BRONSON feat. Totally Enormous Extinct Dinosaurs - Dawn

BRONSON – Sound von Meistern ihres Genres

Sie klingt wie eine endlose Nacht auf einem der hiesigen Elektrofestivals – die Musik, die das Trio BRONSON veröffentlicht. Sie ist so treibend, dass wir uns kaum zurückhalten können das Projekt – das auch gerne als Supergroup bezeichnet werden kann – zu loben. Denn hinter BRONSON steckt zum einen der australische House-DJ Thomas George Stell – alias Golden Features – der mit Songs wie Tell Me (mit Nicole Millar), No One (mit Thelma Plum) oder Wolfie (mit Julia Stone) und seinem 2018er Debütalbum Sect einen fantastischen Start in die Szene hinlegen konnte. Zum anderen sind keine Geringeren, als die US-Amerikaner Harrison Mills und Clayton Knight – alias ODESZA – mit dabei. Diese sind mit ihrem Mix aus Breakbeat, House und Indietronic und Songs, wie Say My NameLine of Sight und Late Night und ihren bisher veröffentlichten drei Alben zu absoluten Festival-Giganten avanciert. Nun haben diese beiden Acts das Projekt BRONSON ins Leben gerufen und mit Vaults und Heart Attack bereits zwei Songs mit absoluten Statementcharakter veröffentlicht.

Auf ihrer dritten und finalen Singleauskopplung Dawn – welche auf dem am 7. August erscheinenden gleichnamigen Debütalbum BRONSON den letzten Titel darstellen wird – haben sie sich keinen Geringeren als den britischen Soundtüftler Totally Enormous Extinct Dinosaurs dazugeholt. Hier liefert die Supergroup sogar noch einen Supergroupsong ab, der mit Totally Enormous Extinct Dinosaurs nochmals alles toppt. Dabei besitzt der Sound von Dawn eine Dramaturgie, die sich durch den mehr als sieben minütigen Song schlängelt und so Platz bietet, für verschiedenste Emotionen. Zwischen House, treibenden Synthies und Elemente, die an Trance erinnern, lässt sich Dawn nur schwer in ein Gerüst stecken. Dabei bieten die verschiedenen Einflüsse von ODESZA, Golden Features und Totally Enormous Extinct Dinosaurs eine Soundkulisse, die zu begeistern weiss und gleichzeitig auch den Horizont weiter in die Ferne setzt. Denn als Idee hinter Dawn hatte BRONSON, einen Song zu produzieren, den man mit auf eine Reise nehmen kann. Ob über Bergpässe und dem damit verbundenen weiten Blick, einer Fahrt durch Täler voller satter, grüner Wiesen oder einfach als Open Air-Moment an einem Strand irgendwo auf dieser Welt – Dawn weiss diese Momente musikalisch zu untermalen und setzt die Messlatte für das Debütalbum der drei Musiker enorm hoch.

Julianna Barwick feat. Jónsi - In Light

Julianna Barwick feat. Jónsi – Wie ein Papierschiff im reißenden Bergbach

Die Magie geht weiter. So könnte man diesen Beitrag nach dem gestrigen von Markéta Irglová und Emiliana Torrini mit ihrem Song Quintessence betiteln. Denn auch heute präsentiert SOML eine Kollaboration von zwei so großartigen Musizierenden, dass man schon jetzt förmlich ins Schwärmen kommt. Auf In Light treffen sich keine Geringeren, als die amerikanische Musikerin Julianna Barwick und der isländische Kopf der Band Sigur Rós – Jón Þór Birgisson – kurz Jónsi. Barwick ist über die vergangenen zehn Jahre durch ihren Sound immer bekannter geworden. Dieser setzt sich aus losen Gesangsfetzen und einer Musikkomposition zusammen, die durch den Einsatz einer Loop-Station umrahmt wird. Dabei nutzt Barwick die Loop-Station so gekonnt, dass sich fast schon eine Art musikalischer Sturm entfaltet und im Surroundsound erst so richtig aufgeht. Nach ihren Alben The Magic Place (2011), Nepenthe (2013) und Will (2016) steht nun für den 10. Juli ihr viertes Studioalbum Healing Is A Miracle an. Inspiriert vom Heilungsprozess, in den der Mensch sich selbst versetzen kann, kommt es auf den Songs zu großen cineastischen Momenten voller Gefühl und lebendigen Bildern. Auf ihrer neuen Single In Light wird Barwick von Jónsi begleitet, der gerade selbst vor der Veröffentlichung eines neuen Soloalbums steht und mit seinem zarten, introvertierten und zerbrechlichen Gesang für eine Stimmung sorgt, die immer wieder aufs Neue berührt.

