Mountain Bird - Tears Won't Get My Anywhere

Mountain Bird – Fusion aus Kraft und Furcht

Es ist ein zutiefst persönlicher Song, den der Schwedische Musiker Adam Öhman unter seinem Pseudonym Mountain Bird veröffentlicht hat. Denn in den vergangenen Jahren hat sich bei dem Musiker eine soziale Angst aufgebaut, die ihn in ein Leben der Isolation führten. Hinzu kommen Depressionen, die ihn zusätzlich belasten. Mit dieser Bürde schreibt der in Stockholm lebende Sänger Songs, die sich so sehr mit seinen Erfahrungen füllen, dass man als Zuhörer eine extreme Betroffenheit erfährt. Denn mit seiner aktuellen Single Tears Won’t Get Me Anywhere hat Mountain Bird nicht nur eine zutiefst berührende Kampf-Hymne gechrieben, sondern gleichzeitig auch noch einen durch Breakbeats geformten Fusionsound veröffentlicht. Mit schnellen Beats und der langsamen Gesangsstimme – die stark an Antony Hegarty erinnert – ist Tears Won’t Get Me Anywhere ein so intensiver Song, dass man sich der Geschichte dahinter bereitwillig hingibt. Gleichzeitig bedeutet Tears Won’t Get Me Anywhere auch eine Art Befreiungsschlag, denn hiermit versucht sich der Sänger freizumachen, von dem eigenen Druck, der ihn bis zu den Momenten brachte, an denen er kurz davor war, zu zerbrechen und in seiner Isolationen vor sich hin weinte. Tears Won’t Get Me Anywhere ist ein spannender, aufwühlender und unglaublich berührender Song, der mit seinem Fusionsound absolut faszinierend klingt.

Amber Run - Worship

Amber Run – Die Ruhe zwischen dem aktuellen Album

Mit ihrem neuesten Album Philophobia, das die Nottinghamer Band Amber Run Ende September veröffentlicht hat, hat die Band um Frontsänger Joshua Keogh förmlich eine Sinuskurve musikalisch umgesetzt. Denn hat Philophobia auffallend viele, große und schrammelige Rocksongs, setzen die Briten, wie bei Affection auch immer wieder ruhige Tracks dazwischen und sorgen so für ein Auf und Ab beim hören des Albums. Dabei sind es nicht nur ruhige Songs, sondern vielmehr vor Melancholie und Depression erdrückende Stücke, die uns so berühren. Haben Amber Run zur Veröffentlichung ihres dritten Albums am 27. September gleich auch alle Songs einzeln auf Youtube gesetzt, wurde Worship zu einem der Lieblinge der Fans. Hier kommen Streicher, ein Klavier und die Stimme eines äußerst verletzlich klingenden Keogh so passend zusammen, dass sich Worship zu einer herzzerreißenden Ballade zusammensetzt. Darauf singt Keogh davon, dass er eine Person liebt – diese Liebe ihm scheinbar aber nicht gut tut. Zum Ende des Songs predigt Keogh förmlich eine Realität, der er sich stellen muss und verliert sich zunehmends in den Textzeilen I lived alone before I met you. Maybe I’ll live alone again. Dass es neben all den lauten Songs auch wieder die Ruhigen sind, die Amber Run so wunderbar beherrschen, zeigt, wie sehr sich die Band alle Richtungen offen hält und einen neuen Sound ausprobiert, ohne den alten zu verlieren.

Haim – Dunkle Zeiten musikalisch umgesetzt

Mit ihrem Sommersong Summer Girl meldeten sich die Haim-Schwestern im Sommer zurück mit neuer Musik. Nun haben sie mit Now I’m In It den nächsten Song veröffentlicht und lose für 2020 ihr drittes Studioalbum angekündigt. Dabei steht Now I’m In It unter einem ganz besonderem Stern – behandeln die drei Kalifornischen Schwestern darin doch den harten Weg durch eine Depression, den die drei simultan in den vergangenen Jahren durchlebt hatten. Mit dem Gefühl, nicht aus dem Haus gehen zu wollen und der generellen Motivationslosigkeit ging auch die Einsicht einher, diese dunkle Zeit nur mit Hilfe zu überstehen. So gingen die Schwestern zu Therapeuten und besingen dies nun auf ihrer neuen Single. Diese erinnert dabei anfangs an Donna Lewis‘ Song Always Forever und wechselt durch die prägnanten Stimmen der Schwestern schließlich zu einem typischen Haim-Song. Wann das neue Album erscheinen wird, ist weiterhin offen, doch deuten zwei Singleveröffentlichungen ein baldiges Erscheinen an.

