The Best Of 2020 Vol. 14

The Best Of 2020 Vol.: 14

01. Roosevelt – Echoes (zum Artikel)

02. Aluna – Envious (zum Artikel)

03. SG Lewis feat. Robyn & Channel Tres – Impact (zum Artikel)

04. Amy MacDonald – The Hudson (zum Artikel)

05. Blu DeTiger – In My Head

06. Romy – Lifetime (zum Artikel)

07. London Grammar – Californian Soil (zum Artikel)

08. Bicep – Apricots (zum Artikel)

09. Polo & Pan – Feel Good (zum Artikel)

10. Hugo Barriol – Stay

11. James Vincent McMorrow with Kenny Beats – I Should Go (zum Artikel)

12. Jono McCleery – Call Me (zum Artikel)

13. Freyr – Avalon (zum Artikel)

14. SYML – I Wanted To Leave (zum Artikel)

15. Novaa – The Futurist (zum Artikel)

16. Mallrat – Rockstar (zum Artikel)

17. The Japanese House feat. Justin Vernon – Dionne (zum Artikel)

18. Maxïmo Park – Child Of The Flatlands

19. Spoon And The Forkestra – Pirates (zum Artikel)

20. Jónsi feat. Robyn – Salt Licorice (zum Artikel)

Roosevelt - Feels Right

Roosevelt – Auf Album Nr. 3 fühlt sich alles richtig an

Vor knapp sechs Wochen erst kam mit Echoes die neueste Single von Roosevelt auf den Markt, da legt Marius Lauber mit Feels Right bereits nach und haut uns den satten Discosound nur so um die Ohren. Immer dabei – der Synthesizer – denn das ist Roosevelts Markenzeichen. Während er in den letzten Wochen immer konkreter wurde und bereits zwei Solosongs und eine Kollaboration veröffentlicht hatte, folgt nun mit der neuen Single Feels Right die Ankündigung seines dritten Studioalbums Polydans, welches am 26. Februar 2021 erscheinen wird. Darauf enthalten sind neben Feels Right, Echoes und Sign noch sieben weitere Songs und die Gewissheit, eines der heissesten Dancealben des Winters erwarten zu können. Feels Right selbst kam ganz natürlich zustande, sagt Lauber über den Song. Der Song handelt von einem Gefühl der unerschütterlichen Zustimmung. Als ich den Song schrieb, begann alles mit einem, von der [US-Amerikanischen Funk-Rock-Band] ESG beeinflussten Funk-Loop, der schon in seiner einfachsten Variante etwas euphorisch verspieltes hatte. Es ist auf jeden Fall einer der Songs, auf dem neuen Album, der am leichtesten entstand. Einer dieser Songs, der die Richtung regelrecht diktiert, anstatt, dass man noch Wochen an ihm arbeitet.

Roosevelt - Poyldans
Roosevelt – Poyldans

Das neue Album geht – anders als der Zweitling Young Romance – wieder zurück zu Roosevelts Anfängen und versperrt sich keiner Kreativität. Hier gab es keine kreativen Einschränkungen mehr und konnte Roosevelt all das machen, was ihn glücklich macht. Dabei nennt der DJ, Produzent und Songwriter sein neues Album, das persönlichste, dass er bisher produziert hat. Während viele Acts der Elektroszene weltweit mit kalten, tiefen House-Elementen arbeiten und dadurch eine Dunkelheit vor sich her schieben, begeistert Roosevelt mit einem warmen, euphorischen Discosound, der die hellsten Elemente des Clubfeelings transportiert. Neben der Albumankündigung hat Roosevelt für die zweite Märzhälfte sechs Konzerte in Deutschland angekündigt, auf die wir uns schon jetzt sehnlichst freuen. Feels Right zeigt, dass sich das Multitalent mit seinem jetzigen Sound glücklich fühlt. Das transportieren die Songs und sorgen für einen Moment der euphorischen Freude.

