WestBam feat. AfterLife 3000 - White Boy

WestBam feat. AfterLife 3000 – Vorwärts in die Vergangenheit

WestBam ist einer der Veteranen der Berliner Technoszene und hat den Berliner Techno weit über Europa hinaus in die Welt getragen. Dabei hat der gebürtige Münsteraner seit jeher Musik gemacht. Sei es als 13-Jähriger in der Münsteraner Punk-Szene, als 14-Jähriger in der Band Anormal Null oder als 16-Jähriger in der Band Kriegsschauplatz. 1983 startete Maximilian Lenz – wie WestBam bürgerlich heißt – seine DJ-Karriere und sollte in Folge für die kommenden 30 Jahre stilprägend und einer der Vorreiter des Berliner Technos werden. Schnell machte seine Art, Musik mit Hilfe von Platten zu mischen und neue Songs entstehen zu lassen, von sich Reden und wurde immer erfolgreicher. Als ersten Höhepunkt, kann man das Jahr 1988 bezeichnen, in dem WestBam vom Goethe Institut als Resident DJ nach Seoul zu den Olympischen Sommerspielen geschickt wurde. Nur ein Jahr später erschien WestBams erstes Album und trieb den kommerziellen Erfolg damit maßgeblich voran. Sein absoluter Höhepunkt sollte die Veröffentlichung des Songs Sonic Empire 1997 werden, bei dem WestBam zusammen mit Klaus Jankuhn das Duo Members Of Mayday bildete. Es folgten so gut wie alle Loveparade Hymnen und damit zwischen 1997 bis 2008 jedes Jahr aufs Neue ein Sommerhit für WestBam. Doch auch abseits der größten Techno-Parade der Welt wurden die Songs Hard Times, BeatBoxRocker, Oldschool Baby, Recognize und Right On zu Kulthits und sind Zeugen einer endlosen scheinenden Partywelt Berlins. Doch nicht nur als Teil von Members Of Mayday machte der Wahlberliner von sich Reden, sondern folgten auch Veröffentlichungen als Westfalia Bambaataa (aus dem sein heutiger Künstlername abgeleitet ist) und Mr. X & Mr. Y (New World Order 1999) Nachdem WestBam 2013 erstmals seit acht Jahren mit Götterstraße wieder ein Album veröffentlichte und bis in die Top-20 stieg, folgte 2019 sein bisher letztes Album The Risky Sets!!!.

WestBam feat. AfterLife 3000 - White Boy (Video)
WestBam feat. AfterLife 3000 – White Boy (Video)

Nun ist WestBam mit dem Song White Boy zurück, bei dem er mit dem finnischen Sänger Nuutti Kataja – alias AfterLife 3000 – zusammengearbeitet hat. Hier haben sie auf dreieinhalb Minuten eine Zeitreise eingeläutet, die von den frühen 90er-Jahre Sounds WestBams, bis zu den großen Hits des Künstlers geprägt sind. Auf White Boy gibt es aber auch großartige Referenzen an Pioniere, wie Karl Hyde und Rick Smith von Underwold, die selbst mit ihrer Musik seit den 80ern stilprägend waren und mit Born Slippy ihren größten Erfolg feiern konnten. WestBam hat mit seinem neuen Song einen rauen Technohit geschaffen, der sich trotz der aggressiven Stimme von AfterLife 3000 wunderbar nostalgisch in der modernen Soundwelt zurechtfindet und damit die Vergangenheit gekonnt mit dem Jetzt verbindet. War die Arbeit zwischen dem Berliner DJ und Produzenten und dem finnischen Indie-Rocker, der zur Zeit in Berlin lebt, so vielversprechend, haben sich beide nun an ein komplettes Album gemacht. Dieses wird, neben dem nun veröffentlichten White Boy, auch die Single Sky Is The Limit enthalten, bei dem WestBam mit Jon Marsh von der Band The Beloved zusammengearbeitet hat. Marsh hatte mit Sweet Harmony 1993 einen internationalen Hit, der selbst heute noch rauf und runter gespielt wird. WestBams zwölftes Album, das Famous Last Songs Vol. 1 heißen und am 21. Mai erscheinen wird, zeigt mit den ersten beiden Songs wie stilsicher und frisch WestBam auch nach über 40 Jahren der musikalischen Laufbahn noch ist.

