Sault - Let Me Go

Sault – Das Mysterium um eine Band

Es ist diese große soulige Stimme, welche die Band Sault gerade hypen lässt. Doch wer sich hinter diesem Pseudonym versteckt, ist bisher nicht ganz klar. Einige Seiten vermuten, dass der britische Produzent und Songwriter Dean Josiah, der auch unter dem Namen Inflo Remixe macht, ein Teil der Band Sault ist. Dieser hat vor allem Songs für Michael Kiwanuka, The Kooks und Jungle produziert und mit Little Simz, The S.L.P. und Tom Odell zusammengearbeitet. Hinter der Stimme wird die Rapperin Melisa Young – alias Kid Sister – vermutet, die vor allem durch ihre Kollaborationen mit Kanye West bekannt wurde. Doch wäre solch soulig, funkige Musik, wie auf der aktuellen Single Let Me Go eine dermaßen große musikalische Veränderung zu dem bisherigen Sound der aus Chicago kommenden Musikerin, dass man dies fast nicht glauben kann. Für Josiah wiederum klingt das ganze dem des Sounds der britischen Band Jungle schon sehr ähnlich und lässt die Vermutung daher recht plausibel erscheinen. Mit dem Debüt 5 ist bereits im Mai dieses Jahres ein ambitioniertes Album erschienen, welches durch Afrobeats, Soul, Funk und Elektro klingt, wie aus einer Parallelwelt. Sault sind so, gerade auch durch Let Me Go, zu einem regelrechten Phänomen gewachsen, welches es weiterhin gilt, zu entdecken.

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Billie Eilish - All The Good Girls Go To Hell

Billie Eilish – Die Klimadebatte erreicht die USA in Form eines gefallenen Engels

Billie Eilish ist aktuell eine der kreativsten Musikerinnen der USA. Mit ihrem Debütalbum When We All Fall Asleep, Where Do We Go? setzte sie weltweit neue Rekorde und war in Deutschland in der ersten Woche nach Veröffentlichung des Albums die am meisten gestreamte internationale Künstlerin überhaupt. Noch ist ihr Überhit Bad Guy nicht abgeklungen, da veröffentlicht die 17-jährige Sängerin mit All The Good Girls Go To Hell bereits ihre sechste Singleauskopplung aus ihrem Debüt. Dabei zeigt sich Eilish als gefallener Engel, der mit seinen Flügeln in einer Ölpfütze landet und nur schwer wieder dort raus und zu Kräften kommt. Dass Eilish dieses Video nicht von ungefähr gedreht hat, zeigt ein Post auf ihrer Instagram-Seite. Hier ruft Eilish zu gemeinschaftlichen Demonstrationen für den Schutz der Umwelt und des Klimas auf und unterstützt damit auch das schwedische Rolemodel der aktuellen Umweltbewegung Greta Thunberg. Hinzu kommt, dass die umtriebige Eilish momentan auch eine eigene Modelinie vermarktet, die am heutigen Freitag und morgigen Samstag – passend zu ihrem Auftritt auf dem Berliner Lollapalooza Festival – in Berlin Mitte einen Pop-Up Store mit den Klamotten ihres eigenen Labels Blöhsh präsentiert. Der – nicht einmal drei minütige – Song hat dabei den Charme eines 90er-Jahre R&B-Tracks, der durch die einzigartigen Eilishs und ihrem zarten Gesang nach einer bittersüßen Abrechnung klingt. Billie Eilish liefert mit jedem einzelnen Song ab und kann mittlerweile nicht nur knapp die Hälfte der Songs auf dem Albums als veröffentlicht nennen, sondern erreicht mit jedem weiteren Song noch ein wenig mehr von ihrem Status als Ausnahmetalent. Und während wir zu All The Good Girls Go To Hell abgehen, schafft es Eilish zu Recht einmal mehr den Hype weiter anzufeuern.

