Fickle Friends – Leben den Moment

Es ist erst ein halbes Jahr her, das die südenglische Band Fickle Friends ihr Debütalbum You Are Someone Else veröffentlichte. SOML begleitet die Fickle Friends bereits seit nunmehr über vier Jahren und hat mit einem Interview im Frühjahr 2015 deren Entstehungsphase festgehalten. Nun haben die Brightoner mit Palmeira Music ihr eigenes Plattenlabel gestartet, auf dem sie ihre neue EP Broken Sleep am 9. November veröffentlichen werden. Darauf enthalten ist die nun veröffentlichte Single The Moment. Diese hält genau das Gefühl fest, welches die Band bei ihrer aufregenden US-Tour erlebt hatte. Mit Konzerten in 9 US-Städten und einem Tag frei in Las Vegas, haben die fünf Briten ein Musikvideo aufgenommen, welches exakt das widerspiegelt, was die Band seit Monaten erlebt – den Moment genießen, und darüber hinaus auch noch darüber schreiben. Damit ist The Moment wieder in typischer Fickle Friends Manier geschrieben und klingt nach klebrig, süßen 80er-Jahre Pop. Fickle Friends zeigen so, einmal mehr, dass sie wissen, wie ein perfekter Pop-Song klingen muss und verbinden dabei ganz nebenbei noch ihre Erlebnisse der letzten Monate.

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Kytes – Indiehit erster Klasse

Wenn schon die Briten aktuell keinen Indie mehr hervorbringen, tut sich in den letzten Jahren so einiges in Deutschland. Mit Razz, den Giant Rooks und Kytes auf der Überholspur, werden auch ihre Songs immer öfter von den Radiostationen gespielt. Dabei kommt letztere Band aus München und stellt nun mit Remedy die neueste Single der im Januar erscheinenden EP Frisbee vor. Hierauf klingen Kytes so unfassbar locker und haben mit dem zugehörigen Musikvideo eine amüsante Indoor-Sommeratmosphäre geschaffen. Mit digitalem Pool, Bildeinstellungen irgendwo zwischen – von amerikanischen Hip-Hop Videos inspirierten – Nahaufnahmen Eis essender Badenixen und weiteren weirden Aktionen begeistern Kytes nicht nur durch das Video, sondern natürlich auch mit einem satten Indieohrwurm. Mit groovigen Gitarrenriffs und einer eingängigen Beatfolge ist Remedy ein absoluter Hit und lässt Michael Spieler, Timothy Lush, Kerim Öke und Thomas Sedlacek – alias Kytes – ins Rampenlicht der deutschen Indieszene treten. Die nächste Indiedisco-Nacht kann also kommen!

Josh. – Der Sommerhit des Herbstes

Es ist diese raue Stimme, der liebenswerte Text und ein sympathischer Name, der seit Monaten schon in Österreich sein Unwesen treibt. Dabei singt der Österreicher Johann Sumpich – der sich für den Song Cordula Grün schlicht Josh. nennt, über eine Frau, die ihm in einer Tanzbar ins Auge fiel und er nicht mehr von ihr lassen konnte. Sie verdrehte ihm den Kopf und so landeten sie in ihrem Bett – ehe er herausfand, dass das doch weit komplizierter war. Mit diesem sympathisch, menschlichen Blick auf solch einen Moment und einem leichtgängigen Text, schafft es Josh. zu erst in Österreich aus dem Nichts bis auf Platz 5 und nimmt nun Anlauf die deutschen Top-10 der Singlecharts zu erklimmen. Dabei ist Sumpich kein Newcomer im eigentlichen Sinne, hatte er bereits 2016 eine eigene EP namens Wie Im Kino veröffentlicht. Cordula Grün ist dabei Zweierlei – ein Glückstreffer und professionell erarbeiteter Erfolg. Denn neben Josh. als Musiker, standen ihm die Produzenten und Musiker wie Martin Kromar und Florian Cojocaru vom Wiener Musikstudio Echopilot zur Seite. Und so ist Cordula Grün der Sommerhit des Jahres 2018, der uns nun den Herbst versüßen wird.

Pool – Back to the 80’s!

