Grace Carter – Emotionale Suche nach einer Antwort

Inspiriert von den Sängerinnen Lauryn Hill und Nina Simone hat die heute 21-jährige Sängerin Grace Carter schon früh die Musik für sich entdeckt. Auch oder vielmehr gerade durch ihren Stiefvater motiviert, bekam Carter zu ihrem 13. Geburtstag eine Gitarre geschenkt und wurde von ihm ermutigt, Songs zu schreiben. Acht Jahre später steht sie bei Warner Bros. unter Vertrag und veröffentlichte mit Silence bereits eine respektable Debütsingle. Nun ist sie mit Why Her Not Me zurück und schöpft aus den Vollen ihrer Songwriting-Kunst. Denn Carter zieht die Inspiration für Texte aus ihren ganz persönlichen Erlebnissen, die allesamt von Wut, Frust, Enttäuschungen und Niederschlägen geprägt sind. Hieraus sammelt Carter ihre Energie und schafft es ihren Songs etwas aufbauendes zu geben und sie nicht als das Ende verstanden zu wissen. Auf Why Her Not Me thematisiert sie die Entscheidung ihres gebürtigen Vaters, die Familie zu verlassen um mit einer anderen Frau und Kindern glücklich zu werden, seiner alten Familie aber Schmerz zuzufügen. Dies schafft Carter mit einer so emphatischen Art, dass man meinen würde, sie könnte es nicht selbst erlebt haben. Durch die kräftige Stimme der Britin, ihr dunkles Timbre und einen bombastischen Sound ist Why Her Not Me so, eine Hymne der Stärke und des nicht Aufgebens und ein großes Ausrufezeichen einer noch jungen Sängerin.

Advertisements

Kara Marni – 90er R&B

Mit ihrer wunderbar, trägen Single Curve hatte die britische Sängerin Kara Marni Mitte April ein sattes Ausrufezeichen gesetzt. War sie damals bereit für einen heißen Sommer, sollte sich nun – am Ende der warmen Jahreszeit – zeigen, dass Marni keine Gelegenheit ausgelassen hat, ihre Musik unter die Leute zu bringen. So war ein Stop auf ihrer Tour, das Hamburger Reeperbahn-Festival Mitte September. Hier präsentierte sie neben Curve auch einige neue Songs sowie unter anderem ihre nun veröffentlichte Single Move. Dabei orientiert sich die Sängerin am R&B, Soul und Hip-Hop der 90er-Jahre und hat uns mit ihrem tanzbaren und eingängigen Beat sofort in ihrem Bann gezogen. Dadurch erinnert Kara Marni an Lauryn Hills – mit Grammys überhäuften – Album The Miseducation of Lauryn Hill. Hier werden Sounds von, auf der Straße spielenden, Kindern mit basslastigen Beats gemischt und singt Marni dazu wie einst Lauryn Hill es tat. Mit seiner – fast schon spielerischen – Melodie, ist Move eine perfekte Nummer für moderne Modenschauen. Und so verwundert es auch nicht, dass Marni bei Magazinen wie VOGUE, HUNGER und NYLON ganz oben auf der Liste steht, wenn es um Auftritte während der Schauen geht. Move ist ein klebrig, grooviger Neo-Soul Song, der die Brücke zwischen 90er-Jahre Soul und heutiger elektronisch unterstützter R&B-Produktionen spannt. Für 2019 wurde damit zaghaft auch Marnis Debütalbum angekündigt und lässt durch Move auf ein spannendes Paket hoffen.