Big Wild - City Of Sound

Big Wild – Let The Disco Heal Your Mood

Mit Maker hatte der US-Amerikanische Produzent Jackson Stell – alias Big Wild – bereits im Januar einen großartigen Song veröffentlicht. Nun hat Big Wild mit City Of Sound die nächste Single veröffentlicht und begeistert abermals mit einem treibenden Sound und geht dabei noch einen Schritt weiter – in Richtung Disco. Mit lässiger Gitarre beginnt der Song noch gänzlich unspektakulär, bis nur wenige Sekunden später ein füllender Dancebeat einsetzt, der sich an die French-House-Zeiten der späten 90er und frühen 2000er anlehnt. Stell selbst erklärt, dass der Song als Ermutigung gesehen werden soll und man bei so vielen Stimmen heutzutage, öfter auf seine eigene hören sollte. Diese Intention hat Stell so energievoll umgesetzt, dass man sich an die großen Discozeiten des Studio 54’s erinnert fühlt. Dabei hat sein Debütalbum Superdream, welches am 1. Februar 2019 erschien, eine Fülle an ähnlich großartigen Songs. Mit der frischen Mischung aus Dance, Instrumenten und mitreißenden Lyrics, lässt Big Wild keine Wünsche offen und ist der perfekte Sound zu den hochsommerlichen Temperaturen.

Barrie - Darjeeling

Barrie – Supernova Dreampop

Sie sind tatsächlich ein neuer Stern am Indiepophimmel und haben mit ihrem am 3. Mai veröffentlichten Debütalbum Happy To Be Here eine Menge Material herausgebracht, welches zu einem Abend unter der Discokugel passt. Sie selbst kommen aus Brooklyn, New York und haben sich über die verschiedensten Wege kennengelernt. Einer dieser Wege ist das Zusammenkommen von Sabine Holler und der Band. War die Deutsche Sängerin doch gerade aus Berlin nach New York gezogen und nutzte Tinder, um neue Menschen kennenzulernen, hatte die Band genau auf diesem Portal ein Profil erstellt, mit dem sie noch eine Bassistin suchten. Gesucht, gefunden beschreibt Namensgeberin und Frontsängerin Barrie die Band in Interviews dann auch gerne mit den Worten Ein Teil dessen, was die Band so großartig macht ist der Fakt, dass hier ein Haufen Freaks zusammengekommen sind, die super zugängliche und fantastische Musik zusammen machen. Da ist eine Art natürliche Experimentierfreudigkeit, die die Band antreibt. Auf ihrer aktuellen Single Darjeeling zeigen sie dann auch, wie diese Experimentierfreudigkeit klingt. Mit 80er Jahren Synthies – die eine Erinnerung auslösen, bei der man sich nicht sicher ist, ob man überhaupt dabei war – und Dreampop singt Barrie sanft zu den Beats und klingt dabei unaufgeregt aufregend. Darjeeling ist damit der perfekte Opener, um die Band einem breiten Publikum vorzustellen und ihre Musik in die Welt zu tragen.

Maya Lavelle - Dancing With A Bottle

Maya Lavelle – Musical trifft Pop

Die niederländische Sängerin Maya Lavelle ist weit mehr als nur eine Sängerin. Sie ist gleichzeitig Produzentin und Komponistin und hat ihren ganz eigenen Kopf. Das kann man auf ihrer aktuellen Single Dancing With A Bottle eindrucksvoll hören. Mit klassischen Elementen, wie einem dramatischen Klavierspiel, Violinen und ganz viel Eleganz klingt Dancing With A Bottle nach der musikalischen Untermalung eines 1920er Jahre Stummfilms, um gleichzeitig auch wie aus einem großartigen Musical zu kommen. Dabei bricht Lavelle innerhalb des Songs immer wieder mit den Tempi und wechselt wieder und wieder die Gesangsart – nur, um eine Exzentrik darzustellen, die ein eigenes Musical regelrecht voraussetzt. Auf Dancing With A Bottle besingt sie schließlich den Exzess. Einfach mal loszulassen und alle Hemmungen fallen zu lassen um der Langeweile zu entfliehen. Maya Lavelle ist mit diesem Musikstil alleine auf weiter Flur und dennoch erfolgreich im Mainstream unterwegs. An Künstlerinnen, wie Lana Del Rey, Caro Emerald oder Kate Bush erinnernd spielt Lavelle in ihrer ganz eigenen Genreblase und pumpt diese immer weiter auf – solange, bis ihr die Welt zu Füssen liegt. Und das dürfte nicht mehr all zu lange dauern – spätestens, wenn ihr Debütalbum Hobo im Juni erscheinen wird.

