich im Wahnsinn der Nachrichten aus aller Welt zu verlieren. Dabei beschreibt die Pressemitteilung End Of World Party kryptisch als ein satirischer Blick auf die Ablehnung der apokalyptischen Aspekte der Menschheit und die Konzentration auf das Jetzt. Kurzum, wollen HÆLOS, dass wir den Moment wieder für uns entdecken und einfach wieder einmal loslassen. Mit End Of World Party hat das Quartett eine große Trip-Hop Hymne produziert, die in einer Reihe mit Songs von Portishead und Massive Attack genannt werden kann.

Crooked Colours – Eine dunkle Liebe zum tanzen

Das australische Trio Crooked Colours lässt gerade alle australischen Herzen höher schlagen – veröffentlichen sie gerade immer wieder Songs, die auf ihrem am 17. Mai erscheinenden, zweiten Album Hold On zu finden sein werden. Dabei klingt die nun veröffentlichte Single – die den Titel des Albums trägt – eingangs wunderbar verträumt, ehe sie sich zu einer satten Synthie-Tanznummer wandelt. Dabei setzen die Jungs aus Perth auf einen Song, der zu mutieren scheint, denn schlußendlich wirkt Hold On ab dem zweiten Teil des Songs eher dunkel und fast schon mystisch. In Australien bereits absolute Überflieger, mussten Crooked Colours zu ihrem ursprünglichen Konzert in Melbourne bereits einen Zusatztermin planen, um so vielen wie möglich, die Chance zu geben, sie einmal live zu sehen. Nachdem die Jungs um Frontsänger Philip Slabber ihr Heimatland bereits im Sturm erobert haben, wird mit Hold On nun der Rest der Welt angepeilt.

NEØV – Konzertkritik

Im Herbst letzten Jahres hatte es mir die Single Elysion der finnischen Band NEØV besonders angetan. Der Mix aus Alternative, Indie und Dreampop übte dabei die Faszination dieser Band aus. Dass auf ihrem neuesten Album Volant dabei einige Songs an The XX erinnern, ist zwar eine schöne Seitenerwähnung, wird der Band aber nur zu einem geringen Teil gerecht. Denn NEØV haben in den letzten Jahren so einiges auf die Beine gestellt. Neben ihrem Musik-Festival Gramofon Fest haben sie mittlerweile drei Alben veröffentlicht und vor allem mit Volant eine ganz große Platte eingespielt. Kam diese am 1. Februar dieses Jahres raus, galt es nun, die Songs auch live vorzustellen. Und so machten sie am vergangenen Montag im Berliner Monarch Club halt und gaben ein Konzert, welches mit den Reizen spielte.

Introvertiert und doch so stark

Als Vorband gab es mit Sea Change gleich eine angenehm positive Überraschung. Hatte die Norwegerin Ellen A. W. Sunde doch mit ihrer Loop-Station und der Unterstützung am Pad-Controller eine kleine Klangwelt kreiert, die voller Bass, mystischen Soundwolken und Sundes fragil und verträumt klingender Stimme zu einer vollkommenen Mischung verschmolz. Mit, zum Teil, harten Beats und verspielten Elementen kratzte Sundes immer wieder an der Schwere ihrer Songs und brach sie hier und da schließlich auf. Damit hat die, mittlerweile in Berlin lebende Künstlerin, eine wunderschöne Art gefunden, ihre Musik zu präsentieren und begeisterte das Publikum gleichermaßen.

Sea Change @ Monarch Berlin
http://www.soundtrack-of-my-life.com

Von The XX bis Timbaland

Nach kurzer Umbaupause traten schließlich NEØV auf die kleine Bühne am Ende der Tanzfläche im Monarchen und startete direkt mit einem der stärksten Songs des neuen Albums in den Abend. Lost In Time macht dabei die Anfangs vorherrschende Ruhe so stark und baut sich über die 4:16 Minuten zu einer großartigen Indiehymne auf, die mit den, eingangs angesprochenen, The XX Elementen über die Gitarre spielt. Gleichzeitig bekam man den Eindruck, dass durch ein simples Yeah – welches so eingesungen wurde, dass man meinen könnte Timbaland persönlich hatte seine Produzentenhände an diesen Song gelegt – die Musik von NEØV einem großartig, internationalen Sound angelehnt ist.

