Of Monsters And Men - Visitor

Of Monsters And Men – Schneller, Größer, Weiter

Der Drang nach neuer Musik schien bei der isländischen Folk-Band Of Monsters And Men groß gewesen zu sein. Nachdem ihr drittes Album Fever Dream und die Single Wars gerade erst vor 13 Monaten veröffentlicht wurden, kamen die fünf in Reykjavík lebenden Musiker im August mit einer Coverversion des Post Malone-Songs Circles wieder auf die Bildfläche zurück. Nun haben Nanna Bryndís Hilmarsdóttir, Ragnar Þórhallsson, Brynjar Leifsson, Kristján Páll Kristjánsson und Arnar Rósenkranz Hilmarsson mit Visitor eine komplett neue Single veröffentlicht und damit den Startschuss für eine ganze Reihe neuer Songs und anderer Inhalte gegeben. Damit wollen Of Monsters And Men das zehnjährige Bandjubiläum feiern und kündigen für das Jahr 2021 noch weitaus mehr Musik an. Visitor ist damit die erste große Veröffentlichung, die ihren einst so reduzierten Folksound weiter in Richtung Stadionsound bringt und gleichzeitig nichts vom sympathischen Gerüst der Musik der Isländer verloren hat.

Of Monsters And Men

Of Monsters And Men

Darin geht es darum, sich von der Welt, wie sie jetzt ist, loszulösen und zu sehen, wie die alte Welt immer weiter verschwindet, sich dabei aber plötzlich als Besucher dieser neuen Welt wahrzunehmen. Geschrieben wurde der Song lange vor der Pandemie und doch passt der Song, als hätte die Band geahnt, was kommen würde. Haben sie das Musikvideo noch vor dem großen Ausbruch im Februar in Island aufgenommen, präsentiert die Band ihren Fans nun diesen so erschreckend passenden, wie großartigen Song. Mit großen Gesten, einem schnellen Schlagzeug und voluminösen Synthies ist Visitor ein Song für die ganz große Bühne. Nach ihrem Kritikerliebling Fever Dream, sowie dem Debütalbum My Head Is An Animal (2011) und dem zweiten Album Beneath The Skin (2015) – von dem die starken Singles Crystals, I Of The Storm und Wolves Without Teeth kamen – könnte sich 2021 damit anstelle eines neuen Albums ein erstes Best-Of-Album ankündigen. Mit Visitor holen uns Of Monsters And Men – auch wenn es kein neues Studioalbum geben sollte – zumindest akustisch mit einem frischen Sound ab und lassen uns im kommende Jahr auf spannendes, neues Material hoffen.

