SOMA - Slow

SOMA – Funk Soul Sister

Was haben der Irak, Finnland und Schweden gemein? Die Sängerin SOMA! Denn ist sie im Irak geboren, zog ihre Familie mit ihr als kleines Mädchen nach Helsinki. Vor knapp sechs Jahren zog es sie schließlich nach Stockholm, wo sie seitdem an ihrer Musik arbeitet. Mit ihrer im Frühjahr veröffentlichten Single Don’t Believe Them begeisterte sie auf Anhieb durch einen funkigen Elektropop, der 80er Jahre Synthies mit modernen Dancebeats verknüpft und an Künstler, wie Kiesza und ihrem Hit Hideaway erinnert. Auf ihrem heute veröffentlichten Song Slow eröffnet sie uns, in einer Art musikalische Rückblende, den flirrend glitzernden 80er Jahre Moment auf der Tanzfläche einer Schulsporthalle zum Abschlussball zu stehen und die Lichtpunkte der Diskokugel an den Wänden zu verfolgen. Dabei springt Slow zwischen einem soulig, funkigen Sound und der vollen Kraft einer Powerballade hin und her und lässt SOMA so zu einem der heißesten Musikexporte Skandinaviens werde.

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Dope Lemon - Hey You

Dope Lemon – Angus Stone auf Abwegen

Es schwingt immer mit – die Angst, Angus & Julia Stone würden keine Musik mehr zusammen machen. Hatten sie von 2010 bis 2014 davon gesprochen, nicht mehr zusammen musizieren zu wollen, folgte bei beiden mit Broken Brights (2012, Angus Stone) und By The Horns (2012, Julia Stone) ein Soloalbum. War 2014 die Welt, nach der Veröffentlichung von dem selbstbetitelten Album Angus & Julia Stone wieder in Ordnung, kam 2017 mit Snow das vierte Studioalbum raus. Nun hat Angus Stone jedoch sein Nebenprojekt Dope Lemon reaktiviert und streut damit abermals Angst bei den Angus & Julia Stone Fans. Dass dies völlig unbegründet ist, zeigt der Musikstil der neuen Dope Lemon Single Hey You. Diese ist nämlich, wie auch schon bei Angus & Julia Stone zu 100 Prozent im Folk beheimatet und besticht durch eine verträumte Folkrock-Nummer aus Bass, Gitarre und der Weite des Australischen Outbacks. Solche Musik könnte man keinem anderen besser abnehmen, als Angus Stone. Dabei singt er lässig zu den fließenden Beats und zeigt mit dem dazugehörigen Musikvideo, wer die Smooth Big Cat seines neuen Dope Lemon Albums sein soll. So ist die neue Veröffentlichung außerhalb des Angus & Julia Stone Universums nur ein Ableger des entspannten Sounds der Geschwister und veröffentlicht Dope Lemon mit Smooth Big Cats am 12. Juli sein zweites Album.

Christian Löffler - Like Water

Christian Löffler – Das elektronische Blätterrauschen

Christian Löffler ist seit seinem Debütalbum A Forest (2012) eine feste Nummer im deutschen Housebereich. Seine Kunst, elektronische Housebeats unter anderem mit fragilen Gesangparts zu versehen, zeichnet die präzise Arbeitsweise des in Rostock lebenden Produzenten aus und stellt eine Landkarte der Erinnerungen dar. Mit seinem nun veröffentlichten, dritten Album Graal (Prologue) und den tiefen Beats, lässt uns Löffler an einem Ort zurück, der von Wind, Wärme, Erinnerung und Kraft geprägt ist. Dabei ist vor allem die Single Like Water mit der Sängerin Mohna äußerst stark geworden und singt die Sängerin hier verspielt und verträumt die Textzeilen Let’s say the tide is right to change your mind and to go out there. Save that good advice. Then take your time and fade in there. Be a body, be like water, Be a wave, be like water, be aware. Mit einem gut gebuchten Veranstaltungsplan und den kommenden USA-Gigs, kann man hoffen, dass Deutschland nicht mehr all zu lange auf sich warten lässt. Bis dahin schmelzen wir zu Like Water hin und genießen den Song.

