Billie Marten - Feeding Seahorses by Hand

Billie Marten – Ein Album, wie ein Streicheln

Bereits 2015 und 2017 hatte die britische Sängerin Billie Marten mit ihren Songs Bird und Live gezeigt, dass sie im introvertierten Musikspektrum zu Hause ist. So kommen Martens Songs gänzlich unaufgeregt rüber und klingen so warm, wie berührend. Nun ist Marten, drei Jahre nach ihrem Debüt Writing of Blues and Yellows, mit ihrem neuen Album Feeding Seahorses by Hand zurück und zeigt einmal mehr, warum wir dieser hauchenden Stimme so verfallen sind. Dabei sticht bei YouTube gerade ein – als Single noch unveröffentlichter – Song so richtig heraus. She Dances ist ein Kammerspiel der akustischen Popmusik. Dabei hören wir ihre zögerliche Stimme, leise begleitet von Gitarren und Percussions. Da wird man, wenn man She Dances hört wahlweise an die Fensterscheibe einer wohlig warmen Berghütte verortet, als auch eine romantisch, ironische Liebesgeschichte – in London spielend – perfekt passen würde. Mit She Dances behandelt sich die junge Sängerin fast schon selbst – wurden bei Marten 2018 doch Winterdepressionen diagnostiziert, welche alle Jahre wieder zur dunklen Jahreszeit einsetzen. Diese Erkrankung ist gleichzeitig auch Nährboden vieler ihrer Songs und knüpft genau an diesen Punkten an, um sich so selbst zu therapieren.

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Kummer - 9010

Kummer – Aus Teilen Kraftklubs bricht es heraus

Es reicht! Das dachten sich die Jungs von Kraftklub – die bekennende Karl-Marx-Stadt-Jungs sind – also aus dem heutigen Chemnitz kommen. Über Chemnitz wurde im letzten Jahr viel berichtet. Von einer Gesellschaft, die sich aufteilt – in ausländerfreundlich und ausländerfeindlich. Jedoch zeigt sich letztere Gruppe vor allem in den vergangenen Jahren seit der Flüchtlingswelle 2015 so präsent und radikal, dass selbst die Politikverdrossenen nun dagegen aufstehen. Kraftklub haben sich allerdings seit jeher politisch engagiert und angesprochen, was schief läuft. So ist es auch kein Wunder, dass Felix Kummer – Frontsänger Kraftklubs – nun mit seinem Song 9010 (die Zahl gibt den ehemaligen Postleitzahlenbezirk zu DDR-Zeiten wieder) dieses Thema abermals aufgreift und einen aggressiven Rap-Song über die Zustände in seiner Heimatstadt veröffentlicht. Kummer will und kann sich nicht damit abfinden, dass sich der Osten und im Speziellen Chemnitz seinem Schicksal als Hochburg der Rechtsradikalen ergeben soll. So rappt sich Kummer auf 9010 durch seine eigene Jugend, die davon geprägt war, seine antifaschistische Haltung zu bewahren. Oftmals endete diese Haltung – von Rechten gejagt – blutend auf dem Bordstein. 9010 ist ein deutscher Rap-Song, der sich nicht um vollbusige Frauen und Bling-Bling-Autos dreht, sondern die politische Verantwortung übernimmt, als Musiker und Sprachrohr die Menschen zu erreichen und seine eigenen Erfahrungen zu schildern. 9010 ist der erste Vorbote des Solodebüts Felix Kummers, welches er unter dem Namen Kummer später in diesem Jahr veröffentlichen wird.

Jeremias - Sommer

Jeremias – Der Sommer ist luftig

Mit Alles hatte vor knapp sechs Wochen in der Tat alles angefangen, waren die vier Jungs von Jeremias doch ganz plötzlich auf der Tanzfläche erschienen um zu bleiben und uns in ekstatisch tanzen zu sehen. Nun sind sie mit der nächsten Single zurück und feiern den Sommer, wie Generation Z ihn heute eben feiert – mit jugendlicher Ungeduld und einem Überschuss an geballter Energie. Dabei heben die Jungs das Gefühl der Freude und Sehnsucht hoch, indem sie an Vergangenem festhalten und Neues nicht verpassen wollen. Beachtlich ist bei dem knapp dreieinhalb minütigen Song auch, dass knapp 1 Minute nur durch ein Instrumental und eine Tonbandaufnahme bespielt wird und die Jungs dem Song Sommer so viel Raum geben, um in bei Liveauftritten ausgiebig zelebrieren zu können. Heute wie auch schon früher braucht es Songs, die unser Leben beeinflussen und als Soundtrack dieses Lebens funktionieren. Jeremias haben dies mit Sommer bereits ein zweites Mal bestens geschafft. Sommer ist damit, nach Alles die zweite Singleauskopplung, aus ihrer im Herbst erscheinenden Debüt-EP.

