Noel Gallagher's High Flying Birds - Rattling Rose

Noel Gallagher’s High Flying Birds – In ewiger Konkurrenz

Man mag sich kaum das Zusammenleben der beiden Gallagher-Brüder vorstellen können. Gab es zu Zeiten von Oasis bereits große Verwerfungen, haben sich Noel und Liam immer wieder besonnen und die Band vorangetrieben. Als mit Oasis schließlich Schluss war, bauten sich die Brüder mit den Bands Noel Gallagher’s High Flying Birds und Beady Eye (Liam Gallagher) jeweils eigene Standbeine auf. Dabei kam es jedoch immer wieder zu großen Showdowns, hatten sie doch all zu oft ihre Veröffentlichungstermine auf die selbe Woche gesetzt. Bei so viel Rivalität, mutet es unglaublich an, dass diese beiden ein intaktes Bruderverhältnis haben könnten. Und auch nun stehen sich Liam und Noel in den Charts wieder gegenüber und haben mit Shockwave (Liam Gallagher) und Rattling Rose (Noel Gallagher) zwei Songs veröffentlicht, die sich in direkter Konkurrenz befinden. Dabei klingt Noels Song deutlich reifer, während Liam im Oasis-Stil zu Britrock singt. Noel Gallagher’s High Flying Birds war schon immer ein Gegenentwurf vom Oasis-Sound gewesen und speist sich eher aus akustischen Elementen. Auf Rattling Rose trifft Americana Sound auf Akustik und mischt Einflüsse von Chris Rea, Chris De Burgh, Mike and the Mechanics und Slipknot miteinander, so beschreibt Noel Gallagher den Aufbau des Songs. Rattling Rose klingt nach einem Trucker Soundtrack für die ewig langen Straßen Amerikas und lässt eine Vorahnung auf die drei EP’s zu, die Noel noch dieses Jahr veröffentlichen möchte.

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MELT! 2017 – 20. Geburtstag mit MELT!Frieden – Tag 1

MELT! Festival 2017

Alles begann 1997 am Bernsteinsee im brandenburgischen Velten. Hier noch vom lokalen Berliner Radiosender 98,8 KissFM präsentiert, gab es eine Künstlerin, die auch heute, 20 Jahre später noch auf dem MELT! auflegt. Die Berliner DJ-Ikone Ellen Allien ist mit dem MELT! Festival verwurzelt, wie ein Jahrhundertbaum im Boden Kanadas. Dass das MELT! Festival mittlerweile zu einem der größten Festivals Deutschlands und einem der beliebtesten Europas gehört, beweisen die Zahlen. Immer knapp an die 20.000 Tickets verkauft wurde vor allem in den letzten zehn Jahren eine enorme Internationalität erreicht. Die größten Fans des Festivals, außerhalb Deutschland, markieren Briten, Niederländer und Skandinavier. Ebenso hat sich im Laufe der Jahre das Line-Up deutlich gewandelt. Standen in den Anfangsjahren hauptsächlich lokale DJ’s und Elektrokünstler auf den Bühnen, kommen heute große Künstler aus aller Welt um in der Stadt aus Eisen zu spielen. Mit dabei sind Künstler wie Röyksopp, The Streets, Underworld, Pet Shop Boys, Oasis oder Portishead.

