Kara Marni – 90er R&B

Mit ihrer wunderbar, trägen Single Curve hatte die britische Sängerin Kara Marni Mitte April ein sattes Ausrufezeichen gesetzt. War sie damals bereit für einen heißen Sommer, sollte sich nun – am Ende der warmen Jahreszeit – zeigen, dass Marni keine Gelegenheit ausgelassen hat, ihre Musik unter die Leute zu bringen. So war ein Stop auf ihrer Tour, das Hamburger Reeperbahn-Festival Mitte September. Hier präsentierte sie neben Curve auch einige neue Songs sowie unter anderem ihre nun veröffentlichte Single Move. Dabei orientiert sich die Sängerin am R&B, Soul und Hip-Hop der 90er-Jahre und hat uns mit ihrem tanzbaren und eingängigen Beat sofort in ihrem Bann gezogen. Dadurch erinnert Kara Marni an Lauryn Hills – mit Grammys überhäuften – Album The Miseducation of Lauryn Hill. Hier werden Sounds von, auf der Straße spielenden, Kindern mit basslastigen Beats gemischt und singt Marni dazu wie einst Lauryn Hill es tat. Mit seiner – fast schon spielerischen – Melodie, ist Move eine perfekte Nummer für moderne Modenschauen. Und so verwundert es auch nicht, dass Marni bei Magazinen wie VOGUE, HUNGER und NYLON ganz oben auf der Liste steht, wenn es um Auftritte während der Schauen geht. Move ist ein klebrig, grooviger Neo-Soul Song, der die Brücke zwischen 90er-Jahre Soul und heutiger elektronisch unterstützter R&B-Produktionen spannt. Für 2019 wurde damit zaghaft auch Marnis Debütalbum angekündigt und lässt durch Move auf ein spannendes Paket hoffen.

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Querbeat – Große Beats und laute Trompeten

Mehr Freaks braucht das Land! So tönt es aus allen Lautsprechern des Rheinlandes. Auch wenn es noch nicht ganz so ist, könnte die 13-köpfige Band Querbeat aus Bonn bald so etwas wie ein lokaler Hitgarant werden, der es auch fernab des Rheinlandes zur ganz großen Nummer schafft. Denn mit ihrer nun veröffentlichten Single Freaks, die aus dem gerade veröffentlichten dritten Album Randale Und Hurra stammt, reißt die Band förmlich die Decke ein. Die auf Brasspop festgelegte Band hat dabei so viele Einflüsse, wie es Brasspop nur haben kann. Mit elektronischen Beats, Trompeten, Pop-Gesängen und Hip-Hop-Rhymes mischen sie alles zu einer hoch explosiven Soundmischungen zusammen, die in jeder Sekunde zum Ausrasten anregt. Brasspop ist dabei in den letzten Jahren einer angesagtesten Musikrichtungen geworden. Bands wie Querbeat, LaBrassBanda und MEUTE tragen dazu bei, dass Brasspop an die Oberfläche und im Mainstream angekommen ist. Mit der Interpretation des Flume Remixes von Disclosures You & Me hatten gerade die Hamburger von MEUTE einen viralen Hit gelandet. Querbeat hingegen schreiben ihre eigenen Songs und haben dadurch deutlich größeren Einfluss an Soundgerüst ihrer Songs. Querbeat liegt irgendwo zwischen Seeed und Fettes Brot und hat mir Freak einen satten Hit abgeliefert, der keinen stillstehen lässt.

Alice Merton – Warum eigentlich immer so ernst?

Ich könnte jetzt vom großen Erfolg der Debütsingle No Roots sprechen. Davon, dass sie weltweite Erfolge damit gefeiert hat. Doch das würde Alice Merton nur auf diesen Song reduzieren. Sie selbst hat nun die beste Antwort auf die Frage geliefert; was ihr nächster großer Hit wird: Why So Serious? So heißt ihre neue Single, die gleichzeitig die Ankündigung ihres Debütalbums MINT für Mitte Januar 2019 im Gepäck hat. Dabei ist Why So Serious eine wunderbare Popnummer, die sich im Video für allerlei alberner Momente hergibt. Alice Merton lässt hierbei gar keinen Zweifel daran, dass auch diese Single ein Erfolg wird. Doch allen Fragen, über die Erwartungshaltung an sie, zum Trotz, macht Merton einfach das, was sie selbst für gut befindet und genießt einfach ihre Zeit als erfolgreiche Sängerin. Und mit einer Nummer wie Why So Serious wird dieser noch eine ganze Weile andauern.

