Haiku Hands feat. Sofi Tukker - Fashion Model Art

Haiku Hands feat. Sofi Tukker – Tanzen, bis wir wieder vereint sind

Vor knapp zwei Jahren hatten Haiku Hands mit Squat einen so massiven Dancesong veröffentlicht, dass man sich gewünscht hatte, dieses Trio schnellstmöglich auf den großen Bühnen weltweit zu erleben. Doch schien die Zeit noch nicht gekommen und so spielten sich die Schwestern Claire und Mie Nakazawa sowie Beatrice Lewis die Finger wund, um ihre Fanbase aufzubauen. Als Support-Act von Bands wie Sofi Tukker fanden sie schließlich ein passendes Publikum – sind die Sounds und Songs des US-Amerikanischen Duos doch ähnlich aufgebaut und begeistern mit einem ähnlich treibenden Beat. Mit ihrer neuesten Single Fashion Model Art besiegeln sie nun den Hype und bringen zusammen mit Sofi Tukker einen Song in Umlauf, der sich demnächst auf wohl so einigen Catwalks oder Vernissagen wiederfinden wird. Und das, obwohl der Song gerade diese Events so ironisch aufs Korn nimmt. So besuchte die Band vor einiger Zeit die Sydney Biennale – ein internationales Festival für Contemporary Art – und machte sich über das Getue auf Veranstaltungen wie dieser lustig.

Haiku Hands

Haiku Hands

So entstand im Zug – auf dem Weg nach Hause – der Singsang Fashion Fashion, Model Model, Art Art Art, den sie den Rest der Fahrt immer wieder laut durch den Zug riefen. Mit der passenden Attitüde angereichert ist Fashion Model Art ein pumpender Dancetrack, der sich mit Hilfe von Sofi Tukker ganz genau dort platziert, wo sich die Mädels selbst sehen – auf den Tanzflächen dieser Welt. Mit simplen Beats und aufmüpfigen Texten stehen Haiku Hands nun auch kurz davor, ihr Debütalbum Haiku Hands zu veröffentlichen – welches am 11. September in die Plattenläden kommt. Auch hier hat die Pandemie und der Lockdown dafür gesorgt, dass sich einiges in der Planung geändert hat. So veröffentlichen Haiku Hands ihr erstes Album nun ohne dieses mit Liveperformances promoten zu können. Sind die ersten neuen Konzerte für Januar 2021 angesetzt, versucht das Trio gerade alles, um die Fans zu erreichen und veröffentlicht Livestream-Konzerte. Mit Fashion Model Art haben Haiku Hands einen enormen Ohrwurm veröffentlicht, der sich mit Sicherheit auf kommenden Fashion-Shows wiederfinden wird.

Kylie Minogue - Say Something

Kylie Minogue – Sie macht nicht nur Disco, sie IST die Disco

Kaum eine andere Künstlerin hat so beständig Hits abgeliefert, wie die Australierin Kylie Minogue. Dabei hat sie in den 41 Jahren ihrer Musikkarriere einige Höhen und Tiefen erlebt. Vom großen Hype der jungen Sängerin in den 80er Jahren mit Nummer-1 Hits, wie I Should Be So LuckyLocomotion oder der Kollaboration mit Jason Donovan auf Especially For You blieb in den 90ern nicht mehr all zu viel übrig. Nach einem Soundwechsel – hin zu einem deutlich experimentelleren Sound – waren die Hits der Sängerin in diesem Jahrzehnt rar und wurden nur durch das herausragende und bis heute von den Kritikern zu einem der ganz großen Musikmomente gewählte Where The Wild Roses Grow mit Nick Cave And The Bad Seeds unterbrochen. Dieser Song landete nicht nur weltweit in den Charts, sondern ist durch seine zeitlose Stimmung auch nach wie vor in vielen Playlists und Bestenlisten zu finden. Der Paukenschlag setzte bei Minogue pünktlich zum Jahrtausendwechsel ein. Denn hier räumte sie die Charts auf und platzierte sich mit ihrem Millionenseller Light Years und den Singles Spinning AroundOn A Night Like ThisKids (zusammen mit Robbie Williams) und dem Song Your Disco Needs You – den Minogue in mehreren Sprachen aufgenommenen hat – auf die vordersten Ränge der internationalen Charts.