Auf Healing Is A Miracle arbeitete Barwick mit dem Produzenten und Jónsis Lebenspartner Alex Somers zusammen, der ihr für dieses Album Monitorboxen schenkte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Ambient-Musikerin all ihre Songs ausschließlich mit Kopfhörern aufgezeichnet. Mit der neuen Erfahrung, ihre Musik auf Lautsprechern – und damit den Raum füllend – zu hören, kam es bei der Sängerin zu einem ganz neuen Erlebnis ihrer Musik. Hinzu kommt, dass für Barwick ein absoluter Traum in Erfüllung gegangen ist, mit Jónsi zusammen einen Song einzuspielen. Herausgekommen ist ein sechsminütiger Track, in dem sich nicht nur die verschiedenen Einflüsse der beiden Musizierenden widerspiegelt, sondern auch das einzigartige Gefühl, welches die Beiden immer wieder so wunderbar transportieren können. Mit langsamen Perkussions, wiederholenden Gesangsfetzen und einem aufbauenden, allumfassenden Sound, ist In Light so warm, groß und zugleich klein, dass man sich ergriffen und gleichermaßen bestärkt fühlt. Als würde ein Papierschiff in den reißenden Fluten eines Bergbachs die Oberhand behalten, fließt In Light förmlich durch enge Passagen voller Geröll um anschließend sanft durch weite, ruhige Bachläufe zu gleiten. Mit ihrem, am 10. Juli erscheinenden, neuem Album werden wir hoffentlich noch weitere solcher großartigen Songs hören.

Freyr - I'm Sorry (EP)

Freyr – Deine Geschichten in seiner Musik

Es beginnt mit einem simplen Hi, wenn man auf auf die Seite des isländisch/schwedischen Sängers Freyr Flodgren geht. Ein Hi und einem tiefen, sympathischen Gesicht mit stahlblauen Augen. Unter diesem Hi fängt Flodgren an, seine Geschichte zu erzählen. Eine Geschichte, die sich von seinem sechsten Lebensjahr an mit Musik beschäftigt. Vom Erlernen des ersten Musikinstrumentes – einer Flöte, über den Besuch der Umeå Music Classes, die als Schulform den normalen Schulbetrieb plus einem ausgeprägten musikalischen Gewicht besitzt. Hier lernen die Schülern vom Songwriting über das Spielen von Instrumenten, bis hin zum Vernetzung mit anderen Musikern alles, um sich kreativ komplett ausleben zu können. Flodgren lebte, bis zu seinem 16. Geburtstag, mit seinen Eltern in Umeå – einer Stadt im Norden Schwedens, in der es im Sommer nur dreieinhalb Stunden der Dämmerung verfällt und im Winter nur viereinhalb Stunden Sonnenlicht gibt.

