Billie Eilish – [Ich denke] Also Bin Ich

Sie kam praktisch aus dem Nichts und eroberte die Welt im Sturm – Billie Eilish. Wobei das Synonym Sturm fast schon zu sanft für das ist, was die 18-jährige US-Amerikanische Sängerin in den vergangenen zwei Jahren alles erreicht hat. Zwar kam vor genau vier Jahren mit Six Feet Under bereits der erste Song der damals 14-Jährigen raus, doch sollte Eilish erst ein Jahr später mir der Debüt-EP Don’t Smile At Me eine größere Aufmerksamkeit zu Teil werden. In den darauffolgenden drei Jahren sahnte die Kalifornierin alles ab, was man holen konnte – von fünf Grammy Awards, über das bestverkaufte Album des Jahres 2019, bis hin zum singen des James Bond Theme-Songs 2020. Neben all der Zahlen und Fakten beweist Eilish darüber hinaus auch, wie abgeklärt die Generation Z ist und im Speziellen die Sängerin selbst. Denn während die großen Popstimmen ihre Präsenz zumeist nur zur eigenen Vermarktung verwenden, singt sich Eilish durch die gesellschaftlichen Brennpunkte unserer Zeit. Ob über Magersucht, Verletzlichkeit, Depressionen oder fehlende Wertschätzung. All diese Themen sind nicht etwa Themen, die man nur empfinden kann, wenn man erwachsen ist. So ist Eilish zum Sprachrohr einer Generation geworden, die damit aufgewachsen ist, als das Gegenteil von dem abgestempelt zu werden, als das, was sie sind. Gleichzeitig versteht sie eine ganz andere Generation nur zu gut – die Generation Y. Denn es ist genau die Generation, die zwischen den großen Konstanten aufwuchs. Nach dem – noch recht konservativen Boomerjahren und noch vor einem Leben in der digitalen Welt. Eilish ist sich dessen bewusst, dass sie nicht nur ihre Altersgenossen, sondern auch die 20 Jährigen und sogar 30+ erreicht. Neben den hypnotisierenden Sounds ihrer Songs – für die zumeist ihr Bruder Finneas verantwortlich ist, macht auch der Gesangsstil Eilishs einen klaren Unterschied zur aktuellen Musiklandschaft. Die neue Single Therefore I Am beweist das wieder einmal eindrucksvoll. Hier haucht sich Eilish durch Zeilen, die ganz klar sagen, dass sie eine starke, unabhängige Frau ist, die nicht möchte, dass sich andere mit ihrem Namen kleiden. War My Future im Sommer musikalisch geprägt von der Angst über die ganz reale Zukunft einer jungen erwachsenen Frau in den USA, die mit dem Klimawandel, einer Pandemie, einer desolaten Regierung und Herausforderungen der Nachhaltigkeit konfrontiert ist, sind es auf Therefore I Am die starken Statements, die begeistern. Immer pur, immer direkt und immer ehrlich – das sind Eilishs Maxime. Hinzu kommt ein Sound, der sich einfach nicht vergleichen und – einmal gehört – nicht mehr aus dem Ohr bekommen lässt.

Ace Marino - Communication

Ace Marino – Back to the Future

Es ist der Sound der Vergangenheit. Mit wabernden Bässen, verspielten Synthies und einer großen Portion 80er-Jahre-Feeling schafft es gerade ein Song in unsere Herzen, der nicht besser unter diese Beschreibung fallen könnte. Bekannt geworden ist er vor allem durch einen Werbespot des Automobilhersteller Audi. Hier sehen wir einen Wagen der Marke durch das futuristisch aufgepepptes Berlin fahren. Im Hintergrund zu hören ist diese wabernde Synthiehymne, die sich an Künstlern, wie Kavinsky und M83 anlehnt. Dabei steht hinter dem Song Communication der Kalifornier Ace Marino, der sich selbst auch gern als eine Fitnessikone, einen Strand-Bro und außergewöhnlichen Produzenten beschreibt. Mit viel Liebe zur Ironie hat sich Ace Marino in den vergangenen Jahren zu einem ernstzunehmenden Anwärter auf die Synthiewave-Krone gemausert und überzeugt mit einem durch und durch auf die 80er Jahre ausgerichtetes Gesamtwerk. Auf seiner 2017 erschienenen Debüt-EP Cocaine Flamingo bündelt er diese 80er-Jahre Power und beweist vor allem bei seinen Instrumentalstücken – wie Communication – wo seine Stärken liegen.