Kylie Minogue - Disco

Kylie Minogue – Disco

Was folgte war ein regelrechter Hype um die Australierin, den sie im Anschluß des Erfolges von Light Years mit ihrem Folgealbum Fever noch zu toppen wusste. Denn hier räumte sie alles ab, was es zu erreichen gab. Schaffte es die erste Singleauskopplung Can’t Get You Out Of My Head in über 40 Ländern an die Spitze der Charts und wurde bis heute zu Minogues größtem Erfolg, ging das Album Fever mehr als 6 Millionen mal über den Ladentisch und zählt somit ebenfalls zu ihrem erfolgreichsten Album. Fever brachte Minogue sogar einen Grammy Award in der Kategorie Best Dance Recording ein. Konnten sich alle nachfolgenden Alben weiterhin über zumeist Top-10 Platzierungen weltweit freuen, ging es für die Singles nach dem 2010er Album Aphrodite immer weiter bergab. Was blieb, war ein gemischtes Jahrzehnt, in dem Minogues Songs nicht mehr die Positionen der 2000er erreichen konnten. Nun hat die Sängerin mit Say Something eine erste neue Single ihres 15. Studioalbums DISCO – das am 6. November erscheinen wird – veröffentlicht und reißt damit das Ruder wieder an sich. Mit einem großartigen Sound, in Anlehnung an die Discozeit der frühen 2000er und Elementen aus den späten 70er Jahren singt sich Minogue durch ein Gefühl der Einsamkeit, die durch den Wunsch nach einer Zusammenführung geprägt wird. Mit den Songzeilen We’re a million miles apart in a thousand ways….Love is love it never ends, can we all be as one again? (Wir sind auf tausend Arten eine Million Meilen voneinander entfernt.. Liebe ist Liebe, sie endet nie, können wir alle wieder eins sein?) erinnert Say Something an den Song, den wir hören, wenn die Party endet. Es ist der Zeitraum, in dem immer mehr Leute die Tanzfläche verlassen und sich fertig machen, um nach Hause zu gehen. Bis dieser eine Song kommt, der bei den wenigen Übriggebliebenen zu einem Moment der Ungezwungenheit führt und sie so nochmal voller Energie und Abschiedsgefühl die Tanzfläche stürmen. Say Something ist Minogues 73 offizielle Singleveröfentlichung – schaut man sich an, dass ihr größter Erfolg Can’t Get You Out Of My Head die 36. Singleveröffentlichung war, könnte nun, mit Veröffentlichung Nummer 73 erneut ein absoluter Hit herausspringen. Say Something ist Disco und Wehmut zugleich und bringt uns dazu, wieder zusammen bis weit in die Nacht zu feiern.

Michael Kiwanuka - Final Days (Bonobo Remix)

Michael Kiwanuka – Durch Bonobo veredelt

Soulige Stimmen waren schon immer gut, für einen Remix, der die Tanzflächen füllen soll. Alleine die beiden Songs Liquid Spirit von Gregory Porter (im Claptone Remix) und Holding On von Disclosure feat. Gregory Porter haben in den vergangenen Jahren immer wieder für volle Tanzflächen gesorgt. Doch bereits in den 70er Jahren waren Discomusik und Soul eng miteinander verbunden und sorgten für eine der erfolgreichsten Zeiten dieses Genres. Für den neuesten Remix dieser Art haben sich zwei Künstler gefunden, die jeweils wahre Könige in ihrem Fach sind. Da wäre zum einen der britische Soulsänger Michael Kiwanuka, der mit seinem dritten, selbstbetitelten Album Kiwanuka 2019 komplett abräumte, zum absoluten Kritikerliebling wurde und bereits Ende 2019 mit dem Claptone Remix von You Ain’t The Problem erste Ausflüge in die Clubs machte. Zum anderen gibt der ebenfalls aus Großbritannien kommende Musiker und Produzent Bonobo mit seinem Remix ein Comeback – ist es doch der erste Remix seit drei Jahren, den der Brightoner Musiker zusammen mit Kiwanuka veröffentlicht.

