Roberto Surace - Joys

Roberto Surace – Genießt es!

Es ist wieder diese Zeit des Jahres, an der die großen Ibiza-Hymnen ihren Weg aus den Clubs der Sonnen- und Partyinsel in die Clubs nach ganz Europa schaffen. Dies liegt zum einen daran, dass die ganzen Touristen diese Songs mit aus ihrem Urlaub nach Hause nehmen und die Nachfrage daher steigt. Zum anderen aber auch, weil sich Plattenfirmen die besten Tracks greifen und die Künstler für Veröffentlichungen unter Vertrag nehmen. So ist es auch im Falle des italienischen DJs und Produzenten Roberto Surace gewesen, der mit seinem Song Joys zum diesjährigen Sommerhit auf Ibiza geworden ist und von Defected Records unter Vertrag genommen wurde. Mit Rotationen bei den angesagten DJs, wie dem Urgestein Ibizas Marco Carola oder Joey Daniel wurde Joys bin in kürzester Zeit zum absoluten Überhit der Houseszene der Partyinsel. Dabei funktionieren vor allem die vielfachen Drops und das Sample des 1986er Songs The Finest der The S.O.S. Band so wunderbar und machen den Song gerade catchy genug, im auch im Mainstream anzukommen aber dennoch weiterhin ein absoluter Banger im Club zu bleiben. Surace selbst hat, seitdem er 17 Jahre als ist – und damit seit 2008 – kontinuierlich darauf hingearbeitet und sich über die Jahre ein wunderbares Gespür für Beats und Melodien angeeignet. Und so ist Joys verspielt und tanzbar zugleich und bleibt mit seiner Bassline immer auch so stark, dass man ihn im Club einfach nur genießen kann. Dabei ist der Songtitel durchaus amüsant zu Stande gekommen, singen The S.O.S. doch im Refrain If I had to choose und hört sich dies – ohne den Songtext genau anzuhören – wie If I had a joys was damit wiederum auf die Namensgebung des Songs hinweist.

Leftwing:Kody – Wenn jetzt Sommer wär‘

…dann würden wir alle zu diesem Track tanzen. Es ist der perfekte Sommer Open-Air Song, der mit einer satten 90er Jahre Stimmung und hypnotisierend, prägnanten Vocals auftrumpft. Dabei sind Leftwing & Kody zwei DJs, die sich 2012 zusammentaten, nachdem sie bereits seit Ende der 90er Jahre separat Musik produzierten. Mit ihren ersten Songs hatten sie eingeschlagen, wie eine Bombe und bekamen sowohl vom Publikum, als auch von anderen, großen DJs positives Feedback. Mit I Feel It haben sie nun einen Track veröffentlicht, der die Tanzfläche zum rasen und dabei die Energie der beiden DJs zum kochen bringt. Mit einer grandiosen Bassline und den Ohrwurmlyrics ist I Feel It eine der angesagtesten Housetracks aktuell und wird uns sicherlich auch noch den Herbst über begleiten.

Joel Corry - Sorry

Joel Corry – Vom Reality-Star zum britischen Sommersong

Während der Sommer 2019 allmählich seine finalen Runden dreht, stellt sich bei uns schon alles auf Herbst ein. Es wird früher dunkel, die Blätter fallen von den Bäumen und die Songs werden ruhiger. Nicht so bei den Briten, denn die haben zwar ein ähnliches Schicksal, was den Sommer angeht, doch haben sie seit Juli einen ganz eigenen Sommerhit. Den liefert Joel Corry, der Sorry bereits Anfang April veröffentlicht hatte, doch erst im Juli dieses Jahres so richtig zündete. Mit energievollem Tropical House und einer hervorragenden Bassline lässt uns Sorry an die vergangenen Monate zurückdenken – bis uns die warme abendliche Sommerluft wieder um die Nase weht. Corry wiederum, hatte die letzten Monate alles andere, als genug Zeit, um den Sommer zu genießen, denn für ihn geht es gerade steil bergauf. Hatte er 2012 in der zweiten und dritten Staffel des britischen Reality-Formates Geordie Shore mitgewirkt, nutzte er die dadurch gewonnene Popularität, um sich der Musik zu widmen und Songs zu veröffentlichen. Seitdem sind zwölf Songs herausgekommen, denen allerdings allesamt eine Platzierung in den Charts verwehrt geblieben ist. Nun hat Corry mit Sorry endlich den verdienten Erfolg und wurde der Song im Sommer für die TV-Kampagne des britischen Reality-Formates Love Island ausgewählt. Dies gab dem 30-jährigen Briten einen enormen Schub und so schaffte es Sorry bisher bis auf Platz 6 der britischen Singlecharts. Mit Sorry kann der Sommer ruhig noch etwas in die Verlängerung gehen und uns zu warmen Sonnenstrahlen die letzten lauen Nächte genießen lassen.

