Julia Stone - Beds Are Burning

Julia Stone – Ergreifende Coverversion

Es ist eine der größten Katastrophen, die nicht nur Australien in den vergangenen Monaten erlebt hat, sondern auch sinnbildlich für die Veränderung der Natur auf unserer Erde steht. Bei den größten und schlimmsten Wald- und Buschbränden, die die Welt je erlebt hat, sind über eine Milliarde Tiere umgekommen. Hierbei betrug die Fläche der Brände 180.000 km² was ziemlich genau die Hälfte Deutschlands ausmacht. Während sich in Australien viele Freiwillige meldeten, um Tiere zu retten und Feuer zu bekämpfen, haben sich zahlreiche australische Musiker zusammengeschlossen und mehrere Benefizkonzerte ins Leben gerufen. Mit dabei waren Künstler und Bands, wie Tash Sultana, Briggs und Gang of Youths. Auch Angus und Julia Stone waren dabei und sorgte dafür, dass das Benefizkonzert binnen 30 Minuten ausverkauft war. Um noch mehr Geld für die Hilfe der – von den Bränden zerstörten – Gebiete zu sammeln, nahmen schließlich einige Künstler Songs von bekannten australischen Künstlern neu auf. Mit dabei sind Damien Rice, Petit Biscuit, Dermot Kennedy, The Nationals und eben auch Julia Stone, die mit ihrer Version des Midnight Oil Klassikers Beds Are Burning für absolute Gänsehaut sorgt. Mit ihrer intimen und zerbrechlichen Interpretation des 1987er Songs schafft Julia Stone eine Betroffenheit, die durch die schrecklichen Bilder – über das Ausmaß der Brände – noch verstärkt wird. Gleichzeitig zeigt das Musikvideo, wohin wir steuern, wenn nicht jeder Einzelne anfängt, seine Gewohnheiten und Taten zu ändern. Julia Stone hat mit ihrer Version des Klassikers Beds Are Burning einen Stand-Alone Track geschaffen, der sinnbildlich für die Tragödie steht, die Australien in den vergangenen Monaten zu erleiden hatte.

Christian Reindl & Tessa Rose Jackson - Happy Together

Christian Reindl & Tessa Rose Jackson – 52 Jahre alter Song ganz leise interpretiert

Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich der Münchener TV-, Film- und Werbekompnist Christian Reindl mit der niederländischen Sängerin Tessa Rose Jackson über dem Weg laufen würden. Komponiert und produziert Reindl seit einigen Jahren bereits erfolgreich Songs für Marken, wie Coca-Cola, RTL, BMW, Audi oder DreamWorks ist die Sängerin Jackson – nach ihrem Hit Change Time (2012) – vor allem mit ihrem Projekt Someone, welches sie seit 2017 mit so cineastischen Songs und Musikvideos, wie The Deep (Episode 1)Forget Forgive und Pull It Together in Verbindung bringt, aktiv. Hier wird es wohl auch die Schnittstelle gegeben haben, bei der sich Reindl und Jackson begegnet sein müssen. Dabei ist das erste Werk der beiden so überraschend, wie erfreulich. Denn hier haben beide nicht etwa an einem verkopften Bombastsong gearbeitet, sondern sich den 52 Jahre alten Hit Happy Together von The Turtles ausgesucht. Hierbei haben sie eine Version produziert, die sich stark am Original orientiert, dabei aber eine ganz eigene Geschichte von Kälte, Trauer und Ehrfurcht erzählt. Mit dunklen Klangstrukturen und dem hauchenden Gesang Jacksons ist Happy Together eine streichelnde Ballade, die wahlweise für eine schaurige Gänsehaut oder wohlige Geborgenheit sorgt.

