Oliver Heldens & Party Pupils feat. Max - Set Me Free

Oliver Heldens & Party Pupils feat. MAX – Es ist Zeit für die Tanzfläche

Der niederländische Produzent und DJ lebt den Traum eines international, gefeierten DJs. Mit seinen 25 Jahren ist er bereits seit sieben Jahren im Musikgeschäft, aktuell auf Platz 8 der Top 100 DJs laut DJ Magazine und unterschrieb mit gerade einmal 18 Jahren beim bekannten Elektro-Label Spinnin‘ Records einen Vertrag. Ob Avicii, Tiësto, Calvin Harris, Moby, Felix Jaehn, Eric Prydz, Duke Dumont, Möwe oder Odesza – alle waren oder sind bei dem niederländischen Label unter Vertrag. Mit einer geschickten Marketingabteilung lanciert das Label immer wieder neue Songs und Künstler, indem sie als erstes nur den Song veröffentlichen, den Künstler dazu aber nicht benennen. So entsteht ein Hype um den Song, der oftmals schließlich in hohen Chartpositionen endet. Mit Oliver Heldens unter dem Dach von Spinnin‘ folgte nach nur einem Jahr mit Gecko (Overdrive) der erste Nummer-1 Hit in Großbritannien. Hier konnte man gleichzeitig auch die damalige Newcomerin Becky Hill hören. Mit Last All Night (Koala) – das er zusammen KStewart veröffentlichte – konnte Heldens noch im selben Jahr einen weiteren Top-5 Hit in Großbritannien einstreichen.

Oliver Heldens
Oliver Heldens

2019 machte sich der, aus Rotterdam kommende, DJ schließlich an eine Coverversion, die einen noch viel größeren Erfolg für ihn bedeuten sollte. Denn auf Turn Me On verarbeitete Heldens zusammen mit dem britischen DJ Riton und der Sängerin Vula den 80er Jahre Yazoo-Klassiker Don’t Go und nutzten zusätzlich Lyrics des First Choice Hits Doctor Love den sie 1977 veröffentlichten. Oliver Heldens schaffte es mit Turn Me On in 21 Ländern in die Charts und verkaufte den Song über 1 Million Mal. Auf seinem neuen Song Set Me Free verbindet der Niederländer nun Disco, French House und modernen EDM zu einem grandiosen Dancehit. Heldens hat diesen zusammen mit dem US-Amerikanischen Elektro-Duo Party Pupils produziert, das aus Ryan Siegel und Max Schneider besteht. Letzterer ist zusätzlich auch noch as MAX aufgeführt und singt die Lyrics. Veröffentlicht wird die ungewöhnlich poppige Nummer unter Heldens neuem Sublabel OH2, das über sein Hauptlabel Heldeep erscheint. Dieses hat er extra für die poppigeren Dancetracks geschaffen und zeigt damit, wie vielseitig seine Musik und Sounds sind. Set Me Free ist ein absoluter Banger, der gerade erst so richtig durchstartet.

Felix Jaehn feat. Cheat Codes & Bow Anderson - I Just Wanna

Felix Jaehn fat. Bow Anderson & Cheat Codes

Mit einem Remix des Songs Cheerleader wurde Felix Jaehn 2014 über Nacht zum Superstar. In über 23 Ländern – darunter, Deutschland, die USA und Großbritannien – schaffte es der Remix bis auf Platz 1 der Singlecharts. Auch seine Folgesingle – eine Coverversion des Chaka Khan Songs Ain’t Nobody – wiederholte den Erfolg des deutschen DJs und Produzenten. Mit seinem 2018er Debütalbum I veröffentlichte er schließlich alle bisher produzierten Songs und kam so auf eine Tracklist von 25 Songs und 100-minütiger Spielzeit. Dabei hat der Hamburger bereits mit Kollaborationspartnern, wie Jasmine Thompson, Lost Frequencies, Herbert Grönemeyer, Adam Lambert, Alma, Calum Scott und VIZE zusammengearbeitet. Auf seiner neuesten Single I Just Wanna vereint Jaehn nun die Newcomerin Bow Anderson und das Produzententrio Cheat Codes und haut einen Song raus, der sich – entgegen der letzten Veröffentlichungen – deutlich melodischer und sympathischer anhört. Während vor allem seine beiden Songs Close Your Eyes und No Therapy zu absoluten Radiohits wurden und letzterer zur Clubhymne der LGBTQ-Community geworden ist, ist I Just Wanna der mittlerweile elfte Song, der darauf wartet auf einem neuen Album veröffentlicht zu werden. Dieses hat Jaehn nun mit der neuesten Single lose für das kommende Jahr angekündigt und lässt wieder einmal auf eine bunte Mischung der verschiedenen House-Elemente hoffen.

