Parov Stelar - Brass Devil

Parov Stelar – Der Pionier swingt wieder

Er ist und bleibt der König des Electro-Swing. Auch wenn dem Österreicher Marcus Füreder – alias Parov Stelar – die Erfindung dieses Genres zugeschrieben wird, gab es in den vergangenen Jahren einige Turbulenzen, die damit einhergingen. Denn als Erfinder dieses Sounds, wurde dem Linzer Produzenten nur sehr wenig Spielraum zugestanden, auch mal etwas anderes auszuprobieren. Daraus ausbrechend, konnten wir in den vergangenen Jahren immer öfter Songs hören, die sich nicht mehr mit dem Trademark-Sound des Produzenten deckten, wie der Balkanbeats-Hit Gringo zeigt. Doch gleichzeitig ist Swing in den letzten Jahren immer größer geworden und wurde die Musik unter anderem durch die grandiose Serie Babylon Berlin nochmals in den Vordergrund gestellt. Hieraus hat sich dann auch die Motivation des Musikers ergeben, ganz frisch und neu an die Sache ranzugehen und wieder Songs im Stile seiner Anfangszeit zu produzieren. Der neue Song Brass Devil ist dabei der erste Song, der wieder nach einem solchen Muster entstand und hat bei Stelar deshalb eine ganz besondere Stellung. Denn hier zeigt sich, dass mit einer Instrumental-Version keine Langeweile aufkommen muss und der Song, wie gemacht, für den Club erscheint. Dass die Rückkehr zum Electro-Swing nicht zwingend bedeuten muss, den House-Sound der vergangenen Jahre aufzugeben, zeigt sich auf Brass Devil eindrucksvoll. Hier mischen sich dunkle Housebeats mit der Leichtigkeit des Swings und Jazz‘ und werden zu einer irritierend, modernen Variante des Retro-Sounds. Für Stelar selbst, ist Brass Devil eine Art Befreiung aus dem Konflikt der verschiedenen Sounds. Brass Devil befindet sich auf dem zweiten Teil, seiner Voodoo Sonic Trilogy, die am 24. April veröffentlicht wurde und mit seinen 5 Songs unterschiedlicher nicht sein könnte. Hier folgt auf Brass Devil – dem original Electro-Swing-Song – der Jazz-Ausflug (Piano Boy) und endet in modernen House Beats (Don’t You ForgetFade To Red), sowie einer Folk-Elektromischung auf (Come Back Home). Ebenso werden wir bald die Möglichkeit haben, in einer Doku mehr über den Werdegang des Electro-Swing-Pioniers zu erfahren. Wann diese veröffentlicht wird und wie sie heißen wird, steht dabei noch nicht fest. Mit seiner zweiten EP Voodoo Sonic Trilogy, Part 2 beweist uns der Musiker auf jeden Fall, warum er der Meister des Electro-Swing ist und verbindet hierbei gleich auch gekonnt Jazz mit wunderbar treibenden Elektroelementen. Stelar ist damit einmal mehr eine sichere Bank für großartigen Elektro mit Retrotouch.

Sultans Court - Good Enough

Sultans Court – Wem werde ich eigentlich gerecht?

Mit Themen von Geschlechterrollen, der Flucht aus der Realität und nun der Selbstoptimierung haben Sultans Court sich nicht gerade die leichtesten Felder ausgesucht. Auch musikalisch haben die vier Berliner keine Lust auf einfache Melodien, denn während sie auf Haunted sehr vertracktet klangen, war auf Shutdown bereits deutlich mehr Dunkelheit zu hören. Diese Dunkelheit kommt umso mehr zur Geltung, schaut man sich unsere aktuelle Situation weltweit an, in der sich eine ganze Gesellschaft im Shutdown befindet. Mit ihrer neuen Single Good Enough greifen die Berliner nun auf, für wen wir eigentlich welche Motivation haben, uns zu verbessern. Von dem – immer größer werdenden – Druck der Gesellschaft um Selbstoptimierung und den dazugehörigen Zwängen, sich immer und bei Allen beweisen zu wollen, wird uns auch immer bewusster, einmal eine Pause einzulegen. Sich selbst zu fragen, für wen ich das mache, warum ich der Geschwindigkeit der anderen hinterherrenne und auf Augenhöhe kommen möchte. Denn genau das vermittelt uns die Gesellschaft – nicht auf Augenhöhe zu sein und deshalb ranklotzen zu müssen. Wir sehen in den sozialen Medien Freunde und Bekannte, die ein Bilderbuchleben präsentieren, werden im Job an Parameter gemessen, die – fern von jeglichem Individualismus – alles und Jeden auf einen Nenner bringen möchte und ertappen uns selbst dabei, dem gerecht werden zu wollen. Doch was ist, wenn wir einsehen, dass wir uns unser Dasein absolut ausreicht und gut genug ist? Diese Frage kann sich jeder wohl nur selbst beantworten – doch stellen Sultans Court auf Good Enough die Frage Darling, did it mess you up? Think you gotta stop. Before you start to drop. Where’s your head at? und regen damit zur Reflexion an. Mit einem gewohnt großartigen Mix aus elektronischen Beats und einem drängenden mehrstimmigen Gesang zeigen Sultans Court auf Good Enough einmal mehr, wer ihre musikalischen Vorbilder sind, ohne sich jedoch als Kopie dessen anzuhören. Denn Good Enough ist weit mehr, als nur gut genug – Sultans Court schaffen es hier einmal mehr, Musik mit Tiefgang zu produzieren.