Hollow Coves - When We Were Young

Hollow Coves – Jetzt kommt der große Schritt

Nach ihrer 2017er Debüt-EP Wanderlust hat sich das australische Duo Hollow Coves – welches aus den beiden Musikern Ryan Henderson und Matt Carins aus Brisbane besteht – nochmal ordentlich Zeit gelassen, um an ihrem Debütalbum zu arbeiten. Dabei war es der Song Coastline, der sich 2017 so zärtlich in unsere Gehörgänge setzte und mit einer Gänsehautakustik und großer Wärme begeisterte. Genau diese hervorragende Mischung aus Folk, Pop und Akustik ist es, die Hollow Coves über die Landesgrenzen hinaus zu einem der heißesten Anwärter für das Auslösen der nächsten großen Folkwelle macht. Nun haben die beiden Australier mit der neuen Single When We Were Young eine Reflexion ihrer selbst veröffentlicht. Denn ist das Soundgerüst wieder einmal großartig intim und hört man fast das Knistern eines Lagerfeuers, fanden sich Carins und Henderson beim Komponieren des Songs plötzlich in einer Art Rückblende wieder, die ihnen die wunderbaren Momente ihrer Jugend und Kindheit widerspiegelte. Eine Zeit, in der sie unbeschwert und frei von Zeitdruck und To-Do’s lebten – so die Beschreibung der beiden Musiker, fragt man sie nach der Entstehung des Songs. Schließlich schrieben sie den Text mit einem Twist, der den Hörer am Ende nicht Wehmütig in die Vergangenheit blicken lassen soll, sondern vielmehr den wunderbaren Moment der Jetzt-Zeit verdeutlichen soll. Mit When We Were Young haben Hollow Coves allerdings nicht nur eine neue Single veröffentlicht, sondern kündigt gleichzeitig auch ihr langerwartetes Debütalbum Moments an, welches am 14. Oktober erscheinen wird.

Little Hours – Folk trifft Remix

Über zwei Jahre begleitete SOML das irische Duo Little Hours und hatten uns vom ersten Song an in die handgemachte Musik der beiden Jungs verliebt. Zuletzt hatten sie im März 2017 mit Water, aus der Too Much Patience EP, einen so gefühlvollen Song veröffentlicht, dass die Gänsehaut vorprogrammiert war. Auf dieser EP enthalten, ist auch der Mitte November veröffentlichte Song Later On, der deutlich mehr nach vorne geht. Hier sorgt ein treibendes Gitarrenspiel und das, im Refrain im Vordergrund stehende, Schlagzeug für einen wunderbar vollen Sound. Um diese Zeit der Veröffentlichung herum, passierte allerdings mit dem Duo eine Menge. Persönliche Wünsche nach neuen Projekten führten schließlich dazu, dass sich das Duo im Herbst dazu entschloss, getrennte Wege zu gehen. Somit verließ Ryan McCloskey die Band im freundschaftlichen und macht John Doherty nunmehr als Solokünstler hinter Little Hours weiter. Klingt Little Hours auch weiterhin natürlich und roh, gab es anscheinend von Doherty den Wunsch, nach einer Zäsur. Diese sah so aus, dass – ihr noch gemeinsam geschriebener Song Later On – als Remix veröffentlicht werden sollte. Und so hat das österreichische Produzenten-Duo MÖWE den Song geremixt und dafür gesorgt, dass sich Later On dem Tropical House hin gibt, den MÖWE so gut beherrschen. Dabei haben sich MÖWE mit etwas Ehrfurcht an den Song gewagt – denn hier bleibt der treibende Sound und Gesang Dohertys klar im Vordergrund, wird allerdings von einem prägnanten House-Beat unterstützt. Wir dürfen gespannt sein, wie sich Doherty als Solokünstler mit Little Hours weiterentwickeln wird, sind uns aber sicher, dass uns der Singer/Songwriter Sound noch lange begleiten wird. Live sehen könnt Ihr Little Hours übrigens am 2. Februar im Berliner Privatclub und am 3. Februar im Hamburger Molotow als Support des Singer/Songwriter und Geschwister-Duo’s Hudson Taylor. Hier könnt Ihr jetzt beide Versionen hören und selbst entscheiden, welcher Euch besser gefällt.

Clueso – Erinnerungen mit Tränen

Vor zwei Tagen hatte Clueso ein weiteres Heimspiel in der Erfurter Messehalle. 2017 war ein großes Jahr für den Thüringer, der sich in den letzten Jahren, wie kaum ein anderer Künstler, gehandelt, verändert und den Erfolg dafür erhalten hat. Begonnen mit Hip-Hop und Rap, ging es für Clueso über die Jahre immer weiter rRichtung Pop. Angekommen ist er nun als Künstler, der sich 2016 von allem befreien musste und die Verantwortung, die mit seiner Kreativität zusammenhing, abschüttelte. Herausgekommen ist Clueso’s Nummer 1 Album Neuanfang. Im Oktober 2016 veröffentlicht, kommt nun mit Erinnerungen 14 Monate später nochmals eine Single raus, die gleichzeitig wie eine Verabschiedung klingt. Mit Melancholie, Rückblicken auf seine Karriere und den Höhepunkten der letzten Monate gespickt, ist das Musikvideo eine emotionale Untermalung zum fasst schon epischen Song. Hier kommt Gänsehaut auf und wer Clueso seit seinen ersten Alben begleitet hat, wird wehmütig zu diesem Song mitsingen. Aber war dieser Tenor nicht schon immer Clueso’s größter Trumpf?!