Michael Kiwanuka

Michael Kiwanuka

Herausgesucht haben sich die beiden Musiker einen Song des Kiwanuka Albums, der bisher noch nicht als Single erschienen ist. Hierbei wird Final Days das folkig, Soulige genommen und von Bonobo mit einem fließenden Elektrosound neu arrangiert. Dabei nutzt Bonobo funkige Elemente und macht daraus einen frischen, hellen Song, den es abzufeiern gilt. Kiwanuka klingt auf dem Final Days Remix anfangs noch melancholisch gedämpft, ehe sich der Song in einem freundlichen, nach vorne gehenden Beat auflöst und somit die geballte Kraft eines Sommersongs entfaltet. Ganz ohne Ohrwurm-Refrain schleicht sich Final Days im Bonobo Remix damit in unser Taktzentrum und bringt erst nur die Finger und Zehen zum tippen, bis schließlich der ganze Körper anfängt mitzugehen. Nachdem Bonobo im Sommer 2019 mit dem neuen Song Linked für Spekulationen um ein neues Album gesorgt hat, dürfte die Remix-Aktivität des Briten nun neue Hoffnung auf ein baldiges Album machen. Zusammen mit Michael Kiwanuka hat Bonobo auf Final Days zumindest jetzt schon Mal dafür gesorgt, dass die Sommerabende heiß und lang werden.

Ela Minus - they told us it was hard, but they were wrong.

Ela Minus – Tiefer Sound für die Nacht

Es beginnt mit tiefen Synthies und einem hauchenden Gesang und baut sich innerhalb der kommenden 4:44 Minuten zu einem dunklen, treibenden Song auf, der von verborgenen Partys in dunklen und feuchten Kellern handeln könnte. Dabei hat Ela Minus – wie sich Gabriela Jimeno als Musikerin nennt – über die vergangenen Jahre immer größere Schritte unternommen, um erfolgreich Musik machen zu können. Mit neun Jahren am Klavier begonnen, zog es die in Bogotá, Kolumbien geborene Musikerin schnell ans Schlagzeug und in die Punk-Band Ratón Pérezin. Damals vor allem durch die Musik von Metallica und Pantera geprägt, wuchs die heute 30 jährige Musikerin eher mit harten Sounds auf – dies spiegelt sich auch in Ela Minus‘ heutiger Musik wieder. Dabei erlebte die ehemalige Punkrockerin in den 2000ern eine wahre Evolution der Rockmusik, die wir alle nur zu gut kennen. Waren es Anfang der 2000er noch die großen Acts aus den USA und Großbritannien, die mit ihren Gitarren für einen Hit nach dem anderen sorgten, floßen zunehmend elektronische Elemente in ihre Musik ein. Heute bilden so gut wie alle großen Bands einen Mix aus Rock und elektronischer Musik ab.

Ela Minus (Photo credit: Teddy Fitzhugh)

Ela Minus (Photo credit: Teddy Fitzhugh)

