June Cocó - Heavy Heart

June Cocó – Das warme Herz einer Pianistin

Es beginnt mit warmen Tönen eines Pianos, die Töne kommen uns vertraut vor. Sie erinnern an Songs von Agnes Obel, die von so viel Wandlungsfähigkeit geprägt sind, dass man jedes Mal eine neue Gefühlswelt aufkommen spürt. Die Leipziger Sängerin und Pianistin June Cocó schafft dieses Gefühl auf ihrem neuen Song Heavy Heart so spielerisch zu erreichen, dass man sich bereits bei den ersten Tönen geborgen und herzlich empfangen fühlt. Dabei hört man in jeder Sekunde, wie sehr die klassisch ausgebildete Stimme Cocós mit dem Piano harmoniert. Überhaupt ist das Piano Cocós größte Liebe, denn dieses spielt sie seit ihrer Kindheit und gibt dem Instrument auf ihren Songs eine gleichwertige Bedeutung zu ihrer Stimme. Heavy Heart ist dabei das akustische Bild, welches sie daraus formt und lässt uns durch ein Fenster eines Hauses am Meer auf die unzähmbare See gucken. Während im Hintergrund das Holz im Kamin knistert peitscht draussen der Regen an die Scheiben und wird alle paar Sekunden vom nahen Leuchtturm zum funkeln gebracht. Diese Ruhe und Wärme und das bei einem selbst sein stellt den Gegenpol zum Chaos und zügigen Geschehen auf der anderen Seite des Fensters dar. June Cocó veröffentlicht Heavy Heart als Stand-Alone Song, der ihrem vielbeachteten, zweiten Album Fantasies & Fine Lines folgt und auf den kommenden Konzerten in Deutschland, Polen, Tschechien und Großbritannien einen weiteren Beitrag leisten wird, in sich selbst hineinzuhören und zur Ruhe zu kommen.

Balthazar - Halfway

Balthazar – Alle sind bereit

Bereits im Januar 2016 gab es hier auf SOML die Single Bunker der belgischen Indieband Balthazar zu hören Mit Bunker noch völlig im Indierock befindlich sollte es vier weitere Jahre dauern, um einen Sound zu veröffentlichen, der plötzlich gänzlich groß und nach internationalen Rockbands klingt. Mit ihrem 2019er Album Fever und der gleichnamigen Single schaffte es die Band nicht mehr nur in Belgien, Frankreich und den Niederlanden Erfolg zu haben, sondern bekam auch immer mehr Aufmerksamkeit aus dem deutschsprachigen Raum. So platzierte sich das vierte Album erstmals auch in den Schweizer Albumcharts und wurde in Deutschland vermehrt in die Radioplaylisten aufgenommen. Nachdem Balthazar 2019 bereits auf Tour waren, kommen sie nun für weitere Konzerte zurück nach Deutschland und haben mit Halfway gleichzeitig eine neue Single am Start. Ob sich der Name des Songs davon ableitet, dass Halfway genau zwischen zwei Alben veröffentlicht wird, kann nur vermutet werden, zumindest hoffen die Fans, dass es nicht wieder vier Jahre dauern muss, ehe die Belgier ein neues Album veröffentlichen. Mit Halfway scheint es allerdings in eine hoffnungsvolle Richtung zu gehen – dabei nimmt der Song einen ähnlichen Pfad auf, wie ihn die Tracks auf dem letzten Album der Band genommen haben. Mit stolzer Brust singt sich auf Halfway hauptsächlich Jinte Deprez durch den Song und wird nur durch Backingvocals von den anderen Bandmitgliedern begleitet. Mit einer Mischung aus dunklem Alternativerock, einem Gesang der mit R&B-Elementen aufwartet und dem typisch, cool und entspannten Sound lassen Balthazar die Tage bis zu ihren Deutschlandkonzerten wie im Flug vergehen – denn zumindest in Deutschland sind alle bereit für mehr Musik der Belgier