SCHWARZ - Beneath The Skin

SCHWARZ – Das lange Warten hat ein Ende

Nun ist es endlich soweit – mit der Veröffentlichung der neuen Single Beneath The Skin kündigt Roland Meyer de Voltaire – alias SCHWARZ – endlich sein Debütalbum White Room für den 24. Mai 2019 an. Nach den Veröffentlichungen HomeIn Your Eyes und der grandiosen Zusammenarbeit mit Schiller auf Avalanche, klingt Beneath The Skin schon fast wie ein anderer Künstler. Bleibt SCHWARZ seinem elektronischen Sound treu, kommen aber vor allem Beats aus dem Hip-Hop und Urban hinzu. Darüber singt SCHWARZ mit einer zarten und hohen Stimme einen fast schon hypnotisierenden Text. Alles zusammen ergibt eine frische Weiterentwicklung des Sounds und lässt nun einen neuen Blick auf das kommende Debüt werfen. SCHWARZ ist dabei aufregend, abwechslungsreich und immer für einen Twist zu haben und wir dürfen gespannt sein, was uns am 24. Mai blühen wird.

Parov Stelar - Gringo

Parov Stelar – Mehr Beat, mehr Trompeten

Parov Stelar hat sich über die letzten 20 Jahren ein Denkmal gesetzt. Denn mit einem Mix aus elektronischen Beats, Trompeten, Balkansound und 20er Jahre Swing hat der Österreicher es geschafft ein komplett neues Genre zu kreieren. Man kann fast sagen, Stelar ist der Vater des Elektroswings. Mit unzähligen Alben und Songs wie All Night kann der 45-Jährige Produzent auf eine riesige Diskografie schauen und wird dennoch nicht müde, neues Material zu veröffentlichen. Denn gerade in den letzten Jahren ist sein Sound zunehmend populärer geworden und Stelar daher ein gefragter Act auf Festivals. Nun hat Stelar mit Gringo einen fast schon untypischen Song veröffentlicht, der seinen gewohnten Sound erst zur Mitte hin erkennen lässt. Mit derben Beats und einem Kinderchor beginnt Gringo fast schon wie ein elektronischer Hip-Hop-Track aus den USA. Doch wenn schließlich die Trompeten und das Klavier einsetzen ist klar, das ist Stelar. Die schnellen Trompeten prägen einmal mehr den Balkanbeat des Künstlers und lassen ein nahendes, neues Album erwarten, welches lose für den Sommer angekündigt ist. Gringo ist abermals ein satter Partyhit, der in Clubs genauso gut funktioniert, wie in Kneipen, Homepartys oder Open-Airs. Und dafür liebt die ganze Welt den Österreicher Stelar.

Madonna feat. Maluma - Medellín

Madonna – Is Back!

Vier Jahre zwischen zwei Madonna Alben war bisher die größte Spanne, die es in der Diskografie der US-Amerikanerin gab. Diese waren zwischen Bedtime Stories (1994) und Ray Of Light (1998), sowie zwischen Hard Candy (2008) und MDNA (2012). Im Falle des ersten Beispiels lieferte Madonna mit Ray Of Light einen Meilenstein ihrer Karriere ab. Bei ihrem letzten 4-Jahres-Break setzte die Sängerin nicht all zu sehr auf Veränderungen und lieferte einmal mehr ein, durch Rap und von Hip-Hop Beats beeinflusstes, Nachfolgealbum ab. So steht es aktuell 50/50, dass die – mittlerweile in Lissabon lebende – Sängerin – ein innovatives, neues Album veröffentlichen wird. Nun hat Madonna mit Medellín ihre erste Single aus ihrem kommenden, 14. Studioalbum Madame X veröffentlicht und sich gleich für die erste Single den kolumbianischen Shootingstar Maluma geangelt. Dieser hat es 2018 mit seinem dritten Studioalbum F.A.M.E. und einem Sprachenmix aus Spanisch und Englisch, sowie einem Soundmix aus Reggaeton und Latin Pop geschafft, in zehn Ländern in die Charts zu kommen – darunter Deutschland, Frankreich und den USA. Auf der Single Medellín vereint Madonna daher Latin Pop, Hip-Hop-Beats und Reggaeton und mischt diese Genres mit dem übergroßen Wurzeln ihrer Karriere – dem Pop. Dabei erinnert Medellín vom Takt an Michael Jacksons They Don’t Care About Us hat dabei aber den Autotune des American Life Albums und eine Leichtigkeit eines entspannten Sommersongs. So abwechslungsreich, wie Medellín ist dann auch ihr neues Album Madame X angelegt. Hier schlüpft Madonna in die verschiedensten Charaktere und widmet diesen jeweils einen Song. Somit wird das Album allein schon vom Storyboard aus interessant und verspricht eine Vielschichtigkeit, die zuletzt auf den Alben der Queen of Pop eher selten zu finden waren. Wir dürfen gespannt sein, was uns erwarten und freuen uns, dass Madonna zurück ist.