Moyka - Bones

Moyka – Kühler Elektropop

Mit ihrer Debütsingle Colder hatte die Norwegerin Moyka bereits im März alle Blicke auf sich gezogen. Nun ist mit Bones die zweite Single online und zeigt die Anfang 20-jährige Sängerin deutlich tanzbarer, als auf ihrem Debüt. Dabei lässt sie abermals eine gewisse Verbindung zu Sängerinnen, wie Aurora, aufkommen. Hier ist Moyka vor allem im Refrain mit ihrer Klangfarbe deutlich an der, ebenfalls aus Norwegen kommenden, Sängerinn dran. Moyka selbst beschreibt ihren Musikstil auf Bones als eisigen, in den Achtzigern verorteten Tanztrack, getragen von sprudelnden Synthies. Dabei geht es um diesen Drang, etwas zu erschaffen, und das Gefühl zu haben, dass es Dir genommen wird. Als ich den Song 2017 schrieb, fühlte es sich so an, als könnte ich nichts richtig machen, ich habe mich sehr angestrengt und alles hat sich als schlecht herausgestellt. Moyka schreibt ihre Songs selbstreflektiv und trifft dabei einen Sound, der von schweren – auf einen zurollenden – Beats geprägt ist und im Verlauf an noch mehr Größe gewinnt. Tanzbar, dunkel und euphorisch klingt Bones nach einem 80er Jahre Computerspiel, bei dem wir auf der Zielgeraden kurz davor stehen zu gewinnen.

Barrie - Darjeeling

Barrie – Supernova Dreampop

Sie sind tatsächlich ein neuer Stern am Indiepophimmel und haben mit ihrem am 3. Mai veröffentlichten Debütalbum Happy To Be Here eine Menge Material herausgebracht, welches zu einem Abend unter der Discokugel passt. Sie selbst kommen aus Brooklyn, New York und haben sich über die verschiedensten Wege kennengelernt. Einer dieser Wege ist das Zusammenkommen von Sabine Holler und der Band. War die Deutsche Sängerin doch gerade aus Berlin nach New York gezogen und nutzte Tinder, um neue Menschen kennenzulernen, hatte die Band genau auf diesem Portal ein Profil erstellt, mit dem sie noch eine Bassistin suchten. Gesucht, gefunden beschreibt Namensgeberin und Frontsängerin Barrie die Band in Interviews dann auch gerne mit den Worten Ein Teil dessen, was die Band so großartig macht ist der Fakt, dass hier ein Haufen Freaks zusammengekommen sind, die super zugängliche und fantastische Musik zusammen machen. Da ist eine Art natürliche Experimentierfreudigkeit, die die Band antreibt. Auf ihrer aktuellen Single Darjeeling zeigen sie dann auch, wie diese Experimentierfreudigkeit klingt. Mit 80er Jahren Synthies – die eine Erinnerung auslösen, bei der man sich nicht sicher ist, ob man überhaupt dabei war – und Dreampop singt Barrie sanft zu den Beats und klingt dabei unaufgeregt aufregend. Darjeeling ist damit der perfekte Opener, um die Band einem breiten Publikum vorzustellen und ihre Musik in die Welt zu tragen.

HAELOS - End Of World Party

HÆLOS – Mystisch und nostalgisch

In einer Woche ist es soweit – dann steht mit Any Random Kindness das zweite Album der Londoner Trip-Hop Band HÆLOS in den Regalen. Bereits mit Kyoto und Boy/Girl zeigte die Band Anfang des Jahres, wo es klanglich hingehen würde. Mit einem mystischen Elektrobeat zeigten HÆLOS bereits auf ihrem Debütalbum Full Circle und der Single Separate Lives vor drei Jahren, dass verschiedene Genres und Stile zusammen ein emotionales und einfühlsames Gemisch ergeben können. Auf ihrem neuen Album probieren sie Neues aus, bleiben aber auch ihrer mystischen Grundstimmung treu. So klingt ihre neueste Single End Of World Party genau so, wie es der Titel verspricht – mit dramatischen Breakbeats und einer auffälligen Zunahme der Gesangszeit ist End Of World Party eine Reaktion auf die heutigen Anzeichen, den Fokus auf das Wichtige zu verlieren und sich im Wahnsinn der Nachrichten aus aller Welt zu verlieren. Dabei beschreibt die Pressemitteilung End Of World Party kryptisch als ein satirischer Blick auf die Ablehnung der apokalyptischen Aspekte der Menschheit und die Konzentration auf das Jetzt. Kurzum, wollen HÆLOS, dass wir den Moment wieder für uns entdecken und einfach wieder einmal loslassen. Mit End Of World Party hat das Quartett eine große Trip-Hop Hymne produziert, die in einer Reihe mit Songs von Portishead und Massive Attack genannt werden kann.