Clueso – Erinnerungen

Alex Vargas – Konzertkritik

Oftmals fliegen einem die Artikel und Sätze nur so zu, um sie zu posten. Doch ab und zu gibt es diese Musiker, bei denen man sich die Zähne ausbeißt, weil man einfach nicht die passenden Worte findet, um zu beschreiben, was für einen Eindruck sie hinterlassen haben. Genau in diesem Dilemma steckt man, hat man den Dänen Alex Vargas das erste Mal live gesehen. Sind seine Texte und Sounds doch so eindrucksvoll und dunkel. Gleichzeitig aber auch voller Energie und zerbrechlich. Doch bevor hier in der Einleitung schon das ganze Pulver verschossen wird, setzen wir alles auf Anfang.

Kiah Victoria @Prince Charles Berlin

Kiah Victoria @Prince Charles Berlin

Als Support stand gleich zu Beginn des Abends ein Stimmwunder auf der Bühne. Sang die New Yorkerin Kiah Victoria, die in Berlin geboren wurde, doch Songs wie I Ain’t Goin Nowhere, Cold War und Hollow und klang dabei wahlweise wie Beyoncé, Mary J. Blige oder, speziell bei Cold War, wie Alicia Keys. Diese Stimme drang bis ins Mark und ließ die sympathische New Yorkerin aller Aufmerksamkeit zu Teil werden. Kiah Victoria verarbeitet Urban, R&B und Soul zu einer frischen Mischung und präsentiert stimmgewaltige Songs. Nach nur fünf Songs verabschiedete sie sich dann von der Bühne, doch sollte nicht das letzte Mal an diesem Abend dort gewesen sein.

Alex Vargas @Prince Charles Berlin

Alex Vargas @Prince Charles Berlin

Wenn Ben Howard Däne wäre

Schließlich kam mit Alex Vargas ein recht extrovertierter und durchgestylter Sänger auf die Bühne des ausverkauften Prince Charles und startet in mit einem zutiefst zerbrechlichen Lasting Song in den Abend. Hier führte Vargas‘ Stimme im Zusammenspiel mit dem musikalisch, spärlich unterlegten Song für eine Blase, in der man anfing zu schwelgen, zu träumen – einfach zu versinken. Dies setzte sich auch mit dem nahtlos folgenden Cohere fort. Bei dem er ruhig aber anklagend sang und parallel zum Anschwellen des Songs auch stimmlich aus sich raus kam. Mit der Gitarre als Hintergrund konnte man deutlich erkennen, wie Musiker wie Ben Howard den Dänen beeinflusst haben müssen. Schließlich sollte mit dem dritten Song Giving Up The Ghost das Eis gebrochen werden und der Sound regelrecht explodieren. Was bis dahin der Vermutung, einen guten Singer/Songwriter zu sehen, nahe kam, änderte sich mit einsetzen der elektronischen Beats. Und davon sollten an diesem Abend noch so einige Songs folgen.

Die Besonderheit der Location zeigte sich bei Oh Love, How You Break Me Up. Ist das Prince Charles doch aus einem ehemaligen Mitarbeiterschwimmbad des Klavierherstellers Bechstein entstanden und hat an der Decke hunderte Glühbirnen, die wabernd an und aus gehen und so den Club wirken lassen, als würde der Pulsschlag dadurch sichtbar werden. Zu Oh Love, How You Break Me Up flammten die Glühbirnen dann zeitweise hektisch auf, um in einem sanften dimmen zu erlöschen. Dies verstärkte den ohnehin schon intensiven Song noch extra.

