Nathan Ball - All Comes Back To You

Nathan Ball – Wo gehör ich hin?

Es erstaunt fast ein wenig, dass wir von Nathan Ball neues Material zu hören bekommen, welches keinen elektronischen Beat unterlegt hat. Mit den letzten beiden Kollaboration auf Faithless‘ This Feeling und Icarus‘ Meet Me There hat sich der, aus Südwestengland kommende, Singer/Songwriter auf ungewohntes Terrain begeben. Weg war sein ruhiger Folksound und gaben plötzlich Dancebeats den Ton an. Dabei kennen wir Ball durch seine Songs Call It Love, Right Place und Echo eher aus dem Folk-Bereich. Nun hat der Brite mit seinem neuen Song All Comes Back To You einem Gefühl Bilder verliehen und zeigt uns eindrucksvoll seine Momentaufnahme des ersten Lockdowns. Geschrieben in seiner Heimat Cornwall, hat der Song die Einsamkeit und Verlorenheit als Ursprung. Denn während sich im Lockdown Paare und Familien gegenseitig stützen können, hatte man es als Single äußerst schwer.

Nathan Ball
Nathan Ball

Die daraus resultierende Einsamkeit baute sich in Ball immer mehr zu einem verloren fühlen auf. Dabei ist All Comes Back To You eine reduzierte Ballade, die sich ganz auf die Gitarre und den Gesang Balls konzentriert. Hier kommt eine Stimmung auf, die sich von dem Wunsch eine Neupositionierung speist. Das Gefühl des verloren seins ist dabei allgegenwärtig und gibt uns ein Gefühl von Trauer, Abschiedsgedanken und rohen Gefühlsausbrücken. Und es zeugt von einem Sänger, der seine durcheinander geratenen Gefühle aufgrund der ganzen Geschehnisse um ihn herum nicht mehr einordnen kann. Im Stile des zweiten Ben Howard Albums I Forget Where We Were ist Nathan Balls neue Single noch reduzierter und spricht eine musikalisch ästhetische Sprache, die sich über die sanften Nuances in Balls Stimme zu transportieren wissen.

Sofi Tukker x Gorgon City - House Arrest

SOFI TUKKER & Gorgon City – Clubbing unter House Arrest

Es ist ein schiefer Vergleich – doch kommen die beiden New Yorker von SOFI TUKKER mit ihren Songs Best Friend und Mi Rumba auf bisher zwei Posts bei SOML, haben es satte acht Songs des britischen Duos Gorgon City auf SOML geschafft. Dabei eint beide Acts, die treibenden und nach vorne gehenden Dance- und Housebeats. Nun haben SOFI TUKKER zusammen mit Gorgon City einen Song veröffentlicht, dessen Zeitpunkt nicht besser hätte gewählt werden können. Dabei muss gesagt werden, dass ein solcher Zufall fast noch nicht einmal auszudenken ist. Denn heisst ihre neue Single House Arrest, wird sie zu einem Zeitpunkt veröffentlicht, an dem sich die ganze Welt durch die Pandemie tatsächlich im Hausarrest befindet. Dabei hat die Geschichte des Songs im Sommer 2019 begonnen und setzt sich damit auseinander, dass sich SOFI-TUKKER-Sängerin Sophie Hawley-Weld im Sommer 2019 bei einem Liveauftritt auf dem Groovin The Moo Festival das Bein gebrochen hatte. So musste das Duo die Australientour vorzeitig abbrechen und zurück nach New York fliegen, wo Hawley-Weld sich zur Heilung in einen Hausarrest begeben musste. Während Gorgon City und SOFI TUKKER über den Winter via Internet an dem Song arbeiteten, konnte noch keiner ahnen, was der Welt wenige Wochen später bevorstehen würde. Mit House Arrest haben SOFI TUKKER und Gorgon City einen dunklen Housetrack veröffentlicht, der sich an den eskapistischsten Clubnächten orientiert, die man haben kann. Mit tiefen Beats und einem hypnotisierenden Refrain Sophie Hawley-Welds haben SOFI TUKKER und Gorgon City einen satten Clubhit veröffentlicht und kommentieren den Song damit, dass, nur weil wir unter Hausarrest stehen, es nicht heißt, dass wir in unseren Gedanken nicht im Club sein können. Dazu passend gibt uns House Arrest eine klare Vorstellung dessen, wie wir uns im Club dazu bewegen würden und macht sich gleichermaßen auf, ein satter Ohrwurm zu werden. Nach den EPs Soft Animals (2016) und Dancing On The People (2019) haben SOFI TUKKER mit ihrem Debütalbum Treehouse (2018) einen ersten Einstieg in die Billboard Albumcharts geschafft. Ob House Arrest ein erster Vorbote eines neuen Albums sein wird, kann noch nicht gesagt werden. Allerdings würde er einen perfekten Opener geben.

Bonobo - Linked

Bonobo – Der Wille sich treiben zu lassen

Simon Green – alias Bonobo – ist ein wahres Genie der elektronischen Musik. Mit seinen treibenden Dancebeats, dem Mix aus Instrumenten und Synthesizern und dem stets wohl bedachten Einsatz von Stimmen hat es Bonobo vor allem mit seinem fünften (The North Borders) und sechsten Album (Migration) geschafft eine derartige Popularität zu erlangen, dass man ihn getrost als einen der einflussreichsten elektronischen Künstler aus Großbritannien bezeichnen kann. Dabei ist seine Musik oftmals weder groß gedacht, noch für die breite Masse produziert und erreicht genau damit gerade so viele Menschen. Nun hat der britische Produzent, der seit einigen Jahren in Los Angeles lebt mit der neuen Single Linked für eine wahre Begeisterungswelle gesorgt. Dabei orientiert sich Linked wieder stärker am Clubsound und ist ein euphorisierender Track, der sich anschickt, uns in andere Sphären zu transportieren. Mit hallenden Gesängen und einem verspielt, energiereichen Beat ist Linked der Bereiter des Sommers und zeigt sich so facettenreich, wie frisch. Noch ist nicht sicher, ob Linked als Teil einer weiteren Compilation erscheinen wird, oder gar Vorbote eines neuen Albums sein wird. Fest steht bisher nur, dass uns Bonobo dieses Jahr auf dem MELT Festival mit einem Auftritt umhauen wird – dieses findet vom 19. bis 21. Juli in Gräfenhainichen statt.

SOMA - Slow

SOMA – Funk Soul Sister

Was haben der Irak, Finnland und Schweden gemein? Die Sängerin SOMA! Denn ist sie im Irak geboren, zog ihre Familie mit ihr als kleines Mädchen nach Helsinki. Vor knapp sechs Jahren zog es sie schließlich nach Stockholm, wo sie seitdem an ihrer Musik arbeitet. Mit ihrer im Frühjahr veröffentlichten Single Don’t Believe Them begeisterte sie auf Anhieb durch einen funkigen Elektropop, der 80er Jahre Synthies mit modernen Dancebeats verknüpft und an Künstler, wie Kiesza und ihrem Hit Hideaway erinnert. Auf ihrem heute veröffentlichten Song Slow eröffnet sie uns, in einer Art musikalische Rückblende, den flirrend glitzernden 80er Jahre Moment auf der Tanzfläche einer Schulsporthalle zum Abschlussball zu stehen und die Lichtpunkte der Diskokugel an den Wänden zu verfolgen. Dabei springt Slow zwischen einem soulig, funkigen Sound und der vollen Kraft einer Powerballade hin und her und lässt SOMA so zu einem der heißesten Musikexporte Skandinaviens werde.