Billie Eilish – Rolemodel Generation Z

Sie steht für die Generation Z, wie kaum eine andere Künstlerin aktuell. Billie Eilish ist mit ihren gerade einmal 17 Jahren der Inbegriff einer neuen Generation von Heranwachsenden geworden, die sowohl zu den Digital Natives gehören, als auch willensstark, fokussiert und laut ihre Vorstellungen von Werten verkünden. Dabei ist markant, dass sich die Werte meist um soziale Verantwortung, Nachhaltigkeit und ein Umweltbewusstsein auf globaler Ebene drehen. Mit den alten Konventionen brechen – das zeigt auch Eilish mit ihren Songs immer wieder. Seit sie im Oktober 2015 mit Ocean Eyes ihre Debütsingle veröffentlichte, sind nicht nur dreieinhalb Jahre vergangen, sondern auch eine Flut von 16 weiteren Songveröffentlichungen, darunter When the Party‘s Over. Erst am vergangenen Freitag wurde schließlich mit When We All Fall Asleep, Where Do We Go? ihr lang erwartetes Debütalbum veröffentlicht und zeichnet sich bereits jetzt ein weltweiter Hit ab. Daraus nun veröffentlicht, hat Eilish die Single Bad Guy, die mit einer Mischung aus Pop, Trap und einem extrem tanzbaren Beat einmal mehr die Kreativität der Sängerin unterstreicht. Gleichzeitig ist das dazugehörige Musikvideo so abgefahren und unterhaltsam, dass man Eilish nur zujubeln kann. Das Rolemodel der Generation Z zeigt uns dabei aber auch, dass wir Angst haben sollten – das allerdings nur im positivsten Sinne.

Dean Lewis – Wird sich der Erfolg wiederholen?

Mit Be Alright hatte der Australier Dean Lewis 2018 einen satten Welthit hingelegt. Konntet Ihr bereits im Herbst 2017 und im Winter 2018 hier bei SOML über Lewis und seine Songs etwas lesen, ist er mit Be Alright mittlerweile in 26 Ländern in die Charts eingestiegen und in 14 davon bis in die Top-10 gelangt. Nach diesem Erfolg wird es für jede Single danach schwer, den Erfolg zu wiederholen. Mit Stay Awake sieht dies allerdings völlig anders aus. Noch nicht ganz den Erfolg der vorherigen Single verdaut, steigt Stay Awake kontinuierlich die Charts hinauf. Dabei ist der folkige Song des Singer/Songwriters treibend, euphorisch und klingt anders, als es der Songtext aussagt. Denn während sich der Song selbst recht fröhlich und nach Guter-Laune anhört, besingt Lewis darin, wie er versucht an einer Person die er liebt festzuhalten, die im Begriff ist ihn zu verlassen. Dabei mischt er abermals ein Erfolgsrezept zusammen und lässt einen weiteren Hit auf die Welt los. Gelungen ist Lewis dies mit Stay Awake auf alle Fälle.

Sam Fender – Laut und unerbittlich

Er ist einer der spannendsten Newcomer der britischen Inseln überhaupt. Mit seinen Songs Start AgainPlay God und Dead Boys stand er im Jahr 2018 allen Newcomern voran und sorgte für einen Hype in der Kritikerszene, wie es sie sonst nur alle paar Jahre einmal gibt. Dass Fenders Ruf als einer der wichtigsten neuen Künstler aus Großbritannien keine Luftnummer ist, zeigt der 22-jährige Brite eindrucksvoll auf seiner neuesten Auskopplung. Auf Poundshop Kardashians – die für den Sänger ungewohnt poppig ausfällt – setzt er abermals fort, was bereits auf seinen vorherigen Singles ein absolutes Muss war – ein direkter Text mit lautem und zuweilen aggressiven Sound, der mahnend und gleichzeitig so bedrohlich klingt, dass man Fenders Wut über den Celebritykult der Social-Media-Generation in jeder der 156 Sekunden hören kann. Damit nicht genug, ist Poundshop Kardashians auf der EP Dead Boys zu finden und wird sicherlich auch auf Fenders Debütalbum sein, welches für den Sommer 2019 angekündigt wurde und bereits jetzt auf seiner Homepage zur Vorbestellung erwerbbar ist. Fender beschäftigen Themen der Gesellschaft, bei denen er kein Blatt vor den Mund nimmt und damit eine Sicht auf die Welt preisgibt, die bei Gleichaltrigen heute eher selten vorkommt. Das, verbunden mit der intensiven Gitarrenmusik, lässt Sam Fender zu einer der ambitioniertesten neuen Stimmen des Landes werden.

