Lizzo - Boys

Lizzo – Schräg, anders, süchtig machend

Es gibt gerade zwei Frauen, die das Popbusiness komplett von hinten aufrollen. Die eine – Billie Eilish – ist gerade einmal 17 Jahre alt und schafft es mit ihrem Debütalbum eine wahre Fanmania auszulösen. Die andere ist Lizzo, die gerade mit ihrer emanzipierten Anti-Bodyshaming Musik alles abräumt, was es zu holen gibt – siehe Juice. Dabei hat Melissa Viviane Jefferson – wie Lizzo mit bürgerlichen Namen heißt – vor allem mit ihrem aktuellen Album Cuz I Love You das heisseste Eisen im Feuer. Denn Cuz I Love You ist mit seinem Stilmix aus Hip-Hop, Funk, Pop, Soul und Rock eines der abwechslungsreichsten Alben der vergangenen Jahre und zeigt Lizzo hierbei völlig befreit von Konventionen und Stilen. Auf ihrem Song Boys greift sie dann auch das Thema Männer auf und wirbt für Diversität. So singt die aus Detroit kommende Sängerin auf Boys die Sätze I like big boys, itty bitty boys. Mississippi boys, inner city boys. I like the pretty boys with the bow tie. Get your nails did, let it blow dry. I like a big beard, I like a clean face. I don’t discriminate, come and get a taste. From the playboys to the gay boys. Go and slay, boys, you my fave boys und zeigt damit, wie sehr sie sich in den letzten Jahren – als Sängerin, die selbst Bodyshaming und Diskriminierung erfahren hat – von Verurteilungen und Vorurteilen befreit hat. Boys lässt Lizzo wieder locker und funky klingen und besitzt eine Leichtigkeit, die beachtlich ist.

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Sam Fender – Erschreckend sachlich und doch voller Gefühl

Bereits mit Start Again hatte der junge britische Sänger Sam Fender aufhorchen lassen. Lässt er mit seiner starken Stimme und einem intensiven Gitarrensound eine Welt entstehen, die so zerbrechlich ist, obwohl sie stark sein soll. Auf seiner neuesten Single Dead Boys thematisiert er diesen Zwiespalt unlängst noch drastischer. Hierbei greift Fender das Tabuthema des sensiblen Mannes auf, der in der heutigen Gesellschaft kaum Beachtung findet, geschweige denn Hilfe erhält. Kündigte Fender Dead Boys mit dem Satz On average, 84 men take their own lives in the UK every week an, wird schnell klar, dass der Song keine leichte Kost ist. Hierbei singt sich Fender in emotionale Rage und mündet in einem aufwühlenden Refrain mit den Worten We close our eyes, learn our pain, nobody ever could explain, all the dead boys in our hometown. Auf Dead Boys schafft Fender künstlerisch und musikalisch den Spagat zwischen einem hochsensiblen Thema und der Kreation eines vollen, musikalischen Kunstwerks.

Years & Years – Sie heiligen die neue Single

2015 waren sie plötzlich da – die britische Band Years & Years. Mit großen Popsongs wie Desire, King, Shine oder der Kollaboration mit The Magician auf Sunlight hatten die Jungs um Frontmann Olly Alexander es bis auf Platz 1 der britischen und europaweiten Charts geschafft. Hat Alexander von Beginn an keinen Hehl um seine sexuelle Orientierung gemacht, flossen diese Einflüsse direkt in die Musik und Videos der Band ein. Dabei sieht sich die Band als Vermittler der LGBT-Community. Nicht übertrieben aber immer hartnäckig lassen Years & Years dabei Tabus fallen. Auf ihrer, gestern veröffentlichten, neuen Single Sanctify klingen sie daher noch etwas extrovertierter und nutzen die Aufmerksamkeit, um Alexanders Erfahrungen mit Männern zu thematisieren. Weniger aus der Ich-Perspektive, denn viel mehr als erzählender Beobachter singt Alexander darüber, wie es ist Männer zu treffen, die sich selbst als heterosexuell beschreiben aber sich in der Gegenwart eines anziehenden Mannes nicht so verhalten und so mit ihrer eigenen Sexualität hadern. Dabei bedienen sich Years & Years auf Sanctify des Synthiepops, Elektro- und Dancepops. All das vermischt sich auf Sanctify zu einem energetischen Popsong, der so eingängig wie mitreißend ist und im Kopf bleibt. Years & Years wollen Spaß haben und klingen, trotz der hohen Erwartungshaltung an ihr neues Album, so gelassen und frisch, dass auch das Nachfolgealbum, des Millionensellers Communion, eine Hitgarantie besitzt.