Sam Fender – Laut und unerbittlich

Er ist einer der spannendsten Newcomer der britischen Inseln überhaupt. Mit seinen Songs Start AgainPlay God und Dead Boys stand er im Jahr 2018 allen Newcomern voran und sorgte für einen Hype in der Kritikerszene, wie es sie sonst nur alle paar Jahre einmal gibt. Dass Fenders Ruf als einer der wichtigsten neuen Künstler aus Großbritannien keine Luftnummer ist, zeigt der 22-jährige Brite eindrucksvoll auf seiner neuesten Auskopplung. Auf Poundshop Kardashians – die für den Sänger ungewohnt poppig ausfällt – setzt er abermals fort, was bereits auf seinen vorherigen Singles ein absolutes Muss war – ein direkter Text mit lautem und zuweilen aggressiven Sound, der mahnend und gleichzeitig so bedrohlich klingt, dass man Fenders Wut über den Celebritykult der Social-Media-Generation in jeder der 156 Sekunden hören kann. Damit nicht genug, ist Poundshop Kardashians auf der EP Dead Boys zu finden und wird sicherlich auch auf Fenders Debütalbum sein, welches für den Sommer 2019 angekündigt wurde und bereits jetzt auf seiner Homepage zur Vorbestellung erwerbbar ist. Fender beschäftigen Themen der Gesellschaft, bei denen er kein Blatt vor den Mund nimmt und damit eine Sicht auf die Welt preisgibt, die bei Gleichaltrigen heute eher selten vorkommt. Das, verbunden mit der intensiven Gitarrenmusik, lässt Sam Fender zu einer der ambitioniertesten neuen Stimmen des Landes werden.

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The Japanese House – Ein Sommer mit dunklen Wolken

Bei ihren letzten Veröffentlichungen war die Britin Amber Bain – alias The Japanese House – noch deutlich ruhiger unterwegs. Nun hat sie mit der Single Maybe You’re The Reason eine erstaunlich poppige Nummer veröffentlicht, die mit ihrer Vocoder-Stimme und einem Hauch von 80er-Jahre Stimmung glatt als Gute-Laune Song fungieren könnte – wäre da nicht der Songtext, der andeutet, dass es hier vielleicht auch um einen Schein geht, den es zu wahren gilt. So singt sie And I think I’m dying ’cause this can’t be living, should I be searching for some kind of meaning? (Und ich glaube, ich sterbe, weil das kein Leben sein kann. Soll ich nach einer Bedeutung suchen?). Bain selbst kämpft dabei immer wieder mit Depressionen und einem Sinn in so vielen ihrer persönlichen Erlebnisse. Dabei ist die 23-Jährige so produktiv, dass bereits seit der Veröffentlichung von Face Like Thunder im Herbst 2016 ein Debütalbum erwartet wurde. Nun endlich hat das Warten ein Ende – denn am vergangenen Freitag veröffentlichte The Japanese House mit Good At Falling ein atemberaubend, schönes Debüt, auf dem neben der aktuellen Single auch die Ballade Lilo zu finden ist. The Japanese House hat darauf eine Kraft in ihrer Musik, die immer wieder von weichen Sounds und schwellenden Beats durchbrochen wird und dadurch wieder und wieder neu und frisch klingt.