Reyko - Lose Myself

Reyko – Wenn hauchend, dann vibrierend!

Mit ihrer Debütsingle Spinning Over You (2017) und der EP Midnight Sunshine (2018) hat in London lebende Duo Reyko in den vergangenen 24 Monaten ein paar verheißungsvolle Songs veröffentlicht. Das die Sängerin Soleil und der Produzent Igor – übrigens beide aus Spanien kommend – zusammengekommen sind, ist dem Auftritt eines gemeinsamen Freundes zu verdanken. Denn während der Freund auftrat, kamen die beiden ins Gespräch und formten die Grundlage der heutigen Band. Zum damaligen Zeitpunkt studierte Igor noch Musikproduktion an der University of West London und Soleil arbeitete als Osteopathin. Dass sich daraus so spannende Musik, wie auf ihrer neuen Single Lose Myself entwickelt, hatte wohl keine gedacht. Mit diesem, nun veröffentlichten, Song kommen die verschiedenen Ansätze und Einflüsse der beiden hervor und werden durch die sanft hauchende Stimme Soleils und den massiven Basslines Igors kaum greifbar. So fungiert Lose Myself als Dreampop, Housetrack und zeigt in seiner Struktur typische Anleihen von Popmusik. Spannend, knisternd, brechend – Reyko springen zwischen den Genres und lassen auf mehr hoffen.

Meduza feat. Goodboy – Italien kann es noch!

Meduza steht vor einer schwierigen Aufgabe. Ende der 90er Jahre waren Acts wie Ann Lee, Eiffel 65 und Gigi D’Agostino das Maß aller Dinge und belegten die Spitzenpositionen der Charts weltweit. In den 2000ern und 2010ern war dies weitaus schwieriger für die Südeuropäer. Hatten doch die Briten und Schweden zunehmend Einfluss auf die Charts genommen. So gab es Mitte der 2010er einen rasanten Anstieg an EDM-Acts von den britischen Inseln. Nun wollen wieder ein paar Italiener das Zepter in die Hand nehmen und haben mit dem Song Piece Of Your Heart gleich einen wahren Überhit abgeliefert. Dabei ist der Song gerade einmal die Debütsingle des italienischen Trios Meduza, welche seit ungefähr einem halben Jahr durch die Clubs weltweit geistert. Doch seit schließlich Star-DJ Tiësto den Song in seiner Radio-Show Tiësto’s Club Life spielte, schafft es der Song immer mehr Menschen zu erreichen und wird zunehmend auch im Radio gespielt. Dabei folgt Piece Of Your Heart einem klassischen Schema und bildet durch eine klare Bassline, eine tiefe Gesangsstimme von Goodboys und dem dunklen Housebeat einen satten Clubhit, der die Partys rund um den Globus anheizen wird. Als Debütsingle gleich so einen starken Song zu veröffentlichen, lässt die Zukunft des Trios geradezu hervorragend aussehen! Doch bis es dazu kommt, tanzen wir auch an einem Sonntag zu Piece Of Your Heart!

