Wild Youth – Pop, so klebrig süß

Sie haben alles, was Newcomer benötigen, um ganz groß rauszukommen. Gitarren, eine äußerst markante Stimme, sympathische Bandmitglieder und bereits ein paar respektable Hits auf Spotify und im irischen Radio. Damit hat die vierköpfige Band Wild Youth aus Dublin die besten Voraussetzungen um den ganz großen Durchbruch zu feiern. Mit ihrer aktuellen Single Can’t Move On zeigen sie, wie klebrig süße Popsongs klingen müssen. So haben Callum McAdam, Ed Porter, David Whelan und Conor O’Donohoe mit Can’t Move On eine kräftige Indiepopnummer veröffentlicht, die bereits seit dem frühen Sommer durch die Blogs und Radiostationen geistert. Dabei bekamen sie prominente Unterstützung – haben den Song doch die beiden Musiker Mark Sheehan und Danny O’Donoghue von The Script produziert. Bereits im Vorfeld der Singleveröffentlichung konnten sie als Support-Act für Künstler wie Zara Larsson, Niall Horan und eben auch The Script spielen. Dies bracht ihnen im Anschluss zwei ausverkaufte Gigs in Dublin und London ein. Nun stehen sie kurz davor, auch im restlichen Europa groß rauszukommen und begeistern mit der Single Can’t Move On bestimmt schon bald auch hierzulande die Massen.

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RY X – Neue Single, neues Album, neue Tour

Die dunkle Jahreszeit kommt zurück und mit ihr auch neue Musik des Ausnahmekünstlers RY X. Vor wenigen Stunden erst veröffentlicht, geht sein neuer Song Untold schon jetzt durch die Blogs und sorgt für Begeisterung. Denn hat die Stimme hinter so großartigen Songs wie Berlin, Bad Love, Sweat, Beacon und Only damit auch gleichzeitig ein neues Album und eine neue Tour angekündigt. Mit Untold setzt RY X seine zerbrechliche Stimme einmal mehr so zurückhaltend ein und spart an Opulenz – nur, um Gefühle entstehen zu lassen und eine Intimität zu erzeugen, die nur er beherrscht. Jedes einzelne seiner Lieder ist an Lagerfeueratmosphäre nicht zu übertreffen und ist eine Bereicherung in jeder Plattensammlung. RY X schafft es, auf digitalen Songs ein Knistern zu erzeugen und den Hörer ganz zu sich selbst zu bringen.

Camelphat & Elderbrook – Tanzen vor der Besinnlichkeit

Ein Song wie ein Koma – so würde sich Cola des britischen Elektroduos Camelphat mit Elderbrook am kürzesten beschreiben lassen. Ein tiefer Housebeat mit einem hypnotischen Gesang und stetigem Beat lassen Cola zu einem der Songs des Jahres 2017 werden. Und das, obwohl der Song bereits seit knapp einem halben Jahr durch Clubs, Blogs und Tips unter Freunden umhergeistert aber nie zum Hit wurde. Bereits seit 2008 machen Dave Whelan und Mike Di Scala Musik zusammen, doch erst richtig durchgestartet sind sie, seitdem sie bei Spinnin‘ Records unter Vertrag stehen. Hier haben sie auch seit 2014 eine EP nach der anderen veröffentlicht. Mit dem ebenfalls aus Großbritannien kommenden Sänger Elderbrook, der vor einem Jahr mit einer Coverversionen des Justin Bieber Songs Sorry auf sich aufmerksam machte, wird Cola zum perfekten Begleiter durch die Nacht. Treibend und rhythmisch klingen Camelphat & Elderbrook wie nach einer der legendärsten Nächte, die man haben kann.

 

Bear’s Den – Konzertkritik (Huxley’s Neue Welt Berlin)

Bear's Den @Huxley's Neue Welt Berlin

Bear’s Den @Huxley’s Neue Welt Berlin

Sie retten den Folk und Alternative Rock. So hatte es kürzlich eine britische Zeitung vor dem Release des zweiten Bear’s Den Albums Red Earth & Pouring Rain betitelt. Und tatsächlich sind Bear’s Den eine Band, die genau das macht, ohne diese Aussage für sich selbst zu beanspruchen. Dass die, auf ein Duo geschrumpfte, Band eher zurückhaltend ist, bekam man an diesem Abend im Berliner Huxley’s Neue Welt zu spüren. Inszenierten sie sich doch groß und blieben dennoch bescheiden und unglaublich sympathisch. Doch krempeln wir den Abend mal von vorne auf.