Ace Marino

Ace Marino

Denn während auf den Vocal-Songs zumeist eine leicht schräge Gesangsstimme vorherrscht, ist es auf Communication vor allem der reine 80er-Jahre Sound, der genau das Gefühl vermittelt, welches gerade durch Serien wie Stranger Things an Beliebtheit gewinnt. Indie genug, für die Festivals und Clubs und ebenso cool, um auch den Mainstream zu erreichen hat Communication alles, um die Kinder der 80er Jahre zu erfreuen, sowie dem heutigen Zeitgeist zu entsprechen. Hatte Ace Marino vor genau einem Jahr sein Debütalbum Muscle Beach angekündigt, ist es bisher nur bei der gleichnamigen Single geblieben. Nun hat der US-Amerikaner am vergangenen Freitag mit Talk Me Down einen neuen Song veröffentlicht, der sich mit seinem Gesang poppiger anhört, als das beatlastige Communication. Doch während sich Ace Marino damit erst noch beweisen muss, wird Communication zu einem wahren Selbstläufer. Also lasst den Vokuhila und Oberlippenbart wachsen, holt die neonfarbene Joggingjacke raus und tanzt euch in Rage zu Communication.

 

Møme, Ricky Ducati - Got It Made

MØME feat. Ricky Ducati – Wenn die Disco zu Dir kommt

Er ist mit neuem Material zurück! Hat der Franzose Jérémy Souillart unter seinem Musik Alter-Ego MØME in den letzten beiden Jahren vor allem die Trilogie Møment I, Møment II (beide 2018) und Møment III (2019) veröffentlicht, ist es sein unverwechselbarer Discosound, der MØME auf jeder Tanzfläche zum Hit werden lässt. Zusammen mit Ricky Ducati veröffentlicht MØME nun abermals einen Song, in dem der kalifornische Sänger mit seiner hohen Stimme glänzen kann. Dabei klingt Ducati auf Got It Made fast schon einem der Bee Gees Brüder zum verwechseln ähnlich. Mit einem hervorstechenden Bassbeat und dem hallenden Gesang Ducatis wird Got It Made zum Ausreißer in die 70er Jahre und lässt uns an die Bilder aus Saturday Night Fever denken. Dabei können wir auf noch deutlich mehr Musik der beiden hoffen, hat MØME doch ein Album angekündigt, welches er zusammen mit Ducati aufgenommen hat, Flashback FM heissen und voraussichtlich im kommenden Jahr erscheinen wird. Mit der geballten Ladung French House, Elektro, Disco, Synthie und Funk bereitet uns der Franzose mit Got It Made also auf eine satte Ladung Discotunes vor. Zusammen mit dem passenden Musikvideo haben MØME und Ducati eine kleine Zeitreise gewagt, erklärt der Franzose. Wir stellten uns ‚Got It Made‘ als eine Zeitreise in die 70er/80er Jahre von Los Angeles vor, die von einem imaginären Pop-Radiosender stammt – wir hätten Kalifornien zu dieser Zeit wirklich gerne kennengelernt. Wir wollten, dass das Video eine visuelle Interpretation davon ist. Dies ist den beiden gelungen und zeigt gleichzeitig, dass sich MØME für dieses Projekt deutlich persönlicher präsentiert. Hier klingt der Song nicht mehr nur nach einem Sommerhit, sondern gleichzeitig auch noch stärker nach einem Charakter, als wir es von seinen vorherigen Songs gewohnt sind. Mit Got It Made dürfte MØME zusammen mit Ducati für einen heißen Sommer sorgen, der bedingt durch die Pandemie aus unseren Wohnzimmern eine Disco werden lässt.

Haim – Dunkle Zeiten musikalisch umgesetzt

Mit ihrem Sommersong Summer Girl meldeten sich die Haim-Schwestern im Sommer zurück mit neuer Musik. Nun haben sie mit Now I’m In It den nächsten Song veröffentlicht und lose für 2020 ihr drittes Studioalbum angekündigt. Dabei steht Now I’m In It unter einem ganz besonderem Stern – behandeln die drei Kalifornischen Schwestern darin doch den harten Weg durch eine Depression, den die drei simultan in den vergangenen Jahren durchlebt hatten. Mit dem Gefühl, nicht aus dem Haus gehen zu wollen und der generellen Motivationslosigkeit ging auch die Einsicht einher, diese dunkle Zeit nur mit Hilfe zu überstehen. So gingen die Schwestern zu Therapeuten und besingen dies nun auf ihrer neuen Single. Diese erinnert dabei anfangs an Donna Lewis‘ Song Always Forever und wechselt durch die prägnanten Stimmen der Schwestern schließlich zu einem typischen Haim-Song. Wann das neue Album erscheinen wird, ist weiterhin offen, doch deuten zwei Singleveröffentlichungen ein baldiges Erscheinen an.

