Still Corners - White Sand

Still Corners – Ein Geheimtipp für die Seele

Es ist eines dieser Lieder, das zur Veröffentlichung nicht wirklich viel Aufsehen erregt hatte. Ein Song, der noch nicht einmal als Single, sondern als Teil des Albums veröffentlicht wurde. Und doch hat er es in seinen nunmehr sieben Jahren – seit Veröffentlichung – geschafft insgesamt über 82 Millionen Mal über die verschiedenen YouTube-Kanäle abgespielt zu werden. Der Song The Trip des Britisch/US-Amerikanischen Duos Still Corners ist ein absoluter Geheimtipp und kriecht sich seit Jahren kontinuierlich durch alle Indie-Playlisten und Algorithmen, um immer mehr Hörer zu begeistern. Ob der Hörer dabei generell eher wenig mit dem Genre Dreampop anfangen kann, ist dem Song gänzlich egal. Ob im Hip-Hop oder Indie zu Hause. Ob R&B-Liebhaber oder Popsternchen – The Trip begeistert alle und schafft es durch seine verträumt schwelgerische Universalität in jedem die Sehnsucht nach einem Abenteuer zu wecken. Still Corners sind dabei wahre Meister und so haben die Sängerin Tessa Murray und der Songwriter und Produzent Greg Hughes über die 13 Jahre ihres Bestehens seit 2007 zwei EPs und vier Alben veröffentlicht. Nun kommt das Duo mit seinem fünften Album The Last Exit zurück, das am kommenden Freitag erscheinen wird, und veröffentlicht mit White Sands bereits die dritte Singleauskopplung daraus.

Still Corners
Still Corners

Man kann viel über die Entstehung der Songs lesen. Dass auch die beiden Musiker nicht unbeeindruckt von der Pandemie gelassen wurden und ihr Album überarbeiteten, um Songs dieser, noch immer andauernden Zeit, in einen Sound umzuwandeln und für die Nachwelt aufzuheben. Doch ist es eigentlich dieser organisch emotionale Sound selbst, der Still Corners immer wieder tief in unsere Seele lässt. Hier fühlen wir uns zu Hause, hier werden wir aufgewärmt und können unseren innersten Film endlich abspielen. Retrospektiven treffen auf Träume und Erlebtes wird zur Fantasie. Still Corners haben mit White Sands einen Nachfolger ihres 2013er Hits The Trip geschaffen, der dem Geheimtipp in nichts nachsteht. Wenn dieses Album und die Songs von Still Corners in 100 Jahren irgendeinem Hörer in einer Playlist abgespielt werden und er sich mit der Entstehung des Albums auseinandersetzt, wird er rausfinden, dass unsere heutige Gegenwart und seine damit verbundene Vergangenheit aufwühlend war. White Sands ist ein Zeugnis der Zeit und gleichzeitig so zeitlos, wie eine Komposition nur sein kann. Universellere und gleichzeitig so tief ergreifende Musik gibt es selten – Still Corners beherrschen dieses Feld aber, wie kaum ein anderer Act.

Lostboi Lino – Vom Mut eine Wunde zu zeigen

Zwischen dem, was wir sehen und hören, gibt es so viele Gegensätze beim Stuttgarter Rapper Lostboi Lino. Von Deutschrap-Songs sind wir in den vergangenen Jahren regelrecht geflutet worden. Keine Woche vergeht, an der nicht irgendein neuer deutscher Hip-Hop-Act auf Platz 1 der deutschen Singlecharts stürmt, ohne dass er je im Radio, oder TV gespielt oder erwähnt wurde. Einzig und allein die Streamingzahlen geben mittlerweile Ausschlag über das Geschehen in den deutschen Singlecharts. Dabei blitzen die Autos und der Schmuck der Rapper in den Videos nur so in die Kamera und wird derbe über Frauen und andere Statussymbole gerappt. Einige wenige Hip-Hop-Acts haben sich daher in den letzten Jahren immer deutlicher davon abgewandt und bewusst ironisch darauf geantwortet. Nun gibt es mit Lostboi Lino einen Rapper, der sich daran wagt, den Weg zu gehen, den einst Casper für sich als den Richtigen empfand. Mit einer Mischung aus Rap, ernsten Texten und einem Mix aus Hip-Hop, Indie und Pop schaffte er es, nicht nur die geballte Ablehnung der Hip-Hop-Szene auf sich zu ziehen, sondern gleichzeitig ein noch viel größeres Publikum mit seinen Texten zu erreichen. Diesen Weg geht auch Lostboi Lino und veröffentlicht heute mit Ich Bin Da die nächste ergreifende Single. Hat er bereits auf Du Fehlst den Tod seines Bruders angefangen zu verarbeiten ist ein so einschneidendes Erlebnis ein Prozess, den man über Jahre mit sich trägt. Auf seiner neuen Single Ich Bin Da thematisiert er die Position des Übrigbleibenden aus genau dieser Sicht.