Sara Hartman - Girl

Sara Hartman – #whathappenedtohartman?

Es ist ein Hashtag, der Bestürzung hervorruft – vermutet man doch Schlimmeres dahinter. Doch im Falle von Sara Hartman kann Entwarnung gegeben werden. Denn, auch wenn der Hashtag auf eine Phase voller Fragen deutet, kann ich vermelden, dass die Sängerin wohlauf ist. Gleichzeitig befeuert der Hashtag aber auch unsere Neugier um die 24-Jährige. Denn vor 5 Jahren trieb es die aus Sag Harbor von den Hamptons – nahe New Yorks City – kommende US-Amerikanerin nicht etwa in die Häuserschluchten New York Citys, sondern nach Berlin. Und steht Berlin damit dem Stellenwert New Yorks in der Musikbranche einmal mehr in nichts nach. So ließt man in ihrer Bio, dass es ziemlich offensichtlich sei, dass der Umzug in die blühende Stadt die Sängerin nachhaltig beeinflusst hat. Bei Vertigo (Universal Music) unter Vertrag, hat Hartman 2016 die EP Satellite veröffentlicht. Herauf zu finden, sind wunderschöne Popballaden, die Hartmans hauchenden Gesang eine wunderbare Atmosphäre geben. Es schien gut zu laufen, trat sie doch mit Clueso auf dem Erfurter Domplatz auf, spielte als Support von X Ambassadors, Ellie Goulding, MS MR und Family Of The Year. Es folgten einzelne Veröffentlichungen – wie Buttons – die in die Richtung großer Popsongs gingen. Doch plötzlich war sie weg. Seit 2018 hörte man nichts mehr von der Sängerin und fragte sich What happened to Hartman? – Was ist mit Sara Hartman passiert? Was in den vergangenen zwei Jahren bei der Musikerin los war, kann nicht gesagt werden, doch hat sich ihr Sound signifikant verändert. Denn mit der Single Girl ist die Wahlberlinerin nun zurückgekehrt und holt mit der Unterstützung einer großen Youtube-Promoaktion die ganz großen Geschütze raus, um sich wieder zurück ins Rampenlicht zu singen. In diesem Rampenlicht stehend, wird es dann wieder ganz ruhig um die Sängern – allerdings nur, weil ihr neuer Song Girl eine Tiefe besitzt, die sich aus scheinbar völlig neuer Motivation speist. Mit sanften Synthesizerklängen und einer erstaunlichen Tiefe in ihrer Stimme, wirkt Hartman wie neu erfunden. Hinzu kommen epische Sequenzen von Streichern und Hartmans intim gehaltener aber großer stimmlicher Ausbruch. Auf ihrem, vor wenigen Tagen hochgeladenen, Video #CORONAGIRL stellt sie Fragen – Fragen die sich mit ihrem Sein auseinandersetzen, mit ihrem Abdruck, den sie hinterlassen wird, mit den Erlebnissen, die sie erfahren hat und mit den – von der Gesellschaft – vorgegebenen Stigma. Und stellt fest, dass all diese Punkte von äusseren Umständen und Handelnden beeinflusst werden. Doch was wäre, wenn man wieder mehr zu sich selbst findet? Sein Leben selbst bestimmt und sich nicht von der Aussenwelt diktieren lässt, wie man zu leben hat? Ihre Geschichte scheint dunkler geworden zu sein – konstatiert der Text in ihrer Bio. Und tatsächlich klingt Hartman tiefer, trauriger, erfahrener und erwachsener, als auf all ihren bisher veröffentlichten Songs und trifft damit ein Gefühl, welches nicht allein um das Herz herum funktioniert, sondern vielmehr auch unsere Motivation und unseren Antrieb anregt.

