Two Year Vacation - Never Been To Paris

Two Year Vacation – Reisen in Zeiten der Pandemie

Wie gehen wir eigentlich in der momentanen Zeit mit unserem Fernweh um?! Die einen versinken wahrscheinlich im Selbstmitleid um unzählige verpasste Chancen, die Welt zu entdecken. Die anderen machen daraus Musik – wie wir es gerade bei dem schwedischen Quartett Two Year Vacation sehen können. Denn mit ihrer neuen Single Never Been To Paris haben die Göteborger eine so sympathische Nicht-reisen-können-Hymne veröffentlicht, dass man schon fast wieder Reiselust bekommt. Bereits mit ihrer Single I Forgot Your Name (But I Like You) aus dem Frühjahr 2019 stellte klar, dass Two Year Vacation mehr für die gute Laune zu haben sind, als melancholische Melodien. Und selbst, wenn sie, wie bei Never Been In Paris über die begrenzten Möglichkeiten zu Reisen singen, klingt es immer so, als würden sie dabei ein Lächeln auf den Lippen haben. Mit großartigm Indiesound und dem verschmitzten Gesang Anton Tuvessons klingt Never Been In Paris nach so viel Spaß, dass man sich fast selbst in Paris wiederfindet. Hinzu kommt das amüsante Musikvideo, bei dem sich die Band – dank eines Greenscreen-Studios – nach Paris projektieren und einen auf Franzosen machen. Locker, selbstironisch und mit einer gehörigen Portion Humor singen sich Two Year Vacation mit jedem neuen Song weiter in die Herzen aller Indieliebaber und lassen die Vorfreude auf ihre – am 12 Juni erscheinende – EP Bedroom Rock damit steigen.

Yaeji - What We Drew

Yaeji – Ein Hoch auf die Zwiebel

Mit ihrem einzigartigen Elektrosound hat Kathy Yaeji Lee – schlicht als Yaeji bekannt – von Brooklyn, New York aus zu erst die dortige Clubszene und schließlich auch weltweit die Clubs zum brodeln gebracht. Ihr unkonventioneller Sound mit verspielten Sounds aus südkoreanischen Elementen mischt die 26-Jährige gekonnt mit modernen westlichen House-Elementen. Nun hat Yaeji – nach der erst kürzlich erfolgten Veröffentlichung von Waking Up Down – eine weitere Single online gestellt. Das dazugehörige Musikvideo zeigt Yaeji zusammen mit ihrem Großvater, der mit ihr ein paar Fotos schießt und sich als Blogger präsentiert. Auch erhalten wir einen amüsant, verdrehten Eindruck von Yaejis Vorliebe zu Zwiebeln und sehen Freunde aus Yaejis Leben, die immer wieder in Nebensätzen an ältere Songs der in New York lebenden Musikerin angelehnt sind. So hören wir auf What We Drew 우리가 그려왔던 einen verträumten Elektrosound, der sich mit einfachen Beats und einem hauchenden Gesang Yaejis wabernd durch den Raum bewegt. Und auch hier rezitiert Yaeji aus ihrem Hit One More – der mittlerweile über 1 Million Klicks auf Youtube zählt. Trotz der neuen Veröffentlichung ist weiterhin kein Album in Sicht und kommt damit die Frage auf, ob Yaeji vielleicht einfach keine Künstlerin für das Konzept Album ist. Denn mit dem gleichnamigen Mixtape What We Drew 우리가 그려왔던, welches Yaeji diesen Freitag veröffentlichen wird, versammelt sie musikalische Ausschnitte ihres Lebens, als ein Album mit einem konzeptionellen Faden. Solange sie weiter solche wunderbar verspielten Elektrosongs veröffentlicht, reicht das aber auch völlig aus.

Roberto Surace - Joys

Roberto Surace – Genießt es!

Es ist wieder diese Zeit des Jahres, an der die großen Ibiza-Hymnen ihren Weg aus den Clubs der Sonnen- und Partyinsel in die Clubs nach ganz Europa schaffen. Dies liegt zum einen daran, dass die ganzen Touristen diese Songs mit aus ihrem Urlaub nach Hause nehmen und die Nachfrage daher steigt. Zum anderen aber auch, weil sich Plattenfirmen die besten Tracks greifen und die Künstler für Veröffentlichungen unter Vertrag nehmen. So ist es auch im Falle des italienischen DJs und Produzenten Roberto Surace gewesen, der mit seinem Song Joys zum diesjährigen Sommerhit auf Ibiza geworden ist und von Defected Records unter Vertrag genommen wurde. Mit Rotationen bei den angesagten DJs, wie dem Urgestein Ibizas Marco Carola oder Joey Daniel wurde Joys bin in kürzester Zeit zum absoluten Überhit der Houseszene der Partyinsel. Dabei funktionieren vor allem die vielfachen Drops und das Sample des 1986er Songs The Finest der The S.O.S. Band so wunderbar und machen den Song gerade catchy genug, im auch im Mainstream anzukommen aber dennoch weiterhin ein absoluter Banger im Club zu bleiben. Surace selbst hat, seitdem er 17 Jahre als ist – und damit seit 2008 – kontinuierlich darauf hingearbeitet und sich über die Jahre ein wunderbares Gespür für Beats und Melodien angeeignet. Und so ist Joys verspielt und tanzbar zugleich und bleibt mit seiner Bassline immer auch so stark, dass man ihn im Club einfach nur genießen kann. Dabei ist der Songtitel durchaus amüsant zu Stande gekommen, singen The S.O.S. doch im Refrain If I had to choose und hört sich dies – ohne den Songtext genau anzuhören – wie If I had a joys was damit wiederum auf die Namensgebung des Songs hinweist.