San Cisco - Reasons

San Cisco – Zuckersüßes Ende einer Beziehung

San Cisco tauchen immer wieder mal, mit ihren poppig, klebrigen Indiesongs, auf der Tanzfläche einer jeden Indieplaylist auf. Waren sie mit ihrem zweiten Studioalbum Gracetown (2015) und der Single Run auf ihrem Höhepunkt, folgte mit dem dritten Album Water (2017) und der Leadsingle SloMo fast schon ein Angriff auf den Thron der Discopop-Band Scissor Sisters. Nun haben sie mit Flaws endlich wieder neues Material dabei und veröffentlichen am 27. März die EP Flaws. Diese wird die Single Reasons enthalten, welche die Band gerade veröffentlicht hat. Hierbei singen sie über den Moment, als man ausgesprochen hat, dass man Schluss machen wird. Mit einem befreienden You should let it go, let it go… wird dieser Moment auf Reasons fast schon euphorisch zelebriert und gibt den Weg frei, den wunderbar produzierten Indiepop-Song zu genießen. Denn vom Inhalt einmal abgesehen, begeistern San Cisco auf Reasons, wie auch schon auf ihren vorangegangenen Veröffentlichungen mit einem lebendigen Indiepop, der sich leichtfüßig und sorglos präsentiert. Wenige Wochen nach der Veröffentlichung ihrer EP kommen Jordi Davieson, Josh Biondillo und Scarlett Stevens dann wieder nach Europa und spielen im Mai auch zwei Konzert in Deutschland.

Alanis Morissette - Smiling

Alanis Morissette – Eine Aufarbeitung ihres Lebens

Es dürfte wohl das, mit Abstand, persönlichste Album der kanadischen Sängerin werden. Schreibt Alanis Morissettes schon immer sehr persönliche Texte, schafft die Sängerin auf ihren neuen Songs eine Direktheit, in die Texte zu legen, dass dem Hörer unmissverständlich klar wird, womit Morissette in den vergangenen Jahren zu kämpfen hatte. Bereits auf der ersten Singleauskopplung Reasons I Drink, des am 1. Mai erscheinenden, neunten, Albums Such Pretty Forks in the Road hatte klar gemacht, dass die Multi-Grammygewinnerin in den letzten Jahren mit so einigen Problemen umzugehen hatte. Sich selbst in Frage stellen und klar machen, was für ein Fußabdruck von ihr übrig bleiben wird, war dann auch der Motivatior, die nun veröffentlichte Single Smiling aufzunehmen. Dabei reflektiert sie ihren Werdegang und all die unperfekten Entscheidungen und Momente, die sie in der Zeit ihres „Erdendaseins“ gemacht und erlebt hat. Dabei folgt der Sound einem bedächtigen Gefühl der wahr gewordenen Selbsteinschätzung, die so nüchtern, wie nachdenklich klingt und gleichzeitig Morissette zu dem Entschluss kommen lässt, mit ihrer Unvollkommenheit zurechtzukommen. Produziert wurde Smiling von Michael Farrell, der vor allem durch die Zusammenarbeit mir Macy Gray und Morrissey bekannt ist. Darüber hinaus ist er als Keyboarder bereits länger schon auf Morissettes Touren vertreten und spielte auf Konzerten von Mariah Carey, Vanessa Carlton und Melissa Etheridge. Smiling verfestigt den Eindruck, den bereits die Leadsingle Reasons I Drink andeutete und lässt auf ein Album hoffen, welches nach acht Jahren der Stille eines ihrer bedeutendsten Werke werden könnte.

The Strokes - At The Door

The Strokes – 7-Jährige Pause episch beendet

Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer – die US-Amerikanische Band The Strokes hat mit At The Door vorgestern die erste Single nach sieben Jahren ohne neue Musik veröffentlicht. Sorgten die Strokes Anfang der 2000er mit großen Indie-Hits, wie Last NightSomeday oder 12:51 für volle Tanzflächen, werden diese Songs auch heute noch auf jeder Indie-Party gespielt. Während es für die Band in den Jahren nach ihrem großen Erfolg zunehmend schwerer wurde, sich im Indie-Bereich an der Spitze zu halten, schafften es viele Bands – vor allem aus Großbritannien – an die Oberfläche und ganz nach oben. Nun sind seit ihrem letzten Album Comedown Machine (2013) sieben Jahre vergangen, in denen die Band zwar noch Konzerte spielte, aber so gut wie keine neue Musik mehr veröffentlichte. Doch immer wieder streute die Band über die Jahre die Nachricht, dass die Jungs um Julian Casablancas an einem neuen Album arbeiten würden – nur, um es kurze Zeit später wieder zu dementieren. Doch mit der Veröffentlichung vom fast sechs-minütigen Song At The Door betreten die Strokes eine Welt, die sich irgendwo zwischen Retro-Futurismus à la Tron und Science-Fiction-Epos einordnet. Mit starken Synthies, einem gänzlichen Verzicht der Gitarre und deutlichen Referenzen an die Franzosen von Daft Punk ist At The Door nichts geringeres, als ein Epos, das melancholisch und in Slow-Motion an uns vorbeizieht. Dabei sehen wir im Musikvideo Zusammenschnitte aus dem Zeichentrickfilm Watership Down – Unten am Fluss mit seinen verstörenden Bildern. The Strokes haben für den 10. April 2020 endlich ihr sechstes Studioalbum The New Abnormal angekündigt, das von Rick Rubin produziert wurde. Mit At The Door als erste Single dürfen wir also gespannt sein, wie sich das neue Album in voller Länge anhören wird.