Lostboi Lino
Lostboi Lino

Gleichzeitig versucht er zu beruhigen und signalisiert, dass er da ist und nicht vor hat zu gehen. Ob für seine Mutter – die nach dem ersten Verlust nun vielleicht Angst empfinde auch den zweiten Sohn zu verlieren – oder für seinen verstorbenen Bruder als Nachruf. Lostboi Lino versucht hier eine Verarbeitung der Gefühle, die sich auch für einen Mittzwanziger nicht mit Toughness wegstecken lassen. Doch wie Lostboi Lino es versteht, seine Erlebnisse in Songs zu verwandeln, ist bemerkenswert. Phonetisch im Deutschrap befindend ist alles andere an Ich Bin Da kaum greifbar und gleichzeitig durch den unglaublich starken Text und die treibenden Beats fesselnd. Mit dem Wissen, um den Hintergrund, kommt für einen Moment das unbehagliche Gefühl auf, zu diesem Song unbekümmert tanzen zu wollen, ehe uns der Text wieder zurückholt. Doch genau diese Gegensätze sind es, die Lostboi Lino auf Ich Bin Da mit so viel Liebe und Feingefühl verbindet und daher ganz bewusst mit diesen Gegensätzen arbeitet. Mit diesem Mut, seine Wunden zu zeigen und diese in Songs zu verwandeln spricht er aus einer Generation heraus, die sich verloren fühlt und mit diesem Gefühl – anders als die Generationen zuvor – ganz offen umgeht. Zusätzlich zur neuen Single wird seine Debütalbum Lost Tape am 09. April erscheinen und ist ab jetzt vorbestellbar.

Indochine & Christine and the Queens - 3SEX

Indochine & Christine And The Queens – Ein Song für sexuelle Vielfalt und Freiheit

Hier treffen sich zwei Acts, die – jeder Act für sich – ein absolutes Alleinstellungsmerkmal haben. Auf der einen Seite sind es Indochine – die Band, die sich 1981 in Paris gründete und mit ihrem Rock- und New-Wave-Sound über 13 Millionen Platten verkauft haben. Auf der anderen Seite ist es Christine And The Queens, die mit ihrem Art-Pop seit ein paar Jahren ganz Europa in ihren Bann zieht. Während Indochine auf eine 13 Alben, elf Live-Alben, sechs Compilation-Alben und weit über 60 Singles füllende Diskografie blicken können, sind es vor allem die Songs 3e Sexe (1986) und J’ai Demandé À La Lune, sowie Le Grand Secret aus dem 2002er Album Paradize, die als die größten Hits ihrer Karriere gelten und vor 18 Jahren sogar in die deutschen Radio-Playlisten schwappten. Nachdem Indochine am 28. August mit Singles Collection (2001 – 2021) einen ersten Teil ihrer Diskografie als Compilation veröffentlichten und direkt auf Platz 1 der französischen Albumcharts einstiegen, wird nun am 11. Dezember mit Singles Collection (1981 – 2001) der zweite Teil ihrer Diskografie erscheinen. Darauf enthalten ist sowohl die originale Version von 3e Sexe, sowie die neue Version, die Indochine zusammen mit Christine And The Queens aufgenommen hat.

