Walking On Cars – Mit Synthies kommt der neue Sound

Sie sind für ihre Hymnen bekannt. Mit ihrem ersten Album Everything This Way und den daraus veröffentlichten sechs Singles wie Speeding Cars, Always Be With You oder Catch Me If You Can hatten Walking On Cars ein grandioses Debütalbum veröffentlicht. War es doch gespickt mit großartigen Rockhymnen, die für das Stadion gemacht schienen. Der Erfolg, der im Anschluss folgte, bestätigte dies schließlich. Dass dieser Erfolg nicht von großen Plattenbossen kam, zeigt die Geschichte der Band. Denn hier kann man sehen, dass sie ihre Musik bereits vor ihrem Plattenvertrag mit auffällig guten Musikvideos veröffentlichte und die Songs selbst in einer Detailtreue in ihrer Heimat Irland produzierten. So konnte man, bereits bevor sie zu Virgin EMI kamen, die meisten Songs in Form von Musikvideos im Netz finden. Dieses Jahr kommen Walking On Cars mit dem zweiten Album Colours zurück und haben mit Monster Ende letzten Jahres bereits eine erste Single veröffentlicht. Nun folgt mit Coldest Water die zweite Auskopplung und überrascht mit einem Sound, der deutlich elektronischer ist. Hier schafft es die Band um Frontsänger Patrick Sheehy Alternative, Pop und Elektropop so zusammenzubringen, dass daraus eine frische aber doch auch neue Farbe der Band zum Vorschein kommt. Mit Coldest Water zeigen Walking On Cars eine angenehm neue Seite, ohne ihren Fans der ersten Stunde zu viel zuzumuten.

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Smith & Thell – Schwedischer Folk dreht ganz groß auf

Sie sind eines der aufstrebendsten schwedischen Acts des Jahres. Nachdem Smith & Thell 2017 mit Soulprints ihr Debütalbum veröffentlichten, erreicht nun mit Forgive Me Friend auch die Single aus ihrer, im November veröffentlichten EP Telephone Wires den Rest Europas. Dabei besingen Maria Jane Smith und Victor Thell die Veränderung einer Freundschaft durch das Erwachsenwerden und der Naivität, dass man denkt, es würde sich nie etwas ändern. Bereits im Sommer 2018 veröffentlicht, kletterte der Song in den vergangenen Monaten europaweit immer höher. Sind sie mit Forgive Me Friend in ihrer Heimat bis auf Platz 7 gekommen, nehmen nun auch Radiostationen in ganz Europa ihre Single in ihre Playlists auf. Dabei sind die in Helsingborg lebenden Musiker musikalisch weit von dem entfernt, was die meisten schwedischen Musiker als Sound veröffentlichen. Denn mit ihrem Mix aus hymnischen Folk, Pop und dem gesanglichen Duett lassen Smith & Thell keinen anderen Weg zu, als in naher Zukunft mit Forgive Me Friend die europäischen Charts zu erobern. Hier lässt Mumford & Sons Little Lion Man grüßen und klingt doch eigenständig und frisch.