Austra - Risk It

Austra – Stimme in ungeahnte Höhen gepitcht

Es klingt ein wenig so, als würde ein verspielter Song aus einer Kindersendung am Samstagnachmittag laufen – hört man sich den neuen Song Risk It von Austra an. Da ist diese enorm gepitchte Stimme von Frontsängerin Kaitlin Austra Stelmanis, die den Song anfangs etwas schwer verdaulich klingen lässt. Doch umso öfter man Risk It hört, umso vertrauter wird der Song und man nimmt plötzlich die Trompeten wahr oder Stelmanis gewohnt tollen Gesang in den Strophen und schließlich den Text, der davon erzählt, zu viel Angst davor zu haben, eine Beziehung zu beenden. So ist der Refrain aus den Worten Risk It, I wouldn’t risk it wie ein Zwiegespräch zwischen Stelmanis selbst. So eine Art guter Engel, böser Engel, die der Sängerin sagen wollen, was sie zu tun hat und was sie besser bleiben lassen sollte. Und letztendlich erkennt man in Risk It – trotz der neuen – hohen Töne, einmal mehr ganz klar heraus, dass es sich um einen Song der kanadischen Band handelt, die mit ihrem langsamen, elektronischen Sound eine Art Wolke bilden, die einmal mehr für 3:57 Minuten alles um einen herum einnimmt. Risk It ist gleichzeitig der erste Vorbote für das Album HiRUDiN, welches für den 1. Mai 2020 zur Veröffentlichung geplant ist. Ebenso gibt es mit dem 18. Mai in Berlin und dem 21. Mai in Wien bereits zwei Konzerttermine für die es Tickets zu kaufen gibt. Ob noch mehr Termine in Deutschland folgen werden, steht zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht fest.

Gengahr - Icarus

Gengahr – Der große Wurf

Das britische Quartett Gengahr hat in ihrer bisherigen Bandlaufbahn vorrangig mit Psychedelic Rock begeistert, Obendrein beinhaltete ihre Musik auch immer Indie. Nach den Singles Everything & More und Heavenly Maybe haben die Londoner nun mit Icarus eine weitere Single veröffentlicht und feiern heute zusätzlich die Veröffentlichung ihres dritten Studioalbums Sanctuary. Was sich in den ersten beiden Singleauskopplungen bereits andeutete, wird mit Icarus nun nochmals bestätigt – der Sound der Band hat sich verändert. Durch Synthies und aufwändige Gesangsebenen ist Icarus nicht mehr nur Indierock sondern hat auch deutlich mehr elektronische Elemente zu bieten. Diese kommen nicht von ungefähr, zeichnet sich doch für die Produktion des gesamten Albums der Bombay Bicycle Club Frontmann Jack Steadman verantwortlich. Darum wundert es auch nicht, dass die vier Jungs von Gengahr letztes Jahr bereits als Support-Act auf den Konzerten von Bombay Bicycle Club spielten. Nun sind sie für vier Termine in Deutschland zurück und können Ende Febraur live in Köln, Berlin, München und Hamburg erlebt werden. Mit so vielen neuen Einflüssen ist das neue Album eine Entdeckung wert und zeigt, dass Gengahr mit der Veränderung ihrer Musik überzeugen können.

Meadows - Empty Windows

Meadows – Sanft, wie eine Gutenachtgeschichte

Am Anfang steht ein warmes Gitarrenspiel. Schließlich kommt eine ebenso warme Stimme hinzu, welche die Worte so beruhigend singt, dass man in jedem Wort das warme Feuer eines Kamins knistern hören kann. Hinter einem so imposanten Song verbirgt sich der Künstler Meadows, der bürgerlich Christoffer Wadensten heißt und aus der schwedischen Provinz kommt. Ob der Provinz scheint es gleichzeitig so reichhaltig an Eindrücken, die Emotionen auslösen, zu sein, dass Meadows hiermit besonders auffällt. Mit seiner tiefen Stimme, die an den wunderbaren Ben Hamilton erinnert, singt sich Meadows durch so wunderschöne Textzeilen, wie I know you never lie but this whole you and I. Who thought that this would fly? I turn my eyes down low and I see the stars below. I know I have to go. And break through the glass of empty windows. Hierbei ist es fast so, als würde er uns eine Gutenachtgeschichte erzählen, während uns – von der Wärme des Kamins – die Schläfrigkeit überkommt. Geprägt vom Lyriker Frank O’Hara, der die wunderbare Fähigkeit hatte, Gefühlszustände – die in Notfällen aufkommen – einzufangen, hat sich Meadows durch das neue Album The Emergency Album gearbeitet. Herausgekommen ist mit den ersten Veröffentlichungen Emergency Song und Empty Windows eine sympathisch heimelige Stimmung, die sich so vertraut und geborgen anfühlt, dass wir uns gar nicht die Frage stellen, dass dieser Musiker noch größtenteils unbekannt ist. Meadows schafft es mit seinen Songs eine Wärme um uns herum zu legen, die sich förmlich an uns anzuschmiegen scheint. Für alle, die diese Kaminfeuerakustik auch einmal live sehen wollen, gibt es ab Mitte Mai auf 13 Konzerte in Deutschland Gelegenheit dazu. Für alle anderen gibt es ab dem 27. März das Album The Emergency Album zu kaufen.