Juli - Fahrrad

Juli – Fünf Jahre auf dem Rad durch die Nacht

Seit ihrem Debütalbum Es Ist Juli sind mittlerweile 15 Jahre vergangen. Kam das zweite Album Ein Neuer Tag nur zwei Jahre nach dem Debüt raus, folgten bei den weiteren Veröffentlichungen lange Pausen zwischen den Alben. So hatte die in Gießen gegründete Band für ihr drittes und viertes Album In Love (2010) und Insel (2014) jeweils vier Jahre gebraucht. Nun stehen sie davor, ihr fünftes Album zu veröffentlichen und beenden mit der Single Fahrrad eine fünf Jahre währende Bandpause. Würde diese lange Auszeit bei anderen Bands als Comeback gezählt werden, ist es bei der – mittlerweile überwiegend in Berlin lebenden – Band fast schon gängig. Nach Jahren des privaten Austobens oder Entschleunigens ist es Juli gelungen, mit Fahrrad einen wunderbaren Popsong zu schreiben, der an die eingängigen und kräftigen Songs der Band anknüpft. Hier geht es um Freiheit, zu jedem Zeitpunkt machen zu können, was man möchte. So ist es eine große Leidenschaft der Frontsängerin Eva Briegel, nachts mit dem Rad durch die leeren Straßen der Hauptstadt zu fahren. Juli haben nach fünf Jahren mit Fahrrad eine Single veröffentlicht, die so sehr ins Ohr geht, dass man sich fast vorkommt, als wäre die Band nie weg gewesen.

Echosmith - Favorite Sound

Echosmith – Die Weite ruft

Mit Cool Kids hatten Echosmith 2013 ihren ganz großen Wurf gelandet. Was folgte, war mit Bright eine zweite Single, ein Debütalbum und schließend immer wieder Ankündigungen, die sich nicht bewahrheiteten. So folgten zwar vier EP’s seit ihrem Durchbruch, ein zweites Album, welches 2017 veröffentlicht werden sollte, wurde immer wieder verschoben. Mittlerweile, zu einem Trio zusammengeschrumpft, haben Echosmith mit Favorite Sound einen ersten, neuen Song veröffentlicht, der zeigt, dass das Trio in eine gänzlich andere Richtung geht. Denn mit der Zusammenarbeit des Produzenten und DJ’s Audien, zeigen Echosmith, dass sie einen größeren Sound anstreben. Hier präsentieren die Geschwister sich modern, elektronisch und haben ihre folkige Musik abgestreift. Mit Favorite Sound läuten Echosmith eine neue Ära ein, die der Band hoffentlich den Erfolg zurückbringt, für den die US-Amerikaner so lange und hart gearbeitet haben. Mit der neuen Single, wird dies auf alle Fälle deutlich einfacher sein.

Maya Lavelle - Dancing With A Bottle

Maya Lavelle – Musical trifft Pop

Die niederländische Sängerin Maya Lavelle ist weit mehr als nur eine Sängerin. Sie ist gleichzeitig Produzentin und Komponistin und hat ihren ganz eigenen Kopf. Das kann man auf ihrer aktuellen Single Dancing With A Bottle eindrucksvoll hören. Mit klassischen Elementen, wie einem dramatischen Klavierspiel, Violinen und ganz viel Eleganz klingt Dancing With A Bottle nach der musikalischen Untermalung eines 1920er Jahre Stummfilms, um gleichzeitig auch wie aus einem großartigen Musical zu kommen. Dabei bricht Lavelle innerhalb des Songs immer wieder mit den Tempi und wechselt wieder und wieder die Gesangsart – nur, um eine Exzentrik darzustellen, die ein eigenes Musical regelrecht voraussetzt. Auf Dancing With A Bottle besingt sie schließlich den Exzess. Einfach mal loszulassen und alle Hemmungen fallen zu lassen um der Langeweile zu entfliehen. Maya Lavelle ist mit diesem Musikstil alleine auf weiter Flur und dennoch erfolgreich im Mainstream unterwegs. An Künstlerinnen, wie Lana Del Rey, Caro Emerald oder Kate Bush erinnernd spielt Lavelle in ihrer ganz eigenen Genreblase und pumpt diese immer weiter auf – solange, bis ihr die Welt zu Füssen liegt. Und das dürfte nicht mehr all zu lange dauern – spätestens, wenn ihr Debütalbum Hobo im Juni erscheinen wird.

Dean Lewis – Wird sich der Erfolg wiederholen?

Mit Be Alright hatte der Australier Dean Lewis 2018 einen satten Welthit hingelegt. Konntet Ihr bereits im Herbst 2017 und im Winter 2018 hier bei SOML über Lewis und seine Songs etwas lesen, ist er mit Be Alright mittlerweile in 26 Ländern in die Charts eingestiegen und in 14 davon bis in die Top-10 gelangt. Nach diesem Erfolg wird es für jede Single danach schwer, den Erfolg zu wiederholen. Mit Stay Awake sieht dies allerdings völlig anders aus. Noch nicht ganz den Erfolg der vorherigen Single verdaut, steigt Stay Awake kontinuierlich die Charts hinauf. Dabei ist der folkige Song des Singer/Songwriters treibend, euphorisch und klingt anders, als es der Songtext aussagt. Denn während sich der Song selbst recht fröhlich und nach Guter-Laune anhört, besingt Lewis darin, wie er versucht an einer Person die er liebt festzuhalten, die im Begriff ist ihn zu verlassen. Dabei mischt er abermals ein Erfolgsrezept zusammen und lässt einen weiteren Hit auf die Welt los. Gelungen ist Lewis dies mit Stay Awake auf alle Fälle.