Als sich seine Eltern entschieden, nach London zu ziehen, blieb Flodgren. Die Eltern vermieteten ihr Haus an ihren Sohn und weitere Studenten, aus dem schließlich ein Kollektiv entstand. Im Kopf einen Schritt weiterzugehen und das Elternhaus – mit all seinen Erinnerungen – nun mit anderen, jungen Menschen zu teilen, bedeutet auch viele der ganz persönlichen Erinnerungen mit Neuen vermischen zu sehen. Oftmals geht damit eine melancholisch, motivierende Stimmung einher, die sich nun in Flodgrens Debüt-EP I’m Sorry wiederfindet. So beschreibt Flodgren seine sanfte, warme und melancholische Musik mit den Worten Ich habe eine Leidenschaft für Musik die atmet – die unabhängig vom Genre ist – und bevorzuge akustische Musik, die von erfahrenen Musikern auf echten Instrumenten gespielt wird. Ich mag es, wenn meine Musik den Hörer nachhaltig beeinflusst und nicht nur ein Ohrwurm ist. Entweder indem man ein Gefühl für die Harmonien hervorruft, eine Atmosphäre mit den Texten schafft oder versucht, dem Publikum eine Reflexion über die Dinge zu vermitteln, die im Leben wichtig sind. Ich schreibe Musik für andere. Über seine Debüt-EP sagte er noch Musik soll einfach, unterhaltsam und zugänglich sein. Es geht nicht darum, einen Charakter zu spielen. Es geht darum, einfach nur man selbst zu sein und sich über seine Gefühle bewusst zu werden. Das versuche ich zu tun. Das gelingt dem Musiker so wunderbar, dass mit den ersten Harmonien der EP ein Gefühl, von Intimität, Gefühl und Wärme aufkommt, die einem sofort in eine Art sicheren Raum einschließt, aus dem Emotionen ungeniert erwachen können.

Es sind die verschiedenen Instrumente – im Zusammenspiel mit Flodgrens Stimme (die an Künstler, wie José González oder Ben Howard erinnert) – die den einzelnen Songs Over My HeadI’m SorryNeighbour Boy, Ride The Stream und I’m Here diese ganz besondere Stimmung verleihen. Irgendwo zwischen einer verletzten Seele – die selbst schon das dunkelste Licht gesehen hat – bis zu einem friedlich, harmonischen Lagerfeuer Moment, besitzt die EP eine großartige Weite an Emotionen und erzeugt ganz von selbst Geschichten, die unser ganz persönliches Leben bereits geschrieben hat und wir nun daraus erzählen können. Zurück auf Freyr Flodgrens Homepage – der seine Musik einfach unter dem Namen Freyr veröffentlicht – schauen uns diese blauen Augen und das warme Gesicht eindringlich an und bedeuten mit einem simplen Hi so viel mehr, als nur das Oberflächliche. Freyr macht Musik, die berührt und beruhigt und eine enorme Wärme schafft. Seine Debüt-EP I’m Sorry erscheint am 3. Juli.