SYML – Der Tanz der Wagnis

Es bleibt spannend bei SYML. Mit den Singles Where’s My Love und Clean Eyes hatte Brian Fennell unter seinem Soloprojekt SYML im Sommer 2017 und Herbst 2018 zwei so konträrer Songs veröffentlicht, dass man sich nur schwerlich eine Genrelinie ausmalen konnte. Nun hat Fennell mit The Bird eine weitere Single veröffentlicht, die abermals in ein ganz anderes Genre schlägt. War Where’s My Love ein so wunderbar ruhiger Folksong, preschte Clean Eyes volle Kanne in die Indie-Sphären vor. Mit The Bird wird nun aus einem anfangs ruhigen Singer/Songwriter-Song, im Verlauf eine elektronische und wabernde Traumsequenz. Dabei beschreibt Fennell selbst den Song wie folgt; Es ist nicht leicht, Jemanden mit all seinen schönen Fehlern und Feinheiten zu lieben oder sogar zu verstehen, während wir mit unseren Eigenen zurechtkommen. Es ist so zart und kalt wie stolz und kriegerisch. „The Bird“ repräsentiert diesen surrealen Tanz. Wenn wir es nicht fest genug halten, könnte es entkommen. Aber wenn wir es wiederum zu fest halten, könnten wir es ersticken. Damit beschreibt Fennell vollumfänglich den Verlauf des Songs, der zu erst sensibel und fragil erscheint, um sich um Verlauf zu einem wabernd, drängenden und dunkel wirkenden Song zu transformieren. SYML ist ein Chamäleon und zeigt damit, dass Genres für den in Seattle lebenden Musiker keine Grenzen bedeuten. So erwarten wir mit Spannung sein, für den 3. Mai angekündigtes, selbstbetiteltes Debütalbum SYML.

J.S. Ondara – Eine Stimme als wahrhaftiges Seelenstreicheln

Passt eine Lebensgeschichte auf die Startseite eines Musikers? Bei J.S. Ondara ist dies so. Zugegeben sind es satte 149 Zeilen, in die der heute 26-Jährige sein bisheriges Leben packt. Vom Aufwachsen in Nairobi und seiner damit verbundenen Armut – seine Mutter und seine Geschwister hatten in Ondaras Kindheit nur das Nötigste und musten immer hart arbeiten um überhaupt etwas zu essen zu haben – über die gesellschaftlichen Regeln – gehörst du nicht zur Mittel- oder Oberschicht, wirst Du auch nicht dorthin aufschließen können – bis hin zu seiner Emigration in die USA und dem wahr werden seines Traumes, Musiker zu werden. All das finden wir in den 149 Zeilen des Musikers und bekommen ein umfassendes Bild des Musikers und Lebenskünstlers. Nun ist mit Tales Of America sein Debütalbum erschienen und präsentiert einen Longplayer mit so viel Soul, Geschichten, Emotionen und Erlebnissen, dass man sich als Hörer kaum verwehren kann sich in der Musik zu verlieren. Ondaras Stimme ist dabei die größte Gabe, die der Sänger haben kann. So klar, so direkt und präsent singt er über Liebe, Sehnsucht und Trauer und wird immer nur von einfachen Instrumenten begleitet, die wahlweise als Gitarre, mal als Cello oder einem ruhigen Schlagzeug auftreten. J.S. Ondara ist diese Art Künstler, der uns inspiriert weiter zu denken, uns zu öffnen, Gefühle zuzulassen und uns einer Entwicklung auszusetzen, indem er durch seine Musik spricht. Ondara ist zeitlos, modern und wichtig – Musik, die Freude in uns auslöst.

Billie Eilish – Ein Traum von einem Song

Mit ihren Songs Bored und Lovely war die amerikanische Sängerin Billie Eilish bereits in den ersten beiden Staffeln des Netflix-Hits 13 Reasons Why – Tote Mädchen Lügen Nicht zu hören. Nun ist sie auch fernab des Supports durch Serien mit ihren Songs erfolgreich und ist dabei nicht einmal 18 Jahre alt. Dieser Tage ist es aber vor allem der Song When The Party’s Over der durch das Netz geistert. Ist er doch so fragil und emotional, dass man sich kaum das dazugehörige Musikvideo anschauen möchte. Hier sehen wir nämlich Eilish auf einem Stuhl sitzen und mit sich hadern, bis schließlich schwarze Tränen ihr Gesicht hinablaufen. Stimmlich und auch musikalisch erinnert When The Party’s Over dabei an Songs von Lana Del Rey und lässt ebenso Del Reys Melancholie aufleben. Für 2019 ist Eilishs Debütalbum angekündigt und lässt darauf hoffen, dass es noch weitere dieser Songs auf ihr erstes Album schaffen werden. Mit When The Party’s Over hat sie uns aber schon jetzt vollkommen in ihren Bann gezogen.

