Foster The People – Ein Ohrwurm, der seine Zeit braucht

Mit Pumped Up Kicks hatte die amerikanische Band Foster The People 2010 gleich mit ihrer Debütsingle einen Welterfolg landen können. Mit eingängigen Beats und einem Songtext zum mitsingen, gelang es ihnen den Song in 23 Ländern in die Charts zu bringen – 13 Mal davon sogar in die Top-10. Nach ihrem zweiten Album Supermodel (2014) erschien letztes Jahr mit Sacred Heart Club ihr dritter Longplayer. Darauf enthalten ist die Single Sit Next To Me, die offiziell bereits am 13. Juli 2017 veröffentlicht wurde. Da der Song aber irgendwo zwischen Ed Sheerans Shape Of You und Luis Fonsis Despacito unterging, versucht das Trio aus Los Angeles nun erneut einen Anlauf. Ihr positiver Indie-Pop lässt sich auf Sit Next To Me perfekt mit der heutigen Geschwindigkeit der Jugend verknüpfen – was die Jungs wunderbar im dazugehörigen Musikvideo umsetzen. Hier haben sie ihre Fans nach Videobeiträgen für den Song gebeten- herausgekommen ist eine InstaStory, wie wir sie auf dem Social-Network täglich sehen. Schnell, charmant und euphorisch wechseln sich die unterschiedlichsten Posts ab und erwecken Sit Next To Me zum Leben. Allein das Musikvideo wäre schon Grund genug, beim zweiten Veröffentlichungsanlauf endlich Erfolg zu haben. Wir drücken ihnen dafür auf jeden Fall die Daumen.

Dennis Lloyd – Sommerschwere

Hört man den Song Nevermind, wird man an einen britischen oder amerikanischen Soundtüftler denken. Hört man den Namen Dennis Lloyd, wird man sich auch noch bestätigt fühlen. Doch hinter dem, so amerikanischen klingenden, Namen verbirgt sich der israelische Sänger Nir Tibor. Auf seinen Künstlernamen angesprochen, erklärt er, dass er einen Namen haben wollte, der sich vertraut anfühlt. Als hätte man ihn schon Mal gehört. Nevermind – seine aktuellste Single – passt damit ebenfalls wunderbar in dieses Konzept. Dabei ist Nevermind genaugenommen gar nicht so neu – hat Lloyd diese doch bereits 2017 als Nevermind (Alright) veröffentlicht und klang diese damals noch deutlich ruhiger. Nun also selbst nochmal überarbeitet, hat Lloyd mit Nevermind eine moderne Pop-Nummer veröffentlicht, die mit tiefen Beats und einen souligen Gesang aufwartet. Wunderbar, um in den Samstag zu starten und sich Pläne für ein grandioses Wochenende zu machen.

She & Him – Freches Genderspiel

She & Him sind seit jeher für ihren folkigen Countrypop berüchtigt. Dieser klingt immer auch verschmitzt und ist mit einem Hauch von Süffisanz versetzt. Dabei lassen sich Zooey Deschanel und Matthew Ward nie irritieren und bleiben ihrem ganz eigenen Stil treu. Ist ihr letztes, selbst geschriebenes Studioalbum bereits fünf Jahre her, hatten sie mit den Interpretationen auf Classics und dem zweiten Weihnachtsalbum Christmas Party in den letzten Jahren dennoch Material veröffentlicht. Inspiriert durch die Compilation Universal Love, auf der Bob Dylan, Kesha, Kele Okereke, St. Vincent und Benjamin Gibbard große Klassiker uminterpretieren und jeweils immer das Geschlecht des Songs verändern, haben She & Him einen Song geschrieben, den sie nun in zweifacher Ausführung veröffentlicht haben. So gibt es die Versionen She Gives Her Love To Me und He Gives His Love To Me, die – wie auch Universal Love – als Soundtrack für gleichgeschlechtliche Hochzeiten fungieren soll. Mit Gitarren beginnend, hakt sich Deschanel harmonisch in den Song ein und singt in gewohnt herzlicher Manier. Dabei kommt die Atmosphäre eines Aufenthaltes auf einem Südstaaten-Rastplatz auf, bei dem alle friedlich zum Song mitgehen. She & Him schaffen es immer wieder, durch ihren ganz eigenen Stil, als Ausreißer, aus der Popwelt, zu fungieren und sind mit She Gives Her Love To Me/He Gives His Love To Me endlich wieder mit einem selbst produzierten Song zurück.