Felix Jaehn feat. Cheat Codes & Bow Anderson - I Just Wanna (Video)
Felix Jaehn feat. Cheat Codes & Bow Anderson – I Just Wanna (Video)

Auf I Just Wanna hat sich Jaehn den lockeren Tropical-House gegriffen, der zuletzt auch durch Acts, wie filous zu absoluten Hits in den sozialen Netzwerken wurde und geht damit zu Jaehns Anfängen zurück. Als Kollaborationspartner haben Cheat Codes aus Los Angeles einen erstaunlich ähnlichen Weg in den vergangenen Jahren zurückgelegt. 2014 gegründet, sind sie vor allem durch Remixe und Featuring-Acts, wie Demi Lovato, Nicky Romero, Kiiara, Little Mix oder Wiz Khalifa bekannt geworden. Bow Anderson hingegen steht noch komplett am Anfang ihrer Karriere und hat vor wenigen Monaten erst mit Sweater ihre Debütsingle veröffentlicht. Auffallend dabei ist, dass ihre Stimme auf Sweater kratziger und individueller klingt. Auf I Just Wanna hören wir sie nun deutlich sanfter singen und schmiegt sich ihre Stimme dadurch wunderbar an den Sound Jaehns an. Zusammen haben das Trio von Cheat Codes, Bow Anderson und Felix Jaehn einen sommerlich, luftigen Song mitten im Winter veröffentlicht, der uns das Gefühl geben soll, auch in der dunklen und kalten Jahreszeit jemanden zu haben, an den man sich lehnen kann. Musikalisch schlägt Jaehn dabei einen unbekümmerten Ton an und lässt nur gute Laune zu. Hält sich der Song noch bis in den März, wäre es der perfekte Soundtrack, um den Frühling zu begrüßen.

Sam Fender - Winter Song

Sam Fender – Die ewige Überraschung

Wir sehen und hören alle die Statistiken und Zahlen und finden sie schlimm, doch wir sehen die Menschen dahinter nicht. Das ist einer der Sätze, mit denen der britische Rocksänger Sam Fender seine neueste Single präsentiert. Dabei ist alles, was der Brite hinzufügt, eine weitere Überraschung. Denn entgegen der großartigen und gesellschaftskritischen Songs, wie Start Again, Play God, Dead Boys und Poundshop Kardashians, handelt es sich bei Fenders neuer Single um einen Weihnachtssong und eine Coverversion. Doch hört man sich Sam Fenders Version von Winter Song an, den die aus Newcastle kommende Band Lindisfarne auf ihrem 1972er Debütalbum Nicely Out Of Tune veröffentlichten, wird klar, dass auch dieser Song eine Message vermittelt, die einmal mehr wachrütteln soll. Denn während Fender schon immer einen Weihnachtssong veröffentlichen wollte, doch alle bisherigen Songs immer zu kitschig und stereotypisch fand, entdeckte er bei einer seiner Lieblingsbands Winter Song. Wenn du dir den Song einmal genau anhörst und auf die Lyrics achtest, ist er sehr ergreifend und bedeutsam für unsere aktuelle Situation, so Fender. Denn es ist ein Weihnachtsgruß, der mehr Empathie für die Menschen verlangt, denen es deutlich schlechter geht als uns.