Provinz – Wenn pure Emotionen auf uns niederprasseln

Aktuell gibt es eine Reihe von jungen deutschen Bands, die außergewöhnliche und herausragende Musik machen. Diese trifft sich ob der unterschiedlichen Genres doch immer wieder durch gemeinsame Nenner. So ist es zum einen der Sound, der Bands wie RAZZ, Giant Rooks oder Lea Porcelain so anders und international klingen lassen. Zum Anderen sind es die Lyrics, die Bands wie Jeremias, AnnenMayKantereit und Provinz so deutlich hervorheben. Zählen AnnenMayKantereit hier schon fast zum alten Eisen, stehen Provinz noch komplett am Anfang. Umso erstaunlicher ist, dass die 2017 gegründete Band mit Frontsänger und Songwriter Vincent Waizenegger für Texte steht, die so durchdringend sind, dass man sich immer wieder, bis aufs Fleisch ertappt fühlt, genau diese Gefühle auch schon gehabt zu haben. Gleichzeitig ist es die rauchig, kratzige Stimme Waizeneggers, die ihm eine Reife gibt, die nach einem Mittvierzig-Jährigen klingt, der in einer Nacht im Alkoholrausch erkennt, dass es so nicht weitergehen kann. Dabei steht nicht die Unzulänglichkeit des Alkoholikers im Vordergrund, sondern ist der Wechsel von Resignation in die Motivation das Bemerkenswerte. Hierbei zieht Waizenegger musikalisch blank und stellt die eigene Zerbrechlichkeit hinter die Darstellung eines Gefühls, welches ein Jeder schon einmal gespürt hat. Provinz singen, wie auf Wenn die Party vorbei ist, von Selbstaufgabe, Unvernunft, dem Streben nach Glück und von Tiefpunkten im Leben und treffen damit mitten ins Herz. Auf ihrer nun veröffentlichten Doppelsingle Nur Freunde und Verlier Dich hat sich Waizenegger mit der Situation befasst, die ihm selbst einmal beschäftigte. Wenn aus einer langen – schon im Teenageralter zusammengewachsenen – Freundschaft auf einem Liebe wird, was ist es dann?! Kann man diesen Gefühlen trauen? Sollte man diesen Gefühlen trauen? Wenn ja, was wird dann aus der Freundschaft? Zumindest letztere Frage wird schließlich mit Verlier Dich beantwortet und zeigt, wie sich Waizenegger mit Hilfe seiner Freunde Abhilfe verschafft. Provinz bringen es auf den Punkt und singen – als Band, in der alle Mitglieder um die 20 Jahre alt sind – über Themen, die so nah an der Realität sind, dass wir und am Ende selber fragen müssen, wo wir jetzt mit unserem Gefühlswirrwarr stehen. Alle Songs werden auf ihrem, am 14. August erscheinenden, Debütalbum Wir Bauten Uns Amerika enthalten sein, welche sie uns im Mai und Juni auf Festivals und im September und Oktober bei ihren – bisher noch nicht abgesagten – Liveauftritte präsentieren werden.

Alice Ivy – Sommerlicher Grund zum tanzen

Es war die Motivation, den Sommer zurückzuholen, als Annika Schmarsel – alias Alice Ivy – zu Beginn des australischen Winters an die Momente im Park oder auf Rooftops dachte. Zugegeben, der Winter in Melbourne ist mit durchschnittlich 13,5 °C bis 17°C nicht mit dem Winter Mitteleuropas zu vergleichen. Doch scheint es Alice Ivy – deren Eltern 1987 aus Westdeutschland nach Australien immigrierten – gut zu stehen, den Winter als Motivation zu sehen. Denn nun hat die Produzentin mit Sunrise eine frische und unglaublich leicht ins Ohr gehende Sommerhymne veröffentlicht, die mit Raps vom kanadischen Rapper Cadence Weapon auftrumpft. Irgendwo zwischen Azealia Banks 212 und Chance The Rappers All Night drückt sich Sunrise genau dazwischen und präsentiert ein absolutes Gefühl des unbesorgt sein. Mit ihrem 2018 Debütalbum I’m Dreaming und vielen Remixen – unter anderem für Japanese Wallpaper, Thomston und Vera Blue hat sich Ivy sehr viel Anerkennung eingeholt. So wird sie in Australien bereits als Queen of intelligent electronic betitelt. Für Sunrise ließ sich Ivy von Bands wie Disclosure, Daft Punk und The Avalanches inspirieren und fängt genau diesen unbekümmerten Vibe ein, den diese Bands so perfekt beherrschen. Sunrise kann mit all seinen Referenzen daher auch gerne in Europa zum diesjährigen Sommerhit avancieren – haben wir doch alle gerade mehr als nötig, unbekümmert sein zu dürfen.