Sofi Tukker – Dancepop mit Biss

Alle zwei Jahre einen Schritt auf der Karriereleiter tätigen – 2014 gegründet, 2016 mit Soft Animals die erste EP veröffentlicht, folgt nun 2018 ihr Debütalbum Treehouse – so kann man den Werdegang des New Yorker Duos Sofi Tukker beschreiben. Auf dem Debütalbum enthalten, ist die Single Best Friend, die seit Monaten durch die Clubs geistert und bei der iPhone X Präsentation am 12. September 2017 erstmals vorgestellt wurde. Dabei zieht sich ein tiefer Bass durch den gesamten Song und werfen sich Sophie Hawley-Weld und Tucker Halpern abwechselnd die Gesangsblöcke zu. Hawley-Weld klingt dabei frech und man meint über die gesamten drei Minuten ein gewissen Grinsen als Unterton rauszuhören. Mit Best Friend haben Sofi Tukker sich die Türen geöffnet, um den nächsten großen Hype auszulösen und stehen dabei auf solidem Grund. Mit ihrem, für April angekündigten Debütalbum und den bereits bekannten Songs F**k TheyEnergia und Baby I’m A Queen zeigen Sofi Tukker, dass der Club ihnen gehört und sie es darauf anlegen die Nacht durchzutanzen.

Chris James – Keine Angst vor Pop

Pop hat heute einen recht negativen Beigeschmack. Zu oft gibt es lieblose Produktionen, die von „Stimmgebern“ präsentiert werden. Dass die Festplatten vieler Plattenfirmen voll mit vorproduzierten Songs sind, die nur darauf warten, einem neuen Sänger oder Sängerin übergestülpt zu werden, wird niemanden überraschen, doch ist gerade der Mut zum waschechten Pop oft lohnenswert. Dabei war sich der in Deutschland lebende Amerikaner Chris James lange gar nicht bewusst, was er wollte und reiste von Hilden, in Nordrhein-Westfalen, nach Los Angeles, Nashville, um schließlich – wieder zurück in Deutschland – nach Berlin zu ziehen. All diese Etappen beeinflussten James so sehr, dass er sich zwischen R&B, Songwriter und Pop für letzteres Schwergewicht entschied. Natürlich nicht, ohne auch ein bisschen von den anderen beiden Genres zu übernehmen. Auf seiner aktuellen Single I Know You Can Dance präsentiert James dann auch mit einer gewissen Kindsköpfigkeit seinen Song, der mit einem markanten Sound und dem wunderbar, rhythmischen Refrain direkt ins Ohr geht. Hier wird man an Songs à la Britney Spears‘ … Baby One More Time oder High School Musical erinnert. Mit schmissigen Gitarren und Breakbeats rechnet man jeden Moment damit, dass eine Baseball- und Cheerleadermannschaft um die Ecke kommt und eine Choreografie abliefert. I Know You Kan Dance ist ein Moment fernab von Stress, der einfach nur Spaß macht.