2008 zog Ela Minus schließlich nach Boston in Massachusetts, USA um an dem Berklee College of Music zu studieren. Hier studierte sie die beiden Fächer Drum Set Performance und Music Synthesis und schloß diese beiden erfolgreich 2013 ab. Direkt im Anschluss ging es für die Musikerin nach New York, wo sie seitdem in Brooklyn lebt. Mit ihrer 2019er Debüt-EP Adapt. zeigte sie bereits, dass sich ihre Musik komplett vom Schlagzeug gelöst hat und als Hauptinstrument die Synthies einsetzt. Mit ihrer neuen Single they told us it was hard, but they were wrong. setzt sie nach gefeierten Auftritten auf dem Sónar Bogotá 2017, dem Lollapalooza Argentina 2018 sowie geplanten – doch wegen der Pandemie abgesagten – Auftritten auf dem diesjährigen Primavera Sound Festival in Barcelona und dem Coachella Festival ein neues Ausrufezeichen. Denn einhergehend mit der Veröffentlichung von they told us it was hard, but they were wrong. geht auch die Mitteilung über einen Plattenvertrag bei Domino Records raus – bei denen auch Bands wie Franz Ferdinand, Arctic Monkeys, Austra, Georgia oder Hot Chip unter Vertrag stehen. they told us it was hard, but they were wrong. ist eine fluoreszierende Elektrohymne auf das eigen Vertrauen in sich, Dinge zu tun, von denen das Umfeld immer sagt, dass diese nicht möglich seien. Es ist aber auch eine Hymne an die Nacht. Nicht auf der Tanzfläche, sondern viel mehr an das Umherirren in den verworrenen Gängen der Clubs oder dem Rennen durch die Nacht einer Großstadt, bei dem die Straßenlichter für ein wiederkehrendes Lichtspiel im Gesicht sorgen. Ela Minus klingt geheimnisvoll, rau und treibend zu gleich und hat mit ihrer neuesten Veröffentlichung einmal mehr gezeigt, wie großartig der Einfluss von Punk- auf die elektronische Musik sein kann.

Møme, Ricky Ducati - Got It Made

MØME feat. Ricky Ducati – Wenn die Disco zu Dir kommt

Er ist mit neuem Material zurück! Hat der Franzose Jérémy Souillart unter seinem Musik Alter-Ego MØME in den letzten beiden Jahren vor allem die Trilogie Møment I, Møment II (beide 2018) und Møment III (2019) veröffentlicht, ist es sein unverwechselbarer Discosound, der MØME auf jeder Tanzfläche zum Hit werden lässt. Zusammen mit Ricky Ducati veröffentlicht MØME nun abermals einen Song, in dem der kalifornische Sänger mit seiner hohen Stimme glänzen kann. Dabei klingt Ducati auf Got It Made fast schon einem der Bee Gees Brüder zum verwechseln ähnlich. Mit einem hervorstechenden Bassbeat und dem hallenden Gesang Ducatis wird Got It Made zum Ausreißer in die 70er Jahre und lässt uns an die Bilder aus Saturday Night Fever denken. Dabei können wir auf noch deutlich mehr Musik der beiden hoffen, hat MØME doch ein Album angekündigt, welches er zusammen mit Ducati aufgenommen hat, Flashback FM heissen und voraussichtlich im kommenden Jahr erscheinen wird. Mit der geballten Ladung French House, Elektro, Disco, Synthie und Funk bereitet uns der Franzose mit Got It Made also auf eine satte Ladung Discotunes vor. Zusammen mit dem passenden Musikvideo haben MØME und Ducati eine kleine Zeitreise gewagt, erklärt der Franzose. Wir stellten uns ‚Got It Made‘ als eine Zeitreise in die 70er/80er Jahre von Los Angeles vor, die von einem imaginären Pop-Radiosender stammt – wir hätten Kalifornien zu dieser Zeit wirklich gerne kennengelernt. Wir wollten, dass das Video eine visuelle Interpretation davon ist. Dies ist den beiden gelungen und zeigt gleichzeitig, dass sich MØME für dieses Projekt deutlich persönlicher präsentiert. Hier klingt der Song nicht mehr nur nach einem Sommerhit, sondern gleichzeitig auch noch stärker nach einem Charakter, als wir es von seinen vorherigen Songs gewohnt sind. Mit Got It Made dürfte MØME zusammen mit Ducati für einen heißen Sommer sorgen, der bedingt durch die Pandemie aus unseren Wohnzimmern eine Disco werden lässt.