Sam Fender
Sam Fender

Auf Winter Song hat sich Fender mit der britischen Organisation People of the Streets zusammengetan, die sich für obdachlose Menschen einsetzt. Zusammen haben sie den Song veröffentlicht, dessen Einnahmen an Obdachlosenhilfen gespendet werden. Für das Musikvideo hat sich Fender dann auch eine ganz besondere, wie eindrucksvolle Idee ausgedacht. Denn hier sehen wir Fotos- und Videoaufnahmen, die allesamt von Obdachlosen aus Manchester, London, Nottingham, Padova (IT) und Tel Aviv gemacht wurden und damit die Zahlen und Statistiken sichtbar machen. Denn hier sehen wir aus der Sicht eines Obdachlosen und, was ihn wichtig erscheint, um es fotografieren zu wollen. Gleichzeitig singt Fender den Song so erhaben und unprätentiös, das der Fokus voll und ganz auf den Bildern liegt. Hört man den Song ohne das Musikvideo zu sehen, ist es eine stilistisch typische 70er Jahre Rockballade, bei der sich Fender nicht verstecken muss. Sam Fender bleibt mit seinem Gespür für großartige Songs, eindrucksvolle Texte und einer eindringlichen Stimme, weiterhin einer der wichtigsten Künstler der aktuellen britischen Rock- und Indieszene und zeigt auch, dass ihn ein Weihnachtssong so unglaublich gut stehen kann.

Becky Hill - Forever Young

Becky Hill – Einen Klassiker zu eigen machen

Mit dem House-Hit Gecko wurde die britische Sängerin Becky Hill 2014 über Nacht zum Star. Zusammen mit dem niederländischen DJ und Produzenten Oliver Heldens landete die Britin auf Platz 1 der britischen Singlecharts und verkaufte sich der Song mehr als 1,2 Millionen Mal. Es folgten Kollaborationen mit Sigala, MK, Watermät, Jonas Blue und Tiësto, bis im September vergangenen Jahres mit Get To Know ihr Debütalbum erschien und es in die Top-20 der britischen Albumcharts schaffte. Darauf enthalten waren die erfolgreichsten Kollaborationen und einige Solosongs der Sängerin. Mehrheitlich in den elektronischen Genres zu Hause hat sie nun, für eine Weihnachtskampagne einen bekannten Song aus den 80er Jahren neu eingesungen. Waren es in den vergangenen Jahren ausnahmslos die Werbekampagnen der britischen Warenhauskette John Lewis, die mit berührenden Weihnachtsclips und besinnlichen Songs ein Jahr ums andere einen Volltreffer landeten, ist es dieses Jahr ein Weihnachtswerbespot von McDonalds, der John Lewis den Rang abläuft.

Becky Hill
Becky Hill

Während bei John Lewis in den vergangenen Jahren Acts, wie AURORA, Elton John, Katie Melua, Tom Odell, Ellie Goulding, Vaults, Lily Allen und Elbow auftrumpfen konnte, hat sich der Fastfood-Riese – der sich für seine FareShare-Kampagne verantwortlich zeichnet, fünf Millionen Menüs zu spenden – mit Becky Hill zusammengetan, die den 80er-Jahre Hit Forever Young der deutschen Synthiepop-Band Alphaville neu eingesungen hat. Dabei hat sich Hill den Song komplett zu eigen gemacht und eine komplett reduzierte Ballade daraus gemacht, die berührt und ergreifend klingt. Dass Hill dabei gänzlich auf die elektronischen Sounds verzichtet, tut der Sängerin hörbar gut und unterstreicht ihre großartige und klare Stimme. Mit dieser wird sie nur von einem Klavier und Streichern begleitet und sorgt so für die passende musikalische Atmosphäre der McDonalds-Kampagne. Gleichzeitig sorgt der dazugehörige Werbeclip für sentimentale Momente, in denen wir eine Mutter sehen, die versucht, in der Vorweihnachtszeit, ein wenig Spaß mit ihrem Sohn zu haben, der sich allerdings zu cool fühlt, um dies zu erwidern. Becky Hill zeigt mit der Coverversion von Forever Young, dass ihr nicht nur derbe Beats stehen, sondern sie auch mit ganz ruhigen Nummern überzeugen kann.

