Austra - Risk It

Austra – Stimme in ungeahnte Höhen gepitcht

Es klingt ein wenig so, als würde ein verspielter Song aus einer Kindersendung am Samstagnachmittag laufen – hört man sich den neuen Song Risk It von Austra an. Da ist diese enorm gepitchte Stimme von Frontsängerin Kaitlin Austra Stelmanis, die den Song anfangs etwas schwer verdaulich klingen lässt. Doch umso öfter man Risk It hört, umso vertrauter wird der Song und man nimmt plötzlich die Trompeten wahr oder Stelmanis gewohnt tollen Gesang in den Strophen und schließlich den Text, der davon erzählt, zu viel Angst davor zu haben, eine Beziehung zu beenden. So ist der Refrain aus den Worten Risk It, I wouldn’t risk it wie ein Zwiegespräch zwischen Stelmanis selbst. So eine Art guter Engel, böser Engel, die der Sängerin sagen wollen, was sie zu tun hat und was sie besser bleiben lassen sollte. Und letztendlich erkennt man in Risk It – trotz der neuen – hohen Töne, einmal mehr ganz klar heraus, dass es sich um einen Song der kanadischen Band handelt, die mit ihrem langsamen, elektronischen Sound eine Art Wolke bilden, die einmal mehr für 3:57 Minuten alles um einen herum einnimmt. Risk It ist gleichzeitig der erste Vorbote für das Album HiRUDiN, welches für den 1. Mai 2020 zur Veröffentlichung geplant ist. Ebenso gibt es mit dem 18. Mai in Berlin und dem 21. Mai in Wien bereits zwei Konzerttermine für die es Tickets zu kaufen gibt. Ob noch mehr Termine in Deutschland folgen werden, steht zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht fest.

Fickle Friends - Amateurs

Fickle Friends – Frischer Wind im Sound der Brightoner Band

Mit ihrem Debütalbum You Are Someone Else hatte die britische Band Fickle Friends ein Pflichtwerk abgeliefert. Denn bereits mit den Singles SwimCry BabyBrooklynSay No More und The Moment hatten sie ordentlich Material veröffentlicht. So wunderte es schließlich auch nicht, als auf dem Debütalbum eine Tracklist von satten 16 Songs bekanntgegeben wurde. Was alle gemein hatten, waren die großen Popmomente, die beeinflusst von den 80er Jahren mit Synthies und einer catchy Stimme, von Frontsängerin Natassja Shiner, begeisterten. Doch der Erfolg des Albums – mit einem Einstieg in die britischen Top-10 der Albumcharts – bedeutete auch Erwartungen. Erwartungen, die der Band schließlich zusetzten und dazu führte, dass die weitere Arbeit an neuer Musik den Ausstieg des Lead-Gitarristen Christopher Hall zu Folge hatte. Nun haben die Fickle Friends mit Amateurs die erste neue Single seit knapp zwei Jahren veröffentlicht und überraschen mit einem ungewöhnlich verkopften Song. Denn Amateurs klingt nun weniger verspielt, sondern deutlich erwachsener und drängender. Dabei bleibt er vom Sound nach wie vor eine großartige Popnummer, die frisch und auf Zack ist. Mit Amateurs sind die Brigthoner wieder unterwegs und holen uns im Dezember mit ein paar Terminen zu Konzerten direkt auf die Tanzfläche zurück, wo sie uns vor knapp einem Jahr alleine stehen lassen haben.