Indochine & Christine and the Queens - 3SEX
Indochine & Christine and the Queens – 3SEX

Hierzu ist vor wenigen Tagen auch das Musikvideo veröffentlicht worden und bringt uns die beiden Ausnahme-Acts auf der neuen Version 3SEX zusammen. Dabei geht es in dem Song, wie schon in seinem Original, um die Freiheit und sexuelle Toleranz. Dass dies zu den beiden Acts, wie zu kaum einen anderen Act in der französischen Musikszene passt, zeigen beide Historien. Héloïse Letissier – die hinter Christine And The Queens steckt, lebt die Freizügigkeit der queeren Antigender-Rollen vollends aus und wechselt immer wieder zwischen ihren Alter-Egos Chris und Christine. Dabei war es für Letissier eine große Ehre, von Indochine-Frontmann Nicola Sirkis gefragt zu werden, ob sie mit ihm für die neue Version zusammenarbeiten würde. So bedankt sich Letissier dann auch über ihre sozialen Kanäle mit den Worten Danke, Nicola, dass du mir die Ehre und das Vertrauen gegeben hast, 3SEX mit dir zu singen, zu einer Zeit, in der das Wort Freiheit wieder all seine Bedeutung und Dringlichkeit annimmt. Echte Revolutionen sterben niemals. Ich küsse dich! War der Song im Original eine New-Wave-Hit, der an den Sound von Depeche Mode oder The Cure erinnert, ist die neue Version 3SEX eine Synthie-Pop-Hymne mit Discoelementen und einem großartigen Vibe. In den Zeiten, in denen es momentan nur äußerst schwer ist, soziale Interaktionen zu haben, lassen Christine And The Queens und Indochine einen Hauch von Freiheit, Euphorie und Empathie auf uns los, der uns, wie ein Impfstoff durch diese Zeiten bringt.

L'aupaire feat. Martin Rott - Bubbles

L’aupaire – Musikalisch neu aufstellen

Mit Rollercoaster Girl gelang dem Gießener Musiker L’aupaire 2014 ein sensationeller Erfolg. Mit einer Mischung aus rauer und gefühlvoller Stimme und treibenden Sounds wurde er schnell vom Geheimtipp zum gefragten Act in Radioshows, auf Festivals und auf der Konzertbühne. Das dazugehörige Album Flowers landete schließlich 2016 auf Platz 51 der deutschen Albumcharts. Mit den darauf enthalten Songs wurde die Nachfrage nach dem – mittlerweile in Berlin lebenden – Musiker schließlich so groß, dass er die Reißleine ziehen musste und sich eine Auszeit nahm. Der Druck und das ständige Touren führten bei Robert Laupert zu einem Überdenken seiner Arbeit. Nach einigen Monaten ohne jegliche Gedanken an die Musik schlossen sich plötzlich Türen und öffneten sich woanders, wie der Musiker dem Gießener Anzeiger in einem Interview erzählte. Dabei kam wieder neuer Elan auf und plötzlich sprudelten die Ideen für neue Songs. Hier schloß sich auch die Tür bei dem Plattenlabel Virgin Records – bei dem L’aupaire noch sein Debütalbum veröffentlichte – und öffnete sich eine andere bei Vertigo Music. Mit Reframing folgte im August 2019 L’aupaires zweites Album für das es auch eine kleine Deutschlandtour geben sollte. Doch nur wenige Wochen nach der Veröffentlichung des neuen Albums teilte L’aupaire über seine sozialen Kanäle mit, dass er auf unbestimmte Zeit keine Konzerte mehr geben kann. Dies zahnt in den Reaktionen seines Körpers, der ihm genug Zeichen gesendet habe, diesen Schritt zu gehen – so der Musiker. Wer die Songs L’aupaires kennt, wird wissen, dass alle gemein einer Intimität und Gefühlswelt entstammen, die nicht auf Hektik, hartem Abliefern und Dauer-Druck-empfinden fußen, sondern durchzogen sind, von weichen, emotionalen Gefühlen und Erlebnissen.