Netta - The Best Of Netta's Office Vol. 01 (EP)

Netta – Energie lässt sich nicht stoppen

Was macht so ein Jahr der Zurückhaltung mit einem?! Netta fiel diese Frage noch schwerer, als manch anderer Künstlerin. Kurzerhand machte sich die israelische Sängerin daran, ihren ganz eigenen Podcast zu starten und coverte darauf über das Jahr immer wieder bekannte Songs. Da ist zum einen Coco Jamboo des Bremer Trios Mr. President, der es im Original weltweit nach ganz oben in den Charts brachte und sogar in den USA bis auf Platz 21 stieg. Aber auch an Aquas Barbie Girl wagte sich die Sängerin, die mit Toy 2018 ihren Durchbruch feierte. Wie futuristisch Nettas Sound ist, zeigt sich bei dem Eiffel 65-Cover von Blue (Da Ba Dee) – das im Original bereits futuristisch klingt. Hier arbeitet sich die Musikerin mit blechernen Synthies und stampfenden Beats durch den Song und gibt dem Ganzen eine dramatische Stimmung, die melancholisch und balladesk klingt. Mit Supercalifragilisticexpialidocious hat die Isrealin nun auch einen Song aus unserer Kindheit neu interpretiert, der 1964 in den Mary Poppins-Filmen auftauchte und von Julie Andrews gesungen, auch heute noch ein großartiger Kinderklassiker ist. Doch ist es der, ebenfalls 1964 veröffentlichte, Song The Times They Are A-Changin‘, der besondere Aufmerksamkeit verdient. Denn entgegen der öffentlichen Wahrnehmung, kann Netta nicht nur eine der lautesten, schrillsten und verrücktesten Künstlerinnen sein, sondern auch gleichzeitig ruhige, introvertiert und melancholisch klingende Balladen perfekt singen.

Netta
Netta

Bereits Anfang des Jahres begeisterte Netta mit Cuckoo – einem Song, der von Zweifeln in einer Beziehung handelt. Mit The Times They Are A-Changin‘ hatte Bob Dylan 1964 einen Song geschrieben, der als Hymne für die Veränderung des Moments dienen sollte. Diese Veränderung erleben wir seit nunmehr knapp elf Monaten immer und immer wieder und passen uns den neuen Gegebenheiten an. Genau diese Veränderung ist es auch, die Netta dazu gebracht hat, Dylans Song für ihre Cover-EP neu einzusingen. Mit choralen Vocoderraunen und dem beruhigenden Gesang Nettas, lässt uns The Times They Are A-Changin‘ innehalten und darüber nachdenken, was uns das Jetzt bringt. Gleichzeitig hat Nettas Stimme eine kräftige Färbung, die sich wunderbar dem Gefühl des Sehnens, nach einer Veränderung, hingibt. The Times They Are A-Changin‘ ist ein Protestsong, den Dylan 1964 veröffentlicht hat und zeigt auch 56 Jahre später noch eindrucksvoll, wie wichtig diese Art der Songs ist und mit Nettas Interpretation, wie universell Musik sein kann. All ihre Cover-Songs erscheinen heute auf Nettas neuer EP The Best Of Netta’s Office Vol.: 01 und markieren eine weitere Momentaufnahme der Musikerin, die nur so vor Lebensfreude strotzt.

Beatsteaks - Glory Box

Beatsteaks – Wagen sich an die ganz Große

In den vergangenen Wochen haben die Beatsteaks mit den beiden Coverversionen Monotonie von Ideal und Glory Box von Portishead, zwei so dermaßen unterschiedliche Songs veröffentlicht, dass sich daraus bisher keine musikalische Linie, bezüglich der Genreherkunft ihrer Auswahl erkennen lässt. Sind es auf Monotonie Reggaeklänge, die sich durch den Song ziehen, bleiben die Beatsteaks bei Glory Box sehr nah am Original der britischen Band Portishead aus Bristol. Nun haben die Beatsteaks – eine Woche vor der Veröffentlichung ihrer Cover-EP In The Presence Of – einen dritten Song released und wagen sich hierbei an keine geringere Größe, als Hildegard Knef. Dabei war und ist die Knef bis heute eine der größten deutschen Gesichter und Stimmen und hat in unzähligen Filmen in Europa und den USA mitgewirkt. Auch musikalisch war die Sängerin seit den 1950er Jahren erfolgreich und hat unter anderem die Lieder Die Moritat von Mackie Messer aus Bertolt Brechts legendärem Theaterstück Die Dreigroschenoper eingesungen. Vielen ist sie heute vor allem durch ihren berührenden Song Für Dich soll’s rote Rosen regnen bekannt.