RAZZ - 1969 -Conrad

Razz – Auf dem Weg zum dritten Album

Letztes Jahr haben die Emsländer von Razz mit Bloc Party die Open-Air-Bühnen Deutschlands bespielt – nun stehen die Zeichen gut, dass wir uns bald auf Album Nummer 3 freuen dürfen. Dabei haben sich Razz in den vergangenen Jahren zu einer beliebten Liveband gespielt. Mit energiegeladenen Bühnenperformances und einem ursympathischen Auftreten bekommen sie immer auch die letzte Reihe zum Tanzen. Nach ihrem Debütalbum With Your Hands We’ll Conquer – mit dem sie auf Anhieb in die Charts kamen – und den Singles Youth & Enjoyment und Turning Shadows wurden sie in den Feuilletons landauf, landab gefeiert – und das, als gerade einmal, im Schnitt, 15-Jährige. 2017 folgte dann mit Nocturnal das zweite Album, das den Erfolg des Debüts noch übertreffen konnte. Mit dabei war nicht nur die Single Let It In, Let It Out, sondern mit Another Heart/ Another Mind auch die Kollaboration mit den Giant Rooks – die ebenfalls zur gleichen Zeit ihren Aufstieg erlebten. Spannend dabei ist, dass die beiden Bands unterschiedliche Wege genommen haben, ihre Musik zu veröffentlichen.

RAZZ - Credit- Martha Friedel
RAZZ – Credit- Martha Friedel

Während die Giant Rooks immer wieder einzelne Songs streuen und EP’s und Alben veröffentlichen, arbeiten Razz im Kontext der Albumproduktion zumeist relativ stringent. So arbeiteten Razz bisher an einem Album und veröffentlichen ersten Songs als Leadsingle daraus, wenn eine bevorstehende Albumveröffentlichung naht. Nun sind Razz vor einiger Zeit nach Berlin gezogen und haben sich im Umfeld der Hauptstadt musikalisch deutlich weiterentwickelt. War ihr Klang auf den bisherigen Veröffentlichungen von schnellen Gitarrenriffs geprägt, die immer auch den Klang einer Teenagerband hatten, klingen die Jungs um Frontsänger Niklas Keiser auf ihrer neuen Single 1969 – Conrad nun nach einem größeren Ganzen. Hier spielen die Synthies und Gitarren mit dem Bass ein Wechselspiel und lassen Keisers Stimme so großartig neu klingen, dass man nicht drum herum kommt, sich irgendwie an eine Stimme der Vergangenheit zu erinnern. Razz haben mit 1969 – Conrad eine grandiose neue Single veröffentlicht, die groß, frisch und reif klingt und Lust auf mehr macht.

David Guetta feat. Sia - Let's Love

David Guetta feat. Sia – Wieder an der Spitze der DJ-Charts

Es mag eine komische Zeit sein, die nicht nur wir als Gesellschaft, sondern auch einzelne Personen, wie David Guetta zur Zeit durchmachen müssen. Dabei hat sich bei Guetta vor allem die Diskografie als ein extremer JoJo-Effekt bemerkbar gemacht. Denn bereits 2001 und 2002 hatte der französische DJ mit den Songs Just A Little More Love und Love Don’t Let Me Go – beide mit Chris Willis – für erste hohe Chartnotierungen in Frankreich und den BeNeLux-Statten gesorgt. Sechs Jahre später kam Guetta mit einer erneuten Zusammenarbeit mit Willis auf Love Is Gone wieder in Fahrt und konnte erstmals in weiten Teilen Europas die Charts erreichen. Doch erst mit der Leadsingle When Love Takes Over, des vierten Guetta-Albums One Love, zündete die Rakete so richtig und verschaffte Guetta alle Erfolge, die es im Musikbusiness zu holen gibt. Von Nummer-1 Singles und Alben über Millionen-Verkäufe und Kollaborationen mit Stars, wie Kelly Rowland, Akon, Rihanna, Usher und Nicki Minaj – Guetta war auf seinem Höhepunkt angekommen. Zusammen mit der australischen Sängerin Sia schafften die beiden es sogar, eine ganz eigene Marke – bestehend aus dem Duo im Musikbusiness – aufzubauen und war der Name Sia lange Zeit ausschließlich mit David Guetta verbunden. Mitte der 2010er ebbte der Erfolg dann wieder etwas ab. Nicht so stark, wie zu seinen Anfangszeiten, doch erreichten nun immer weniger Songs die Top-10 in den meisten Ländern. So war zwischenzeitlich sogar ein Verdruss des Guetta-Sounds bei den Radiostationen und auf den Musikplattformen zu vernehmen.