Jack Garratt - Better

Jack Garratt – Geläutertes Wunderkind

Er hatte einen kometenhaften Aufstieg hinter sich – mit seinem Trip Hop- und Indie-Sound hatte Jack Garratt von 2014 bis 2016 mit Songs, wie The Love You’re Given und Worry für einen absoluten Hype gesorgt. Dabei war sein Sound tanzbar, dennoch intim und hat gerade deshalb den Hype um den damals 23-jährigen Sänger so hochkochen lassen. In seiner Heimat mit Awards überschüttet, gewann er mit dem BBC Music Introducing Artist of the Year, BBC Sound Of 2016 sowie BRIT Award – Critics‘ Choice Award drei der wichtigsten Barometer für einen großen Durchbruch. Nach sieben ausgekoppelten Singles über zwei Jahre, veröffentlichte Garratt im Februar 2016 schließlich sein Debütalbum Phase und schaffte es bis auf Platz 3 der britischen Albumcharts. Doch nicht nur auf der britischen Insel war der Musiker äußerst beliebt – auch in den USA, Australien, Belgien, Italien, den Niederlanden, Neuseeland, Irland und der Schweiz stieg er mit seinem Album in die Charts ein. Auch in Deutschland schaffte es Garratt so bis auf Platz 28. Doch dann kam es zu einem Moment, in dem Garratt nicht mehr wusste, wie er weitermachen könne. Hatte er gerade die Arbeiten an seinem zweiten Album abgeschlossen, war er so unzufrieden mit dem Ergebnis, dass er das komplette Album löschte. Getrieben von der Aufmerksamkeit und den Erwartungen an ein neues Album wuchs Garratt alles über den Kopf und empfand seine Arbeit als seelen- und ideenlos. Mit genügend Abstand und einem freien Kopf setzte er sich die vergangenen vier Jahre an neue Songs und arbeitete sich durch einen Prozess, seine Angst – nur ein Produkt der öffentlichen Aufmerksamkeit zu sein – abzulegen, in dem er wieder zu sich selbst fand. Herausgekommen sind Songs über das Scheitern, der Neuentdeckung zu sich selbst und dem Drang, sich immer weiter optimieren und verbessern zu müssen. Hat Garratt mit Time – als Leadsingle – und Circles als aktuelle Auskopplung bereits zwei imposante Songs veröffentlicht, ist es die zweite Singleauskopplung Better die für all das steht, was der Brite in den vergangenen Jahren durchgemacht hat. Dabei ist gerade das Musikvideo als eine Art biografischer Schnipsel der vergangenen Jahre zu sehen und zeigt beeindruckend, wie zerrissen der Sänger gewesen sein musste. Zusätzlich sprudelt Better unglaublich vor Energie und ist ein Song, der auf der Tanzfläche zum Solo-Ausrasten anregt. Ganz bei uns selbst kommen wir dem Gefühl Garratts beim Hören von Better ziemlich nah und bekommen eine Emotion geliefert, die sich deutlich von dem ersten Album unterscheiden. Garratt hat etwas zu sagen und sprudelt auf seinen Songs förmlich raus damit. Wir hingegen können nur staunen und uns über die neue Kreativität auf seinem gerade veröffentlichten zweiten Album Love, Death & Dancing freuen.