Klangkarussell feat. GIVVEN - Ghostkeeper

Klangkarussell feat. GIVVEN – Die Tür in unser Innerstes

Es ist schon erstaunlich, wie schnell ein moderner Song zum Klassiker werden kann. Sonnentanz wurde im Sommer 2012 von dem österreichischen Duo Klangkarussell veröffentlicht und mauserte sich binnen kürzester Zeit zu einem absoluten Clubhit. Schon Ende August 2012 erreichte Sonnentanz die deutschen Singlecharts und sollte dort für fast zwei Jahre bleiben. Mit Platz-4 als Höchstposition und einem finalen Austritt aus den Charts Anfang September 2014 gilt er als einer der erfolgreichsten Instrumentalsongs in den deutschen Singlecharts. Mit Netzwerk (Falls Like Rain) folgte ein weiterer Hit, bis es erst in den Charts und schließlich auch musikalisch immer ruhiger um das House-Duo wurde. Mit Jericho folgte schließlich 2017 eine Veröffentlichung, die sich nochmals am Popsound der erfolgreichsten Singles orientierte, ehe Tobias Rieser und Adrian Held gänzlich verstummten. Nach zweijähriger Stille sind Klangkarussell im Herbst des vergangenen Jahres zurückgekehrt und haben mit einem Sound überrascht, der sich deutlich dunkler und kraftvoller anhört, als wir es bisher vom Duo gewohnt waren. Nun haben die beiden Salzburger mit Ghostkeeper einen Song veröffentlicht, der mit einem Deep-House Sound begeistert und den smoothen, entspannten Beat auf ein neues Level hebt. Hinzu kommt die sanfte Stimme GIVVENs, die im Zusammenspielt mit den Beats nicht ganz unbegründet die Assoziation der Netzgemeinde auf Rüfüs Du Sol weckt. Auf Ghostkeeper trägt der Singer/Songwriter – von dem nicht viel mehr im Netz zu finden ist – maßgeblich dazu bei, dass der Song so sphärisch und dunkel klingt und dadurch eine enorme Faszination entwickelt. Ghostkeeper ist der Song, den wir uns anhören werden, wenn wir freudig müde mit den ersten Sonnenstrahlen in Berührung kommend einen Club verlassen oder aber völlig gegensätzlich wir uns mit unseren zerbrechlichsten Gedanken auf den Weg durch die dunklen Straßenschluchten der Großstadt machen, um uns zu sortieren und zu uns zurückzufinden.

Native - It's Been A While

Native – Das langsam wachsende Bild eines stillen Musikers

Vor etwas mehr als einem Jahr hatte der Musiker Native mit seinem Song The Night Is Still Young eine so wunderbare Popballade veröffentlicht, dass man sich ihr nur hingeben konnte. Ein regelrechtes Umschmeicheln durch musikalische Sounds fand da statt und ließ auf mehr vom Singer/Songwriter hoffen. Nun – ein Jahr später – wissen wir etwas mehr über den Sänger, der seine Persönlichkeit gerne aussen vor lässt und seine Musik für sich sprechen lassen möchte. Gebürtiger Schweizer mit wechselnden Wohnorten in Berlin, London und Zurück, sowie Los Angeles ergeben viel Raum, sich musikalisch inspirieren zu lassen. Mit der Tristesse eines Berliner Winters, den regnerischen Herbsttagen in London, dem ewig währenden Sommer in Los Angeles oder dem von den Frühlingswiesen der Alpen umgebenen Zürich hat sich der Sänger für seine Songs das passende Surrounding geschaffen. Auf seiner kommenden EP I See You In The Distance – die an diesem Freitag erscheinen wird – finden wir auch die aktuelle Songauskopplung It’s Been A While. Diese klingt nach einer Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn. Die Kälte auf der anderen Seite der Fensterscheibe, wir in einer durch warmes, gelbliches Licht erhellten Kabine auf der Anderen, rauscht die satte Natur an uns vorbei und lässt den Blick in die Ferne schweifen. Immer wieder unterbrochen durch einzelnen Landmarken, wie Tiere, Berge oder Städte lässt It’s Been A While die Eindrücke tief in uns wirken. Dabei spielen pianohafte Synthies, ein ruhiger Drumbeat und die Gitarre neben Natives – nach Geborgenheit zehrender – warmer Stimme so wunderbar zusammen, dass wir uns am Ende des Songs – nach dem Weg vom Bahnhof – vor der Tür unseres Hauses wiederfinden und wissen, dass auf der anderen Seite Geborgenheit, Liebe und Wärme auf uns wartet. It’s Been A While ist nicht weniger, als ein starker Song eines Singer/Songwriters, der seine Musik vor alles stellt, was davon ablenken könnte und überlässt die Interpretation seiner Songs immer dem Hörer.