Big Wild – Der musikalische Traum

Maker klingt, wie die klangliche Untermalung eines Traumes. Sanfte Beats, eine hohe Stimme und hypnotisierende Töne lassen Maker zu dem wahr gewordenen Traumsound werden, den der 28-jährige Sänger und Produzent Jackson Stell – alias Big Wild – hier produziert hat. Kommt sein Debütalbum Superdream am 1. Februar 2019 auf dem Plattenlabel Foreign Family Collective des Elektro-Duos ODESZA raus, kann der in Massachusetts, USA geborene Musiker bereits auf eine längere Laufbahn im Musikbusiness zurückblicken. Bereits mit 14 Jahren hatte er begonnen Hip-Hop Beats zu produzieren und veröffentlichte diese unter dem Namen JBeats. Anfang 2017 bekamen wir dann das erste Lebenszeichen des Big Wild Projekts durch die Veröffentlichung der Debüt-EP The Invincible präsentiert. Darauf enthalten waren große elektronische Songs mit Gastsängerinnen wie iDA HAWK und Yuna. Mit seiner nun veröffentlichten Single Maker bekommen wir Stells Stimme selbst zu hören – die so sanft und zart klingt, dass man den Eindruck bekommt, seine eigene innere Stimme zu hören. Bereits über 100 Millionen Mal wurden die Songs von Big Wild gestreamt und lösten somit in den letzten Monaten einen ordentlichen Hype aus. Ob sich dieser Hype auch in Verkaufszahlen widerspiegeln wird, gilt es abzuwarten. Die besten Voraussetzungen dafür hat Steel mit Maker auf jeden Fall!

MJ Cole feat. Freya Ridings – Die Geschichte einer großen Stimme

Freya Ridings gilt als eine der heißesten Anwärterin, 2019 ganz groß durchzustarten. Mit ihrer Single Lost Without You schaffte sie es 2017 bis in die britischen Top-10 der Singlecharts. Nun gibt es auch einen Veröffentlichungstermin für ihr Debütalbum Freya Ridings, welches am 31. Mai 2019 erscheinen wird. Ihre ausufernde Stimme und der warme Klang lassen Ridings sofort auf einer Stufe mit Hannah Reid von London Grammar steigen – ist doch die übertragende Emotion so reich und voll, dass man eine Symphonie zu erleben scheint. Zusammen mit dem britischen Produzenten und Musiker Matthew James Firth Coleman alias MJ Cole, der bereits Musik für Mary J. Blige, Dizzee Rascal, Example oder Sam Smith produzierte und Remixe für Jess Glynne, Amy Winehouse, Alicia Keys oder Mariah Carey veröffentlichte, hat sie nun mit Waking Up eine mystische Pianoballade veröffentlicht, die voluminös und gewaltig klingt. Dieser Song wird auf MJ Coles nächster Platte zu finden sein und ebenfalls gute Chancen haben, es auch auf Ridings Debüt zu schaffen. Waking Up ist der perfekte Begleiter durch die kommenden Wintermonate, bis bei den Textzeilen I’m waking up… der Frühling erwacht.

Hayden James – Dunkler House mit heller Stimme

Es wird Zeit – mittlerweile gibt es im Netz über ein dutzend Songs des australischen Produzenten und Sängers Hayden James zu hören. Doch ein Album lässt nach wie vor auf sich warten. Nun wurde für Mitte 2019 endlich sein Debütalbum angekündigt und damit auch die neue Single Better Together. Diesen Song hat der in Sydney lebende James zusammen mit dem ebenfalls aus Australien kommenden Produzenten Running Touch aufgenommen. Mit seinem melodischen House und seiner prägnanten Stimme, sowie markanten Kollaborationen hatte James bereits mit den Songs Something About You und der Zusammenarbeit mit Boy Matthews auf Just Friends alle Aufmerksamkeit auf sich gezogen. So konnte er Something About You sogar in die deutschen Charts bringen und wurde für Dieser und Just A Lover sogar jeweils für einen ARIA Music Award als Best Dance Release nominiert. Auf Better Together klingt James dunkler und scheint die Atmosphäre der Nacht für sich entdeckt zu haben. Als Symbiose aus zwei Menschen, die sich so viel geben, dass sie fast unschlagbar stark erscheinen, versteht James Better Together und hat damit den Soundtrack es Winters abgeliefert.