Kytes – Indiehit erster Klasse

Wenn schon die Briten aktuell keinen Indie mehr hervorbringen, tut sich in den letzten Jahren so einiges in Deutschland. Mit Razz, den Giant Rooks und Kytes auf der Überholspur, werden auch ihre Songs immer öfter von den Radiostationen gespielt. Dabei kommt letztere Band aus München und stellt nun mit Remedy die neueste Single der im Januar erscheinenden EP Frisbee vor. Hierauf klingen Kytes so unfassbar locker und haben mit dem zugehörigen Musikvideo eine amüsante Indoor-Sommeratmosphäre geschaffen. Mit digitalem Pool, Bildeinstellungen irgendwo zwischen – von amerikanischen Hip-Hop Videos inspirierten – Nahaufnahmen Eis essender Badenixen und weiteren weirden Aktionen begeistern Kytes nicht nur durch das Video, sondern natürlich auch mit einem satten Indieohrwurm. Mit groovigen Gitarrenriffs und einer eingängigen Beatfolge ist Remedy ein absoluter Hit und lässt Michael Spieler, Timothy Lush, Kerim Öke und Thomas Sedlacek – alias Kytes – ins Rampenlicht der deutschen Indieszene treten. Die nächste Indiedisco-Nacht kann also kommen!

Miya Folick – Musik im Einklang

Hinter jedem Künstler und jedem Musiker steht eine Geschichte. Eine Geschichte, die demjenigen, der sich vor ein Publikum stellt, Material gibt, worüber es zu sprechen gilt. Bei der amerikanischen Sängerin Miya Folick gilt dies in vielerlei Hinsicht. Halb Japanisch, halb Russisch, wuchs die Sängerin in Kalifornien auf und zeigt sich in ihren Interessen so nerdig wie vielseitig. Da gibt es zum einen das Interesse an Infinitesimalrechnungen – das daher rührt, dass sie im Schulalter stets vom Ehrgeiz angetrieben, besser sein wollte, als alle Jungs ihres Jahrgangs. Zum anderen kam sie bereits früh mit klassischer Musik in Verbindung und sieht ihre Stimme daher primär als ihr Instrument an. Für ihr, am Freitag erscheinendes, Debütalbum Premonitions hat die buddhistisch erzogene Sängerin einen Mix aus Pop, Indie, flotten Dancetunes und klaren Balladen aufgenommen und nun mit Thingamajig eine Single veröffentlicht, die so reduziert und pur klingt, dass man fast das knistern der Gefühle zu hören vermag. Hierbei dreht sich alles um das Irren und sich dafür zu entschuldigen und Kontrolle abzugeben, so Folick. Dass die Ballade entgegen der vielen anderen Songs auf ihrem Debütalbum stripped-down klingt, zeigt ihr lockerer und frecher Sound er anderen Songs, der klingt, wie es einst Lilly Allen oder Kate Nash auf ihren Debüts schafften. Miya Folick könnte es so womöglich – völlig geerdet – an die Spitze der Charts schaffen.

Chromeo – Die Discokönige sind zurück

Das kanadische Produzentenduo Chromeo ist definitiv keine und, die stetig neuer Musik veröffentlicht – schließlich lassen sich die Jungs aus Quebec in der Regel 3 bis 4 Jahre Zeit, um ein neues Album zu veröffentlichen. Dabei pressen sie jedes Mal aufs Neue Disco-Funk at-its-best auf ihre Platten und sorgen dafür, dass keinesfalls Langeweile und Ruhe aufkommen kann. Mit wunderbar eingängigen Synthies und garantierten Ohrwürmern, spielten sich Chromeo 2010 mit ihrem dritten Album Business Casual in die Herzen der Musikkritiker. Zwischenzeitlich 2014 – mit White Woman – Album Nummer vier veröffentlicht, hielten sie nichts von einem musikalischen Wechsel. Und auch auf ihrem, für 2018 angekündigtes, fünftes Album Head Over Heels darf ein lupenreines Discoalbum erwartet werden, welches zum Feiern einlädt und jede Playlist zum Höhepunkt treiben. Auf ihrer ersten Singleauskopplung Juice sind sie dabei so amüsant wie tanzbar. Hier passt ein wunderbar, eingängiger Beat zu einem humorvollen Musikvideo, bei dem Dave 1 und P-Thugg – wie sich David Macklovitch und Patrick Gemayel auch nennen – auf roten Absatzschuhen und einem äußerst kurzen, schwarzen Minirock durch eine Orangenplantage bewegen. Chromeo nehmen alles mit einem Lachen auf und sorgen dafür, dass ihre Musik durch und durch positiv aufgenommen wird.