Isaac Gracie – Wunderkind mit sanfter Stimme

Eine Stimme kann alles verändern. Dies musste auch der Brite Isaac Gracie erfahren. Allerdings war es bei dem Jungen aus London die eigene Stimme, die in der Pubertät brach und ihn in die Situation brachte, seinen Jugendchor zu verlassen. Denn bereits mit sieben Jahren trat Gracie dem Ealing Abbey Choir bei und trat bis zu sechs Mal in der Woche auf. Dass sein Stimmbruch als traumatisches Erlebnis im Gedächtnis blieb, ließ ihn nicht von der Idee abkommen, es doch noch einmal mit Musik zu versuchen. Und so entdeckte der mittlerweile 23-jährige Sänger mit 18 Jahren die Gitarre für sich und beschloss von da an der nächste Bob Dylan zu werden. Und tatsächlich ist seine aktuelle Single Running On Empty eine solide Folk/Rock-Nummer, die mit einer angenehmen Wärme und einem Timbre daher kommt, wie es sie aktuell nur sehr selten gibt. Running On Empty ist eine Rockhymne, die die Arme öffnet und jeden einlädt, sich in Folk und Rock zu verlieren.

Soul Clap – An einem Sonntag am See

Anders könnte man den Song Moov To Tha Beat, den das US-Amerikanische Produzenten-Duo Soul Clap veröffentlicht hat, nicht beschreiben. Voller klebriger Beats, relaxtem Housebass und den kopfverdrehenden Vocals haben Soul Clap einen der größten Klassiker der 70er Jahre zu Ihrem gemacht. Mit dem Sample von Chaka Khans I’m Every Woman hat das Duo um Eli Goldstein und Charles Levine eine satte Sonntags-Feel-Good-House-Nummer abgeliefert, die zum Open-Air oder zu einem Tag am See passt. Beats so dick wie die Hitze des Sommers lassen Moov To Tha Beats zum perfekten Sommerbegleiter werden.

Parcels – 70’s-Funk und Disco-Lo-Fi

Sie kommen aus Australien und leben aktuell in Berlin – was bietet sich da besseres an, als Musik zu machen. Dabei kann die 2014 gegründete Band bereits auf bewegende vier Jahre zurückblicken. Hatte alles im kleinen Byron Bay in Australien angefangen, scheint der Ort der Nährboden für Musiker zu sein, kommen doch aus dem nicht einmal 5.000 Einwohnern fassenden Ort die Metalcore-Band Parkway Drive, die Indie-Band The Jezabels und der Komponist Andy Holm. Bei dieser Dichte kennt wohl jeder jeden. Da ist es nur zu verständlich, als Band das Weite zu suchen und sich in einer Stadt einzunisten, in der Musik an oberster Stelle steht. Von Berlin aus äußerst erfolgreich haben Parcels – die aus den fünf Jungs Jules Crommelin, Noah Hill, Louie Swain, Anatole Secret und Patrick Hetherington besteht – bereits drei EP’s veröffentlicht und mit der 2017er Single Overnight sogar Daft Punk, als Produzenten, für sich gewinnen können. Nun sind sie mit der neuen Single Tieduprightnow wieder da und beweisen, dass sie von all dem Rummel nicht genug bekommen können. Dass sie ihre Musik selber als Elektro-Pop bezeichnen, kommt dem gesamten Werk noch nicht einmal annähernd nahe. Denn Tieduprightnow ist eine wunderbare 70’s-Funk-Disco-Lo-Fi-Nummer, die an Daft Punkt erinnert und die Synthies genau an der richtigen Stelle benutzt. Parcels haben mit Tieduprightnow eine passende und sympathische Nummer geschaffen, die wie gemacht für den Sommer ist.

Highasakite – Liefern Nachfolger ab

War Since Last Wednesday doch ein Überraschungserfolg, liefern Highasakite nun die Folgesingle ab. Darth Vader ist eine flotte Gute-Laune-Nummer in der Frontsängerin Helene Håvik dem Song mit ihrer außergewöhnlichen Stimme noch zusätzlich einen Schimmer von froher Kunde mitgibt. Demzufolge musste das Video gleichfalls eine gute Geschichte haben. Und so sieht man Jungs im Alter von 8/9 Jahren die sich benehmen, als wären sie die großen erwachsenen Gangster der Straßen.
Mit Dart Vader lassen Highasakite keinen Zweifel daran, dass sie noch so einiges zu erzählen haben und gekommen sind, um zu bleiben.