David Guetta & Sia
David Guetta & Sia

Nun hat sich der Meister des EDMs wieder zurückgemeldet und dabei einmal mehr Sia mit ins Boot geholt. Dabei wollte der Franzose gegen die, immer weiter um sich greifende, Melancholie während der Pandemie-Zeit arbeiten und einen Song veröffentlichen, der uns für einen Moment in eine schillernde Zeit versetzen soll. So schrieb er während des ersten Lockdowns kurzerhand Sia an und fragte sie, ob sie bei einem Song dabei wäre, der die Welt mit einem fröhlichen Sound glücklich machen und entgegen des Trends schwimmen sollte – so Guetta. Sia Furler brauchte nicht lange zu überlegen und schickte Guetta prompt ein paar Aufnahmen zurück. Diese packte Guetta in ein, für ihn ungewöhnlich, retrolastiges Soundkostüm und schrieb somit die Geschichte zwischen ihm und Sia neu. Denn weg war der allseits bekannte EDM-Sound. Auf Let’s Love regieren plötzlich knallige Synthies, und großartige Popmomente. Ganz im Zeichen des 80er-Revivals hat sich auch Guetta diesem Trend angeschlossen und dabei einen seiner großartigsten Songs der vergangenen Jahre veröffentlicht. Hier zeigt sich der Produzent endlich wieder innovativ, frisch und begeistert mit einem euphorischen Popmoment, bei dem es ganz egal ist, ob wir ihn mit Discokugel im Bad, der Küche oder der Garage zelebrieren. Da kommt die Mitteilung, dass Guetta vom DJmag nach 2011 ein weiteres mal zum #1 DJ of the World für das Jahr 2020 gewählt wurde. Im Jahr 2020 ist eben alles anders und jede Gelegenheit Recht, um einen Moment der Ekstase zu erleben. Let’s Love passt dazu so gut, wie kaum ein anderer Song.

Tia Gostelow - Always

Tia Gostelow – Zwischen Aborigines und der Großstadt

Das bekommt man in Europa auch nicht oft geboten, die Musik einer Künstlerin aus den indigenen Völkern Australiens – den Aborigines – vorzustellen. Dabei ist unser Bild in Europa vielleicht nicht das aktuellste. Immerhin leben mittlerweile Dreiviertel der knapp 500.000 Aborigines ein modernes Leben in Großstädten, wie die restlichen Einwohner Australiens. Davon können wir uns bei Tia Gostelow überzeugen lassen. Denn am Freitag kommt ihr zweites Album Chrysalis auf den Markt und begeistert mit einem modernen Elektropop, der sich etwas verträumt und fast schon am Dreampop orientierend präsentiert. Die aktuelle Single Always zeigt dies eindrucksvoll. Hier klingt nichts zurückhaltend und singt die gerade einmal 21-jährige Sängerin frisch und selbstbewusst, was sie in den letzten zwei Jahren erlebt hat. Dabei spielt auch die Melancholie eine große Rolle in Gostelows neuem Album. Denn während sie den Hype um ihr 2018er Debütalbum Thick Skin fernab ihrer Eltern erlebte und seit nunmehr zwei Jahren in Brisbane lebt, hat sie nach wie vor stark damit zu kämpfen, mit der fehlenden familiären Nähe klarzukommen. So zeugt das neue Album auch von dieser Distanz und den einsamen Momenten der Musikerin in der großen Stadt.

Tia Gostelow @Jeff Andersen Jnr.
Tia Gostelow @Jeff Andersen Jnr.

