Sultans Court - Running

Sultans Court – Wer ist schneller?!

Prokrastination ist mittlerweile ein geläufiger Begriff in unserer Gesellschaft. Gedrängt vom Optimierungswahn, vom ewig neuen Herausforderungen Entgegentreten oder dem Abarbeiten von Aufgaben-Listen – immer öfter sehen wir uns in einem Strudel aus zu wenig Zeit, zu vielen Aufgaben und Wünschen ums nicht Untergehen kämpfen. Dabei sind unsere stetigen Begleiter die Sozialen Medien, die mit einem Wisch all den Stress wegswipen lassen. Ob nach links, rechts oben oder unten, ein Wisch und wir sehen neue, unbekümmerte Bilder, die uns sagen, dass das Leben doch gar nicht so hart ist. Handy ausgemacht, schlägt uns die Uhr ihre Ziffern mit voller Wucht um die Ohren und wir rennen schneller, um die verprasste Zeit wieder einzuholen. Genau dieser Geschwindigkeit unseres Lebensalltags haben die Berliner von Sultans Court einen Song gewidmet. Dabei spielen Julius, Konstantin, Leander und Markus in ihren Songs einmal mehr mit einem herausragenden Mix aus Indie, elektronischen Beats und einer topaktuellen Abbildung gesellschaftlicher Themen.

Sultans Court - Up Close EP Sultans Court – Up Close EP

Running bedeutet auch die Fortsetzung des dunklen Indiesounds, den die Band bereits mit HauntedShutdown oder Good Enough präsentierte. Während des Lockdowns hatten die Jungs viel Zeit, sich über ihre Musik Gedanken zu machen und ertappten sich dabei, immer mehr zu sich selbst zu kommen. Das beeindruckende Musikvideo zu Running trägt einen anderen, wichtigen Teil zu der Message des Songs bei. Was läuft gut, wenn wir uns hetzen, in Eile sind. Wo hechten wir einem kurzen, intensiven Moment hinterher und wo beginnen substantielle Entscheidungen richtig oder falsch zu sein?! In dem sehenswerten Video geht es um den Rausch, um den Tod, um Exzesse und pure Angst. Aus diesen Begriffen hat sich nun die zweite EP Up Close geformt, die am vergangenen Freitag erschienen ist. Darauf enthalten sind neben Running und Good Enough auch die Songs SublimeWarning Signs und Run Over. Sultans Court lassen ihren eigenen Sound wachsen und klingen auf der neuen EP lockerer und flüssiger, halten aber dennoch an der düsteren Atmosphäre ihres Sounds fest.

Birdy - Open Your Heart

Birdy – Die große Rückkehr zum Klavier

Eine Stimme und ein Klavier reichten 2011 aus, um das immense Talent einer britischen Sängerin in die Welt zu tragen. Mit Coversongs von Phoenix, The XX, Bon Iver oder Cherry Ghost hatte sie eine emotionale Power in die Songs gebracht, die in den Originalen immer nur situativ erlebbar waren. Auch wenn die Originale heute allesamt zu den großen Klassikern zählen, hat vor allem Birdys Interpretation mit dem Klavier dafür gesorgt, die ganz großen Gefühle aufkommen zu lassen. Auch heute, neun Jahre nach der Veröffentlichung ihres Debütalbums Birdy, haben die Songs nichts an ihrer Wirkung verloren. Bemerkenswert an Birdy war die großartige Auswahl an herausragenden Künstlern, deren Songs die damals 14-jährige Sängerin coverte und damit einen erstaunlichen Musikgeschmack bewies. 2013 folgte mit Fire Within ihr zweites Album, ehe 2016 mit Beautiful Lies ihr bislang letztes Album erschien. Mit Songs, wie Not About Angels (2014), Keeping Your Head Up oder der Zusammenarbeit mit Sigma auf Find Me (beide 2016) konnte sie schließlich immer wieder aufs Neue begeistern. Nach fünf Jahren als absoluter Überflieger brauchte die damals gerade 20 gewordene Britin 2016 eine Pause und zog sich aus der Öffentlichkeit zurück. Seitdem schreibt sie an neuen Songs und hat weit mehr Songskizzen angefertigt, als auf ein Album passen würden. Da der Britin die Songs allerdings wichtig sind, fand sie einen Weg, so viele, wie möglich, zu veröffentlichen. So kommt – bevor 2021 ein neues Album von der Sängerin erscheinen wird – Anfang November die EP Piano Sketches auf den Markt, von der nun eine erste Single ausgekoppelt wurde.