Matthew And The Atlas @Huxley's Neue Welt Berlin

Matthew And The Atlas @Huxley’s Neue Welt Berlin

Matthew And The Atlas

Der Konzertabend begann pünktlich mit Schlag 20 Uhr, als die ebenfalls aus London kommende Band Matthew And The Atlas auftraten. Ist ihre Musik im Folk und Country angesiedelt, passte diese Beschreibung allerdings nicht immer zu jedem Song. Vielmehr ließen Matthew And The Atlas ein Lagerfeuer entfachen. Mit knisternd, wärmenden Licht und einer berührenden Stimme. Mit den Songs Temple, Graveyard Parade, Old Master und On A Midnight Street schafften sie es schnell, mit dem Publikum eins zu werden. Spätestens mit dem melancholischen Elijah wurden auch die letzten Herzen des Huxley’s erwärmt und sorgten für so manch rollende Träne. Emma Gatrill am Pedal Steel bedankt sich dann auch mit den Worten, dass es die Band unglaublich schön fand, wie still das Publikum während der Song war.

Hasta La Vista Baby

Dieser Ausspruch sollte nicht nur zu einem der meist genutzten Filmzitate der 80er Jahre avancieren, sondern Bear’s Den in die Höhle des Löwen schicken. So hatte sich das Duo als Intro den Film-Score des Terminators ausgesucht und ließ im Vorfeld das Huxley’s mit Duftstäbchen belüften. Nach einem kurzen ‚I’ll Be Back-Flashback‘ bei beim Ein oder Anderen im Saal, kamen die Jungs schließlich auf die Bühne und eröffneten das Konzert mit einem sehr starken Red Earth & Pouring Rain. In unfassbaren 30 Sekunden schafften Bear’s Den es, die Weite des Albums, die Melancholie und Verletzbarkeit zu transportieren und den Raum in eine Blase zu packen, aus der man erst nach 110 Minuten wieder entlassen werden sollte. Es war ein Moment der Reflektion, den die Band erzeugte, wenn sie sich zwischen den Songs immer wieder ungläubig anguckten und selbst überrascht über die Resonanz des Publikums waren. Denn was ihnen entgegen schrie, war das pure Glück und die Freude, diese Band live zu sehen. Dabei zu sein, wenn eine Band die Stimmung erzeugt, die man sonst nur alleine zu Hause oder über Kopfhörer unterwegs erlebte.

1.600 Gäste auf dem Badminton-Spielfeld

Weiter ging es mit dem epischen Emeralds, ehe sie, für den Anfang des Songs, Elysium zur Ruhe kamen. Doch mit Banjo und Trommeln bewaffnet folgte das Publikum dem Song wohl wissend zur Mitte und damit zu dem Moment an dem die Trompete durch den Saal hallte. Überraschend war dann auch die Nutzung von Synthies, die vor allem bei Songs wie Broken Parable und dem bereits gehörten Emeralds auffielen und diese gewisse Weite erzeugte, die der Band so gut steht. Nach einer kleinen Anekdote, dass die Band auf Tour immer Badminton spielt und die Hallen, in denen sie auftreten in ein Spielfeld verwandelt, folgten mit Greenwoods Bethlehem und Stubborn Beast zwei sehr unterschiedliche Songs. Der eine groß, mystisch und mit satten Klang und der andere akustisch und nach Lagerfeuerstimmung klingend. Worauf mit Isaac ein ebenso akustischer wie roher Sound folgte. War ein Banjo immer wieder mit dabei, fragte Kevin Jones – an der Gitarre und am Bass – rhetorisch, was denn besser wäre als ein Banjo. Das Publikum quittierte ihm die Frage mit der richtigen Antwort – zwei Banjos. Und so stöpselten die Beiden und ihre vier Tourmitglieder alle Instrumente ab und spielten den Song Sophie kurzerhand akustisch und mit zwei Banjos.

Das Gefühl von Glück

Es kam immer wieder auf, dieser Moment, des Glücks. Bear’s Den ließen einem bewusst werden, welche Menschen Wärme spenden, welche Momente in der Vergangenheit die stärksten Gefühle erzeugt haben – einfach, in welchen Moment man sich selbst groß, stark und voller Freude fühlte. Und sie zeigten auch, dass all diese Gefühle immer durch eine andere Person ausgelöst wurden. So sind die Texte der Briten voll von Aussagen rund um Liebe, Vertrauen, Sehnsucht und Hingabe. So passte es auch, dass mit Love Can’t Stand Alone wieder eine Ballade folgte, die mit sphärischen Bässen durch den Saal waberte. Mit Roses On A Breeze steigerte sich der Sound dann langsam wieder und wurde mit Andrew Davies warmer Stimme als Mantel umhüllt. Diese gefühlvolle Art hielt auch bei Fortress an, um dann schleichend von When You Break gebrochen zu werden. Rastete die Band doch in der letzten Minute dieses Song so sehr aus, dass mit Blitzlicht und intensiven Schlagzeug, Gitarren und Bass ein Moment der Ekstase entstand, um dann ganz scharf abzufallen und den Song mit den Zeilen „And I have seen all that you’ve seen, and I have been where you’ve been, no, our hands will never be clean, at least we can hold each other“ zu beenden.

