José González - El Invento

José González – Musik, losgelöst von der Sprache

Mit AVEC hatten wir gestern bereits eine Sängerin, die mit ihren Songs so sehr berührt, dass man sich jedes Mal aufs Neue in ihre Musik verliebt. Dem Schweden José González kann man diese Fähigkeit getrost auch zuschreiben. Seitdem der Musiker mit argentinischen Wurzeln im Herbst 2003 seine Version des The Knife Songs Heartbeats als Teil seines Debütalbums veröffentlicht hat, ist er aus dem melancholischen Folk nicht mehr wegzudenken. Dabei hat der, in Göteborg lebende, Musiker in den vergangenen 18 Jahren – seit Veröffentlichung seines Debütalbums Veneer – mit In Our Nature (2007) und Vestiges & Claws (2015) erst zwei weitere Alben veröffentlicht. Auf seinem nun veröffentlichten Song El Invento singt der 42-Jährige erstmals auf Spanisch, was er seiner vierjährigen Tochter zu verdanken hat. Angefangen, an dem Song zu arbeiten, hat der Musiker bereits 2017, war jedoch nie ganz glücklich mit dem Ergebnis. Songs auf Spanisch zu schreiben und zu veröffentlichen – ist schon seit langer Zeit ein Wunsch des Schweden, doch funktionierte es nie so, dass es mit seinem Gefühl übereinstimmte. Nun hat ihm seine Tochter dabei geholfen, was wir auch wunderbar im dazugehörigen Musikvideo sehen können.

José González Credit Hannele Fernstrom
José González Credit Hannele Fernstrom

Hier können wir nicht nur die spanischen Lyrics nachlesen, sondern auch eine englische Übersetzung finden. Dabei wird klar, wie sehr die Geburt seiner Tochter den Musiker verändert hat. Den Blick auf das eigene Leben, die Bedeutung des einzelnen Charakters und den wirklich wichtigen Dingen im Leben. So singt er Zeilen, wie eine einzelne neugierige Seele, so komplex in ihrer Ruhe und in ihrem Sturm und zeigt sich dankbar über die Eindrücke, die ihm diese junge Seele jeden Tag gibt. Auch hier gibt es wieder ein Zusammenspiel aus der Gitarre und González mehrstimmigen Gesang, mit dem er so berühmt geworden ist. Dabei führt dieser mehrstimmige Gesang dazu, dass sich der Ausdruck und die Emotionen besser transportieren lassen. So klingt González nie gebrochen, nie traurig, sondern vielmehr nach einer Ruhe, die wir so nur von dem Schweden kennen. El Invento ist dabei die erste Singleauskopplung auf dem Berliner Label City Slang, bei dem González frisch einen Vertrag unterschrieben hat. Ist er hier bereits mit seiner Band Junip unter Vertrag, finden sich auch Bands und Künstler*innen, wie Roosevelt, Noga Erez, Arcade Fire oder Caribou im Portfolio. Aktuell gibt es noch keine Information, über ein neues Album von González, doch könnte El Invento das erste Anzeichen dafür sein.

David Byrne – Ein Held macht diplomatisch Politik

Die Überschriften sind groß. Er ist zurück, Comeback nach 14 Jahren, Erste Soloplatte seit 2014ließt man heute überall. Dass große Headlines bei niemanden geringeren als David Byrne angebracht sind, steht indes außer Frage. War er von 1977 bis 1991 Sänger der Talking Heads, hat er in dieser Zeit die Popkultur, mit Songs wie Burning Down The House, Once In A Lifetime oder Road To Nowhere geprägt. Hier stand er und seine Band wie nur wenige Andere für das Verschmelzen von den Siebzigern und Achtzigern und hat musikalische Grenzen aufgesprengt. Doch auch nach dem Ende der Talking Heads wurde es um Byrne nicht still. So hat er mit Künstlern wie Philip Glass, X-Press 2, Paul Van Dyk, Arcade Fire oder De La Soul ein wunderbares Potpourri aus den verschiedensten Musikgenres in seiner Diskografie angehäuft. Zwischenzeitlich sogar Alben mit St. Vincent und seinem langjährigen Produzentenfreund Brian Eno veröffentlicht, hat Byrne nun für den 9. März 2018 mit American Utopia ein neues Album angekündigt. Die erste Single daraus, wurde zusammen mit Brian Eno und Sampha produziert. Everybody’s Coming To My House heißt der erste Vorgeschmack des Albums, welches sehr diplomatisch Politik betreibt. Anders, als seine Kollegen von Arcade Fire, Moby oder den Gorillaz, hält sich Byrne mit direkter Kritik gegen bestimmte Personen zurück. Vielmehr fängt er die Stimmung auf den Straßen und stellt die Frage We look around and we ask ourselves—well, does it have to be like this? Is there another way? These songs are about that looking and that asking. Dabei klingt Byrne verspielt, groovig und gleichzeitig kantig. Sein Art-Pop hält die Erinnerung an David Bowie hoch und öffnet sich dem heutigen Pop. David Byrne ist Referenz so vieler, heute höchst erfolgreicher, Künstler. Daher ist ein wenig Superlative bei einer neuen Veröffentlichung des Schottisch-Amerikanischen Sängers durchaus angebracht.