L'aupaire
L’aupaire

Während sich L’aupaire über die vergangenen zwölf Monate somit immer wieder freischwamm und durch Erlebnisse – wie die Geburt seines zweiten Kindes oder die Eindrücke eines Roadtrips mit seiner jungen Familie – neue Kraft fand, entstand daraus auch wieder neue Musik. Die dabei veröffentlichten Songs bilden die Vielfältigkeit des Musikers ab, wie wir es bisher kaum zu hören bekamen. Ob mit dem körperlichen Flamenco, dass von den unzähligen ersten Malen handelt, die man im Leben erlebt, oder dem unglaublich warmen Ocean Girl bei dem wir ganz persönliche Einblicke in L’Aupairs Familienleben bekommen und bei dem er über die Verantwortung für seine kleinen Kinder singt und ebenso darüber, diese Verantwortung auch wieder abgeben zu können, um sie auf ihren eigenen Weg zu schicken. Nun hat L’aupaire mit Bubbles die dritte Singles dieses Jahres veröffentlicht und einen gänzlich neuen Sound eingeschlagen. Gänzlich neu ist dabei, dass die Erstversion der Veröffentlichung ein grooviger Dancesong ist, der mit 80er-Jahre Synthies aufwartet und von Martin Rott – der bereits mit Wallis Bird, Alexa Faser, Max Giesinger und Stephanie Neigel zusammenarbeitete – einen neuen Mix erhielt. Rott hat dabei gerade erst Ende August seine Debüt-EP Circles veröffentlicht und aus L’aupaires Folk- und Blues-Sound eine tanzbare, lebensbejahende Dancepopnummer gemacht. Hierbei kommt ein Retrogefühl auf, welches uns Bilder in den Kopf setzt, wie man in den 80er-Jahren, zusammen mit seinen Freunden, zum nächsten Kiosk gegangen ist, um sich für ein paar Pfennige Süßigkeiten und Kaugummis kaufen zu können. Mit Bubbles gibt uns L’aupaire einen Eindruck von der Vielfalt, die noch in ihm schlummert und macht gleichzeitig Lust auf die kommenden Veröffentlichungen. Alles braucht seine Zeit – auch für Künstler gilt dies, um ganz bei sich selbst zu bleiben.

John Summit feat. Guz - Thin Line

John Summit & Guz – Neuer Clubhit wird zum Hit

Mit Deep End hatte der Chicagoer DJ und Produzent John Summit dieses Jahr den erfolgreichsten Dance-Hit 2020 veröffentlicht. Noch heute spielt der Track in den Party-Playlisten eine große Rolle und ist bei Beatport der Song, der sich am längsten auf Nummer 1 in diesem Jahr halten konnte. Während der DJ den Sommer in den USA nutzen konnte und einige wenige Auftritte streamte, arbeitete der Produzent sich durch die vergangenen 40 Jahre der Chicagoer House-Musik. Großgeworden in einer Stadt wie Chicago bedeutet auch, einen regen Austausch mit der hiesigen Elektroszene zu haben. Schließlich kommen aus Chicago House-Acts, wie Felix Da Housecat, Paul Johnson und Green Velvet. Gleichzeitig gibt es Künstler aus anderen Gegenden der USA und Europa, wie Tensnake, Todd Terry, Julio Bashmore oder Inner City, die den Chicago House Sound ins Heute transportieren und so am Leben halten. Mit John Summit kommt nun ein weiterer Act hinzu, der sich alleine durch das derbe Deep End einen Namen machen konnte.

John Summit
John Summit

Nun ist mit Thin Line ein neuer Song veröffentlicht worden, der Summit in ein noch strahlenderes Licht rückt. Denn Thin Line ist deutlich frischer, als das dunkle Deep End und versprüht den positiven Vibe der großen Chicago-House Klassiker. Zusammen mit dem niederländischen DJ und Produzenten Guz, der – wie Summit – gerade noch am Anfang seiner Karriere steht, hat sich der US-Amerikaner den britischen Klassiker People Hold On von Coldcut und Lisa Stansfield vorgenommen, der vor über 31 Jahren veröffentlicht wurde. Herausgekommen sind etwas mehr als 3 Minuten voller Discofieber. Hier erklingen Stansfields Textzeilen: Give a little light, give a little love. Maybe there’s enough for everyone. Give a little hope and a little drugs. Maybe thеre’s enough for evеryone. We’re all dancing on a, dancing on a thin line, so schillernd und in bester Chicago House Manier, dass wir uns an die Hochzeit der Szene in den 80er Jahren erinnert fühlen. John Summit hat mit Thin Line einen weiteren Überhit produziert, der die kommenden Monate wohl nicht mehr von der Spitze der Beatport-Charts wegzudenken sein wird.