Birdy - Piano Sketches

Birdy – Piano Sketches

Nachdem sich Birdy auf dem zweiten und dritten Album vielen neuen Elementen öffnete und auch mal schneller und poppiger klang, findet sie auf Open Your Heart wieder zurück zu ihrem Klaviersound der Anfangszeit. Hierbei wird – gleich beim Ertönen des ersten Klavieranschlages – klar, dass die Sängerin diese große Gabe, Gefühle so natürlich und direkt zu transportieren, immer noch besitzt und so authentisch und sanft klingt, wie auf ihren Coverversionen vor fast zehn Jahren. Birdy selbst sagt über die Musik ihrer neuen EP – Ich habe eine Menge Musik geschrieben, auf die ich so stolz bin, die aber womöglich normalerweise nicht das Licht der Welt erblicken würde – ich werde diese reduzierten Tracks über die kommenden Monate vor dem Album veröffentlichen. Zusammen geschrieben und aufgenommen hat sie den Song in Los Angeles mit Rick Nowles – der unter anderem an The Power Of Good-Bye für Madonna, White Flag für Dido oder Loud Places für Jamie XX mitgeschrieben hat. Hier ist es Jasmine Lucilla Elizabeth Jennifer van den Bogaerdes – wie Birdy bürgerlich heisst – Wunsch, diese Songs einer breiten Masse zugänglich zu machen. Mit der EP Piano Sketches kommt sie ihrem eigenen Wunsch nach und präsentiert uns eine erwachsene Sängerin, die mit ihrer klaren Stimme, zehn Jahren nach ihrem großen Durchbruch noch immer direkt ins Herz geht.

Hugo Barriol - Don't Let Me Down

Hugo Barriol – Ich singe über das, worüber ich nicht sprechen möchte

Es ist ein Sound, dem man hinterhergreifen, den man festhalten und bei sich tragen möchte. Ein Sound, der die Sehnsüchte und Emotionen so präsent trägt, dass man sich darin verlieren kann. Hugo Barriol ist der Mann dahinter. Mit seiner zurückhaltenden Art sich selbst zuzutrauen, gute Musik zu erzeugen, zog es den Franzosen für eine Abenteuerreise nach Australien, wo er – um sich über Wasser zu halten – irgendwann anfing, in den U-Bahnhöfen von Sydney seine Songs zu spielen. Bis dahin nur im eigenen Heim gespielt, war diese Erfahrung so intensiv, dass sich Barriol – zurück in seiner Heimat – nach Paris aufmachte und dort in der Metro anfing zu spielen. Komplett akustisch fiel er so einem Mitarbeiter der Plattenfirma Naïve auf und wurde für eine EP unter Vertrag genommen. So warm, wie seine Musik ist, sind auch die Worte, die Barriol für seine Musik findet. Meine Musik ist melancholisch, manchmal auch traurig aber immer auch voller Hoffnung. Ich singe über Dinge, über die ich nicht sprechen mag. Ich erzähle Geschichten und versuche das Dunkle und Schmerzvolle in etwas schönes zu verwandeln. Es kann zart und warm sein und ich versuche immer aufrichtig in dem zu sein, was ich schreibe. Inspiriert von Folk, Pop, Rock und Indie ist meine Musik ein Mix aus alle dem.