Diesen Juli gaben sich Die Antwoord, The Kills, Hercules & Love Affair und M.I.A. die Klinke in die Hand und brachten Ferropolis zum Beben. Diese Beben sollte am Freitag mit der Neuentdeckung Maggie Rogers beginnen. Hat sie während ihres Musikstudiums die Bekanntschaft mit Pharell Williams gemacht, sorgte das dazugehörige Video, weltweit für einen Hype. Mit ihrer unvergleichbar, sympathischen Art, die einerseits verträumt und andererseits kindlich wirkt, bezauberte sie live das ganze Publikum. Mit den Songs Color Song und Split Stones tanzt sie sich völlig frei, um nicht unerwähnt zu lassen, dass es das erste Mal sei, dass sie auf einer Hauptbühne spiele. Ihr Charakter ist es allemal Wert genau auf einer solchen Bühne zu stehen – füllte sie doch die Bühne und den Publikumsbereich vollends aus. Speziell bei Split Stones war das Publikum gefesselt und feierte seinen (noch) heimlichen Star. Mit Dog Years und Resonant Body kam dann sogar der Spirit einer ganz großen Künstlerin ans Licht – weiss Rogers doch ganz genau, wie sie einen einzigartigen Moment erzeugen kann, der für die Fans genauso, wie auch für sie einen Moment der Entfernung vom Umfeld darstellt. Schwelgerisch, hymnenhaft und eingekehrt klang Dog Years und schallte über das Festivalgelände, um Festivalgänger, die vorher noch nichts von der 23-jährigen Amerikanerin gehört hatten, anzuziehen. Mit Resonant Body hatte sie schliesslich sogar einen ihrer ältesten Songs aus der 2014 veröffentlichten EP Blood Ballet dabei.

Es folgten Say It, Hashtag und Little Joys. Mit Better aus ihrer aktuellen EP Now That the Light Is Fading und dem Cover des Neil Young Songs Harvest Moon hatte sie schließlich auch einen kurzen, ruhigen Block performt – wobei Rogers Harvest Moon mit einem schnellen, elektronischen Beat unterlegte. War die Bühne so aufgebaut, dass es im vorderen Bereich einen Kameragraben gab, sprang Rogers immer wieder zwischen der Hauptbühne und der vorgelagerten Bühne hin und her und musterte das ganze Konzert über das Publikum. So zogen ihre Augen über die Köpfe und suchte immer wieder Augenkontakt mit dem Publikum. Als schließlich On + Off  und Alaska kamen, gab es auch vor der Bühne kein Halt mehr und das Publikum tanzte zu einer lebensfrohen Maggie Rogers. Dass diese beiden Songs eine der Stärksten ihrer bisherigen Karriere sind, zeigte sich nicht zuletzt an einer selbstsicheren, fröhlichen Sängerin, die einem Publikum gegenüberstand, dass einfach nur den Moment genoß. Und so war es auch kein Zufall, das Rogers als letzten Song ein Cover der Band The Sundays spielte, dass den Titel Here’s Where The Story Ends trug. Maggie Rogers ist fantastisch, sympathisch und überzeugt auf ganzer Linie und sollte auf jeder Konzertliste stehen.

Erste Eindrücke vom neuen Forest konnte man unterdessen in der Umbaupause der Hauptbühne sammeln. Stand der Forest dieses Jahr doch ganz im Zeichen des Berliner Clubs Sisyphos, der dieses Stück der Insel zu einem interaktiven Spielwald verwandelte. So gab es ein Open-Air-Kino, einen Strand, einer Bar – die auf dem Dach eine kreative Bastellstube für Festivalgänger anbot – und ein Waldtelefon, von dem aus die Bar zu erreichen war um sich Getränke bestellen zu können (sofern man Willens war, diese auch im Gedränge abzuholen). Dass dieses Prinzip Erfolg hat, zeigte bereits die Premiere 2016. Das Sisyphos hat, im Vergleich zum letzten Jahr, allerdings noch einmal dran gefeilt und den Forest zum, gern in Anspruch genommenen, Aufenthaltsraum werden lassen.

