Sylvan Esso - Frequency

Sylvan Esso – Der leise Sound des Positiven

Die Schlagzahl erhöht sich. Hatten Sylvan Esso vor knapp acht Wochen mit Ferris Wheel die erste Single aus ihrem dritten Album Free Love veröffentlicht, folgte knapp vier Wochen später mit Rooftop Dancing bereits die zweite Auskopplung. Nun, gerade einmal vier Wochen nach ihrer zweiten Single und zwei Wochen vor der Veröffentlichung von Free Love, bringt das aus North Carolina kommende Duo, mit Frequency die dritte Single auf den Markt und orientiert sich im Sound dabei an Rooftop Dancing. Beide haben – im Gegensatz zur Leadsingle Ferris Wheel einen charmant, zurückhaltenden Sound und überzeugen durch die positiven Beats, die Nick Sanborn hier produziert hat. Dabei singt Amelia Meath bezaubernd über einen minimalistischen Folk-Dance-Beat, der immer wieder durch massive Bassblasen verstärkt wird. Im Video sehen wir Meath auf einer Golfanlage völlig schräge Tanzbewegungen vollziehen, bis sich, nach und nach, immer mehr Menschen um sie herum versammeln und ihre Bewegungen mitmachen. Hier hat Singer/Songwriter Moses Sumney – der auch bei seinen eigenen Musikvideos Regie führt und mit James Blake zusammenarbeitete – die Regie von Frequency übernommen und eine wunderbare Symbiose aus Verbundenheit und Abstand geschaffen.

Sylvan Esso - Free Love

Sylvan Esso – Free Love

Mit Bewegungen, die an die Netflix-Mysterieserie The OA erinnern und dem zugänglichen Sound zeigen Sylvan Esso, dass sie auch abseits der großen elektronischen Beats überzeugen können. Gleichwohl sehen wir aber auch das wunderbare Zusammenspiel aus zwei ihrer früheren Projekte. Ist Meath nach wie vor Teil des American-Folk orientierten Trios Mountain Man, kommt Sanborn aus der Psychedelic-Folk Ecke und ist der Produzent und Bassist der Band Megafaun, sie sich seit 2012 in einer Bandpause befindet. Mit Free Love bringen Sylvan Esso nun am 25. September ihr drittes Studioalbum auf den Markt und zeigen uns mit den bereits veröffentlichten Songs einen guten Querschnitt des kommenden Albums – bestehend aus dem Intro-Song What If, dem unglaublich tanzbaren Ferris Wheel und den beiden sympathischen Folknummern Rooftop Dancing und Frequency. Sylvan Esso sind mit ihrer Musik präsenter denn je und haben es sich redlich verdient ein größeres Publikum zu erreichen.

Hayden Calnin - Mountain Steeps

Hayden Calnin – Musik, wie von der Natur aufgefangen

Man möchte meinen, dass Hayden Calnin aus den windigen Bergen Schottlands oder den endlos weiten Wäldern Kanadas kommt. So rau und gleichzeitig ruhig und heimelig klingen seine Lieder. Es ist Musik, zum runterfahren, tief durchatmen und innehalten. Dabei kommt der Sänger, Songwriter und Produzent von genau der entgegengesetzten Seite der Erde. Hayden Calnin ist Australier und lebte bis vor ein paar Jahren im Großstadtdschungel Melbournes. Hier wurde er mit seiner Musik irgendwann so begehrt, dass er anfing, für andere zu Arbeiten. So entstanden nicht nur Kollaborationen, sondern komponierte und produzierte Calnin für andere Künstler und stand ebenso als Multiinstrumentalist bei anderen Bands mit auf der Bühne. Vor zwei Jahren zog der Musiker schließlich von Melbourne aufs Land und an die Küste des beschaulichen 600-Seelen-Örtchen Shoreham. Hier, wo die durchschnittliche Tageshöchsttemperatur selbst im Winter nicht unter 14°C sinkt, ist der Strand nur einen Steinwurf entfernt und lässt sich, von Calnins Haus aus, sogar direkt durch das Fenster beobachten. So hat sich der Sänger über die vergangenen zwei Jahre stetig runtergefahren und eine neu aufflammende Liebe zur Musik erfahren. Während er in den letzten Jahren in Melbourne eine zunehmende Kreativblockade entwickelte, schwamm sich der Musiker in Shoreham förmlich frei davon und ließ sich vom Meer treiben.