The Blaze – Gewaltiges Glück, gewaltiger Schmerz

Die Bildsprache, der Sound, die Geschichten – das alles im Zusammenspiel präsentieren die beiden Cousins Jonathan und Guillaume Alric mit ihrer Band The Blaze. Dabei lassen sie Eindrücke und Gefühle entstehen, die von Wärme, Zuneigung, Trauer, Herzlichkeit, Aggression und Liebe handeln. Ihre kräftige Bildsprache erzählt kleine Kurzgeschichten, wie die in Territory. Hier geht es um einen Migranten, der aus Frankreich in seine Heimat – Algerien – zurückkehrt. Bei Virile erzählen die beiden Pariser die Geschichte einer männlichen Freundschaft, die durch Gemeinsamkeiten und Lebensfreude mehr als nur zwei Freunde darstellt. Auf Queen wiederum, dreht sich alles um die innige Freundschaft unter zwei jungen Frauen, die in einem Trailerpark leben und mit einer stets aggressiven Grundstimmung ihre Freundschaft bemessen. Das Gefühl – mit der besten Freundin – die Welt zu erobern, stärker als der Rest Dieser zu sein oder sich auch ganz einfach beweisen zu müssen, ist für den Ein oder Anderen sicherlich nicht unbekannt. Auf Queen wird jedoch die Zerbrechlichkeit dieser Beziehung deutlich und die Bedeutung derer in eindrucksvolle Bilder gepackt. Dabei klingt die Musik von The Blaze emotional, nostalgisch, ist aber immer auch tanzbar – und damit das Ziel der Band erreicht. Mit tiefem, gepitchten Gesang, treibenden French-House-Beats und einer Popanleihe verknüpfen The Blaze verschiedene Elemente zu einem hypnotisierenden Dancesound und erreichen uns damit auf verschiedenen Ebenen. Ihr Debütalbum Dancehall ist bereits im September erschienen und wird im kommenden März mit Konzerten in München (05. März 2019) und Berlin (18. März 2019) auch live zu erleben sein.

Schwarz – Das Gefühl von Heimat

Schwarz – Home

Es ist immer wieder Teil von aberwitzigen Aufzählungen deutscher Worte, die es in anderen Sprachen nicht gibt. Da wäre zum Beispiel Geborgenheit, Weltschmerz oder Heimweh. Für Letzteres muss es zwingend einen ausgemachten Ort geben, den man als Heimat bezeichnet. Mit diesem tut sich Schwarz schwer. Dabei fällt auf, dass Schwarz, als Bandname, so ungewöhnlich ist und dabei so viel Normalität ausstrahlt. Diese Normalität ist es, die der Kopf hinter Schwarz anstrebt. Steckt doch kein geringerer als Roland Meyer de Voltaire dahinter, der in den frühen 2000ern mit der Band Voltaire zwei deutschsprachige Alben veröffentlichte. Hinzu kommt, dass Meyer de Voltaire als Junge, mit seiner Familie, das beschauliche Bonn verlassen und in die große, laute Stadt Moskau zog. Hier lernte er schnell mit dem Gefühl umzugehen, was es heißt, eine Heimat und eine Zugehörigkeit zu haben. Und eben diese auch zu vermissen. Für Voltaire hatte Meyer de Voltaire lange Jahre Texte geschrieben und Musik gemacht, bis er dieses Schema nicht mehr bedienen wollte. Er sehnte sich nach Tiefe, Empathie und auch Geborgenheit in der Musik. So legte Meyer de Voltaire die Gitarre beiseite, entdeckte das Klavier für sich und komponierte Musik für Filme. Herausgekommen ist eine EP, die den Song Home beinhaltet. Home lehnt sich hierbei stark an frühere Songs von Keane an und trumpft mit der Kopfstimme Meyer de Voltaires auf, die zu Klavier und sanfter Instrumentierung begleitet wird. Im Verlauf des Songs folgen seichte elektronische Elemente aber auch ein drückender Tackt, der Home schwelgerisch werden lässt. Hinzu kommt, dass das zugehörige Musikvideo zu Home, einen Ausschnitt aus Benjamin Kahlmeyers 2010er Dokumentarfilm Meanwhile in Mamelodi – Die Welt zu Gast bei Fremden beinhaltet und das Thema Heimat zusätzlich beschreibt. Home ist ein raffinierter aber zugleich unglaublich sensibler Song, der durch die Schwere und seines massiven Sounds Eindruck hinterlässt.