Von Wegen Lisbeth @ Melt! Festival 2017

Währenddessen machte sich auf der Hauptbühne die Berliner-Indie-Sensation Von Wegen Lisbeth bereit, das Publikum zu unterhalten. Dieses war schließlich auch in Scharen gekommen und wollte sich von der Instrumenten-Kunst der fünfköpfigen Band überzeugen. Mit gewieften Texten zwischen Sperma, Sushi und neuen Freunden in seiner Kneipe, schreibt Matthias Rohde – Frontsänger der Band – Texte die bissig, frech und vor allem direkt sind. Dabei hat Rohde einen ganz eigenen Stil zu singen. Sind die langsamen Passagen fast gesprochen und klingen tief, geht es im Refrain schnell zu und wirkt fast, als würden Kumpels zusammen singen. Komm Mal Rüber, Sushi, Chérie und Der Untergang Des Abendlandes waren regelrechte Granaten und ließen das Publikum ausrasten. Dabei sprang Rohde über die Bühne, die nach einer Hippie-Kommune aussah und die Initialien des Bandnamens VWL in vertikalen Beeten vor Schmetterlingstapete zeigte. Mit Das Zimmer, Bitch, Bärwaldpark und Lisa kam dann das ein oder andere ruhigere Lied aus den Lautsprechern und ließ den Moment im Sonnenlicht wie beim Picknick mit Freunden erscheinen. Dass sich Von Wegen Lisbeth so sehr behaupten ist nicht zuletzt der Situation geschuldet, dass clevere deutsche Bands wie Virginia Jetzt oder Wir Sind Helden nicht mehr existieren und deren Deutsch-Indie zur Mangelware geworden ist. Mit Drüben Bei Penny, Lang Lebe Die Störung Im Betriebsablauf, Wenn Du Tanzt und Meine Kneipe spielten sie dann auch fast alle Songs ihres Debütalbums Grande. Dabei wurde Meine Kneipe zum absoluten Höhepunkt, bei dem nicht nur die Band auf der Bühne den größten Spaß hatte, sondern auch das Publikum mitsprang, gröllte und tanzte. Mit Freigetränk kündigten Von Wegen Liesbeth schließlich das Finale an und verschwanden sympathisch, kumpelhaft von der Bühne. Eine Band, die man sich bei einem Wohnzimmerkonzert vorstellen könnte und mit der man gerne mal ein Bier trinken geht – nur nicht in der Kneipe von Matthias Rohde.

Von Wegen Lisbeth @ Melt! Festival 2017

Bis zum nächsten Act sollte noch Zeit ins Land streichen und das Gelände erkundet werden. Neben einem sehr kargen Eingangsbereich, der fast ausschließlich aus einem, aus Paletten zusammengeschusterten, MELT-Zeichen bestand, gab es hier nicht viel zu erkunden. Erst zur Medusa-Stage öffnete sich das Festivalgelände mit Sponsoring-, Bier- und Imbiss-Ständen und hauchte dem Gelände Leben ein. Hiebei gab es so wunderbare Highlights, wie des Arte-Containers, in dem man 180 Grad Fotoaufnahmen von sich machen und als GIF zuschicken lassen konnte.

Gegen 23:30 Uhr kündigte sich dann einer der Hauptacts des Wochenendes an und blies mit satten Bässen alles aus einem heraus. M.I.A. war schließlich keine normale Künstlerin – und was ist auf dem MELT! Festival schon ein normaler Künstler?! Die Britin sorgte mit ihrem Mix aus experimentellen Dance, Rap, Pop und einem nicht zu verachtenden Anteil Weltmusik für eine wahre Soundexplosion bei der die Lunge und das Trommelfell auf eine harte Probe gestellt wurden. Schließlich sollten Songs wie Borders, Pull Up The People, 20 Dollar und Bad Girls passend präsentiert werden. Im rot-schwarzen Gewand, einer bühnengroßen Leuchtstoffröhrenwand und einem DJ dahinter, machte sich M.I.A. die ganze Bühne zu eigen und scheute auch nicht davor zurück, im Platzregen auf den Bühnenvorbau zu gehen und mit dem Publikum zu performen. Als es dann allerdings so stark anfing zu regnen, dass man sich ohne Poncho zwischen triefenden Klamotten und einer halbtrockenen Verlängerung des Abends entscheiden musste, gewann die Verlängerung und die Hälfte des Publikums machte sich auf, irgendwo einen trockenen Platz zu finden. Zum großen Finale kamen dann allerdings alle zurück und Paper Plans zuckte mit seinen Beats und der Lichtshow durch die Nacht.