Hayden Calnin

Hayden Calnin

Dabei ist bereits im vergangenen Jahr die EP A Life You Would Choose am neuen Ort entstanden. War dies bereits seine sechste EP, folgt nun am 4. September mit Soon Forever seine neueste EP. Zwischendurch veröffentlichte Calnin mit Cut Love Part 1 und Cut Love Part 2 (beide 2016) zwei Alben, die aufeinander aufbauten. Auf Soon Forever finden sich neben dem heute vorgestellten Mountain Steep auch die beiden Songs We Can Take Our Time und As I Exit Part I & II, sowie die großartige Kollaboration Unfortunate Love bei dem er mit Harrison Storm zusammenarbeitete. Mountain Steep ist dabei ein Song für die Flut und die Ebbe. Während der Song mit einem ruhigen Intro beginnt, baut sich er sich von Sekunde zu Sekunde weiter auf, bis wir das Gefühl haben – am Strand stehend – einem Orkan entgegenzublicken, eher er – so schnell, wie er gekommen war – wieder verschwindet und uns in der gleichen Ruhe zurücklässt, die wir eingangs fühlten. Man hört die Natur förmlich auf allen vier Songs seiner neuen EP so prägend heraus, dass man sich nicht verwehen kann, dem Musiker eben in diese rauen, naturbelassenen Orte Kanadas und Schottlands zu verorten. Mit Soon Forever hat Hayden Calnin eine wunderbare EP für den nahenden Herbst auf der Nordhalbkugel geschaffen und lässt uns den nahenden Stürmen etwas heimeliges abgewinnen.

SYML - The Dark

SYML – My darkness looks different than yours

Es ist der Moment, der musikalisch so vieles verändern kann. Mit einem einfachen Satz, wie Meine Dunkelheit ist eine andere, als die Eure und doch fühlen wir sie alle auf die gleiche Art, hat Brian Fennell seinen neuesten Song angekündigt. Dabei veröffentlicht der aus Seattle kommende US-Musiker hier einen Song, den man so vielleicht kein zweites Mal zu hören bekommt. Denn mit The Dark ist ein Song rausgekommen, bei dem der Singer/Songwriter selbst noch nicht einmal weiss, ob es sich dabei um die finale Version handeln wird. Gleichzeitig empfand es Fennell aber als richtig, ihn jetzt zu veröffentlichen. Mit einem ruhigen, choralen Intro, dem emotionalen Gesang Fennells und dem begleitenden Gitarrenspiel bildet sich in The Dark ein Gefühl heraus, das sich von tiefen Emotionen speist. Dabei baut Fennell eine große Ähnlichkeit zum Song The Night We Met von Lord Huron auf, der einen so epischen Moment in der zweiten Staffel der Kultserie 13 Reasons Why – Tote Mädchen Lügen Nicht einnahm.

SYML

SYML

Fennell selbst fügt auf seiner Facebookseite schließlich zur Veröffentlichung des Songs hinzu: Ich glaube nicht daran, dass wir fürs alleine Leben bestimmt sind, doch verhindert es nicht die Tatsache, dass wir es oftmals sind. Sollte Dich dieser Song alleine vorfinden, wünsche ich mir, dass er eine Zeit lang Dein Begleiter wird. Damit genau ins Schwarze getroffen, klingt The Dark hallend, wie in einer Kathedrale, in der wir alleine mit unseren Gefühlen tanzen. Die daraus resultierende Stimmung, kann so reich, wie zerstörerisch sein und birgt viele Momente, sich über Dinge im Klaren zu werden, die man sonst immer wieder verdrängt. Dabei spielt The Dark genau die Rolle, die gute Musik erzeugen kann, wenn sie so universell, wie passend einsetzbar ist. Fennell geht in The Dark schließlich in einem Trompeten-Höhepunkt auf, eher er sich mit der gleichen, leisen Stimmung verabschiedet, die wir eingangs bereits hören konnten. Man hört Fennell an, dass er ein leidenschaftlicher Musiker ist und wird mit jedem seiner neuen Songs auch immer wieder aufs Neue berührt.