Jack Garratt - Better

Jack Garratt – Geläutertes Wunderkind

Er hatte einen kometenhaften Aufstieg hinter sich – mit seinem Trip Hop- und Indie-Sound hatte Jack Garratt von 2014 bis 2016 mit Songs, wie The Love You’re Given und Worry für einen absoluten Hype gesorgt. Dabei war sein Sound tanzbar, dennoch intim und hat gerade deshalb den Hype um den damals 23-jährigen Sänger so hochkochen lassen. In seiner Heimat mit Awards überschüttet, gewann er mit dem BBC Music Introducing Artist of the Year, BBC Sound Of 2016 sowie BRIT Award – Critics‘ Choice Award drei der wichtigsten Barometer für einen großen Durchbruch. Nach sieben ausgekoppelten Singles über zwei Jahre, veröffentlichte Garratt im Februar 2016 schließlich sein Debütalbum Phase und schaffte es bis auf Platz 3 der britischen Albumcharts. Doch nicht nur auf der britischen Insel war der Musiker äußerst beliebt – auch in den USA, Australien, Belgien, Italien, den Niederlanden, Neuseeland, Irland und der Schweiz stieg er mit seinem Album in die Charts ein. Auch in Deutschland schaffte es Garratt so bis auf Platz 28. Doch dann kam es zu einem Moment, in dem Garratt nicht mehr wusste, wie er weitermachen könne. Hatte er gerade die Arbeiten an seinem zweiten Album abgeschlossen, war er so unzufrieden mit dem Ergebnis, dass er das komplette Album löschte. Getrieben von der Aufmerksamkeit und den Erwartungen an ein neues Album wuchs Garratt alles über den Kopf und empfand seine Arbeit als seelen- und ideenlos. Mit genügend Abstand und einem freien Kopf setzte er sich die vergangenen vier Jahre an neue Songs und arbeitete sich durch einen Prozess, seine Angst – nur ein Produkt der öffentlichen Aufmerksamkeit zu sein – abzulegen, in dem er wieder zu sich selbst fand. Herausgekommen sind Songs über das Scheitern, der Neuentdeckung zu sich selbst und dem Drang, sich immer weiter optimieren und verbessern zu müssen. Hat Garratt mit Time – als Leadsingle – und Circles als aktuelle Auskopplung bereits zwei imposante Songs veröffentlicht, ist es die zweite Singleauskopplung Better die für all das steht, was der Brite in den vergangenen Jahren durchgemacht hat. Dabei ist gerade das Musikvideo als eine Art biografischer Schnipsel der vergangenen Jahre zu sehen und zeigt beeindruckend, wie zerrissen der Sänger gewesen sein musste. Zusätzlich sprudelt Better unglaublich vor Energie und ist ein Song, der auf der Tanzfläche zum Solo-Ausrasten anregt. Ganz bei uns selbst kommen wir dem Gefühl Garratts beim Hören von Better ziemlich nah und bekommen eine Emotion geliefert, die sich deutlich von dem ersten Album unterscheiden. Garratt hat etwas zu sagen und sprudelt auf seinen Songs förmlich raus damit. Wir hingegen können nur staunen und uns über die neue Kreativität auf seinem gerade veröffentlichten zweiten Album Love, Death & Dancing freuen.

The Best Of 2019 Vol. 15

The Best Of 2019 Vol.: 15

01. Jarami – Hold On (zum Artikel)

02. Offaiah – Soldier (zum Artikel)

03. Icarus feat. Rae Morris – Dreams Of You (zum Artikel)

04. T. Williams, James Jacob & Kelli-Leigh – The Remedy (zum Artikel)

05. Gengahr – Heavenly Maybe (zum Artikel)

06. Georgia – Started Out (zum Artikel)

07. Sparkling – I Want To See Everything (zum Artikel)

08. Harry Styles – Watermelon Sugar (zum Artikel)

09. R+ & Dido – My Boy (zum Artikel)

10. Lane 8 feat. Jens Kuross – Yard Two Stone (zum Artikel)

11. Jake Bugg – Kiss Like The Sun (zum Artikel)

12. Maggie Rogers – Love You For A Long Time (zum Artikel)

13. Shallou – Fading (zum Artikel)

14. The Weeknd – Blinding Lights (zum Artikel)

15. Låpsley – Ligne 3 (zum Artikel)

16. Route 94 feat. Eda Eren – Fever (zum Artikel)

17. SYML – Take Me Apart (zum Artikel)

18. Mighty Oaks – All Things Go (zum Artikel)

19. Michael Kiwanuka – Hero (zum Artikel)

20. Post Malone – Circles (zum Artikel)

21. Seafret – Fall (zum Artikel)
Post Malone - Circles

Post Malone – Auf dem Weg die Welt zu erobern

Er ist momentan einer der angesagtesten Musikacts, die die USA zu beiten haben. Der 24-Jährige Austin Richard Post, der unter seinem Künstlernamen Post Malone mit Stoney (2016) und Beerbongs & Bentleys (2018) bereits zwei äußerst erfolgreiche Alben veröffentlicht hat, ist ein wahrer Genrespringer. Ob mit Rap, R&B, Trap oder Pop – immer wieder klingt der, aus der 150.000 Einwohner großen Stadt Syracuse, im Nordosten der USA, kommende Sänger anders und völlig neu. Mit seinem dritten Album Hollywood’s Bleeding, mit dem er direkt nach erscheinen auf Platz 1 der globalen Albumcharts landete und binnen einer Woche 650.000 Einheiten verkaufte, hat er mittlerweile über 1,5 Millionen Platten verkauft und die Single Circles veröffentlicht. Diese ist eine satte Popnummer und überrascht mit einem verträumt, schwelgerischen Elektropop-Beat. Auf Circles geht es um die Trennung von seiner Freundin, bei der beide immer wieder zusammenfinden und nicht von einander lassen können. Mit sommerlich warmen Sound ist Circles ein – fast schon bittersüßer – Herzschmerzsong, der allerdings ein wenig zu catchy ist, um sich in der Trauer zu verlieren. Mit Sounds wie diesen lässt sich Post Malone nicht aufhalten und wird in den kommenden Monaten sicherlich auch bei uns in Deutschland ankommen.