The Japanese House – Ein Sommer mit dunklen Wolken

Bei ihren letzten Veröffentlichungen war die Britin Amber Bain – alias The Japanese House – noch deutlich ruhiger unterwegs. Nun hat sie mit der Single Maybe You’re The Reason eine erstaunlich poppige Nummer veröffentlicht, die mit ihrer Vocoder-Stimme und einem Hauch von 80er-Jahre Stimmung glatt als Gute-Laune Song fungieren könnte – wäre da nicht der Songtext, der andeutet, dass es hier vielleicht auch um einen Schein geht, den es zu wahren gilt. So singt sie And I think I’m dying ’cause this can’t be living, should I be searching for some kind of meaning? (Und ich glaube, ich sterbe, weil das kein Leben sein kann. Soll ich nach einer Bedeutung suchen?). Bain selbst kämpft dabei immer wieder mit Depressionen und einem Sinn in so vielen ihrer persönlichen Erlebnisse. Dabei ist die 23-Jährige so produktiv, dass bereits seit der Veröffentlichung von Face Like Thunder im Herbst 2016 ein Debütalbum erwartet wurde. Nun endlich hat das Warten ein Ende – denn am vergangenen Freitag veröffentlichte The Japanese House mit Good At Falling ein atemberaubend, schönes Debüt, auf dem neben der aktuellen Single auch die Ballade Lilo zu finden ist. The Japanese House hat darauf eine Kraft in ihrer Musik, die immer wieder von weichen Sounds und schwellenden Beats durchbrochen wird und dadurch wieder und wieder neu und frisch klingt.

SYML – Der Tanz der Wagnis

Es bleibt spannend bei SYML. Mit den Singles Where’s My Love und Clean Eyes hatte Brian Fennell unter seinem Soloprojekt SYML im Sommer 2017 und Herbst 2018 zwei so konträrer Songs veröffentlicht, dass man sich nur schwerlich eine Genrelinie ausmalen konnte. Nun hat Fennell mit The Bird eine weitere Single veröffentlicht, die abermals in ein ganz anderes Genre schlägt. War Where’s My Love ein so wunderbar ruhiger Folksong, preschte Clean Eyes volle Kanne in die Indie-Sphären vor. Mit The Bird wird nun aus einem anfangs ruhigen Singer/Songwriter-Song, im Verlauf eine elektronische und wabernde Traumsequenz. Dabei beschreibt Fennell selbst den Song wie folgt; Es ist nicht leicht, Jemanden mit all seinen schönen Fehlern und Feinheiten zu lieben oder sogar zu verstehen, während wir mit unseren Eigenen zurechtkommen. Es ist so zart und kalt wie stolz und kriegerisch. „The Bird“ repräsentiert diesen surrealen Tanz. Wenn wir es nicht fest genug halten, könnte es entkommen. Aber wenn wir es wiederum zu fest halten, könnten wir es ersticken. Damit beschreibt Fennell vollumfänglich den Verlauf des Songs, der zu erst sensibel und fragil erscheint, um sich um Verlauf zu einem wabernd, drängenden und dunkel wirkenden Song zu transformieren. SYML ist ein Chamäleon und zeigt damit, dass Genres für den in Seattle lebenden Musiker keine Grenzen bedeuten. So erwarten wir mit Spannung sein, für den 3. Mai angekündigtes, selbstbetiteltes Debütalbum SYML.