Roosevelt - Echoes

Roosevelt – Mit Disco-Orchester auf die Tanzfläche

Bereits zwei Mal dürften wir uns dieses Jahr über neue Musik von Roosevelt alias Marius Lauber freuen. Zum einen war da die Zusammenarbeit auf One More Song mit dem US-Produzentenduo Classixx, auf dem Roosevelt mit einem funkigen French-House-Beat singt. Zum anderen veröffentlichte der Musiker und Produzent Mitte Juni mit Sign eine erste neue Single, seit seinem zweiten Album Young Romance. Nun folgt auf Sign die nächste Single und bietet sich als opulentere Version der Vorgängersingle an. Denn auch Echoes hat alles, was ein 80er-Jahre Synthie-Hit haben muss, bildet aber gleichzeitig ein akustisches Volumen ab, das durch die verschiedenen, überlagernden, Sounds eher vermuten lassen würde, dass hier eine komplette Band am Werk ist. Dass dies kein Zufall ist, erklärt Roosevelt dann auch zur Veröffentlichung des Tracks. Versucht der Musiker sich immer wieder aufs Neue daran, seinen Sound bis an das Maximum einer Ein-Personen-Band vorzuarbeiten, besteht die Intention darin, wie weit der Produzent mit den überlagernden Sounds gehen und gleichzeitig alles als einzelne Person umsetzen kann. So lassen ihn die verschiedenen Klangschichten zu einem Disco-Orchester werden, sagt Roosevelt.

Marius Lauber a.k.a. Roosevelt

Marius Lauber a.k.a. Roosevelt

Im Zuge der Veröffentlichung des Songs verrät er dann noch, dass auf Echoes auch etwas passiert, das ich so schon lange nicht mehr gemacht habe: Eine musikalische und lyrische Auflösung als zweiten Teil des Stücks, die als Antwort auf den Anfang funktioniert. Während es in der ersten Hälfte um den Versuch geht, eine Phase hinter sich zu lassen, und gewisse Erinnerungen reuevoll auslöschen zu wollen, geht es in der zweiten Hälfte darum, sich mit der Tatsache abzufinden, dass man diese Erinnerungen gemacht hat, mit dem Wissen, sie jederzeit wieder abrufen zu können und wieder in die Gefühle eintauchen zu können, die man einmal hatte. Es baut sich zu einem sehr nostalgischen und euphorischen Moment auf und macht aus der Vergangenheitsbewältigung etwas Positives und Ekstatisches. Sind seine beiden, bisher veröffentlichten, Alben Roosevelt (2016) und Young Romance (2018) im zweijährigen Abstand erschienen, dürften wir uns so langsam wieder an die Hoffnung auf einen baldigen Release eines dritten Albums machen. Mit dem opulenten Echoes haben wir auf jeden Fall einen Track in unserer Playlist, der uns den bevorstehenden Herbst noch ordentlich einheizen wird.

Felix Räuber @Frannz Club www.soundtrack-of-my-life.com

Felix Räuber – Konzertkritik (Frannz Club)

Es ist fast genau ein Jahr her, da trat Felix Räuber im Berliner ACUD auf die Bühne und präsentierte Musik, an der er in den Jahren zuvor so intensiv gearbeitet hatte. Seitdem sind 12 Monate vergangen, in denen der Sänger eine Remix-Version seiner Debüt-EP Wall veröffentlichte und mit solch monumentalen Songs wie dem akustischen Birth immer wieder neue Musik veröffentlichte. Mit der angekündigten, zweiten EP ME holt der Wahlberliner nun etwas in sich hervor, das so sehr mit Leben gefüllt ist, dass man sich eines Kopfkinos nicht verwehren kann. Diese Songs hatte Räuber nun am vergangenen Freitag im Berliner Frannz Club vorgestellt und damit eindrucksvoll bewiesen, dass seine Musik wertvoll ist und das Publikum sichtlich angetan war, diesen Moment mit dem Sänger zu teilen.

Aber der Reihe nach. Eröffnet hatte den Abend ebenfalls ein Wahlberliner. Hierbei standen Max Wiegand alias Badger – mit Gitarrist Levin Siert und Sean Prieske an den Synths zu dritt auf der Bühne und überraschten mit einem Sound, der satt, elektronisch und erfrischend war. Mit tiefen Bässen, dunklen Sounds und Songs wie MirrorsThe MiddleOf What Will Come Tomorrow oder You Move schafften die drei Jungs es in Windeseile, das Publikum von sich zu überzeugen. Dabei sprach Wiegand immer wieder ganz direkt zum Publikum und präsentierte damit eine entspannte Gelassenheit – auch wenn man hier und da einen angespannten Gesichtsausdruck nicht verstecken konnte. Badger ist ein großartiges Erlebnis mit einer Musik, die sich irgendwo, zwischen 80er-Jahre Synthies, modernem House und klassischem Gesang ansiedelt und live großartig aufregend ist.