Satin Jackets feat. Panama - Electric Blue

Satin Jackets feat. Panama – Wenn eine Zusammenarbeit nach mehr ruft

Treffen sich ein deutscher und ein australischer Musiker unter den warmen Sonnenstrahlen Kaliforniens… So begann Anfang Februar dieses Jahres ein Blogbeitrag hier auf SOML über die Zusammenarbeit des Produzenten Tim Bernhardt alias Satin Jackets und des Musikers Panama, hinter dem Jarrah McCleary steckt, für ihren Song Automatic. Dabei zeigte sich, dass die beiden Musiker genau das richtige Gespür für Melodien, Stimmungen und Beatfolge hatten. Denn mit seinem entspannten Elektrosound wurde Automatic zu einem festen Begleiter des Frühjahres 2019 und tauchte in unzähligen Streaming-Playlisten auf. Nun haben sich Satin Jackets und Panama abermals zusammengetan und mit dem Song Electric Blue einen weiteren Nu-Disco Song veröffentlicht, der durch smoothe Housebeats einmal mehr ein perfekter Begleiter für die Nacht ist. Über die erneute Zusammenarbeit mit Panama äußerte sich Bernhardt so: Die Zusammenarbeit mit Jarrah zu Automatic war mir eine Ehre und wir wussten von Anfang an, dass diese Zusammenarbeit nicht die letzte sein würde, die wir zusammen haben werden. Für Satin Jackets gab es seit dem Tag der Veröffentlichung seines Albums Solar Nights nur eine Aufgabe, die, sich an neues Material für das nächste Album zu setzen und so kam Electric Blue ganz organisch und schnell als erster Song heraus und passte wunderbar zu der Stimme McClearys. Electric Blue ist der Eisbrecher für die kalte Jahreszeit und wird uns alle in den kommenden Wochen und Monaten ordentlich einheizen.

Go Go Berlin - Love Me

Go Go Berlin – Mystisch und Groß

Mit brachialem Einfühlungsvermögen beeindruckt uns die dänische Band Go Go Berlin nun auf ihrer neuesten Single Love Me. Denn hier lassen sie nicht nur einem ganz starken Gefühl viel Raum, sondern bringen genau dieses Gefühl – nach einer gescheiterten Liebesbeziehung in einer Art Vakuum zu leben – in ein Soundgerüst unter. Dabei haben sich Go Go Berlin in den letzten Jahren eher weniger laut gezeigt, denn nach einer exzessiven Tour rund um die Welt im Jahr 2015 brach ein Gefühl in der Band aus, welches von Leere und Unsicherheit geprägt war – worauf sich die Band eine Pause verordnete. Diese währte drei Jahre und führte schließlich dazu, dass die Jungs um Frontsänger Christian Vium ihre Blockade lösten und in Spiellust umwandeln konnten. So gingen sie für das kommende, dritte Album, welches am 16. August 2019 erscheinen wird, nach Los Angeles und produzierten ein paar Songs, die von der Weite Kaliforniens geprägt sind. Auf Love Me kann man sich davon am besten überzeugen. Denn beginnt der Song mit einem hypnotisierenden Bassbeat und Viums melodischem Gesang, bricht er kurze Zeit später regelrecht auseinander und lässt den Song in eine großartige Rocknummer wechseln, dessen Sound und Gesang nun an Bands wie Muse oder den großartigen Chris Cornell erinnern. Schließlich geht Love Me nach circa drei Minuten Gitarrenfeuerwerk in eine hypnotisch, wabernde Soundwolke über, die mystisch, dunkel und schmerzerfüllt klingt. Go Go Berlin haben damit einen Song geschrieben, der schon jetzt das Zeug zum Klassiker hat.

Tycho - Easy

Tycho – Brücke in die Zukunft

Manche Bands gehen an einem jahrelang vorbei und tauchen in einem Moment auf, der so zufällig wie überraschend ist. Bei Tycho ist es der aktuelle Song Easy der eine Zäsur in Scott Hansens musikalischem Leben darstellt. Denn hat er das Projekt Tycho bereits vor 17 Jahren – im Jahr 2002 – gegründet und seitdem, mit Past Is PrologueDiveAwake und Epoche, vier Alben veröffentlicht, konnte der Kalifornier für das letzte Album sogar eine GRAMMY-Nominierung einsammeln. Mit Easy zeigt sich Tycho jedoch reflektierter und gibt sich selbst eine Auszeit von der Arbeit. Mit einer sanften Frauenstimme besetzt, wirkt Easy beruhigend, sphärisch, elektronisch und wie der Hauch eines warmen Atems am Ohr. Der Sound klingt cineastisch und passt zu Filmszenen mit dunklen, verregneten Straßenzügen durch die ein einsamer Charakter läuft. Easy ist dabei der Vorbote für ein neues Album und stimmt uns nicht nur wunderbar auf das Wochenende ein, sondern ist gleich noch eine perfekte Untermalung für den nahenden Sommer.

