Mallrat - Rockstar

Mallrat – Mit einem Rockstar in Richtung Debütalbum

SOML begleitet die australische Sängerin Mallrat nun bereits seit ihrer Debüt-EP 2016 und hat über die Jahre von Releases der Songs Uninvited, Better, Groceries und Drive Me Round berichtet. Im Verlauf dieser Veröffentlichungen konnten wir sehen, wie sich die – damals 17-Jährige Brisbaner – Sängerin musikalisch weiterentwickelte. Waren ihre ersten Songs noch von einer Sturm und Drang Phase geprägt, bei der sich Grace Shaw hippelig und jugendlich zeigte, ging bereits die letztjährige EP Driving Music in eine Richtung, die für die Sängerin ein Erwachsen werden bedeutete. Hier spielte sie mit musikalischen Umbrüchen (Drive Me Round) und gesanglichen Facetten (Charlie). Nun hat sich Mallrat mit der neuen Single Rockstar zurückgemeldet und beendet damit eine ungewöhnlich lange Phase von einem Jahr ohne neue Musik – der mittlerweile in Los Angeles lebenden Sängerin – zu veröffentlichen. Darauf finden wir deutliche Referenzen an den Dream-Pop-Star der 90er Jahre Mazzy Star.

Mallrat
Mallrat

Mallrat klingt gleich zu Beginn des neuen Songs durch treibende Gitarren und einem verträumten Synthiesound so weich und entspannt, wie wir es selbst auf ihrer letzten EP nicht kennengelernt haben. Hier zeigt sich die Sängerin mit einer neu gewonnenen Gelassenheit, die sich erst in den letzten Monaten einstellte. Denn während sie noch vor einem Jahr von sich selbst behauptete, keine all zu großartige Sängerin zu sein, schärfte sich das Bild mit der Single Rockstar zu ihrem Erstaunen zu einer Stimme mit einem gewachsenen Stimmumfang. Sie selbst sagt, dass ihr die letzten Monate mehr Selbstvertrauen gegeben haben. Dies scheint auch durch die Zusammenarbeit mit dem Songwriter und Produzenten Tommy English gewachsen zu sein. English – der bereits mit Adam Lambert, Dagny, Ladyhawke, und BØRNS zusammenarbeitete – gab Mallrat das Selbstvertrauen und ein größeres Bewusstsein für ihre Stimme. Mit Rockstar deutet sich nach bald fünf Jahren der Musikkarriere ein erstes Album an, das die Sängerin selbst als kurz vor der Fertigstellung kommentiert. Wir können uns daher auf einen Winter mit viel neuer Musik der sympathischen Sängerin freuen.

Felix Räuber @Frannz Club www.soundtrack-of-my-life.com

Felix Räuber – Konzertkritik (Frannz Club)

Es ist fast genau ein Jahr her, da trat Felix Räuber im Berliner ACUD auf die Bühne und präsentierte Musik, an der er in den Jahren zuvor so intensiv gearbeitet hatte. Seitdem sind 12 Monate vergangen, in denen der Sänger eine Remix-Version seiner Debüt-EP Wall veröffentlichte und mit solch monumentalen Songs wie dem akustischen Birth immer wieder neue Musik veröffentlichte. Mit der angekündigten, zweiten EP ME holt der Wahlberliner nun etwas in sich hervor, das so sehr mit Leben gefüllt ist, dass man sich eines Kopfkinos nicht verwehren kann. Diese Songs hatte Räuber nun am vergangenen Freitag im Berliner Frannz Club vorgestellt und damit eindrucksvoll bewiesen, dass seine Musik wertvoll ist und das Publikum sichtlich angetan war, diesen Moment mit dem Sänger zu teilen.

Aber der Reihe nach. Eröffnet hatte den Abend ebenfalls ein Wahlberliner. Hierbei standen Max Wiegand alias Badger – mit Gitarrist Levin Siert und Sean Prieske an den Synths zu dritt auf der Bühne und überraschten mit einem Sound, der satt, elektronisch und erfrischend war. Mit tiefen Bässen, dunklen Sounds und Songs wie MirrorsThe MiddleOf What Will Come Tomorrow oder You Move schafften die drei Jungs es in Windeseile, das Publikum von sich zu überzeugen. Dabei sprach Wiegand immer wieder ganz direkt zum Publikum und präsentierte damit eine entspannte Gelassenheit – auch wenn man hier und da einen angespannten Gesichtsausdruck nicht verstecken konnte. Badger ist ein großartiges Erlebnis mit einer Musik, die sich irgendwo, zwischen 80er-Jahre Synthies, modernem House und klassischem Gesang ansiedelt und live großartig aufregend ist.

Nach kurzer Umbauphase trat schließlich Felix Räuber auf die Bühne und hatte neben seinen beiden Tourmitgliedern am Schlagzeug und am Keyboard, noch vier Orchesterspielerinnen mit dabei. Hierbei bestand das Mondena Quartett aus der ersten und die zweiten Geige, einer Bratsche und einem Cello, welches für eine überwältigende Opulenz in Räubers Songs sorgte.

Man konnte Räuber ansehen, dass er sich in den letzten Monaten verändert hatte. Gewichen war die Anspannung, dass seine Musik eventuell keinem gefallen würde. Indes gewachsen war der Entertainer in ihm. Denn führte uns Räuber mit vielen Anekdoten durch Songs wie Running Out Of TimeHomeBetween The LinesNothing Can Go Wrong, war es immer wieder auch die körperliche Gewandtheit in ihm, die Räuber erhaben, in Gefühlen vertieft und zufrieden zeigte. Bei dem darauffolgenden Gitarrensolo, welches dem Song Birth gleich kam zeigte sich das unglaubliche Potential, das in Räuber und seiner Vorstellung von vielseitiger Musik liegt.