Felix Räuber – Konzertkritik (ACUD Berlin)

Wenn ein Mensch einem Anderen die Worte zuwirft Schön, dass du die Zeit findest, deine Aufmerksamkeit meiner Musik zu schenken. Ich würde dir gerne ein paar Worte dazu erzählen. Dann möchte er wirklich etwas teilen. Dass dieser Mensch, der an diesem Abend auf der Bühne steht, eine ganze Menge zu teilen und mitzuteilen hat, liegt an seiner Vergangenheit und wie er seine Gegenwart und Zukunft gestaltet.

Es ist Mittwoch, der 23. Mai 2018 und im Berliner ACUD läuft Felix Räuber mit Wunderkerzen in der einen und einem Kassettenrekorder in der anderen Hand, durch das Publikum zur Bühne. Es ist der Beginn seiner Geschichte. Nach dem herausragenden Erfolg mit der Band Polarkreis 18, kam es 2012 zum Bruch. Was folgte, waren diverse Projekte in Chören oder dem Pop-Duo Zwei von Millionen. Hiebei nagte bei Räuber die Unzufriedenheit immer deutlicher und die Frage kam auf, ob er als Künstler überhaupt noch arbeiten könne.

Mit seiner, am heutigen Freitag erscheinenden EP Wall beweist Räuber eindrucksvoll, wie relevant er noch ist. Denn ähnlich wie das gleichnamige Polarkreis-18-Album aus 2007, ist die EP voller Vielfalt, Mut und Experimentierfreudigkeit. Über 14 Songs und 75 Minuten nahm Räuber das Publikum in diesem intimen Umfeld mit in eine Welt, die sich nicht im Hier abzuspielen schien. Über drei Interludes präsentierte der, mittlerweile in Berlin lebende, Sänger Songs, die selbst auf der Wall EP noch nicht zu finden sind. Zwischen massiven Basslines, Pianostücken, Falsettstimme und Rock, bot Räuber eine Palette, die den verschiedensten Emotionen des Menschen ähneln. Dabei gelang Räuber der Spagat zwischen penibler Perfektion und charmanten Verlieren-im-Sound. Nicht von ungefähr kommt die Perfektion, die er bereits zu Zeiten der Band Polarkreis 18 besaß.

Es sollte alles stimmen, zu wichtig war es Räuber seine Songs so zu präsentieren, wie er sie einst im Kopf hatte. So war er an diesem Abend nicht nur als Sänger und am Keyboard aktiv, sondern gleichzeitig auch immer wieder Dirigent. Als charmanten Höhepunkt, kam es bei er Performance von Wall zu einem Abbruch und Neustart des Liedes, sowie einem zweiten Abbruch und der Wiederaufnahme. Sinngemäß kommentierend, dass es Hits geben soll, bei denen immer etwas schief geht, arbeitete sich Räuber dabei so professionell durch, dass am Ende genau dieser Moment die Einzigartigkeit der intimen Record-Release Show ausmachte.

Kam es erst wenige Tage vor dem Konzert zu der Entscheidung, die beiden Orchesterspieler mit auf die Bühne zu nehmen, zahlte sich die musikalische Vielfalt vollends aus. Schließlich begleiteten sie fast jedes Lied an diesem Abend. Dass sich Räuber hier – im allerbesten Sinne – immer wieder in seiner Musik verlor, sprach nur für die Vielschichtigkeit und übertrug sich auf das Publikum. Dabei wankten Menschen, mit geschlossenen Augen wohlwollend zum Sound und ließen ihre ganz eigenen Erinnerungen Teil des Songs werden.

Mit dem herausragenden Wall-Remix vom deutschen Musiker Geistha, der bisher leider nirgendwo zu finden ist und dem Après Minuit hat sich Räuber mit letzterem Song sogar einen kleinen Die-Fabelhafte-Welt-Der-Amelie-Moment gezaubert. Denn hier hatte er sich für den Auftritt, den ebenfalls aus Berlin kommenden Musiker und Produzenten Schlindwein mit ins Boot geholt. Ebenso dabei war zum Schluß des Konzertes eine Coverversionen des Scott Mathew Songs Effigy, den Räuber völlig auslebte. Dabei griff er sich schließlich das  Kassettenradio und lief mit der Textpassage Find my way home abermals durch das Publikum, um den Raum schließlich zu verlassen.