The Big Moon - Your Light

The Big Moon – Renommiert und trotzdem Newcomer

Es ist ein kleiner Widerspruch in sich – hat doch die vierköpfige, Londoner Frauenband The Big Moon 2017 bereits ihr Debütalbum veröffentlicht – wurden sie in dieser Zeit mit ihrem Debüt Love In The 4th Dimension für den renommierten Mercury Prize nominiert und schafften es mit ihren Singles sogar bis in die Shortlist von Annie Mac bei der BBC. Nun sind sie mit der Ankündigung zu ihrem zweiten Album zurück, das den Namen Walking Like We Do trägt und am 10. Januar 2020 veröffentlicht wird. Frontsängerin Juliette Jackson erklärt dabei, dass die Idee zur neuen Single Your Light daher kam, dass sie das Gefühl hatte, dass gerade der schlimmste Moment von allen sei, um auf der Welt zu sein. Dass es gar nicht mehr schlechter gehen könnte. Und dann guckt man zurück und stellt fest, dass anscheinend jede Generation schon einmal an diesem Punkt war, dass sie dachten, sie werden die letzte Generation auf der Erde sein. Der Song soll einen aus diesem Gedanken holen und für einen Moment die Sonne in das Leben lassen und die dunklen Gedanken wegfegen. Mit dieser Erklärung klingt die neue Single Your Light gleich noch einmal deutlich frischer und bringt uns tatsächlich die gute Laune und neuen Schwung in den Alltag. Dabei ist vor allem das Musikvideo zu der Single äußerst sehenswert und lässt den Wunsch wachsen, auch einmal so ein kuscheliges kleines Monster rumzufahren. Mit ihrem kommenden Album im Gepäck stehen Jackson, Soph Nathann, Celia Archer und Fern Ford Anfang des kommenden Jahres, als Support-Act von Bombay Bicycle Club, in Großbritannien auf der Bühne und werden uns mit ihrem frischen Sound begeistern.

Polica - Driving

Poliça – Album Nummer 5 und neue Single

Erst vor knapp zwei Wochen veröffentlichte Lane 8 – nach seiner 2017er Kollaboration mit Poliça auf der Single No Captain – die neue Single Brightest Lights, die abermals mit der amerikanischen Band entstand. Nun haben Poliça selbst neue Musik angekündigt und, dass am 31. Januar 2020 ihr fünftes Studioalbum When We Stay Alive erscheinen wird. Nach ihrer Zusammenarbeit mit dem Berliner experimentierfreudigen Orchesterkollektiv rund um André de Ridder und Emanuel Florakis – s t a r g a z e – haben Poliça 2018 das daraus resultierende Album Music for the Long Emergency (2018) veröffentlicht. Hierfür lebte die Band 2017 sogar einige Monate in der deutschen Hauptstadt. Nun kommt mit Album Nummer fünf das erste Album, nach dem schweren Unfall, bei dem Frontsängerin Channy Leaneagh vom Dach ihres Hauses stürzte und für Wochen ans Krankenbett gebunden war. Hierbei kam der Kampfgeist auf, das Leben schnellstmöglich wieder voll und ganz in den eigenen Händen zu haben und alles auskosten zu können, was man nur kann. Mit Driving veröffentlichen Poliça gleichzeitig auch die erste Single aus dem kommenden Album und zeigen einmal mehr, warum sie so anders sind. Mit mystisch, hallenden Sounds, Leaneaghs streichelndem Gesang und einem fragmentartigen Beat ziehen uns Poliça einmal mehr in ihren Bann. Dass wir diesem nicht entkommen können, werden Poliça uns auf einem der fünf Deutschlandkonzerte beweisen. Haltet also Ausschau!

Moonlight Breakfast - Dance Moves

Moonlight Breakfast – Den Beat im Blut

Ihr drittes Album Affection ist ein reinster Erfolg. Mit den darauf enthaltenen Songs – wie Summer oder Look Up – hat das rumänische Trio Moonlight Breakfast innerhalb der letzten 12 Monate weltweit die Herzen der Indiefans erobert. Durch verspielte Beats, mystische Arrangements und einem Gesang der Frontsängerin Christie, der mal hauchend, mal mit Kopfstimme und dann wieder ganz geerdet klingt, haben sich Moonlight Breakfast diesen Erfolg auch redlich verdient. Nun haben sie mit Dance Moves eine weitere Single aus Affection veröffentlicht und folgen damit dem aktuellen Trend der James-Bond Erzählweise. Im 80er Jahre Stil mit Bauhaus-Optik und ganz viel Farbe spielt sich die Band durch die Geschehnisse bei einer Sommerparty. Dabei erinnert der Grundbeat von Dance Moves an Michael Jacksons Thriller und klingt gleichzeitig verboten süß. Zeitgleich erscheint mit der Veröffentlichung des Songs eine gleichnamige EP mit weiteren Remixen von Bazooka über Adam Stacks, bis hin zu Happy Gutenberg. Moonlight Breakfast hat den Sound, den wir alle gerade so dringend brauchen. Den Sommer noch in den Knochen fühlend bereiten wir uns auf die kalte Jahreszeit vor und blicken wehmütig auf die Zeit unter freiem Himmel und bei lauschigen Temperaturen zurück.