Ruti - Racing Cars

Ruti – Eine große Stimme ist geboren

Ruti Olajugbagbe – kurz Ruti – hat im vergangenen Jahr bei der britischen Version von The Voice alle überzeugt und ging am Ende als Gewinnerin raus. Mit der im Anschluss an die Sendung veröffentlichten Single Dreams – die eine Coverversion des The Cranberries Songs war – schaffte sie es bis auf Platz 14 der britischen Singlecharts. Nun, ein Jahr später, hat Ruti mit Racing Cars ihre erste EP veröffentlicht, die den gleichnamigen Song als Singleauskopplung hat. Dabei überzeugt sie mit einem vielschichtigen Sound, der zum großen Teil von Rutis Stimme lebt, allerdings auch mit einprägsamen Elektrobeats immer wieder für Clubatmosphäre sorgt. Dabei erinnert die Stimme der 19-Jährigen stark an die Frontsängerin von London Grammar – Hannah Reid – und hat selbst in den hohen Tönen die selbe dunkle Färbung. Zusätzlich klingt Racing Cars reduziert ehe der Beat immer wieder durchbricht und dem ganzen Song eine Art Herzschlag verleiht. Ruti ist – trotz des Fluches – das britische The Voice Gewinner keine Hits landen können – auf dem besten Weg in die Top-10 mit ihrer EP und hat für dieses Jahr bestimmt noch das ein oder andere heiße Eisen im Feuer.

Møme – In kleinen Schritten zu grandiosen Beats

Bereits mit den Songs Alive (2016) und When We Ride (2018) bewies der französische Produzent Møme, dass er die ganz großen Beats wie ein Leichtes aus den Ärmeln zaubert. So setzt Jérémy Souillart – der hinter Møme steckt – abermals auf die Unterstützung einer markanten Stimme und hat sie auf Sail Away beim kalifornischen Sänger Ricky Ducati gefunden. Dabei präsentiert sich der Tropical-House Song in einem tosend, stampfenden Sound, der sich thematisch um die dunkle Seite des Alltags dreht. Dabei steht der treibende Sound bewusst im Zwiespalt zu dem Text, der sich um das unterdrücken von Problemen kümmert, welche Møme in unserer heutigen Zeit als eine der größten Herausforderungen empfindet. Sind wir doch so aufgewachsen, dass wir uns nur an den positiven Erlebnissen festhalten und Negativen oftmals keinen Platz geben. Mit dieser Herangehensweise zeigt dann auch das Musikvideo zu Sail Away ganz bewusst, diese Kontraste. Ist Sail Away als Teil der im Dezember veröffentlichten EP Møment II erschienen, fügt Møme seiner Diskografie damit ein weiteres Puzzlestück hinzu, welches ein immer größeres Bild des, aus Nizza kommenden, Produzenten zeichnet.

NEØV – Konzertkritik

Im Herbst letzten Jahres hatte es mir die Single Elysion der finnischen Band NEØV besonders angetan. Der Mix aus Alternative, Indie und Dreampop übte dabei die Faszination dieser Band aus. Dass auf ihrem neuesten Album Volant dabei einige Songs an The XX erinnern, ist zwar eine schöne Seitenerwähnung, wird der Band aber nur zu einem geringen Teil gerecht. Denn NEØV haben in den letzten Jahren so einiges auf die Beine gestellt. Neben ihrem Musik-Festival Gramofon Fest haben sie mittlerweile drei Alben veröffentlicht und vor allem mit Volant eine ganz große Platte eingespielt. Kam diese am 1. Februar dieses Jahres raus, galt es nun, die Songs auch live vorzustellen. Und so machten sie am vergangenen Montag im Berliner Monarch Club halt und gaben ein Konzert, welches mit den Reizen spielte.

Introvertiert und doch so stark

Als Vorband gab es mit Sea Change gleich eine angenehm positive Überraschung. Hatte die Norwegerin Ellen A. W. Sunde doch mit ihrer Loop-Station und der Unterstützung am Pad-Controller eine kleine Klangwelt kreiert, die voller Bass, mystischen Soundwolken und Sundes fragil und verträumt klingender Stimme zu einer vollkommenen Mischung verschmolz. Mit, zum Teil, harten Beats und verspielten Elementen kratzte Sundes immer wieder an der Schwere ihrer Songs und brach sie hier und da schließlich auf. Damit hat die, mittlerweile in Berlin lebende Künstlerin, eine wunderschöne Art gefunden, ihre Musik zu präsentieren und begeisterte das Publikum gleichermaßen.

