Alex The Astronaut – Konzertkritik

Ein Konzert, wie eine Show á la Alleinunterhalter. Am letzten Freitag war die australische Newcomerin Alex The Astronaut im Berliner Lido zu sehen. Damit unterstützte sie den gebürtigen Kanadier, doch mittlerweile zum Wahlberliner gewordenen Sänger, Sam Vance-Law. Dass Alexandra Lynn – wie Alex The Astronaut bürgerlich heißt – schon so einige Shows absolviert hat, konnte man in jeder Sekunde ihrer Bühnenperformance erkennen. Noch dazu, mit einer bemerkenswerten Gelassenheit und ur-sympathischen Art. Denn während Alex ihre Lieder sang, trumpfte sie immer wieder auch mit kleinen Anekdoten und Erinnerungen auf, die dem Publikum den jeweiligen Song näher brachte. Mit insgesamt neun Songs begeisterte sie dann auch alle und kam ihr Support so eines eigenständigen Konzertes gleich.

Mit dabei waren neben ihren Singles Waste Of Time und Not Worth Hiding auch Songs, wie What Sydney Looks Like in JuneCaught und Already Home. Bei Rockstar City ließ sie uns dann von der Erfahrung teilhaben, wie es war, jahrelang nur im kleinen Kreise zu spielen und plötzlich diesen Gig im ältesten Rock Club New Yorks – dem The Bitter End – zu haben. So war sie unglaublich beeindruckt auf der Bühne zu stehen, auf der auch schon Bob Dylan, Chuck Berry, Janis Joplin, Nina Simone oder Patti Smith spielten. Ihr persönlicher Funfact dabei war, dass nur rund 15 Leute anwesend waren und dies auch noch über kostenlose Tickets geschah, da ein Großteil hiervon zu Alex‘ Freunden zählten. Ist die Australierin doch eher bescheiden, wird der Club wahrscheinlich deutlich voller gewesen sein, als sie es zu präsentieren vermochte.

Mit Happy Song trumpfte Alex schließlich auf und sorgte für einen Unterhaltungsfaktor, der einer abendlichen Entertainmentshow gleich kam. Hatte sie doch das Publikum in zwei Lager geteilt und der linken und rechten Hälfte jeweils die markanten Refrain-Verse zugeordnet, um diese schließlich über viereinhalb Minuten vollends auszuspielen. Hierbei machte das Publikum so wunderbar mit, dass man sich kurzzeitig als Gemeinschaft an eine Klassenaufführung erinnert fühlte.

Alex The Astronaut @Lido Berlin http://www.soundtrack-of-my-life.com

An diesem Abend konnte man eindrucksvoll sehen, was für eine Bühnenpräsenz Alex hat und die so wunderbar frisch und neugierig ist, dass man ihrem Konzert nur verfallen konnte. Jetzt dürfen wir uns aber sicher sein, dass – wenn sie das nächste Mal in Berlin spielt – ein Debütalbum im Gepäck sein wird.

 

 

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L’aupaire – Konzertkritik (Lido Berlin)

Wenn man das dritte mal auf ein Konzert ein und desselben Künstlers geht, könnte man annehmen, dass sich nichts mehr großartig verändern kann. Doch im Falle von L’aupaire waren alle drei Konzerte so unterschiedlich, dass man fast meinen könnte, es wäre jedes mal aufs neue das erste Konzert. Genau so lief es vergangenen Donnerstag im Berliner Lido mit L’aupaire und seiner Band ab.

