Lukas Graham – Was ist aus dir geworden…

Lukas Graham - 7 Years

Lukas Graham – 7 Years

Da war die Verwunderung groß. War es nicht dieser dänische Mittzwanziger, der mit dem Ohrwurm ‚Drunk In The Morning‘ vor einigen Jahren im Radio rauf und runter lief? Was ist aus ihm geworden? Scheinbar ein gereifter aber optisch nicht veränderter Musiker. Mit seinem Song ‚7 Years‘ hat er es nun endlich geschafft. Sowohl mit dem Erfolg, als auch bei den Kritikern zu überzeugen. Ist dieser Song doch einfühlsam und eingängig zu gleich. Hinzu kommt, dass der Text den eigenen Lebensablauf eines jeden Hörers wiederspiegeln kann und somit universell ist. Getragen wird Grahams Stimme von einem wunderbar zurückhaltenden Klavier und sanften Schlagzeug.
Holt man sich in diesem Moment ‚Drunk In The Morning‘ zurück ins Gedächtnis, könnten diese beiden Songs nicht weiter entfernt sein. Mit ‚7 Years‘ hat sich Graham einen internationalen Hit geschaffen, der wohl ab heute als sein Identifikationssong herhalten wird.

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Jack Garratt – Leiser Künstler mit lautem Sound

Jack Garratt - Worry

Jack Garratt – Worry

Über die letzten anderthalb Jahre hat sich der Brite Jack Garratt eine Fangemeinde geschaffen, die nicht zuletzt daher stammt, dass er seit Jahren im ständigen Zwiespalt seiner musikalischen Kreativität steckte. Denn dieser Zwiespalt ließ ihn in den verschiedensten Musikgenres grasen. Hatte er mal im Blues gefischt, gab es zu Beginn auch Popnummern von Garratt zu hören. Mittlerweile ist der aus Buckinghamshire kommende Musiker im Trip Hop und Elektrobereich zu Hause und ist stolz auf seine Musik. Diese, für ihn, weitaus authentischere Musikrichtung hatte Garratt die Türen geöffnet um als Support für Mumford & Sons, Jessie Ware oder Ben Howard zu spielen. Nun erhält pünktlich zur Albumveröffentlichung – der 2014 erstmals veröffentlichte Song ‚Worry‘ einen Re-Release.
‚Worry‘ weißt viele Parallelen zum Australier Chet Faker auf. Sind beide als Singer/Songwriter mit einem elektronischen Sound erfolgreich geworden. ‚Worry‘ ist schleichend und still jedoch gleichermaßen massive und rau. Garratt gilt so zu Recht als momentan einer der aussichtsreichsten Musiker der britischen Insel.

Louis The Child – Die Rhythmusgenies

Louis The Child feat. K.Flay - It's Strange

Louis The Child feat. K.Flay – It’s Strange

Ganze fünf Monate geistert der Song ‚It’s Strange‘ schon durchs Internet. Wer dahinter steckt? Zwei DJ’s aus Chicago, die sich als Gastsängerin die, ebenfalls aus Chicago kommende, Alternative Sängerin K.Flay mit ins Boot geholt haben. Louis The Child – das sind Robby Hauldren und Freddy Kennett – veröffentlichen aktuell einen Hit nach dem anderen auf ihrer Soundcloud-Seite. Mit dem Song ‚It’s Strange‘ treffen sie so gerade voll ins Schwarze. Hat der Song doch einen unglaublich einprägsamen Beat, der mit dem, nahe am Rap liegenden, Gesang K.Flays zum Hit wird. Das ganze nennt man am Ende Trap EDM. Genau dieses Musikgenre ist aktuell eines der populärsten Genres im Musikbusiness.
Laut der Facebookseite von Louis The Child werden alle Songs durch die gerade einmal anderthalb Jahre alte Plattenfirma Next Wave Records vertrieben. Ob dieser Independent-Status noch lange zu halten ist, wird sich wohl in den kommenden Wochen entscheiden – wenn ‚It’s Strange‘ durch die Decke gehen wird.