Biffy Clyro - Instant History

Biffy Clyro – Veröffentlichen das Abwegigste

Es ist ein bewusster Bruch, den die Schotten von Biffy Clyro auf der Leadsingle Instant History begehen. Denn mit dem Wissen um die ebenfalls veröffentlichte, zweite Single End Of hört sich Instant History so weich und poppig an, wie man es von den Rockern sonst nicht gewohnt ist. Doch gleichwohl klingt auch End Of deutlich rauer, als das, was man sonst an Veröffentlichungen der Band kennt. Zeitweise erinnert dieser Song viel mehr an die Kanadier von Billy Talent. Doch zurück zu Instant History – das sich durch ein verträumtes Intro, bis hin zu Simon Neils kräftige Stimme aufbaut und schließlich im choralen Refrain aufgeht. Es ist der Song, der sich musikalisch am weitesten entfernt vom kommenden Album befindet und wurde gerade deshalb zur Leadsingle. Denn hier haben Biffy Clyro den größten und knalligsten Pop-Moment ihrer musikalischen Laufbahn veröffentlicht, wie Neil hinzufügt. Für die Veröffentlichung ihres achtes Studioalbum A Celebration of Endings war ursprünglich der 15. Mai angesetzt. Doch auch hier greift die weltweite Pandemie um das Corona-Virus immer weiter in den Alltag ein. So hat die Band gestern entschieden, die Veröffentlichung auf den 14. August zu verschieben, da sie hier eine größere Chance sieht, das Album mit der dazugehörigen Tour zu unterstreichen und auf Promo-Tour gehen können. Als Kommentar fügt Neil schließlich hinzu, dass es in dem Song darum geht, aus Fehlern zu lernen. Doch vielmehr passt ein Randsatz zu der allgegenwärtigen Situation und lässt Instant History damit noch viel deutlicher hervorstechen: Lasst uns ohne Angst an die Sache herangehen.

AY AY feat. QNTN - Break

AY AY – Der Realität ins Auge blicken

Es ist nicht viel über den deutschen Produzenten AY AY bekannt. Bisher hat der Berliner mit Intro und What You Need zwei Songs veröffentlicht. Gesigned bei dem Majorlabel BMG wird dort ein großes Potential in dem Produzenten gesehen. Schaut man sich seine neueste Auskopplung an, wird klar, warum BMG so denkt. Denn mit Break hat der Produzent AY AY einen verdammt guten Drum’n’Bass Song veröffentlicht, der eine klare Sprache spricht. Wir sind die Jugend, wir werden uns von den Alten nicht sagen lassen, wie wir zu leben haben, wenn diese nicht mehr sind. Break spricht über den Generationskonflikt und der heutigen Jugend, die auf die Straße geht und dafür demonstriert, das alte Denken abzulegen. Mit eindrucksvollen Bildern untermalt AY AY im Musikvideo seinen Sound und zeigt Momente des Wohlstandes, der Liebe, des Hasses, des Todes und der Verzweiflung, die je nach Land und Herkunft deutliche Unterschiede aufweisen. Die musikalische, wie auch gemeinte Botschaft ist klar: We Won’t Break For No One – Wir werden vor Euch nicht in die Knie gehen.

Icarus feat. Rae Morris - Dreams Of You

Icarus – Mit Melodic House zum Höhepunkt

Hat man den Song einmal gehört, wird man das Bild von ekstatisch feiernden Festivalbesuchern auf einem Feld, welche die Augen schließen, die Hände spirituell in die Höhe strecken und dabei tanzen nicht mehr los. Bei Icarus ist dieses Gefühl Alltag. Denn mit ihrem Melodic-House schaffen sie es immer wieder wahre Hymnen zu produzieren. Hatten sie 2016 mit Home und der Stimme der norwegischen Sängerin Aurora bereits einen grandiosen Song veröffentlicht, folgten in der Zeit danach mehrere EPs wie die 2019er EP This Must Be The Place. Nun haben die beiden Brüder Ian & Tom Griffiths aus Bristol neues Material veröffentlicht, welches wieder einmal mit Gastsängern begeistert. Auf Dreams Of You haben sich die beiden Produzenten die britische Art-Pop Sängerin Rae Morris dazugeholt und einen wunderbaren Housetrack produziert, der nach einem langen Intro zu einem intimen, energiegeladenen Powersong wird. Gerade diese Mischung ist es, die Icarus ausmacht und sie ein ums andere Mal frisch inszeniert. Denn das Zusammenspiel aus schnellen Beats und einem verstohlen, balladesken Gesang sorgen immer wieder dafür, dass sich die Songs ins Ohr brennen und den Körper zum Feiern anregen. Ob in der U-Bahn, auf der Straße oder zu Hause – mit euphorischer Freude am Song tanzen wir uns durch knapp fünf Minuten und vergessen fast, wo wir gerade sind.