Gostelows Sound klingt nicht neu und doch kann man sie nicht so recht einordnen. Mit großen Synthiebetten, vielen Soundspielereien und der fluoreszierenden Stimme Gostelows hat die Australierin ein Album produziert, welches sich an den dunklen Abenden orientiert, die beleuchtet und von strahlenden Blitzen durchzogen werden möchten. Mit Always bekommen wir einen weiteren Vorgeschmack auf diese farbenfrohe Musik. Sind die Songs des Albums vom Holy Holy-Gitarristen Oscar Dawson geprägt, singt auf Always sogar Holy Holy-Frontmann Timothy Carroll mit. Sowohl bei den Radiostationen, als auch den Musikblogs weltweit steht Tia Gostelow ganz oben auf den Listen der Artists to watch. Völlig zu Recht – wie wir ab Freitag auf Albumlänge hören können. Tia Gostelow ist aufregend, frisch und hat einen großartigen Sound im Gepäck, bei dem es Spaß macht, ihn zu entdecken.

London Grammar - Californian Soil (Single)

London Grammar – Selbstbestimmt zu neuem Sound

Es fühlt sich an, als würde der beste Freund, der immer in auffällig modischen Klamotten gestylt war, plötzlich schwarz in schwarz tragen. Es ist immer noch der selbe Mensch und der selbe Charakter und doch ist etwas anders. Dieses Gefühl kommt aktuell auch auf, wenn man sich die neuen Songs von London Grammar anhört. Denn gab es Ende August mit Baby It’s You den ersten Vorgeschmack auf das kommende Album, hat das Nottinghamer Trio nun mit Californian Soil die zweite Single ausgekoppelt. Hier setzt sich der Weg, mit elektronischen Elementen zu arbeiten konsequent fort und wird durch eine Zugabe von Retrosounds angereichert. Retrosound deshalb, da gleich zu Beginn von Californian Soil durch das Knistern einer Schallplatte und einem Beat – ähnlich eines Herzschlages – die Assoziation aufkommt, man höre hier ein Sample des Massive Attack Kulthits Teardrop. Im Verlaufe des Songs kommt schließlich sogar eine Gitarre hinzu, die an Puddle Of Mudds Blurry erinnert. Das alles spielt sich im Kopf ab, hört man das erste mal den neuen Song von Hannah Reid und den beiden Jungs.

London Grammar - Californian Soil (Album)
London Grammar – Californian Soil (Album)

Ob dieser Assoziation beinhaltet der Song allerdings auch wieder typische London Grammar Stilelemente, wie die orchestrale Unterstützung, frickelige Takte und dem ruhigen Gesang Reids. Dabei hat sich Reid in den vergangenen zwei Jahren intensiv mit sich selbst und der Selbstbestimmung als Frau auseinandergesetzt und auf dem kommenden Album verarbeitet. So trägt das dritte Album der Briten dann auch den Namen Californian Soil und wird am 21. Februar 2021 erscheinen. Produziert wurde das Album vom, in Berlin lebenden, britischen Produzenten George FitzGerald, der mit seinen eigenen Songs, wie Burns als auch mit seinen Arbeiten als Produzent für Katy B oder WhoMadeWho Bekanntheit erlangte. Auf dem Weg zu ihrem dritten Studioalbum haben London Grammar eine deutliche Richtungsänderung eingeschlagen, ohne dabei auf die Größe und Weite ihres bekannten Sounds zu verzichten. Mit der neuen Single Californian Soil lassen uns London Grammar einen intimen Moment der Melancholie erleben und begeistern mit einem frischen und starken Sound.

Beck - Wow

Beck – 4-jähriger Boomerang

Da war er wieder – der Moment, in dem man einen Song zum ersten mal hört und nach Stunden des Shazamens und Googelns rausbekommt, dass es den Song bereits seit 4 Jahren gibt. Mindestens einmal hat das wohl jeder schon Mal erlebt. Auch wenn der Künstler des heutigen Songs seit über 35 Jahren Musik macht, ist er nie als der große Popstar in Erscheinung getreten. Nur, um letztendlich doch einer der größten Popstars zu sein. Mit Beck Hansen – kurz Beck – haben wir einen Künstler der genresprengend und probierfreudig ist, wie kaum ein anderer Künstler. Denn in seiner Musiklaufbahn hat der US-Amerikanische Singe/Songwriter und Produzent bereits Tracks produziert, die in die Sparten Folk, Singer/Songwriter, Alternative, Elektro, Hip-Hop, Country, Soul oder Funk fallen. Damit ist er einer der kreativsten und gleichzeitig selten greifbaren Musiker unserer Zeit. Hat Beck zuletzt Ende 2019 mit Hyperspace sein 14. Studioalbum veröffentlicht, welches er zusammen mit Pharrell Williams und Paul Epworth produzierte, sorgt gerade ein Song aus seinem 13. Album Colors für ordentlich Furore. Denn mit der zweiten Singleauskopplung Wow – die bereits ein Jahr früher als das Album Colors veröffentlicht wurde – wird gerade ordentlich die Werbetrommel für eine elektrische Zahnbürste gerührt. Dabei ist der futuristisch anmutende Song in einem guten Umfeld.

