SG Lewis - Chemicals

SG Lewis – Disco, bei der die Tanzfläche zu beben beginnt

Fünf EPs gibt es mittlerweile vom – in Los Angeles lebenden – Briten SG Lewis. Dabei hat er mit Songs, wie Holding BackTimes We Had oder Again gezeigt, wie sehr sich der Sound des Produzenten im Laufe der Zeit weiterentwickelt hat. Immer wieder hat der Musiker mit Gastsängern, wie Gallant, Toulouse, Totally Enormous Extinct Dinsoraus, AlunaGeorge, Clairo oder zuletzt Aluna für Ohrwürmer gesorgt. Doch auch als Solist begeistert der 26-Jährige mit seinen Songs. Erst kürzlich wurde der Song Hallucinate von Dua Lipa als Single ausgekoppelt, bei der SG Lewis zusammen mit Stuart Price als Produzent und Co-Autor mitgewirkt hat. Mit seiner Trilogie der EPs DuskDark (beide 2018) und Dawn (2019) vereinte der Musiker ein paar seiner bisher größten Songs. Nun hat der – bei PMR Records unter Vertrag stehende – Brite mit Chemicals eine erste Single seines kommenden Debütalbums veröffentlicht und dabei die Jungs von N*E*R*D an seiner Seite. Hier hat Chad Hugo von N*E*R*D die starken Synths beigesteuert und SG Lewis in einen Funk- und Disco-Kontext gesetzt.

SG Lewis

SG Lewis

Auf Chemicals singt SG Lewis schließlich auch wieder selbst und lässt sich von einem Erlebnis in London inspirieren. Hier erlebte er eine Nacht, in der er eine Person kennenlernte, sich in diese verliebte und bereit war, Dinge zu machen, die von der anderen Person forciert wurden, die man selbst aber sonst nie gemacht hätte. Es ist eine Gratwanderung zwischen der eigenen Aufgabe und dem Nervenkitzel, etwas Neues auszuprobieren. Musikalisch setzt SG Lewis dies in einem großartigen Discosound um, wird von Pharrell Williams selbst mit der weisse Junge hat Soul beschrieben und erinnert an Musik von Totally Enormous Extinct Dinosaurs, Roosevelt oder sogar Daft Punk. Chemicals ist für den Moment, bei dem man von einem Hügel auf die pulsierende Stadt hinunterblickt und sich am Abend von der aufsteigenden Partylaune und der untergehenden Sonne berauschen lässt. Gleichzeitig lässt Chemicals auf eine baldige Veröffentlichung des langerwarteten Debütalbums schließen und wird uns mit einem Sound umhauen, den wir dieses Jahr definitiv noch gebrauchen können.