Beau – Ein (noch) unbeschriebenes Blatt

Beau - Gold

Beau – Gold

Es war ein kleiner Wink mit dem Zaunpfahl, der mich auf Beau aufmerksam werden ließ. So tauchte vor einigen Wochen das Video zu ‚Gold‘ durch Youtubes Algorhythmen auf. Mit einem selbstgedrehten Musikvideo und einer unglaublich einfühlsamen Stimme schaffte es der, aus Yorkshire kommende, 18 jährige Singer/Songwriter direkt ins Herz zu treffen. Denn ‚Gold‘ erzählt von einem Gefühl des Fernwehs. So wird von der Reise- und Entdeckungslust gesprochen. Im Video begleitet man Beau und einen Freund beim entdecken der Welt und was für Hochs und Tiefs eine solche Reise mit sich bringen kann. Dieses Gefühl der unendlichen Lebenslust gepaart mit einer gewissen Angst etwas zu verlieren, schafft es, für 4:04 Minuten fern der eigenen Welt zu sein.
So ist auch die gänzlich zurückhaltende Information, die Beau auf seine Youtube-Seite geschrieben hat, zu tiefst sympathisch. Steht dort doch nur folgender Satz: „Hey, I’m Beau! An 18 year old aspiring singer/songwriter from the UK.“ Mehr braucht es manchmal einfach nicht.

Danny L Harle – Die 90er bleiben im Gedächtnis

Danny L Harle - Broken Flowers

Danny L Harle – Broken Flowers

Für den Briten Danny L Harle hat es etwas gedauert, ehe einer seine Songs den Weg ins Radio fand. Bereits 2013 veröffentlichte Harle den Song ‚Broken Flowers‘, der sich als langsamer steigender Hit erweisen sollte. Waren seine Songs zwischen 2012 und 2016 eher einem kleinen Publikum zuteil geworden, gelang Harle mit Remixen für Years & Years, Panda Bear oder Spector der Durchbruch. Vor allem der Remix für ‚Shine‘ – von Years & Years sollte Harle im Mainstream Fuß fassen lassen.
Nun also eine Nummer, die knapp drei Jahre alt ist und nur durch das Introducing der BBC Radiostationen bekannt wurde. So hat das vielbeachtete Radio 1 der BBC, ‚Broken Flowers‘ kurzerhand in das Programm genommen und ihm somit eine Plattform angeboten.
‚Broken Flower‘ klingt so nach den 90er Jahren, dass man meinen müsste, sich sofort zu verstecken. Doch klingt ‚Broken Flowers‘ frisch und innovativ auch wenn oder gerade weil Danny L Harle sich an den 90er Jahren orientiert hat.

Ellie Goulding – Und sie kann es doch noch

Ellie Goulding - Army

Ellie Goulding – Army

Hörte man in letzter Zeit Songs der Britin, kam unweigerlich die Frage auf, wo die Sängerin mit der unverwechselbaren Stimme und den einfühlsamen Songs hin ist. Da waren zu viele Kollaborationen mit Calvin Harris dabei und identitätslose Songs wie ‚On My Mind‘ und ‚Something In The Way You Move‘, die in der Art von vielen britischen Sängerinnen hätte kommen können. Sicher steht sie, was ihren Erfolg angeht, momentan ganz oben und erreicht weltweit Spitzenpositionen mit ihren Songs, doch fragte man sich zuletzt als Hörer, der Goulding durch Songs wie ‚Under The Sheet‘ und des herausragenden Elton John-Covers ‚Your Song‘ entdeckt hatte, ob sie diese Art der Popmusik noch anbieten würde.
Nun kann ein klares JA als Antwort gegeben werden. So ist die zweite Veröffentlichung ihres dritten Albums ‚Delirium‘ eine große Ballade, wie man es von ihren Anfängen kennt. ‚Army‘ ist groß, hallend und mit Chor gesungen. Gouldings Stimme ist so stark, klar und präsent wie zuletzt kaum noch und bringt das Gefühl zurück in ihre Musik. So scheint es, als würde Goulding sich momentan ausprobieren aber dennoch nicht ganz auf ihre Basis verzichten wollen. Fans und allen Liebhabern von ungewöhnlichen Stimmen dürfte dies gefallen.

Riton – der tanzbare Wochenendbegleiter

Riton feat. Kah-Lo - Rinse & Repeat

Riton feat. Kah-Lo – Rinse & Repeat

Als Newcomer kann man den aus Newcastle kommenden DJ Henry Smithson alias Riton wahrlich nicht bezeichnen. Hatte er doch bereits 2001 mit ‚Beats du Jour‘ sein Debütalbum veröffentlicht. 2004 und 2011 folgten weitere Alben eher er dieses Jahr nun sein viertes Album ‚Rinse and Repeat‘ veröffentlicht. Die gleichnamige Single sorgt gerade in Großbritannien und bei einigen Indie-Radiostation in Deutschland für viel Aufsehen. Besticht der Song doch durch einen eingängigen Housebeat mit stark reduzierter Melodie. Vielmehr kommen Claps und verspielte Basselemente zum Tragen. Hinzu kommt die Stimme der, noch gänzlich unbekannten, nigerianischen Sängerin Kah-lo. Ihre Soundcloudseite zeigt gerade einmal 6 Songs an und hat mit 47 Followern wohl noch nicht vom Riton Hit ‚Rinse And Repeat‘ profitieren können.
Doch wird in naher Zukunft wohl auch die Reichweite ihres Soundcloud-Accounts durch Clicks und Likes vergrößert. ‚Rinse And Repeat‘ würde als erstes Kennenlernen jedenfalls wunderbar dazu passen.