Beatsteaks Pressefoto Credit Erik Weiss
Beatsteaks Pressefoto Credit Erik Weiss

Für das neue Cover, bei dem die Berliner Songs von großartigen Frauen in der Musik neu interpretieren, haben sich die Beatsteaks den Hildegard Knef-Song Von nun an ging’s bergab gegriffen und eine wunderbare Gitarrensause daraus gemacht. Doch hier singt nicht etwa der Beatsteaks-Sänger Arnim Teutoburg-Weiß, sondern hat sich Gitarrist Peter Baumann die Ehre gegeben und sich mit einer klaren und – passend zum Song – süffisanten Gesangsstimme an den Song gewagt. Immer wieder bricht er dabei im Song mit den Elementen und springt zwischen harten Gitarrenriffs und stillen aber drängenden Gesangsparts hin und her. Auch heute steht – wie in den vergangenen Wochen – nicht fest, welche weiteren Songs auf der EP sein werden. Nur soviel – drei Songs sind veröffentlicht, drei weitere beinhaltet die EP. In sieben Tagen wissen wir mehr und können uns auf eine Cover-EP freuen, die sich durch großartige Songs von starken Frauen arbeitet.

Beatsteaks - Glory Box

Beatsteaks – Darf man diesen ewigen Überhit covern?!

Es ist ein Song, der das Wort Geschichte nicht besser beschreiben könnte. Denn während wir heute die Interpretation der Beatsteaks hören, hat Glory Box von Portishead bereits einen jahrzehntelangen Weg hinter sich, der bei dem britischen Duo nicht etwa aufhört, sondern bis in das Jahr 1969 zurückgeht. Stammt das Original des Songs von der belgischen Band Wallace Collection, war es in den BeNeLux-Staaten ein riesiger Erfolg. Doch obwohl der Song auf Englisch gesungen wurde, blieb ein Erfolg in den englischsprachigen Ländern weitestgehend aus. Ende der 80er Jahre nahm sich der Oscar- und Grammy-Award-Gewinner Isaac Hayes – der sich für den Theme-Song des Films Shaft verantwortlich zeichnet – die Melodieabfolge vor und veröffentlichte mit Ike’s Rap 2 eine Version des Songs, den wir bis heute kennen und lieben. Auf dem 1994er Debütalbum Dummy, des – aus Bristol in Großbritannien kommenden – Duos Portishead, befand sich ein Song, der für die Folgejahre richtungsweisend sein sollte. Denn mit Glory Box schaffte die Band nicht nur in Großbritannien ihren Durchbruch, sondern verbreitete den britischen Sound des Trip-Hops auch weltweit. Gleichzeitig hauchte die Frontsängerin Beth Gibbons dem Song eine Atmosphäre von Mystik, Distanz und Lethargie ein, wie wir es faszinierender nie wieder zu hören bekamen. 2001 stieß schließlich das, ebenfalls aus Großbritannien kommende, Duo I Monster auf die Liste der Interpretationen der Melodiefolge von Wallace Collection hinzu und veröffentlichte ihren Song Daydream In Blue.