Major Lazer feat. Marcus Mumford - Lay Your Head On Me

Major Lazer feat. Marcus Mumford – Dance trifft auf Folk

Es ist eine Kombination, die sich keiner hätte vorstellen können. Sind Major Lazer mit ihren Dance-Anthems Watch Out For ThisLean On und Cold Water für drei der prägendsten Partyhits der 2010er Jahre bekannt – hat es das jamaikanisch/US-Amerikanische Trio um den Produzenten Diplo mit einem Mix aus Reggae, Dancehall und House geschafft, weltweit an die Spitze der Charts zu kommen. Nun stehen sie vor der Veröffentlichung ihres vierten Studioalbums Lazerism und haben seit Mai 2019 bereits drei Singles daraus veröffentlicht. Ihre neuste Veröffentlichung Lay Your Head On Me sorgt dann allerdings doch für eine Überraschung – denn als Gastsänger ist kein Geringerer, als der Mumford & Sons-Frontmann Marcus Mumford mit von der Partie. Dieser hatte sich mit seiner Folk-Band innerhalb der letzten zehn Jahre zu einer der erfolg- und einflussreichsten britischen Bands entwickelt und gewann 2013 zwei Grammys für Best Album (Babel) und Best Music Film (Big Easy Express). Zuletzt hatte Marcus Mumford allerdings angekündigt – während die Band eine Pause einlegt – verstärkt mit anderen Songwritern und Musikern zusammenzuarbeiten. Herausgekommen ist als Erstes die völlig heruntergefahrene Interpretation des Gerry & The Pacemaker-Klassikers You’ll Never Walk Alone. Gleichzeitig haben nun Major Lazer mit ihrer neuesten Singleauskopplung Lay Your Head On Me und Marcus Mumfords rauchigem Gesang einen wahren Genre-Hybriden geschaffen. Denn sowohl Major Lazer, als auch Marcus Mumford bleiben darauf ihren musikalischen Wurzeln treu und könnten auf Lay Your Head On Me auch unabhängig voneinander existieren. Mumfords ruhiger Gesang und die verspielten Beats Major Lazers lassen den Song leicht und unbeschwert klingen und dürften für einen enormen Push an Aufmerksamkeit sorgen. Auf Lay Your Head On Me verrät weder Marcus Mumford seine Wurzeln, noch tun es Major Lazer und klingen dabei frisch und überraschend.

Icarus feat. Rae Morris - Dreams Of You

Icarus – Mit Melodic House zum Höhepunkt

Hat man den Song einmal gehört, wird man das Bild von ekstatisch feiernden Festivalbesuchern auf einem Feld, welche die Augen schließen, die Hände spirituell in die Höhe strecken und dabei tanzen nicht mehr los. Bei Icarus ist dieses Gefühl Alltag. Denn mit ihrem Melodic-House schaffen sie es immer wieder wahre Hymnen zu produzieren. Hatten sie 2016 mit Home und der Stimme der norwegischen Sängerin Aurora bereits einen grandiosen Song veröffentlicht, folgten in der Zeit danach mehrere EPs wie die 2019er EP This Must Be The Place. Nun haben die beiden Brüder Ian & Tom Griffiths aus Bristol neues Material veröffentlicht, welches wieder einmal mit Gastsängern begeistert. Auf Dreams Of You haben sich die beiden Produzenten die britische Art-Pop Sängerin Rae Morris dazugeholt und einen wunderbaren Housetrack produziert, der nach einem langen Intro zu einem intimen, energiegeladenen Powersong wird. Gerade diese Mischung ist es, die Icarus ausmacht und sie ein ums andere Mal frisch inszeniert. Denn das Zusammenspiel aus schnellen Beats und einem verstohlen, balladesken Gesang sorgen immer wieder dafür, dass sich die Songs ins Ohr brennen und den Körper zum Feiern anregen. Ob in der U-Bahn, auf der Straße oder zu Hause – mit euphorischer Freude am Song tanzen wir uns durch knapp fünf Minuten und vergessen fast, wo wir gerade sind.

James Hersey – Locker, gefühlvoll, rockig

Im ersten Moment klingt der Name James Hersey nicht gerade, als würde derjenige aus Österreich kommen. Und dennoch passt es zum Sänger, wie seine komplette Geschichte. Denn hat er nicht nur amerikanische Wurzeln, ist auch seine Musik ein Crossover aus immer wieder wechselnden Genres. So ist Hersey mal mit dem österreichischen Produzenten Filous auf How Hard I Try zu hören, oder singt als Gastsänger auf der Single Coming Over von Dillon Francis und Kygo. Dabei mischt er Pop mit House, typischen Singer/Songwriter Elementen und spielt – wie auf seiner neuesten Single Real For You – auch auf der Gitarre. Real For You besticht durch einen poppigen Gitarrensound, der mit Herseys markantem Gesangsstil überzeugt. Dabei ist der Song unaufgeregt und hat dennoch Ohrwurmqualität. Hersey, der mittlerweile in Berlin lebt, zeigt, dass er dieses Crossover konsequent fortsetzt und steht aktuell mit Künstlern wie den Milky Chance, Sigrid und HONNE auf der Bühne. Wer ihn also erleben möchte, sollte sich schnellstens ein Konzertticket besorgen.