Bear's Den @Huxley's Neue Welt Berlin

Bear’s Den @Huxley’s Neue Welt Berlin

Mit der Stärke eines einzelnen Songs

Mit Auld Wives folgte ihr wohl stärkster Song und zugleich auch ein Song, der als Referenz für die Band in den nächsten Jahren nachhallen wird. Bear’s Den schaffen es, dass Auld Wives eins zu eins klingt, wie man ihn vom Album kennt. Da steht ein starker Bass mit einem präsenten Schlagzeug genauso im Vordergrund wie die Synthies und Davies emotionale Stimme. So wünschte man sich, dass der Song für die nächsten zehn Minuten laufen würde um ja keinen Moment dieser Kraft zu verpassen. Doch irgendwann war auch dieser Song vorbei und Jones kündigte mit Above The Clouds Of Pompeii den letzten Song des Abends an. Zwischen – fast freundschaftlich klingenden – Buh-Rufen begann die Band das Intro zu spielen. Im Publikum setze, wie bei einem Startknopf, das Mitsingen ein. So wurde die Textzeile „Don’t cry, hold your head up high, she would want you to, she would want you to“ zur Hymne und durch den Chor von 1.600 so kräftig, dass sich die Band wieder anschaute und nicht glaubte, was ihnen passierte.

Bear's Den @Huxley's Neue Welt Berlin

Bear’s Den @Huxley’s Neue Welt Berlin

Ein Ende vom Ende

Kündigten Bear’s Den mit The Clouds Of Pompeii ihren eigentlich letzten Song an und verschwanden danach von der Bühne, verriet der Roadie, durch das Stimmen der Gitarren, dass es wohl doch noch mehr zu hören gab. Und so kamen die Jungs keine Minute später wieder auf die Bühne um mit Napolean nochmals ruhig zu werden. Mit Drew The Vines folgte dann noch eine schnellere Nummer ehe das passierte, was typisch für Bear’s Den war und gleichzeitig auch ein Moment war, den man so nur noch sehr selten auf Konzerten erleben kann. Hatte die Band Sophie schon akustisch gespielt, kamen sie nun für Gabriel in die Mitte des Saals und sangen inmitten aller Fans. Um sie herum setzte sich das Publikum hin, so, dass auch die, die weiter hinten standen, alles sehen konnten. Mit dieser Geste, sowohl von der Band, als auch vom Publikum zeigte sich einmal mehr, dass Teilen, so viel mehr wert ist. Im Anschluß verriet Andrew Davie, dass Berlin die einzige Stadt weltweit sei, die diese Geste zeige und sie dafür sehr dankbar seien. Wer bereits im Kesselhaus dabei war, kann das nur bestätigen, nahm doch beim Auftritt im Oktober 2015 das Publikum auch dort Platz und öffnete so die Sicht für alle.

Bear's Den @Huxley's Neue Welt Berlin

Bear’s Den @Huxley’s Neue Welt Berlin

Zum Abschluss spielten sie den Song, mit dem alles begann. Agape war 2012 plötzlich in aller Munde und geisterte mit zunehmenden Erfolg von Mumford & Sons durch diverse Blogs. An diesem Abend sollte Agape nochmal dafür stehen, das Publikum in ein großes Klassentreffen mit glücklichen Gesichtern zu verwandeln. So kam auch der 1.600 Mann starke Chor noch einmal hinzu und sang die Zeilen „I don’t want to know who I am without you“ bis der letzte Ton verstummte.

Dass diese Band, die mittlerweile zwei Alben veröffentlicht hat, die besten Musikkritiken der letzten Jahre in diesem Genre einheimsen konnte und in ausverkauften Häusern spielt, immer noch verwundert und überwältigt ist, wie sie das Publikum aufnimmt, zeigt, wie bodenständig und nah sie am Publikum sind. Da stehen diese beiden Musiker auf der Bühne und wissen wohl selber nicht, wie sehr sie ihr Genre retten.