Schließlich folgten mit Every MotionEchoesWall und Burning Sky vier Songs, die allesamt die Wandlungsfähigkeit des Sängers darstellten. Hierbei war vor allem die Präsentation eines der zentralen Punkte, die ein Felix Räuber Auftritt so unterhaltsam machen. Und dabei steht unterhaltsam für einen Auftritt, wie er so auch in den großen Samstagabend-Shows der öffentlich-rechtlichen Sender hätte passen können.

Zum Abschluss spielte Räuber nochmals einen Song, den er bereits zur Mitte des Konzertes sang. Und so entließ uns der Sänger mit Wall im Geistha-Remix und ließ durch die markanten Keys eine Verbindung zum Bronski Beat Hit Smalltown Boy erwachen.

Felix Räuber ist vieles – einsamer Mensch, Liebender, Gefangener und Jagender – doch eines bleibt immer erkennbar, der Mittelpunkt seines Lebens. Und dass ist Musik – in all ihren Facetten, universell und bedeutet dem Sänger vielleicht gerade deswegen so viel.

Alex The Astronaut – Konzertkritik

Ein Konzert, wie eine Show á la Alleinunterhalter. Am letzten Freitag war die australische Newcomerin Alex The Astronaut im Berliner Lido zu sehen. Damit unterstützte sie den gebürtigen Kanadier, doch mittlerweile zum Wahlberliner gewordenen Sänger, Sam Vance-Law. Dass Alexandra Lynn – wie Alex The Astronaut bürgerlich heißt – schon so einige Shows absolviert hat, konnte man in jeder Sekunde ihrer Bühnenperformance erkennen. Noch dazu, mit einer bemerkenswerten Gelassenheit und ur-sympathischen Art. Denn während Alex ihre Lieder sang, trumpfte sie immer wieder auch mit kleinen Anekdoten und Erinnerungen auf, die dem Publikum den jeweiligen Song näher brachte. Mit insgesamt neun Songs begeisterte sie dann auch alle und kam ihr Support so eines eigenständigen Konzertes gleich.

Mit dabei waren neben ihren Singles Waste Of Time und Not Worth Hiding auch Songs, wie What Sydney Looks Like in JuneCaught und Already Home. Bei Rockstar City ließ sie uns dann von der Erfahrung teilhaben, wie es war, jahrelang nur im kleinen Kreise zu spielen und plötzlich diesen Gig im ältesten Rock Club New Yorks – dem The Bitter End – zu haben. So war sie unglaublich beeindruckt auf der Bühne zu stehen, auf der auch schon Bob Dylan, Chuck Berry, Janis Joplin, Nina Simone oder Patti Smith spielten. Ihr persönlicher Funfact dabei war, dass nur rund 15 Leute anwesend waren und dies auch noch über kostenlose Tickets geschah, da ein Großteil hiervon zu Alex‘ Freunden zählten. Ist die Australierin doch eher bescheiden, wird der Club wahrscheinlich deutlich voller gewesen sein, als sie es zu präsentieren vermochte.

Mit Happy Song trumpfte Alex schließlich auf und sorgte für einen Unterhaltungsfaktor, der einer abendlichen Entertainmentshow gleich kam. Hatte sie doch das Publikum in zwei Lager geteilt und der linken und rechten Hälfte jeweils die markanten Refrain-Verse zugeordnet, um diese schließlich über viereinhalb Minuten vollends auszuspielen. Hierbei machte das Publikum so wunderbar mit, dass man sich kurzzeitig als Gemeinschaft an eine Klassenaufführung erinnert fühlte.

Alex The Astronaut @Lido Berlin http://www.soundtrack-of-my-life.com

An diesem Abend konnte man eindrucksvoll sehen, was für eine Bühnenpräsenz Alex hat und die so wunderbar frisch und neugierig ist, dass man ihrem Konzert nur verfallen konnte. Jetzt dürfen wir uns aber sicher sein, dass – wenn sie das nächste Mal in Berlin spielt – ein Debütalbum im Gepäck sein wird.

 

 

Clueso – Sommervibe im Handgepäck

Einer der erfolgreichsten Musiker Deutschlands geht neue Wege. Mit zwei Nummer-1-Alben im Gepäck steuert der Erfurter Sänger nun mit seinem neuen Album die dritte Pole Position an. Dabei macht er sich Lieder zu nutzen, die über die letzten Jahre auf Tour entstanden sind, allerdings niemals auf eine Platte gepresst wurden. Sie sind zu den unterschiedlichsten Zeiten mit den unterschiedlichsten Problemen entstanden und erzählen den dem Gefühl eines Rastlosen. So wird das – Ende August erscheinende – Album Handgepäck I heißen und der Nummerierung zufolge wohl die Erwartungen auf eine Serie erhöhen. Die erste Singleauskopplung daraus hört auf Du Und Ich und steht dem Sound eines Jack Johnson oder Jason Mraz in nichts nach. Hier gibt sich Clueso lässig, freigeistig und produziert mit seiner Gitarre einen Sound, der Entspannung pur bedeutet. Da singt Clueso vom nach Hause kommen und dem Gefühl, sich daran zu erinnern, wo man herkommt. Du Und Ich klingt dabei, als würde der 38-Jährige gerade erwachsen werden und mit der Sturm und Drang Zeit abschließen. Die erste Single aus dem kommenden, achten Studioalbum überrascht, klingt erfrischend und zeigt Clueso in einer wiederentdeckten Gelassenheit, die vor ein paar Jahren kaum vorstellbar war.