Marc O'Reilly @Lido Berlin

Marc O’Reilly @Lido Berlin

Alles fing mit dem Trio um Marc O’Reilly an, das mit einer Mischung aus Südstaaten Blues, Folk und Rock die Bühne gekonnt zu füllen verstanden. Die sympathischen Jungs waren darüber hinaus recht redselig und sprachen über Ihre Europatour und ließen die Eltern des Schlagzeugers Pete, die stolz in der Menge standen, feiern. Mit ‚The Wayward Shepard‘, ‚Bleed‘ und ‚Letting Go‘ und amüsanten Anekdoten über die schnellen Straßen Deutschlands und eines noch schneller fahrenden Pete’s, der anschließend von der Polizei angehalten wurde, unterhielten sie das Publikum durchweg. Schließlich waren die drei nach gut 45 Minuten fertig und überließen L’aupaire die Bühne.

Marc O'Reilly @Lido Berlin

Marc O’Reilly @Lido Berlin

L'aupaire @Lido Berlin

L’aupaire @Lido Berlin

Nach einer viertelstündigen Pause kamen um Punkt 21 Uhr L’aupaire auf die Bühne und eröffneten den Abend mit ‚Hometown‘ in einem langsam einsetzenden Takt und einem entspannt singenden Robert Laupert. So holten sie das Publikum vom ersten Song an ab und luden es ein diesen Abend als große Freundesclique zu erleben – aber dazu später mehr.
Mit ‚Start All Over Again‘ folgte ein etwas älterer Song, der auf der ‚Rollercoaster Girl EP‘ im letzten Jahr veröffentlicht wurde. Dieser Song besticht noch durch einen prägnanten, minimalistisches Arrangement. So treibt ein gleichbleibender Beat mal Trompeten, mal Laupert an und zeigt eine musikalische Richtung, die man auf dem Album ‚Flowers‘ nicht mehr findet, sie aber nicht minder schön ist. Weiter ging es mit ‚You Will Be Loved‘, welches mit einem Bass versehen war, der den eigenen Herzschlag sich verändern ließ. In Tagträumen versinkend sang das Publikum stimmlos mit und genoß den Moment.
Auf ‚All You Gotta Do‘ und ‚You‘ folgte ‚Hold On‘. Hatte ich in der Konzertkritik von L’aupaire’s Auftritt im Privatclub am 5. Dezember 2015 noch gesagt, dass ‚Rollercoaster Girl‘ der stärkste Song sei, kann das nun auf ‚Hold On‘ übertragen werden. Dieser so weite Song mit Pedal Steel, Gitarren und Lauperts ruhiger Stimme entfaltete eine unglaubliche Strahlkraft. Hier versank man und fand ganz zu sich selbst. Wer schon mal an einem Ort war, der von Natur und Einsamkeit geprägt war, wird dieses Gefühl verstehen können, das durch ‚Hold On‘ hervorgerufen wurde.
Hierbei war schön zu sehen, wie glücklich und wertschätzende die Bandmitglieder miteinander umgingen. War doch Laupert bei ‚Hold On‘ zwischenzeitlich, während des instrumentalen Parts, so in sich versunken, dass es schien als würde er für einen Moment ganz woanders sein. Allerdings war hierbei ebenso bemerkenswert, wie Peppa darauf reagierte. Schaute sie Laupert doch an und zeigte mit ihrem aufkommenden Lächeln, dass sie wusste, was Laupert genau in diesem Moment fühlte. Diese Verbundenheit sollte noch so einige Male während des Konzertes aufkommen, doch nie so stark wie in diesem.

Um aus diesen Moment der Zerbrechlichkeit auszubrechen, musste eine Up-Tempo-Nummer folgen. Und so kam es mit ‚I Will Do It All Again‘ schließlich auch. Hier setzte dann auch das Gefühl, mit einer Clique unterwegs zu sein, ein. Sang doch der komplette Saal mit und tanzte dazu als wäre es ein Clubabend. Drehte man sich um, sah man in glücklich, lächelnde Gesichter.
Wer L’aupaire beim RadioEins-Loungekonzert sehen konnte, wurde schnell daran erinnert, wie schwer es ihm dort fiel, ruhig auf einem Stuhl zu sitzen. Da war die große Bühne im Lido wie für seine Auftritte geschaffen und so sprang und tanzte er sich durch die Songs.
Mit dem folgenden Song überraschte die Band dann alle. War es doch ‚Dancing In The Moonlight‘ von King Harvest, vielen bekannter durch die Coverversion von Toploader, und kamen dafür noch Marc O’Reilly und seine Band auf die Bühne um den Song so richtig groß zu machen. Und so kam man sich plötzlich vor wie bei einer privaten Party, bei der jeder mal Energie loslassen kann. Da wurde auf der Bühne gelacht, getanzt und gesungen und vor der Bühne euphorisch mitgesungen und angestoßen, dass man einfach nur genießen konnte, was da gerade passierte.

