Ex:Re – Wenn Daughters Stimme zum Soloprojekt wird

Hört man die ersten Sekunden des Songs Romance, fühlt man sich unweigerlich an das britische Indie-Trio Daughter erinnert – ist die Stimme der Sängerin, hinter dem kryptischen Namen Ex:Re doch genauso zart und ruhig. Und natürlich kommt dieser Vergleich nicht von ungefähr, denn wer ein Fan Daughters und von Frontsängerin Elena Tonra ist, wird wissen, dass Ex:Re ihr neues Soloprojekt ist. Hier zeigt sich Tonra nochmals deutlich introvertierter, als bei Daughter. Dabei ist die Single zum selbst betitelten Debütalbum Ex:Re eine Offenbarung an den Moment eines Beziehungsendes. Die daraus entstandene Leere ist noch nicht gefüllt oder gekittet und lässt die Gefühle in einer Art Lethargie zurück. Mit den Worten Romance is dead and done. And it hits between the eyes on this side. The grass is dead and barren. And it hurts between my thighs on this side durch den Refrain führend, erzählt Tonra auf fast sieben Minuten Musik, ihre Geschichte von einer Trennung, die immer noch zu spüren ist. Dabei klingt sie so zerbrechlich, traurig aber auch wunderschön und lässt uns an diesem Gefühl teilhaben und ebenfalls Leere, Wärme und Schmerz empfinden. Gab es bisher nur einen Liveauftritt als Ex:Re in London, dürfen wir auf weitere Termine im neuen Jahr hoffen. Bis dahin wird das Album wohl so einige Male auf Repeat gespielt.

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Christine And The Queens – Konzertkritik

Sie kam, sah, siegte. Nicht anders ist zu beschreiben, was Héloïse Letissier alias Christine And The Queens am gestrigen Abend bei ihrem einzigen Deutschlandkonzert in der Berliner Columbiahalle abgeliefert hat. Einen Abend mit vielen Eindrücken, vielen Interaktionen und noch mehr Songs trieben den Siegeszug der französischen Sängerin weiter an – und noch viel mehr, wäre da nicht der Support-Act. Aber alles der Reihe nach.

 

Bereits im Vorfeld des Berliner Konzertes gab es Lobeshymnen und Vorfreude auf allen Kanälen, sei es im Radio, in den Feuilletons oder auf den Fanseiten der Sängerin zu hören und lesen. Und so war es auch kein Wunder, dass das einzige Deutschlandkonzert und eines der wenigen europäischen Konzerte überhaupt – außerhalb Frankreichs und Großbritanniens – in Windeseile ausverkauft war.

Lauren Auder @Columbiahalle Berlin http://www.soundtrack-of-my-life.com

Als Support Act stand Lauren Auder auf der Bühne, bei dem sich verschiedene Quellen noch nicht einmal sicher sind, wo er lebt, und wo er geboren wurde. Heisst es auf der Internetseite seiner Booking-Agentur Primary Talent International, er sei in Großbritannien geboren und in Frankreich aufgewachsen, meldet das Musikmagazin Pitchfork genau das Gegenteil. Hierbei zeigt sich der Widerspruch, den Auder auch am gestrigen Abend auf der Bühne präsentierte. Mit einem Sound, irgendwo zwischen Wave und Gothik orientiert, gab Auder seine Stimme in einer trägen und desinteressierten Art zum Besten und wirkte damit nicht, wie es eigentlich ein Support-Act machen sollte – die Masse anheizen, um den Hauptact danach zu feiern. Ist seine Bariton-Stimme unverkennbar und hat einen hohen Wiedererkennungswert, schaffte es Auder nicht, eine Verbindung mit dem Publikum aufzubauen. Was verwundert, hat der 19-Jährige Sänger doch Ende April in einem Interview gesagt I’m starting to get to where I’m able to make a true connection to the public, which has been kind of crazy. Von dieser Verbindung kann am gestrigen Abend keine Rede gewesen sein. Und so wurde die Ankündigung, dass sein letztes Lied kommen würde, fast schon freudig vom Publikum mit Jubel quittiert.