Alex Vargas @Prince Charles Berlin

Alex Vargas @Prince Charles Berlin

Nicht auf den Mund gefallen

Die ersten Worte sprach Vargas dann auch erst jetzt und bedankte sich und sagte, dass er sich über den ausverkauften Club freue, da es früher oft sehr langweilig war, in leeren Clubs zu spielen. Mit Solid Ground folgte ein weiterer, sehr dunkler Song ehe mit Till Forever Runs Out ein Song abermals ganz in Manier Ben Howards den Club durchdrang. Nur mit einer Gitarre und seiner Stimme sang Vargas so emotional, dass sich durch die Reihen des Publikums fast hörbar die Gänsehaut aufstellte. Mit Howl folgte schließlich ein vier Jahre alter Song, dem man anhörte, dass er aus einer Zeit stammt, in der Vargas noch tendenziell ohne elektronisches Equipment produzierte.

Higher Love läutete dann allmählich das Ende des Konzertes ein und Vargas scherzte mit dem Publikum, ob im Publikum eine Nurse sei, nur um zu zeigen, dass er das deutsche Wort Krankenschwester beherrsche und, dass es doch absurd sei, diesen Zugabe-Quatsch zu machen. So begründete er es damit, dass er eh noch gar nicht so viele Songs hätte und es in einer Zeit, in der eh jede Band eine obligatorische Zugabe spielte, es kaum noch als unvorbereitet und überraschend rüberkommt. Doch eine Überraschung sollte es dann doch noch geben. Hatte Vargas mit Warning doch einen komplett neuen Song auf der Liste, der vor wenigen Tagen auf einem Konzert in den Niederlanden erstmals präsentiert wurde. Dazu, holte er sich Kiah Victoria, die ihn unterstützte.

Alex Vargas @Prince Charles Berlin

Alex Vargas @Prince Charles Berlin

Wenn ein Ausfall zur Stärke wird

Direkt danach kündigte Vargas mit Shackled Up einen Song an, der unplanmäßig zum letzten an diesem Abend werden sollte. Hatte er doch Wear Your Demons Out noch im Repertoire, gab der Amplifier kurz vorher seinen Geist auf und zwang Vargas so, diesen Song auszulassen. Einmal erwähnt, begann eine amüsante Gesprächsrunde mit vielen aus dem Publikum und Vargas‘ Antworten, in denen er immer wieder beteuerte, dass er sich selbst ärgere, dass er diesen Song nicht spielen könne. Dies machte ihn so sympathisch und präsentierte ihn amüsant und sich nicht all zu ernst nehmend, dass man sich vorstellen konnte, mit ihm auf ein Bier in die Bar nebenan zu gehen. Mit einem Danke verabschiedete er sich dann ohne zu verschweigen, dass er gleich noch am Merchandise Stand anzutreffen wäre.

Alex Vargas @Prince Charles Berlin

Alex Vargas @Prince Charles Berlin

Alex Vargas hat sich mit einem Sound präsentiert, der zwischen Ben Howard und Thomas Azier hängt und deutliche an elektronischen Elementen zunimmt. Im Frühjahr 2017 schaut er wieder in Berlin vorbei, also haltet die Augen offen und seid schnell beim Ticketkauf!

The Slow Show – Eine Stimme geht unter die Haut

The Slow Show - Ordinary Lives

The Slow Show – Ordinary Lives

Es gibt Stimmen, die gehen sofort unter die Haut. Sie erzeugen ein kribbeln und schließlich Gänsehaut. Von der britischen Band The Slow Show gibt es nicht ein einziges Lied, bei dem sich die Gänsehaut nicht aufbäumt. Vor allem bei Songs wie Bloodline oder Dresden packt uns unweigerlich das Gefühl der Verletzlichkeit, Melancholie und Einsamkeit. Sich durch die Songs von The Slow Show zu hören ist, wie einer tragischen Geschichte zu lauschen die voll von Liebe, Emotionen, Kraft und Mut ist. Diese Band, die so viel erzeugt, fügt ihrer Geschichte ein neues Kapitel hinzu. Mit Ordinary Lives sind die fünf Jungs, die aus Manchester kommen, zurück. Dabei haben sie sich musikalisch etwas geöffnet. Mit Ordinary Lives klingen The Slow Show nun nicht mehr nur nach der Verletzbarkeit die das Debütalbum ausmachte. Auf Ordinary Lives klingen sie nach Aufbruch und dem Mut, etwas Neues zu beginnen. Rob Goodwin, singt sich hier mit seiner Bariton-Stimme durch 4 Minuten voll mit Streichern, Gitarren und Schlagzeug. Opulent bleiben The Slow Show auch auf dem neuesten Song, doch entlockt Ordinary Lives dem Hörer nun ein zaghaftes Lächeln. Dies alles passiert unterbewusst und löst Gefühle aus, bei denen man sich nicht sicher ist, ob sie herzzerreißende Momente oder aufkommende Freude bedeuten. Goodwin hatte mal einen Satz, als Beschreibung des The Slow Show Sounds gesagt, der die Wirkung ihrer Songs nicht besser beschreiben könnte. Stille ist das lauteste Geräusch, das Musik haben kann. Sowohl auf einem Album als auch bei einem Konzert erzeugt Stille Spannung wie auch Unbehagen und ist deshalb so kraftvoll. Und auch wenn auf Ordinary Lives keine Stille existiert, trifft dieser Satz einmal mehr auch hier zu.