Mighty Oaks – Horsehead Bay – Documentary (Cinema Screening Premiere)

Mighty Oaks - Horsehead Bay - Documentary

Mighty Oaks – Horsehead Bay – Documentary

Es gibt diese Abende, an denen Künstler ihre Fans begrüßen und nicht den größtmöglichen Effekt daraus erzielen wollen. Dieser Abend fand gestern im ältesten, noch bespielten, Kino Deutschlands, dem Movimento in Berlin, statt. Luden doch die Mighty Oaks ihre Fans zur Uraufführung ihrer Dokumentation Horsehead Bay – Documentary ein. 100 Plätze fasste der Kinosaal und gab es die Tickets ausschließlich zu gewinnen, kam das Trio um 20 Uhr vor die Leinwand und begrüßte die Fans mit gewohnt und sympathisch, lockerer Art. Um dann, in diesem kleinen und intimen Rahmen zu ein paar Songs aus dem Album anzusetzen. Da war zum Beispiel das titelgebende Stück Horsehead Bay, dass Claudio Donzelli, Ian Hooper und Craig Saunders auf Gitarren in einer Akustikversion spielten, bei dem einen warm wurde. Oder dem Titelsong des zweiten Albums Dreamer, sowie der aktuellen Singlen Be With You Always, bei denen Ian noch hinzugefügt, dass der Song für die Band immer eine harte Nuss sei, da die Band hier etwas Überwindung braucht, um ihn zu spielen. Nach ungefährt zehn Minuten setzte dann der Film ein und zeigte drei Musiker, die auf den Pfaden ihrer Vergangenheit wandelten. Begleiteten wir Ian Hooper in den Bundesstaat Washington, der von Wäldern und Seen geprägt ist und bei dem er erzählt, was ihm dieser Fleck Heimat bedeutet.

Eine Band wie ein offenes Buch

Es folgen immer wieder Szenen, bei der man die Band im Studio wiederfindet und am Album arbeiten sieht, doch sind die persönlichen Szenen, die der Kameramann Andrew Saunders einfängt, die tragenden Momente dieser ganzen Dokumentation. Bekommt man doch ein Gefühl dafür, welche Persönlichkeiten hinter der Band Mighty Oaks stehen. So zeigt der Film auch ganz zurückgezogene Momente, in denen Ian Hooper beispielsweise über den Tod seiner Mutter spricht und ihre Seele in Verbindung mit den Adlern in seiner Heimat bringt. Dass diese am Tage des Todes da waren und damit Hallo und Auf Wiedersehen sagten und dabei sinnbildlich für das Vergängliche standen. Überhaupt spielt die Vergänglichkeit in dem knapp 50 minütigen Film eine große Rolle. Denn wenn Claudio Donzelli davon spricht, wie sehr seine Eltern und vor allem sein Vater, an der Firma hängen, die sie aufgebaut haben, ihre Söhne aber beide andere Lebenswege verfolgen und eine Übernahme dieser Firma nicht in dessen Leben passt, ist der Moment der Erkenntnis bei Donzelli ganz vorsichtig ausgearbeitet und man erkennt den Moment, an dem er feststellt, dass diese Firma so nicht mehr lange existieren und damit eine Erinnerung, an die Kindheit und der Zeit des Aufwachsens, verschwinden wird. Ebenso trifft auch Craig Saunders dieses Gefühl. Konnte er doch, im Zuge der Dokumentation, nochmal den Schulsaal aufsuchen, in dem er auf der Bühne stand und vor Familienangehörigen und Mitschülern erstmals sang. Diesen Moment als unbeschreiblich zu benennen und ab da an zu wissen, dass Saunders Musik machen will, veränderte sein Leben. Auch haben alle eine enorme Verbindung zu ihren Eltern und zeigen dies auf ganz unterschiedliche Weise. Saunders hatte in der Zeit der Albumaufnahmen zu Dreamer mit seinem, an Alzheimer erkrankten, Vater zu kämpfen und beschreibt hier den Verlauf der Krankheit mit den Worten, dass man jeder Zeit damit rechnet, vom eigenen Vater nicht mehr erkannt zu werden.

Die Macht der Bilder

Diese Eindrücke und eine unglaublich sensible Bildsprache lassen die Dokumentation um die Mighty Oaks zu einer unerwartet, persönlichen Vorführung werden. Hatte die Band auch schon vor Horsehead Bay – Dokumentary einen festen Platz bei den Fans, in Berlin und auch deutschlandweit, wird die Band durch den Film, der unglaublich reich und eine wunderschöne Bildsprache besitzt, auf eine neue, bedeutende Stufe gesetzt.