Sophie And The Giants - The Light

Sophie And The Giants – Große Stimme, großer Sound

Einer der ersten Sätze, die man auf der Homepage des Britischen Quartetts Sophie And The Giants aus Sheffield lesen kann, ist When you’re younger you think you know how the world works… But you fucking don’t. Dieses direkte Selbstbewusstsein strahlt die gerade einmal dem Teenageralter entwachsene Band mit jedem Ton auf ihren Songs aus. Sie selbst beschreiben sich als praktizierende Band von vorwärts guckenden, linksorientierten, emotionalen Pop. Was man sich darunter vorstellen kann, sehen wir seit Jahren bei der Queen des emotionalen Pops – Florence And The Machine. Ohnehin hat die Band sehr viel gemein mit der Florence Welch und ihrer Band. Der Sound, die großen Gefühle und sogar den ähnlichen Aufbau ihres Bandnamens. Für ihre aktuelle Powerballade The Light hat sich die Frontsängerin Sophie Scott ein Thema von der Seele geschrieben, welches sie selbst durchlebt hat und die Kraft, den Mut und das Durchhaltevermögen an die Welt weitergeben will. Ihr ging es auf The Light darum, zu zeigen, dass es am Ende eines Tunnels immer auch wieder Licht gibt. Dabei klingen Sophie And The Giants unglaublich erhaben, voller Kraft und zeigen sich als Newcomer schon fest verankert in großen Pophymnen die uns rausreissen sollen und zum Träumen anregen.

Caravan Palace - Plume

Caravan Palace – Gewohnt vielseitig

Caravan Palace haben diesen ganz bestimmten Stil – mit Electroswing, Jazz und Pop, Musik zu erzeugen, die ins Ohr geht und darüber hinaus stets frisch und locker klingt. Mit Miracle konnten wir uns dieses Frühjahr bereits vom ersten Vorboten des kommenden, vierten Albums Chronologic, überzeugen und verliebten uns sofort. Nun sind Caravan Palace, um Frontsängerin Zoé Colotis, mit einer weiteren Singleauskopplung zurück, ehe am 30. August Chronologic in den Läden steht. Plume ist dabei eine Verschmelzung aus Spiritualität – hört man auf den Songtext, wird dies schnell klar – und tanzbaren Klängen. Herausgekommen ist ein hüpfender Beat, der durch Colotis‘ verträumten Gesang zu einer Art Gegenpol anschwillt. Hierbei wird man als Hörer zwischen der Tanzfläche und einem verträumten-auf-dem-Sofa-liegen-Moment hin- und hergerissen, doch entscheidet sich am Ende immer wieder für das, wofür Caravan Palace stehen – einen unglaublich tanzbaren und Freude-weckenden Sound zu kreieren.

Barrie - Darjeeling

Barrie – Supernova Dreampop

Sie sind tatsächlich ein neuer Stern am Indiepophimmel und haben mit ihrem am 3. Mai veröffentlichten Debütalbum Happy To Be Here eine Menge Material herausgebracht, welches zu einem Abend unter der Discokugel passt. Sie selbst kommen aus Brooklyn, New York und haben sich über die verschiedensten Wege kennengelernt. Einer dieser Wege ist das Zusammenkommen von Sabine Holler und der Band. War die Deutsche Sängerin doch gerade aus Berlin nach New York gezogen und nutzte Tinder, um neue Menschen kennenzulernen, hatte die Band genau auf diesem Portal ein Profil erstellt, mit dem sie noch eine Bassistin suchten. Gesucht, gefunden beschreibt Namensgeberin und Frontsängerin Barrie die Band in Interviews dann auch gerne mit den Worten Ein Teil dessen, was die Band so großartig macht ist der Fakt, dass hier ein Haufen Freaks zusammengekommen sind, die super zugängliche und fantastische Musik zusammen machen. Da ist eine Art natürliche Experimentierfreudigkeit, die die Band antreibt. Auf ihrer aktuellen Single Darjeeling zeigen sie dann auch, wie diese Experimentierfreudigkeit klingt. Mit 80er Jahren Synthies – die eine Erinnerung auslösen, bei der man sich nicht sicher ist, ob man überhaupt dabei war – und Dreampop singt Barrie sanft zu den Beats und klingt dabei unaufgeregt aufregend. Darjeeling ist damit der perfekte Opener, um die Band einem breiten Publikum vorzustellen und ihre Musik in die Welt zu tragen.