MELT! 2016 – Alles neu in Ferropolis – Tag 3

MELT! Festival 2016

MELT! Festival 2016

Tag drei auf dem MELT! Festival war von einem abgerockten Körper geprägt. Hatten die beiden Auftritte von Deichkind und Two Door Cinema Club doch ihre Spuren hinterlassen. Doch wie es sich für einen MELT!-Sonntag gehört, war dieser Tag eh etwas entspannter und sollte sich eher langsam steigern, als sofort in die Vollen zu gehen.

Kolumbianischer Wahnsinn

Erst um 19:30 ging es mit Bomba Estéreo auf der MELT! Stage los. Und was einem da unverhofft geboten wurde, war der perfekte Einstieg in den Abend. Hatte doch das kolumbianische Trio mit seinem – wie sie selbst beschreiben – Electro Tropical eine pumpende Beatshow abgeliefert. Hier animierte jeder einzelne Song zum tanzen und machte Lust auf die fernen, wilden Partys. Denn genau das bedeutet Bomba Estéreo im lateinamerikanischen Raum – Stereo Bombe. Damit werden in Kolumbien Partys betitelt, die so abgefahren sind, dass sie fast schon zu heftig sind. Wer einmal Songs wie Fuego, Pure Love, Solo tú, El Alma y el Cuerpo oder Somos Dos gehört hat, wird sich in die Band verlieben. Mischen Bomba Estéreo doch elektronische Elemente mit lateinamerikanischen Beats und Klängen. Liliana Saumets singt dabei mit einem verzückend, kantigen Akzent ihre spanischen Songs und erinnert stimmlich an die französiche Sängerin Soko. Am Ende blieb ein Eindruck von einer unglaublich stampfenden und von fern gekommenen Band, die mit überbordernder Energie durch ihre Konzert ging.

Mainstream vs. Underdogs

So könnte man die beiden nächsten Künstler beschreiben. Während Chvrches auf der MELT! Stage auftraten, machten sich nur 15 Minuten später die beiden Frankfurter von Lea Porcelain auf, anzufangen. Graben sich Chvrches heute mehr und mehr in die Kerbe des Nervpops, klingt Laura Mayberry immer öfter nach einer gepitschten Mickey Mouse Stimme. Für Fans des ersten Albums The Bones of What You Believe wird es so immer schwieriger etwas Gutes an der Band zu finden. So zog man enttäuscht von der MELT! Stage los, in die Orangerie und sah das Duo von Lea Porcelain und wie es sich gerade auf den Auftritt vorbereitete. Nebel – mehr brauchte es nicht um eine Atmosphäre zu erzeugen, die mystisch, eng und bedrückend wirkte. Standen doch im Nebel nur Frontsänger Markus Nikolaus und Produzent Julien Bracht, kamen aus dem Publikum immer wieder Bemerkungen von einer jungen Dame, mal die Gitarre ein wenig auszusteuern, mal den Ton etwas runterzudrehen. Doch ihrem Auftreten nach zu urteilen handelte es sich eher um die Managerin der Band als eine Tontechnikerin. Mit Songs wie Snowstorm aber vor allem Out Is In zeigte die noch junge Band, dass solche Musik auch aus Deutschland kommen kann. Erinnert der Sound doch eher an Joy Devision und ist vor allem Out Is In verstörend massiv und dunkel. Und genau so war auch ihre Show. Vibrierten die Fenster der Orangerie doch bei jedem zupfen der Gitarrensaiten. Das Farbspiel und die perfekt ausgeleuchteten Scheinwerfer trugen nicht minder dazu bei, dass sich der Auftritt von Lea Porcelain zu einem ganz besonderen Moment des MELT! Festivals entwickelte. Definitiv eine Band, bei der man wachsam sein sollte.