Auch wenig Worte zählen

Von der Vorabsingle Elysion ging es im anschließenden Brothers um eine Beziehung zwischen zwei Brüdern, die sich zwischen dem nahestehen und auseinanderleben immer wieder aufs Neue kennenlernen und reiben – so Frontsänger Anssi Neuvonen. Hier sollte sich der erste Eindruck – dass die Jungs all ihre Stärken in der Präsentation ihrer Songs stecken, anstatt viel mit dem Publikum zu interagieren, dabei allerdings nie ihre wachen Augen von Diesem lassen – immer weiter festigen.

Musikalischen Zyklus durchbrechen

Mit dem anschließenden Dominique I fügten die Jungs dem Konzert dann auch Songs des zweiten Albums Dominique hinzu. Diese gingen von Laketown – bei dem Neuvonen simple konstatierte, dass der Song deshalb existiere, weil die Jungs aus einer Stadt kommen, welche an einem See liegt – über The Rain People bis hin zu dem Zugabesong Woolen Pumpkin Shirt. So lockerten sie sich vom Sound immer wieder auf und spielten zwischen den Volant Songs The Golden FrontThe Half HorizonBirds Are Late und Person I Used To Be auch immer wieder deutlich rauere und gitarrenlastigere Songs.

Zwischen U-Bahn und Blaulicht

Mit einer angenehm vertrauten Selbstsicherheit bewegte sich die Band ohne viel Aufregung durch eine Songpalette, die für deutlich größere Bühnen, als die des Monarchen geschrieben scheint. Doch in einem so urbanen Raum zu spielen, bei dem draußen die U-Bahnen über die Hochtrassen rattern, unten der Kiez immer wieder mit vorbeirasenden Blaulichtern auf sich aufmerksam macht und einem erfrischend durchmischten Publikum – welches sich fast schon hypnotisiert zu den Songs bewegt -b ist für diese Band kaum passender gewählt. Nun dürfen aber so langsam ruhig auch die größeren Bühnen  kommen, denn auf Dauer ist der Sound von NEØV nicht auf kleinen Bühnen zu bändigen.

Ben Khan – Das Ziel und 2000 Angels vor Augen

Der britische Produzent und Musiker Ben Khan ist eine Art Geist in der britischen Musiklandschaft. Denn seit geraumer Zeit geistern Songs wie SavageEdenDrive (Part I) und Youth durch das Internet und erzeugen eine natürliche Neugier, wer hinter diesen geheimnisvoll, poppigen Elektroklängen steckt. Sind diese Songs bereits mehr als drei Jahre alt, flaute diese Interesse nur sehr langsam ab. Nun ist Ben Khan mit der neuen Single 2000 Angels zurück und kündigt damit endlich sein lang erwartetes Debütalbum an. Noch hat es keinen Namen, soll aber diesen Sommer rauskommen und zeigen, dass Khan anders ist, als die Musiker, die 0815-Songs schreiben. Sein selbst gestecktes Ziel ist, die Menschen zu erreichen, die eher als Passivhörer neben dem Radio sitzen. Denn hier ergibt sich für den Londoner Musiker eine ganz eigene Motivation. In früheren Interviews einmal auf die Hitschmieden der großen Plattenlabel angesprochen, kommentierte er, dass er nur einen Hit anhören und ihn in seine Einzelteile zerlegen müsse, um daraus einen neuen Hit produzieren zu können. Was sich anhört, wie die eigene Überschätzung, zeigt in seinen Songs, dass diese nur gerechtfertigt ist. Denn Khans neue Single 2000 Angels klingt nach einem Science-Fiction-Soundtrack, der in Filmen wie Lucy und Ghost In The Shell zum Einsatz kommen könnte. Wabernde Synthies treffen auf hypnotisierenden R&B und einen mystischen Vibe. Dabei erinnert der Song entfernt an den Sound von Miike Snow, die ebenfalls mit diesem Zusammenspiel ausnahmslos positive Kritiken erhalten. Auf 2000 Angels setzt Khan die eigene Messlatte nochmals ein Stück höher und hat damit den perfekten Teaser für das bevorstehende Album veröffentlicht.

