Jamie Cullum – Einsatz mit Gefühl

Seit nunmehr 38 Jahren gibt es von der britischen BBC Television die Charityaktion Children In Need – die sich als eine Art Spendenmarathon für Kinder sieht. In diesem wurden über die vergangenen drei Dekaden mehr als 1 Milliarden Pfund gesammelt. Seit 1985 gibt es auch einen jährlichen Spendenmarathon-Song, der von bekannten Künstlern wie Lou Reed, S Club 7, Ellie Goulding oder Katie Melua beigesteuert wurde. Dieses Jahr kommt der Song von dem mittlerweile auch seit fast 20 Jahren singenden Briten Jamie Cullum. Mit Love Is In The Picture beschert uns der Jazz- und Pop-Sänger eine ruhige Pianoballade, bei der Cullum so wunderbar warm singt und gänzlich auf pathetische Momente verzichtet. Dabei klingt Cullum klar und nach Understatement, dass man sich keinen besseren Titelsong für eine Spendenaktion für Kinder vorstellen könnte. Aber auch abseits der Charityveranstaltung funktioniert  Love Is In The Picture zu den kalten und dunklen Tagen vor der Haustür. Damit passt Cullums Song perfekt in die Vorweihnachtszeit und wärmt uns alle mit seinem Sound.

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Calvin Harris & Benny Blanco – Unstoppable

Der Output an neuem Material scheint bei dem Megastar Calvin Harris unendlich zu sein. Gibt es seit seinem Debüt 2006 mit 2008 nur ein einziges Jahr, in dem der Schotte keinen Song veröffentlicht hat, nimmt die Schlagzahl an Veröffentlichungen seitdem jedes Jahr eher noch zu. Waren es Ende der 00er Jahre noch zwei bis drei Singles pro Jahr, veröffentlichte er 2017 satte sechs Singles. Hierbei müssen die Songs auch gar nicht mehr zu einem Album gehören und werden mitunter frei von diesem – noch recht statischen – Veröffentlichungsstil rausgebracht. Für das Jahr 2018 hat er nun mit seiner neuesten Single I Found You ebenfalls sechs Singles veröffentlicht und überrascht immer wieder mit satten Sounds und frischen Beats. Gab es eine Zeit, in der Harris mit Rihanna, Florence Welsh und Ellie Goulding die ganz großen Stars mit dabei hatte, orientiert sich der Produzent und Sänger immer mehr auf Newcomer oder Künstler, die gerade erst im Aufbau sind. Auf I Found You hat er sich mit dem amerikanischen Produzenten Benny Blanco zusammengetan und erstmals seit zwei Jahren auch wieder selber die Texte eingesungen. Dabei mischen beide Produzenten ihre Musik – mal mehr nach britischen House, mal mehr nach amerikanischen Dance-Pop klingend und lassen auf I Found You 100% Pop mit tanzbaren Beats von der Leine. Calvin Harris schafft es so, die Teenager, 20 und sogar 30 Somethings anzusprechen und auf die Tanzfläche zu locken.

Calvin Harris – Vom Popdance zum Soul-Futuremix

Eine Wandlung, die der Brite Calvin Harris bereits einige Male vollzogen hat, ist die Ausrichtung seiner Musik. Klang Harris auf seinem Debütalbum I Created Disco nach Funk und Disco, wurde bereits beim zweiten Album Ready For The Weekend ein deutlich modernerer Dancesound gewählt. Schließlich folgte mit den beiden Alben 18 Months und Motion der internationale Durchbruch und der Beginn einer Featuring-Ära. So gaben sich Künstler, wie Florence Welsh, Kelis, Ellie Goulding, Ne-Yo, Example, John Newman, Hurts, Rihanna, Pharell Williams und Katy Perry die Klinke in die Hand und wechselten sich im Tonstudio ab. Nun hat sich Harris abermals musikalisch verändert und den Sound der 80er Jahre aufgegriffen. Dabei greift er nicht nur die populären Elemente auf, sondern arbeitet auch mit Sounds wie Soul, Miami-Bass und Hip-Hop. Auf Harris‘ nun veröffentlichter Single Faking It sind zwar ebenfalls, mit der amerikanischen Sängerin Kehlani und dem Rapper Lil Yachty zwei Gaststimmen zu hören, doch klingt der ganze Song nach schwülwarmen Sommernächten und erotischen Momenten. Vollgepackt mit Synthiebeats ist Faking It für die nächtlichen Momente zu zweit genauso passend, wie für einen Strandausflug – und sei es in Gedanken. Harris zeigt damit, dass er, trotz des enormen Erfolges seiner zwei vorangegangenen Alben, immer noch den Mut hat, seinen Sound zu verändern und neues Terrain zu betreten.