Giant Rooks – Groß, Größer, Riesig

Ihr Output an neuer Musik ist atemberaubend. 2014 gegründet, veröffentlichte die Nordrhein-Westfälische Band Giant Rooks bereits ein Jahr später mit The Times Are Bursting the Lines EP die erste Musik. Wiederum nur knapp 13 Monate später folgte mit der New Estate EP der Durchbruch. Songs wie New EstateBright Lies und Mia & Keira (Days To Come) wurden über 2017 bis ins Jahr 2018 zu Publikums- und Kritikerlieblingen. Ist doch der kompromisslose Indie, den die Band um Frontsänger Frederik Rabe präsentiert, ein regelrechter Aufschrei nach guter und international klingender Musik dieses Genres. Stand das ablaufende Jahr 2018 ganz im Zeichen der großen Konzerte, mit einer ausverkauften Headlinertour durch die DACH-Region und Großbritannien, haben es die Jungs nicht ohne neue Musik zu veröffentlichen ausgehalten. Und so kommt kurz vor Torschluss 2018 mit Wild Stare tatsächlich die Überraschung. Ist die Single nicht nur abermals ein großartiges Ausrufezeichen, präsentieren sie uns für 2019 die nächste Tournee mit 22 Konzerten in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Belgien, den Niederlanden und Großbritannien. Steht das Quintett beim Berliner Musiklabel IRRSINN Tonträger – bei dem auch AnnenMayKantereit, Faber und die Leoniden beheimatet sind – unter Vertrag, dürfte es wohl nicht mehr lange dauern, bis wir das Debütalbum angekündigt bekommen. Mit Wild Stare haben Giant Rooks eine große Indie-Nummer produziert, die durch Rabes kratzig, markante Stimme und griffigen Gitarrenriffs so gut funktioniert, dass man sich nach dem nächsten Indie-Club umsehen und sofort auf die Tanzfläche springen möchte.

Grace Carter – Emotionale Suche nach einer Antwort

Inspiriert von den Sängerinnen Lauryn Hill und Nina Simone hat die heute 21-jährige Sängerin Grace Carter schon früh die Musik für sich entdeckt. Auch oder vielmehr gerade durch ihren Stiefvater motiviert, bekam Carter zu ihrem 13. Geburtstag eine Gitarre geschenkt und wurde von ihm ermutigt, Songs zu schreiben. Acht Jahre später steht sie bei Warner Bros. unter Vertrag und veröffentlichte mit Silence bereits eine respektable Debütsingle. Nun ist sie mit Why Her Not Me zurück und schöpft aus den Vollen ihrer Songwriting-Kunst. Denn Carter zieht die Inspiration für Texte aus ihren ganz persönlichen Erlebnissen, die allesamt von Wut, Frust, Enttäuschungen und Niederschlägen geprägt sind. Hieraus sammelt Carter ihre Energie und schafft es ihren Songs etwas aufbauendes zu geben und sie nicht als das Ende verstanden zu wissen. Auf Why Her Not Me thematisiert sie die Entscheidung ihres gebürtigen Vaters, die Familie zu verlassen um mit einer anderen Frau und Kindern glücklich zu werden, seiner alten Familie aber Schmerz zuzufügen. Dies schafft Carter mit einer so emphatischen Art, dass man meinen würde, sie könnte es nicht selbst erlebt haben. Durch die kräftige Stimme der Britin, ihr dunkles Timbre und einen bombastischen Sound ist Why Her Not Me so, eine Hymne der Stärke und des nicht Aufgebens und ein großes Ausrufezeichen einer noch jungen Sängerin.