Nach 15 minütiger Umbauphase trat schließlich Letissier auf die Bühne und verwandelte diese in die Bretter, die die Welt bedeuten. So war die gesamte Show einem Bühnenensemble gleich, welches immer wieder in Trainingssessions zu den Songs performte. Mal abstrakt mit einem sogenannten Shadowing – hierbei kopiert eine Person die Bewegung der Hauptperson. Mal in Form einer Slow-Motion Performance oder wiederum auch ganz klar in Rivalenkämpfen der Bühnentänzer. Dies verlieh der Show eine Dynamik, die das Konzert zu einem Musical werden ließ. Hierbei konfrontierte Letissier das Publikum immer wieder mit Konversationen, die in den nächsten Song übergingen. So trat Letissier beispielsweise zwischen den Tänzern hervor, die gerade einen Freeze-Mode hatten (die Tänzer stehen wie eingefroren da und lassen sich durch Witze oder Bewegungen anderer nicht aus der Fassung bringen), um diese aus der Starre zu bringen um schließlich mit dem Satz Maybe I’m too tilted einen ihrer großen Hits Tilted/Christine überzugehen.

Es sind aber auch die einfachen Dinge, die Letissier so wunderbar beherrscht. So gab es neben Konfettiregen auch eine Art Sanduhr zu dem Lied The Walker bei dem langsam Sand von der Decke aus drei verschiedenen Kübeln auf die Bühne fiel. Schließlich tauchte sie, nach einem schnellen Abgang, mitten im Publikum wieder auf, um ihre Zugabe zu spielen.
Ob bei Doesn’t Matter oder Saint Claude – Letissier geht mit ihrer Sexualität offen um und zeigt sich bei den Performances zu diesen beiden Songs mit offener Bluse bis hin zum – bis auf den BH – freien Oberkörper.

In dem 110 Minuten langen Konzert verpackte das Energiebündel sagenhafte 19 Songs (hier gehts zur Setlist) aus den beiden Alben Chaleur humaine und Chris, sowie aus der EP Intranquillité. Dabei sprach Letissier auch immer wieder davon, wie wichtig es ihr sei, einen sicheren Platz für alle Arten von Liebe zu schaffen und, dass dieses Konzert ein sicherere Platz ist. Ihre Leidenschaft zur Bühne zieht sich durch ihr gesamtes Leben und so war die Show auch als solches nicht nur das Konzert einer französischen Popsängerin, sondern vielmehr ein Gefühl, eine Geschichte, Dramatik, Erotik, Cleverness und einfordernd und überzeugte in einem Maße, welches das Publikum vor Begeisterung wegbließ. Letissier – als Christine And The Queens auf der Bühne – wird zu Recht als Next Generation Leader (Time Magazine) betitelt und trägt damit einen großen Teil dazu bei, dass in politisch schwierigen Zeiten, die Stimmen für Liberalität, Humanität und Gleichberechtigung lauter sind, als die der Gegner.

Christine And The Queens @Columbiahalle Berlin http://www.soundtrack-of-my-life.com

Lane 8 feat. Poliça – starke Rückkehr mit zweitem Album

Lane 8 ist der amerikanische DJ und Produzent Daniel Goldstein, der mit dem Album Rise 2015 seinen eigenen Traum verwirklichte. Als DJ lange vorher schon Songs produzierend, wurde ihm damals davon abgeraten, ein Album zu veröffentlichen. Zu altmodisch, zu uninteressant seien Alben – wurde ihm gesagt. Doch wie er aus seiner Kindheit und Jugend selbst erlebte, waren Alben für ihn immer auch eine Möglichkeit, in einen anderen Menschen hineinzusehen – ihn zu verstehen. Getrieben von diesem Gefühl setzte er sich damals durch und veröffentlichte Rise. Nun, zwei Jahre später ist er durch den Reichtum, selbst Nachwuchs bekommen zu haben, für Album zwei bereit und so produzierte Lane 8 den ganzen Sommer über Songs. Nach ersten Liveauftritten mit dem neuen Material, steht Lane 8 jetzt vor der Veröffentlichung des zweiten Albums Little By Little. Als erste Singleauskopplung ist daher gerade No Captain veröffentlichte worden, welches zusammen mit den Amerikanern von Poliça entstand. Dabei besticht No Captain durch satten House und zerrende Elemente. Passend hierzu findet sich die Stimme der Poliça-Frontsängerin Channy Leaneagh hier so weich wieder, dass man meinen könnte man träume alles nur. Schließlich überschlägt sich der Song förmlich und verschwindet in einem Schwall aus tiefen Sound. Lane 8 hat mit No Captain einen Song veröffentlicht, der seinesgleichen sucht. Groß, voller Klang, Kraft und eine wunderbare Channy Leaneagh sind es, die diesen Song so gut machen.