Hugo Barriol

Hugo Barriol

Hören wir uns die Songs an, wird klar, dass der Franzose, der mittlerweile in London lebt, ganz genau weiss, wie seine Musik ankommt. Mit dem Debütalbum Yellow gab es 2019 einen ersten Longplayer. Nun veröffentlicht Barriol im November seine neue EP Hey Love auf der die wunderbare – im Juli veröffentlichte – Single Stay und seine neueste Veröffentlichung Don’t Let Me Down zu finden ist. In dieser geht es um das Ende eines Streits, den man in der Beziehung führt und nach diesem man den Partner darum bittet den anderen nicht aufzugeben – so erklärt Barriol es auf seiner Facebookseite. Die Sehnsucht, die Don’t Let Me Down dabei ausstrahlt, lässt uns reflektieren, wie wichtig es ist zu einem Menschen dazuzugehören. Mit großen Folk-Elementen und einer gleichzeitigen Lagerfeuer-Intimität ist Don’t Let Me Down dabei eine große musikalische Show des zurückhaltenden Franzosen Barriol und berührt uns mit jeder Sekunde.

Hayden Calnin - Mountain Steeps

Hayden Calnin – Musik, wie von der Natur aufgefangen

Man möchte meinen, dass Hayden Calnin aus den windigen Bergen Schottlands oder den endlos weiten Wäldern Kanadas kommt. So rau und gleichzeitig ruhig und heimelig klingen seine Lieder. Es ist Musik, zum runterfahren, tief durchatmen und innehalten. Dabei kommt der Sänger, Songwriter und Produzent von genau der entgegengesetzten Seite der Erde. Hayden Calnin ist Australier und lebte bis vor ein paar Jahren im Großstadtdschungel Melbournes. Hier wurde er mit seiner Musik irgendwann so begehrt, dass er anfing, für andere zu Arbeiten. So entstanden nicht nur Kollaborationen, sondern komponierte und produzierte Calnin für andere Künstler und stand ebenso als Multiinstrumentalist bei anderen Bands mit auf der Bühne. Vor zwei Jahren zog der Musiker schließlich von Melbourne aufs Land und an die Küste des beschaulichen 600-Seelen-Örtchen Shoreham. Hier, wo die durchschnittliche Tageshöchsttemperatur selbst im Winter nicht unter 14°C sinkt, ist der Strand nur einen Steinwurf entfernt und lässt sich, von Calnins Haus aus, sogar direkt durch das Fenster beobachten. So hat sich der Sänger über die vergangenen zwei Jahre stetig runtergefahren und eine neu aufflammende Liebe zur Musik erfahren. Während er in den letzten Jahren in Melbourne eine zunehmende Kreativblockade entwickelte, schwamm sich der Musiker in Shoreham förmlich frei davon und ließ sich vom Meer treiben.

Hayden Calnin

Hayden Calnin

Dabei ist bereits im vergangenen Jahr die EP A Life You Would Choose am neuen Ort entstanden. War dies bereits seine sechste EP, folgt nun am 4. September mit Soon Forever seine neueste EP. Zwischendurch veröffentlichte Calnin mit Cut Love Part 1 und Cut Love Part 2 (beide 2016) zwei Alben, die aufeinander aufbauten. Auf Soon Forever finden sich neben dem heute vorgestellten Mountain Steep auch die beiden Songs We Can Take Our Time und As I Exit Part I & II, sowie die großartige Kollaboration Unfortunate Love bei dem er mit Harrison Storm zusammenarbeitete. Mountain Steep ist dabei ein Song für die Flut und die Ebbe. Während der Song mit einem ruhigen Intro beginnt, baut sich er sich von Sekunde zu Sekunde weiter auf, bis wir das Gefühl haben – am Strand stehend – einem Orkan entgegenzublicken, eher er – so schnell, wie er gekommen war – wieder verschwindet und uns in der gleichen Ruhe zurücklässt, die wir eingangs fühlten. Man hört die Natur förmlich auf allen vier Songs seiner neuen EP so prägend heraus, dass man sich nicht verwehen kann, dem Musiker eben in diese rauen, naturbelassenen Orte Kanadas und Schottlands zu verorten. Mit Soon Forever hat Hayden Calnin eine wunderbare EP für den nahenden Herbst auf der Nordhalbkugel geschaffen und lässt uns den nahenden Stürmen etwas heimeliges abgewinnen.