Die Fantastischen Vier feat. Clueso – Ironie hoch 5

Seit fast 30 Jahren sind die Fantastischen Vier eine feste Instanz in der deutschen Musiklandschaft. Nur ein Drittel kürzer ist der Erfurter Clueso dabei und in den letzten Jahren äußerst erfolgreich mit seinen Alben. Bisher mit Einfach Sein (2007) erst eine einzige Kollaboration eingegangen, folgt nun abermals der Ausflug, einen Gastsänger auf einem Song zu präsentieren. Dass Clueso dabei die perfekte Wahl ist, zeigt alleine schon die Art der Band und des Sängers, Lieder zu singen – beide kommen aus dem Hip-Hop-Bereich. Auch gemein haben beide Acts, dass sie in den Jahren immer weiter zum Pop übergegangen sind und sich hierbei nochmals richtig ausleben konnten und immer noch können. Auf Zusammen singen die Fantastischen Vier und Clueso darüber, dass man sich manchmal zusammenfinden muss, um stark zu sein. Dass dabei das Musikvideo eine ganz andere Sprache spricht, liegt in der Natur der Fantastischen Vier. Hier zeigen sie – und vor allem Michi Beck – ihre uneingeschränkte Abneigung gegenüber des „Neulings“. Bär Läsker tritt dabei als ideengebender Produzent auf und merkt schließlich, dass die Idee nicht das wahre war. Mit einem Augenzwinkern sind diese siebeneinhalb Minuten fast schon Kurzfilmniveau. Dazu kommt der, direkt ins Ohr gehende Beat, der sich modern und sehr radiotauglich gibt. Mit Zusammen sind die Fantastischen Vier einmal mehr mit einer starken Popnummer zurück und haben mit Clueso die beste Verstärkung im Gepäck, die es aktuell gibt.

Kimbra – Wenn ein Song in Dich kriecht

Er ist wie ein Parasit. Einmal gehört, kriecht der neue Song der neuseeländischen Künstlerin Kimbra, in unsere Gehörgänge und nistet sich dort ein. Es ist diese Mischung aus afrikanischen Beats, Kinderchor, rhythmischen Beats und Kimbras arhythmischer Gesang, der hier die Faszination ausübt. Top Of The World ist eine künstlerisch gewagte Nummer, die vollends überzeugt und Kimbra auf ein anderes Level der Musik hebt. Experimentell und frisch zeigt Kimbra, wie sehr sie sich ausprobiert. Top Of The World ist dabei bereits die zweite Singleauskopplung ihres, im April erscheinenden, dritten Albums Primal Heart. Vergleichen wir Kimbra, als sie mit Gotye 2011 zu Somebody That I Used To Know sang, mit der Künstlerin in Top Of The World scheinen Welten dazwischen zu liegen. Von der niedlichen Gastsängerin zur Femme Fatale, die ihre Fans mit magisch-dämonischen Zügen verführt, ist Kimbra die perfekte Wandlung gelungen. Top Of The World ist eine Nummer die umhaut, begeistert und süchtig macht. Da dürfen wir gespannt sein, was uns auf Primal Heart erwartet. 

Lollapalooza Berlin 2017 Tag 2

Man war vorbereitet… An Tag zwei hatten sich die Festivalbesucher Pläne gemacht, wie, wann und womit sie zum Festivalgelände bzw. auch Abends wieder davon weg kommen würden. So waren die S-Bahnen nicht mehr ganz so voll, der Einlass auf das Festivalgelände geordneter und deutlich mehr Mitarbeiter unterwegs. Und um den Tag auch noch komplett umzukrempeln, spielte die Sonne mit und lachte vom Himmel mit spätsommerlich, wärmenden Strahlen.