Fickle Friends & Roosevelt – Konzertkritik

Am vergangenen Donnerstag war es wieder soweit. Die Introducing-Konzertreihe des Musikmagazins INTRO fand wieder im Bi Nuu statt.
Dieses mal mit dabei waren der britische Rapper DELS, die, ebenfalls aus Großbritannien kommenden Fickle Friends und der Kölner Roosevelt.

Die Geschichten vom jungen Jay-Z

Dels

Dels

Der Brite DELS alias Kieran Gallear hat alles, was ein moderner Rapper braucht. Den Drang sich mitzuteilen, eine präsente Stimme und, bei Liveauftritten,
einem DJ an den Reglern. Und dann kommt da noch ein, nicht unwesentlicher Part hinzu – der des an den jungen Jay-Z erinnernden. Denn es fällt nicht nur auf, dass er optisch dem US-Rapper ähnelt. Auch seine Stimme klingt der des New Yorkers sehr ähnlich. Als letzte Zutat kommt eine gehörige Portion Energie hinzu, die er in den Gesang packt.
Am Ende sind es Songs wie Shapeshift die, durch die Mischung von elektronischen Elementen und der Art des Rappens, zu überzeugen wissen. So gibt es allerdings auch immer wieder vermeintliche Unstimmigkeiten zwischen Gallear und seinem DJ über Sound-, Licht- und Mixprobleme. Dies kann man wohl als typisches Verhalten eines MC’s betrachten.

DELS – Shapeshift:

Wo der Indie-Pop sein Zuhause hat.

Fickle Friends

Fickle Friends

Der zweite Act des Abends waren alte Bekannte. Ihr Song Swim wurde bereits vor einem Jahr auf meinem Blog vorgestellt. Ebenso, gab es vom letztjährigen Showcase-Festival First We Take Berlin einen kurzen Bericht über sie. Hat man den Vergleich zum September 2014, haben sich die Fünf in ihrer Performance stark verändert. Sind sie auf der Bühne doch viel lebendiger, lassen das Publikum an ihrem Spaß teilhaben und spielen sich durch ihre acht Songs als würde ihnen jede Textzeile, jedes Saitenzupfen durch den Körper gehen. Mit dabei natürlich Swim aber auch neue Songs wie For You und Play. Und so dankt es ihnen das Publikum in dem sie vor der Bühne tanzen und springen. Natürlich dürfte auch ein Smalltalk mit dem Publikum nicht fehlen und so fragten sie sich munter durchs eben Dieses.
Am Ende blieb eine befriedigte Menge übrig, die am Merchandise-Stand noch einmal die Gelegenheit bekam mit der Band ins Gespräch zu kommen.

Fickle Friends – Play:

Roosevelt und die falsche Erwartung

Roosevelt

Roosevelt

Als Hauptact führte schließlich Roosevelt den Abend zu Ende. Sechs Jahre ist es her, dass sich im beschaulichen Viersen, in der Nähe von Mönchengladbach und Köln, die Band Beat! Beat! Beat! gründete und dennoch wirkt Marius Lauber alias Roosevelt noch wie ein Zwanzigjähriger. Doch wird diese Ansicht vollends weggepustet , sobald er an die Regler greift. Erzeugen die Songs doch einen so sphärischen Moment, dass man die Augen schließen mag und wegzufliegen scheint. So überzeugen Songs wie Sea, Soleil und Elliot live genauso wie als Studioaufnahme. Was allerdings bei diesem Auftritt auffiel, war die Darbietung der Songs. Wurde im Charlet Berlin letztes Jahr noch ein DJ-Set mit seinen Songs präsentiert, war es im Bi Nuu ein fast schon typisches Konzert mit zwei weiteren Bandmitgliedern am Schlagzeug und der Gitarre. Selbst Lauber griff immer wieder zur Gitarre um seine Songs damit zu unterstützen. So erlebte man dieses Konzert und den Künstler selbst noch einmal von einer ganz neuen Seite. Dies zeigt, wie wichtig es Lauber ist, nicht in eine Schublade als DJ oder Sänger gesteckt zu werden. Mag er doch von jeher das Arbeiten mit verschiedenen Musikstilen. So tanzten am Ende selbst Bandmitglieder der Fickle Friends zu den Songs Laubers.

Roosevelt – Sea:

So werden auch nach diesen Auftritten die Rufe nach einem Debütalbum der Fickle Friends und auch von Roosevelt wieder lauter.