Caribou - Home

Caribou – Aus der 5 jährigen Pause zurück

Wenn man als Musiker fünf Jahre lang keine neue Musik veröffentlicht hat, scheint es eine Art Weckruf zu geben, bei dem sich alle auf das Eigentliche konzentrieren und neue Musik veröffentlichen. So haben Thees Uhlmann, MIA. und nun auch Caribou nach knapp fünf Jahren der Abstinenz endlich wieder neues Material veröffentlicht. Dabei hat es der kanadische Musiker und Produzent Dan Snaith in den letzten Jahren gar nicht so abstinent gehandhabt. Denn, hat er unter seinem Pseudonym Caribou zwar tatsächlich 2015 das letzte Mal Musik veröffentlicht und mit dem Album Our Love 2014 alle begeistert, brachte Snaith in der Zwischenzeit unter dem Namen Daphni zwei Alben raus und ist über dies hinaus sogar noch unter dem Pseudonym Manitoba bekannt. Nun widmet sich Snaith also wieder dem Projekt Caribou und erfreut damit unzählige Fans. Mit seinem Mix aus Dreampop, Elektro und Folk kommt der Musiker dem – seit den 90er Jahren bekannten – Genre Intellegent Dance Music (IDM) ziemlich nahe. Denn mit einer gehörigen Portion vertrackteter Soundelemente – allen voran muss das Sample des Gloria Barnes Klassikers Home, aus dem Jahr 1971, genannt werden – klingt Home nach einer Vintage-Soulballade, die ans erste Küssen und als Teenager durch den Regen rennen, erinnert. Dabei hatte Snaith – da ihm die Strophe so sehr gefiel – bereits seit einiger Zeit vor, aus Banres‘ Song etwas zu machen. Nun können wir hören, was der Soundmaster daraus gemacht hat und fühlen uns in die Zeit zurück versetzt, in der wir nach der Schule die Straßen unsicher gemacht hatten und erst mit dem Einschalten der Straßenlaternen zu Hause sein mussten.

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Kummer - Wie Viel Ist Dein Outfit Wert

Kummer – Die Abrechnung mit der Generation Scheinq

Ende Juni hatte Felix Kummer mit 9010 seine erste Single unter dem Pseudonym Kummer veröffentlicht. Dieser thematisiert die rechte Haltung vieler Einwohner seiner Heimatstadt Chemnitz. Nun ist – kurz vor der Veröffentlichung seines Debütalbums KIOX am kommenden Freitag – mit Wie viel ist dein Outfit wert eine weitere Single erschienen, in der Kummer über Gucci, Prada, Dior und Fendi rappt. Allerdings ist der Song keine Preisung dieser Marken, sondern thematisiert viel mehr, dass der Schein wichtiger ist, als das Sein. Mit Textzeilen, wie […Der Teufel trägt Prada und jeder Trottel trägt Supreme..], [..Du würdest armen Menschen ja zur Seite stehen. Wenn sie es schaffen würden einfach bisschen geiler auszusehen..] und [..100€ liegen zwischen angesehen und unbeliebt..] manifestiert Kummer seine gesellschaftskritischen Texte und transportiert diese auf eine moderne Art, die eben nur so, die heutige Generation von Jugendlichen und jungen Erwachsenen erreicht. Dabei geht es nicht um jeden Einzelnen, sondern vielmehr um die, die auf den Schulhöfen und Nachmittags in der Gruppe den ärmeren Gleichaltrigen mit Hohn und Spott gegenübertreten. Gleichzeitig nimmt Kummer allerdings – durch kurze Snippet-Einspieler von, unter anderem, Mark Foster und dem Youtuber Mahan (nach dessen Frage auf seinem Vlog wohl Kummers Song benannt ist) – auch populäre Menschen in die Verantwortung und zeigt, wie normal es heute ist, Menschen nach ihrer Kleidung als erfolgreich oder erfolglos bestimmen zu wollen. Mit KIOX wird Kummer wohl eines der wichtigsten Alben des Jahres abliefern und gleichzeitig seine ohnehin schon hohe Stellung im deutschen Musikbusiness manifestieren.