Two Door Cinema Club - Tiptoes

Two Door Cinema Club – Ein wenig Nostalgie

Vor knapp einem Jahr erst veröffentlichte das Nordirische Trio Two Door Cinema Club mit False Alarm ihr viertes Studioalbum und näherte sich wieder mehr dem Sound der frühen Jahre an. Mit dem dritten Album Gameshow (2016) schien schließlich doch einiges an Glas zerbrochen zu sein zwischen den Fans und er Band. Dabei ging es mit dem Debütalbum Tourist History (2010) erst steil bergauf und sorgte für absolute Gassenhauer, wie Something Good Can WorkI Can Talk und Undercover Martyn und mündete in top Platzierungen mit ihrem zweiten Album Beacon (2012). Ihr letztjähriges Album False Alarm erreichte mit Platz 28 nicht nur die schlechteste Chartplatzierung bisher, sondern konnte auch keine einzige Singleauskopplung in den Charts platzieren. Nun haben Frontsänger Alex Trimble, Gitarrist Kevin Baird und Bassist Sam Halliday allerdings in der Mottenkiste gekramt und mit der EP Lost Songs (Found) am gestrigen Freitag eine Platte voll mit Raritäten veröffentlicht. Mit dabei ist nicht nur eine Demoversion eines ihrer größten Hits Something Good Can Work, sondern auch der Song Tiptoes, den das Trio nun als Singleauskopplung veröffentlicht hat. Weitere B-Seiten aus der Zeit des Debütalbums wurden bisher entweder überhaupt noch nicht live gespielt, oder nur einmal auf einem Konzert in York. Tiptoes beginnt dabei mit einem ungewöhnlich harten Elektrobeat, der sich jedoch schnell in den typischen Gitarrensounds der Band auflöst und sofort zeigt, warum man sich einst so in die Musik der Band verliebt hatte. Dabei sollte Tiptoes eigentlich sogar auf dem Debütalbum landen, kam jedoch – aus Zeitmangel – nicht über eine Demoversion hinaus. Dabei hört man Tiptoes den charakteristischen Sound zum Ausrasten auf einem Konzert oder Festival an und fragt sich ungläubig, warum der Song es nie auf ein Album geschafft hat. Nun haben Two Door Cinema Club dem Song die Ehre erwiesen und uns eine EP geschenkt, die voll von Liedern ist, die aus der frühen Zeit der Nordirischen Band stammt. Tiptoes ruft uns unterdessen wieder auf die Tanzfläche und lässt uns ausflippen, als wäre es 2010.

Howling - Colure

Howling – Jetzt geht alles ganz schnell

Alles began mit ersten Ankündigungen zu neuen Auftritten für das Jahr 2020. So hatte das Duo Howling im Januar mit dem Sónar Festival in Barcelona und einer kleinen Headline-Tour durch Europa die ersten Auftritte seit Jahren angekündigt. Dass sich im Zuge der Pandemie allerdings alle Tourdaten und Festivalauftritte – zu dem das Paradise City und Sacred Ground Festival hinzugekommen waren – durch Absagen oder Verschiebungen drastisch auf die Promotion des Albums auswirken würden, konnte zum damaligen Zeitpunkt keiner wissen. Doch unbeirrt der fortschreitenden Ereignisse hatten Frank Wiedemann und Ry Cuming Ende April mit Bind ihren ersten neuen Track veröffentlicht. Ebenfalls zu diesem Zeitpunkt verkündete das Duo, dass Ende Juli ihr neues Album Colure erscheinen wird. Nun – vier Wochen nach der Veröffentlichung von Bind – haben Howling mit Need You Now und Healing gleich zwei neue Songs veröffentlicht und begeistern einmal mehr mit einem treibend, sphärischen Elektrosound, der sich im Hier und Jetzt verliert. Mit rauer Schönheit werfen sich frickelige Elektroarrangements zu einem Klangteppich zusammen, auf dem sich RY X‘ Gesang bewegt, als würde er auf einer großen leeren Tanzfläche eines altehrwürdigen Ballsaals tanzen. Hier und da blitzen die Reflexionen der Diskokugel an den Wänden auf und lassen den nostalgischen Charme der Umgebung durch eine moderne Soundwolke miteinander verschmelzen. Howling transportieren immer auch ein Gefühl mit ihren Songs. Oftmals durch Melancholie geprägt, läuten sie eine Art Schulterzucken ein, durch das sie den Hörenden sich völlig unbesorgt mit sich selbst auseinandersetzen lassen. Dabei bieten sie den Spiegel an, sich in der Musik des Duos wiederzufinden und somit die Musik zu einem ganz persönlichen Teil werden zu lassen. Mit Colure – das in nunmehr acht Wochen erscheinen wird – lassen Howling auf ein kräftiges und emotionales Elektroalbum hoffen, welches uns schnell begeistern wird. Folgt man der Veröffentlichungspolitik der einzelnen Songs, könnten wir mit etwas Glück ableiten, dass wir – noch bevor das Album am 24. Juli veröffentlicht wird – einen weiteren Songrelease erwarten dürfen. Mit Need You Now und Healing arbeiten wir uns allerdings erst einmal durch zwei großartige Elektrosongs, die uns die nächsten Wochen begleiten werden.