Editors – Mit elektronischer Brutalität zurück

Mit einem Faustschlag sind sie zurück! Die britische Band Editors hat vor wenigen Tagen ihre Leadsingle des sechsten Studioalbums Violence veröffentlicht und damit ein fettes Ausrufezeichen gesetzt. Denn die Entwicklung, der aus Birmingham kommenden Band, hat sich in den letzten Jahren deutlich gewandelt. So spricht Tom Smith selbst, im Vorfeld der Veröffentlichung davon, dass die Band eine Entwicklung in Richtung elektronischer Musik genommen hat und der Status Quo eines Bandorientierten-Sounds immer deutlicher nachlässt. Davon können wir uns nun auch auf der neuen Single Magazine überzeugen. Mit einem psychedelischen Soundwirrwarr lädt uns Tom Smith zu einer Art Beschwörung ein. Klingen die ersten 45 Sekunden nach einer zurückspulenden Kassette, explodieren die Editors anschließend regelrecht. Mit fast schon brachialer Rockgewalt brechen Gitarren, Schlagzeug und schnelle Beats über Tom Smith‘ Stimme herein. Fast schon wie ein Gewitter wirkt Magazine und zeigt imposant, wie sehr die Editors ihren Sound beherrschen und gleichzeitig neues wagen. Auf Magazine hat sich die Band stark vom britischen Musiker Blanck Mass – hin zu mehr Elektrosound – beeinflussen lassen. Dies kann man auf der Leadsingle klar hören. Mit Magazine feiern die Editors eine fulminante Rückkehr und lassen keinen Zweifel daran, dass das am 9. März erscheinende Album Violence spannend und groß sein wird.

SCHWARZ – Konzertkritik

Einen Abend unter Freunden und natürlich ließ sich keiner hierbei bitten. Denn zur Record Release Party lud kein geringerer ein als SCHWARZ – alias Roland Meyer de Voltaire. Bereits vor 15 Jahren ist er musikalisch im Geschäft und hat mit seiner Band Voltaire zwei Alben herausgebracht. Seine letzte Veröffentlichung als Voltaire war hierbei die 2010er Single So Still. Doch mit der Zeit keimte in Meyer de Voltaire der Wunsch auf, auszubrechen und einen anderen Stil auszuprobieren. Sechs Jahre später ist er unter dem Namen SCHWARZ zurück und begeistert mit einem frischen Mix aus Elektro, Jazz und Singer/Songwriting. Am Freitag kam nun seine erste EP In Your Eyes auf den Markt, die er am Samstagabend im Berliner Acud Club, vor geladenem Publikum, präsentierte.

Laina

Hierbei gab es vom Berliner Duo Laina Unterstützung, die vor SCHWARZ‘ Auftritt mit einem sanften, teilweise introvertierten, teilweise lockeren Sound für sehr viel Gefühl sorgten. Mit ihrer handgemachten Musik und dem reduzierten Klang erinnern sie ein wenig an das australische Geschwister-Duo Angus & Julia Stone – auch wenn die Stones für positiv, schwelgerischen Sound stehen und Laina eher zum Lagerfeuergefühl passen, konnte man hier viele Übereinstimmungen wiederfinden.

Als schließlich SCHWARZ auf die Bühne trat, begann der Teil des Abends, der nach vorne ging. Mit einem ergreifenden Sound, der zwischen cineastischen Szenen, epischen Momenten und intimen Gefühlen pendelte, ließ SCHWARZ keinen Zweifel daran, dass er mit seiner Zukunft sehr bewusst umgeht und Erfolg kein Zufall sein kann. Jeder Song auf der EP klingt schwer und weit, groß und treiben zugleich – kurz: SCHWARZ klingt grandios! Ein weiteres, starkes Ausrufezeichen setzt Meyer de Voltaire mit seiner Stimme, die gemein haben, dass Meyer de Voltaire mit seiner Kopfstimme einen ergreifenden Ton anschlägt, der sich in großen Momenten widerspiegelt und in eben diesem treibenden Elektro übergeht, der es erlaubt, auch im Radio gespielt zu werden. Ein Song sticht hierbei besonders hervor – guckt man sich die Diskografie einmal an, ist SCHWARZ mit Home, In Your Eyes und Shine eher introvertiert und sucht den großen Rahmen, doch klingt Cold Sunlight so satt und elektronisch, dass hier der Zwang zu tanzen so stark wird, dass schließlich auch das geladene Publikum die Gläser in die Höhe streckte und hedonistisch anfing zu tanzen. Hätte der Abend eine Zeitlupe hergeben, wäre diese in diesem Moment bestplatziert gewesen. Hinzu kam, dass Meyer de Voltaire sich erhaben bewegte und damit eine bestimmte Eloquenz an den Tag legte, die sich auch in der Präsentation seine Songs zeigte.

Gleichzeitig auch als Single, am Freitag veröffentlicht, ist Cold Sunlight der perfekte Song, um SCHWARZ die Türen zum Erfolg zu öffnen. Ist die EP eine Volltreffer, freuen wir uns schon jetzt auf neue Musik und ein, hoffentlich bald folgendes Debütalbum.

SCHWARZ – In Your Eyes EP bei iTunes