pluko & Panama - Higher

pluko & Panama – Frischer Sound mit großartiger Stimme

Mit 19 Jahren bereits Interviews zu geben und an einem Tisch mit Vertretern von Capital Records und dem Indie-Duo Cassette Tapes aus San Francisco zu sitzen kann ganz schon aufregend sein. Gerade, wenn man aus einer Kleinstadt wie Hollidaysburg in Pennsylvania, USA kommt, die gerade einmal knapp 6.000 Einwohner zählt. Davon lässt sich Sam Martinsen allerdings nicht beeindrucken und produziert einen Song nach dem anderen. Darüber hinaus steht er mit Remixen für Bands, wie Tycho, Hayden James, ODESZA und Mansionair äußerst hoch im Kurs und kann auf mehr als 50 Mio. Streams zurückblicken. Schon mit 16 galt für den US-Amerikaner, dass die Kreativität – auch oder viel mehr vor allem in einer Kleinstadt – ausgelebt werden sollte. 2018 veröffentlichte er bereits sein Debütalbum Sixteen über ODESZAs Label Foreign Family Collective. Mit einem modernen und frischen EDM-Sound, der sich an dem Sound von Petit Biscuit, Satin Jackets aber natürlich auch an ODESZA oder zuletzt Bag Raiders orientiert, hat Martinsen unter dem Namen pluko für einige großartige Songs gesorgt. Nun stellt der Produzent sich auf eine Stufe mit den eben erwähnten Künstlern und veröffentlicht eine Single mit dem Australier Panama. Hierbei scheint gerade auch Panama einmal mehr als absolute Konstante für einen hervorragenden, treibenden und ästhetischen Sound zu wirken. Denn im Prinzip ist es egal, was Jarrah McCleary musikalisch veröffentlicht, immer gibt es ein hohes Maß an Ausgeglichenheit, Frische und voluminösen Sound. Auch auf Higher ist dieser satte House-Sound zu hören, der sich mit flirrenden Beats und einem euphorischen Aufbau zu einem großartigen Song entwickelt. Mit Higher zeigt sich pluko – der all seine Songs in seinem Schlafzimmer produziert – als große Hoffnung im EDM-Bereich und mischt seine Musik mit Acts wie Panama zu einem weiterführenden Sound zusammen. Für später in 2020 ist hierbei sogar mit einem neuen Album zu rechnen. Bis dahin überschlagen sich aber schon die Ereignisse und hat pluko mit Higher bereits innerhalb von wenigen Tagen über 50.000 Streams erreicht – und das, völlig verdient.

Howling - Colure

Howling – Zweites Album von RY X und Frank Wiedemann

Mit dem Debütalbum Sacred Ground hatte das Elektroduo Howling 2015 einen wahren Hype ausgelöst. Grund dieses Hypes war das Zusammenspiel aus drei Komponenten. Zum einen war es Frank Wiedemann, der als eine Hälfte des deutschen House-Duos Âme seit 2001 weit über Deutschland hinaus zur absoluten Nummer für House-Musik wurde. Neben Wiedemann ist aber auch RY X Teil des Projektes Howling. Dieser machte sich seit Anfang der 2010er vor allem mit seiner Musik aus Ambient-Pop, Folk und Singer/Songwriter einen Namen. Mit der EP Berlin (2013) und den beiden Alben Dawn (2016) und Unfurl (2019)erreichte der Australier – der lange Zeit in Berlin lebte und nun in Los Angeles wohnt – immer mehr Fans. 2012 fand schließlich die Telefonnummer von Wiedemann den Weg zum in L.A. wohnenden RY X – der bürgerlich Ry Cuming heißt. Kurze Zeit später tauschten sie bereits Songskizzen aus und fanden die aufkeimende Zusammenarbeit so interessant, dass sie mit Howling einen ersten Track zusammen veröffentlichten. Im folgenden Festivalsommer sorgte Howling dafür, dass die Nachfrage nach dem Act hinter diesem Song immer größer wurde und sich Wiedemann und RY X schließlich nach dem Song benannten. Was folgte, war mit Sacred Ground (2015) ein erstes Album. 2017 veröffentlichte das Duo dann mit Phases einen über acht Minuten langen Song, der als großartiger Stand-Alone Track mit dem Mix aus Ambient-House und Folk einmal mehr die Position des Projektes Howling unterstrich. Mit dem nun veröffentlichten Song Bind läuten Howling das nächste Kapitel des Projektes ein und zeigen wieder, wie unabhängig von Clubs und Radios ein Sound entstehen kann, der nur durch die Idee getrieben ist. Dabei treffen sich die treibenden House-Elemente Wiedemanns mit dem folklastigen Gesang RY X‘. Wie das Berliner Projekt Moderat – das sich ebenfalls im musikalisch Umfeld des Duos aufhält – kommen auch Howling aus dem Kosmos des introvertierten Berliner House-Sounds und begeistern Song um Song mit einer Tiefe, die einen ergreift und zum bewegen animiert. Mit Bind kündigen Howling ihr zweites Album Colure an – das am 24. Juli veröffentlicht und auch den Track Phases enthalten wird.