Mit Lorbeeren überschüttet und selbst vom britischen The Guardian gefeiert, ging es in den letzten Jahren für das Hamburger Trio Pool auf und ab. Haben sie 2012 mit dem Song Don’t Call My Name Aufmerksamkeit auf sich gezogen, veröffentlichten sie 2015, nach einigen EP’s, Ihr Debütalbum Snacks & Suppliers. 2016 noch zwei Songs veröffentlicht, wurde es in den letzten beiden Jahren ruhig um die Jungs. Dabei standen Frontsänger Nils Hansen, Daniel Husten und David Stoltzenberg keinesfalls still. So haben sie in der Zeit etliche Songs aufgenommen, die nie das Licht der Welt erblickten. Und dennoch war diese Phase für die Band sehr wichtig, fanden sie doch immer mehr gefallen am Produzieren und veröffentlichen nun mit Moving On ihren ersten selbst geschriebenen, produzierten und gemixten Song, der als funky Indiepop-Song mit klebrigen 80er-Jahre-Synthies aufwartet und uns den Sommer noch bis weit in den Oktober hinein sichert. Und so gibt es das Trio bereits seit bald acht Jahren. So gesellen sich heute Bands wie Parcels zu ihrem Sound dazu und lassen die Hamburger damit zu Vorreitern des Genres werden.

Mumford & Sons – Folk für die ganz große Bühne

Mit ihrem dritten Album Wilder Mind hatte das Londoner Folk-Quartett eine neue Ära eingeläutet. Mit einem Sound, der deutlich elektronischer war, eckte die Band 2015 zuerst bei den Fans der ersten Stunde an. Wurden sie doch wegen ihres herzlichen Folk-Rocks geliebt und hatten somit auf Wilder Mind eine ganze Menge ihrer Identität verändert. Doch, dass dies ihre bandinternen Laufbahn voran brachte, indem sich die Band aus ihrer Komfortzone entfernt hatte, zeigte der Zuspruch, der auf die Veröffentlichung des Albums folgte und der sich in einer ausverkauften Tour widerspiegelte. Nur ein Jahr später folgte mit der Johannesburg EP ein weiterer Schritt zur Öffnung des Sounds. Hier spielten sie zusammen mit Baaba Maal und Beatenberg Songs ein, die das afrikanische Gefühl präsentierten. Nun sind sie mit der neuen Single Guiding Light zurück und kündigen mit dieser Single auch ihr viertes Studioalbum Delta für Mitte November an. Dabei kehren Mumford & Sons etwas mehr zu ihren Wurzeln zurück und klingen wieder nach mehr Folk. Die elektronische Begleitung dabei nicht außen vor gelassen, benutzen sie diese – nur stark reduziert – im Hintergrund. Typisch für die vier Jungs hat auch Guiding Light die euphorische Wirkung eines Mumford & Sons Songs, jedoch wird dies hier ungewohnt hinausgezögert und setzt erst nach etwas mehr als zwei Minuten ein. Guiding Light bietet die perfekte Brücke zwischen all den Klangausflügen des letzten Albums, sowie der letzten EP und verbindet nicht nur ihre Musik, sondern auch wieder tausende von Menschen.

Hozier – Mit voller Kraft voraus!

Für den irischen Sänger Hozier hatte sich vor fünf Jahren schlagartig alles verändert. Sein damaliger Durchbruch mit dem düsteren Song Take Me To Church hatte gleichermaßen begeistert wie ergriffen. Seitdem ist viel Zeit vergangen. Ein halbes Jahrzehnt bereits und auch wenn Hozier nie wirklich weg war, war er doch eine Zeit lang zumindest nicht mehr im Rampenlicht. Dies hat sich nun geändert, denn der – südlich von Dublin geborene – Sänger hat letzte Woche mit Nina Cried Power nicht nur eine Single, sondern gleich eine ganze EP veröffentlicht. Dabei wurde die gleichnamige Leadsingle von keiner geringeren, als Marvis Staples unterstützt – und damit einer der größten Soullegenden der USA. Dabei klingt Nina Cried Power nach einem Post-Sturm Song. Abermals treibt Hozier seine Stimme zu neuer Höchstform und lässt damit seine ganz eigene Art von Protest-Song entstehen. Denn dieses Gefühl wollte der Sänger auf Nina Cried Power übertragen und hat dabei nichts geringeres, als all seine Energie gebündelt und eine Macht von einen Song veröffentlicht.

Half•Alive – Indie mit Wow-Video

Josh Taylor kommt uns ungewohnt bekannt vor. Vielleicht liegt es am Gesicht. Oder vielleicht an der Stimme. Aber vielleicht ist er auch einfach in seiner Gesamtheit diese Art von Künstler, den wir uns insgeheim vorstellen – der sympathische junge Mann von nebenan, frisch, tolle Stimme und mit einem Hit im Gepäck. Und das mit dem Hit im doppelten Sinne – denn Josh Taylor ist der Sänger des kalifornischen Elektro-Indie-Trios Half•Alice, welches gerade mit dem Song Still Feel für einen Wow-Moment sorgt. Denn nicht nur der Song ist eingängig und hat das Potential zum Hit, sondern auch das Video hat es in sich. Wurde das Video doch im sogenannten One-Take-Modus gedreht. Was bedeutet, dass der Dreh genauso lange gedauert hat, wie das Musikvideo dauert und kein Schnitt existiert. Einmal angesehen, finden wir dann allerdings doch recht schnell Schnitte – jedoch bleibt die Sprache des Videos die eines One-Take-Videos gleich und überzeugt mit einem regelrechten Augenschmaus. Dabei ist Still Feel auch musikalisch großartig und schlägt in die Kerbe von Foster The People, nur deutlich elektronischer. Half•Alive haben 2017 ihre Debüt-EP 3 veröffentlicht und gehen nun mit der Single Still Feel den nächsten Schritt auf ihrem Weg zum Debütalbum.

