Millie Turner – Resetbutton mit vollem Schub voraus

Mit ihrem relaxten Indie-Sommer-Hit Swimming Pool hatte die britische Sängerin Millie Turner letzten Sommer eine wahre Perle an Song veröffentlicht. In den Folgemonaten arbeitete die Britin an weiteren Songs und veröffentlichte am 15. November ihre EP Hide+Seek. Darauf enthalten ist die aktuelle Single January, auf der sich Turner einem Reboot verpflichtet, ohne sich dabei zu sehr verändern zu wollen. Vielmehr geht es bei ihr darum in den Januar zu kommen und dem Leben einen Neustart zu geben, ohne dabei auszuschließen, dass gleiche Fehler auch ein zweites Mal gemacht werden. Mit den ganzen Vorsätzen, im neuen Jahr alles anders zu machen, hat Turner nicht viel gemein und tritt dabei gleich zu Beginn des Jahres 2020 mit January einen weiteren Schritt ins Rampenlicht der britischen Musikwelt. So gilt sie als eine der vielversprechendsten Newcomerinnen und zeigt mit January, dass sie wunderbare Laissez-faire-Hymnen beherrscht. Denn January kommt komplett unaufgeregt rüber und ist so relaxt, dass der Song wunderbar als Soundtrack eines Sonntags auf der Couch, zum Filmeschauen passt. Turner wird unterdessen ihren aktuellen Drive nicht verlangsamen und uns mit Sicherheit auch 2020 mit neuem Material versorgen.

Aurora - Apple Tree

Aurora – Eins mit der Natur

Aktuell fegen sie uns förmlich weg. Die starken jungen Frauen – fast noch Teenager – die gerade mit ihrem Charisma und dem Tatendrang für eine neue Generation stehen. Aurora steht in der Musikwelt für diese Generation. Ihre aktuelle Musik ist geprägt von der Auseinandersetzung der Menschen mit ihrer Umwelt und dem andauernden Unglaube diese zu beeinflussen. Doch mittlerweile findet die 23-jährige Sängerin immer mehr Gehör – was nicht zuletzt an der Schwedin Greta Thunberg liegt, die – wie keine andere – die Welt wachgerüttelt hat und mit aller Kraft Forderungen an die Regierungen aller Länder stellt. Aurora zeigt dies durch ihre Musik und hatte bereits mit der letzten Single The Seed bewiesen, wie wichtig ihr dies ist. Nun hat die Schwedin mit Apple Tree einen weiteren Song veröffentlicht, der in die gleiche Richtung geht und den die Sängerin mit einer Beschreibung und fast schon Stellungnahme veröffentlicht. In Apple Tree geht es um das Potenzial, das sich in uns allen verbirgt. Wir alle können die Welt retten, wenn wir uns darauf konzentrieren. Die Welt hört nicht auf den wissenschaftlichen Beweis, dass die Welt im Sterben liegt, also hört sie vielleicht auf die Träumer, die Kinder. In einer blutenden Welt ist die Kraft des Einzelnen unsere einzige Hoffnung. Lass sie die Welt retten. Lass ihn sie alle retten. Glaubt die Welt an uns, sind vielleicht wir die Generation, die die Welt rettet, und nicht die, die sie getötet hat. Dabei zeigt Aurora auf Apple Tree Einflüsse orientalischer Musik, die den Song in eine angenehm leichte Richtung leiten. Der krasse Gegensatz folgt allerdings in Form des Videos, in dem viel Blut zu sehen ist – denn die Welt blutet. Das möchte uns Aurora mit Apple Tree mitteilen.

Thees Uhlmann - Avicii

Thees Uhlmann – Stampfendes Tribut

In knapp zwei Wochen ist es soweit und das dritte Album Junkies und Scientologen des Hamburgers Thees Uhlmann kommt in die Läden. Bereits mit seiner ersten Singleauskopplung Fünf Jahre Nicht Gesungen vor gut vier Wochen zeigte uns Uhlmann, warum er so wichtig für die Deutsche Musiklandschaft ist. Mit seinen Songtexten, die immer direkt beim Hörer landen und seinen cleveren Wortkonstellationen ist Uhlmann bereits seit Tomte-Zeiten ein hoch angesehener Musiker. Auf seiner nun veröffentlichten, neuen Single Avicii besingt der Label-Mitbegründer des Grand Hotel van Cleef Plattenlabels, die Liebe zu dem schwedischen Musikproduzenten Avicii, der im April letzten Jahres so plötzlich verstarb. Dabei lässt uns Uhlmann textlich etwas im Dunkeln. Stehen sich doch Zeilen wie Du wartest auf die Liebe und ich auf das nächste Bier. Der Platz am Tresen neben mir bleibt heute leider leer. Eine gute letzte Reise, zum Abschied leise winken. Elektronische Musik kann man sich so selten schöntrinken. gegenüber, als könnten sie gar nicht zusammengehören. Mit der Musik jedoch, hat sich Uhlmann wieder an dem tanzbaren Indierock seiner Stammband Tomte orientiert. Thees Uhlmann ist ein wichtiger Bestandteil der deutschen Musikwelt und zeigt, was Songwriting und der richtige Sound mit Themen machen kann, die unbequem sind.