The Best Of 2017 Vol.: 07

01. Giant Rooks – Bright Lies

02. Casper feat. Drangsal – Keine Angst

03. George Ezra – Don’t Matter Now

04. Beyoncé – Irreparable (Ralphi & Craig Radio Remix)

05. Arcade Fire – Everything Now

06. La Roux – Sexotheque

07. Childish Gambino – Redbone

08. Halsey feat. Lauren Jauregui – Strangers

09. Angus & Julia Stone – Snow

10. HONNE – Just Dance

11. Katy Perry – Chained To The Rhythm

12. Harry Styles – Sign Of The Times

13. Jain – Dynabeat

14. Everything Everything – Can’t Do

15. San Jua – Laid To Waste

16. Hollow Coves – Coastline

17. Lena – If I Wasn’t Your Daughter

18. Jata – Monster

19. RY X – Beacon
Arcade Fire - Everything Now

Arcade Fire – Popschelte oder innovative Veränderung?

Schwerfällig startet Everything Now und ist dennoch Disco. Denn in dieses Genre verwandelt sich die Vorabsingle des gleichnamigen, fünften Studioalbums der kanadischen Band Arcade Fire nach 45 Sekunden. Dass Everything Now zusammen mit Thomas Bangalter – einem Teil des französischen Duos Daft Punk – und Steve Mackey – Gitarrist von Pulp – produziert wurde, lässt auf einen bewusst abgezielten Discosound vermuten. So kann man den Song auch in die siebziger Jahre, direkt neben Anita Ward, Chic und Sylvester platzieren. Hinzu kommt ein Sample des Panflötenabschnittes aus Francis Bebeys The Coffee Cola Song, der Everything Now durch die knapp fünf Minuten begleitet. All das zusammen, lässt Arcade Fires erste Single aus dem kommenden Album wunderbar tanzbar klingen und brüskiert damit gleichzeitig eine Menge Fans. So liesst man auf den Social Media Kanälen von Ausverkauf und einer unpassenden Produzentenwahl. Dies wird das Künstlerkollektiv Arcade Fire allerdings kaum beeindrucken, zählt für sie doch seit jeher der künstlerische Anspruch mehr, als es den Fans recht zu machen. Und so steht unterm Strich eine unglaublich tanzbare Discohymne, die kaum besser hätte gewählt werden können.

The Best Of 2017 Vol.: 02

The Best Of 2017 Vol.: 02

01. Blondie – Fun

 

02. Alma – Dye My Hair

 

03. Rihanna – Love On The Brain

 

04. Philipp Poisel – Zum Ersten Mal Nintendo

 

05. Giant Rooks – New Estate

 

06. Claire – End Up Here

 

07. EMMA6 – Kapitulieren

 

08. Fenech-Soler – Conversation

 

09. Missy Elliott feat. Lamb – I’m Better

 

10. Arcade Fire – I Give You Power

 

11. Seafret – Blank You Out

 

12. Ed Sheeran – Castle On The Hill

 

13. Kiesza – Dearly Beloved

 

14. Maxïmo Park – Risk To Exist

 

15. London Grammar – Big Picture

 

16. Satellite Stories – Confetti

 

17. Tokio Hotel – What If

 

18. Goldfrapp – Anymore

 

19. Gorillaz feat. Benjamin Clementine – Hallelujah Money

 

20. Snakehips feat. MØ – Don’t Leave

 