Flume – Zerbrechlichkeit kann so massiv sein

Flume feat. Kai - Never Be Like You

Flume feat. Kai – Never Be Like You

Er ist bereit! Der australische DJ und Produzent Harley Edward Streten alias Flume hat vor wenigen Tagen eine weitere Single seines, 2016 erscheinenden, zweiten Albums ‚Skin‘ veröffentlicht. Nachdem zwischen der ersten Single ‚Some Minds‚ und dem zweiten Song ‚Never Be Like You‘ knapp neun Monate vergangen sind, dürfte die zweite Auskopplung wohl einen baldigen Albumrelease bedeuten.
‚Never Be Like You‘ ist in einer Nacht in New York entstanden, als er mit der kanadischen Sängerin Kai um die Häuser zog. Ist Kai zwar noch weitestgehend unbekannt, hat sie in den vergangenen Jahren jedoch bereits auf Songs von Jessie J, Diplo, Childish Gambino und Skrillex mitgewirkt. Durch Kai klingt ‚Never Be Like You‘ sensibel und fein, während sich Flume’s Sound schwer und dick anfühlt. Zusammen erzeugen Flume und Kai einen Mix der wie zwei Magneten mit wechselnden Polen wirkt – immer wieder kommt es zu Annäherungen und Abstoßungen. Genau in diesem Aufbau steckt dann auch der Reiz des Songs und bleibt bis zum letzten Ton betörend.

Postiljonen – Dreampop aus Skandinarvien

Postiljonen - How Can Our Love Be Blind

Postiljonen – How Can Our Love Be Blind

Skandinarvien deshalb, da sich die Band aus Mitglieder, die in Stockholm und Bergen wohnen, zusammensetzt. Bereits im Oktober 2015 konnten Ihr hier über die Single ‚Go!‚, der dreiköpfigen Band, lesen. Nun steht übermorgen ihr zweites Album ‚Reverie‘ in den Läden und mit der Single ‚How Can Our Love Be Blind‘ ist eine weiter Single ausgekoppelt. Ihr sphärisch, hallender Sound, und der Dreampop-Beat lassen das Trio an Beach House oder M83 erinnern und schwelgen damit unvoreingenommen in einer Art Luftblase. ‚How Can Our Love Be Blind‘ baut sich im Verlauf der 4:19 min. zur Hymne, mit Trompeten, Schlagzeug und einer hauchend, sehnsüchtigen Stimme Mia Brox Bøe’s auf und holt den Hörer ab. Dieses Lied und Postiljonen verdienen es, beachtet zu werden.

Of Monsters and Men – Mit einer Träne durch Island

Of Monsters and Men - Wolves Without Teeth

Of Monsters and Men – Wolves Without Teeth

Die Isländer überraschen immer wieder. Kamen sie 2011 aus dem Nichts und sorgten mit dem Song ‚Little Talks‘ und dem dazugehörigen Album ‚My Head Is An Animal‘ für einen derart großen Hype, dass ihr Debütalbum in 18 Ländern in die Charts einstieg. Es war die Mischung aus der kindlichen Stimme der Frontsängerin Nanna Bryndís Hilmarsdóttir und einem gleichzeitig wegblasend, euphorischen Sound, der für immense Fanzuwächse sorgte.
Mit ihrem zweiten Album ‚Beneath The Skin‘, dass im vergangenen Sommer erschien, wurde zwar die Opulenz nicht weniger doch wurde ihr Sound hier und da zurückhaltender, mitunter gar zerbrechlich und sensibel. Dies zeigt sich auch auf dem nun veröffentlichten Song ‚Wolves Without Teeth‘, der schüchtern aber selbstsicher klingt. Hier hört man Hilmarsdóttir und Ragnar Þórhallsson im Wechsel singen und wird in eine aufbrausende Spirale aus beiden Stimmen immer weiter mit hinein in diese gezogen. So ist ‚Wolves Without Teeth‘ unglaublich berührend, ergreifend und lässt den Hörer in eine Fantasiewelt abdriften. So könnte der Titel des Songs nicht besser gewählt sein um diese beiden Gegensätze – Zurückhaltung und Selbstsicherheit – zu demonstrieren.