War dieses Highlight gerade erst vorbei kündigte Laupert bereits das nächste an und setzte zu ‚The River‘ an. Nach einigen Sekunden des Mitklatschens, setzten die Trompeten ein, die erstaunlich nach Dolby Surround klangen, um einen nur Sekunden später realisieren zu lassen, dass drei Trompeter durch die Menge Richtung Bühne unterwegs waren. So holte Laupert die drei auf die Bühne und führte durch den energiegeladenen Song.
Alle drei Trompeter sollten auch noch bei ‚Always Travelling‘, ‚Uptown Diva‘ sowie ‚Flowers‘ Teil der Show bleiben und diese bereichern.

L'aupaire @Lido Berlin

L’aupaire @Lido Berlin

Amüsant wurde es ein weiteres mal, als die Band nach ‚Flowers‘ ansetzte und ein Abschiedsfoto mit der Menge machen ließ um kurz darauf, im Jubel der Menge, den eigenen Abgang zu verhauen. So kommentierte Laupert dies so „stellt euch vor wir würden jetzt abgehen, ihr jubelt und wir kommen zurück“. Was folgte war Jubel, Lacher und Applaus und der Übergang zu ‚Rollercoaster Girl‘, immer noch eine der stärksten Nummern.
Wie bei jedem Konzert beschloß L’aupaire seinen Auftritt mit ‚When The Music Is Over‘, der abermals so verträumt und beruhigend wirkte, dass man vom ganzen Auftritt beseelt das Lido verlassen konnte.

Nach diesem Konzert, dass den Abschluß seiner Flowers-Tour darstellte, war man einmal mehr überrascht, wie sehr sich dieser Auftritt von dem im Privatclub und dem bei RadioEins unterscheiden sollte. Die ganze Band ist so gewachsen, so glücklich und voller Lust, dass es zu keinem Zeitpunkt die Möglichkeit gab, als Publikum auszusteigen oder sich gar zu langweilen.

L’aupaire bleibt eine heiße Empfehlung und sollte unbedingt live gesehen werden!