Dido – Sanfte Rückkehr nach fünf Jahren der Stille

Die Stimme Englands ist zurück! Was Adele für unsere aktuelle Dekade ist, ist Dido für die 2000er. Eine so einfühlsame Stimme mit sensiblen Texten und noch fragileren Sounds – das ist Dido Armstrong. Mit ihren ersten beiden Alben No Angel und Life For Rent verkaufte sie zusammen mehr als 34 Millionen Einheiten. Mit den beiden Nachfolgealben Safe Trip Home und Girl Who Got Away konnte sie jedoch den Erfolg nicht wiederholen und verkaufte je nur rund 500.000 Einheiten. Als Grund hierfür zählt sicherlich auch, dass Dido sich auf diesen beiden Alben eher dunkleren Sounds zugewandt hatte und daher eine Massentauglichkeit nicht mehr unbedingt gegeben war. Darüber hinaus veröffentlicht Dido in einem ungefähren Fünfjahres-Rhythmus ihre Alben, was in der heute, sehr schnelllebigen Musikwelt, fast schon wie eine ganze Generation zählt. Und dennoch hat uns Dido auf ihrer gestern veröffentlichten Single Hurricanes von der ersten Sekunde und dem ersten Ertönen ihrer Stimme sofort zurück. Ist es doch diese warme, sanfte, fast schon hauchende Stimme, die uns ein Gefühl der Geborgenheit gibt und uns vorkommt, als würden wir einen alten Freund wiedersehen. Dabei verbindet Dido zwei großartige Elemente – anfangs noch an den Sound ihres zweiten Albums Life For Rent erinnert, wandelt sich Hurricanes zur Mitte hin, zu einer sanft, elektronischen Wolke, in der die Sängerin mit einem großartigen Hall zu verschwinden droht. Bis sich ihre Stimme schließlich zum Höhepunkt am Ende des Songs auflöst, um nach Sekunden der Stille wiederzukommen und sich klar und warm zu verabschieden. Auf Hurricanes kann man den Wunsch nach Veränderung der britischen Sängerin durchleben und hört dabei deutlich die Zusammenarbeit mit ihrem Bruder Rollo heraus. Erstmals, seit 15 Jahren, wird Dido zur Veröffentlichung ihres fünften Studioalbums Still On My Mind, am 8. März 2019, auch wieder auf Tour gehen. Bis dahin wird uns Hurricanes durch den Winter begleiten.

Ben Howard - I Forget Where We Were

Ben Howard – Kommt gewaltig zurück

Mit seiner flehenden, leicht hohen Stimme hat er vor drei Jahren mit einem Schlag Millionen Menschen für sich begeistern können. Wurde er bei den BRIT Awards mit den British Breakthrough Act und dem British Solo Male Artist ausgezeichnet, hat er so Acts wie Alt-J, Jake Bugg, Rita Ora oder Olly Murs ausstechen können. Nun kommt er mit seinem zweiten Album I Forgot Where We Were zurück und die gleichnamige Single erstaunt und ergreift einen zugleich. Ist es doch ein viel tieferer Sound, der uns entgegen kommt. Mehr von Allem und doch weniger von der Stimme. So könnte man den Song beschreiben wenn man ihn sich anhört. Da hört man Streicher, Schlagzeuger und Gitarristen, doch wer jetzt denkt, dass all diese Instrumente einen Klang wie aus einem Red Hot Chili Peppers Song erzeugen würden, hat sich geirrt. Der Song ist klein, still und einfühlsam. Schliesslich doch ein echter Ben Howard Song, nur doch ein wenig anders.