John Summit - Deep End

John Summit – Es wäre der Ibiza Sommerhit

Wäre dieses Jahr die Partyszene wieder nach Ibiza gereist, würde sie um diese Zeit die heissesten Clubtracks mit im Gepäck haben und dafür sorgen, dass diese Songs überall in Europa in der Folge die Charts raufklettern würden. Dies ist mittlerweile seit Ende der 90er Jahre so und hat unter anderem schon Paul Johnsons Get Get Down (1999), Shapeshifers Lola’s Theme (2004), Eric Prydz Pjanoo (2009), Bakermats One Day (Vandaag) (2014) oder El Professors Bella Ciao (Hugel Remix) hervorgebracht und an die Spitzen der Charts gespült. Doch dieses Jahr fiel auch Ibiza aus und somit mussten sich die Dance-Acts ihren Weg über das Internet suchen. Wie das geht, zeigt der US-Amerikanische Produzent und DJ John Summit. Mit seinem Hit Deep End mischt der in Chicago lebende Produzent nämlich seit einigen Wochen die Dancecharts weltweit auf.

John Summit
John Summit

Mit seinem enorm treibenden Housebeat und dem wiederkehrenden Lyrics wird Deep End schnell zu einem enormen Ohrwurm, den man weder aus dem Kopf bekommt, noch aus dem Körper, schreit der doch regelrecht, dass er sich bewegen möchte. Hat Summit bereits mit den Tracks Summertime Chi und Forgotten One für Aufsehen gesorgt, ist es schließlich Deep End zu verdanken, dass er auf den Playlisten von Pete Tongs Essential New Tune und der BBC Radio1-Playlist von Annie Mac landete. Gleichzeitig wird er durch Acts, wie Fatboy Slim, Diplo oder MK gepushed und landet in deren Playlisten. So schaffte es Deep End schließlich auch in die Radioplaylisten in Deutschland und dürfte auf der ein oder anderen Party bereits angekommen sein. Mit Deep End hat John Summit ein Brett von einem Tech-House Song produziert, der noch lange nachhallen wird und die Messlatte ziemlich weit oben ansetzt.

Ytram & Elderbrook - Fire

Ytram & Elderbrook – Setzen uns in Flammen

Einer der erfolgreichsten DJs unserer Zeit hat mit dem britischen House-Act Elderbrook zusammen einen Song veröffentlicht. Nun werdet Ihr Euch fragen, wer dieser Ytram sein soll, der so erfolgreich ist, dass er es mit David Guetta und Tiësto aufnehmen kann. Hinter Ytram verbirgt sich kein geringerer, als der niederländische DJ Martin Garrix, der bereits mit unzähligen Künstlern zusammengearbeitet hat. Im Jahr 2019 vom Forbes Magazin auf Platz 7 der erfolgreichsten DJs der Welt gerankt, steht er damit noch vor David Guetta und Skrillex. Dabei ist der neue Name an die Anfänge Garrix‘ angelehnt, als er sich noch DJ Marty nannte – liesst man den Namen rückwärts, kommt Ytram raus. Zusammen mit Elderbrook hat Garrix nun den Song Fire veröffentlicht, der als Future House ein Zusammenspiel aus Deep House und Garage ist. Während Deep House heute eines der erfolgreichsten Genres im elektronischen Bereich ist, hat Garage in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung verloren. Neben The Streets waren es vor allem Artful Dodger, die diesem Genre um die Jahrtausendwende durch ihren 2Step zum Erfolg verhalfen.

