Foals - The Runner (Rüfüs Du Sol Remix)

Foals – Neue Genres erobern

Sie verbinden Indie, Alternative, Dance, Rock und Punk und sind in diesem Jahr so umtriebig, wie selten zuvor. Allein in diesem Jahr haben die Briten von Foals satte acht Singles veröffentlicht, die allesamt von ihren beiden – ebenfalls 2019 veröffentlichten – Alben Everything Not Saved Will Be Lost – Part 1 und Everything Not Saved Will Be Lost – Part 2 stammen. Nun – in Anbetracht eines hektischen Jahres, das zu Ende geht – haben Foals sich noch einmal etwas ganz besonders ausgedacht und ihren Song The Runner von der Australischen Band Rüfüs Du Sol remixen lassen. Dabei sind Rüfüs Du Sol, die aus Australien kommen, wahre Meister der elektronischen Musik und haben mit ihrem letzten Album Solace (2018) gerade erst zwei Grammy Nominierungen als Best Dance/Electronic Album und  Best Dance Recording erhalten. Nicht ohne Grund, denn hört man sich den Remix des Foals Songs an, erkennt man sofort die Handschrift des Elektro-Trios. Auf endlos scheinenden neuneinhalb Minuten haben Rüfüs Du Sol The Runner gestreckt und klingen dabei keine einzige Sekunde überflüssig. Mit euphorischen Beats und Drops lassen uns Rüfüs Du Sol in eine Nacht der Ekstase entgleiten und fügen Foals damit ein weiteres Genre des Clubsounds hinzu. Foals und Rüfüs Du Sol beweisen mit The Runner wie großartig Indierock und Alternative Dance fusioniert klingen und bereiten damit dem Sound der Zukunft einen Grundstein.

Moyka – Music for Cyborgs

Moyka verdient es, bekannter zu werden. Mit jedem ihrer Songs hat die norwegische Sängerin Monika Engeseth eine grandiose Qualität an mystisch, dunklen aber tanzbaren Songs veröffentlicht. Dieses Jahr waren darunter die großen Songs Colder und Bones die so faszinierten. Mit ihrer neuesten Single Ride bringt die Sängerin nun einen Soundtrack für die Zukunft raus. Mit einem dunklen, pulsierenden Beat, einer tiefen Stimme und sphärisch, hallendem Chorgesang hebt sich Moyka in die Welt des Science-Fiction. Zusätzlich unterstützt wird dies durchs eine computerbasierte Backgroundstimme, ehe der ganze Song eine epische Metamorphose erlebt und zum wabernden Dancetrack wird. Moyka macht den Sound der Zukunft – dunkel, euphorisch und mystisch bleiben ihre Songs auch immer ein Rätsel.

Meduza feat. Goodboy – Italien kann es noch!

Meduza steht vor einer schwierigen Aufgabe. Ende der 90er Jahre waren Acts wie Ann Lee, Eiffel 65 und Gigi D’Agostino das Maß aller Dinge und belegten die Spitzenpositionen der Charts weltweit. In den 2000ern und 2010ern war dies weitaus schwieriger für die Südeuropäer. Hatten doch die Briten und Schweden zunehmend Einfluss auf die Charts genommen. So gab es Mitte der 2010er einen rasanten Anstieg an EDM-Acts von den britischen Inseln. Nun wollen wieder ein paar Italiener das Zepter in die Hand nehmen und haben mit dem Song Piece Of Your Heart gleich einen wahren Überhit abgeliefert. Dabei ist der Song gerade einmal die Debütsingle des italienischen Trios Meduza, welche seit ungefähr einem halben Jahr durch die Clubs weltweit geistert. Doch seit schließlich Star-DJ Tiësto den Song in seiner Radio-Show Tiësto’s Club Life spielte, schafft es der Song immer mehr Menschen zu erreichen und wird zunehmend auch im Radio gespielt. Dabei folgt Piece Of Your Heart einem klassischen Schema und bildet durch eine klare Bassline, eine tiefe Gesangsstimme von Goodboys und dem dunklen Housebeat einen satten Clubhit, der die Partys rund um den Globus anheizen wird. Als Debütsingle gleich so einen starken Song zu veröffentlichen, lässt die Zukunft des Trios geradezu hervorragend aussehen! Doch bis es dazu kommt, tanzen wir auch an einem Sonntag zu Piece Of Your Heart!