Albert af Ekenstam – Eine Stimme so unendlich tief

Stellt Euch vor, Ihr wärt in Schweden, kurze Tage, lange Nächte. Der Regen prasselt schubweise an die Fenster in der Küche und ihr guckt durch sie auf die raue Ostsee. Und dann setzt diese tiefe Stimme ein, die nicht ganz klar macht, ob der Sänger gebrochen klingt, oder voller Kraft der nächsten Hürde trotzt. Dieses Gefühl – in dem Haus in Schweden – erzeugt der schwedische Sänger Albert af Ekenstam mit seinen intimen Songs, die am Kamin nicht mehr Wärme ausstrahlen könnten. Mit der Single Our Stories hat af Ekenstam nicht nur einen sensiblen Song produziert, sondern auch noch die wunderbare Ane Brun als Backgroundsängerin dazugeholt. Dabei klingt Brun völlig unauffällig und begleitet af Ekenstam so gefühlvoll, dass man sich die beiden tröstend im Arm liegend vorstellt. Our Stories ist dabei einer von vier neuen Songs, die am heutigen Freitag auf der EP Hundred Miles erscheinen. Darauf enthalten sind ausnahmslos starke, einfühlsame Songs, die af Ekenstam in eine Liga mit Ben Howard, Bear’s Den oder José Gonzáles heben.

Robyn – Die Königin der Tanzfläche ist zurück

Unendliche Nächte haben wir alle zu Robyns großen Hits, wie Show Me LoveKeep This Fire BurningBe MineDancing On My Own oder Call Your Girlfriend getanzt. Unendliche Nächte haben wir zu With Every Heartbeat eine Träne vergossen oder bis zur Besinnungslosigkeit und introvertiert für uns alleine in der Küche getanzt. Und unendlich viele Nächte haben wir nichts mehr von der schwedischen Sängerin gehört. Genauer gesagt, ist es sage und schreibe 8 Jahre her, dass Robyn ihre Body-Talk-Reihe veröffentlichte. Danach gab es zwar noch drei Ausflüge und EP-Veröffentlichungen, diese waren allerdings allesamt Kollaboration mit Künstlern wie Röyksopp. Nun hat Robyn endlich ein Lebenszeichen von sich gegeben und veröffentlicht in einem Kurzfilm ihre neue Single Missing U. Diese besticht – wie man es von Robyn kennt – durch verspielte Synthies, wummernde Bässe und ihrer sanften, fast schon hauchenden Stimme und großen Momente im Refrain. Robyn ist die Frau für die Nacht, für Hymnen und einem Gefühl der absoluten Aufgabe – nur, um den Moment zu leben. Selten schafft es eine Künstlerin, so konsequent emotionale Momente, mit Bass, Beats und Euphorie zu verbinden. Und selten haben wir uns so sehr gefreut, neues Material einer Künstlerin zu hören.

Dustin Tebbutt – Von einem zum anderen

An einem Beispiel, wie Dustin Tebbutt, zeigt sich, warum es so spannend ist, Musik zu hören. Aktiv aufzunehmen und danach zu suchen. Denn so kommt man von einem spannenden Künstler zum nächsten und stolpert so mitunter regelrecht in völlig unbekannte Acts hinein. So wie eben bei dem Australischen Singer/Songwriter Dustin Tebbutt. Gestern konntet Ihr hier noch über seine Kollaboration mit dem Duo Flight Facilities lesen, um heute bereits einen seiner eigenen Songs präsentiert zu bekommen. Hatte er mit seiner EP The Breach, die er vor vier Jahren veröffentlichte, bereits über 8 Millionen Klicks erzielen können, kommt seine neueste Single Love Is Blind mit so viel Gefühl daher, dass man regelrecht hin- und hergerissen ist und nicht wüsste, ob man weinen oder vor Freude in die Luft springen sollte. Mit viel Emotion und ganz großer Sensibilität arbeitet sich Tebbutt so langsam vor und lässt uns gar keine andere Wahl, als sich in seine Musik zu verlieben. Und so bleibt uns nur auf eine baldige, zweite EP zu hoffen und auf mehr Musik, wie wir sie von Tebbutt auf Love Is Blind zu hören bekommen.