Nach kurzer Umbauphase trat schließlich Felix Räuber auf die Bühne und hatte neben seinen beiden Tourmitgliedern am Schlagzeug und am Keyboard, noch vier Orchesterspielerinnen mit dabei. Hierbei bestand das Mondena Quartett aus der ersten und die zweiten Geige, einer Bratsche und einem Cello, welches für eine überwältigende Opulenz in Räubers Songs sorgte.

Man konnte Räuber ansehen, dass er sich in den letzten Monaten verändert hatte. Gewichen war die Anspannung, dass seine Musik eventuell keinem gefallen würde. Indes gewachsen war der Entertainer in ihm. Denn führte uns Räuber mit vielen Anekdoten durch Songs wie Running Out Of TimeHomeBetween The LinesNothing Can Go Wrong, war es immer wieder auch die körperliche Gewandtheit in ihm, die Räuber erhaben, in Gefühlen vertieft und zufrieden zeigte. Bei dem darauffolgenden Gitarrensolo, welches dem Song Birth gleich kam zeigte sich das unglaubliche Potential, das in Räuber und seiner Vorstellung von vielseitiger Musik liegt.

Schließlich folgten mit Every MotionEchoesWall und Burning Sky vier Songs, die allesamt die Wandlungsfähigkeit des Sängers darstellten. Hierbei war vor allem die Präsentation eines der zentralen Punkte, die ein Felix Räuber Auftritt so unterhaltsam machen. Und dabei steht unterhaltsam für einen Auftritt, wie er so auch in den großen Samstagabend-Shows der öffentlich-rechtlichen Sender hätte passen können.

Zum Abschluss spielte Räuber nochmals einen Song, den er bereits zur Mitte des Konzertes sang. Und so entließ uns der Sänger mit Wall im Geistha-Remix und ließ durch die markanten Keys eine Verbindung zum Bronski Beat Hit Smalltown Boy erwachen.

Felix Räuber ist vieles – einsamer Mensch, Liebender, Gefangener und Jagender – doch eines bleibt immer erkennbar, der Mittelpunkt seines Lebens. Und dass ist Musik – in all ihren Facetten, universell und bedeutet dem Sänger vielleicht gerade deswegen so viel.

Die Klaxons machen sich’s im Brit-Indie-Himmel bequem

Als die Klaxons 2005 das Licht der britischen Musikwelt erblickten stürzten sich die hiesigen Medien auf sie und kührten sie zu Großbritanniens neuer (H)It-Band. Songs wie ‚Golden Skans‘ und ‚It’s Not Over Yet‘ MUSSTEN mindestens zweimal am Abend auf den europäischehn Indie-Tanzflächen gespielt werden. Nachdem das erste Album einschlug wie eine Bombe wechselten die Klaxons mit Ihrem 2010er Album ‚Surfing The Void‘ von James Ford, der auch Bands und Acts wie Arctic Monkeys, Beth Dito und Haim produzierte zu Ross Robinson. Robinson ist bekannt durch einen kräftigeren und härteren Sound, den er auch schon als Produzent von Alben für Korn, Limp Bizkit oder The Cure unter Beweis stellen konnte. Doch gerade dieser härtere Sound wollte nicht recht ankommen, war die Leadsingle ‚Echoes‘ noch überall zu hören gab es darüber hinaus so gut wie keine musikalischen Lebenszeichen mehr. Trotz überwiegend positiver Kritiken der Musikpresse konnten viele Fans wohl nicht mehr viel mit dem Sound anfangen.

Nun sind vier Jahre verstrichen und die Klaxons kommen mit dem, im Sommer erscheinenden, Album ‚Love Frequency‘ zurück. Und auch hier sind die vier Jungs wieder einen Schritt weitergegangen. Dieses mal allerdings in die Richtung des britischen Indiepops. Verheißungsvoll singen sie ‚There Is No Other Time‘ und klingen dabei genauso frisch wie leicht. Wir dürfen gespannt sein ob auch der Rest des Albums so locker aus dem Studio kommt.