Ladytron – Sieben lange Jahre sind vorbei

Mit Destroy Everything You Touch hatte die Liverpooler Band Ladytron 2005 ihren bisher größten Hit gelandet. So wurde der Song zur Hymne einer ganzen Generation und ist auch heute noch ein Garant für jede Indiedisco. Nach einer fünfjährigen Bandpause sind Ladytron nun endlich mit neuem Material zurück und wirken kein bisschen langweilig. Mit ihrem gewohnt synthielastigen Sound klingen Ladytron auf The Animal dunkel, bekannt und mystisch. Ihr dazugehöriges, sechstes Studioalbum wird, anders als alle bisherigen, das erste Album der Band sein, welches sie ohne Plattenlabel und somit unter Eigenregie veröffentlichen werden. Mit Jim Abbiss haben sie sich zusätzlich einen alten Bekannten ins Boot geholt, der ihre Songs nicht nur kennt und daher produziert, sondern vielmehr auch den Sound Ladytrons versteht wie kein anderer, wie Frontsängerin Helen Marnie erklärt. dabei hat Abbiss bereits Songs für Bands wie die Arctic Monkeys, Kasabian oder Adele produziert. Auf The Animal geht es rasant zurück in die New-Wave Zeit der 80er Jahre und ist der Song mit seinem morbiden Charme eine Novum. Ein Stern der New-Wave-Ära der 2000er ist damit zurück und begeistern auf ganzer Linie.

Skott – Wundersam bekannt

Mit Mermaid und Glitter & Gloss hatte uns die Schwedin Skott im Sommer 2017 in ihrem Bann gezogen. Dabei wirkte Skott stets mystisch und dunkel. Doch dieser Sound scheint vorerst eingemottet – denn mit dem nun veröffentlichten Song Stay Off My Mind kommt eine ganz andere Sängerin mit einer gleichnamigen EP zurück. Hier trifft Pop auf Indie und ein Feel-Good-Vibe macht sich breit. Dabei bedient sich Skott am Intro des 12-Jahre alten Peter, Björn & John Songs Young Folks. Dies kam auf, als Skott mit dem Bandmitglied Björn im Studio saß und diesen Part eigentlich nur als Platzhalter nutzen wollten. Am Ende gefiel es beiden so sehr, dass sie es drin ließen und so war die perfekte Indie-Pop-Hymne geboren. Auf Stay Of My Mind zeigt die Schwedin sich rundum verändert und auch das glauben wir ihr sofort.

Sense To You

Hugh – Ein Sound der durch die Straße fegt

Bereits mit dem Song This Is How It Starts, den das britische Quartett Hugh im Frühjahr veröffentlichte, begeisterten sie durch einen Slow-Beat der vor sich hin kroch. Dabei waren es die zusätzlichen Spielereien, die dem Song diese Noten der Abwechslung verschafften. Nun haben Izzy Brooks, Joshua Idehen, Andy Highmore und Tino Kolarides mit Go einen neuen Song bei Soundcloud hochgeladen und klingen damit sogar noch besser als auf This Is How It Starts. Denn Go begeistert mit einem Retrosound, der an Soundtracks von Ghostbusters erinnert und einen unwiderstehlichen Refrain hat. Brooks und Idehen spielen sich hier gegenseitig die Takte zu und bleiben dabei intim und mystisch. Go passt perfekt in die Kulisse einer menschenleeren Straße in Großstädten, bei dem der nasse Asphalt und die schummrigen Laternen eine Atmosphäre erzeugen, die irgendwo Geister vermuten lassen.