Mit Wall beginne ich nun eine Reise, die noch viele spontane Momente hervorbringen wird, darauf kann ich endlich wieder vertrauen. Ich freue mich, dir auf diesem Weg zu begegnen erwidert Räuber schließlich am Ende seines EP-Booklettextes. man merkt in jedem Moment, dass Räuber hierbei unglaublich viel Herz und Energie hineingesteckt hat.

Zuletzt auf einem Konzert von Polarkreis 18 im Jahr März 2009 live gesehen, ist Räuber nicht nur erwachsener geworden, sondern präsentiert sich auch angekommen und selbstsicher. Und so endet der Abend schließlich darin, dass man – förmlich überrumpelt von der Frage was man sich in die gerade erworbene EP notieren lassen möchte – keine Antwort parat hat und somit ein schlichtes aber charmantes Liebe Grüße von Felix Räuber zu lesen bekommt. Räuber ist damit mit seiner Wall EP zurück und stärker denn je.

Yaeji – Das Raingurl verdreht uns den Kopf

Ihre Musik kriecht seit knapp zwei Jahren unter der Oberfläche entlang und kommt hier und da kurzzeitig zum Vorschein. Nun hat die New Yorker Musikerin Kathy Yaeji Lee – kurz Yaeji – allerdings mit ihrem Song Raingurl einen kleinen Hype ausgelöst. Die Mischung aus Elektro- und Hip-Hop-Beats und einer hypnotisierenden Bassline lassen uns völlig verrückt werden und Raingurl zum Überhit werden. Als DJ und Produzentin ist Yaeji ebenso aktiv wie als Rapperin und im New Yorker Nightlifes als Initiatorin der Eventreihe Curry In No Hurry, das ursprünglich aus einem Dinnerabend unter Freunden entstanden ist, längst bekannt. So lädt Yaeji wöchentlich zu ihrer Partyreihe ein und legt dabei natürlich auch selbst auf. Mit ihrem Mix aus englischer und koreanischer Sprache bleiben ihre Songs zusätzlich spannend. Yaeji klingt damit so frisch wie frech und bleibt dabei gelassen und vor allem cool. So können wir auf der, Anfang November veröffentlichten, EP2 auf Entdeckungsreise gehen und den spannenden Sound der Kathy Yaeji Lee erleben.

Mallrat – Das Spiel mit der Coolness

Mallrat – Uninvited

Mit 17 Jahren und – ja, blondem Haar – singt sich die australische Mallrat, die bürgerlich als Grace Shaw bekannt ist, in die Herzen derjenigen, die sie eigentlich in ihrem Song Uninvited disst. Denn gerade jetzt ist die Bewegung von jungen Sängerinnen mit einer Anti-Coolness-Haltung besonders groß. Von Kiiara über Halsey oder Alma wird gerade groß Stimmung gemacht, sich selbst treu zu bleiben und nicht dem Wahn des stetig Hip seins, zu verfallen. Und dennoch liegt gerade hier der Widerspruch, denn genau mit diesen Songs haben sie riesigen Erfolg und landen ausgerechnet dort, wovor sie eigentlich gewarnt haben – auf den Partys der Coolen. Mallrat singt dabei allerdings so deutlich, dass sie hier nicht zu finden sein möchte, dass man sie fast schon naiv nennen möchte. Wären da nicht Textzeilen wie Smiles are always toothless, but I run out of excuses. So I have to play excited, but I wish I was uninvited und schließlich der Ohrwurm-Refrain Get me off the list, I’ve got nothing on my wrist, die zeigen, wie fernab Mallrat jedweder Naivität ist und so auch zeigt, dass sie weiß wie sie sich selbst am besten positionieren kann. Uninvited ist ein wahnsinnig guter, eingängiger Popsong, der mit Synthie-Beats und cooler Bassline überzeugt. Und ist so ja vielleicht sogar ein sogenannter Grower, der erst mit der Zeit zum Hit wird aber dann richtig einschlägt.