The Japanese House feat. Justin Vernon - Dionne

The Japanese House feat. Justin Vernon – Vertraktet, melancholische Dream-Pop-Ballade

Seit 2015 begleitet uns die britische Sängerin The Japanese House mit ihrem wunderschön, melancholisch, verträumten Synthiesound nun schon. Dabei kam seitdem jedes Jahr mindestens eine EP mit neuer Musik auf den Markt. Waren es anfangs Songs, wie Face Like Thunder (2016), folgten mit Lilo (2018) und Maybe You’re The Reason (2019) zwei Singles, die später auch auf ihrem Debütalbum landen sollten. Dabei gab es 2018 eine kleine Durststrecke – was die EP-Veröffentlichungen anging – denn was folgte, war ihr Debütalbum Good at Falling im Frühjahr 2019, sowie im Herbst mit The LA Sessions noch eine EP mit Liveaufnahmen einiger ihrer bereits veröffentlichten Songs. Nun hat Amber Bain vor anderthalb Wochen mit Chewing Cotton Wool eine neue EP vorerst nur digital veröffentlicht ehe sie Ende November auch auf Vinyl erscheinen wird. Die vier Tracks umfassende EP beinhaltet dabei die bereits veröffentlichten Songs Something Has To Change und Chewing Cotton Wool und einen Song, den die Britin zusammen mit Bon Iver-Frontsänger Justin Vernon eingesungen hat.

The Japanese House & Justin Vernon

The Japanese House & Justin Vernon

Dionne ist hierbei eine Ballade, die teilweise übersteuert und vertraktet klingt. Deutlich zu hören ist der Einfluss Vernons auf die Produktion – die eher von einem seiner letzten beiden Bon Iver Alben stammen könnte – sowie auch textlich die Handschrift des US-Amerikaners trägt. Dabei verbindet Vernon und The Japanese House ein starker Hang zu persönlichen Songtexten und lässt dadurch den eigenen Songs deutlich mehr Raum, um zu wirken. Fängt Dionne noch mit pulsierenden Synthies und Bains Gesang an, arbeitet sich der Song durch ein paar lieblich, wabernde Melodien, ehe er mit Vernons Gesang plötzlich in sich zusammenzubrechen scheint und ein schnarrendes Soundkostüm annimmt. Bains schafft es auf dem Song immer wieder für Ruhepole zu sorgen, ehe Vernon diese wieder aufreisst. Mit diesem Spiel aus Sensibilität und brachialer Soundgewalt schafft es The Japanese House auf Dionne eine neue Seite ihres verträumten Alternative-Pops zu präsentieren, der sich fremd und vertraut zugleich anfühlt und einmal mehr die Stellung als Musikerin mit dem kratzigen Dream-Pop verteidigt.