Amason - Marry Me Just For Fun

Amason – Eine Supergroup ganz verträumt

Sie besteht aus der Crème de la Crème der schwedischen Musiklandschaft – die Supergroup Amason. Steckt hinter der Band doch die Sängerin Amanda Bergman – die seit Jahren unter verschiedenen Pseudonymen Musik macht und mit The Tallest Man On Earth-Kristian Matsson verheiratet war, der Keyboarder Gustav Ejstes – der mit seiner Band Dungen in den vergangenen 20 Jahren bereits neun Alben veröffentlicht hat, der Produzent Pontus Winnberg – der als Teil des Produzenten-Duos Bloodshy & Avant Songs unter anderem für David Guetta, Maroon5 und Britney Spears produziert hat und gleichzeitig Teil der Band Miike Snow ist, der Produzent Petter Winnberg – der vor allem als Produzent für Film- und Serienmusik für Netflix, HBO, H&M und Vogue in Erscheinung tritt und der Schlagzeuger Nils Törnqvist, der ebenfalls mit der Band Little Majonettes erfolgreich ist. Hat sich die Band 2012 gegründet, veröffentlichte sie 2015 mit Sky City ihr Debütalbum. Nun ist mit Galaxy I ihr langersehntes Nachfolgealbum rausgekommen und besitzt mit der aktuellen Single Marry Me Just For Fun eine wunderbar, nostalgische Popballade, die mit 80er Jahre Synthies und melancholischer Grundstimmung eine Art Ode auf den Moment darstellen soll. Amason haben damit gleichzeitig den ersten Teil ihres Doppelalbums Galaxy I veröffentlicht, welches aus fünf Songs besteht und Anfang 2020 mit dem zweiten Teil komplettiert wird. Mit der wunderbar hohen und brüchigen Stimme Bergmans, dem poplastigen Sound und dem grandiosen Songwriting kommt einem bei Amason momentan die Frage auf, warum die Band eigentlich nicht ähnlich schnell durch die Decke geht, wie es sonst bei den einzelnen Bands und Projekten der Musiker passiert ist. Mit Marry Me Just For Fun haben sie auf alle Fälle einen veritablen Hit im Angebot, der mit Sicherheit die Fanbase der Band vergrößern wird.

Sault - Let Me Go

Sault – Das Mysterium um eine Band

Es ist diese große soulige Stimme, welche die Band Sault gerade hypen lässt. Doch wer sich hinter diesem Pseudonym versteckt, ist bisher nicht ganz klar. Einige Seiten vermuten, dass der britische Produzent und Songwriter Dean Josiah, der auch unter dem Namen Inflo Remixe macht, ein Teil der Band Sault ist. Dieser hat vor allem Songs für Michael Kiwanuka, The Kooks und Jungle produziert und mit Little Simz, The S.L.P. und Tom Odell zusammengearbeitet. Hinter der Stimme wird die Rapperin Melisa Young – alias Kid Sister – vermutet, die vor allem durch ihre Kollaborationen mit Kanye West bekannt wurde. Doch wäre solch soulig, funkige Musik, wie auf der aktuellen Single Let Me Go eine dermaßen große musikalische Veränderung zu dem bisherigen Sound der aus Chicago kommenden Musikerin, dass man dies fast nicht glauben kann. Für Josiah wiederum klingt das ganze dem des Sounds der britischen Band Jungle schon sehr ähnlich und lässt die Vermutung daher recht plausibel erscheinen. Mit dem Debüt 5 ist bereits im Mai dieses Jahres ein ambitioniertes Album erschienen, welches durch Afrobeats, Soul, Funk und Elektro klingt, wie aus einer Parallelwelt. Sault sind so, gerade auch durch Let Me Go, zu einem regelrechten Phänomen gewachsen, welches es weiterhin gilt, zu entdecken.

Puder – Wenn wir lieben, sind wir nackt

Es ist ein Traum von einem Song – denn er ist anders. Die Hamburger Sängerin Puder, hinter dessem Pseudonym sich Catharina Boutari verbirgt, versucht damit ein Gefühl, welches sie selbst als Geschichte vom Ende der Welt beschreibt, zu transportieren. Dabei übt Nackt hier eine enorme Faszination aus. Mit Boutaris extrem fragilen Gesang, der nach Entrüstung, nach Aufgabe, nach Liebe und nach Hoffnung klingt, hat sie auf 3:38 Minuten einen Raum der Ruhe geschaffen. Er lädt zum Nachdenken ein und ist textlich dabei ein Wachrütteln der sanften Art. Puder hat mit Nackt einen Song eingesungen, der die Hast des Alltags rausnimmt und eine Bodenständigkeit vermittelt, die so roh und ehrlich ist, dass man die starke Frau hinter den leisen Tönen so deutlich erkennt und sich ihren Texten einfach hingeben möchte.