MØME feat. Ricky Ducati – In kleinen Schritten zu grandiosen Beats

Bereits mit den Songs Alive (2016) und When We Ride (2018) bewies der französische Produzent MØME, dass er die ganz großen Beats wie ein Leichtes aus den Ärmeln zaubert. So setzt Jérémy Souillart – der hinter MØME steckt – abermals auf die Unterstützung einer markanten Stimme und hat sie auf Sail Away beim kalifornischen Sänger Ricky Ducati gefunden. Dabei präsentiert sich der Tropical-House Song in einem tosend, stampfenden Sound, der sich thematisch um die dunkle Seite des Alltags dreht. Dabei steht der treibende Sound bewusst im Zwiespalt zu dem Text, der sich um das unterdrücken von Problemen kümmert, welche MØME in unserer heutigen Zeit als eine der größten Herausforderungen empfindet. Sind wir doch so aufgewachsen, dass wir uns nur an den positiven Erlebnissen festhalten und Negativen oftmals keinen Platz geben. Mit dieser Herangehensweise zeigt dann auch das Musikvideo zu Sail Away ganz bewusst, diese Kontraste. Ist Sail Away als Teil der im Dezember veröffentlichten EP Møment II erschienen, fügt MØME seiner Diskografie damit ein weiteres Puzzlestück hinzu, welches ein immer größeres Bild des, aus Nizza kommenden, Produzenten zeichnet.

Y.V.E. 48 feat. PHOTØS – Kryptisch entspannt

Es ist, wie bei einer Schnitzeljagd – man findet einen Song, möchte über diesen etwas schreiben, sucht im Netz nach Informationen und findet… nicht wirklich viel. Bei dem heutigen Act ist es genau so. Herausgefunden habe ich von dem kryptischen Y.V.E. 48 nur, dass es ein Produzenten-Duo aus Deutschland ist und aus zwei Jungs besteht. Dabei haben beide vor gut fünf Jahren das erste Mal als Y.V.E. 48 etwas auf ihrem Soundcloud-Profil hochgeladen und sind bei Spotify mittlerweile bei fast 500.000 Hörern im Monat angekommen. Zumindest zu ihrem Featuring-Act PHOTØS lässt sich sagen, dass dieser in Santa Monica, Kalifornien lebt und seine Musik selbst als Bedroom-Pop beschreibt. Hört man sich nun die Veröffentlichung Without You an, wird klar, dass hierbei gar nicht so viel von den Künstlern zu erfahren sein muss. Spricht doch Without You für sich selbst und reiht sich in die Riege der erfolgreichen EDM-Hits ein, die Anfang der 2010er Jahre vielfach bis an die Spitze der Deutschen Singlecharts gelangten. So teilt Without You die melancholisch, schwere Luft eines Sommerabends, an dem man sich mit Freunden auf dem Dach eines Miethauses in der Großstadt trifft und die laue Nacht begrüßt. Mit den gleichen sommerlichen Vibes, wie wir sie auch schon von Wankelmut, Robin Schulz oder dem Deepend Remix von Matt Simons kennen, steht Without You diesen Songs in nichts nach und könnte als Vorbote der warmen Jahreszeit durchaus zum Hit avancieren.

Satin Jackets feat. Panama – Irgendwo ist immer Sommer

Treffen sich ein deutscher und ein australischer Musiker unter den warmen Sonnenstrahlen Kaliforniens und entdecken die Macht der Musik, kommt mitunter schier wunderbares zu Tage. Für den heutigen Song haben dies der deutsche Tim Bernhardt – alias Satin Jackets – und der Australier Jarrah McCleary – alias Panama – getan. Beide schätzen ihre Arbeiten gegenseitig und fanden die Songs des jeweils Anderen so gut, dass sie für Automatic zusammengekommen sind und einen wunderbar, smoothen Song produziert haben. Zeichnet sich Panama mit Songs wie Jungle und The Highs sowie mit der Zusammenarbeit mit Petite Biscuits für den Track Waterfall bereits für einige bekannte Songs verantwortlich, steht Satin Jackets diesem in nichts nach. Satin Jacktes selbst beschreibt Automatic mit der Möglichkeit, dass von überall auf der Welt in nur wenigen Flugstunden irgendwo die Nacht beginnt und man auf Open-Air Partys oder an einem einsamen Aussichtspunkt die sommerlichen Momente genießen kann, als Inspiration für seinen Song. Mit einem Einschlag zum French-House und Panamas wunderbar entspannter Stimme klingt Automatic nach dem süßlich-sommerluftigen Track, den man sich nicht entziehen kann. Automatic wird daher mit Sicherheit einer der Tracks des diesjährigen Frühlings und Sommers sein. Wir können daher gespannt sein, was Satin Jackets auf seinem, im April erscheinenden Album Solar Nights noch so für uns parat hält.