The Magician - You And Me

The Magician – Musikalische Reise in die Vergangenheit

Er klingt, wie ein Song aus den frühen 2000ern – und damit wie von Dax Riders, Daft Punk oder Modjo. Mit wunderbaren Synthies und French-House-Beats hat der Belgier Stephen Fasano unter seinem Alias The Magician mit You And Me nun einen Song veröffentlicht, der sich an den großen Hits dieser Acts anlehnt. Dabei ist The Magician über die letzten Jahre immer wieder mit großartigen Tracks erfolgreich gewesen. Mit seinem 2011er Remix des Lykke Li Songs I Follow Rivers ging der Belgier europaweit durch die Decke, schaffte es in 22 Ländern in die Charts und in acht davon sogar auf Platz 1. Vor allem in Deutschland war I Follow Rivers (The Magician Remix) ein großer Erfolg und verkaufte sich über 750.000 Mal. 2014 folgte mit Sunlight dann der nächste große Wurf – der gleichzeitig dafür verantwortlich war, einer britischen Band zum Erfolg zu verhelfen. Denn auf Sunlight gab es eine Zusammenarbeit mit dem britischen Synthie-Pop-Trio Years & Years. Diese sollten im Anschluss in Großbritannien komplett durch die Decke gehen und ein Nummer-1 und Nummer-3 Album in den britischen Charts platzieren.

The Magician - You And Me

The Magician – You And Me

Zurück zu The Magician – während der Produzent in dem Zeitraum von 2010 bis 2015 sieben EPs veröffentlichte, wurde es in den vergangenen fünf Jahren ziemlich ruhig um den Belgier. Nun ist er mit seiner EP Renaissance zurück und veröffentlicht mit You And Me den ersten Track daraus. Musikalisch gibt es hier verträumte, langgezogene Gesangsparts die von eingängigen Housebeats begleitet werden. Dabei spielt der Synthesizer eine tragende Rolle und lässt durch verspielte Elemente und Drumpads an die großen Hits der French-House-Hochzeit erinnern. The Magician hat mit You And Me einen neuen Anlauf genommen, um musikalisch ganz nach vorne zu kommen. Neben You And Me enthält die EP Renaissance noch den Proto-Disco Club Mix des Songs und mit Disco Romance einen weiteren neuen Track, der sich ebenfalls mit starken Synthesizer-Elementen empfiehlt. The Magicians neue EP ist für die Party zu Hause oder den Moment in dem man alleine feiert perfekt gemacht und begeistert mit einem positiven, musikalischen Lebensgefühl.

Mando Diao - All The People EP

Mando Diao – Neue EP als Überraschung-Release

20 Jahre spielen sie nun schon zusammen. Über 1.500 Konzerte haben sie gegeben und 30 Nationen besucht – dabei stehen die Schweden von Mando Diao nich gerade für einen Mainstreamsound. Mit ihrem gitarrenlastigen Alternative-Rock haben sie es in den vergangenen zwei Dekaden geschafft zehn Alben zu veröffentlichen und stehen kreativ immer noch ganz hoch im Kurs. Nach ihrem fulminanten 2009er Album Give Me Fire – mit dem sie vor allem in Deutschland und durch die Single Dance With Somebody ihre höchsten Chartsplatzierungen feiern konnten – kam es immer häufiger zu Zerwürfnissen innerhalb der Band. Doch diese bedeuteten auch immer wieder neue kreative Einflüsse. So kam 2012 mit Infruset ihr erstes schwedischsprachige Album raus, mit dem sie gleich vier Mal Platin holten und dieses Album zum erfolgreichsten der Band in ihrem Heimatland wurde. Nach den drei weiteren englischsprachigen Alben Ælita (2014), Good Times (2017) und Bang (2019), der Zusammenarbeit mit Klangkarussell auf Jericho und dem Soloausflug des Frontmanns Björn Dixgård auf Wankelmuts I Keep Calling folgte Anfang dieses Jahres mit I Soldnedgången abermals ein Album in ihrer Muttersprache. Damit sollte es durch einen heißen Festivalsommer gehen, doch stehen seit der Pandemie alle Ampeln für Konzerte und Festivals auf rot.