Melt Festival 2014

3 Tage. 16 Künstler. 35°C. MELT! 2014 Tag 1

Es hätte nicht passender laufen können – heißt doch das Wort melt, übersetzt – schmelzen. Und so kam es dann auch. Doch nicht alleine das Wetter war ausschlaggebender Grund um dahinzuschmelzen, sondern vielmehr waren es die zahllosen Künstler der Indie- und Elektro-Szene die sich die Klinke in die Hand gaben. Was den Besucher erwartete, waren drei Tage erhöter Pulsschlag mit immer wieder kleinen lethargischen Pausen. Kam man zum Überflieger der australischen Musikwelt, Chet Faker, fast zu spät durch die Massen an Neugierigen, wurde man, auf der Hauptbühne angekommen, von seichten elektronischen Beats abgeholt und setzte sich erstmal nieder. Die drei Schwestern von Haim hatten den Slot direkt nach Chet Faker und waren 2013 die Band der Stunde. So ging man mit einer gewissen Erwartung in Richtung Bühne weiter vor um sich diese Schwestern einmal genauer zu Gemüte zu ziehen. Doch nach nicht ganz einer Stunde und Hits wie Forever, The WireFalling und Don’t Save Me blieb die eingangs hochgesteckte Erwartung auf der Strecke. Schafften sie es doch nur bedingt das Publikum abzuholen und spielten viel zu oft für sich selbst. Das man dadurch nur schwer eine Masse von ca. 6.000 Zuhörern mitreißt ist selbstredend. Einzig hervorzuheben ist ausgerechnet keiner ihrer eigenen Songs. So war die Coverversion von Beyoncé’s XOXO eine frische und stilsicher auf das Haim’sche Schema übertragene Popnummer bei der das Publikum textsicher mitsang. So blieb bei Haim der fade Beigeschmack, dass man bei manchen Bands einfach nur deren hochwertig produzierte Alben genießen sollte und auf eine Live-Darbietung verzichten kann.

In dem von dem Musikmagazin Intro aufgebauten Zelt traten Freitagabend ab 22 Uhr die Österreicher Bilderbuch und der Hamburger Thees Uhlmann auf – ist doch das Zelt bekannt als Bühne von beliebten Independent-Künstlen. So haben die aus Wien kommenden Jungs von Bilderbuch mit ihrem Indie-Pop das Zelt so außergewöhnlich beflügelt, dass man meinen sollte, sie werden in den nächsten Jahren nur noch für große Bühnen gebucht. Thees Uhlmann hatte somit im Anschluß leichtes Spiel und holte das Publikum dort ab, wo es Bilderbuch abgesetzt hat. Und so waren Songs wie Zum Laichen Und Sterben Ziehen Die Lachse Den Fluß Hinauf und Das Mädchen Von Kasse 2 nur die bekanntesten Songs des Abends. Was Uhlmanns Auftritt bereichert hat, war die langjährige Erfahrung mit Auftritten von Tomte. Denn ist er doch kein geringerer als ein Profi in diesem Gefielde. So witzelte er zwischendurch sogar, dass er wohl der älteste Künstler des ganzen Festivals sei und stimmte mit der Frage wer noch in seinem Alter sei den Song Am 7. März an.

Zurück auf der Hauptbühne wartete der größte Act des Abends auf seine Performance. Die beiden Norweger von Röyksopp haben sich für eine EP die schwedische Künstlerin Robyn mit ins Boot geholt und ein paar Songs für der Zukunft geschaffen. War doch der Auftritt zunächst Röyksopps künstlerischem Schaffen gewidmet, konnte man Meisterwerke wie Eple, What Else Is There und Poor Leno genießen. Schließlich kam Robyn dazu um einige ihrer größten Hits zu präsentieren und dann schlußendlich Song von der gemeinsamen EP Do It Again darzubieten. Die Energie die diese beiden Acts dabei freisetzen konnten, war über die gesamte Fläche der Hauptbühne zu spüren und schaffte es unter den Besuchern eine gewisse Euphorie zu wecken, die es Röyksopp und Robyn möglich machten, von Lied zu Lied immer weiter zusammen zu wachsen.

Im Anschluß fand man sich im Intro Zelt bei der DJ-Perfomance vom Berliner Kid Simius wieder, der durch seine Experimentierfreudigkeit und einer Fröhlichkeit durchs Konzert führte, dass es keinen ruhig da stehen liess. Natürlich waren hier Wet Sounds und Hola Chica schlußendlich ausschlaggebend für das ekstatisch feiern der Menge. Und so kam es gleich hinten dran zum live DJing eine weiteren großen Nummer der Szene. Denn kein geringerer als Fritz Kalkbrenner stand auf der Hauptbühne hinter den Plattentellern und sorgte mit Songs seiner beiden Alben dafür, dass die nunmehr mit 10.000 Festivalgängern gefüllte Bühne in die Nacht feierte. Und auch hier, wie schon auf dem Berlin Festival 2013, war der krönende Abschluss Sky and Sand aus dem Film Berlin Calling. Die Stimmung, die dieser Song auch sechs Jahre nach seiner Veröffentlichung bei Partygängern verursacht, lässt so Manchen Gänsehaut bekommen.

Mit diesem Gefühl ging der erste Festivaltag zu Ende und man kam erschöpft aber voller Vorfreude bei Sonnenaufgang in seinem Zelt an und fiel zu Boden.

Lies morgen hier wie es am Samstag, dem standesgemäß vollsten Tag, mit FM Belfast, Milky Chance, William Fitzsimmons und Anderen durch die Nacht ging.