Julian Wassermann feat. Yates - Guard

Julian Wassermann feat. Yates – Ein Déyà-vu ohne Erlebnis

Eigentlich ist man geneigt, zu dem Song zu tanzen – hat doch der Münchener Produzent und DJ Julian Wassermann mit Guard einen Track veröffentlicht, der nicht nur die gesangliche Unterstützung des Berliners Yates hat, sondern sich auch in eine so unaufgeregte Art und Weise präsentiert, dass man sich fast schon meditativ um die Beats tänzeln sieht. Dabei baut sich Guard wunderbar geschmeidig auf und setzt mit einem Timelaps-Beat und den Lyrics zu einer Art Mahnung an. Wassermann selbst ist in den letzten Jahren zu einem neuen Bestandteil der deutschen Produzentenriege geworden. Dabei bekommt er von allen Seiten Lob für seinen melodischen House und Deep Techno, der energiereich und euphorisch auf das tanzende Publikum übergreift und sie so immer wieder zu ekstatischen Momenten führt. Guard jedoch ist eine Art Brücke – zeichnet sich der Song doch durch einen deutlich größeren Anteil an Popelementen aus und wird dadurch für ein größeres Publikum greifbar ohne, dass er die Grundbausteine der Harmonien und des Genres House antastet. Guard fühlt sich wie eine träge Erinnerung an ein Ereignis an, welches wir nie erlebt haben aber uns wünschten, Teil dessen gewesen zu sein.

Werbeanzeigen
The Bad Tones - Over Me

The Bad Tones – Musik, die alles vereint

Gleich vorneweg, die aktuelle Single Over Me von dem lettischen Quartett The Bad Tones ist eine Reise in die vergangenen 40 Jahre Musik. Dabei orientiert sich Over Me nicht direkt an einem Genre, sondern greift auf die Einflüsse aus Rock, Soul, Alternative, Blues und Singer/Songwriting zurück und vermischt das ganze zu einem Sound, der sich zwischen in Erinnerung an die ganz großen Songs schwelgen und modernem Rock und Blues befindet. The Bad Tones haben dabei schon eine lebendige Bandgeschichte vorzuweisen. Bereits unter dem Bandnamen The Pink Elephant hatten sie mit Mellowing (2015) und Cassette Concert (2016) Alben veröffentlicht. Nun als The Bad Tones unterwegs, gab es 2018 mit der EP Bad Tunes einen ersten Vorgeschmack. Jedoch soll für die Band aus Riga das Jahr 2019 als Wendepunkt fungieren. Denn am 5. Juli wird mit Is It Good Enough? ihr Debütalbum erscheinen, bei dem sie gleich vorneweg die Erfahrungen verarbeiten, die sie mit The Pink Elephant und The Bad Tones bisher gemacht haben. Over Me ist dabei eine clever arrangierte Soundkulisse, die auf verschiedenen Ebenen arbeitet. Kommen hier tiefe sowie klare Gitarrenriffs zum Einsatz, geht Sänger Edvards Broders so entspannt mit den Lyrics um, um diese schließlich in Synthiearrangements und Saxophonwolken einzubetten. Dadurch erinnern The Bad Tones an so viele Bands in nur einem Song. Hier kommen Assoziationen zu Bombay Bicycle Club, Tame Impala oder Fleet Foxes auf. Mit Over Me haben The Bad Tones den perfekten Song veröffentlicht, um sich als Band bei uns vorzustellen.

Mokoa feat. Dirty Radio- French House hat einen neuen Namen

Für Dirty Radio ist es eine Selbstverständlichkeit aktuell als einen der großen House-Acts gehandelt zu werden. Für den Franzosen Mokoa ist diese Erfahrung auf sich bezogen aber immer wieder aufs Neue überraschend. Nun haben sich die beiden Acts zusammengetan und mit Magic eine Nummer veröffentlicht, die an all das erinnert, wofür French-House steht. Mit einer gewaltigen Prise 90er-Jahre-Feeling und den – wie ein Bienenschwarm – umherfliegenden Lyrics haben die Kanadier von Dirty Radio mit dem Franzosen einen Song produziert, der sofort in die Beine geht und den Vibe der absoluten Ekstase von Songs die den großen Nummern von Modjo und Dax Riders ähnelt, gleichkommt. Damit hat sich Mokoa in den letzten Jahren auf immer größeren Bühnen wiedergefunden und stand bereits neben Acts wie Ofenbach, Kungs, Synapson oder Kavinsky auf der Bühne. Mit seinem Mix aus Disco, Funk und House bringt Mokoa uns die Hochzeit des French-House zurück und lässt uns auf dem 2:49 Minuten – die Magic lang ist – keine Atempause.