Lena – Stärke und Einsamkeit bilden eine Symbiose

Lena – If I Wasn’t Your Daughter

Lena hat sich in den letzten Jahren verändert. Vor unser aller Augen ist aus dem damaligen 19-jährigen Mädchen, dass durch Authentizität und Lebendigkeit überzeugte, eine Frau geworden, die wir alle haben wachsen sehen. Ihr Erfolg kam holprig, steht man in Deutschland, fast schon pauschal, nationalen Künstlern kritisch gegenüber, die international erfolgreich sind. Dass sich Lena nie auf ihrem Erreichten ausruhte, machten Änderungen ihres Sounds und zahlreiche Nebenprojekte deutlich. Zeigte sich diese Lebendigkeit anfangs noch als Erfolgsgarantie, veränderte dieser Erfolg sich innerhalb der Jahre und kam immer häufiger durch die veröffentlichte Musik selbst. Vor allem durch das vierte Album Crystal Sky, welches mit internationalen Produzenten aufgenommen wurde und Lenas Gesang deutlich sauberer klingen ließ, tat sich die Fangemeinde schwer und war dennoch ein absoluter Erfolg. Schließlich ähnelt die Art Lenas Gesanges heute deutlich an die britische Sängerin Ellie Goulding. Allerdings muss man hier ebenfalls wahrnehmen, wie sehr sich Lena in diesem Gesang und ihren Songs wiederzufinden und vielmehr dort angekommen scheint, wo sie immer hin wollte. Nun hat Lena mit If I Wasn’t Your Daughter eine ergreifende Ballade veröffentlicht, die überrascht und vollends überzeugt. Überraschend deshalb, da es durchaus Mut beweist, als erste Single des bevorstehenden, fünften Albums eine Ballade zu veröffentlichen – noch dazu zur Sommerzeit. Überzeugend deshalb, weil Lena auf If I Wasn’t Your Daughter durch einen reduzierten Sound, der fast ausschließlich durch ein Klavier begleitet wird, eine unglaublich starke Ballade abliefert. Hinzu kommt Lenas kräftige, markante und hier und da auch brechende Stimme. If I Wasn’t Your Daughter ist eine ehrliche, nackte und verletzliche Aufarbeitung eines Menschen, der seit über 20 Jahren vergeblich die Liebe des Vaters sucht – doch bisher nicht erhielt. Dass Lena hier so deutlich von ihrem eigenen Erlebten singt ist zutiefst sympathisch und lässt Empathie empfinden. Auch heute – sieben Jahre nach ihrem Durchbruch – spalten sich die Geschmäcker der Deutschen an ihr. Allerdings wird If I Wasn’t Your Daughter, durch seine Ehrlichkeit für einen deutlichen Zuspruch sorgen.