Zulu – Mit einem Mix aus Indie und Elektro nach oben

Da legen sich aber drei Jungs ins Zeug. Kennen wir von den Bandmitgliedern der Würzburger Band Zulu nur die Vornamen Max, Basti und Jannis und haben sie sich erst Weihnachten 2016 – und damit gerade einmal vor zwei Jahren-  gegründet scheint der Band Gemächlichkeit allerdings fremd zu sein. Denn haben Zulu doch nur 15 Monate nach ihrer Gründung mit Analogue Heart bereits ein Debütalbum auf den Markt gebracht, welches aus verspielten Elementen, Indie und einem aus Elektro basierendem Sound besteht. Hierbei sind die Singles Digital Brain und Neukölln ganz vorne mit dabei. Nun hat das Trio mit Science eine weitere Single aus ihrem Debütalbum veröffentlicht, welche ein astreiner Indiehit werden könnte. Hierbei baut sich Science mit einer an Roosevelt Songs erinnernden Hookline zu einem wahren Ohrwurm auf. Dabei ist Science von einer Leichtigkeit geprägt, die fast schon Desinteresse ausdrücken könnte, wenn nicht gleichzeitig eine gewisse Verschmitztheit rauszuhören wäre. Aktuell hat die noch junge Band erst 1.500 Follower bei Facebook und knapp 700 bei Instagram, doch mit einem kleinen Push und der richtigen Platzierung dürfte für Zulu die Zukunft vielversprechend aussehen.

HÆLOS – Spannendes zweites Album kommt

Mit ihrem Debütalbum Full Circle und Singles wie Separate Lives hatten HÆLOS 2016 alles richtig gemacht. Befriedigten sie doch mit einem vielschichtigen Sound aus TripHop, Ambient, Elektro und Pop die Kritiker und schafften es mit ihrem tiefen und dunklen Klang viele Fans zu gewinnen. Nun haben die Briten um Lotti Benardout mit Tokyo die erste Single aus ihrem zweiten Album Any Random Kindness veröffentlicht. Erscheint das Album Mitte Mai ist die Single Tokyo eine treibend, zerbrechliche Nummer, die durch viele einzelne Soundelemente zu einem spannenden Hybriden aus einer fernen Zukunft wird. Abermals schaffen es HÆLOS über alle Kanäle hinweg ein Netz aus kryptischen Botschaften zu weben und bleiben dabei dunkel und dystopisch. Klingt Tokyo einerseits, als würde ein Telefonat durch einen Störsender verzerrt werden, bauen die Beats und der Sound ein verrückt hektisches Klangbett auf und wirken dennoch irgendwie beruhigend und schläfrig. HÆLOS ist aktuell eine der spannendsten Bands und schafft es um sich herum eine geheimnisvolle Welt aus Musik und Botschaften aufzubauen.

Someone – Ein Soundtrack für das Weltall

Die niederländische Sängerin Tessa Rose Jackson ist unter ihrem Musikprojekt Someone bekannt für ausufernde Musikvideos, die ihre Songs in ein völlig eigenständiges Genre heben. Ihr hauchend, hallender Gesang ist dabei der perfekte Soundtrack für eine Tour durchs Weltall. Verfolgt man Someones Diskografie, kommt man, wenn man The DeepForgive Forget und den heute veröffentlichten Song Pull It Together anhört, unweigerlich an den Punkt, an dem man sich selbst auf die Erde niedersehen sieht. Dabei hat Pull It Together Anleihen des 1969er Bowie Hits Space Oddity und schwelgt in Atmosphären fernab des hiesigen Popgeschehens. Mit opulenter Instrumentierung und großen Gesten singt Jackson von ihrem Blick aus dem Himmel – runter zur Erde und lässt mit Textzeilen wie Stuck on a cloud again. This time i can’t come down. It was an accident oh, won’t you help me out. I made the same mistake, yes I know erahnen, wie sie dort hingekommen ist. Someone ist ambitionierter Pop, der immer auch ausufernd und bombastisch klingt und hoffentlich in Zukunft in dem ein oder anderen Science-Fiction Film zu hören sein könnte.

Smith & Thell – Schwedischer Folk dreht ganz groß auf

Sie sind eines der aufstrebendsten schwedischen Acts des Jahres. Nachdem Smith & Thell 2017 mit Soulprints ihr Debütalbum veröffentlichten, erreicht nun mit Forgive Me Friend auch die Single aus ihrer, im November veröffentlichten EP Telephone Wires den Rest Europas. Dabei besingen Maria Jane Smith und Victor Thell die Veränderung einer Freundschaft durch das Erwachsenwerden und der Naivität, dass man denkt, es würde sich nie etwas ändern. Bereits im Sommer 2018 veröffentlicht, kletterte der Song in den vergangenen Monaten europaweit immer höher. Sind sie mit Forgive Me Friend in ihrer Heimat bis auf Platz 7 gekommen, nehmen nun auch Radiostationen in ganz Europa ihre Single in ihre Playlists auf. Dabei sind die in Helsingborg lebenden Musiker musikalisch weit von dem entfernt, was die meisten schwedischen Musiker als Sound veröffentlichen. Denn mit ihrem Mix aus hymnischen Folk, Pop und dem gesanglichen Duett lassen Smith & Thell keinen anderen Weg zu, als in naher Zukunft mit Forgive Me Friend die europäischen Charts zu erobern. Hier lässt Mumford & Sons Little Lion Man grüßen und klingt doch eigenständig und frisch.

