Tycho - Easy

Tycho – Brücke in die Zukunft

Manche Bands gehen an einem jahrelang vorbei und tauchen in einem Moment auf, der so zufällig wie überraschend ist. Bei Tycho ist es der aktuelle Song Easy der eine Zäsur in Scott Hansens musikalischem Leben darstellt. Denn hat er das Projekt Tycho bereits vor 17 Jahren – im Jahr 2002 – gegründet und seitdem, mit Past Is PrologueDiveAwake und Epoche, vier Alben veröffentlicht, konnte der Kalifornier für das letzte Album sogar eine GRAMMY-Nominierung einsammeln. Mit Easy zeigt sich Tycho jedoch reflektierter und gibt sich selbst eine Auszeit von der Arbeit. Mit einer sanften Frauenstimme besetzt, wirkt Easy beruhigend, sphärisch, elektronisch und wie der Hauch eines warmen Atems am Ohr. Der Sound klingt cineastisch und passt zu Filmszenen mit dunklen, verregneten Straßenzügen durch die ein einsamer Charakter läuft. Easy ist dabei der Vorbote für ein neues Album und stimmt uns nicht nur wunderbar auf das Wochenende ein, sondern ist gleich noch eine perfekte Untermalung für den nahenden Sommer.

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The Slow Show @Silent Green Berlin. www.soundtrack-of-my-life.com

The Slow Show – Konzertkritik

Der Rahmen versprach Großartiges. Hatte sich die britische Band The Slow Show drei Jahre lang aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, kündigten die Manchester um Frontsänger Rob Goodwin mit Sharp Scratch den ersten Vorboten des kommenden Albums an. Dabei war es in der Vergangenheit beunruhigend ruhig um die Band gewesen. Hatten sie mit ihren 2015er und 2016er Alben White Water und Dream Darling doch in kürzester Zeit zwei Alben vorgelegt, die vor allem durch die Baritonstimme des Frontsängers Goodwin, zu absoluten Glückstreffern der britischen Musikszene avancierten. Dabei galt das Glück nicht etwa der Band, dadurch bekannt zu werden, sondern vielmehr uns Hörern, diese Atmosphäre erleben zu dürfen.

Lou Stone @Silent Green Berlin.    www.soundtrack-of-my-life.com

Als Ort für die Vorstellung der neuen Songs wurde die einzigartige Eventlocation Silent Green in Berlin ausgewählt. Hierbei handelt es sich um ein ehemaliges Krematorium, welches vor 110 Jahren im Stadtteil Wedding erbaut wurde und noch bis 2001 als solches genutzt wurde. In der ehemaligen Feierhalle – in der einst die Urnen der Verstorbenen aufgestellt wurden – befindet sich heute das Herzstück des gesamten Areals und finden in der 17 Mieter hohen, achteckigen Halle heute Veranstaltungen, wie Lesungen und Konzerte statt. Dabei steht die, mit einem deckenhohen Bühnenvorhang dekorierte, Erhöhung als Bühne zur Verfügung.

In diesem besonderen Umfeld eröffnete der Londoner Singer/Songwriter Lou Stone den Abend mit einer passenden Mischung aus Folk, Pop und Soul und überzeugte sogleich mit seiner warmen, einfühlsamen Stimme, welche die Aufmerksamkeit des Publikums schnell auf sich zog. Legt die Feierhalle jedes noch so kleine Geräusch an den Tag, war es das Berliner Publikum welches seinen Ruf alle Ehre machte und so still war, dass man die Saiten der Gitarre schwingen hören konnte. Mit seiner EP Fictions und so wunderbar romantischen Stücken wie Don’t UnderstandCarry Me HomeSally oder dem Titelstück Fictions war er der perfekte Opener für The Slow Show und stimmte das Publikum auf einen herzerwärmenden Abend ein.

Schließlich kamen um Punkt 20 Uhr Sänger Rob Goodwin, Keyboarder Frederik ‚t Kindt, Bassist Joel Byrne-McCullough und Schlagzeuger Chris Hough auf die Bühne und starteten in einen Abend, der versprach einmalig zu werden. Mit Songs aus den ersten beiden Alben und einigen Stücken aus dem kommenden – für später in 2019 angekündigtem – dritten Album führte Goodwin das Publikum mit warmen Worten durch den Abend und ließ dabei nur äußerst selten seine Augen von der Menge. Immer wieder streifte der Blick des britischen Sängers durch die Menge, suchte ganz bewusst den Blickkontakt mit Einzelnen und verschaffte seiner Musik damit eine weitaus eindringlichere Wirkung.