Snakehips & MØ – Gefallen am R&B

Snakehips & MØ - Don't Leave

Snakehips & MØ – Don’t Leave

MØ kommt eigentlich aus der Indie-Szene Europas. Hatte die dänische Sängerin doch seit 2013 bereits vier Songs in die Charts bringen können. Dass diese Erfolge aber nur kleine Brötchen waren, zeigte der Song Lean On (2015) mit Major Lazer was möglich ist. So schaffte sie es über Nacht weltweit berühmt zu werden – schließlich verkaufte sich der Song weit über 13 Millionen mal. Was folgte, war ein enormer Push ihrer eigenen Songs und mit Cold Water, abermals einer Kollaboration mit Major Lazer und ein weiterer Hit der in 17 Ländern bis an die Spitze der Charts stieg. Mit dem nun veröffentlichten Don’t Leave, den MØ zusammen mit Joe Janiak geschrieben hat, formt sich immer mehr der Eindruck, dass sich MØ im Fahrwasser des amerikanischen R&B/Dance-Sounds wiederfindet. Bleibt ihre Stimme zwar deutlich alternativer, ist der Sound klar in Richtung US-R&B ausgerichtet. Dabei hat das britische Duo Snakehips den Song produziert und liegt genau dazwischen. Produzieren sie doch sowohl Elektro- als auch R&B-Songs. Eben erwähnter Joe Janiak hatte auch bereits Songs für Ellie Goulding, Britney Spears und Tove-Lo geschrieben. Somit hat MØ eine illustre Riege an erfolgreichen Künstlern um sich herum gescharrt und mit Don’t Leave eine Elektroballade veröffentlicht, die sympathisch wie authentisch klingt. Sieht man MØ im dazugehörigen Video doch durch Berlin ziehen und feiern, zeigt sich schnell, warum Don’t Leave seinen Titel trägt. Unterstützt wird das ganze durch einen aus Bass und wiederholenden Chorgesangssequenzen geprägten Refrain. So schafft es Don’t Leave, groß, emotional, tanzbar, oder intim zu sein – ja nach eigener Gefühlslage und damit die beste Grundlage so viele Menschen, wie möglich anzusprechen.

Lena – Und sie überrascht immer wieder

Lena - Beat To My Melody (Madizin Remix)

Lena – Beat To My Melody (Madizin Remix)

Sie schafft es immer wieder. Lena Meyer-Landrut oder kurz Lena hat seit ihrem Sieg bei Stefan Raab’s Show ‚Unser Star Für Oslo‘ immer wieder auf’s Neue überrascht. War es zuallererst der wahnsinnige Erfolg mit ‚Satellite‘ und der Sieg beim Eurovision Song Contest 2010, kehrte sie im Folgejahr auf eben diese Bühne zurück und präsentierte einen komplett anderen Song und Sound, der nicht ferne von einem kleinen niedlichen Mädchen hätte sein können. Mit ‚Taken By A Stranger‘ schaffte sie es dann immerhin bis auf Platz 10 beim Eurovision 2011.
Was folgte waren, nach dem Nummer-Eins-Debüt von 2010, zwei weitere Alben die auf ebenso auf Platz eins und zwei landeten.
Dann wurde es, für Lena’s Verhältnisse, lange ruhig um sie. Bis sie 2015, drei Jahre nach ihrem letzten Album, mit der vierten LP ‚Crystal Sky‘ zurückkam. Hier hört sich Lena deutlich internationaler, bzw. auf dem gleichen Niveau der großen Popstars aus Großbritannien, an. Allen voran kommen Assoziationen zu Ellie Goulding auf. Schaut man einmal in die Produzentenliste, weiß man, dass das nicht von ungefähr kommt. Mit auf der Platte haben ebenso national wie international gefeierte Künstler mitgeschrieben, wie Sarah Connor und die Norwegerin Aurora.
Über ihren nun durchs Netz geisternden Song ‚Beat To My Melody‘ gibt es ebenso interessantes zu erzählen. Hat es doch der Song in seiner jetzigen Version durch den Remix des Hamburger Produzententeams Madizin in die Radios des Landes geschafft. Madizin ist ein Team, das bereits Songs für Far East Movement, Tokio Hotel und Blind Guardian geschrieben oder produziert haben. Nun kommen sie auch vermehrt in den öffentlichen Fokus, durch Remixe wie von ‚Beat To My Melody‘.
Dieser Lena Track ist so catchy und dunkel wie erstaunlich weit weg von der typischen deutschen Popmusik. Lena klingt reif, international und vernachlässigt dabei nie die Popfans. ‚Beat To My Melody‘ ist ein wunderbarer Hybrid aus Pop, Dance und Lena’s Gesang.