Someone – Ein Soundtrack für das Weltall

Die niederländische Sängerin Tessa Rose Jackson ist unter ihrem Musikprojekt Someone bekannt für ausufernde Musikvideos, die ihre Songs in ein völlig eigenständiges Genre heben. Ihr hauchend, hallender Gesang ist dabei der perfekte Soundtrack für eine Tour durchs Weltall. Verfolgt man Someones Diskografie, kommt man, wenn man The DeepForgive Forget und den heute veröffentlichten Song Pull It Together anhört, unweigerlich an den Punkt, an dem man sich selbst auf die Erde niedersehen sieht. Dabei hat Pull It Together Anleihen des 1969er Bowie Hits Space Oddity und schwelgt in Atmosphären fernab des hiesigen Popgeschehens. Mit opulenter Instrumentierung und großen Gesten singt Jackson von ihrem Blick aus dem Himmel – runter zur Erde und lässt mit Textzeilen wie Stuck on a cloud again. This time i can’t come down. It was an accident oh, won’t you help me out. I made the same mistake, yes I know erahnen, wie sie dort hingekommen ist. Someone ist ambitionierter Pop, der immer auch ausufernd und bombastisch klingt und hoffentlich in Zukunft in dem ein oder anderen Science-Fiction Film zu hören sein könnte.

Seinabo Sey – Offener, kräftiger und voller Energie

Mit den Textzeilen There’s a conclusion to my illusion. I assure you this. There’s no end to this confusion. If you let it wish you well. Soul to sell […] When you know you ain’t getting any. Younger, younger, younger, are you? kam für die schwedische Sängerin Seinabo Sey 2013 der große Durchbruch. Mit der Remixversion des norwegischen DJs Kygo bekam Sey 2014 weltweit nochmals deutlich mehr Aufmerksamkeit. Und so folgte im Oktober 2015 mit Pretend ihr Debütalbum und die gleichnamige Single. Für neues Material sollten dann allerdings erst einmal weitere drei Jahre vergehen, bis wir neues Material der eindrucksvollen Sängerin erwarten konnten. Dieses Jahr war es dann schließlich Zeit für neue Musik und so kann 2018 definitiv als das Jahr der Tochter einer Gambierin und eines Schweden angesehen werden – denn Anfang September folgte mit I’m A Dream ihr zweites Studioalbum auf dem die Sängerin deutlich gereifter klang. Mit ihrer aktuellen Single Good In You beweist sie uns genau diese neue Art Soul, R&B und Pop zu verbinden. Mit einem wirbelnden Sound und eingängigen Lyrics klingt Sey so frisch und neu, das die neuen Songs sich nicht hinter den großen Nummern des Debütalbums verstecken müssen.

The 1975 – Ein Liebeslied an das Böse

Es sind die Zeilen And all I do is sit and think about you
If I knew what you’d do
 die uns Glauben schenken, dass uns The 1975 eines der besten Liebeslieder der vergangenen Monate schenken. Mit einem fesselnden Synthiebeat und Matty Healys sanft, poppigem Gesang klingt It’s Not Living (If It’s Not With You) so sehr nach einem 80er-Jahre Power-Lovesong, dass wir uns schon freuen, die heimliche Liebe Healys kennenlernen zu dürfen. Doch hört man den Lyrics weiter zu, wird klar, dass Healy hier von einem deutlich ernsteren Thema singt. Denn die Zuneigung, die er hier beschreibt, galt für einige Zeit den Drogen wie Heroin. Dies behandelt Healy in It’s Not Living (If It’s Not With You) so pur in direkt, dass man ihm nur gratulieren kann, wieder clean zu sein. Das dieser Weg schwer sein musste, zeigt die Band nun auch in dem dazugehörigen Musikvideo, indem Healy mit den Nebenwirkungen der Drogen – in Form von Panikattacken und Ängsten – zu kämpfen hatte und selbst auf der Bühne nicht davon verschont blieb. The 1975 stehen mit ihrem, gerade veröffentlichten, dritten Album A Brief Inquiry into Online Relationships gerade davor, weltweit zu einer der größten Rockbands unserer Zeit aufzusteigen. Da kommt die neu entfachte, drogenfreie Energie von Frontmann Healy genau richtig. Mit rotzigen Kommentaren, großen Songs und bereits einem vierten Album für Mai 2019, das Notes on a Conditional Form heißen wird, in der Pipeline, greifen The 1975 nun frontal an und sind auf dem besten Weg ihren Platz im Olymp einzunehmen.