Hollow Coves - Anew

Hollow Coves – Ein Feuerwerk an Veröffentlichung

Jetzt starten die Hollow Coves noch einmal das finale Feuerwerk, bevor in der nächsten Woche am Freitag ihr Debütalbum Moments veröffentlicht wird. Hatten die Brisbaner im August When We Were Young veröffentlicht, folgte im September mit Borderlines die nächste Single. Nun ist kurz vor ihrem großen Wurf ein weiterer Song von Ryan Henderson und Matt Carins veröffentlicht worden. Dabei haben sie sich bei der heutigen Singleauskopplung für den epischen Song Anew entschieden, der in immer größerer Ähnlichkeit zu Coldplays Anfangsjahren und dessen Sound steht. Mit akustischem Intro geht es über einen euphorischen Refrain in ein fast schon ekstatisches Finale. Dabei hören wir hallende und emotionale Gesänge und einen treibenden Sound, der uns wahlweise traurig werden lässt oder ein Lächeln in unser Gesicht zaubert und wir zu jeder neuen Tat bereit sind. Anew klingt dabei, wie ein Abschied von Etwas und ist gleichzeitig Aufbruch in eine neue Welt. So steht der Song sinnbildlich für den Werdegang der australischen Band und lässt uns einmal mehr vor Begeisterung jubeln.

Mumford & Sons – Mit If I Say gehört das Stadion ihnen

Und sie schaffen es immer und immer wieder. Mumford & Sons haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Hatte sich ihr unverkennbarer Folk Ende der 00er Jahre zu einem großen Phänomen entwickelt, ging ihr letztes Album Wilder Mind mit elektronischeren Rocksounds in eine deutlich größere Richtung. Nun haben sie nach Guiding Light mit If I Say die zweite Single ihres vierten Studioalbums Delta – das für Mitte November angekündigt ist – veröffentlicht und zeigen, dass sie diesen Weg konsequent fortführen. Hier kommt zum ersten Mal in der Geschichte der Londoner Band ein Stimmverzerrer zum Einsatz und fügt so, im Intro, Marcus Mumfords Gesang eine ganz besondere Note der Verletzbarkeit hinzu. Darauf folgend setzen immer häufiger Streicher ein und geben dem ganzen eine Opulenz, die im letzten Drittel auszubrechen scheint und doch nach tiefen Emotionen klingt. Zum Schluß fügen sich alle Elemente zusammen – und so wird If I Say zu einem Bombastsong, der zeigt, dass Stillstand ein Wort ist, welches die Band nicht zu kennen scheint. Damit begeistern Mumford & Sons abermals mit einem Song, der den epischen Moment – in einem Stadion aufgeführt zu werden – der Gesamtheit beinhaltet und damit so intim wird und jeden anspricht und doch immer auch die große Weite einfängt.

Tash Sultana – Konzertkritik

Tash Sultana ist eine absolute Überraschung – in jeglicher Hinsicht. Besteht Tashs bisherige Karriere doch aus Superlativen und Rekorden. Angefangen auf den Straßen in Australien, baute Tash sich über die letzten drei, vier Jahre eine unglaubliche Fangemeinde auf und schaffte es schließlich via YouTube auch international große Beachtung zu finden. So waren Tashs Konzerte vor zwei Jahren weltweit, ohne überhaupt einen Plattenvertrag in der Tasche zu haben, allesamt ausverkauft und mussten hier und da sogar in größere Konzerthallen verlegt werden. Nachdem Tashs Debütalbum Flow State Ende August veröffentlicht wurde, folgte nun die dazugehörige Welttournee mit Konzerten rund um den Globus und somit auch in Berlin.

Gleich für zwei Konzerte sollte Sultana am 10. und 11. September in die Berliner Columbiahalle kommen. Und so fand das Auftaktkonzert am 10. September vor einer restlos ausverkauften Halle statt.

Also Support-Act traten die Pierce Brothers auf die Bühne, bei denen es sich tatsächlich um die Zwillingsbrüder Jack und Pat Pierce handelt. Mit einer wunderbar energiereichen Folkperformance brachten die beiden Australier die Halle fast zum Beben und sorgten für eine angenehme Aufwärmphase. Dabei erinnern Songs wie AmsterdamBrother oder Ocean stark an die Anfänge von Mumford & Sons. Laut, schnell, und voller Freude spielten die beiden ihre Banjos, Gitarren und erfreuten sich einer großen Zustimmung vom Publikum, das bereitwillig dazu tanzte und die Brüder bis zum Ende ihrer Performance feierte.