Lollapalooza Berlin 2016 – Großstadtdschungel – Tag 1

Lollapalooza Berlin 2016

Lollapalooza Berlin 2016

Es war der Schmelztiegel der Festival-Sommers. Bei so gut wie keinem anderen Festival in diesem Jahr und dieser Größe gab es wohl bessere Wetterbedingungen als bei dem am 10. und 11. September stattgefundenen Lollapalooza. Bereits das zweite mal machte das, aus Chicago kommende, Festival halt in Deutschland und somit Berlin.  Was 2015 noch mit knapp 45.ooo Besuchern durchgeführt wurde, reichte 2016 mit 70.000 Gästen pro Tag um das größte Stadtfestival Deutschlands zu werden. Ob nun der Begriff Stadtfestival sein muss, um sich zu positionieren – darüber kann man streiten – doch auch ohne diesen Zusatz war das Festival mit insgesamt 140.000 Besuchern an zwei Tagen eines der größten des Landes. So zog es natürlich auch einige namhafte Künstler an und konnte mit Headlinern wie Radiohead und den Kings Of Leon aufwarten. Aber auch fernab der großen Namen gab es viele sehenswerten Acts und vor allem einen ganz großen Highlight –  dem Festivalgelände selbst.

Vom Stadtpark zum Märchenwald

Wer den Treptower Park kennt, weiß, dass der Park so einige verzauberte Ecken hat. So kam dazu, dass die Veranstalter des Lollapalooza’s überall, ob der vielen Bühnen, Getränke- und Imbissstände, kleine Entdeckerinseln schufen. Da konnte man sich kostenlos Fotos in einer Fotobox erstellen, in einem Zirkus seinen Kopf durch Schablonen stecken und so Bilder als Dompteur oder Rad fahrender Bär machen. Aber boten natürlich auch die Sponsoren allerlei Unterhaltsames an ihren Ständen an. Mit einem Pop-up Club der ganz besonderen Art, sorgte hier eine Zigarettenmarke für viel Aufsehen. War der Club doch voll mit Technik und neuesten Hightech-Equipment. Da konnte man mit Virtual Reality Brillen in eine digitale Wüste eintauchen oder harte Drum’n’Bass Beats mit seiner bloßen Hand in der Luft erzeugen. Dies alles wurde von einem spacigen Design abgerundet.

Von Lindsey Stirling bis Max Herre

Der Samstag begann mit dem Auftritt der amerikanischen Violinistin Lindsey Stirling. Bekannt für ihren Mix aus klassischer Musik und Dubstep schaffte es Stirling erstaunlich schnell eine große Menge an Zuschauern vor die Mainstage 2 zu bewegen. Da wurden ihre aktuellen Singles wie Prism und Something Wild genauso gespielt, wie ihre bekanntesten Songs Crystallize und Shatter Me. Nach knapp einer Stunde war der Zauber der Violine vorbei und ließ sichtbar viele fragende Gesichter zurück. Konnten einige doch nicht glauben, dass sich klassische Violinenmusik so gut mit Dubstep verträgt und dieser Mix sogar tanzbar war. Während auf der Mainstage 1 die Briten von Catfish And The Bottleman mit ihren großen Hits Homesick und Kathleen begannen und auf der Perry’s Stage der norwegische DJ Matoma mit sommerlichen Tropical House Remixen für Open-Air-Stimmung sorgte, drehte ein kleiner Underdog auf der Alternative Stage so richtig auf. Mit Songs wie What Love, Four, Give Me A Reason oder OB1 zeigten die Australier von Jagwar Ma, was für einen fantastischen Psychedelic Rock die drei drauf haben. Immer ein wenig an der Grenze des künstlerischen Ausprobierens zeigte vor allem Sänger Gabriel Winterfield mit seiner Spielfreude, dass sich die Band gerne auch mal einfach der Musik hingibt und so ein Song schnell mal 6-7 Minuten lang werden kann. Bewundernswert hierbei war, dass trotz der langen Songs nie Langeweile aufkam.