Provinz - Wenn Die Party Vorbei Ist

Provinz – Das Gefühl von Euphorie und gewollter Einsamkeit

Es geht um Druckbetankung, um ein hedonistisches Gefühl und den plötzlich Drop der Gefühle. Wir alle kennen diesen Moment. Man freut sich auf seine Freunde – es wird ein guter Abend werden. Die Küche, der Balkon, das Oberdeck des Parkhauses – die Party kann überall stattfinden – wichtig sind die Leute. Und wenn man sich dann durch die vielen großartigen Lieder singt, sich und seine Freunde feiert und die Euphorie auf dem Höhepunkt ist, kommt der Drop. Ein Gefühl, welches entweder mit Alkohol oder anderen Dingen betäubt und weggeschoben wird, oder ein Gefühl, bei dem man sich ganz darauf einlässt und geht. Denn wie so oft gibt es nach der Euphorie auch Einsamkeit. Und in diese Einsamkeit zurückzukehren und sich damit einer reinigenden Nüchternheit hinzugeben ist oftmals auch der Ursprung neuer Motivation. Dieses enorm emotionale Gefühl, welches sich aus den Erinnerungen an die gerade abgelaufenen Momente und dem Wunsch nach Melancholie speist, haben die Jungs von Provinz auf den Punkt gebracht. Nich nur – dass Wenn die Party vorbei ist textlich eine klare Sprache spricht – sonder hat die aus der Nähe von Ravensburger kommende Band um Frontsänger Vincent Waizzenegger eine Hymne geschaffen, die in der Tat als Song dieser eingangs beschriebenen Partys dienen kann. Mit Euphorie, Melancholie, einem Wir-Gefühl und gleichzeitig auch aufkommender Traurigkeit bringt uns Wenn die Party vorbei ist auf der Überholspur in die jeweilige Gefühlslage und lässt uns wahlweise auf dem Küchentisch mit Freunden, auf dem Weg nach Hause im nass, kalten Regen oder auf dem Parkdeck zu zweit eine ganz subjektive Betrachtung des Moments erleben. Denn wenn die Party vorbei ist, bist vielleicht auch du lieber gerne alleine.

Keane - The Way I Feel

Keane – Die große Rückkehr

Nach sechs Jahren der Bandpause sind Keane zurück auf der Tanzfläche. Hatte Frontsänger Tom Chaplin die Bandpause von 2013 bis heute genutzt um zwei Soloplatten zu veröffentlichen, war es um die anderen Bandmitglieder in der Zwischenzeit eher ruhig geworden. Das war allerdings auch der Grund, ihrer Bandpause – den Stress, der mit dem Erfolg der britischen Band kam, etwas zu entkommen. Denn mit über 10 Millionen verkauften Platten und fünf Nummer-1 Alben und EPs in ihrem Heimatland zählen sie zu den erfolgreichsten Bands der britischen Inseln. Nun sind sie mit der Ankündigung des neuen Albums Cause And Effect zurück, welches am 20. September veröffentlicht werden soll. Darauf enthalten ist die Leadsingle The Way I FeeI, die durch die Motivation, die Band wieder aufleben zu lassen, entstanden ist. Chaplin erinnert sich dabei an einen Moment, während er an seiner Soloplatte arbeitete, in der er sich selber in der Situation wiederfand, sich zu wundern, wie es soweit kommen konnte, diese wirklich energiereiche und wichtige Beziehung zu seinen Bandmitgliedern verloren zu haben. Dieses Gefühl transportieren die Jungs so wunderbar auf The Way I Feel, dass man sich, von der Euphorie gepackt, selbst fragt, ob man alles getan hat, um wichtige Menschen um sich herum zu behalten. Dabei klingen Keane gewohnt episch und haben es auch sechs Jahre nach ihrem letzten Album nicht verlernt, große Hymnen zu schreiben.

Tash Sultana – Weite und Wucht auf 3:14 Min.