Cloves – Das ganz große Gefühl

Was macht man, wenn man aus einer Beziehung kommt, die friedvoll und gelassen warnt man selbst genau das Gegenteil ist?! Das weiß die australische Sängerin Cloves – alias Kaity Dunstan. Die in Melbourne lebende Sängerin hat ein aufregendes Jahr vor sich. Vor neun Jahren begann die heute 22 Jährige in Bars zu spielen, 2016 veröffentlichte sie schließlich ihre erste EP XIII. Nun hat Cloves mit Bringing The House Down einen Song veröffentlicht und dabei gleichzeitig angekündigt, dass 2018 wohl mit ihrem Debütalbum zu rechnen ist. Mit Bringing The House Down liefert Cloves dann auch die perfekte Werbung für ein kommendes Album ab. Liegt Cloves Stimme irgendwo zwischen The Noisettes und Gabriella Cilmi, klingt der Sound nach großen Momenten. Zart und direkt singt Cloves darüber, wie es war, in einer Beziehung zu leben, die einfach nur nett und ruhig war. So frustrierte sie, dass es keine Ups und Downs gab – kein Ausbrechen und verrückte Dinge machen. Produziert wurde Bringing The House Down dabei vom amerikanischen Produzenten Ariel Rechtshaid, der bereits für Madonna, Beyonce, Kylie Minogue, U2 oder auch Justin Bieber Songs produzierte. Ebenso wie bei der Produktion, wurde für das Musikvideo keine geringere als die britische Regisseurin Sophie Muller ins Boot geholt. Muller produziert seit 35 Jahren Musikvideos und hat Künstlern wie Eurythmics, Sade, Kings Of Leon, London Grammar und Coldplay fantastische Videos beschert. Somit zeigt Cloves, dass sie nichts dem Zufall überlässt und hört man sich ihre Single erst einmal an, weiß man, dass sich die Australierin mit Bringen The House Down auch keine Sorgen machen braucht.

Black Eyed Peas – Comeback mit Comeback

Sieben Jahre nach ihrem letzten Album The Beginning sind die Black Eyed Peas mit einem neuen Song zurück. Hatten sie 2016 bereits mit ihrem Re-Release des Songs Where Is The Love für Aufsehen gesorgt – immerhin wirkten bei dieser Version und im Musikvideo Künstler wie Usher, Jamie Foxx, Mary J. Blige, Diddy, Snoop Dogg und viele Weitere mit. Nun sorgen die Black Eyed Peas abermals für Aufsehen und drehen ihre musikalische Uhr – zumindest auf Street Livin‘ – zurück und lassen das Jahrzehnt der Dance-Pop-Songs vergessen scheinen. Mit sehr viel 70er Jahre Soul und einer Referenz an den frühen R&B-Sound der 80er klingt Street Livin‘, als hätte man ihn auf einer Kassette, irgendwo im Keller gefunden und einen Song für sich entdeckt. Ohne Fergie aber dennoch mit einer weiblichen Stimme, ist der Song damit eine Rückbesinnung auf ihre Anfangszeit. Denn hier Rappen Will.I.Am, Taboo und Apl.de.ap mit harten Rhymes zu einem harten Thema. So greifen sie die politischen Themen auf, welche die Amerikaner spalten – das Einwanderungsgesetz, die Polizeigewalt oder der hemmungslose Gebrauch von Schusswaffen. Die Black Eyed Peas haben mit Street Livin‘ einen Song veröffentlicht, der versöhnt und gleichzeitig aufrüttelt. Hier werden sicherlich so einige Fans der ersten Stunde wieder ihren Weg zurück finden. Dabei nutzen die Black Eyed Peas gleichzeitig ihre Bekanntheit um auszusprechen, was falsch läuft.