Flecks - Hold On

Flecks – Halte inne und lass Dich mitreißen

Mit Samurai und You Bet I Would haben Flecks in den vergangenen zwei Jahren zwei so großartige Hymnen veröffentlicht, dass man sich nur sofort in die Band verlieben konnte. Nun haben Flecks mit Hold On einen neuen Song veröffentlicht, der wie eine Prophezeiung auf die aktuellen Geschehnisse in der Welt zu passen scheint. Denn geschrieben haben Freya Monks Halliday und Scott Halliday den Song bereits im Sommer 2019 – als eine Pandemie dieses Ausmaßes noch komplett unrealistisch erschien. Heute passen die Worte, als wäre der Song von der Pandemie inspiriert. What becomes of our experience? When we’re done with the game. Everyone around me is ignoring their pain. Too busy fighting. Can we just breathe? (Was wird aus unseren Erfahrungen? Wenn wir mit diesem Spiel fertig sind. Alle um mich herum ignorieren ihren Schmerz. Sind zu beschäftigt mit dem kämpfen. Können wir nicht einfach nur atmen?). Lebt das Duo auf dem Land – knapp 40 Kilometer von Dublin entfernt – ist es egal aus welchem Fenster ihres Hauses es blickt, irgendwo steht immer ein Lamm. Dass die dadurch vorherrschende Ruhe und Abgeschiedenheit so einiges an Macht der Pandemie abfedert, scheint das Duo musikalisch dazu zu bringen, immer feiner in ihrem von Synthies geprägten Sound zu werden. Auf Hold On finden Worte wie Kraft, Energie und Leidenschaft zusammen. Musikalisch stehen sich der Abgrund und die Rettung gegenüber – ist es eine Gratwanderung zwischen Vergangenheit und Zukunft. Was geschieht durch unsere nächste Entscheidung, unseren nächsten Schritt?! Werden wir lernen und gestärkt aus dem hervorgehen, was uns aktuell so sehr schmerzt? Es ist diese Wucht – die Hold On besitzt – wenn Monks Halliday über Hoffnung und Chancen singt und dabei musikalisch wie aus einem Blockbuster aus der dunklen Zukunft klingt. Flecks berühren uns mit Hold On einmal mehr und sorgen in den aktuell unruhigen Zeiten dafür, dass unsere Seele durchatmen kann.