Tash Sultana hat in den letzten zwei Jahren fast alles eingesammelt, was es zu sammeln gibt. Eine ausverkaufte Welttournee, ein Debütalbum, welches selbst das Feuilleton zum Teil – positiv – überforderte und ein stetes veröffentlichen von neuem Material. Nachdem mit Free Mind im August 2018 die letzte Single aus dem Album Flow State veröffentlicht wurde, ist Sultana gestern mit einem ersten neuen Song wieder zurück auf das internationale Parkett getreten – dafür brauchte Sultana gerade einmal acht Monate und lässt mit der abermals auf Welttournee-Niveau ausgedehnten Sommertour schon fast auf ein zweites Album hoffen. Doch bis dahin sollten wir uns erst einmal mit Can’t Buy Happiness vertraut machen, bei dem Sultana wieder mit den Gegensätzen spielt. Steht Sultana Anfangs nur mit ihrer Gitarre und ein paar verträumten Gitarrenriffs da, wandelt sich der Song zum letzten Drittel mit einem enormen Gitarrenspiel und Schlagzeug zu einer emotional ausufernden Aussage wie es nur Sultana auf so engem Raum schaffen kann. Zum Ende hin ebbt Can’t Buy Happiness schließlich fast schon erschöpft ab und lässt einem das Gefühl da, als hätte man Berge versetzt. Tash Sultana schafft es wie kaum ein anderer Künstler momentan Songs zu schreiben, die introvertiert und doch so ausufernd sind, dass man sich berührt und gleichzeitig aufgefordert sieht. Wenn das nicht eine gute Motivation ist, eines der Konzerte, die Sultana diesem Sommer spielt, zu besuchen!

Ben Khan – Das Ziel und 2000 Angels vor Augen

Der britische Produzent und Musiker Ben Khan ist eine Art Geist in der britischen Musiklandschaft. Denn seit geraumer Zeit geistern Songs wie SavageEdenDrive (Part I) und Youth durch das Internet und erzeugen eine natürliche Neugier, wer hinter diesen geheimnisvoll, poppigen Elektroklängen steckt. Sind diese Songs bereits mehr als drei Jahre alt, flaute diese Interesse nur sehr langsam ab. Nun ist Ben Khan mit der neuen Single 2000 Angels zurück und kündigt damit endlich sein lang erwartetes Debütalbum an. Noch hat es keinen Namen, soll aber diesen Sommer rauskommen und zeigen, dass Khan anders ist, als die Musiker, die 0815-Songs schreiben. Sein selbst gestecktes Ziel ist, die Menschen zu erreichen, die eher als Passivhörer neben dem Radio sitzen. Denn hier ergibt sich für den Londoner Musiker eine ganz eigene Motivation. In früheren Interviews einmal auf die Hitschmieden der großen Plattenlabel angesprochen, kommentierte er, dass er nur einen Hit anhören und ihn in seine Einzelteile zerlegen müsse, um daraus einen neuen Hit produzieren zu können. Was sich anhört, wie die eigene Überschätzung, zeigt in seinen Songs, dass diese nur gerechtfertigt ist. Denn Khans neue Single 2000 Angels klingt nach einem Science-Fiction-Soundtrack, der in Filmen wie Lucy und Ghost In The Shell zum Einsatz kommen könnte. Wabernde Synthies treffen auf hypnotisierenden R&B und einen mystischen Vibe. Dabei erinnert der Song entfernt an den Sound von Miike Snow, die ebenfalls mit diesem Zusammenspiel ausnahmslos positive Kritiken erhalten. Auf 2000 Angels setzt Khan die eigene Messlatte nochmals ein Stück höher und hat damit den perfekten Teaser für das bevorstehende Album veröffentlicht.

Twin Shadow – Mit Haim durch die 80er

In knapp vier Wochen wird George Lewis Jr. – alias Twin Shadow – 35 Jahre alt. Ob seine neue Single Saturdays als Partysoundtrack gedacht war wissen wir nicht, allerdings würde sie perfekt dazu passen. Denn nach drei Alben musste eine neue Motivation her. Diese zeigt sich auf der ersten Singleauskopplung Saturdays seines vierten Albums Caer. Auf Saturdays hat der US-Amerikaner diese nun, in Form von einer ordentlichen Portion 80er-Jahre Synthiepop gefunden. Hier kleben die gegelten Haare und der 80er-Neonchic an jeder Strophe und lassen selbst die Schwestern von Haim wie eine Reminiszenz an Dirty Dancing erscheinen. Wunderbar locker und mit einem Hauch Nostalgie klingt Saturdays einfach nach der perfekten Geburtstagshymne für Twin Shadow.