Vagabon - Water Me Down

Vagabon – Wenn der Wunsch siegt

Wenn man von der New Yorkerin Laetitia Tamko spricht, kommt man unweigerlich ins Schwärmen. Die 27-Jährige hat in den vergangenen Jahren eine unglaubliche Erfolgsgeschichte hingelegt. In Kamerun geboren, zogen die Eltern 2005 mit der damals 13-jährigen Tamko nach New York. In dieser Zeit wuchs ein riesiger Wunsch in der jungen Musikerin heran, der ihr weiteres Leben beeinflussen sollte. Denn entgegen der Vorstellungen ihrer Eltern, überzeugte sie diese ihr eine Gitarre zu schenken. Als Gegenleistung sollte Tamko etwas studieren, welches es ihr ermöglicht auch in einem richtigen Beruf – wie es ihre Eltern immer anmerkten – Geld zu verdienen. So studierte Tamko an der Grove School of Engineering – einem Teil des City College of New York – Softwareentwicklung und öffnete sich hierbei ganz selbstverständlich weitere Türen zur Produktion von Musikstücken. Die ohnehin schon autodidaktisch veranlagte Musikerin eignete sich so nicht nur an, viele Instrumente zu spielen und elektronische Musiksongs zu programmieren, sondern plante und spielte auch immer öfter eigene Konzerte in New York. Mit all diesem Know-How hat Tamko schließlich 2017 ihr Debütalbum Infinite Worlds unter dem Künstlernamen Vagabon veröffentlicht. Nun ist Vagabon mit einem neuen Album zurück und zeigt mit der Single Water Me Down eindrucksvoll, wie entspannt der Mix aus Elektro, Perfektion und Lässigkeit klingen kann. Denn Water Me Down besitzt einen hypnotischen Elektrobeat, auf dem Vagabon die Worte You know me better than that. You know I hate it like that. It really waters me down singt. Gleichzeit besitzt Water Me Down dieses Stop-Motion-Gefühl, welches einen in eine Art Zeitlupenbetrachtung versetzt und den Song noch intensiver aufnehmen lässt. Mit all ihrem Können klingt Vagabon gleichzeitig so losgelöst und natürlich, dass man den Song gar nicht mehr aus dem Kopf bekommen möchte.

Bonaparte - Was Mir Passiert

Bonaparte – Mal ganz anders und doch so typisch

Bonaparte ist Hau-Drauf-Musik. Immer mit einer Message, die einem direkt ins Gesicht knallt, hat Tobias Jundt seit nunmehr zehn Jahren immer eine untypische Lösung für so manche Herausforderungen parat. Mit einem Sound, der sich aus allem zusammensetzt, was der Wahlberliner in die Hände bekommt, hat er auf mittlerweile sechs Alben schon fast jeden Sound einmal durch. Dabei hat er sich von seinem einstigen Markenzeichen des Trashpunks hin zu einem Musiker entwickelt, der die Kunst des absurden beherrscht und dennoch auch großartige Sehnsuchtssongs schreiben kann. Nicht zuletzt mit mit dem dystopischen Into The Wild aus seinem selbstbetitelten Album Bonaparte zeigte sich Jundt düster und melancholisch. Nun ist Bonaparte mit seinem, im Sommer veröffentlichten, sechsten Album Was Mir Passiert zurück und hat die gleichnamige Single ausgekoppelt. Dabei mischt Bonaparte hier einen heiß, wabernden Sommersound, der mit der einfachen Textzeile Ich will nur das was mir passiert so leicht ins Ohr geht, dass man sich selbst am Strand wiederzufinden vermag und gleichzeitig eine Leichtfüßigkeit erlebt, wie sie bei Bonaparte so noch nicht zu hören war. Was Mir Passiert ist eine Streicheleinheit an den Künstler Bonaparte und wird wohl bei seinen kommenden Konzerten, zwischen all den Exzessen für einen Moment der Entspannung und des Schwelgens sorgen.