Kaiser Chiefs – Wir spielen um unsere Berechtigung

Keine halbe Stunde nach Jagwar Ma kamen die britischen Indie-Urgesteine auf die Bühne. Auf einer überdimensionalen LED-Wand im Hintergrund wurden in großen Lettern die Kaiser Chiefs angekündigt, welche die Indie-Bewegung der 2000er wie kaum eine andere Band mitbestimmt haben und mit modernen Klassikern wie Ruby, I Predict A Riot, Oh My God oder Never Miss A Beat für die Dancefloorkiller sorgten. Doch nachdem ihr 2011er Album The Future Is Midieval sehr deutlich die Erwartungen verfehlte und auch das nachfolgende Album Education, Education, Education & War, außer in Großbritannien, eher verhalten aufgenommen wurde, hatten es die fünf Briten in letzter Zeit recht schwer.

Ob die musikalische Neuausrichtung auf ihrem, am 7. Oktober erscheinendem, sechsten Studioalbum Stay Together für eine Kehrtwende sorgt, werden wir in einigen Wochen wissen. Was allerdings fernab des kommerziellen Erfolges bei den Kaiser Chiefs immer erwartbar ist – das ist eine atemberaubende Show. Und diese gab es dann auch. So sang sich Ricky Wilson durch 60 Minuten vollgepackt mit allen relevanten Kaiser Chiefs Songs und zeigte dabei eine Energie, die man sich bei so einigen Künstlern hätte gewünscht. Da sprang Wilson von einer Monitorbox zur nächsten und sang sich durch Ruby, Parachute, Coming Home, Modern Way, Hole In My Soul und viele mehr. Zwischendurch plauschte Wilson dann immer wieder mit dem Publikum und wies auf das kommende Album und die anstehende Tour hin. Immer wieder dabei, die Manager und Tourmitglieder fernab der Band, die im Graben standen und sich das Spektakel zwischen Band und Publikum ansahen. So war man nach 60 Minuten ausgepowert und brauchte erst einmal etwas Entspannung.

Vom unendlichen Chillen zu tiefen Emotionen

Von den Kaiser Chiefs in Richtung der Mainstages aufgemacht, empfing Max Herre alle dazugestoßenen mit Songs wie Wolke 7 oder Esperanto. Seine unglaublich entspannte Art und sein lässiger Gesang passten wunderbar zu den 30°C und Sonnenschein. Auf der Bühne unterstützt hatten ihn Joy Denalane, Philipp Poisel, Afrob und Megaloh. Hier sang sich Philipp Poisel dann bereits für seinen Auftritt auf der Mainstage 1 warm, denn direkt nach Herre ging es für ihn dort weiter. Hatte er in den letzte zwei Jahren gerade mal fünf Auftritte absolviert, sollte das Lollapalooza als großes Comeback dienen. Schließlich kam eine Woche später seine neue Single Erklär Mir Die Liebe raus. Doch was Poisel hier auf der Bühne ablieferte, ließ wohl die größten Fans sprachlos zurück. Denn es flossen Tränen. Nicht etwa beim Publikum, sondern bei Poisel selbst. Wer bereits Auftritte des Baden-Württembergers genießen konnte weiß, dass Poisel einen verletzbaren Charakter hat. Mit seinen Texten, die tief berühren können und seiner zurückhaltenden Art des Vortragens zeigt er seit Beginn seiner Karriere, dass er kein Rampenlichtkünstler ist. Auf dem Lollapalooza allerdings, begann Poisel bei seinen Songs dann tatsächlich zu weinen. Und genau dieser Moment war es, der Menschen, die nicht zu Poisels Fans zählen, die Gänsehaut auf die Arme brachte. Obwohl das Konzert von Arte Concerts mitgeschnitten wurde, gibt es diesen Teil leider nirgends im Netz zu finden. Und das, obwohl genau dieser Auftritt wohl der authentischste des ganzen Festivals sein sollte. Denn was kann es wertvolleres geben, als ein Künstler, der seine Texte fühlt und tatsächlich zu ihnen eine Verbindung aufweisen kann? So sang das Publikum, wenn Poisel die Stimme versagte, und ging mit allen Songs des 31 Jährigen mit.