Clueso - Tanzen

Clueso – Auf den Spuren der Beats

Mit seiner Single Sag Mir Was Du Willst machte der Erfurter Musiker Clueso bereits zu Beginn des Jahres den Anfang. Ein neuer Sound, mit neuen Beats und einem lockerer wirkenden Thomas Hübner überraschte etwas. Doch nach seinem letzten Album Handgepäck I deutete sich bereits an, dass sich Clueso in eine unbefangenere Richtung entwickeln würde. Mit deutlich positiveren Vibes lässt der Musiker auf die Tanzfläche bitten. Wer das bis heute noch nicht so ganz verstanden hat, dem macht Clueso nun auf seiner Single Tanzen unmissverständlich klar, dass der Beat lockt. Dabei mischt Clueso genau diesen eingängigen Beat mit orientalischen Flöten und täuscht fast darüber hinweg, dass der Song inhaltlich eher auf das Ende einer Beziehung hinsteuert. Denn auf Tanzen geht es Clueso um die Momente in einer Beziehung, in der beide merken, dass es Redebedarf gibt, einer der beiden aber in den Verdrängungsmodus wechselt und den ernsten Gesprächen aus dem Weg geht. So singt Clueso im Refrain Nein, es ist gar nichts okay. Für mich ist es sitzen bis spät. Für dich Disko-Realität. Ich warte, dass du mal was sagst, doch du musst tanzen. Du musst tanzen.
Tanzen lässt Clueso frischer wirken und lehnt den Sänger mehr am aktuellen Popgeschehen an, als man es von ihm bisher gewohnt ist. Somit dürften die Zeichen für eine Veröffentlichung – eines womöglich zweiten Parts – von Handgepäck immer deutlicher und vielleicht ja noch 2020 Wirklichkeit werden.

Duke Dumont feat. RY X - Let Me Go

Duke Dumont feat. RY X – Ein Song, zwei Gesichter

Und das ist wörtlich zu nehmen. Denn während sich Duke Dumont mit RY X einen äußerst renommierten Musiker dazu geholt hat, ist erstmalig auch ein Künstler an einer Songveröffentlichung des britischen DJs und Produzenten beteiligt, der nicht aus Großbritannien oder den USA kommt. Gleichzeitig ist Ry Cuming – wie RY X bürgerlich heißt kommerziell vor allem in mitteleuropäischen Ländern wie Frankreich, Deutschland, Belgien und den Niederlanden erfolgreich, aber nicht in Großbritannien oder den USA. Damit zeigt Adam George Dyment – alias Duke Dumont – einmal mehr, wie viel ihm daran liegt, mit zumeist unbekannten Künstlern zusammenzuarbeiten. RY X lebte längere Zeit in Berlin und hatte hier zusammen mit Frank Wiedemann – vom Elektroduo Âme – das Deep House Projekt Howling ins Leben gerufen. Mit dieser Erfahrung aus dem Bereich der elektronischen Musik hat der australische Musiker einen nicht unbedeutenden Anteil am Sound des nun veröffentlichten Songs. Dabei überzeugt Let Me Go durch seine zwei Gesichter. Denn sind es nicht nur die Gesichter der beiden Musiker, die hinter dem Song stecken, hat auch Let Me Go eine klare Linie, die sich in zwei Teile trennen lässt. Besteht der vordere Teil des Songs aus einer sphärischen Pianoballade, die RY X‘ klare Stimme wunderbar hervorhebt und in einer choralen Bridge aufgehen lässt, setzen ab der Mitte die ersten vibrierenden Synthies ein die sich schließlich in einem schnellen elektronischen Beat verlieren. Spätestens jetzt wird der 6-Minütige Song plötzlich zu einer ekstatischen Clubhymne, bei der man sich sicher sein kann, dass man sich auf der Tanzfläche verlieren wird. Let Me Go ist so vielschichtig, wie treibend und hat ein enormes Suchtpotential.Mit seinen 6:06 Minuten ist Let Me Go der längste Song auf seinem Debütalbum Duality, welches der Brite am 17. April veröffentlichen wird.