Die Schuhe triefend nass und großen Pfützen ausweichend, ging es zum Gremmin Beach, auf dessen Bühne der dänische DJ Kölsch auflegte. Mit einem Mix aus poppigen Tracks und langen Soundschienen hatte Kölsch dafür gesorgt, dass selbst das letzte Stückchen Strand mit tanzenden Beinen belegt war. Ob mit Loreley, Goldfisch, All That Matters oder Gray – Kölsch fand immer den richtigen Moment um ein euphorisches Raunen und hymnenhafte Momente zu erzeugen. Wer Elektro mag aber gleichzeitig auch Melodien benötigt, fand bei Kölsch den richtigen Mix aus beidem.

Und so endete der Abend – wetterbedingt – doch recht früh und die durchnässte Uhr zeigte 3 Uhr an. Während die Strahler den Himmel und Ferropolis erleuchteten, setzte sich der Shuttlebus Richtung Zeltplatz in Bewegung und ließ müde bereits die Vorfreude auf den nächsten Tag aufkommen, der mit Newcomern wie Noga Erez, Honne, Nao und Bilderbuch aufwarteten.

Haim – Die Schwestern sind zurück

Haim – Right Now

Geschwister die zusammen Musik machen, gibt es seitdem es Musik gibt. Da waren poppige Bands wie Hansons in den 90er Jahren oder Oasis mit den Brüdern Noel & Liam Gallagher oder – um es absolut auf die Spitze zu treiben – Caleb, Nathan und Jared Followill von den Kings Of Leon. Geschwister in er Musikszene sind gang und gäbe. Allerdings sucht man dies im weiblichen Bereich vergebens. Hier sind es die Haim Schwestern – Este, Danielle und Alana – die aufhorchen lassen. Noch dazu, da sie genau zum richtigen Zeitpunkt die perfekte Musik ablieferten. Da wurde der Pop-Rock durch Songs wie Falling, Don’t Save Me und The Wire zur Begleitern einer heranwachsenden Generation, die im Winter ohne Socken und mit zu kurzen Hosen auf die Straße geht und sich desinteressiert zeigt, auch wenn sie Interesse haben. Diesen Trend haben Haim 2013 mit an vorderster Front angeführt und sind gleichzeitig in den amerikanischen Pophimmel aufgestiegen. Nun haben sie mit Right Now die Leadsingle ihres zweiten Albums veröffentlicht, das Something to Tell You heißen wird und diesen Sommer erscheint. Mit Klavier und R&B-lastigem Gesang führen sie durch den balladenhaften Song und stimmen eine fast schon mystische Erzählsprache an. Right Now hat sie zurück, die tollen Haim-Stimmen, die so unterschiedlich eingesetzt werden. Und am Ende kommt – fast schon unerwartet – kommt doch noch ein Schlagzeug-Ausbruch zustande. Und wir alle so… hach.. wie schön.

AURORA – Stimmt auf Weihnachten ein

AURORA - Half The Moon Away

AURORA – Half The Moon Away

Rannte sie im Frühjahr noch mit den Wölfen, kommt AURORA nun mit einem Oasis Cover zurück, dass sich nicht verstecken muss, so spiegelt sich die engelsgleiche Gestalt AURORA’s auch in ihrer Stimme wieder. Die britische Warenhauskette John Lewis nutzt den Song als diesjährigen Weihnachtssong und verhalf AURORA so zu ihrer ersten Chartnotierung in Irland und Großbritannien. ‚Half The Moon Away‘ ist eine reduzierte Ballade, die sich vollkommen auf AURORA’s Stimme verlässt und nur durch eine Klavier begleitet funktioniert. Ein Klavier und eine klare Stimme – mehr braucht es im Falle dieser Version nicht um einen Song zu kreieren, der so berührt, dass man versucht ist AURORA eine Umarmung zu geben und ihr zu sagen, dass alles gut wird. Dazu kommt, dass die Warenhauskette John Lewis um die Version von AURORA ein so berührendes Video gedreht hat, dass man nicht anders kann, als den Song in sein Herz zu lassen. Ebenso sehenswert ist aber auch AURORA’s Videoversion des Songs.