Beck - Wow (Musikvideo)
Beck – Wow (Musikvideo)

Mit der dazugehörigen TV- und Internetwerbung hat sich die Marke BRAUN einen ikonischen Werbeclip gegönnt, der fernab von einer normalen Promotion eines Hygieneartikels ist. Hier wird ein ganz neues Gefühl transportiert, dass an Werbeclips von Apple erinnert. Beck als musikalische Untermalung vervollständigt den Clip und gibt dem Song damit nochmal einen neuen Push. Mit einem ikonischen Flötenintro, pulsierenden Basslines und dem euphorischen Gesang Becks ist Wow ein wahnsinniger Ohrwurm, der nicht nur schon 2016 wirkte, sondern auch 2020 noch genauso stark klingt und einen zeitlos, frischen Sound besitzt. Die Vorzüge eines Beck-Songs liegen damit auf der Hand – seine zeitlose Arbeit mit genreübergreifenden Elementen schafft es, auch Jahre später noch top-aktuell zu klingen. Und während wir uns dessen bewusst werden, kommt Beck mit seinen euphorischen Lyrics um die Ecke und wir alle stimmen ein, zu Bored of these limits, let me get, let me get it like. Wooooow! It’s like right now. It’s like woooow!

Tash Sultana - Beyond The Pine

Tash Sultana – Liebe gehört Dir

Es war ein fulminanter Start – von der Straßenmusik, bis in die Albumcharts weltweit. Das Debütalbum Flow State mit Songs, wie Murder To The Mind, MystikSalvation und Harvest Love schaffte es in 14 Ländern in die Charts und das, ohne große Promotion zu betreiben. Tash Sultana überzeugt durch die Musik, die Videos und sich selbst. Nachdem bereits mit Can’t Buy HappinessGreed und Pretty Lady, sowie die Kollaboration mit Matt Corby auf Talk It Out und die Zusammenarbeit auf Milky Chances Single Daydreaming, veröffentlicht wurden, rückt der Releasetermin des zweiten Albums immer näher. Zwar steht der genaue Veröffentlichungstermin von Terra Firma noch immer nicht fest, wird zumindest davon gesprochen, es noch in diesem Jahr zu veröffentlichen. Mit Beyond The Pine hat Sultana nun den fünften Song veröffentlicht und einen deutlich ruhigeren Vibe angeschlagen. Hier singt Sultana über einen smoothen Beat aus Loops und lässt die so großartig beherrschende Gitarre nur hier und da musikalisch aufleuchten. Im dazugehören Musikvideo sehen wir die beiden professionellen australischen Tänzer Timothy Spring und Chris Haines die verschiedenen Phasen einer Partnerschaft körperlich umsetzen.

Tash Sultana Tash Sultana

Durch ihre Bewegungen sehen wir Liebe, Wut, Trauer und Versöhnung in nur vier Minuten. Die Idee hinter dem Song und dessen Musikvideo ist es, Trost in der Natur zu finden und zu erkennen, wenn man die richtige Person im Leben gefunden hat – so Sultana. Dass Sultana gerade davon schreibt, wundert nicht – verfolgt man den Instagram-Account Sultanas. Denn hier präsentiert Sultana seit einiger Zeit eine Partnerin an der Seite, mit der Sultana alles teilt und uns daran teilhaben lässt. War Sultana in der Zeit vor Flow State eher zurückhaltend und introvertiert, wirkt Sultana nun immer öfter gelassen und entspannt. Gleichwohl die Intention hinter Beyond The Pine eine wichtige Message vertritt: Liebe gehört dir, egal welche Farbe, Rasse, Geschlecht, Religion, Sexualität oder Identität du hast – so Sultana selbst über den neuen Song. Auch wenn die einst so prägende Gitarre auf Beyond The Pine deutlich in den Hintergrund geraten ist, zeigt sich Sultana reifer und klingt durch die Arbeit mit der Loop-Station dennoch äußerst frisch.