First Aid Kit – Mit Chorgesang und Folk zum Erfolg

Es ist dieser Chorgesang, der uns bei First Aid Kit so fasziniert. Ist ihre Mischung aus Folk und Country gerade in Europa doch nicht all zu weit verbreitet, klingen die beiden schwedischen Schwestern Klara und Johanna Söderberg gleichzeitig jedoch nicht nach dem Country der amerikanischen Südstaaten, sondern kommen dem Pop sehr entgegen. Mit My Silver Lining wurde das Duo in den letzten drei Jahren zu einer der absolut gehyptesten Bands im Folk. Was schließlich in einer ausgedehnten Welttournee und anschließend ganz viel Zeit abseits der Medien endete. Des ganzen Rummels etwas überdrüssig brauchten First Aid Kit lange vier Jahre, um nun im Januar 2018 ihr viertes Album Ruins zu veröffentlichen. Mit der ersten Singleauskopplung It’s A Shame haben First Aid Kit gleich mal mit den Befürchtungen aufgeräumt, ihr neues Album könnte sich noch mehr dem Pop annähern. It’s A Shame ist so viel Country, wie Folk, so viel Pop, wie 80er-Jahre-Synthie. Tatsächlich spielen die Söderberg-Schwestern mit den verschiedensten Instrumenten und verbinden alle zu einem so passenden Folksong, dass man gar nicht anders kann, als sich auf die Rückkehr des Duos zu freuen. Musikalisch sind sie mit It’s A Shame zumindest nie besser gewesen.

Lane 8 feat. Poliça – Starke Rückkehr mit zweitem Album

Lane 8 ist der amerikanische DJ und Produzent Daniel Goldstein, der mit dem Album Rise 2015 seinen eigenen Traum verwirklichte. Als DJ lange vorher schon Songs produzierend, wurde ihm damals davon abgeraten, ein Album zu veröffentlichen. Zu altmodisch, zu uninteressant seien Alben – wurde ihm gesagt. Doch wie er aus seiner Kindheit und Jugend selbst erlebte, waren Alben für ihn immer auch eine Möglichkeit, in einen anderen Menschen hineinzusehen – ihn zu verstehen. Getrieben von diesem Gefühl setzte er sich damals durch und veröffentlichte Rise. Nun, zwei Jahre später ist er durch den Reichtum, selbst Nachwuchs bekommen zu haben, für Album zwei bereit und so produzierte Lane 8 den ganzen Sommer über Songs. Nach ersten Liveauftritten mit dem neuen Material, steht Lane 8 jetzt vor der Veröffentlichung des zweiten Albums Little By Little. Als erste Singleauskopplung ist daher gerade No Captain veröffentlichte worden, welches zusammen mit den Amerikanern von Poliça entstand. Dabei besticht No Captain durch satten House und zerrende Elemente. Passend hierzu findet sich die Stimme der Poliça-Frontsängerin Channy Leaneagh hier so weich wieder, dass man meinen könnte man träume alles nur. Schließlich überschlägt sich der Song förmlich und verschwindet in einem Schwall aus tiefen Sound. Lane 8 hat mit No Captain einen Song veröffentlicht, der seinesgleichen sucht. Groß, voller Klang, Kraft und eine wunderbare Channy Leaneagh sind es, die diesen Song so gut machen.

Ofenbach – Der Zweite Streich folgt sogleich

Mit Be Mine hatte das französische Duo Ofenbach so ziemlich genau vor einem Jahr einen absoluten Hit gelandet, der in Europa für einige goldene Schallplatten verantwortlich war. Nun steht die nächste Singleveröffentlichung ins Haus und Ofenbach werden gar noch besser. Denn mit Katchi liefern sie nicht nur einen satten Housetrack ab, sondern verbinden gleichzeitig auch noch Jazz, Soul, Rhythm & Blues mit ihrem Sound. Dabei unterstützt sie der amerikanische Sänger Nick Waterhouse, der mit seiner Rock’n’Roll-Stimme für den extra drive sorgt. Katchi spielt dabei in seinem ganz eigenen Genre und ist der Inbegriff für Partymusik. Schmunzeln dürfen wir bei dem Funfact, dass das Wort Katchi für eine ganz besondere Art des Sexes steht und Ofenbach somit, doppeldeutig fahren können. Zum einen klingt der Sound catchy und zum anderen arbeiten die Franzosen an einer, sehr tanzbaren Art, verrucht zu klingen. Diesen Spagat schafft das Duo derart beeindruckend, dass wir fast schon im Katchi-Fieber die Hände hochreißen und mittanzen. Aber Achtung! Hört den Song nicht zu leise!