Mando Diao Photo by: Gustaf Elias

Mando Diao Photo by: Gustaf Elias

Nun haben Dixgård und der Rest der Band die Zeit des Lockdowns genutzt und mit All The People eine Überraschungs-EP veröffentlicht. Diese setzt sich aus den fünf Songs All The PeopleHippie SonMagic KissFly To Me und Queen Mary zusammen und verfolgt den Sound der früheren Mando Diao Alben Mitte der 2000er. Es sind Songs, die zurück zum puren Gitarrensound der Band gehen und einen ebenso souligen, wie rockigen Touch besitzen. Auf ihrer Leadsingle All The People präsentieren sie diesen Mix wunderbar und möchten diesen Song gleichzeitig als Widmung an all die Fans verstanden wissen, die seit 20 Jahren dabei sind und sie durch jeden Sommer begleiten. Gleichzeitig kommen auf der EP auch ruhigere Töne zum Vorschein, wie uns Magic Kiss zeigt, der einen Hauch von Psychedelic Rock-Elementen besitzt. Zum Ende der EP wird es mit Queen Mary dann nochmal ganz romantisch. Hier zeigen uns die Schweden, dass ihnen die Natur am Herzen liegt und es die Erde zu schützen gilt. Dabei singen sie sich in einem 1A-Countrysong durch die Strophen und lassen ein wenig Fernweh aufkommen. Die EP All The People ist in jeglicher Hinsicht eine Überraschungsveröffentlichung und zeigt, dass kreative Höhepunkte nichts mit dem Alter einer Band zu tun haben müssen.

darkDARK - We Forget When We're Apart

darkDARK – Zukunft und Vergangenheit in einem Sound

Ein großer Sound, braucht eine Große Bühne. Ist der Sound bei dem US-Amerikanischen Duo darkDARK schon da, arbeiten Genevieve Vincent und Chris James gerade daran, die Bühnen zu erobern. Dabei könnte das Duo keine besseren Vorraussetzungen mitbringen. Lebt Vincent in Los Angeles und James in Austin läuft der Hauptteil ihrer Zusammenarbeit über das Internet ab. Damit bringen sie nicht nur einen gewisse Distanz mit sich, sondern steuern auch Eindrücke ihrer jeweiligen Heimatorte bei, die wir deutlich in ihrer Musik hören können. Während ihre Synthie-Pop Songs von einer nicht enden wollenden Nacht im aufgedrehten Los Angeles handeln könnten, haben sie auch immer eine realistische und zurückhaltende Atmosphäre in sich, die durch den texanischen Konservatismus geprägt sein könnte. Diese Vielseitigkeit liegt in der beruflichen Laufbahn der beiden Musizierenden. Denn während Vincent eine ausgebildete Komponistin und Produzentin ist und sich für Kompositionen in Trailern von Netflix, MTV und Serien wie Survive verantwortlich zeichnet, hat James als Mixing Engineer und Sound Designer vorrangig Sounds kreiert, die in Werbespots von Google, Levi’s, Volvo, HP, HBO, McDonald’s oder Audi zum Einsatz kommen.

darkDARK

darkDARK

Als darkDARK haben sich die beiden für einen Sound entschieden, der eine emotionale Weite ausstrahlt, die sich aus wabernden Synthies und einem fragilen Gesang Vincents zusammensetzt. Hier springen Vincent und James so leichtfüßig durch die Zeit, dass ihr Sound aus psychedelischen Elementen sowie einem Hauch Dreampop in den 80er Jahren genauso laufen könnte, wie in Science-Fiction-Filmen über das Jahr 2050. Dabei spielt die treibende Produktion von Songs, wie No Symmetry eine ganz große Rolle. Wirken sie doch, als würde unser eigenes Zögern durch die Musik verdrängt und wir förmlich vorwärts gedrückt werden. Gleichzeitig umgibt die Songs ihrer neuen EP We Forget When We’re Apart eine Dunkelheit, die uns wiederum anzieht und sich in uns festsetzt. Neben dem Giraffagen Remix ihres Songs No Symmetry ist es vor allem auch Save It – gleich zu Anfang der EP – der mit seiner großartigen, zurückhaltenden und verspielten Art wie ein weiches aber schwere Lacken wirkt, dass uns wohlig umschlingt. Nach ihrer Debüt-EP Heathered erscheint am 31. Juli die zweite EP We Forget When We’re Apart von darkDARK und zeigt uns, wie eine Fusion aus cineastisch, klassischer Musik klingen kann, die mit elektronischen Elementen regelrecht auf uns zuzustürmen scheint.