Es folgt DER HEADLINER

Anderthalb Stunden. So lange dauerte die Umbauzeit auf der Mainstage 1 von Philipp Poisel zu Kings Of Leon. Und obwohl der Platz vor der Bühne bereits bei Poisel bis zu den hinteren Bäumen gefüllt war, kamen gefühlt nochmal mindestens 40% der Festivalgänger dazu. Alles, um die amerikanische Rockband Kings Of Leon zu sehen. Wurde einen Tag zuvor ihre neue Single Waste A Moment, des kommenden Albums We Are Like Love Songs, veröffentlicht, sollte es insgesamt bei nur zwei Songs aus diesem Album bleiben. Vielmehr spielten die KOL’s auffällig viele Songs aus ihrem dritten, vierten und fünften Album. Hier waren allen voran Songs wie Closer, On Call, Notion, Fans, Pyro und natürlich Use Somebody und Sex On Fire die absoluten Lieblinge des Publikums – konnten hier doch viele mitsingen.

Was allerdings sehr stark auffiel – und das im direkten Vergleich zu den anderen Künstlern dieses Tages – war, dass sich die Band um Caleb Followill nicht wirklich bemühte eine Verbindung zum Publikum aufzubauen. So folgte ein Song nach dem anderen und zwischendurch ab und an ein We Love you, We are Kings Of Leon oder You’re the best. Was genau Followill mit dem letzten Satz eigentlich meinte, konnte man anhand des nicht überspringenden Funken, kaum erfassen. Einen kurzen Moment der Persönlichkeit gab es dann allerdings doch, als Caleb Followill das Publikum bat für seinen Cousin Matthew zum Geburtstag ein Ständchen zu singen. Gesagt, getan ging es für die Band schnurstracks weiter im Programm. So folgte ein Song nach dem anderen und so blieb das Konzert unerwartet unspektakulär und störrisch.

Und so kam man am Ende des Tages mit den ersten Highlights nach Hause und freute sich auf den zweiten Tag, der den Drang nach Wasser und Schatten im Vordergrund rücken lassen sollte. Dazu dann morgen mehr.

Lollapalooza Berlin 2016

Lollapalooza Berlin 2016

Paolo Nutini - Iron Sky

Paolo Nutini – Einer der letzten Soulnachwüchse

Die Stimme von Paolo Nutini ist wohl einzigartig. Kennt man doch solche Stimmen sonst nur aus den souligen 60er Jahren. Die Kraft die hinter Nutinis Gesang steckt, wird wohl Jedem die Gänsehaut über den Rücken jagen. Und so ist auch die neueste Single aus seine Album Caustic Love extrem eindringlich. Iron Sky ist aber auch ein Kunstwerk dessen Künstler, der selbst Teil dessen zu sein scheint. So zeigt das fast 9 minütige Video diverse Menschen unterschiedlicher Nationen und Hintergründe, doch haben sie alle eines gemein, sie sind den Drogen und anderen Abhängigkeiten verfallen. Wohl aus dem Grund hat Nutini auch einen persönlichen Bezug, ist er doch bekannt für seine Alkoholprobleme, die zuweilen bis auf die Bühne getragen werden. Doch das alles erblasst durch die Dramatik des Songs bei der man zu denken scheint, dass ein Abschied kurz bevorsteht.

Alex Clare - War Rages On

Alex Clare – Schreibt das zweite Kapitel

Er ist wieder da – Alex Clare hat nach seinem überragenden Erfolg mit Too Close nicht untätig rumgesessen. Liefert er doch gerade eine neue Single ab. War Rages On ist eine intensive, ergreifende und treibende Nummer und lässt Clares Stimme imposant und tief wirken. Ist es doch die Mischung aus Dubstep und den ergreifenden Lyrics, die uns eine Gänsehaut bereitet. Denn auch als Ballade würde dieser Song einzig und allein durch den Text schon groß wirken.