Beatselfie Credit Beatsteaks
Beatselfie Credit Beatsteaks

Doch auch wenn es immer wieder Bands und Künstler gab, die diese ganz markante Melodie und das Gefühl des Songs versuchten zu kopieren, blieb Portisheads Version bis heute unerreicht. Nun haben die Beatsteaks aus Berlin die zweite Single aus ihrer, am 11. Dezember erscheinenden EP In The Presence Of herausgebracht und somit ihre Version des Portishead Songs veröffentlicht. Dabei zeigen die Beatsteaks, nach der Coverversion von Monotonie, erneut, wie hoch sie die Interpretinnen schätzen, deren Songs sie covern. Denn auch auf Glory Box behalten die Beatsteaks diese mystisch, bedrohliche Atmosphäre von Gibbons bei. Was der Band allerdings nicht gelingt und auch nicht gewollt zu sein scheint, ist die Fragiliät, die Gibbons auf Glory Box in ihre Stimme legt. Die Beatsteaks brechen behutsam aus dem lethargischen Korsett des Portishead-Songs aus und lassen mit überwältigenden Gitarrensoli und berstenden Drums eine Wand von Sound entstehen, ehe im nächsten Moment wieder alles in sich zusammenfällt und zum Gefühl des Bristoler Duos zurückkehrt. Sind mit Monotonie und Glory Box nun bereits zwei Songs der kommenden EP bekannt, halten die Beatsteak die vier noch ausstehenden Songs weiterhin streng geheim – umso größer wird die Überraschung mit jedem weiteren Release und dürfte vor der EP-Veröffentlichung bestimmt noch ein Song zur Vorabveröffentlichung drin sein.

Of Monsters And Men - Visitor

Of Monsters And Men – Schneller, Größer, Weiter

Der Drang nach neuer Musik schien bei der isländischen Folk-Band Of Monsters And Men groß gewesen zu sein. Nachdem ihr drittes Album Fever Dream und die Single Wars gerade erst vor 13 Monaten veröffentlicht wurden, kamen die fünf in Reykjavík lebenden Musiker im August mit einer Coverversion des Post Malone-Songs Circles wieder auf die Bildfläche zurück. Nun haben Nanna Bryndís Hilmarsdóttir, Ragnar Þórhallsson, Brynjar Leifsson, Kristján Páll Kristjánsson und Arnar Rósenkranz Hilmarsson mit Visitor eine komplett neue Single veröffentlicht und damit den Startschuss für eine ganze Reihe neuer Songs und anderer Inhalte gegeben. Damit wollen Of Monsters And Men das zehnjährige Bandjubiläum feiern und kündigen für das Jahr 2021 noch weitaus mehr Musik an. Visitor ist damit die erste große Veröffentlichung, die ihren einst so reduzierten Folksound weiter in Richtung Stadionsound bringt und gleichzeitig nichts vom sympathischen Gerüst der Musik der Isländer verloren hat.

Of Monsters And Men

Of Monsters And Men

Darin geht es darum, sich von der Welt, wie sie jetzt ist, loszulösen und zu sehen, wie die alte Welt immer weiter verschwindet, sich dabei aber plötzlich als Besucher dieser neuen Welt wahrzunehmen. Geschrieben wurde der Song lange vor der Pandemie und doch passt der Song, als hätte die Band geahnt, was kommen würde. Haben sie das Musikvideo noch vor dem großen Ausbruch im Februar in Island aufgenommen, präsentiert die Band ihren Fans nun diesen so erschreckend passenden, wie großartigen Song. Mit großen Gesten, einem schnellen Schlagzeug und voluminösen Synthies ist Visitor ein Song für die ganz große Bühne. Nach ihrem Kritikerliebling Fever Dream, sowie dem Debütalbum My Head Is An Animal (2011) und dem zweiten Album Beneath The Skin (2015) – von dem die starken Singles Crystals, I Of The Storm und Wolves Without Teeth kamen – könnte sich 2021 damit anstelle eines neuen Albums ein erstes Best-Of-Album ankündigen. Mit Visitor holen uns Of Monsters And Men – auch wenn es kein neues Studioalbum geben sollte – zumindest akustisch mit einem frischen Sound ab und lassen uns im kommende Jahr auf spannendes, neues Material hoffen.

London Grammar - Baby It's You

London Grammar – Schneller und größer

Es ist die Band mit der Engelsstimme – London Grammar haben in den vergangenen Jahren mit Songs, wie Wasting My Young YearsStrongRooting For You und Big Picture immer wieder zu berühren gewusst. Vor allem ist es Strong der seinen Weg in unzählige Serien und Filme schafft und dadurch immer wieder in die Charts zurückkehrt. Hannah Reid, Dominic Major und Dan Rothman haben seit ihrem Debütalbum If You Wait mit einer Introspektive überzeugt, die nicht besser zum Sound der Band passen könnte. Mit zurückhaltenden Instrumentierungen und viel Raum für Reids Stimme werden so aus ihren Songs wahre Meisterwerke, die zeitlos und universell sind. Nachdem 2017 das zweite Album Truth Is A Beautiful Thing veröffentlicht wurde, schaffte es die Band schließlich bis auf Platz 1 der britischen Albumcharts. Dass die Band allerdings immer wieder gerne auch im elektronischen Bereich unterwegs ist, zeigen zum einen die beiden Kollaborationen mit Disclosure (Help Me Loose My Mind) und Flume (Let You Know) aber auch die Coverversion von Nightcrall vom French-House-Produzenten Kavinsky.