Freyr - I'm Sorry (EP)

Freyr – Deine Geschichten in seiner Musik

Es beginnt mit einem simplen Hi, wenn man auf auf die Seite des isländisch/schwedischen Sängers Freyr Flodgren geht. Ein Hi und einem tiefen, sympathischen Gesicht mit stahlblauen Augen. Unter diesem Hi fängt Flodgren an, seine Geschichte zu erzählen. Eine Geschichte, die sich von seinem sechsten Lebensjahr an mit Musik beschäftigt. Vom Erlernen des ersten Musikinstrumentes – einer Flöte, über den Besuch der Umeå Music Classes, die als Schulform den normalen Schulbetrieb plus einem ausgeprägten musikalischen Gewicht besitzt. Hier lernen die Schülern vom Songwriting über das Spielen von Instrumenten, bis hin zum Vernetzung mit anderen Musikern alles, um sich kreativ komplett ausleben zu können. Flodgren lebte, bis zu seinem 16. Geburtstag, mit seinen Eltern in Umeå – einer Stadt im Norden Schwedens, in der es im Sommer nur dreieinhalb Stunden der Dämmerung verfällt und im Winter nur viereinhalb Stunden Sonnenlicht gibt.

Als sich seine Eltern entschieden, nach London zu ziehen, blieb Flodgren. Die Eltern vermieteten ihr Haus an ihren Sohn und weitere Studenten, aus dem schließlich ein Kollektiv entstand. Im Kopf einen Schritt weiterzugehen und das Elternhaus – mit all seinen Erinnerungen – nun mit anderen, jungen Menschen zu teilen, bedeutet auch viele der ganz persönlichen Erinnerungen mit Neuen vermischen zu sehen. Oftmals geht damit eine melancholisch, motivierende Stimmung einher, die sich nun in Flodgrens Debüt-EP I’m Sorry wiederfindet. So beschreibt Flodgren seine sanfte, warme und melancholische Musik mit den Worten Ich habe eine Leidenschaft für Musik die atmet – die unabhängig vom Genre ist – und bevorzuge akustische Musik, die von erfahrenen Musikern auf echten Instrumenten gespielt wird. Ich mag es, wenn meine Musik den Hörer nachhaltig beeinflusst und nicht nur ein Ohrwurm ist. Entweder indem man ein Gefühl für die Harmonien hervorruft, eine Atmosphäre mit den Texten schafft oder versucht, dem Publikum eine Reflexion über die Dinge zu vermitteln, die im Leben wichtig sind. Ich schreibe Musik für andere. Über seine Debüt-EP sagte er noch Musik soll einfach, unterhaltsam und zugänglich sein. Es geht nicht darum, einen Charakter zu spielen. Es geht darum, einfach nur man selbst zu sein und sich über seine Gefühle bewusst zu werden. Das versuche ich zu tun. Das gelingt dem Musiker so wunderbar, dass mit den ersten Harmonien der EP ein Gefühl, von Intimität, Gefühl und Wärme aufkommt, die einem sofort in eine Art sicheren Raum einschließt, aus dem Emotionen ungeniert erwachen können.