The Good, The Bad & The Queen – Goodbye Europe

Damon Albarn tanzt bekanntlich auf vielen Hochzeiten. Sei es als Solokünstler, als Mitglied von den Gorillaz oder Blur oder als Teil der Supergroup The Good, The Bad & The Queen. Mit letzterer Band ist Albarn nun wieder zurück. So veröffentlichte die vierköpfige Band am vergangenen Freitag – elf Jahre nach deren gleichnamigen Debütalbum – nun mit Merrie Land ihr zweites Studioalbum, das geprägt vom Brexit mit einem kritischen und irritierenden Blick auf die Geschehnisse in ihrem Land eine Stimmung aufgreift, die alles noch absurder wirken lässt. So beschreibt Paul Simonon, vormals als Bassist von The Clash bekannt, ihre Musik als Anspielung auf die nostalgische, sentimentale Vision der Menschen, wie England einst war – die es aber nie wirklich gegeben hat. Mit Drummer Tony Allen und Gitarrist und The Verve Keyboarder Simon Tong haben Albarn und Simonon ein Album produziert, das wie ein Abgesang auf die Zukunft klingt. Mit dem allseits gegenwärtigen Goodbye-Gefühl klingen die beiden Singles Gun To The Head und Merrie Land nach einer resignierenden Bevölkerung, die ihrem Übel müde entgegenblickt. Da werden die Songzeilen If you’re leaving can you please say goodbye. And if you are leaving can you leave your number. I’ll pack my case. And get in a cab. And wave you goodbye fast schon süffisant von Albarn intoniert. So, dass man sich kurzzeitig genötigt sieht, die Briten an die Hand zu nehmen und aufs Festland und an sich reißen zu wollen. The Good, The Bad & The Queen sind nach über einer Dekade mit einem politisch brisanten, zweiten Album zurück und werden so ein Teil der Geschichte des Verlassens von Großbritannien aus der EU sein.

Sam Spiegel – und die Crème de la Crème

Ob für die Yeah Yeah Yeahs, Donavon Frankenreiter, die Swollen Members oder Crystal Castles – Sam Spiegel ist ein Produzentenallrounder. Denn er produziert nicht nur für Musiker, sondern auch für Werbeclips oder Filme. Damit ist er in den letzten Jahren zu einem der erfolgreichsten Produzenten aufgestiegen. Das alles, ohne wirklich im Mainstream bekannt zu werden. Dies wird sich wohl in Zukunft ändern. Denn Spiegel hat entschieden, selbst in den Vordergrund zu treten. Seine Arbeiten in den letzten Jahren haben dann auch in der Musikszene für Aufmerksamkeit gesorgt und so musste Spiegel nicht lange bitten, um auf seiner Single To Whom It May Concern herausragende Künstler, wie Theophilus London, Alex Ebert und Cee-Lo Green zu vereinen. Herausgekommen ist eine Disconummer, die an fetten Beats und smarten Rhymes nicht zu überbieten ist. Mit dem immer wiederkehrenden Trompeten und einem eingängigen Refrain ist To Whom It May Concern auf dem direkten Weg, der Soundtrack zu den Hundstagen zu werden. Also dreht die Lautsprecher auf, setzt den Bass höher und genießt Sam Spiegels To Whom It May Concern!

Felix Räuber – Konzertkritik (ACUD Berlin)

Wenn ein Mensch einem Anderen die Worte zuwirft Schön, dass du die Zeit findest, deine Aufmerksamkeit meiner Musik zu schenken. Ich würde dir gerne ein paar Worte dazu erzählen. Dann möchte er wirklich etwas teilen. Dass dieser Mensch, der an diesem Abend auf der Bühne steht, eine ganze Menge zu teilen und mitzuteilen hat, liegt an seiner Vergangenheit und wie er seine Gegenwart und Zukunft gestaltet.