Ytram & Elderbrook
Ytram & Elderbrook

Mit Elderbrook hat sich Garrix nun einen der angesagtesten britischen Elektrokünstler dazugeholt, der selbst erst vor wenigen Wochen mit Why Do We Shake In The Cold? sein Debütalbum veröffentlichte. Auf Fire packen die beiden so viel große Beats, wummernde Bässe und treibende Sounds, dass die 2:44 Minuten fast wie eine Halluzination erscheinen. Hier gibt uns der Song einen Eindruck von triefend nassen Wänden und Decken in einem dunklen, unterirdischen Club im Herzen der europäischen Partymetropolen, wie London und Berlin. Entstanden ist er Song durch einen Beitrag Garrix‘, in dem er Elderbrooks Song Numb postete. Daraufhin schrieb Elderbrook – der bereits seit längerem ein Fan des Niederländers ist – ihn einfach an und fragte, ob er Bock auf eine Zusammenarbeit habe. So entstand Fire in der Lockdown-Phase und arbeiteten die beiden via Zoom an diesem Song. Rausgekommen ist ein enorm energiegeladener Track, der sich feiern lässt und mit dem wir feiern wollen.

G-Eazy - Free Porn, Cheap Drugs

G-Eazy – Ehrlich und rein zum neuen Sound

Er ist aktuell einer der aktivsten Rapper, die die USA zu bieten haben und hat nicht nur selbst mit Songs, wie Me, Myself & I mit Bebe Rexha (2015), Good Life mit Kehlani, No Limit mit ASAP Rocky & Cardi B oder Him & I mit Halsey (alle 2017) international so richtig abgeräumt – sondern ist auch immer wieder ein gern gesehener Featuring-Act bei Stars, wie Britney Spears, Chris Brown, Vic Mensa oder Dillon Francis. Doch was uns Rapper G-Eazy nun präsentiert, ist ein wahrer WTF-Moment. Denn mit seiner neuesten Single Free Porn, Cheap Drugs überrascht der 31-Jährige Rapper nicht nur all seine Fans – sondern schockt sie regelrecht. Denn mit Free Porn, Cheap Drugs krempelt der US-Amerikaner seinen Sound komplett um und liefert plötzlich einen soften Indie-Rock-Song ab, der mit richtigem Gesang und einer Kopfstimme aufwartet. Dabei kündigte G-Eazy bereits an, dass er während der Pandemie- und Lockdown-Zeit viel mit seiner Musik experimentiert hat und es Zeit ist, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Dass sich dieses Kapitel allerdings so deutlich anders anhören würde, hätte wohl keiner geglaubt. Doch die wabernden Indie-Gitarren und der melancholische Vibe stehen dem Musiker äußerst gut und zeigen erstaunlich viel Mut in einem Business, das immer noch vor allem durch protzende Männlichkeit geprägt wird. In einem Post auf seinen sozialen Kanälen kommentiert G-Eazy – der bürgerlich Gerald Earl Gillum heisst – dass ihn die letzten Wochen komplett verändert haben und er in der Phase des Social Distancing viel über sich selbst nachgedacht hat. Gegen eventuelle Hater seines neuen Sounds schließt er dann auch mit dem Satz ab, dass dieses Projekt eine Darstellung davon ist, wo mein Herz und mein Kopf jetzt sind. Es ist ehrlich und rein – ich bin es auch. Nehmt es an oder lasst es – so fühle ich mich eben nun mal gerade. Mit dem Projekt meint G-Eazy Everything’s Strange Here, welches er am 5. Juni auf Spotify veröffentlicht hat und sich mehr auf Gesang konzentriert. Mit Free Porn, Cheap Drugs erreicht der Rapper auf jeden Fall ein ganz neues Publikum und überrascht positiv mit einem verträumten Indiesound.