Sea Change @ Monarch Berlin
http://www.soundtrack-of-my-life.com

Von The XX bis Timbaland

Nach kurzer Umbaupause traten schließlich NEØV auf die kleine Bühne am Ende der Tanzfläche im Monarchen und startete direkt mit einem der stärksten Songs des neuen Albums in den Abend. Lost In Time macht dabei die Anfangs vorherrschende Ruhe so stark und baut sich über die 4:16 Minuten zu einer großartigen Indiehymne auf, die mit den, eingangs angesprochenen, The XX Elementen über die Gitarre spielt. Gleichzeitig bekam man den Eindruck, dass durch ein simples Yeah – welches so eingesungen wurde, dass man meinen könnte Timbaland persönlich hatte seine Produzentenhände an diesen Song gelegt – die Musik von NEØV einem großartig, internationalen Sound angelehnt ist.

Auch wenig Worte zählen

Von der Vorabsingle Elysion ging es im anschließenden Brothers um eine Beziehung zwischen zwei Brüdern, die sich zwischen dem nahestehen und auseinanderleben immer wieder aufs Neue kennenlernen und reiben – so Frontsänger Anssi Neuvonen. Hier sollte sich der erste Eindruck – dass die Jungs all ihre Stärken in der Präsentation ihrer Songs stecken, anstatt viel mit dem Publikum zu interagieren, dabei allerdings nie ihre wachen Augen von Diesem lassen – immer weiter festigen.

Musikalischen Zyklus durchbrechen

Mit dem anschließenden Dominique I fügten die Jungs dem Konzert dann auch Songs des zweiten Albums Dominique hinzu. Diese gingen von Laketown – bei dem Neuvonen simple konstatierte, dass der Song deshalb existiere, weil die Jungs aus einer Stadt kommen, welche an einem See liegt – über The Rain People bis hin zu dem Zugabesong Woolen Pumpkin Shirt. So lockerten sie sich vom Sound immer wieder auf und spielten zwischen den Volant Songs The Golden FrontThe Half HorizonBirds Are Late und Person I Used To Be auch immer wieder deutlich rauere und gitarrenlastigere Songs.

Zwischen U-Bahn und Blaulicht

Mit einer angenehm vertrauten Selbstsicherheit bewegte sich die Band ohne viel Aufregung durch eine Songpalette, die für deutlich größere Bühnen, als die des Monarchen geschrieben scheint. Doch in einem so urbanen Raum zu spielen, bei dem draußen die U-Bahnen über die Hochtrassen rattern, unten der Kiez immer wieder mit vorbeirasenden Blaulichtern auf sich aufmerksam macht und einem erfrischend durchmischten Publikum – welches sich fast schon hypnotisiert zu den Songs bewegt -b ist für diese Band kaum passender gewählt. Nun dürfen aber so langsam ruhig auch die größeren Bühnen  kommen, denn auf Dauer ist der Sound von NEØV nicht auf kleinen Bühnen zu bändigen.

Native – Wenn die ersten Sekunden zählen

Man hört die ersten Sekunden eines Songs und FLASHBACK, jagen einem Erinnerungen durch den Kopf. Mit der Single The Night Is Still Young des jungen Musikers Native, bekommt man den in der Form, dass die ersten zehn Sekunden so stark an Coldplays Anfang von The Scientist erinnern, dass man die Stimme von Native genauso einfühlsam empfindet, wie es Coldplay-Frontsänger Chris Martins Stimme ist. Eine Interpretation des neuen Songs lässt sich hierbei als einzige Information über den Sänger verwenden – findet man doch weder seinen richtigen Namen, noch, aus welchem Land er kommt und ist die Googlebarkeit bei einem Künstlernamen wie Native doch schon äußerst schwierig. Dafür ist die Single The Night Is Still Young eine umso stärkere Nummer, die von omnipräsenten Beats und clever eingesetzten Soundteilen, sowie Natives weiche Stimme geziert wird. Hierbei tritt Native so gefühlvoll, wie erzählerisch auf und lässt uns an der Situation teilhaben, als Feigling, Hals über Kopf in eine Person verliebt zu sein, es aber nicht anzusprechen. The Night Is Still Young ist eine wunderschöne Popballade, die Heimeligkeit ausdrückt und  wunderbar entspannt rüberkommt.