Lucy Spraggan – Das Singer/Songwriter-Herz aus Großbritannien

Lucy Spraggan hat eine aufregende Zeit hinter sich. Nahm sie 2012 an der Castingshow The X Factor teil und kam mit ihrem selbst geschriebenen Song Last Night (Bear Fear) prompt weiter, verließ sie die Show auf Grund von Erschöpfung und einem ausgebrannten Gefühl. In einem Interview, Jahre später, erzählte sie, dass die Teilnahme bei The X Factor ihr nicht gut tat und sie eine Zeit lang mit Burn-Out- und Depressionserscheinungen zu kämpfen hatte. Nichts desto trotz wollte sie weiter an ihrer Musikkarriere arbeiten und unterschrieb so – noch während der laufenden neunten Staffel von The X Factor, einen Plattenvertrag bei Columbia Records. Kurze Zeit später erreichte ihr Debütalbum, welches sie noch ohne Plattenvertrag veröffentlichte, Platz 22 der britischen Albumcharts. Drei Alben und acht Jahre später steht Spraggan nun mit Today Was A Good Day vor der Veröffentlichung ihres fünften Albums und hat mit Lucky Stars eine wunderbare erste Single veröffentlicht. Denn hier brilliert sie mit ihrem Singer/Songrwiter- sowie Indiesound und ihrem britischen Akzent und hat dabei eine wunderbar kräftige Pophymne geschrieben, die sympathisch wie natürlich rüberkommt. Dabei wollte Spraggan verdeutlichen, wie es ist, unterwegs zu sein und sich ängstlich zu fühlen, als sei man nicht von dieser Welt. Doch dann kommt man nach Hause und fühlt sich geborgen, sicher und wohl. Dabei ist einer ihrer Lucky Stars ihre Frau und ihre Familie. Spraggan wollte mit Lucky Stars ein fröhliches Musikvideo machen und mit dem Song einfach eine unbeschwerte und spaßige Zeit haben und diese an Ihre Fans weitergeben. Und das ist ihr vollends gelungen.

The Japanese House – Ein Sommer mit dunklen Wolken

Bei ihren letzten Veröffentlichungen war die Britin Amber Bain – alias The Japanese House – noch deutlich ruhiger unterwegs. Nun hat sie mit der Single Maybe You’re The Reason eine erstaunlich poppige Nummer veröffentlicht, die mit ihrer Vocoder-Stimme und einem Hauch von 80er-Jahre Stimmung glatt als Gute-Laune Song fungieren könnte – wäre da nicht der Songtext, der andeutet, dass es hier vielleicht auch um einen Schein geht, den es zu wahren gilt. So singt sie And I think I’m dying ’cause this can’t be living, should I be searching for some kind of meaning? (Und ich glaube, ich sterbe, weil das kein Leben sein kann. Soll ich nach einer Bedeutung suchen?). Bain selbst kämpft dabei immer wieder mit Depressionen und einem Sinn in so vielen ihrer persönlichen Erlebnisse. Dabei ist die 23-Jährige so produktiv, dass bereits seit der Veröffentlichung von Face Like Thunder im Herbst 2016 ein Debütalbum erwartet wurde. Nun endlich hat das Warten ein Ende – denn am vergangenen Freitag veröffentlichte The Japanese House mit Good At Falling ein atemberaubend, schönes Debüt, auf dem neben der aktuellen Single auch die Ballade Lilo zu finden ist. The Japanese House hat darauf eine Kraft in ihrer Musik, die immer wieder von weichen Sounds und schwellenden Beats durchbrochen wird und dadurch wieder und wieder neu und frisch klingt.