HÆLOS - Hold On

HAELOS – Die Dunkelheit des Dancefloors

Es wird poppiger im Hause des britischen Trip-Hop Quartetts HÆLOS. Mit ihren ersten beiden Alben hatte die Band um Frontsängerin Lotti Benardout eine Weiterentwicklung vollzogen, die von dunklen Trip-Hip-Sounds zu einem noch dunkleren aber flirrenden Indie-Sound mutierte. Ob Singles, wie Separate Lives von ihrem Debütalbum Full Circle oder den herausragenden Singles Kyoto und End Of World Party ihres fulminanten Zweitlings Any Random Kindness – alle eint ein schneller Sound, der gleichzeitig durch Synthieelemente eine irritierende Art von Slow-Motion-Gefühl auslösten. Nun haben HÆLOS in den vergangenen drei Monaten gleich drei neue Songs veröffentlicht, die eine Entwicklung vollziehen, die sich als eine Öffnung zum Hörer erweist. Dabei sind vor allem Unknown Melody und Perfectly Broken zu nennen. Hier haben sich HÆLOS in eine Zwischenwelt aus ihrem introvertierten Elektrosound und der poppigen Welt ausserhalb ihres Kosmos gewagt und mit wunderbaren Melodien eine Heimat des sicheren Sounds gewählt. Dieser sichere Sound bedeutet nicht etwa Stillstand, sondern ist vielmehr wagemutig, frisch und bleibt dennoch immer HÆLOS-typisch.

HÆLOS (Credit: Jeff Hahn)
HÆLOS (Credit: Jeff Hahn)

Jetzt ist mit Hold On die dritte neue Single veröffentlicht worden und bildet dabei eine andere Richtung ab, als es die beiden Vorgängersingles taten. Denn hier geben sich die Briten wieder dem düster, dystopischen Soundmuster ihrer vorangegangenen Alben hin, werden sphärisch und lassen ihren Sound fliessen. Hier überlappen die Sounds von tiefen Bässen, über trompetenartigen Synthies, bis hin zu ruhigeren Momenten, die an ein Orgelspiel erinnern. Ehe man fast schon an ein Zusammenspiel aus Violinen und vertrackteten Soundelementen zum Endspurt ansetzt und dabei ein Outro erzeugt, dass sich in einer Liveperformance bis ins unendlich, ekstatische verlängern lässt. HÆLOS haben alle drei Songs über ihr selbstgegründetes Plattenlabel Æ imprint veröffentlicht und halten das extrem hohen Niveau von Kreativität, die in der Musik nochmals eine eigene Kunstform entwickelt. Bereits für 2021 angekündigt, ist das dritte – noch unbetitelte – Studioalbum der Londoner, die in den letzten Monaten so einiges an neuem Material geschrieben haben. Wir dürfen daher auf ein weiteres, herausragendes Album hoffen, das sich durch die introvertierte Art des Sounds fragil und stark zugleich präsentiert.

Of Monsters And Men - Visitor

Of Monsters And Men – Schneller, Größer, Weiter

Der Drang nach neuer Musik schien bei der isländischen Folk-Band Of Monsters And Men groß gewesen zu sein. Nachdem ihr drittes Album Fever Dream und die Single Wars gerade erst vor 13 Monaten veröffentlicht wurden, kamen die fünf in Reykjavík lebenden Musiker im August mit einer Coverversion des Post Malone-Songs Circles wieder auf die Bildfläche zurück. Nun haben Nanna Bryndís Hilmarsdóttir, Ragnar Þórhallsson, Brynjar Leifsson, Kristján Páll Kristjánsson und Arnar Rósenkranz Hilmarsson mit Visitor eine komplett neue Single veröffentlicht und damit den Startschuss für eine ganze Reihe neuer Songs und anderer Inhalte gegeben. Damit wollen Of Monsters And Men das zehnjährige Bandjubiläum feiern und kündigen für das Jahr 2021 noch weitaus mehr Musik an. Visitor ist damit die erste große Veröffentlichung, die ihren einst so reduzierten Folksound weiter in Richtung Stadionsound bringt und gleichzeitig nichts vom sympathischen Gerüst der Musik der Isländer verloren hat.