Also die besten Voraussetzungen, um doch noch ein grandioses Festivalerlebnis zu haben. Mit Bands und Künstlern wie Sigrid, Bonaparte, Rudimental, AnnenMayKantereit, London Grammar, den Foo Fighters und The XX war der Sonntag zusätzlich auch noch großartig besetzt. weiterlesen

Adam Lambert - Ghost Town

Adam Lambert – Begonnen mit Skandalen nun ein ernstzunehmender Künstler

Adam Lambert startet seine Karriere als Musicalsänger zwar schon lange bevor er 2009 bei American Idol teilnahm, doch brachte ihn erst diese Show einen enormen Popularitätsschub ein. So beendete er seine Teilnahme auf dem zweiten Platz und veröffentlichte in der Folge ein erfolgreiches Album, welches sich selbst international gut verkaufte. Durch seine theatralische Art und Weise seiner Performances und seinem offenen Umgang mit seiner Homosexualität eckte er jedoch immer wieder bei Konservativen an. So war der Auftritt bei den Amercian Music Awards 2009, bei dem Lambert seinen Song For Your Entertainment performte, voller sexuell anzüglicher Gesten und endete in einer Kussszene zwischen ihm und seinem Bassisten. Diese Performance war für viele zu viel und so erhielt der ausstrahlende Sender ABC in der folgenden Nacht über 1.500 Beschwerden.
Doch fern dieser Skandale bewies sich Lambert immer wieder durch seine Stimme und seiner enormen Stimmweite. Aus diesem Grund und der zum Teil exzentrischen Performance Lambert folgte eine Kollaboration mit der Band Queen, die Lambert als Gastsänger einlud auf Welttournee zu gehen.
Nun kommt mit Ghost Town, der Leadsingle aus seinem dritten Studioalbum The Original High eine reife und moderne Ballade raus die durch einen dunklen Pop-/Housebeat getragen wird. Dies überrascht insofern, da Lambert vorher für seine verspielten Popsongs bekannt war. So verändert sich die Wahrnehmung Lamberts wohl ein weiteres Mal – doch in diesem Falle in eine professionellere Richtung.

Gorgon City – Die Hitfabrik

Gorgon Citys Gespür für neue Stimmen ist außergewöhnlich – haben sie doch mit den ersten beiden Singles die Sängerin Laura Welsh und MNEK finden können. Nun kommt die neueste Single Unmissable raus, gibt es auch hier wieder einen bis dahin eher unbekannten Künstler, der dem Track seine Stimme leiht. Ist doch Zak Abel, außer als Gastsänger auf dem Song des Künstlers Wookie, wohl kaum jemanden vorher ein Begriff gewesen. Doch auch hier beweisen Gorgon City, dass sie ein gutes Händchen für neue Stimmen haben. Zeichnet sich Abels Stimme doch durch eine weiche und soulige Art aus. Dazu mischen Gorgon City Housebeats und fertig ist der typische Gorgon City Track. Würde man bei anderen Künstlern davon abraten auf der Erfolgsspur, dasselbe zu produzieren, bedienen Gorgon City hier genau das, was die Fans hören wollen.

Ella Eyre – Vom Featuring-Act zum Solo-Star

Und damit hat es Ella Eyre schon fast geschafft. Folgt sie doch Künstlern wie Sam Smith oder Jess Glynne die alle gleichwohl als Gastsängerinnen und -sänger bei Hits anderer Acts mitgesungen haben und bekannt geworden sind. Heute ist Sam Smith einer der internationalen Newcomer. So kann man davon ausgehen, dass Eyre’s Musik in den nächsten Monaten ebenso stark an Popularität zunehmen wird. Auf ihrer zweiten Solo Single If I Go zeigt uns die gerade einmal 20-jährige Londonerin ihre soulvolle Stimme die mit einem langsam aufbauenden elektronischen Beat unterlegt ist. Spätestens bei diesem Song wird ihr das britische Publikum zu Füßen liegen und gewiss auch noch mehr als nur der ein oder anderer Fan aus Übersee seinen Gefallen daran haben.