21. Bonaparte – White Noize

Maxïmo Park – Zurück zu lang vermissten Klängen

Maximo Park - Risk To Exist

Maximo Park – Risk To Exist

Es sieht so aus, als würde 2017 DAS Jahr der großen Albumveröffentlichungen werden. Haben doch für dieses Jahr zahllose, weltweit erfolgreiche Bands und Künstler wie, Nelly Furtado, Arcade Fire, Goldfrapp, Gorillaz, Amy MacDonald, Ed Sheeran, London Grammar und viele mehr eine Albumveröffentlichung angekündigt. Zu dieser illustren Zahl an erfolgreichen Bands und Künstlern gesellen sich nun auch die Briten von Maxïmo Park, die mit ihrer ersten Single Risk To Exist das gleichnamige sechste Studioalbum ankündigen. War ihr fünftes Album Too Much Information ein Kritikerliebling kommen sie nun mit Risk To Exist wieder mehr auf die Fans zu und veröffentlichen einen Song, der an die ersten beiden Alben A Certain Trigger und Our Earthly Pleasures erinnert. Da kommen schnelle Gitarren, Paul Smith‘ wunderbar, weinerlich klingende Stimme und ein Maxïmo Park typischer Indiesound zurück und fügen sich zusammen, als hätten sie zwischen Apply Some Pressure und Our Velocity nie etwas anderes gemacht. Risk To Exist zementiert Maxïmo Park als eine der letzten Gitarrenbands der britischen Insel aus den goldenen 2000ern, die darüber hinaus noch immer erfolgreich ist.

Declan McKenna – Indiehero mit Verstand

Declan McKenna - Isombard

Declan McKenna – Isombard

Man mag es ihm kaum zutrauen, doch der Brite Declan McKenna, ist gerade einmal 17 Jahre alt und brachte bereits so einige wirklich gute Songs raus ohne, dass ihn jemand auf dem Zettel hatte. In Hertfordshire, das nördlich von London liegt, geboren, hat er in den letzten zwei Jahren mit riesigen Schritten seine Karriere geformt. So nahm er 2015 auf dem Glastonbury Festival an einem Talentwettbewerb teil und gewann ihn so haushoch, dass ihm daraufhin sage und schreibe 40 Plattenfirmen einen Plattenvertrag anboten. Nun, nur anderthalb Jahre später hat McKenna in Eigenregie Singles wie Brazil, Paracetamol und Bethlehem veröffentlicht. Dabei fällt vor allem auf, dass McKenna nicht einfach nur Sinn für melodische Songs hat, sondern auch als ernstzunehmender Songwriter wahrzunehmen ist. So sticht vor allem Paracetamol hervor, in dem McKenna ein Thema anspricht, dass auch heute noch kaum tematisiert wird – das transgender Jugendlicher. Immer dabei ist allerdings ein frischer, verrückter Indiesound, der an die Zeiten der britischen Indiehochzeit um 2005 erinnert. Da kommen Assoziationen mit den Kooks oder Arcade Fire auf. Letztere kann man deutlich in McKenna’s aktueller Single Isombard erkennen. Mit McKenna hat Großbritannien einen neuen Helden der fast schon ausgestorbenen, doch hochgelobten, Indiebewegung Mitte der 2000er gefunden, der dieser Bewegung neues Leben einhauchen könnte.

Eliza And The Bear – Was bedeutet schon Indie

Eliza And The Bear - Friends

Eliza And The Bear – Friends

Hört man das Genre Indie denkt man an Großbritannien, an London. Und liegt damit genau richtig. Kommen Eliza And The Bear doch aus der britischen Hauptstadt. Auf die Fahne geschrieben haben sie sich, so zu klingen wie ein Mix aus Arcade Fire, The Flaming Lips und The Lumineers. Und genau diesen Sound bekommen die fünf Jungs erstaunlich gut hin. Dabei klingen sie so spritzig und frisch wie The Kooks auf ihrem Debütalbum.
Mit dem Song ‚Friends‘ sind sie gerade auf Promotour und stellen ihre Livequalitäten unter Beweis. Dabei ist ‚Friends‘ mit klassischen Rockinstrumenten aufgenommen worden, was man an der Dynamik sofort raushören kann. Chorale Momente sorgen für kurze Verschnaufpausen, ehe wieder ein schneller, treibender Sound einsetzt. Mit ‚Friends‘ haben Eliza And The Bear es gerade erst auf die BBC Radio One Playlist geschafft und werden in Zukunft sicherlich noch öfter im Radio zu hören sein.

Eliza And The Bear - Friends

Eliza And The Bear – Friends