Of Monsters And Men

Of Monsters And Men

Darin geht es darum, sich von der Welt, wie sie jetzt ist, loszulösen und zu sehen, wie die alte Welt immer weiter verschwindet, sich dabei aber plötzlich als Besucher dieser neuen Welt wahrzunehmen. Geschrieben wurde der Song lange vor der Pandemie und doch passt der Song, als hätte die Band geahnt, was kommen würde. Haben sie das Musikvideo noch vor dem großen Ausbruch im Februar in Island aufgenommen, präsentiert die Band ihren Fans nun diesen so erschreckend passenden, wie großartigen Song. Mit großen Gesten, einem schnellen Schlagzeug und voluminösen Synthies ist Visitor ein Song für die ganz große Bühne. Nach ihrem Kritikerliebling Fever Dream, sowie dem Debütalbum My Head Is An Animal (2011) und dem zweiten Album Beneath The Skin (2015) – von dem die starken Singles Crystals, I Of The Storm und Wolves Without Teeth kamen – könnte sich 2021 damit anstelle eines neuen Albums ein erstes Best-Of-Album ankündigen. Mit Visitor holen uns Of Monsters And Men – auch wenn es kein neues Studioalbum geben sollte – zumindest akustisch mit einem frischen Sound ab und lassen uns im kommende Jahr auf spannendes, neues Material hoffen.

Melanie C - In And Out Of Love

Melanie C – Bleibt auf der Tanzfläche

Mit modernen Beats und einem Hauch Nostalgie haben wir vor einigen Wochen die Single Blame It On Me von Melanie C kennengelernt. Dabei leitet sich die Nostalgie aus der Stimme Melanie Cs ab. Denn nicht nur als Spice Girl, sondern vor allem auch durch ihre frühen Solosongs zeigt uns Melanie Chrisholm seit nunmehr 21 Jahren heute einmal mehr, dass sie sich längst als eigenständige Musikerin abseits des Spice Girl Ruhmes etablieren konnte. Nun steht ihr neues – und mittlerweile achtes – Studioalbum Melanie C kurz vor der Veröffentlichung und wird am 2. Oktober über Melanie Cs eigenes Plattenlabel Red Girl Records vertrieben. Mit der dritten Singleauskopplung In And Out Of Love zeigt sich Melanie C nach Who I Am und Blame It On Me weniger nachdenklich und möchte das Positive zelebrieren. Erst kürzlich kommentierte die britische Sängerin die neue Single mit den Worten In And Out Of Love ist ein absoluter Knaller und ich liebe ihn! Es ist so brillant, einen reinen Pop-, Up-Beat- und positiven Song zu veröffentlichen. Ich glaube, es ist genau das, was die Welt jetzt braucht!

Melanie C - Melanie C

Melanie C – Melanie C

Sicherlich nicht die bescheidenste Art, den eigenen Song anzuteasern, doch kann sich Melanie C nach mehr als 20 Millionen verkauften Platten als Solokünstlerin und nochmals 85 Millionen weiteren Platten mit den Spice Girls durchaus erlauben, so aus dem Häuschen zu sein. In And Out Of Love hat dabei alle Elemente, die ein aktueller Dancesong braucht. Von in der Ferne hallenden Gesängen, über moderne und reduzierte Beats, bis hin zu den verspielten Perkussion-Elementen und verzerrten Backgroundgesängen hat der Song einen äußerst frischen Sound, der sich an moderne Indie-Dancesongs anlehnt und dabei die großen Popsequenzen nicht vergisst. Wer aktuelle Feel-Good-Musik sucht, wird bei Melanie Cs neuer Single einen hervorragenden Song finden. Trotz der fehlenden Chartplatzierungen der ersten drei Singleveröffentlichungen deutet alles darauf hin, dass Melanie C dieses Mal wieder höher in die Charts einsteigen wird, als es noch ihr Vorgängeralbum Version Of Me 2016 mit Platz 25 in Großbritannien und Platz 34 in Deutschland tat. Wir dürfen also gespannt sein, welche Songs uns auf dem kommenden Album noch zum Tanzen animieren wollen – In And Out Of Love bietet sich derweil schon jetzt bestens dafür an.