HVOB – Tiefe elektronische Melancholie

HVOB – das ist das österreichische Produzenten-Duo um Anna Müller und Paul Wallner. Haben sie sich 2012 zu HVOB zusammengetan, wurde ihnen schon 2013 mit der melancholisch treibenden Coverversion Always Like This, der britischen Band Bombay Bicycle Club, eine große Aufmerksamkeit zu Teil. Über die nachfolgenden Jahre schaffte es das Duo mit Songs wie MoonCool Melt oder Clap Eyes enormes Interesse auf sich zu lenken. So listete selbst das Billboard Magazin aus den USA das Wiener Duo in seiner Rubrik Next Big Sound unter den Top-15 für 2013. Dass die beiden zu Recht dafür nominiert wurden, zeigt der neue Song 2nd World eindrucksvoll. Dieser ist eine herrlich reduzierte Elektronik-Ballade. Geizt 2nd World zwar mit Lyrics und großen Gesten – lässt der Song aber gerade durch diese minimalistische Produktion eine wunderbar Dreampop angehauchte Stimmung aufkeimen und ehe man sich versieht, ist man im Strudel der Musik gefangen und bricht der Song auf. HVOB machen eine völlig eigenständige Musik und überlassen das Genre einordnen anderen.

The Killers – Brandon Flowers ist The Man

The Killers – The Man

Sie haben uns lange warten lassen – sehr lange. Gefühlt waren die aus Las Vegas kommenden Rocker von The Killers schon abgeschrieben – wären da nicht Verlass auf mindestens einen Weihnachtssong gewesen. Doch zählt man diese Veröffentlichungen mal nicht mit ein, ist es bereits fünf Jahre her, dass das Quartett mit Battle Born ein Album veröffentlichte. Es brauchte Zeit, da waren sich alle Bandmitglieder einig. Hatten Sänger Brandon Flowers und Gitarrist Mark Stoermer zwischenzeitlich mit The Desired Effect und Dark Arts jeweils neue Soloalben veröffentlicht, bildete Ronnie Vennucci Jr. die Band Big Talk und veröffentlichte mit ihr 2015 das Album Straight In No Kissin‘. Somit hatten sich, bis auf Dave Keuning, alle Bandmitglieder ein Leben für die Zeit nach den Killers aufgebaut. Wie so oft heißt es allerdings viel zu schnell, dass Totgesagte länger leben. Und so haben The Killers gestern mit The Man die erste Single ihres fünften Studioalbums Wonderful, Wonderful veröffentlicht. Dass The Killers schon lange nicht mehr nur im Alternative Rock anzufinden sind, hatten bereits die letzten beiden Alben gezeigt. Auf The Man vereinen sie nun jedoch sowohl Alternative Rock, als auch groovigen Pop und 80er Jahre-Vibes. Mit Flowers‘ typischen Gesang, treibt The Man an und bildet einen Sound, der irgendwo zwischen Ray Parker Jr.’s Ghostbusters und Calvin Harris‘ ersten Alben liegt. Brandon Flowers und seine Band stellten sich die Frage, wie eine vierköpfige Band im Jahr 2017 klingen sollte und probierten sich einfach aus. Raus aus der Komfortzone – hinein in ungewohnte Soundstrukturen, das war es, was im Vordergrund für den Entstehungsprozess stand. Wie sich das anhört, beweisen die Amerikaner nun so richtig groß auf ihrer neuen Single. Denn eines ist klar, wie Flowers im Song mit den Textzeilen „Who’s the man? who’s the man? …. I’m the man!“ besingt – The Killers sind zurück und das selbstbewusst wie eh und je.

Alex Clare - War Rages On

Alex Clare – Schreibt das zweite Kapitel

Er ist wieder da – Alex Clare hat nach seinem überragenden Erfolg mit Too Close nicht untätig rumgesessen. Liefert er doch gerade eine neue Single ab. War Rages On ist eine intensive, ergreifende und treibende Nummer und lässt Clares Stimme imposant und tief wirken. Ist es doch die Mischung aus Dubstep und den ergreifenden Lyrics, die uns eine Gänsehaut bereitet. Denn auch als Ballade würde dieser Song einzig und allein durch den Text schon groß wirken.