Mit Songs wie Dresden, Ordinary LivesFlowers To Burn oder dem alles überragenden Bloodline beflügelte die Band das Publikum immer wieder mit dem Gefühl des kollektiven Schwelgens. Bei Bloodline welches die Band auf eine 7-minütige Version ausdehnte, in der das Publikum einen Teil des Refrains selbst sang und damit in der Halle eine Atmosphäre entstand, die ein überborderndes Wir-Gefühl ausstrahlte, wuchs die Dankbarkeit in Goodwin sichtlich ins unermessliche. Dass die Band glücklich ist, dieses Leben, leben zu dürfen und mit so vielen Menschen Emotionen teilen zu können, zeigt sich in der fast schon schmerzhaft dankbaren Haltung des Sängers. Dabei wirkte er zu keinem Zeitpunkt unauthentisch und zeigte eher bei jedem Song eine fast schon gebrochen, mitfühlende Haltung – als fühle er die Emotionen, die ihm beim Schreiben der Songtexte antrieben, nochmals nach.

Gleichwohl kamen mit – unter anderem – Sharp ScratchSt. Louis und Places You Go auch einige neue Songs vor, die sich wunderbar in die heimelige Stimmung einfügten. Mit ihrem Hang zu ruhig beginnenden Songs, die in einer opulent instrumentierten Version aufgehen, haben The Slow Show den perfekten Soundtrack für die Untermalung von Emotionen geschaffen. Immer wieder kam man sich an diesem Abend vor, als wäre man in einem Spielfilm, bei dem tiefe, emotionale Momente musikalisch untermalt würden, nur, um anschließend in einer ergreifenden Auflösung zu enden.

Zum Ende hin überraschte Goodwin schließlich noch mit einer Rede auf Deutsch, in der er sich für die Geduld des Publikums bedankte und dafür, dass man die Band nicht vergessen habe. Gleichwohl kündigte er für später im Jahr weitere neue Musik an und war dankbar über einen Abend in so einer Location, mit solch einem Publikum und der Tatsache, dass das Publikum der Band die Nervosität, neue Songs zu spielen, mit solche einer Wärme genommen hatte und ihnen so zeigte, die richtige Richtung gegangen zu sein.

The Slow Show @Silent Green Berlin. www.soundtrack-of-my-life.com

The Slow Show kann man nicht vergessen. Nicht die Stimme, nicht den Sound, nicht die Emotionen, die diese Band verkörpert. Und so zeigte sich am Ende auch das Publikum dankbar und war glücklich, diesen Abend miterlebt zu haben.

Y.V.E. 48 feat. PHOTØS – Kryptisch entspannt

Es ist, wie bei einer Schnitzeljagd – man findet einen Song, möchte über diesen etwas schreiben, sucht im Netz nach Informationen und findet… nicht wirklich viel. Bei dem heutigen Act ist es genau so. Herausgefunden habe ich von dem kryptischen Y.V.E. 48 nur, dass es ein Produzenten-Duo aus Deutschland ist und aus zwei Jungs besteht. Dabei haben beide vor gut fünf Jahren das erste Mal als Y.V.E. 48 etwas auf ihrem Soundcloud-Profil hochgeladen und sind bei Spotify mittlerweile bei fast 500.000 Hörern im Monat angekommen. Zumindest zu ihrem Featuring-Act PHOTØS lässt sich sagen, dass dieser in Santa Monica, Kalifornien lebt und seine Musik selbst als Bedroom-Pop beschreibt. Hört man sich nun die Veröffentlichung Without You an, wird klar, dass hierbei gar nicht so viel von den Künstlern zu erfahren sein muss. Spricht doch Without You für sich selbst und reiht sich in die Riege der erfolgreichen EDM-Hits ein, die Anfang der 2010er Jahre vielfach bis an die Spitze der Deutschen Singlecharts gelangten. So teilt Without You die melancholisch, schwere Luft eines Sommerabends, an dem man sich mit Freunden auf dem Dach eines Miethauses in der Großstadt trifft und die laue Nacht begrüßt. Mit den gleichen sommerlichen Vibes, wie wir sie auch schon von Wankelmut, Robin Schulz oder dem Deepend Remix von Matt Simons kennen, steht Without You diesen Songs in nichts nach und könnte als Vorbote der warmen Jahreszeit durchaus zum Hit avancieren.