London Grammar

London Grammar

Nun haben London Grammer mit Baby It’s You eine neue Single veröffentlicht, die gleichzeitig auch den Auftakt für ihr drittes, noch namenloses, Studioalbum darstellt. Dabei überraschen London Grammar mit ihrem Sound – haben sie doch bisher noch nie so viele elektronische Elemente in eine Leadsingle gepackt. Baby It’s You ist ein Song um sich darin zu verlieren. Mit langen, schwelgenden Synthies und der klaren Stimme Reids passt der Song zu den Momenten, an denen wir ganz bei uns selbst sind und zwischen der eingangs erwähnten Introspektive und dem Wunsch auszubrechen changiert. Nachdem London Grammar für mehr als zweieinhalb Jahre auf allen Kanälen stumm waren, läutet Baby It’s You eine starke neue Phase der Band ein, die mit den Worten Reids is just the beginning of something we hope will be really special auf eine Phase mit großartiger, neuer Musik schließen lässt.

Seeed - Hale-Bopp

Seeed – Überbrücken mit Summervibe

Für einen kurzen Moment kommt nochmal der Vibe der Wonderful Life Coverversion von Seeed auf – hört man sich den neuen Song der Berliner Band an. Mit einem entspannten Reggaebeat lassen Seeed die Liebe in den Vordergrund rücken. Dabei steht der Song nicht ausschließlich für eine Zweierbeziehung, sondern umfasst vielmehr auch die Beziehungen zu ihren Fans. Dass diese Beziehung gerade mehr denn je im Vordergrund steht, zeigt die – mittlerweile hinfällige – Planung für diesen Sommer. Denn hier wollten Seeed für ein absolutes Novum sorgen. Mit insgesamt acht Terminen – fünf in der Wuhlheide und drei in der Waldbühne – hätte die Band vom 11. bis 16. August und vom 17. bis 19. September insgesamt vor 150.000 Menschen gespielt. Dass sich die Band dabei nicht für zwei Tage im Olympiastadion entschied, ist wohl der intimeren Umgebung der beiden Bühnen – die von Wäldern umgeben sind – zu verdanken. Erst im Oktober vergangenen Jahres veröffentlichten Peter Fox, Dellé und die anderen Jungs der Band mit BAM BAM ihr fünftes Studioalbum, das bis auf Platz 2 der deutschen Albumcharts stieg.

Seeed

Seeed

So überrascht es einerseits, dass Seeed nach so kurzer Zeit mit Hale-Bopp bereits einen neuen Song veröffentlichen, anderseits aber auch klarmachen, dass sie ihre Fans – trotz der, durch die Pandemie, verschobenen Berliner Rekordauftritte – nicht vergessen haben. Kommt die Veröffentlichung von Hale-Bopp doch genau zu dem Zeitpunkt, zu dem diese Konzertreihe eigentlich stattfinden sollte. Nachdem die BAM BAM-Singleauskopplungen Ticket und Lass Sie Gehn gerade erst ein Jahr alt sind, lassen die Jungs auf Hale-Bopp wieder frischen und sommerlichen Sound durch die Lautsprecher tönen. Ob in der Yaam-Strandbar, dem Sage Beach oder ganz entspannt an einem der vielen Uferwiesen entlang der Spree und des Landwehrkanals – Hale-Bopp rettet uns durch den Sommer mit einer gehörigen Ladung Summerfeeling. Die Open-Air-Konzerte sind mittlerweile alle auf den Juli und August 2021 verlegt und behalten den intimen Rahmen der Waldbühne und Wuhlheide. Hale-Bopp verkürzt uns die Zeit bis dahin indes ein wenig.