The Best Of 2016 Vol.: 03

The Best Of 2016 Vol. 03

The Best Of 2016 Vol. 03

01. Lukas Graham – 7 Years

02. Mount & Nicolas Haelg – Something Good

03. Beau – Gold

04. Icarus feat. Aurora – Home

05. RY X – Only

06. All Saints – One Strike

07. Williams Fitzsimmons – Hear Your Heart

08. Louis The Child feat. K.Flay – It’s Strange

09. Bat For Lashes – In God’s House

10. Jain – Come

11. Flume feat. Kai – Never Be Like You

12. M83 – Do It, Try It

13. Gypsy & The Cat – Inside Your Mind

14. Jack Garratt – Worry

15. Feder feat. Emmi – Blind

16. Ellie Goulding – Army

17. Enter Shikari – Redshift

18. Nicole Millar – Tremble

19. Danny L Harle – Broken Flowers

20. Jake Bugg – Gimme The Love

Ellie Goulding – Und sie kann es doch noch

Ellie Goulding - Army

Ellie Goulding – Army

Hörte man in letzter Zeit Songs der Britin, kam unweigerlich die Frage auf, wo die Sängerin mit der unverwechselbaren Stimme und den einfühlsamen Songs hin ist. Da waren zu viele Kollaborationen mit Calvin Harris dabei und identitätslose Songs wie ‚On My Mind‘ und ‚Something In The Way You Move‘, die in der Art von vielen britischen Sängerinnen hätte kommen können. Sicher steht sie, was ihren Erfolg angeht, momentan ganz oben und erreicht weltweit Spitzenpositionen mit ihren Songs, doch fragte man sich zuletzt als Hörer, der Goulding durch Songs wie ‚Under The Sheet‘ und des herausragenden Elton John-Covers ‚Your Song‘ entdeckt hatte, ob sie diese Art der Popmusik noch anbieten würde.
Nun kann ein klares JA als Antwort gegeben werden. So ist die zweite Veröffentlichung ihres dritten Albums ‚Delirium‘ eine große Ballade, wie man es von ihren Anfängen kennt. ‚Army‘ ist groß, hallend und mit Chor gesungen. Gouldings Stimme ist so stark, klar und präsent wie zuletzt kaum noch und bringt das Gefühl zurück in ihre Musik. So scheint es, als würde Goulding sich momentan ausprobieren aber dennoch nicht ganz auf ihre Basis verzichten wollen. Fans und allen Liebhabern von ungewöhnlichen Stimmen dürfte dies gefallen.

Ed Sheeran – Mr. Ed ist zurück

Was haben wir nicht alles von Ed Sheeran in den letzten Jahren gehört. Angefangen mit seiner Debütsingle „A-Team“, das die Sehnsucht, einer obdachlosen Situationprostituierten,  nach der sogennanten oberen Schicht thematisiert, ging es weiter zu seiner Paradedisziplin des Grimes – einem Musikstil irgendwo zwischen Hip-Hop, 2Step und Dubstep. Und plötzlich war Ed Sheeran nicht nur in Europa gefragt sondern auch in Amerika, wo er sogar, nach zwei gewonnenen BRIT Awards für einen Grammy nominiert wurde. In Amerika musikalisch angekommen war er natürlich ein gefundenes Fressen für die hiesigen Boulevardmagazine, so wurde man plötzlich immer öfter besser über seine, zu Ende gehende, Beziehung mit Ellie Goulding und seiner neuen Liebschaft Taylor Swift informiert als über seine Musik. Nun kommt Ed Sheeran aber, nachdem Track „I See Fire“ zum Blockbuster ‚Der Hobbit – Smaugs Einöde‘, mit frische neuer Musik angerauscht und angerauscht kann man hier wörtlich nehmen. Denn „Sing“ ist eine catchy up-tempo Nummer die so auch von Pharell Williams selbst stammen könnte.