L’Aupaire @radioeins Loungekonzert – Konzertkritik

L'aupaire @radioeins ©L'aupaire

L’aupaire@radioeins                ©L’aupaire

Für die heutige Konzertkritik ging es zu radioeins. War es doch ein radioeins Loungekonzert und fand in der Studiolounge des Senders in Potsdam statt. Somit führte der Weg durch dunkle Potsdamer Straßen hin zum Studio des Radiosenders auf dem Babelsberge Filmstudiogelände. Angekommen, wurden etwa 50 Besucher in die Studiolounge geführt, die durch eine Gästeliste in den Genuß des Konzertes kommen sollten.
Radioeins Moderatorin Christine Heise begrüßte die Wartenden mit einer recht amüsanten Einführung in die Liveshow der kommenden Stunde. Erläuterte sie doch, dass zu Beginn des Konzertes noch ein kleines Interview mit Stefan, dem Frontsänger der Band, anstehen würde. Moment – Stefan?! Natürlich sollte mit diesem Versprecher vielmehr Robert Laupert gemeint sein. Doch so unterhaltsam der Einstand damit auch war, folgte mit dem Interview, durch das Heise führte, gleich weitere, recht amüsante Momente. So hatte Heise bei jeder Fragestellung das Mikrofon an den knapp einen Kopf größeren Robert Laupert gehalten, ohne auf die Höhe des Interviewpartners einzugehen. So beugte sich Laupert charmant mit einem etwas verschmitzten Lächeln immer wieder zum Mikrofon herunter und beantwortete alle Fragen ohne Heise auch nur einmal das Gefühl zu geben, hier sei was nicht ganz richtig.
Doch dies führte vielmehr dazu, dass die Stimmung unter den 50 Menschen und der Band gelockert wurde.
So legte L’aupaire auch gleich mit Songs, wie ‚The River‘, ‚Uptown Diva‘ oder ‚I Will Do It All Again‘, aus seinem Debütalbum ‚Flowers‘, los.
Wer L’aupaire bereits live sehen konnte, wird schnell merken, dass dieses Konzert eher einem Unplugged ähnelte – auch ohne unplugged zu spielen. So saßen die Jungs auf Stühlen und spielten den Bass, das Schlagzeug und die Gitarre bzw. die Pedal-Steel-Gitarre. Laupert selbst saß auf seinem Stuhl mehr schlecht als recht. Kam die Situation in der Laupert hier steckte doch dem eines Kindes gleich, dass immer nur vor dem Bällebecken stehen, aber es niemals betreten durfte. Und das im positivsten Sinne, den man haben konnte. So sprang Laupert immer wieder auf oder zuckte mit den Beinen, ließ seinen Körper mit der Musik pulsieren und strahlte die reine Spielfreude aus, die man bei einem Konzert haben konnte. Dies führte dazu, dass auch das Publikum, wenn auch sitzend, immer wieder zum Beat wippte und hier und da auch mit sang. Bei dem Song ‚Rollercoaster Girl‘ wiederum kam dann eine ganz neue und intime Stimmung auf. Sah man Laupert doch deutlich an, dass dieser Song für ihn so viel bedeutet. Ist es die Erinnerung an Budapest und der Schaffensphase des Songs, vielleicht auch, dass dieser Song ihm den Weg geebnet hat, den er die letzten anderthalb Jahre gegangen ist? Aber vielleicht steckt hinter diesem Song auch eine ganz andere Ebene, des Privatmenschen Laupert, die dann einfach für sich selbst stehen kann. Denn, dass Laupert hier eine ganz besondere Verbindung zu dem Song hat, konnte man deutlich in seinem Gesicht erkennen.
Auch ‚Hold On‘ ist besonders viel Aufmerksamkeit zu schenken, klingt der Song mit der Pedal-Steel-Gitarre doch nach Weite, Unendlichkeit, Wärme und Vertrautheit. Und transportiert die Band hier all diese Attribute wunderbar leicht und bedingungslos. So konnte man die Augen schließen, sich fallen und sich dem Klang der Instrumente hingeben.
Was folgte waren Songs wie ‚Flowers‘, ‚Always Travelling‘ und zum Schluß ‚When The Music Is Over‘. Mit dem er gleichzeitig charmant die Sendung um anderthalb Minuten überzog und damit das Publikum abermals zum grinsen brachte.
Es ist unheimlich spannend zu sehen, wie sich Lauperts Sprechstimme in seine rauchig, kratzige Singstimme verwandelt. Geradezu überwältigend ist auch mit anzusehen, wie viel Spielwut und -freude ihm seine Musik und die Möglichkeit diese vor Menschen zu präsentieren macht. Bereits in der Konzertkritik seines Konzertes im Privatclub Berlin hatte ich von einem zu Beginn etwas schüchternen Frontsänger gesprochen, was auch beim gestrigen Konzert wieder spürbar sein sollte, wenn auch um ein vielfaches abgeschwächter und deutlich souveräner wirkend.

So kann jedem, der L’Aupaire noch nicht live gesehen hat, der 21. April nur ans Herz gelegt werden. Hier spielt er und seine Band im Berliner Lido.