Ellie Goulding – Eine Stimme, ein Gefühl

Ihr drittes Studioalbum Delirium liegt mittlerweile dreieinhalb Jahre zurück, doch weg von der Bildfläche war die britische Sängerin Ellie Goulding nie wirklich. War Goulding doch mit der Veröffentlichung von Still Falling For You – dem Titeltrack des Soundtracks zu Bridget Jones – und durch Kollaborationen mit Kygo und Clean Bandit kontinuierlich im Radio und den Charts vertreten. Nachdem Goulding bereits im Oktober 2018 mit Close To Me einen Vorboten ihres für Frühjahr 2019 angekündigten vierten Albums veröffentlichte, hat sie nun mit Flux eine Stripped-Down-Ballade herausgebracht, die Gouldings Stärken und einzigartige Stimme herausragend präsentiert und nur durch ein Klavier und sanfte Violineneinsätze begleitet wird. Gouldings Intention hinter Flux war die schwierige Situation zu beschreiben, die sie selbst erfahren hat, als eine Beziehung zu Ende ging, doch ihr Gefühl, die Zuneigung und das Verlangen nach dieser Person nicht abschalten konnte. Mit den Worten And I’m still in love with the idea of loving you. It’s a state of flux, but it’s not enough. And I’m still in love with the idea of loving you. It’s a state of flux, I just keep holding on trifft sie genau dieses Gefühl der Zerrissenheit und dem Verlangen nach etwas, was unwiderruflich der Vergangenheit angehört. Das kommende Album soll laut Goulding deutlich mehr von ihren persönlichen Erfahrungen und Gefühlen geprägt sein, als es die vorherigen waren. Mit Flux beweist sie bereits jetzt eindrucksvoll, wie das klingen kann.

Max Jury – Klingt anders, ist anders

In Iowa, USA geboren, lebt der 26-jährige Sänger Max Jury mittlerweile in London um Musik zu machen. Mit einem Mix, irgendwo zwischen Singer/Songwriter, Folk, Country und Pop, ist es Jurys Stimme, die uns Staunen lässt. Denn kann man nicht immer ganz ausmachen ob Diese von einem Mann oder einer Frau stammt. Nun ist gerade diese so sanfte, weiche Stimme mit einem hauchend, falsettartigem Klang auf Jurys neuester Single Sweet Lie besonders stark zu hören. Dabei ist Sweet Lie nicht nur der Vorbote Jurys zweiten Albums Modern World – welches am 31. Mai 2019 erscheinen wird – sondern auch eine ungewohnt poppige Nummer, die so von Jury anfangs nicht geplant war. Doch hatte Robin Hannibal, der den Song produzierte, mehr in der Nummer gesehen und das Tempo etwas erhöht. Herausgekommen ist eine wunderbare Popballade, die tanzbar aber auch einfühlsam ist und Jurys wunderschöne Stimme perfekt präsentiert.

Eliza And The Bear – Mit einem Grinsen in die Hölle

Im Frühjahr 2016 waren die Londoner von Eliza And The Bear plötzlich da. Mit Friends beschallten sie die Radios und schafften einen grandiosen Ohrwurm. Anderthalb Jahre später kommen sie mit ihrem neuen Song Hell zurück und verbinden das Wort Hölle mit einer 80er-Jahre Soundparty. Da hören wir satte Synthies und langgezogene Heuler – hinzukommen E-Gitarren, die Hell abrunden. Eliza And The Bear machen dabei so saubere Popmusik, dass man kaum widerstehen kann. Wenn dann auch noch im Hintergrund schwach eine Trompete zu erklingen scheint, sind sie schließlich auf dem Höhepunkt ihrer Party und reißen uns einfach mit. Hell ist der erste Vorbote ihres demnächst erscheinenden Albums und macht einfach Spaß.