Juli - Fahrrad

Juli – Fünf Jahre auf dem Rad durch die Nacht

Seit ihrem Debütalbum Es Ist Juli sind mittlerweile 15 Jahre vergangen. Kam das zweite Album Ein Neuer Tag nur zwei Jahre nach dem Debüt raus, folgten bei den weiteren Veröffentlichungen lange Pausen zwischen den Alben. So hatte die in Gießen gegründete Band für ihr drittes und viertes Album In Love (2010) und Insel (2014) jeweils vier Jahre gebraucht. Nun stehen sie davor, ihr fünftes Album zu veröffentlichen und beenden mit der Single Fahrrad eine fünf Jahre währende Bandpause. Würde diese lange Auszeit bei anderen Bands als Comeback gezählt werden, ist es bei der – mittlerweile überwiegend in Berlin lebenden – Band fast schon gängig. Nach Jahren des privaten Austobens oder Entschleunigens ist es Juli gelungen, mit Fahrrad einen wunderbaren Popsong zu schreiben, der an die eingängigen und kräftigen Songs der Band anknüpft. Hier geht es um Freiheit, zu jedem Zeitpunkt machen zu können, was man möchte. So ist es eine große Leidenschaft der Frontsängerin Eva Briegel, nachts mit dem Rad durch die leeren Straßen der Hauptstadt zu fahren. Juli haben nach fünf Jahren mit Fahrrad eine Single veröffentlicht, die so sehr ins Ohr geht, dass man sich fast vorkommt, als wäre die Band nie weg gewesen.

Caravan Palace - Miracle

Caravan Palace – Die Melodien kehren zurück

Für Schnellschüsse waren die Franzosen von Caravan Palace noch nie bekannt. Kam ihr Debütalbum Caravan Palace 2008 auf den Markt, dauerte es satte fünf Jahre, ehe mit Panic ihr zweites Album veröffentlicht wurde. Weitere drei Jahre später folgte mit <|°_°|> 2015 ihr drittes und bis heute erfolgreichstes Album. Hiermit konnten sie sich – nicht zuletzt durch den Erfolg der Single Lone Digger – sogar in den britischen Charts platzieren. Mit der Veröffentlichung des neuesten Songs Miracle beenden Caravan Palace, um Frontsängerin Zoé Colotis, nun abermals eine längere Pause von vier Jahren und zeigen, dass ihr Sound keinen Stillstand zulässt. So ist der vormals durch Elektroswing geprägte Sound einem verspielt, funkigen Elektropop gewichen, der an Songs wie Breathe von Télépopmusik erinnert. Dabei haben sich Caravan Palace für das Musikvideo etwas ganz besonderes ausgedacht. Mit der Produktionsfirma Double Ninja haben die Franzosen ein Musikvideo über die sexualisierte Darstellung von Frauen in den Medien und einem Aufzeig in umgekehrter Weise kreiert. Damit haben sie nicht nur dafür gesorgt, dass sie bei den Berlin Music Video Awards eine Nominierung erhielten, sondern gleichzeitig auch noch von Youtube als zu freizügig eingestuft wurden und man so das Musikvideo nur mit der Altersfreigabe Ü18 ansehen kann. Daneben ist Miracle ein verdammt guter Ohrwurm, der sich als sympathische Popnummer präsentiert, die unbeschwert und fröhlich klingt.