Es ist Mittwoch, der 23. Mai 2018 und im Berliner ACUD läuft Felix Räuber mit Wunderkerzen in der einen und einem Kassettenrekorder in der anderen Hand, durch das Publikum zur Bühne. Es ist der Beginn seiner Geschichte. Nach dem herausragenden Erfolg mit der Band Polarkreis 18, kam es 2012 zum Bruch. Was folgte, waren diverse Projekte in Chören oder dem Pop-Duo Zwei von Millionen. Hiebei nagte bei Räuber die Unzufriedenheit immer deutlicher und die Frage kam auf, ob er als Künstler überhaupt noch arbeiten könne.

Mit seiner, am heutigen Freitag erscheinenden EP Wall beweist Räuber eindrucksvoll, wie relevant er noch ist. Denn ähnlich wie das gleichnamige Polarkreis-18-Album aus 2007, ist die EP voller Vielfalt, Mut und Experimentierfreudigkeit. Über 14 Songs und 75 Minuten nahm Räuber das Publikum in diesem intimen Umfeld mit in eine Welt, die sich nicht im Hier abzuspielen schien. Über drei Interludes präsentierte der, mittlerweile in Berlin lebende, Sänger Songs, die selbst auf der Wall EP noch nicht zu finden sind. Zwischen massiven Basslines, Pianostücken, Falsettstimme und Rock, bot Räuber eine Palette, die den verschiedensten Emotionen des Menschen ähneln. Dabei gelang Räuber der Spagat zwischen penibler Perfektion und charmanten Verlieren-im-Sound. Nicht von ungefähr kommt die Perfektion, die er bereits zu Zeiten der Band Polarkreis 18 besaß.

Es sollte alles stimmen, zu wichtig war es Räuber seine Songs so zu präsentieren, wie er sie einst im Kopf hatte. So war er an diesem Abend nicht nur als Sänger und am Keyboard aktiv, sondern gleichzeitig auch immer wieder Dirigent. Als charmanten Höhepunkt, kam es bei er Performance von Wall zu einem Abbruch und Neustart des Liedes, sowie einem zweiten Abbruch und der Wiederaufnahme. Sinngemäß kommentierend, dass es Hits geben soll, bei denen immer etwas schief geht, arbeitete sich Räuber dabei so professionell durch, dass am Ende genau dieser Moment die Einzigartigkeit der intimen Record-Release Show ausmachte.

Kam es erst wenige Tage vor dem Konzert zu der Entscheidung, die beiden Orchesterspieler mit auf die Bühne zu nehmen, zahlte sich die musikalische Vielfalt vollends aus. Schließlich begleiteten sie fast jedes Lied an diesem Abend. Dass sich Räuber hier – im allerbesten Sinne – immer wieder in seiner Musik verlor, sprach nur für die Vielschichtigkeit und übertrug sich auf das Publikum. Dabei wankten Menschen, mit geschlossenen Augen wohlwollend zum Sound und ließen ihre ganz eigenen Erinnerungen Teil des Songs werden.

Mit dem herausragenden Wall-Remix vom deutschen Musiker Geistha, der bisher leider nirgendwo zu finden ist und dem Après Minuit hat sich Räuber mit letzterem Song sogar einen kleinen Die-Fabelhafte-Welt-Der-Amelie-Moment gezaubert. Denn hier hatte er sich für den Auftritt, den ebenfalls aus Berlin kommenden Musiker und Produzenten Schlindwein mit ins Boot geholt. Ebenso dabei war zum Schluß des Konzertes eine Coverversionen des Scott Mathew Songs Effigy, den Räuber völlig auslebte. Dabei griff er sich schließlich das  Kassettenradio und lief mit der Textpassage Find my way home abermals durch das Publikum, um den Raum schließlich zu verlassen.

Mit Wall beginne ich nun eine Reise, die noch viele spontane Momente hervorbringen wird, darauf kann ich endlich wieder vertrauen. Ich freue mich, dir auf diesem Weg zu begegnen erwidert Räuber schließlich am Ende seines EP-Booklettextes. man merkt in jedem Moment, dass Räuber hierbei unglaublich viel Herz und Energie hineingesteckt hat.

Zuletzt auf einem Konzert von Polarkreis 18 im Jahr März 2009 live gesehen, ist Räuber nicht nur erwachsener geworden, sondern präsentiert sich auch angekommen und selbstsicher. Und so endet der Abend schließlich darin, dass man – förmlich überrumpelt von der Frage was man sich in die gerade erworbene EP notieren lassen möchte – keine Antwort parat hat und somit ein schlichtes aber charmantes Liebe Grüße von Felix Räuber zu lesen bekommt. Räuber ist damit mit seiner Wall EP zurück und stärker denn je.