Deutsche Elektropioniere

Rüber auf die Medusa Stage, setzen Digitalism ein Ausrufezeichen. Konnten sie doch von Anfang an, die überfüllte Bühne in Stimmung bringen und mit Songs wie Pogo, Zdarlight, Circles, Wolves oder 2 Hearts die Masse in Ekstase versetzen. Denn hier wurde ausgelassen gefeiert. Da standen die Fans auf den Betonstüzen der Medusa-Überdachung, trugen sich Huckepack oder hoben bunt, leuchtende Regenschirme in die Höhe. Mit jedem Songhöhepunkt setzte auch ein Aufschrei der Menge ein und so schaukelte sich die Stimmung von einem zum anderen Song in eine Höhe, die so ausgelassen war, dass man Zeit, und die Absicht andere Bands zu sehen, völlig aus dem Auge verlor.

Englische Elektropioniere

Bevor es zum Endspurt des MELT! Festivals 2016 ging folgte tatsächlich noch eine Enttäuschung. Sollten doch die Briten von Circa Waves in der Orangerie um 23 Uhr auftreten, standen die Fans bis 23:25 Uhr vor verschlossenen Eingangstüren der Orangerie. Da um 23:30 Uhr allerdings als Abschluss die Brüder von Disclosure auf der MELT! Stage auftraten, musste man unverrichteter Dinge die Orangerie hinter sich lassen, wollte man Disclosure sehen. Und so ging es dann auch zu Disclosure in die erste Reihe mit ganz viel Farbe und Bewegung. Hatten Howard und Guy Lawrence doch zwei DJ-Inseln aufgebaut und standen sich stets gegenüber. Diese Position der Turn-Tables schien ihnen ein Gefühl des Wettkampfes zu geben. Battelten sie sich doch zwischendurch immer wieder. Hier wurde schnell klar, dass die Gebrüder Lawrence ganz genau wusste, wie sie das Publikum begeistern können. Da wurde mit White Noise ein wahres Hit-Feuerwerk eingeleitet, bei dem Songs wie Omen, You & Me, Bang That und Holding On zu einem wahren Clubgiggefühl avancierten. Als When A Fire Starts To Burn einsetzte, bekam man dann auch gezeigt, wie sich die beiden, als Spaß, gegenseitig die Textzeilen zuriefen. Zum Abschluss folgte mit Latch der Schlüsselsong bzw. größte Hit ihrer bisherigen Karriere. Das hier auf allen Rängen getanzt wurde, ist selbstredend. Und so vergingen anderthalb Stunden wie im Fluge und ließen keine Wünsche offen. Wurde doch auch für die Augen viel geboten. So war die Bühne während des gesamten Auftrittes bunt illuminiert und hielt immer wieder neue Farb- und Leuchtelemente parat. Disclousre legten hier einen wirklich perfekten Auftritt hin. Da war dann auch schnell wieder die Enttäuschung der Orangerie vergessen.

… Baby One More Time!

So näherte sich das MELT! Festival 2016 dem Ende und hatte nur noch, bis kurz nach zwei auf der Desperados Play It Loud! Area, 90er Jahre Musik zu bieten. Da vier der Bühnen zu diesem Zeitpunkt bereits geschlossen waren, stürmten die MELT! Besucher zu dem Stand um noch einen Moment der Party zu erhaschen und die Nacht zu verlängern. Doch als dann Securities gegen zehn nach zwei Uhr vorbeikamen, musste die Musik gänzlich ausgeschaltet werden. So hatte sich das MELT! Festival 2016 generalüberholt und wartete mit ganz vielen Neuerungen auf die Fans. Vom wirklich gelungenen Forest über die Block-Party bis hin zu den komplett neuen Bühnen war das Festivalfeeling 2016 noch entspannter als es eh schon war.

MELT! Festival 2016

MELT! Festival 2016

Wenn im nächsten Jahr der 20. Geburtstag des MELT! Festivals ansteht, darf man allerdings eine deutlich höhere Dichte an großen und bekannten Bands erwarten. So ist nach dem MELT! vor dem MELT! und alles wird auf null gestellt.