Celeste - I Can See The Change

Celeste – Im großen Moment ganz leise

Spätestens seit Stop This Flame ist die in London lebende Sängerin Celeste ganz plötzlich auch international ganz oben auf den Act-To-Watch-Listen gelandet und arbeitet seitdem kontinuierlich an ihrem ganz großen Durchbruch. Denn schon 2019 lief es für die Britisch-Jamaikanische Sängerin mit ihren beiden EPs richtig gut. Nun hat die Sängerin mit I Can See The Change eine neue Single und damit gleich auch eine tragende Ballade veröffentlicht. Unterstützt wurde Celeste dabei vom US-Amerikanischen Produzenten Finneas Baird O’Connell, der als Produzent und Bruder von Billie Eilish maßgeblich am erfolgreichsten Album 2019 – When We All Fall Asleep, Where Do We Go? – beteiligt war. Auf I Can See The Change haben Celeste und Finneas eine wunderschöne Version des Gefühls eines verloren fühlens geschaffen. Denn das ist die Geschichte hinter dem Song – so Celeste. Er ist in einer Phase entstanden, in der um Celeste herum extrem viel passiert war und sich die Sängerin trotzdem völlig leer gefühlt hatte. Im Song geht es um Hoffnung und Veränderung, aber auch um das Wissen, dass das Erreichen davon Aufwand, Geduld und Überzeugung benötigt – so Celeste. Dabei erinnert vor allem der Anfangspart an Christina Aguileras Beautiful und verläuft sich später in so typischen Neuinterpretationen, die alljährlich in einem John Lewis Weihnachtswerbespot verwendet werden und mit herzlich warmen Bildern untermalt wird. Mit der Stripped-Down-Ballade I Can See The Change zeigt Celeste, dass sie nicht nur die großen Popsongs mit Tanzfaktor beherrscht, sondern auch die leisen Töne mag. Finneas kommentiert die Zusammenarbeit mit Celeste als in der glücklichen Lage zu sein, dass er für einige Künstler Songs produziert habe, von denen er der Ansicht sei, dass sie für die Ewigkeit Musik machen und Celeste gehört eindeutig dazu. Ihr Debütalbum Celeste ist für Anfang September angekündigt und wird die Sängerin spätestens dann, weltweit zum Erfolg führen – denn was die Briten so richtig gut können, ist, einen talentierten Musik-Act so zu hypen, dass die Veröffentlichung zu einem wahren Happening wird. Wir werden sehen und behalten uns bis dahin die ruhigen Töne Celestes für die ganz besondere Momente.

Howling - Colure

Howling – Zweites Album von RY X und Frank Wiedemann

Mit dem Debütalbum Sacred Ground hatte das Elektroduo Howling 2015 einen wahren Hype ausgelöst. Grund dieses Hypes war das Zusammenspiel aus drei Komponenten. Zum einen war es Frank Wiedemann, der als eine Hälfte des deutschen House-Duos Âme seit 2001 weit über Deutschland hinaus zur absoluten Nummer für House-Musik wurde. Neben Wiedemann ist aber auch RY X Teil des Projektes Howling. Dieser machte sich seit Anfang der 2010er vor allem mit seiner Musik aus Ambient-Pop, Folk und Singer/Songwriter einen Namen. Mit der EP Berlin (2013) und den beiden Alben Dawn (2016) und Unfurl (2019)erreichte der Australier – der lange Zeit in Berlin lebte und nun in Los Angeles wohnt – immer mehr Fans. 2012 fand schließlich die Telefonnummer von Wiedemann den Weg zum in L.A. wohnenden RY X – der bürgerlich Ry Cuming heißt. Kurze Zeit später tauschten sie bereits Songskizzen aus und fanden die aufkeimende Zusammenarbeit so interessant, dass sie mit Howling einen ersten Track zusammen veröffentlichten. Im folgenden Festivalsommer sorgte Howling dafür, dass die Nachfrage nach dem Act hinter diesem Song immer größer wurde und sich Wiedemann und RY X schließlich nach dem Song benannten. Was folgte, war mit Sacred Ground (2015) ein erstes Album. 2017 veröffentlichte das Duo dann mit Phases einen über acht Minuten langen Song, der als großartiger Stand-Alone Track mit dem Mix aus Ambient-House und Folk einmal mehr die Position des Projektes Howling unterstrich. Mit dem nun veröffentlichten Song Bind läuten Howling das nächste Kapitel des Projektes ein und zeigen wieder, wie unabhängig von Clubs und Radios ein Sound entstehen kann, der nur durch die Idee getrieben ist. Dabei treffen sich die treibenden House-Elemente Wiedemanns mit dem folklastigen Gesang RY X‘. Wie das Berliner Projekt Moderat – das sich ebenfalls im musikalisch Umfeld des Duos aufhält – kommen auch Howling aus dem Kosmos des introvertierten Berliner House-Sounds und begeistern Song um Song mit einer Tiefe, die einen ergreift und zum bewegen animiert. Mit Bind kündigen Howling ihr zweites Album Colure an – das am 24. Juli veröffentlicht und auch den Track Phases enthalten wird.