Es sind die verschiedenen Instrumente – im Zusammenspiel mit Flodgrens Stimme (die an Künstler, wie José González oder Ben Howard erinnert) – die den einzelnen Songs Over My HeadI’m SorryNeighbour Boy, Ride The Stream und I’m Here diese ganz besondere Stimmung verleihen. Irgendwo zwischen einer verletzten Seele – die selbst schon das dunkelste Licht gesehen hat – bis zu einem friedlich, harmonischen Lagerfeuer Moment, besitzt die EP eine großartige Weite an Emotionen und erzeugt ganz von selbst Geschichten, die unser ganz persönliches Leben bereits geschrieben hat und wir nun daraus erzählen können. Zurück auf Freyr Flodgrens Homepage – der seine Musik einfach unter dem Namen Freyr veröffentlicht – schauen uns diese blauen Augen und das warme Gesicht eindringlich an und bedeuten mit einem simplen Hi so viel mehr, als nur das Oberflächliche. Freyr macht Musik, die berührt und beruhigt und eine enorme Wärme schafft. Seine Debüt-EP I’m Sorry erscheint am 3. Juli.

Parov Stelar - Brass Devil

Parov Stelar – Der Pionier swingt wieder

Er ist und bleibt der König des Electro-Swing. Auch wenn dem Österreicher Marcus Füreder – alias Parov Stelar – die Erfindung dieses Genres zugeschrieben wird, gab es in den vergangenen Jahren einige Turbulenzen, die damit einhergingen. Denn als Erfinder dieses Sounds, wurde dem Linzer Produzenten nur sehr wenig Spielraum zugestanden, auch mal etwas anderes auszuprobieren. Daraus ausbrechend, konnten wir in den vergangenen Jahren immer öfter Songs hören, die sich nicht mehr mit dem Trademark-Sound des Produzenten deckten, wie der Balkanbeats-Hit Gringo zeigt. Doch gleichzeitig ist Swing in den letzten Jahren immer größer geworden und wurde die Musik unter anderem durch die grandiose Serie Babylon Berlin nochmals in den Vordergrund gestellt. Hieraus hat sich dann auch die Motivation des Musikers ergeben, ganz frisch und neu an die Sache ranzugehen und wieder Songs im Stile seiner Anfangszeit zu produzieren. Der neue Song Brass Devil ist dabei der erste Song, der wieder nach einem solchen Muster entstand und hat bei Stelar deshalb eine ganz besondere Stellung. Denn hier zeigt sich, dass mit einer Instrumental-Version keine Langeweile aufkommen muss und der Song, wie gemacht, für den Club erscheint. Dass die Rückkehr zum Electro-Swing nicht zwingend bedeuten muss, den House-Sound der vergangenen Jahre aufzugeben, zeigt sich auf Brass Devil eindrucksvoll. Hier mischen sich dunkle Housebeats mit der Leichtigkeit des Swings und Jazz‘ und werden zu einer irritierend, modernen Variante des Retro-Sounds. Für Stelar selbst, ist Brass Devil eine Art Befreiung aus dem Konflikt der verschiedenen Sounds. Brass Devil befindet sich auf dem zweiten Teil, seiner Voodoo Sonic Trilogy, die am 24. April veröffentlicht wurde und mit seinen 5 Songs unterschiedlicher nicht sein könnte. Hier folgt auf Brass Devil – dem original Electro-Swing-Song – der Jazz-Ausflug (Piano Boy) und endet in modernen House Beats (Don’t You ForgetFade To Red), sowie einer Folk-Elektromischung auf (Come Back Home). Ebenso werden wir bald die Möglichkeit haben, in einer Doku mehr über den Werdegang des Electro-Swing-Pioniers zu erfahren. Wann diese veröffentlicht wird und wie sie heißen wird, steht dabei noch nicht fest. Mit seiner zweiten EP Voodoo Sonic Trilogy, Part 2 beweist uns der Musiker auf jeden Fall, warum er der Meister des Electro-Swing ist und verbindet hierbei gleich auch gekonnt Jazz mit wunderbar treibenden Elektroelementen. Stelar ist damit einmal mehr eine sichere Bank für großartigen Elektro mit Retrotouch.