Ten Kills the Pack (Vanessa Heins)

Ten Kills The Pack – Musik für den Moment am Fenster

Es ist eine durchdringende Stimme, die uns auf dem Song Barcelona entgegenspringt. Dahinter steckt der Singer/Songwriter Sean Sroka der als Ten Kills The Pack am 15. Mai seine Debüt-EP Force Majeure veröffentlichen wird. Bereits in der Vergangenheit hat der Kanadier in verschiedenen Bands gespielt und unterschiedlichste Genres bedient. Auf Force Majeure hat sich Sroka nun für ruhigere Musik entschieden und beschreibt er selbst seine Songs als City-Folk. Dabei bilden sich nach den ersten Tönen des Songs Barcelona bereits Bilder im Kopf. So passt der Song, so sehr zu einem Moment des innehaltens am eigenen Fenster. Hinausschauend auf die halberstarrte Welt, die trotzdem in Autolawinen die Straßen belebt. Mit letzten Regentropfen, die von der Fensterscheibe runterrollen und der zurückgekommenen Sonne Platz machen, lässt uns Ten Kills The Pack mit Barcelona kurzzeitig zu uns selbst finden und wehmütig an all die Momente denken, die uns Freude, Schmerz, Trauer oder Liebe fühlen gelassen haben und trotz allem dabei für ein warmes Gefühl in der Brust sorgen. Mit Barcelona erinnert Ten Kills The Pack musikalisch und stimmlich stark an J.S. Ondara – aber auch Fans von City And Colour und José González kommen hier ganz auf ihre Kosten. In einem Interview mit dem Toronto Guardian sagte der Musiker einmal, dass er das Format Album dem einer EP vorziehe. Nun steht zwar die erste EP bereit zur Veröffentlichung, doch stehen die Zeichen damit ebenso gut, dass wir uns in nicht all zu ferner Zukunft auch auf ein Ten Kills The Pack Album freuen dürfen.

Woodkid - Goliath

Woodkid – Die musikalische Sprache der Dystopie

Unter dem Pseudonym Woodkid hat der französische Singer/Songwriter, Musikvideo-Regisseur und Grafikdesigner Yoann Lemoine mit seiner 2013er Debüt-EP Iron für einen Aufschrei gesorgt. Denn war der Franzose zum damaligen Zeitpunkt vor allem als Regisseur für Musikvideos von Katy Perry (Teenage Dream) Lana Del Rey (Born To Die) verantwortlich, brachte er damit auch in sein musikalisches Projekt Woodkid eine visuelle Ästhetik, die in der Folge alles hinter sich lassen sollte. Das Debütalbum The Golden Age schaffte es dann 2013 bis in die Top 10 in Frankreich, Deutschland, Belgien und der Schweiz und verkaufte sich knapp 300.000 Mal weltweit. Überzeugend war vor allem der futuristische Sound, den man durch all seine Songs hören konnte. Die elektronischen Beats, die irgendwo zwischen Utopie, Dystopie und Science-Fiction pendeln, die charakteristische Klangfarbe seiner Stimme und die epischen Sounds lassen Woodkid zu einem Künstler werden, der über alles steht und gleichzeitig kein Massenphänomen ist. Denn im Mainstream ist der Künstler – trotz des massiven Einsatzes von Run Boy Run in Werbefilmen – weiterhin eher unbeschrieben. Nach sieben Jahren der Stille – in der Woodkid lange Zeit keine Hoffnung auf neues Material machte – hat der 37-jährige Sänger aus Tassin-la-Demi-Lune bei Lyon nun mit Goliath einen ersten neuen Song – fernab von Soundtracks – veröffentlicht und setzt dort an, wo er 2013 mit The Golden Age aufhörte. Mit einem episch ausufernden Sound und einem Musikvideo, das Bilder aus einem Tagebau zeigt, wirkt das Zusammenspiel, wie ein dunkler Sci-Fi-Actionfilm, der sich mystisch auf die Suche nach Goliath macht. Gleichzeitig erklingt Woodkids tiefe, heißere Stimme und sorgt gleichermaßen für ein effektreiches und beklemmendes Gefühl. Goliath könnte die perfekte Untermalung für Endzeitserien und -filme à la DarkRain oder I Am Legend sein, greift dabei Furcht, Wucht und Macht auf und zeigt, wie sehr Woodkid den kinematografischen Sound beherrscht.