Nun war es soweit und Sultana betrat die, mit Teppichen auf dem Boden für eine Wohnzimmeratmosphäre sorgende, Bühne völlig alleine. Der Abend sollte allerdings anders verlaufen, als es die meisten Fans erwartet hatten. Denn entgegen der Erwartung, Studioversionen zu spielen, konzentrierte sich Sultana darauf, freestyle zu spielen und sich in den einzelnen Songs auch immer wieder mal zu verlieren. So gingen Stücke, wie Big SmokeSynergy und Pink Moon in bis zu 7/8 minütigen Klangbergen auf und wurden bekannte Songs, wie Notion und Murder To The Mind eher samplehaft angespielt. Dass dies zu Sultana passt und der Stimmung keinen Abbruch tat, war allerdings ebenso klar – wenn man die sozialen Kanäle des Masterminds verfolgte. Denn hier wird schnell klar, dass Sultana nicht den üblichen Konventionen und Erwartungen folgt. Dieses Verhalten ist schließlich auch der Grund, warum Sultanas Debütalbum so lange auf sich warten ließ.

In der Columbiahalle spielte sich Sultana mittlerweile durch Mellow MarmaladeFree Mind und Jungle und war dabei immer derart auf die Looping-Machine und das Einspielen der jeweiligen Instrumente konzentriert, dass hier nur sehr sporadisch mit dem Publikum interagiert wurde, was den Fokus noch deutlicher auf die Kunst auf der Bühne lenkte. Somit verlor sich das Publikum immer wieder in den langen Intros und noch längeren Outros. Sultana, derweil die Mütze nach dem 15. mal richten abgesetzt, machte ein Foto von sich und dem Publikum und verschwand hinter der Bühne. Für einige Minuten im Ungewissen gelassen, applaudierte das Publikum ununterbrochen, bis Sultana für eine Zugabe mit Harvest Love und Blackbird zurück auf die Bühne trat um den Abend zu beenden.

Tash Sultana @Columbiahalle Berlin http://www.soundtrack-of-my-life.com

Sultana tickt anders und zeigt dies auch offen. Das damit verbundene Konzert hat dies eindrucksvoll gezeigt. So zeigt sich Sultana mit Herzblut und bei der Sache und vergisst selbst hier und da, dass sie gerade auf einer Bühne und vor tausenden Fans steht.

Roosevelt – So frisch als wäre es sein Debüt

Es ging durch die Musikredaktionen, wie ein Lauffeuer. Ob Stereogum, Intro, Tonspion oder auch internationale Blätter wie das niederländische Onlinemagazin Nieuweplaat – alle hatten kurze Zeit nach der Veröffentlichung des Songs ihre Beiträge parat. Denn mit seinem selbstbetitelten 2016er Debütalbum Roosevelt wurde er nicht nur in Deutschland zum gefeierten Act, sondern zog auch im Ausland die Aufmerksamkeit auf sich. Doch ist der Hype um Roosevelt gerechtfertigt!? Hört man sich die frühen Lieder des Wahlberliners an und vergleicht diese mit denen des Debütalbums, ist schon ein Unterschied zu erkennen. Waren Lieder wie Soleil, Montreal und Elliot von hallendem Gesang und fast schon Delirium empfindenden, elektronischen Klangbetten geprägt, fanden sich auf Roosevelt vermehrt klare Klangstrukturen, die einem Muster folgten, welches Marius Lauber sortierter zeigte. Nun ist mit der Ankündigung seines zweiten Albums Young Romance auch die erste Single daraus erschienen und zeigt abermals, wie sich Roosevelt weiterentwickelt hat. Dabei klingt er auf der Single Under The Sun noch ein wenig sauberer hat jedoch wieder deutlich mehr Euphorie im Sound. Auch singt er auf Under The Sun so viel, wie man es von ihm bisher noch nicht gehört hatte. Hier gibt es einen kompletten Songtext und eine Geschichte, die Roosevelt vorher stehts zu Gunsten des Sounds einen Schritt zurückgestellt hatte. Under The Sun klingt nach den frühen Songs von Empire Of The Sun, Gypsy & The Cat oder Bag Raiders. Mehr Pop, größere Gesten und deutlich mehr Songtext lassen Roosevelts Ursprung als Songwriter noch mehr aufblühen. Dabei hat Roosevelt ganz nebenbei einen Sommerhit geschaffen, der bei richtiger Platzierung gar zum Charthit avancieren könnte.