Adelphi Music Factory – Der Soundtrack der Silvesternacht

In solchen Momenten ist es schwierig überhaupt einen Text zu einem Act zu verfassen. Gibt es doch im Netz außer die immer gleichen Infos kaum bis gar nichts über den Act zu finden. Im Falle von Adelphi Music Factory musste man schon etwas tiefer in die Producer-Struktur schauen, um rauszufinden, dass die Vocals auf Javelin (Calling Out Your Name) ein Sample der amerikanischen Gospel-Sängerin LaShun Pace sind, die den Song It’s Me Oh Lord (Acapella Praise) bereits auf ihrem 2011er Album Reborn veröffentlichte. Recherchiert man weiter, wird bei dem Namen Mark Summers schnell klar, dass hier ein ganz großer Produzent Hand angelegt hat. Denn Summers steht wie kaum ein anderer Produzent für euphorische Party-Dancehits der letzten 20 Jahre. So hat er unter anderem für Kylie Minogue, Aphex Twin und Jocelyn Brown Songs produziert und steht mit seinem Label Scorccia Records für eine Musik, die Diskomusik der 70er, Hip-Hop der 80er und 90er House mischt und daraus eine unverwechselbar, tanzbare Musik schafft. Dies zeigt sich nun auch auf Javelin (Calling Out Your Name), bei dem Summers mit weiteren Produzenten unter dem Pseudonym Adelphi Music Factory auftritt und mit den Worten Die Welt ist in Aufruhr. Der Hass wächst, doch der Widerstand auch. Adelphi Music Factory, ein industrielles Kollektiv aus dem Norden, schmiedet mit Javelin eine mit Liebe erfüllte Gospelbombe. The Black Madonna, Denis Sulta, Skream, Artwork und Annie Mac tragen dazu bei, die Botschaft von Schwesternschaft, Brüderlichkeit, Freiheit und Frieden auf den Tanzflächen auf der ganzen Welt zu verbreiten. Dass dies wichtiger denn je ist, zeigt ein Rückblick auf das endende Jahr 2018. Also lasst es uns Adelphi Music Factory gleich tun und feiert mit Javelin (Calling Out Your Name) in das neue Jahr 2019. Ich wünsche Euch einen guten Rutsch und ein gesundes, liebevolles und erfolgreiches 2019! Stay tuned!

Alex The Astronaut – Ein Underdog plötzlich ganz groß

Ein Multitalent par excellence. Sie ist nicht nur haarscharf an einer Profi-Fussballkarierre vorbeigeschrammt, sondern studiert auch noch Mathematik und Physik in New York. Dabei kommt Alex Lynn eigentlich aus Australien und ist vor einer kleinen Ewigkeit mit ihrer Familie nach Großbritannien gezogen. Hier inspirierte sie der Britpop-Sound und die vielen Gitarren in Songs so sehr, dass sie selbst anfing, Songs zu schreiben. Schon früh griff sie zur Gitarre und ließ ihren Folk-Pop entstehen. Doch Musik ist aktuell gar nicht mal im Vordergrund – obwohl sie zur Zeit deutlich mehr im Kopf behalten muss. Allerdings kann sich Alex unter ihrem Pseudonym Alex The Astronaut durchaus vorstellen, in einigen Monaten eine EP und nächstes Jahr ein Album zu veröffentlichen. In der Zwischenzeit tanzen wir zu ihrem Indie-Hit Not Worth Hiding. Dieser ist vor einigen Wochen zum absoluten Hit in Australien geworden. Konnten die Australier damals über die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare entscheiden, wurde Not Worth Hiding zur Hymne dieser Wahl. Gleichzeitig sang Alex The Astronaut in die Welt hinaus, wie viel mehr es wert ist, sich selbst zu vertrauen, sich zu trauen zu seinen Gefühlen zu stehen und keine Angst davor zu haben, sich als homosexuell zu outen. Dass dies als Künstlerin nicht einfach ist, ist verständlich, hat doch speziell die Stimme eines Künstlers immer auch eine höhere Gewichtung und kann so schnell missverstanden werden. Im Falle von Alex The Astronaut ging allerdings alles gut und ihre Single startete voll durch. Dies ist abgesehen vom Thema auch der sympathischen Art zuzuschreiben, wie Alex The Astronaut singt. Es ist vielmehr ein frecher Sprechgesang, der an die ganz frühen Songs der französischen Sängerin SoKo oder Kate Nash erinnert. Folk trifft auf Pop und lässt die Gitarren klingen. Wir wollen schleunigst mehr davon!